Archive for the ‘Perverses’ Category

März 24, 2010

Die perverse Logik

Ich habe ein Interview mit einem pensionierten deutschen BKA-Beamten gelesen, in welchem dieser zur Geschichte der 1. und 2. Generation der RAF sagte, dass es sich bei diesen eigentlich nur um eine kleine Gruppe von verrückten Kriminellen gehandelt habe; als dann aber Siegfried Buback und Jürgen Ponto von diesen ermordet wurden, also zwei der höchsten Repräsentanten, zum einen des Staates, zum anderen der Wirtschaft (die anderen waren ja egal; oder wer erinnert sich an den Namen des Fahrer von S. Buback? (Wolfgang Göbel)); dann habe man die Angelegenheit schon sehr ernst genommen und der Staat reagierte mit Sondergesetzen, Polizeiarmeen und Großfahndungen.

An der Oberfläche wird der Öffentlichkeit ein absurdes Schauspiel geboten und die wichtigen Entscheidungen, Überlegungen und Verhandlungen werden hinter verschlossenen Türen, in abgedunkelten Hinterzimmern getroffen.
Der Staat kümmert sich um die großen Zusammenhänge, versucht seine Rolle in einer unmenschlichen, globalisierten, entmoralisierten und hoffnungslosen Welt zu finden und ist beleidigt, dass es wohl meistens nur für eine Statistenrolle reicht.
Die größte Gefahr für einen Staat sind nicht andere Staaten (von wirtschaftlichen Aspekten abgesehen); denn extremistische, staaten-unabhängige Gruppierungen, sogenannte Terroristen, von welchem der Bürger nur das Ergebnis erblickt, jedoch nicht die Ursachen (diese sind nur etwas für Experten) welche zu deren Handlungen führen und der normale Bürger bekommt zwischen dem Rate-Quiz (kopf-schmerz) und der neuesten Rosamunde Pilcher Verfilmung (herz-schmerz) die neuesten Nachrichten von der Terror-Front (die ja bekanntlich überall ist) frisch in das Wohnzimmer geliefert:
der Terror-Fürst droht;
der Präsident schweigt;
der Experte analysiert;
die Betroffenheit wird entschärft;
die Eliteeinheiten werden noch mehr Elite
und der schmutzige Krieg ist jetzt sauber
und der Krieg ist seit gestern gewonnen
und der Krieg ist seit morgen verloren
und der saubere Krieg wird schmutzig
und der schmutzige Krieg ist jetzt sauber
und eine Lüge, die zufällig Wahrheit heißt, wird solange verbreitet bis diese die Wahrheit ist
….alles ist klar und eindeutig….
die Front; der Feind, die Verbündeten, die Freunde, die Komplizen
….in 2 Minuten wird einem die Welt erklärt;
alles verstanden….ja?….gut….dann haben sie alles richtig verstanden und richtig gemacht
….dass ist gut….
Zusammenhänge?
Komplexität?
Analysen?
Hintergrundinformationen?
Ist doch viel zu kompliziert, un-notwendig, überflüssig…..also dann….Kriege führen, die Rüstungsindustrie mit vollen Auftragsbüchern versorgen, die Lobbys hofieren, die Mannequins beglücken, den Antiterrorkampf ausweiten, die reiche Oberschicht begünstigen, die Ablenkung multiplizieren; das Business profitiert, das Big Business
und noch ein Ratequiz und noch eine Barbara Cartland Verfilmung….
und wie immer wird fleißig vergewaltigt, gemordet, gefoltert, geköpft, eingesperrt,….
….und der Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz der höchste Wert, die größte Sinnhaftigkeit eingeräumt.

Und der Terror kehrt in seine Heimat zurück….den Armenhäusern dieser Welt….
Und der Krieg endet nicht mehr; nur noch fortgesetzt wird dieser ;
mit anderen Mitteln
den gleichen Mitteln
mit unkonventionellen Mitteln
mit unbekannten Mitteln
mit allen Mitteln
die üblichen Verdächtigen….die Geheimdienste, der militärische Apparat (mit dem dahinter stehenden „militärisch-industriellen Komplex“ (http://www.militaryindustrialcomplex.com/) ….bekommen ein gutes Image und bauen ihre Strukturen; bauen ihre Macht horizontal, vertikal und diagonal aus, halten die Leine fest in der rechten Hand und der Hund namens Menschheit bellt sich heißer;
der Weltfrieden ist gerettet
die Helden siegen
die Niederlage triumphiert
und die einzige Logik in all diesen Zusammenhängen (die niemand zusammen fügen möchte); den Verstrickungen (die niemand kennen möchte); die Beziehungen (die niemand pflegen möchte); ……die einzige Logik ist die perverse Logik….

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März 24, 2010

Entartete Kunst


E.L. Kirchner (Marcella)

….diese Bilder lösen beim Betrachter Abscheu, Beklemmung, Ekel und Erschütterung aus; die geisteskranken Nichtskönner, diese Ausgeburten des Wahnsinn erschüttert von seelischer Verwesung und krankhaften Phantasien mit dieser Stümpferhaftigkeit des Gestaltens, der Frechheit; unsittlich, abnormal, entartet….


Marc Chagall (Blauer Zirkus)

Die Nazis brauchen sich keine Sorgen zu machen.
Die Sorgen machen sich keine Sorgen.
Die Bedeutung ist unbedeutend.
Es hat nichts zu bedeuten.
Und.
Dem Herrenmenschen.
Dem totalen Krieg.

Der fremde Körper.
Die abstrakten Zeichen.
Keine Sorgen machen sich die Nazis.
Die Sorgen machen sich keine Sorgen.
Und.
Dem härtesten Stahl.
Den Burschenschaften.

Die Liebe schlachten!
Die Liebe schlachten?
Die Liebe schlachten!
Die Nazis sind die Sorgen.
Die Sorgen sind besorgt.
Besorgte Sorgen.
Und.
Dem Rassenwahn.

Unendliche Sorgen.

Ungemalte Bilder


Otto Freundlich (Komposition)

….wie immer….verdrängen, ignorieren, vergessen, zerstören….wie immer….

….Otto Freundlich, Ernst Ludwig Kirchner, Marc Chagall, Otto Dix, Otto Müller, Franz Marc, Wassily Kandinsky, Otto Dix, Ernst Barlach, Oskar Kokoschka, Max Liebermann, Otto Pankok, Paul Klee, Max Ernst, Max Pechstein, Oscar Schlemmer, Erich Heckel, Karl Hofer, Geroge Grosz, Lyonel Feiniger,….


Wassily Kandinsky

Eine autobiographische Anmerkung:

Alles was ich geschrieben habe ist entartete Schreiberei; ja ich gehe soweit zu sagen, dass mein gesamtes Dasein vom Anfang bis zum Ende entartet ist….meine Gedichte, Fragmente, Stücke, Aphorismen, Abhandlungen, Kritiken, Beobachtungen usw. sind wertlos, sind bedeutungslos, überflüssig, unnötig; sollen hoffentlich ungelesen und unreflektiert verbleiben; vergessen und verdrängt werden….
Das Beste wäre sicherlich alle Gedichte; ja alles Geschriebene zu vernichten; nicht um den allmächtigen Willen der Herrenmenschen präventiv zuvorzukommen; denn weil diese Schreiberei nicht dem in Mitteleuropa vorherschendem nazionalsozialistischen Weltbild entspricht….es gibt Dreck; ist schmutzig; es gibt Provokation; ist unarisch; es ist nichts leichtes, unbeschwertes, leicht zu konsumierendes und zu verdauendes dabei
….diesem Gedanken folgend ist eine künstlerische Existenz wie die meine 0 (in einer Werteskala von 0 bis 100) wert und jene einer allen nazionalssozialistischen Tugenden in vorbildhafter Weise entsprechenden österreichischen BKA-Beamtin 100….also dann sollen diese Nazibräute nur weiterhin dafür Sorge tragen, dass nur die größten Nazischweine (die einzigen ihnen ebenbürtigen) im nazionalsozialistischen Paradies ficken dürfen….


Lyonel Feininger

März 24, 2010

Perverses

Nicht der Tod bekommt hier einen Sinn,
vielmehr hat das Leben jeden Wert verloren.
Tzvetan Todorov

Eine Schmugglerin im Ghetto, ein sechzehn Jahre altes Mädchen, kaum das Leben begonnen; müde; gefoltert; am Ende; wird an eine Mauer gestellt; sie weint und ihre letzten Worte waren eine Bitte an Gott; „ihren Tod als Opfer ihres Volkes anzunehmen; damit niemand sonst zu sterben brauche“; die polnischen Polizisten weinten als diese die Schüsse auf das Mädchen abfeuerten….es geschah am Morgen des 17.November 1941 in Warschau….ihre Bitte wird unerhört bleiben….
….wer möchte diese Geschichte hören?….
Eine Gruppe von Männern und Frauen verbringen fröhliche, gesellige Stunden miteinander; lachen und musizieren, genießen das Leben; gelöst und heiter wird getrunken, geraucht, relaxt und gefeiert; an die sorgenlosen Frauen werden Heidelbeeren verteilt (die haben sicherlich besonders gut geschmeckt); es sind Bilder von in Ausschwitz arbeitenden Frauen und Männern (Baer, Höss, Mängele, Hocker, Pohl, Kramer,….) aus dem Jahre 1944….wenn diese nicht wie auf den Bildern geschildert das Leben genießen, töten sie hunderttausende Menschen in kürzester Zeit….
….wer möchte diese Bilder sehen?….
Einer von vielen Aufsehern einer Gruppe von 6.000 Gefangenen auf einer sibirischen Flußinsel im Frühjahr 1933, verliebte sich in eine der Gefangenen, ein hübsches Mädchen; er beschützt, versorgt diese mit Lebensmitteln, die Beiden haben ein Verhältnis und eines Tages erkrankt der Aufseher, ist zu schwach um zur Arbeit zu erscheinen; er beauftragt einige seiner Arbeitskollegen diese vor den hungernden Mithäftlingen zu beschützen….aber als diese das Mädchen finden, ist es schon zu spät….sie wurde an einem Baum gefesselt und dann wurden ihr Fleischstücke aus ihrem Körper herausgeschnitten, welche von den Mithäftlingen sogleich verspeist wurden…der Aufseher erfährt davon und krank, geschwächt eilt er zu dem von ihm geliebten Mädchen; sie lebt noch, aber es ist für jede Hilfe zu spät….sie stirbt in seinen Armen….sie endete als Mahlzeit hungernder Mithäftlinge, die keiner liebte….
aus dem Buch „Die Insel der Kannibalen“ von Nicolas Werth
….wer möchte dieses Buch lesen?….
Ein Hutu, welcher sich während des Genozid an den Tutsi 1994 weigerte einige von diesen abzuschlachten, diesen hilft und als seine Freund davon erfahren diese ihm zur Bestrafung mit einer Machete die Ohren, die Nase, die Lippen und den rechten Unterarm abhacken und dann von ihm ablassen und dieser um sein Leben, um seinen linken Unterarm zu betteln beginnt; einen Arm würde er doch zum Leben brauchen, aber nein, sobald er darum gebettelt hatte, wurde ihm auch der linke Unterarm abgehackt….händelos unter Freunden….aus einem Dokumentarfilm über den Genozid
….wer möchte diesen Dokumentarfilm sehen?….
Die unzähligen Geschichten; jene der Kinder im Warschauer-Ghetto; von den russischen Mädchen, welche in den besetzten Gebieten Russlands mehr oder weniger fast alle zu Mätressen der deutschen Offiziere/Soldaten wurden (Quelle:NKWD); die großen Künstler welche in den Konzentrationslagern für das Wachpersonal spielten (und nach dem Krieg sich alle zu Widerstandskämpfern verklärten – wohl dem Widerstand gegen die Menschlichkeit); die endlosen Gräueltaten; die Militärdiktaturen, die sogenannten Zivilisationen; die Massaker, die Deportationen, die Massenexekutionen; der Kinder- Sklaven-, Frauenhandel; das Unmenschliche….die Unmenschlichkeit….
Keine/r möchte sich mit diesen Bildern, diesen Geschichten, diesen Dokumentarfilmen, den Erkenntnissen daraus beschäftigen; zu ungeheuerlich ist es für einen Einzelnen sich mit diesem Wissen (u.a. um die völlige Gewissenslosigkeit) zu befassen; zu dunkel ist des Herzen Finsternis, zu unbegreiflich dieses andauernd Blutbad, dieser Verrat an der Menschlichkeit, welcher die Geschichte der Menschheit ist und das Mäntelchen der Zivilisation, welches darüber gestreift wurde, ist löchrig, hält nicht warm, beschützt nicht vor der Barberei und den Grausamkeiten….die menschliche Boshaftigkeit (welche meist unbewußt ist) kann man nicht sehen, nicht hören, nicht riechen, nicht schmecken, nicht einem anmerken (auch wenn die meisten Menschen vom Gegenteil überzeugt sind); diese ist hochkomplex und wohl ist es schwer bis nicht möglich diese zu verstehen und die meisten Menschen wollen diese wohl auch nicht verstehen; denn diese ist nicht harmlos, denn belastend; ist ideologisch verseucht und nicht naturrein; die Beschäftigung damit löst kein unreflektiertes Wohlgefallen aus, diese schmeichelt nicht, dies hat mit Dreck, mit Wut, mit Pathologischem, mit Gier, Neid, Hass; mit Dummheit, Ignoranz und Überheblichkeit zu tun, diese Beschäftigung muss vor der Tür des eigenen Bewusstsein bleiben; diese Dunkelheit muss verdrängt, vergessen, weggeschlossen werden; unbedacht, ungefühlt und unreflektiert verbleiben; denn der Einzelne muss und soll sich auf die schönen Seiten des Leben konzentrieren; auf das Idyll und von der Realität sich fernhalten; ficken, genießen und in seinem kleinen Garten Eden seine Neigungen kultivieren….
Ich denke, dass es wesentlich ist sich mit diesen Gräueln,….zu beschäftigen, nicht um aus der Geschichte zu lernen, denn aus diesen Geschichten kann man nichts lernen (außer vielleicht die falschen Schlußfolgerungen zu ziehen); denn um ein Verständnis dafür zu entwickeln was ein menschliches Maß sein könnte; dass man im Hintergrund dieses Wissen verwahrt und seine Handlungen und seine Worte zumindest zu einem kleinen Teil davon abhängig macht, dass man in aller Leichtigkeit (die meisten Menschen haben eh nur das Ficken im Kopf) doch etwas von dieser Schwere sich zumuten sollte, sich nicht unwissend wohlgefällig in seiner Dummheit sich wälzt, denn wissend mit den Dämonen der Erinnerung, der Geschichte, ja auch mit mit den Dämonen in sich Selbst kämpft…..
….