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März 29, 2010

Malin

Das Unendliche ist weit, vor allem gegen Ende.
Alphonse Allais

Vorwort:
Leider habe ich aufgrund äußerer Ereignisse den roten Faden beim Schreiben des Fragment verloren.
Ich schreibe somit das Fragment in direkter Weise und vielleicht kann ich mich dazu aufraffen es im Laufe der Zeit noch mehrmals zu überarbeiten.

geschrieben september/oktober 2009

I. In der Unendlichkeit

Der einsame Wolf Brenin
Die Siebenschläferin Malin
Die Schildkröte Trampelpfad
Die Vogelscheuche Sam
Der Kater Marlowe
Die Unendlichkeit
Der Tod

In einem fiktiven Theater.
Im Zuschauerraum, vor welcher sich eine Bühne erhebt.
Es ertönt ein Husten.
Stille.
Ein erneutes Husten und dann beginnt ein langer Schatten vom Zuschauerraum auf die Bühne zu fallen.
Aus den hintersten Zuschauerreihen, den billigsten Plätzen, nähert sich ein einsamer Wolf der fiktiven Bühne.
Nach einigen Schritten hält der Wolf kurz inne, hustet, geht weiter, erreicht den Bühnenaufgang und geht diesen hinauf.
Dort befindet sich der Wolf bei den Ausläufern einer riesigen Wüste und den ersten Erhebungen einer gigantischen Bergkette.
Der Wolf nimmt einen Schluck Wasser aus einem Beutel, welchen dieser bei sich trägt und blickt in die Ferne .
Brenin: Unendlich….das Ende der Unendlichkeit
Der Wolf blickt um sich, als plötzlich eine donnernde Stimme aus dem Nichts ertönt.
Die Unendlichkeit: Wer hustet da?
Der einsame Wolf dreht sich einmal im Kreis, kann aber niemanden entdecken und schreit dann.
Brenin: Der einsame Wolf Brenin!
Die Unendlichkeit: Und warum hustet der einsame Wolf Brenin?
Brenin: Und wer fragt mich warum?
Die Unendlichkeit: Die Unendlichkeit
Brenin: Wie kann es sein, dass mich Brenin, den einsamen Wolf, die Unendlichkeit fragt?
Die Unendlichkeit: Und doch ist es solchermaßen
Brenin: Ich huste wegen der Erschöpfung, der Hitze, wegen der Unendlichkeit allem Tun und Handeln….ich huste wegen der andauernden Wiederholung des Immergleichen….der Erkenntnis, dass auch das Ende der Unendlichkeit unendlich ist
Die Unendlichkeit: Und so hustet der einsame Wolf Brenin
Brenin: Somit huste ich nun schon seit einer Ewigkeit
Brenin hustet.
Die Unendlichkeit: Der einsame Wolf Brenin befindet sich nunmal in der Unendlichkeit
Brenin: Dann wird sich dass mit dem Husten wohl nicht so schnell bessern?
Die Unendlichkeit: Hat sich Brenin denn niemals nach dem tieferen Grund dieses Husten gefragt?
Brenin: Vielleicht hat mich die Unendlichkeit krank gemacht?
Die Unendlichkeit: Vielleicht
Brenin: Ich leide an der Unendlichkeit
Die Unendlichkeit: Der einsame Wolf Brenin leidet an der Unendlichkeit
Brenin: Jetzt spreche ich doch schon mit der Unendlichkeit
Die Unendlichkeit: Entscheide Brenin….was ist besser….mit dir selbst zu sprechen oder mit der Unendlichkeit?
Brenin: Da ist nichts besser, denn nur schlechter
Die Unendlichkeit: Brenin denkt also, dass er sich die Unendlichkeit nur einbildet?
Brenin: So wird es wohl sein
Die Unendlichkeit: Brenin hat also das Ende der Unendlichkeit erreicht
Brenin: Ist es solchermaßen?
Die Unendlichkeit: Und was hat Brenin bis zu diesem Punkt der Unendlichkeit gebracht?
Brenin: Ich….ich bin ein Weltenwanderer
Die Unendlichkeit: Ein Weltenwanderer, welcher zwischen all diesem möglichen wie unmöglichen Welten in der Unendlichkeit verloren gegangen ist
Brenin: Ich frage nicht….denn wer fragt, bekommt eine Antwort….ob sie einem gefällt oder nicht
Die Unendlichkeit: In der Unendlichkeit ist beinahe alles unendlich
Brenin hustet.
Brenin: Ich wandere nun durch diese Welt, Unendlichkeit genannt, seit einer Ewigkeit und nun….
Die Unendlichkeit: ….verlangt es Brenin nach einem Ausweg aus der Unendlichkeit
Brenin: Ich suchte das Ende der Unendlichkeit
Die Unendlichkeit: Und Brenin hat es gefunden
Brenin: Aber dabei hat Brenin anscheinend sich Selbst verloren
Die Unendlichkeit: Vielleicht kann dieses Husten auf den Verlust des Ich zurückgeführt werden
Brenin: Vielleicht ist das einzige Wort, welches hier noch einen Sinn hat
Die Unendlichkeit: Da es so sinnlos ist?
Brenin: Vielleicht
Die Unendlichkeit: Brenin möchte also in die Endlichkeit zurückkehren?
Brenin: Ja, dass möchte Brenin
Die Unendlichkeit: Ein Ende des Ende der Unendlichkeit
Brenin: Wenn es dieses Ende des Ende der Unendlichkeit denn gibt
Die Unendlichkeit: Oh doch, auch die Unendlichkeit hat ein Ende
Brenin: Wie?
Die Unendlichkeit: Das Undefinierbare aus dem Schatten des Unmöglichen herauszerren
Brenin: Sich selbst zu definieren?
Die Unendlichkeit: Definitiv
Brenin: Es wirkt so unkonkret….das eigene Selbst
Die Unendlichkeit: Es verbleibt im Lichte des Möglichen
Brenin: Und doch fällt ein Schatten darauf
Die Unendlichkeit: Die Erkenntnis seiner Selbst ist nunmal eine Frucht, die bitter schmeckt
Brenin: Dann bin ich nunmehr satt davon
Die Unendlichkeit: Und doch so hungrig gewesen?
Brenin: Vor langer Zeit
Die Unendlichkeit: Welche beinahe unendlich wirkt
Brenin hustet.
Die Unendlichkeit: Brenin hat die Unendlichkeit gefunden und Brenin möchte nun in die Endlichkeit zurückkehren
Brenin: So ist es und wird so immer sein
Die Unendlichkeit: Die Unendlichkeit wird Brenin dabei helfen
Brenin: Und was verlangt die Unendlichkeit dafür?
Die Unendlichkeit: Brenin hat dem Tod ein Schnippchen geschlagen
Brenin: Nicht nur einmal
Die Unendlichkeit: Brenin wird viele Abenteuer erleben, wird eintauchen in Geschichten und dann vom Grund der Wörter, vom Boden der Tatsachen und der Erde des Möglichen zur Ewigkeit emporsteigen
Brenin: Brenin wird es versuchen
Die Unendlichkeit: Die Unendlichkeit gewährt Brenin die Gnade
Brenin: Und dass ist alles?
Die Unendlichkeit: Und doch nur ein Nichts Brenin
Brenin: Warum?
Die Unendlichkeit: Die Langeweile….die Monotonie….ein Nichts eben….(ä)
Brenin: Mich verlieren um mich zu finden
Die Unendlichkeit: Zu finden, was Brenin verlieren wird
Brenin: Mehr als sein Sein kann es nicht sein
Die Unendlichkeit: Mehr kann es nicht sein
Brenin: Ich bin bereit
Die Unendlichkeit: Dann steht der Geschichte nur mehr der Beginn un das Ende im Weg
Brenin: Und die Geschichte verzichtet darauf
Die Unendlichkeit: So verzichtet die Geschichte darauf
Brenin: Also kein Beginn und kein Ende?
Die Unendlichkeit: Kein Beginn und kein Ende
Brenin: So wahr ich hier stehe
Die Unendlichkeit: In der Unendlichkeit gibt es nichts Wahres und nichts Unwahres Brenin
Brenin: Nur Unendliches
Die Unendlichkeit: Nur Unendliches
Brenin: Hinweg aus dieser Geschichte mit diesem Beginn und diesem Ende
Die Unendlichkeit: Brenin ist also bereit, aber was muss Brenin tun?
Brenin: Was muss Brenin tun?
Die Unendlichkeit: Brenin geht 99 Schritte von der Wüste hinweg….dort wird Brenin einen grossen Stein; den grössten weit und breit vorfinden….und dort wird Brenin eine Höhle finden….Brenin schiebt einige kleinere Steine beiseite und betretet die Höhle….dort wird Brenin jemanden finden, der Brenin helfen kann, den Weg zurück in die Endlichkeit zu finden
Brenin: Ohne Ende und ohne Beginn
Die Unendlichkeit: Eine Geschichte also
Brenin: Brenin ist bereit
Die Unendlichkeit: Und jenes Wesen, dass Brenin in der Höhle vorfinden wird, wird tief und fest schlafen….seit einer Ewigkeit schläft dieses nun schon und nur Brenin kann es gelingen dieses aus dessen Zauberschlaf zu erwecken
Brenin: Wie soll das gehen Unendlichkeit?
Die Unendlichkeit: Brenin weiß es nicht?
Brenin: Nein!
Die Unendlichkeit: Indem Brenin diesem tief schlafenden Wesen mit seinem Leiden an der Unendlichkeit anstecken wird
Brenin hustet.
Die Unendlichkeit: Genaus so Brenin
B.: Dass ist aber sehr unfreundlich
Die Unendlichkeit: Aber notwendig
Brenin: Und dass ist alles Unendlichkeit?
Die Unendlichkeit: Wenn es denn nicht schon zu viel für Brenin ist?
Brenin: Sollte es nicht komplizierter, komplexer, umfangreicher und schwieriger sein?
Die Unendlichkeit: Brenin ist hier in der Unendlichkeit und nicht in einem Märchen
Brenin: Brenin versteht
Die Unendlichkeit: Und ist es schon zu viel für Brenin?
Brenin: Nein, dass ist es nicht
Die Unendlichkeit: Ein Nichts zuviel
Brenin: Ein zu viel von Allem
Die Unendlichkeit: also ein Nichts
Brenin: Brenin ist bereit!
Die Unendlichkeit: Dann finde die Endlichkeit, tauche ein in die Geschichte, suche und finde dich Selbst; verliere dich!
Brenin: Dass wird Brenin….
Die Unendlichkeit: Die Unendlichkeit wird auf Brenin warten
Brenin: Ohne Beginn und ohne Ende
Die Unendlichkeit: So ist es
Brenin hustet.
Die Unendlichkeit: Dann sollte Brenin nunmehr aufbrechen

Die Stimme der Unendlichkeit erlischt und die ewige Stille kehrt wieder ein.
Brenin blickt sich nach der Stimme der Unendlichkeit um, zuckt kurz mit seinen Schultern und geht dann, seine Schritte dabei zählend, in die Richtung des größten Steines, welchen dieser erblickt.
Dort angekommen findet Brenin nach einer kurzen Ewigkeit, wie ihm von der Unendlichkeit vorausgesagt, den mit einigen kleineren Steinen verlegten Eingang zu einer Höhle.
Brenin schiebt einige kleinere Steine beiseite und betretet die Höhle, blickt sich um und entdeckt nach kurzer Suche ein in einer Ecke zusammengerolltes, tief schlafendes Wesen.
Brenin geht zu diesem, blickt dieses prüfend an, findet nichts Auffälliges und entschließt sich dann, den Rat der Unendlichkeit folgend, das schlafende Wesen aus dessen Zauberschlaf zu erwecken.
Brenin hustet.
Das schlafende Wesen reagiert indem dieses ein sehr lautes Gähnen von sich gibt und sich dann einige Male hin und her rollt.
Brenin hustet das schlafende Wesen nochmals an.
Keine Reaktion.
Brenin schüttelt an dem schlafenden Wesen.
Brenin: Aufwachen!
Das schlafende Wesen gähnt.
Brenin (an dem schlafenden Wesen rüttelnd und schüttelnd): Aufwachen!
Malin (gähnend): Ist schon gut….ist schon gut….(und das Wesen schläft weiter)
Brenin rüttelt an der Schlafenden.
Die Schlafende dehnt und streckt sich, gähnt nochmals ausgiebig und erhebt sich dann.
Malin: Wo bin ich?
Brenin: In einer Höhle
Malin: In einer Höhle?
Brenin: In der Unendlichkeit
Malin: Also in einer Höhle oder in der Unendlichkeit?
Brenin: In beidem
Malin (gähnend): Was….was….ist der Zauberschlaf nun beendet?
Brenin: Ja, dass ist der Zauberschlaf dann wohl
Malin (gähnend): Und wer bist du?
Brenin: Ich bin der einsame Wolf Brenin und wer bist du?
Malin: Also….also du weckst mich aus meinem Zauberschlaf und weißt nicht einmal wer ich bin?
Brenin: Dass ist eine komplizierte Geschichte
Malin: Was bedeutet kompliziert?
Brenin: Eine Geschichte ohne Anfang und Ende ist nunmal kompliziert
Malin: Müssen denn immerzu all diese Geschichten so kompliziert sein?
Brenin: Nur die Märchen nicht….
Malin: Und sind wir hier in einem Märchen?
Brenin: Nein….nicht dass ich davon wüsste
Malin: Wenigstens dieser Trost bleibt mir also
Malin (sich dehnend und streckend): Ich bin die Siebenschläferin Malin
Brenin: Sehr schön….freut mich deine Bekanntschaft zu machen
Malin: Jetzt werde nur nicht auch noch gleich zudringlich
Brenin: Nur nicht, dass du und ich uns missverstehen….
Malin: Dafür besteht auch nicht der geringste Spielraum, um dass auch allen Beteiligten, also dir, in aller Deutlichkeit klar zu machen
Brenin: Ich will dir doch nicht an die Wäsche
Malin: Dazu fehlt dir auch jedliche Wäsche
Brenin: Aber nun, da du wach bist….
Malin (Brenin wehklagend unterbrechend): Und dabei hatte ich soeben einen so schönen Traum….ich befand mich vor einer riesigen Menge Winterspeck….nur für mich….saftiger, guter, fetter, auf Genießertemperatur sich befindlicher und gerade richtig ausgereifter Winterspeck….nur für mich….fein säuberlich in kleine, würfelgroße Stücke geschnitten, um mir dann auf silbirgen, im Abendlicht wunderbar leuchtenden Silbertabletts dargeboten zu werden….nur für mich….und dann….und dann….warum hast du mich nur geweckt….warum nur!?
Brenin: Die Unendlichkeit hat mir deinen Aufenthaltsort verraten
Malin: Wer?
Brenin: Die Unendlichkeit
Malin blickt Brenin etwas schief an.
Malin: Also die Unendlichkeit ist von ihrem Thron herabgestiegen und hatte nichts Besseres zu tun, als dich, gerade dich aufzusuchen, um dir dann nichts wichtigeres mitzuteilen, als dass du mich aus meinen schönen Träumen wecken solltest?
Brenin: Ja
Malin gähnt. Brenin hustet.
Malin: Und wie….und wie hast du mich geweckt?
Brenin: Möchtest du dass auch wirklich wissen Siebenschläferin Malin?
Malin: Nur zu….nur zu….nach deinem Gespräch mit der Unendlichkeit kann mich an dir wohl nichts mehr erschrecken
Brenin: Die Unendlichkeit….
Malin (Brenin veräppelnd): Die Unendlichkeit
Brenin: Also die Unendlichkeit hat mir gesagt, dass ich….dass ich dich anhusten solle….denn dieses Husten würde dich dann wecken
Verblüfft blickt Malin zu Brelin.
Malin: Du hast was?
Brenin: Dich angehustet
Die Siebenschläferin Malin putzt sich ihr Gesicht mehrmals ab und blickt dann, leicht in Wallung gebracht, zu Brenin.
Malin: Wo ich es in meinen Träumen gerade so gemütlich hatte!
Brenin: Tut mir leid
Malin: Mich anzuhusten, da es dir die Unendlichkeit gesagt hat?
Brenin: So ist es
Malin: Noch so ein Spinner
Die Siebenschläferin Malin wendet sich von Brenin ab, legt sich nieder und rollt sich dabei zusammen.
Brenin beugt sich über die Siebenschläferin Malin und hustet diese an.
Malin gähnt und richtet sich dann wieder auf.
Malin: Weißt du was Brenin?
Brenin: Was?
Malin: Du weißt es also nicht?
Brenin: Was soll ich wissen?
Malin: Dass eine Siebenschläferin in der Unendlichkeit siebenmal unendlich lange schlafen muss, um wieder zu erwachen….bis sie….ja, bis sie….warte….bis sie nach dem siebten Schlaf von einem grauenhaften Geräusch eines durch und durch sonderbaren Wesen mit einem garstigen Sprühregen von schleimartigen Partikeln, welche über ihr holdes Haupt fallen, dem Rütteln und Schütteln eines seltsamen Vogels geweckt wird….
Brenin (sich umblickend): Ein seltsamer Vogel?
Malin: So besagt es zumindest die Überlieferung der uralten Siebenschläferrunde….und dann, wenn diese Prophezeiung in Erfüllung geht, muss die Siebenschläferin in die Endlichkeit zurückkehren
Brenin: Und welche Rolle spiele ich in dieser Geschichte?
Malin: Welche….welche Rolle!?
Die Siebenschläferin Malin tretet gänzlich nahe an den einsame Wolf Brenin heran.
Malin: Warum….warum hast du mich nur geweckt?
Brenin: Ich sagte doch schon….
Malin (Brenin unterbrechend): Die Unendlichkeit?
Brenin: Ja
Malin: Die Geschichte ohne Beginn und ohne Ende?
Brenin: Ja
Malin: Und warum in aller Unendlichkeit schickt dich diese Unendlichkeit ausgerechnet zu mir?
Brenin: Da nur du, die Siebenschläferin Malin den Weg zurück in die Endlichkeit kennst
Malin: Und du Brenin möchtest in die Endlichkeit zurückkehren?
Brenin: Ja, dass möchte ich
Malin: Dann ist ja alles klar
Brenin: Die Unendlichkeit hat uns zusammengeführt
Malin: Und wird uns gleich wieder trennen
Malin wendet sich von Brenin ab.
Brenin hustet.
Die Siebenschläferin Malin muss so laut gähnen, dass sich Brenin seine Ohren zuhält.
Malin: Nein….nein, dass kann nicht sein
Malin wendet sich wieder zu Brenin hin.
Malin: Brenin….huste noch einmal
Brenin: Warum sollte ich?
Malin: Huste!
Brenin: Schon in Ordnung
Brenin hustet. Malin gähnt.
Malin: Nochmals!
Brenin hustet. Malin gähnt.
Malin: Wenn du hustest, verspüre ich den unhaltbaren Drang zu gähnen
Brenin: Ja?
Malin: Und um so mehr ich gähne, um so wacher werde ich
Malin gähnt. Brenin hustet.
Brenin: Was soll dass?
Malin: Ab jetzt hustest du nicht mehr….verstanden!?
Brenin hustet. Malin gähnt.
Malin: Vielleicht ist es besser ich und du verlassen die Höhle, bevor ich auch noch zu husten beginne
Malin und Brenin bewegen sich zum Ausgang der Höhle.
Malin: Und woher hast du dieses Husten?
Brenin: Die Wiederholung des Immergleichen….der Erkenntnis, dass auch das Ende der Unendlichkeit unendlich ist….wegen der Erschöpfung, der Hitze, wegen der Unendlichkeit allen Tun und Handelns….
Malin: Mit der Unendlichkeit kennst du dich ja aus
Brenin: Ich habe nur einmal mit der Unendlichkeit gesprochen
Malin und Brenin erreichen den Ausgang der Höhle, verlassen diese und bleiben vor der Höhle stehen.
Malin: Und warum zieht es dich so sehr in die Endlichkeit zurück?
Brenin: Ich leide an der Unendlichkeit
Malin: Du leidest an der Unendlichkeit….wie soll dass gehen?
Brenin hustet. Malin gähnt.
Malin: Jetzt verstehe ich
Brenin: Und wohin nun, wo in allen Himmelsrichtungen nur die Unendlichkeit auf dich und mich wartet….zum einen die Wüste, zum anderen das Meer, zum anderen die Steppe und zum letzten die Zauberberge
Malin: Weißt du denn gar nichts Brenin?
Brenin: Was weiß ich nicht?
Malin: Wo ist diese Unendlichkeit, welche mit dir gesprochen hat?
Brenin: Dort drüben
Malin: Dann nicht dorthin
Brenin: Sollte ich vielleicht nicht noch einmal mit der Unendlichkeit sprechen?
Malin: Am besten ist Brenin du sprichst in Zukunft vielleicht so wenig wie nur irgendwie möglich
Brenin: Dass ist kränkend
Malin: Und notwendig oder kennst du jemanden, der mit der Unendlichkeit gesprochen hat?
Brenin: Außer mir niemanden
Malin: Also?
Brenin: Wie finden wir denn nun einen Ausweg aus der Unendlichkeit?
Malin: Auch die Unendlichkeit hat einen Ausweg
Brenin: Wo?
Malin: Zuerst suchen ich und du jemanden auf, der uns weiterhelfen kann
Brenin: Und zwar?
Malin: Kannst du eigentlich auch etwas anderes als andauernd Fragen zu stellen….nun gut….ich und du müssen das langsamste Wesen aufsuchen, dass es hier in der Unendlichkeit gibt….
Brenin: Die Unendlichkeit?
Malin: Nein!
Brenin: Die Siebenschläferin Malin?
Malin: Nein!
Brenin: Also?
Malin: Die Schildkröte
Brenin: Was ist mit dieser Schildkröte?
Malin: Die Schildkröte ist nicht nur das schlaueste Wesen hier in der Unendlichkeit, denn ich hoffe, dass sie auch über den Ausgang aus der Unendlichkeit Bescheid weiß
Brenin: Ist es ein sehr langer Weg zu dieser Schildkröte?
Malin: Beinahe unendlich
Brenin: So lasse uns nicht trödeln, denn starten.
Der Wolf Brenin und die Siebenschläferin gehen los.
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Malin: Obwohl sich die Schildkröte unendlich langsam durch die Unendlichkeit bewegt….
Brenin: ….ist diese doch nie am selben Ort aufzufinden
Malin: Nur gleich daneben
Brenin: Und wie heißt diese Schildkröte?
Malin: Jeder nennt sie anders….ich nenne sie nur Trampeltreu
Brenin: Du kennst sie?
Malin: Aus meinen Träumen
Brenin: Aus deinen Träumen?
Malin: Ja….was ist so komisch daran?
Brenin: Ich spreche mit der Unendlichkeit und du Siebenschläferin Malin beziehst dein Wissen aus Träumen
Malin: Lieber träumen als wach sich was einzubilden, dass es nicht gibt
Brenin: Einbildung ist die schönste Bildung
Malin: Noch nie von den Siebenschläferinnen-Träumen gehört?
Brenin: Noch nie
Malin: Siebenschläferinnen träumen von der Zeit, also der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft….
Brenin (Malin unterbrechend): Wir sind hier aber in der Unendlichkeit
Malin: ….träumen….
Brenin: Ja?
Malin (den Kopf schüttelnd): Ein Wolf kann dass nicht verstehen!
Brenin: Und diese Schildkröte namens Trampeltreu kann uns helfen?
Malin: Die Schildkröte wird wissen wie wir in die Endlichkeit zurück gelangen können
Brenin: Klingt vielversprechend
Malin: Also folge mir
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Malin: Was verschlägt denn einen Wolf wie dich in die Unendlichkeit Brenin?
Brenin: Dass ist eine lange Geschichte
Malin: Wir werden länger als die längste Geschichte unterwegs sein Brenin
Brenin: Irgendwo in der Mitte der Geschichte….
Malin: Ja?
Brenin: ….bin ich geflohen….
Malin: Vor was?
Brenin: Vor was wird ein furchtloser Wolf wohl fliehen?
Malin: Vor dem Rudel, der Verantwortung, vor Verfolgung….ich weiß es nicht
Brenin: Nein, nein, nein
Malin: Also vor dir selbst?
Längeres Schweigen von Brenin.
Brenin: Ich bin vor der Liebe geflohen
Malin (Brenin veräppelnd): Vor der Liebe?
Brenin: Du machst dich über mich lustig
Malin: Ich dachte immer diese Liebe gibt es nur in Märchen
Brenin: Nein, nur in schrecklichen Geschichten
Malin: Dann erzähle mir deine schreckliche Geschichte
Brenin: Soll ich wirklich?
Malin: Nur zu
Brenin: Ich war verliebt….so wie alle wahrlich Liebenden unglücklich….und um so verliebter um so unglücklicher….und um so unglücklicher um so verliebter….ein Teufelskreis, aus welchem es kein Entkommen zu geben schien….und so verbrachte ich hoffnungslos meine Tage und in ständiger Qual der Ungewissheit meine Nächte….den Morgen abwarten und den Abend mit der Hoffnung auf einen hoffnungsvolleren und doch nur hoffnungsleereren Morgen beendend und beginnend
Malin: Und dann bist du geflohen Brenin?
Brenin: Nein, aber ich erkannte doch wie sich alles, so wie immer, gegen den Liebenden verschwor
Malin: Muss es denn immer solchermaßen sein?
Brenin: So wird es wohl immerzu sein müssen
Malin: Der Neid?
Brenin: Nein….viel schlimmer….die Dummheit
Malin: Also doch der Neid
Brenin: Malin, du kannst es nennen wie du möchtest….Neid….Boshaftigkeit….Niedertracht….am Ende bleibt es trotzdem nur Dummheit
Malin: Und dann?
Brenin: Ja dann….ja dann….
Brenin hustet. Malin gähnt.
Brenin: Ich konnte nicht mehr, nein, es ging nicht mehr….ich konnte einfach nicht mehr dort und damit leben….Unerhörtes geschah; Geschehenes verging und mit zunehmenden Erschrecken und Erkennen wandte ich mich ab…..und damit und dann begann ich als einsamer Wolf durch die Welten zu wandern….
Malin: Welchen Welten denn Brenin?
Brenin: Einer Welt wo oben unten und unten oben ist
Malin: Und wo warst du Brenin?
Brenin: In der Mitte
Malin: Und wie war es da?
Brenin: Knapp war es da
Malin: Und dann?
Brenin: Dann war ich für längere Zeit in einer Schaf-Welt
Malin: Nie davon gehört
Brenin: Für einen Wolf beinahe das Paradies, aber auf Dauer wie alle Paradiese ziemlich langweilig
Malin: Die Unschuld mag keine Zweideutigkeit
Brenin: Und doch erscheint die Unschuld nur aus dieser zu bestehen
Malin: Zum Schein
Brenin: Also beinahe das gesamte Sein
Malin: So könnte es sein
Brenin: So ist es
Malin: Und dann?
Brenin: Dann war ich in einer Märchenwelt, wo nur Märchen lebten….
Malin: Und….
Brenin: Ich war natürlich der böse Wolf
Malin: Die klassische Rolle….
Brenin: ….und mir wie auf dem Leib geschneidert….ich weiß….nur für meinen Geschmack etwas zu wolfig
Malin: Und dann?
Brenin: Dann hier und dort und dort und hier….einer Welt in welcher sich alles verdoppelte und dann verdreifachte und vervierfachte und und und….mich Selbst eingeschlossen….aber mit vier Brenin´s zu leben, wo ich doch schon mit mir Selbst so ausgelastet bin
Malin: Viermal dich!?
Brenin: Viermal und noch viel öfters ich
Malin: Und warum sprichst du von einem einsamen Wolf?
Brenin: Ich bin ein Einzelgänger
Malin: In dieser einen Welt aber doch nicht
Brenin: Nur viermal einsamer
Malin: Also?
Brenin: Ich bin ein Wolf!
Malin: Also der Rudel….der Wolfsrudel?
Brenin: Ach vergiss es
Malin: Was soll ich vergessen?
Brenin: Ich bin einsam….alle Weltenwanderer sind einsam
Malin: Nun bis du Brenin es ja nicht mehr
Brenin: Eine kleine Ewigkeit
Malin: Und nach diesen Welten bist du Brenin in der Unendlichkeit gestrandet?
Brenin: Nach einer Unendlichkeit erreichte ich die Unendlichkeit und nach einer Ewigkeit….das Ende der Unendlichkeit
Malin: Und nun möchtest du wieder zu einem Wolfsrudel dazugehören und Siebenschläferinnen wie mich jagen?
Brenin (auflachend): Du bist doch eine viel zu leichte Beute
Malin: An mir haben sich noch alle Lebewesen ihre Zähne ausgebissen
Brenin: Wohl in den falschen Hals bekommen?
Malin: Dieses Kauderwelsch aus dem Magen aufsteigend….
Brenin: Der Hunger?
Malin: Nein….die Wut!
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Malin: Also….was möchtest du?
Brenin: Ich….ich möchte andere Welten entdecken….weiter suchen….weiter finden….weiter und weiter….andere Welten….denn ich bin nun zu einem Welten-Wanderer geworden und ich möchte nicht einer einzigen Welt und auch wenn diese die Unendlichkeit ist, verharren
Malin: Das Leben hat für dich entschieden
Brenin: So wie dieses für alle entscheidet
Malin: Das Leben, das Leben, das Leben
Brenin: Wohl genau so
Malin: Und jetzt?
Brenin: Genug der Unendlichkeit
Malin: Und dein Husten auskurieren?
Brenin: Und mein Husten, dieses Leiden an der Unendlichkeit, auszukurieren
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Brenin: Und wie war dass bei dir Siebenschläferin Malin?
Malin: Darüber möchte ich nicht sprechen
Brenin: Nun da ich meine Geschichte erzählt habe, erzähle du
Malin: Nein
Brenin: Muss ich mich unendlich oft wiederholen?
Malin: Nein heißt Nein
Brenin hustet. Malin gähnt.
Malin: Ach, warum auch nicht….ich wurde hierher….also in die Unendlichkeit verbannt
Brenin: Von wem?
Malin: Vom hohen Rat der Siebenschläfer
Brenin: Und warum?
Malin: Dass ist eine lange Geschichte
Brenin: Also?
Malin: Ich wollte mich nicht unterordnen, meinen mir zugewiesenen Platz in der Gesellschaft der Siebenschläfer einnehmen….ich wollte frei von diesen Regeln, Einschränkungen und Bestimmungen leben und so wurden die Konflikte mit dem hohen Rat der Siebenschläfer mit jedem Tag und jeder Nacht mehr und mehr und nicht weniger
Brenin: Ich verstehe
Malin: Der Umklammerung entfliehen, den Konditionen, den Vorgaben
Brenin: Den Bedingungen
Malin: Dem ritualisierten Dasein, dem immergleichen Ablauf
Brenin: Dem Schubladendenken in Kategorien der Unterordnung
Malin: Genau
Brenin: Dass kenne ich nur allzu gut
Malin: Alles war geregelt und vorherbestimmt….alles….der hohe Rat der Siebenschläfer hatte schon einen Mann für mich ausgesucht….den Sohn des Nüssemeister, wohlhaben dund universal gebildet….ein Pracht-Siebenschläfer….eine gute Partie….aber ich mochte den Sohn des Nüssemeister einfach nicht….nein, ich mochte ihn nicht….auch eine Arbeit im Amt für Winterschlaf-Freizeit-Aktivitäten wartete auf mich….gut bezahlt, 3 Nüsse pro Arbeitstag….und so alles war geregelt und vorherbestimmt
Brenin: Beengend?
Malin: Hin und wieder muss auch eine Siebenschläferin eine schwierige Entscheidung fällen
Brenin: Und du hast sie gefällt Malin
Malin: Die Streitereien mit den Obrigkeiten, die Einschüchterungsversuche, der subtile Druck, die Massen-Dynamik, das sich anzupassen und anpassen….
Brenin: Bis es zum Bruch kam….
Malin: Es war ein sonniger Herbsttag als es mit dem hohen Rat der Siebenschläfer zu einem Streit über die Dauer meines winterlichen Siebenschlafes gekommen war…..ich wollte mich nicht unterordnen….nein….dieses eine Mal nicht….ich wollte selbst bestimmen wann ich wie und warum ich im Frühling aufwachen wollte und mir dies nicht von der Gemeinschaft der Siebenschläfer vorher bestimmen lassen….ich wollte schlafen so lange wie ich wollte….
Brenin: Dein gutes Recht
Malin: Individualismus anstatt kollektives Mao-Sein
Brenin: Und so wurdest du aus der Gemeinschaft der Siebenschläfer verbannt?
Malin: Der hohe Rat der Siebenschläfer verbannte mich in die Unendlichkeit….und dort sollte ich als Strafe sieben Mal unendlich lange schlafen….um dann die Möglichkeit zu bekommen mir meine Möglichkeiten zu überlegen
Brenin: Zurück in die Gemeinschaft der Siebenschläfer?
Malin: Vielleicht
Brenin: Und ich bin diese Möglichkeit
Malin: Wenn das Unwahrscheinlichste die einzige wahrscheinliche Option ist, dann ist diese wohl sehr wahrscheinlich
Brenin: Also doch zurück zum Siebenschläfer-Stamm
Malin: Vielleicht hat sich in der Zwischenzeit ja etwas geändert
Brenin: Das rigide Regelwerk, welches das Gegeneinander in einem kontrollierbaren Rahmen hält!?
Malin: Es ist wohl notwendig, aber nicht für mich….und außerdem funktioniert es nicht
Brenin: Bei den anderen schon
Malin: Aber diese wollen nicht selbst bestimmen, diese wollen nicht denken
Brenin: Und genau dieses Nicht-Denken, Nicht-Selber-Bestimmen ist nicht nur ihre Stärke, denn auch das Verbindende untereinander
Malin: Ich möchte nicht schlecht über meine ehemalige Gemeinschaft sprechen
Brenin: Dann bist du ein Schaf wie diese
Malin: Nein, ich bin kein Schaf, ich bin nur eine….nur eine….
Brenin: Siebenschläferin?
Malin: So ist es
Brenin: Kein Schaf?
Malin: Nein!
Brenin: Welche….welche?
Malin: Welche nunmehr sieben Mal in der Unendlichkeit geschlafen hat
Brenin: Bis der Prinz….
Malin: ….verkleidet als Wolf
Brenin: Ach, keine Märchen
Malin: Nein, keine Märchen
Brenin: Du hast deine Strafe also akzeptiert?
Malin: Gar nichts habe ich, aber dass zur Genüge
Brenin: Dann bist du so einsam wie ich
Malin: Alle die die Freiheit lieben sind einsam
Brenin: Sehr einsam
Malin: Wir sollten unsere Kräfte sparen
Brenin hustet. Malin gähnt.
Malin: Genau so meine ich dass
Brenin: Dann lasse uns schweigend gehen
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Malin: Dort drüben….siehst du dort drüben Brenin
Brenin: Was?

Brenin und Malin gehen schweigend dahin, als die beiden an die Grenze einer fiktiven Bühne gelangen, diese herabsteigen und nach einer Ewigkeit bei den billigsten Zuschauerplätzen in einem fiktiven Theater wieder erscheinen.
Die beiden setzen sich sichtlich ausgelaugt in zwei leere Sitzplätze und trinken etwas Wasser aus Brenin`s Feldflasche.
Brenin: Ich habe eine schreckliche Ahnung
Malin: Dass das Wasser, obwohl es unendlich ist, zu Neige geht
Brenin: Nein….denn dass wir uns im Kreis bewegen
Malin: Du meinst wir sind wieder beim Ausgangspunkt der Geschichte angelangt?
Brenin: Genau
Malin: Obwohl diese Geschichte keinen Beginn und kein Ende hat
Brenin: Dass meine ich doch nicht
Malin: Aber es ist doch einiges in der Zwischenzeit passiert
Brenin: Ja….wirklich?
Malin: Ja doch
Brenin: Was ist geschehen?
Malin: Wir haben uns getroffen, wir suchen die Schildkröte, wir suchen einen Weg aus der Unendlichkeit
Brenin: Es erscheint als müsse jeder unserer Tätigkeiten unendlich lange in der Unendlichkeit dauern
Malin: Warten wir ab
Brenin: Ohne Zeit?
Malin: Wer braucht schon die Zeit?
Brenin: Vollenden wir den Kreis?
Malin: Die Quadratur des Kreises?
Brenin: Äquivalent zur Unendlichkeit
Malin: Eine Metapher auf die Unmöglichkeit
Brenin: Diesem Schatten auf dem Dasein
Malin: Zumindest versuchen wir es
Brenin: ….diese Geschichte zu entwickeln….
Malin: Vielleicht findet sich ja noch eine
Brenin: Eine Geschichte ohne Beginn und ohne Ende
Malin: Unmöglich ist ja nur die Endlichkeit
Brenin: Lass uns sehen
Brenin: Nein….lasse uns weitergehen
Malin: In Ordnung
Eine kleine Ewigkeit vergeht mit Nichtstun der Beiden auf ihren Sitzplätzen, bis sich Brenin und Malin von ihren Sitzplätzen erheben, durch den Zuschauerrraum zum Bühnenaufgang gehen und diesen dann hinauf.
Als die Beiden die fiktive Bühne des fiktiven Theaters erreichen….
Malin: Dort drüben
Brenin: Was ist dort drüben?
Malin: Die Schildkröte
Brenin: Ich sehe diese auch….los komm….

Malin und Brenin gehen zu der Schildkröte und bleiben vor dieser, welche sich unendlich langsam durch die Unendlichkeit bewegt, stehen.
Brenin: Und nun?
Malin: Es muss uns irgendwie gelingen die Aufmerksamkeit der Schildkröte zu erlangen
Brenin: Und wie?
Malin: Ich habe eine Idee Brenin….
Brenin: Ja?
Malin: Huste die Schildkröte doch an
Brenin: Und wo soll ich diese riesige Schildkröte denn anzuhusten?
Malin: Entscheide einmal, nur einmal du selbst
Brenin sucht sich einen Hustplatz und hustet von dort die Schildkröte an.
Malin gähnt die Schildkröte an.
Keine Reaktion der Schildkröte.
Brenin: Und jetzt?
Malin: Brenin, du verlierst zu schnell den Mut
Brenin hustet noch einmal die Schildkröte an.
Malin gähnt die Schildkröte an.
Die Schildkröte Trampelpfad gibt einen langgezogenen, wehklagenden Ton von sich und wendet ihren Kopf, welcher aus einem langen Hals mündet, Brenin und Malin hinzu.
Trampelpfad: Wer wagt es mich während meine ewigen Siesta zu stören?
Brenin: Der Wolf Brenin
Malin: Und die Siebenschläferin Malin
Trampelpfad: Ein dicker Wolf und eine knusprige Siebenschläferin….mmmmmmhhhh….
Malin: Brenin!
Brenin: Ja Malin?
Malin: Diese Schildkröte ist mir jetzt schon unheimlich
Brenin: Nur kein Angst….ich bin an deiner Seite….Schildkröte! Ich bin nicht dick!
Malin: Und ich bin patrout nicht knusprig!
Keine Reaktion von der Schildkröte Trampelpfad.
Malin: Brenin, lass mich mit der Schildkröte von Siebenschläferin zu Schildkröte sprechen
Brenin: Nur zu
Malin: Schildkröte! Schildkröte!
Trampelpfad: Ach so…ach so….ihr seid es nur….mein Nachtisch
Malin: Hör zu Schildkröte….wir sind nicht dein Nachtisch….wir wollten….
Trampelpfad (Malin unterbrechend): Ihr seid aber zwei köstliche Leckerbissen
Malin: Schildkröte….so verstehe doch….wir sind….
Ein lautes Knurren ist von der Schildkröte zu vernehmen.
Trampelpfad: Habt ihr dies auch gehört exquisite Gourmethäppchen….dass ist mein Magen, der solchermaßen knurrt
Malin: Wir brauchen deine Hilfe Schildkröte
Trampelpfad: Dass wird ein Festmahl werden
Brenin: Malin….!
Malin: Warte noch….
Die Schildkröte nimmt eine Blättersträucher in ihren Mund und lässt diese dann über Malin und Brenin herabrisseln.
Brenin: Was soll dass?
Trampelpfad: So nun seid ihr auch noch gut gewürzt….mmmmmmhhhhh….
Malin: Schildkröte!?
Trampelpfad.: Was ist denn gutes Häppchen?
Malin: Wir sind nicht hier um von dir verspeist zu werden….verstanden!
Trampelpfad: Oh, ich bin nicht wählerisch….wichtig ist doch vor allem, dass die Gewürzmischung passt
Malin: Brenin!
Brenin: Was soll ich tun Malin?
Malin: Beiss der Schildkröte Trampelpfad in die Pfote
Brenin: Ich bin aber gegen….
Malin (Brenin unterbrechend): Beiss der Schildkröte in die Pfote!
Brenin: Aber….
Malin (Brenin unterbrechend): ….und keine Grundsatzdiskussionen!
Trampelpfad: Dass wird ein ein Freudenfest für meinen Gaumen werden….
Brenin eilt zu einer der Pfoten der Schildkröte und verbleibt unschlüssig über seine weitere Vorgehensweise vor der Pfote stehen.
Trampelpfad: Wo habe ich nur meine Gabel wieder hingelegt?
Malin: Nun zier dich doch nicht solchermaßen Brenin
Brenin beisst der Schildkröte in die Pfote.
Die Schildkröte jaucht erschrocken auf.
Malin: Schildkröte….Schildkröte! Verstehst du es denn jetzt….wir sind keine Gourmetleckerbissen….keine Zwischenmahlzeit….keine Häppchen….
Trampelpfad: Meine Pfote….meine Pfote….
Malin: Brenin….noch einmal….
Trampelpfad: Warte….warte Siebenschläferin….ich habe verstanden….ich habe verstanden….aber wenn ihr keine, süßen Leckerbissen seid….warum seid ihr dann hier?
Malin: Wir brauchen deine Hilfe
Trampelpfad: Und deshalb beißt mir dein kleiner Freund in die Pfote?
Malin: Damit wir uns auch verstehen
Trampelpfad: Ja….ja….dass habe ich verstanden….ich weigere mich aber solchen Rabauken wie euch zu helfen
Malin: Brenin?!
Brenin: Malin?
Trampelpfad: Warte….so warte doch Siebenschläferin
Die Schildkröte Trampelpfad beugt ihren Kopf gänzlich nahe zu Malin und beobachtet diese aus der Nähe.
Trampelpfad: Als großen Happen kann man dich ja wahrlich nicht bezeichnen
Malin: Ich bin doch viel zu zäh für deine Geschmacksnerven
Trampelpfad: Und wie und wie heißt du und dein kleiner Freund nochmals….ich bin ja so vergesslich
Malin: Ich bin die Siebenschläferin Malin
Brenin: Und ich bin der Wolf Brenin und ich bin nicht klein!
Trampelpfad: Ach so….ach so….nicht klein….nicht knusprig….nicht dick….was seid ihr denn dann?
Malin: Zäh!
Brenin: Ungenießbar!
Malin: Unbekömmlich!
Brenin: Unverdaulich
Malin: Giftig!
Trampelpfad: Zäh und ungenießbar….unverdaulich und unbekömmlich….dass wäre doch einmal zur Abwechslung….
Malin: Giftig!
Trampelpfad: Also giftig….nein….giftig….nein….aber wenn ihr kein Zwischenhäppchen für mich seid….was macht ihr dann hier in der Unendlichkeit?
Malin: Ich schlief den ewigen, sieben Male andauernden Siebenschläferschlaf, bis der Wolf Brenin mich geweckt hatte
Brenin: Und ich bin nur zufällig in der Unendlichkeit gestrandet
Trampelpfad: Es gibt doch keinen Zufall Kinder
Brenin: Ein Weltenwanderer bin ich und in dieser Unendlichkeit gestrandet!
Trampelpfad: Am Felsen der Sinnlosigkeit des Universum zerschellt
Brenin: Könnte sein
Trampelpfad: Vielleicht?
Brenin: Genau
Trampelpfad: Und jetzt, also nie?
Malin: Wir brauchen deine Hilfe
Trampelpfad: Ja…ja….dass habe ich schon verstanden….alle brauchen meine Hilfe
Malin: Und so auch wir
Trampelpfad: Welche Art von Hilfe?
Malin: Die Zeit und….
Trampelpfad (Malin unterbrechend): Wir sind hier in der Unendlichkeit….hier gibt es keine Zeit
Malin: Gerade deshalb
Trampelpfad: Zeit gibt es nur in der Endlichkeit
Brenin: Genau!
Malin: Wie finden wird zur Zeit und Endlichkeit zurück?
Trampelpfad: Dazu müsst ihr als allererstes und als allerletztes langsamer werden
Malin: Und dann?
Trampelpfad: ….damit die Endlichkeit euch finden kann
Malin: Und wo finden wir diese Endlichkeit?
Trampelpfad: Diese wird euch finden
Brenin: Ja?
Malin: Und um die Unendlichkeit zu verlassen?
Trampelpfad: Um die Unendlichkeit zu verlassen, müsst ihr die Vogelscheuche finden….und somit den Weg finden, welcher euch in die Endlichkeit zurückführt
Malin: Und wo finden wir diese Vogelscheuche?
Trampelpfad: Die Vogelscheuche befindet sich nunmehr schon seit einer Ewigkeit am gleichen Ort
Malin: Wo?
Trampelpfad: Es ist ein sehr beschwerlicher Weg zu dieser Vogelscheuche
Malin: Ja?
Trampelpfad: Außerdem ist sie beleidigt
Malin: Warum und woher weißt du dass?
Trampelpfad: Vogelscheuchen sind immerzu beleidigt….dass macht das Wetter und was weiss ich
Malin: Also?
Trampelpfad: Was?
Malin:Wo?
Trampelpfad: Ach Kinder, wenn ihr wüsstet, welche Lasten ich mit mir herumschleppe
Malin: Wir wollen dir nicht zur Last fallen
Trampelpfad: Alles ist doch so beschwerlich
Malin: Ja, dass ist es wohl
Trampelpfad: Ach, meine Rückenschmerzen
Malin: Können wir dir helfen?
Trampelpfad: Ach, mein Rücken
Malin: Gibt es etwas was wir für dich tun können?
Trampelpfad (aufstöhnend): Ach so….ach so….mein Rücken
Malin: Alles schmerzhaft und chronisch, aber wo befindet sich die Vogelscheuche Schildkröte?
Trampelpfad: Ich verrate euch ein Geheimnis
Malin: Ja?
Trampelpfad: Ohhhh….ein Geheimnis….die Vogelscheuche….
Malin: Ja?
Trampelpfad: Die Vogelscheuche befindet sich auf meinem Rückenpanzer
Malin und Brenin blicken zum Rückenpanzer der riesigen Schildkröte und die Beiden erblicken eine Vogelscheuche, welche auf dem Rückenpanzer der Schildkröte Trampelpfad trohnt
Malin wendet sich wieder der Schildkröte hinzu.
Malin: Tatsächlich
Trampelpfad: Ja, auf meinem armen, geschundenen Rücken
Malin: Du möchtest die Vogelscheuche loswerden….oder?
Trampelpfad: Diese Vogelscheuche befindet sich nun schon….ach, was sage ich….diese Vogelscheuche bremst mich ein
Brenin: Was ja irgendwie schwer vorstellbar ist
Malin: Brenin!
Brenin: Ich schweige ja schon
Trampelpfad: Und doch, ja doch bremst mich diese Vogelscheuche ein….ansonsten wäre ich doch längst schon an meinem Ziel angelangt
Malin: Und welches Ziel wäre dass Schildkröte Trampelpfad?
Trampelpfad: Welches Ziel?
Malin: Ja
Trampelpfad: Ich hadere noch zwischen drei Zielen….der Unendlichkeit….der Endlichkeit….und der Enscheidung zwischen diesen Beiden….
Malin: Seit einer Ewigkeit
Trampelpfad: Ja….woher weißt du dass Malin?
Malin: War nur so eine Vermutung
Trampelpfad: Und was vermutest du ansonsten noch?
Malin: Wenig bis gar nichts
Trampelpfad: Also?
Malin: Dein eigentliches Ziel ist die Ewigkeit….die Nicht-Entscheidung
Trampelpfad: Du bist eine scharfsinnige Siebenschläferin
Malin: Und du langweilst dich
Trampelpfad: So wie ihr
Malin: Auch die Langeweile hat ihre Geschichte
Trampelpfad: Erzähle sie mir
Malin: Die Langeweile entstand, wie sollte es auch anders sein, vor langen Ewigkeiten in der Unendlichkeit; Zeit und Raum waren vom Nichts satt geworden und so begannen sich diese auszudehnen….dehnten und dehnten sich und so entstand das Universum; die Welten, die Vielfalt, das Leben und die Möglichkeiten und doch hatten weder die Zeit noch der Raum eine Vorstellung davon wie unendlich, wie ewig dies alles geworden war und so begannen sich der Zeit und der Raum mit dem Etwas zu beschäftigen, um festzustellen, dass es nur ein Nichts war….da begannen sich der Zeit und der Raum wiederrum zu langweilen und gründeten die Physik.(ä)

Trampelpfad: Eine langweilige Geschichte über die Langeweile….wie langweilig
Malin: Ja….langweilig
Die Schildkröte beugt sich gänzlich nahe zu Malin heran.
Trampelpfad: Los Siebenschläferin Malin, klettere zur Vogelscheuche hinauf
Malin: Ich versuche mit der Vogelscheuche zu sprechen….warte hier Brenin
Brenin: Ich warte
Die Siebenschläferin Malin klettert auf den Rücken der Schildkröte hinauf und befindet sich dort angekommen vor der Vogelscheuche.
Malin: Vogelscheuche?
Vogelscheuche: Geh mir aus der Sonne
Malin: Es scheint keine Sonne
Vogelscheuche: Ja?
Malin: Ja
Vogelscheuche: Also, wer stört?
Malin: Ich bin die Siebenschläferin Malin und wie ist dein Name?
Vogelscheuche: Was möchtest du?
Malin: Ich….
Vogelscheuche (Malin unterbrechend): Flattern meine Arme im Wind?
Malin: Wie bitte?
Vogelscheuche: Flattern meine Arme im Wind?!
Malin: Es ist windstill
Vogelscheuche: Was möchtest du….warte….warte….solltest du hier in der Ewigkeit als Siebenschläferin nicht sieben Mal ewig schlafen?
Malin: Du musst mir helfen
Vogelscheuche: Warum schläfst du nicht?
Malin: Ich wurde von einem Wolf geweckt
Vogelscheuche: Oh wie schrecklich….dass tut mir aber leid für dich
Malin: Du musst mir helfen
Vogelscheuche: Warum sollte ich?
Malin: Um uns zu helfen
Vogelscheuche: Uns?
Malin: Mir und dem einsamen Wolf Brenin
Vogelscheuche: So einsam erscheint mir dieser Wolf dann aber doch nicht zu sein
Malin: Dass ist eine lange Geschichte
Vogelscheuche: Wie lang?
Malin: Zu lang
Vogelscheuche: Also sehr kurz….
Malin: Ohne Beginn und ohne Ende….
Vogelscheuche: Und es ist trotzdem eine Geschichte?
Malin: Was denn sonst?
Vogelscheuche: Was denn sonst?
Malin: Hilfst du uns?
Vogelscheuche: Wobei?
Malin: Du musst den Rückenpanzer der Schildkröte verlassen Vogelscheuche
Vogelscheuche: Was sollte dies bringen?
Malin: Dann erzählt uns die Schildkröte das Geheimnis des Weges aus der Unendlichkeit hinaus
Vogelscheuche: Unmöglich
Malin: Wie?
Vogelscheuche: Unmöglich!
Malin: Warum sollte dies unmöglich sein?
Vogelscheuche: Ich habe es im tiefsten Innern meines morschen Holzes schon immer gewusst….die Schildkröte genießt meine Anwesenheit….ja gänzlich vernarrt ist diese Schildkröte in mich; aber; natürlich möchte ich nichts davon wissen
Malin: Die Schildkröte sagte mir, dass du, also die Vogelscheuche auf ihrem Rückenpanzer, dass du also; dass du die Schildkröte bremst
Vogelscheuche: Also dass ist doch lachhaft
Malin: Sie sagte es mir
Vogelscheuche: Wer sagte was?
Malin: Wie bitte?
Vogelscheuche: Was oder wer, nicht wie!
Malin: Also….
Vogelscheuche (Malin unterbrechend): Schlottern meine Beine in der Kälte?
Malin: Es ist nicht kalt
Vogelscheuche: Woher willst du dass wissen?
Malin: Ich weiß es einfach
Vogelscheuche: Du hälst mich für dumm?
Malin: Nein!
Vogelscheuche: Also ich….ich….die Schildkröte einbremsen…also….nein….hat die Schildkröte dies wirklich gesagt?
Malin: Ja
Vogelscheuche: Also so was auch….da leistet man der Schildkröte eine Ewigkeit lang und kurz und breit und lang Gesellschaft und dass ist dann der Dank
Malin: Also hilfst du uns?
Vogelscheuche: Undank ist aller Welten Lohn
Malin: Womöglich ja
Vogelscheuche: Ihr wollt also die Unendlichkeit verlassen
Malin: Ja, dass wollen wir
Vogelscheuche: Ich weiß zwar nicht wie ihr die Unendlichkeit verlassen könntet, aber ich verlasse unter einer Bedingung den Rückenpanzer der Schildkröte
Malin.: Welcher?
Vogelscheuche: Ich möchte mit euch die Unendlichkeit verlassen
Malin: Was möchtest du?
Vogelscheuche: Ich möchte mit euch die Unendlichkeit verlassen
Malin: Nein
Vogelscheuche: Unmöglich?
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Malin: Also gut
Vogelscheuche: Endlich einmal etwas Abwechslung
Malin: Ich sollte noch Brenin fragen
Vogelscheuche: Den Wolf?
Malin: Ja
Vogelscheuche: Ach vergiss es….ja oder nein….
Malin: Wie heißt du?
Vogelscheuche: Ich bin die Vogelscheuche Sam….also?
Malin (nach kurzem Überlegen): Ja
Vogelscheuche: Dann lasse uns aufbrechen
Die Vogelscheuche Sam und die Siebenschläferin Malin klettern vom Rückenpanzer der Schildkröte zu dem wartenden Brenin.
Brenin: Du hast es geschafft Malin
Malin: Frage mich nicht zu welchem Preis
Brenin: Ich bin der einsame Wolf Brenin und du?
Vogelscheuche: Ich bin die Vogelscheuche….Freunde dürfen mich Sam nennen
Brenin: Also gut Vogelscheuche….danke für deine Hilfe
Vogelscheuche: Nichts für ungut
Brenin: Und was war der Preis Malin?
Malin: Die Vogelscheuche….also Sam wird uns bei unserem Weg aus der Unendlichkeit hinaus begleiten
Brenin: Nun gut….herzlich willkommen Vogelscheuche in unserer illustren Runde
Vogelscheuche: Die Ehre ist gänzlich meinerseits
Malin: Du wirst uns also begleiten
Vogelscheuche: Ihr könnt mich Sam nennen
Brenin: Sehr freundlich von dir
Die Drei wenden sich der vor sich dahinsummenden Schildkröte hinzu.
Malin: Schildkröte….Schildkröte!
Trampelpfad: Oh….mein Mittagessen
Malin: Schildkröte!
Trampelpfad: Und schon gewürzt
Malin: Brenin!
Trampelpfad: Schon gut….schon gut Siebenschläferin Malin, die nicht mehr schläft….was ist diese seltsame Gestalt neben dir?
Malin: Dass ist die Vogelscheuche Sam
Trampelpfad: Ich meinte den einen der anderen Seite
Malin: Dies ist Brenin, der einsame Wolf
Trampelpfad: Ach so….ach so….wie vergesslich ich doch bin….es ist dir also gelungen die Vogelscheuche von meinem Rückenpanzer herunter zu locken
Vogelscheuche: Und ich….
Trampelpfad (die Vogelscheuche Sam unterbrechend): Ich weiss….ich weiss doch….
Vogelscheuche: Eine Unverschämtheit ist dass, da leiste ich dir eine Ewigkeit lang und kurz Gesellschaft und dann nur Undank!
Trampelpfad: Ach Vogelscheuche….Undank ist aller Welten Lohn
Vogelscheuche: Sogar in der Unendlichkeit
Trampelpfad: Gerade dort
Vogelscheuche: Wahrlich eine Unverschämtheit ist dass
Trampelpfad: Wohl war ich einfach zu schnell
Vogelscheuche: Zu schnell? Zu langsam!
Trampelpfad: Also stimmt es doch….Undank ist aller Welten Lohn
Die Vogelscheuche schmollt schweigend und so ergreift die Siebenschläferin Malin die Gelegenheit.
Malin: Also Schildkröte, nun da wir die Aufgabe welche du uns gestellt hast erfüllt haben….also der Weg aus der Unendlichkeit hinaus?
Trampelpfad: Ihr müsst….ihr müsst….(längeres Schweigen)….könnt ihr denn meine Pfotenabdrücke im Boden hinter mir erkennen?
Malin eilt an das Ende der riesigen Schildkröte und von dort wieder zurück.
Malin: Ja, ich kann diese erkennen
Trampelpfad: Ihr müsst diese rückwärtsgehen, bis diese so schnell nach vorwärts strebenden Abdrücke enden
Malin: Und dann?
Trampelpfad: Dann seid ihr dermassen langsam geworden, dass ihr die Grenze zur Endlichkeit erreichen könnt
Malin: Immer deinen Pfotenabdrücken rückwärts hernach?
Trampelpfad: Eine Pfote schmerzt nunmehr
Malin: Und dass ist alles?
Trampelpfad: Manchmal….nein, doch nicht….
Malin: Sollte es nicht etwas komplexer, schwieriger und anspruchsvoller sein?
Trampelpfad: Wie bitte?
Malin: Irgendwelche versteckten Anspielungen, ja Ereignisse, Verwicklungen und Entwicklungen?
Trampelpfad: Wir sind hier doch nicht im Theater
Malin: Nein, dass sind wir nicht
Trampelpfad: Ja, dies ist alles….und nun muss ich rasten
Malin: Vielen Dank für deine Hilfe Schildkröte Trampelpfad
Trampelpfad: Nichts für ungut….sollt leben….wichtig ist mir nur, dass ihr die Vogelscheuche mitnehmt
Vogelscheuche: Eine Unverschämtheit, ein Skandal….
Die beginnende Tirade der Schildkröte wird durch die Schildkröte unterbrochen, indem sich diese unvermittelt in ihre Behausung im Rückenpanzer zurückzieht.
Brenin, Malin und Sam eilen zu den Pfotenabdrücken der Schildkröte.
Malin: Dass wäre dann also der Weg
Brenin: Scheint eher langsam zu sein
Vogelscheuche: Langsamer als die Schildkröte
Malin: Dass ist unmöglich
Brenin: Also unendlich
Vogelscheuche: Dann lasst uns sogleich starten
Malin: Ja, dass sollten wir….also….
Malin, Brenin und Sam beginnen in den riesigen Pfotenabdrücken der Schildkröte rückwärts zu gehen.
Brenin: Und dass wird funktionieren?
Malin: Hast du eine bessere Idee?
Brenin: Vielleicht später
Brenin hustet. Malin gähnt. Sam schmollt.
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Vogelscheuche: Ist es noch weit?
Malin: Wir sind doch gerade eben erst gestartet Sam
Vogelscheuche: Ach so
Brenin: Und Vogelscheuche Sam, was hast du denn in deiner bisherigen Zeit so gemacht?
Vogelscheuche: Nicht viel
Brenin: Also nicht viel
Vogelscheuche: Dies und jenes
Brenin: Und jenes und dies
Vogelscheuche: Mal dort, mal hier, mal anderswo
Brenin: Und jetzt bis du hier?
Vogelscheuche: Ich war jenseits vom Niergendwo und im diesseits vom Niergendwo und nun bin ich hier
Brenin: In der Unendlichkeit
Vogelscheuche: Ich möchte mich nicht darauf festnageln lassen
Malin: Niemand nagelt
Vogelscheuche: Gerade deshalb
Malin: Und dass soll einen Sinn ergeben?
Vogelscheuche: Übrigens….bezüglich Sinn….was hat euch denn in die Unendlichkeit verschlagen?
Brenin: Nicht schon wieder
Malin: Es ist um mich kurz zu fassen, die immergleiche Geschichte
Brenin: Liebe, Freiheit, Freundschaft, Verzweiflung, Langeweile, die Logik, das Undefinierbare, die Endlichkeit….
Malin: Unsere Geschichte kann man, so wie man dich Vogelscheuche Sam nicht festnageln kann, nicht festmachen….
Vogelscheuche: Also ein work in progress?
Brenin: So kann es eine Vogelscheuche wohl auch sehen
Vogelscheuche: Interessant
Malin: Was ist interessant?
Vogelscheuche: Eure Geschichte
Malin: Wenn du sie nicht kennst Vogelscheuche?
Vogelscheuche: Gerade deshalb….gerade deshalb
Brenin: Und da soll noch einer sagen….und da sollte noch einer sagen….
Etwas Unendlichkeit vergeht.

Endlos und unerzählbar erscheint nicht nur die Anzahl der Abenteuer, denn auch der Weg zur Grenze der Endlichkeit für Malin, Brenin und Sam zu sein, doch irgendwie, keiner von den dreien wusste so recht wie, erreichen die drei Abenteurer dann doch das Ende der Pfotenabdrücke der riesigen Schildkröte.

Entgegen ihren Erwartungen stehen die drei Abenteurer nicht vor einer irgendwie sichtbaren Grenze zur Endlichkeit, denn als sie das Ende der Pfotenabdrücke der Schildkröte erreichen, steht vor diesen ein sich seltsam verhaltender Kater.
Dieser Kater wirkt auf die drei Abenteurer doch sehr seltsam, da dieser seinen Körper in sehr unansehbarer Art und Weise verrenkt.
Staunend beobachten die drei Abenteurer den seltsamen Kater, welcher dermassen in seine Verrenkungen vertieft ist, dass dieser die Ankunft Brenin, Malin und von Sam gar nicht bemerkt.
Brenin: Malin, soll ich dem Kater in die Pfote beißen?
Malin: Warte
Malin nähert sich dem Kater.
Malin: Entschuldige bitte
Keine Reaktion des Kater.
Malin: Brenin
Brenin: Malin?
Malin: Versuche es du mit deinem Artgenossen
Brenin: Sofort
Brenin eilt vor dem weiter sich dehnenden und sich streckenden Kater hin.
Brenin: Kleines Mitze-Mitzekätzchen?
Keine Reaktion des Kater.
Brenin: Kleiner Nörgelpott?
Keine Reaktion des Kater.
Brenin: Flohpelz….Monsterratte….Nervbeutel….Mausi….Mausibärchen?
Keine Reaktion des Kater.
Brenin: Salontiger!
Der seltsame Kater verrenkt seine Glieder noch einmal und lässt die Verrenkungen dann bleiben.
Brenin: Salontiger!….Salontiger!
Der seltsame Kater blickt zu den Abenteurern.
Eine kleine Ewigkeit später….
Marlowe: Wer wagt es den Meister bei seinem allzeitlichen Tai Chi zu stören?
Brenin: Bei was stören wir dich?
Marlowe: Kulturbanausen!
Brenin: Kulturbanausen?
Marlowe: Barbaren!
Brenin: Also….
Marlowe (Brenin unterbrechend): Schmierenkomödianten!
Brenin: Wir sind….
Marlowe (Brenin unterbrechend): Ich weiss doch wer ihr seid
Vogelscheuche: Ja?
Marlowe: Ja
Malin: Und wer sind wir?
Marlowe: Dass tut nichts zur Sache
Malin: Und mit wem haben wir die Ehre?
Marlowe: Mit einem Kater….nix da mit Mietzekätzchen Lumpenstrolche
Vogelscheuche: Kater….?
Marlowe: Mit einem Kater….nix da mit Mausibär….Flohpelz….Nervbeutel und auf keinen Fall ein Salontiger!
Brenin: Als kein Salontiger!
Marlowe: Hüte deine Zunge vor diesem Unwort
Malin: Also mit einem Kater namens Kater?
Marlowe: Euch hat wohl die Unendlichkeit verkatert….Marlowe….Kater Marlowe ist mein Name
Malin: Darf ich vorstellen?
Marlowe: Ausnahmsweise
Malin: Ich bin die Siebenschläferin Malin….der einsame Wolf Brenin…..und die Vogelscheuche Sam
Marlowe: Eine lustige Runde
Vogelscheuche: Wie lustig?
Marlowe: Was ist lustig?
Vogelscheuche: Gar nichts
Marlowe: Und wass wollt ihr hier bei mir….ausser mich bei meinem allzeitlichen Tai Chi zu stören?
Brenin hustet. Malin gähnt. Sam schmollt.
Marlowe: Was war denn dass jetzt?
Brenin: Wir leiden an der Unendlichkeit
Marlowe: Ihr leidet also an der Unendlichkeit
Vogelscheuche: So ist es
Malin: Wir wollen in die Endlichkeit zurückkehren
Brenin: Und suchen die Grenze zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit
Marlowe: Ja, dass wäre dann wohl hier
Brenin: Hier?
Marlowe: Einige Schritte von euch entfernt….für Siebenschläfer, Wölfe und Vogelscheuchen-Augen natürlich unsichtbar, verläuft die berüchtigte Grenze zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit
Malin: Berüchtigt?
Vogelscheuche: Unsichtbar?
Brenin: Wo ist hier die Grenze?
Marlowe: Ja….Marlowe….Kater Marlowe weiss es
Malin: Und?
Marlowe: Was und?
Malin: Das übliche Geschwätz oder endlich mal etwas nicht unendlich Konkretes?
Marlowe: Ich kann erkennen, dass ihr satt von der Unendlichkeit und hungrig nach der Endlichkeit seid?
Brenin: Sehr hungrig
Marlowe: Ich habe übrigens auch genug von dieser Unendlichkeit
Malin: Du hilfst uns also Kater Marlowe
Marlowe: Wenn ich denn möchte, dann könnte ich euch helfen
Brenin: Und warum gehst du nicht einfach über die Grenze in die Endlichkeit zurück?
Marlowe: Ich könnte….ja, ich könnte….aber irgendetwas hält mich davon ab
Malin: Und was hält dich davon ab?
Marlowe: Nun ja….so einfach wie es in meinen Wörtern klingt, ist es dann wohl nicht
Brenin: Wo befindet sich der Haken in dieser Geschichte?
Marlowe: Kein Haken in dieser Geschichte
Vogelscheuche: Und kein Beginn und kein Ende
Brenin: Also?
Malin: Du hast Angst davor die Unendlichkeit zu verlassen, denn du weisst nicht, welche Welt dich auf der anderen Seite dann erwartet Kater Marlowe
Marlowe: Ich….ich und Angst….willst du dich….Malin war dein Name (Nicken von Malin)….also Malin willst du dich vor allen lächerlich machen?
Malin: Wenn es also die Angst ist, die dich davon abhält, dann brauchst du dich dafür aber auch nicht zu schämen
Marlowe: Ich habe keine Angst!
Malin: Und warum zittert deine Pfote?
Kater Marlowe blickt verblüfft zu seiner Pfote.
Marlowe: Nun gut….die letzte Welt die ich aufsuchte war schrecklich….und wenn ich schrecklich sage, dann meine ich damit die aller-allerschrecklichste aller Welten zusammen
Malin: Du hast Angst
Brenin: Also?
Vogelscheuche: Welche Welt Kater Marlowe?
Marlowe: Es war eine Welt namens Hunde und schrecklich fletschten die Zähne, gierig tropfte der Speichel, bissig war die Hetze….ich rannte um mein Leben, wieselflink trickste ich die Meute aus, schlug Kurven wie Ecken, schlitterte an den Fallen knapp daneben dahin und um Haaresbreite tanzte ich am Verderben vorbei….schrecklich….schrecklich….schrecklich anstrengend
Brenin: Und dies ist der Grund, warum du so unschlüssig vor dieser unsichtbaren Grenze zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit umherstreunst?
Marlowe: Was denkst du?
Brenin: Ja
Marlowe: Also denkst du
Malin: Und dass ist alles?
Marlowe: Nein….es ist solchermassen, dass jene, welche die Grenze zwischen Unendlichkeit und Endlichkeit ueberqueren, dass diese, bevor diese einen Schritt in die Endlichkeit gesetzt haben mit einem fürchterlichen Wesen verhandeln müssen
Malin: Fürchterlicher als meine zuvor getätigte Behauptung kann es wohl nicht sein?
Brenin: Malin!
Malin: Schon gut….entschuldigung Kater Marlowe
Vogelscheuche: Welches furchtbares Wesen denn?
Marlowe: Auf jeden Fall keine Vogelscheuche
Vogelscheuche: Ich bin nicht furchtbar
Marlowe: Doch!
Vogelscheuche: Nein
Malin (Sam und Marlowe unterbrechend): Also Kater Marlowe?
Marlowe: Und dann kommt der Tod
Malin: In der Unendlichkeit ist es unmöglich zu sterben
Marlowe: Nein, nein….so meinte ich dass nicht
Malin: Man stirbt
Brenin: ….und wird in der Endlichkeit wiedergeboren?
Marlowe: Nein, nein….so meinte ich dass nicht
Vogelscheuche: Der Tod kommt und wir werden endlich….
Brenin: ….in der Endlichkeit enden?
Marlowe: Nein, nein, nein!
Vogelscheuche: Wie denn dann?
Marlowe: Derjenige oder diejenige begegnet dem Tod
Malin: Dem Tod?
Brenin: Hat der Tod denn eine Form?
Marlowe: So ist es!
Brenin: Mit einer Sichel und diesem berüchtigten schiefen Blick?
Marlowe: Der Tod ist niemals so wie man sich diesen vorstellt
Malin: Du bist dem Tod also schon begegnet?
Kater Marlowe zögert mit seiner Antwort.
Brenin: Also?
Marlowe: Ja!
Brenin: Und?
Marlowe: Sieben Mal
Malin: Und nun?
Marlowe: Und nun?
Malin: Ja nun!
Marlowe: Wir haben hier in der Unendlichkeit keine Zeit….und ausserdem bist du eine Siebenschläferin….warum schläfst du nicht?
Malin: Dass ist eine lange Geschichte
Marlowe: Und überhaupt und generell….wie ist es denn möglich, dass ihr in der Unendlichkeit gestrandet seid, ohne dem Tod zu begegnen?
Brenin: Ich habe dem Tod ein Schnippchen geschlagen
Marlowe: Wie soll dass in aller Welten Irrsinn denn nur einmal funktionieren?
Brenin hustet. Malin gähnt. Sam schmollt. Marlowe’s Pfote zittert.
Marlowe: Ihr braucht meine Hilfe
Malin: Was verlangst du dafür Kater Marlowe?
Marlowe: Nichts!
Malin: Wie viele Nichts?
Marlowe: Ihr erzählt mir im Laufe dieser Geschichte eure Geschichten und währendessen überlege ich wieviele Nichts ich von euch verlangen könnte
Malin: Brenin?
Brenin: Ich hatte das Ende der Unendlichkeit gefunden und dort sprach mich die Unendlichkeit an….
Marlowe (Brenin unterbrechend): Also, dass ich dass auch richtig verstehe; du hast mit der Unendlichkeit gesprochen?
Brenin: Und diese….diese Unendlichkeit sagte mir, wo ich die Siebenschläferin Malin finden konnte
Marlowe: Ja….also wir haben hier einen der mit der Unendlichkeit spricht….
Brenin: Ja, dass haben wir!
Marlowe: Nun gut….und wie geht es weiter?
Brenin: Ich fand die schlafende Siebenschläferin, weckte diese sanft aus ihren Träumen und gemeinsam suchten wir dann der Unendlichkeit die Schildkröte, bei welcher wir die Vogelscheuche Sam….
Marlowe (Brenin unterbrechend): Genug….genug
Brenin: Was ist?
Marlowe: Dass wird ja viel zu kompliziert und komplex
Brenin: Soll ich dem Kater Marlowe in die Pfote beissen Malin?
Malin: Nicht jetzt Brenin….nicht jetzt….
Marlowe: Wer soll denn bei solch einer Geschichte ohne Beginn und ohne Ende denn den Überblick behalten?
Brenin: Wir zum Beispiel
Marlowe: Schlechtes Beispiel
Malin: Genug der Freundlichkeiten….kannst du uns helfen die Grenze zu finden, zu überschreiten, mit dem Tod zu verhandeln und uns sicher in die Endlichkeit bringen?
Marlowe: Ohne Plan?
Malin: Ohne Plan!
Marlowe: Sehr gut, dann könnte es funktionieren
Brenin: Was wird funktionieren?
Marlowe: Ich werde euch begleiten….ich muss nämlich in der Endlichkeit noch etwas erledigen
Vogelscheuche: Was erledigen?
Marlowe: Ist dass so wichtig?
Vogelscheuche: Nein, eigentlich überhaupt nicht
Marlowe: Also….also es geht um mein achtes Leben
Brenin: Aber hat ein Kater nicht maximal sieben Leben?
Marlowe: Früher schon….aber jetzt gibt es ja mich
Malin: Also ein achtes Leben
Marlowe: Ja
Brenin: Ein achtes endliches Leben leben?
Marlowe: So ist es
Malin: Zeige uns nun die Grenze
Marlowe: Nun gut….kommt mit
Die vier Abenteurer gehen einige Schritte in die falsche Richtung.
Malin: Wir gehen wieder rückwärts
Marlowe: Vielleicht aber auch vorwärts
Brenin: Wohin auch immer
Marlowe: Hier….hier ist die Trennlinie zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit….
Vogelscheuche: Wo ist was?
Marlowe: Dies ist die Grenze
Malin: Also Brenin, Sam und Kater Marlowe….auf drei….eins….zwei….
Brenin (Malin unterbrechend): Und wir sind uns gänzlich sicher, dass wir diesen grossen Schritt auch wirklich wagen möchten?
Malin: Ja, dass sind wir
Brenin: Nun gut
Malin: Eins….zwei….
Vogelscheuche (Malin unterbrechend): Warte
Malin: Was ist denn nun schon wieder?
Vogelscheuche: Ich richte noch meinen Hut
Die Vogelscheuche Sam richtet seinen Hut.
Malin: Bist du nun bereit Vogelscheuche?
Vogelscheuche: All-Zeit; Nie-Wo bereit
Malin: Also….eins….zwei….
Marlowe (Malin unterbrechend): Eines sollte ich euch vielleicht noch sagen
Malin: Was Kater Marlowe?
Marlowe: Wenn es nicht funktionieren sollte, dann ist es nicht meine Schuld
Malin: Und wessen Schuld sollte es denn dann sein?
Kater Marlowe zuckt mit den Schultern.
Die vier Abenteurer machen einen Schritt nach vorne, also zurück und nichts passiert.
Marlowe: Wisst ihr was?
Vogelscheuche: Nein
Marlowe: Wir machen jetzt zwei Schritte zurück….also vorwärts
Die vier Abenteurer machen zwei Schritte zurück bzw. vorwärts….und….und….und….Brenin hustet….und….und….Malin gähnt….und….und….Sam schmollt….und….und….Kater Marlowe’s Pfote zittert….und plötzlich befinden sich die vier in einem alle vier durcheinander wirbelnden, nach oben, nach unten und alle noch viel mehr durcheinanderwirbelnden Wirbel.
Brenin: Wo sind wir?
Vogelscheuche: Meine Arme flattern
Marlowe: Ganz ruhig Vogelscheuche
Vogelscheuche: Und die Sonne scheint
Marlowe. Keine Ahnung wo wir sind
Brenin: Und wo ist dieses „Keine Ahnung“?
Vogelscheuche: Meine Beine schlottern
Marlowe: Nur keine Panik….nun begegnen wir dem Tod
Brenin: Ich kann mich nicht mehr spüren
Malin: So wie immer
Vogelscheuche: Ich spüre auch nichts mehr
Marlowe: Dass ist der Jetlag
Brenin: Meine Ohren schlafen ein
Marlowe: Dass wird gleich viel schlimmer
Malin: Wie kannst du nur so ruhig bleiben Kater Marlowe?
Marlowe: Irgendeiner muss der Panik Brücken bauen
Brenin: Sehr beruhigend, dass zu wissen
Malin: Spürt ihr auch diese plötzliche Kälte?
Vogelscheuche: Mir friert
Brenin.: Was hat diese Kälte zu bedeuten Kater Marlowe?
Marlowe: Diese Kälte ist der Tod
Malin: Es wird immer kälter
Brenin: Wir fallen!

Die vier Abenteurer fallen in ein Nichts hinunter, welches wie ein Strudel, welcher sie zu verschlucken droht, erscheint.
Die vier Abenteurer schreien aus tiefster Kehle.
Doch plötzlich, von einem Moment auf den anderen, befinden sich die vier Abenteurer wieder in waagrechter, stabiler Position, atmen tief durch, versuchen den Schrecken zu verdrängen, als plötzlich der Tod vor ihnen steht.

Der Tod und die vier Abenteurer blicken sich gegenseitig an, bis der Tod das eiskalte Schweigen bricht.

Tod: Marlowe….Kater Marlowe….du schon wieder
Marlowe: Ja Tod….schon wieder ich….Marlowe….Kater Marlowe
Tod: Marlowe….Kater Marlowe….du hast also immer noch nicht genug von diesen Leben?
Marlowe: Nein….anscheinend immer noch nicht
Tod: Und wer sind diese seltsamen Weggefährten?
Marlowe: Da ist die Siebenschläferin Malin, der einsame Wolf Brenin und die Vogelscheuche Sam
Tod: Und natürlich deine Wenigkeit Kater Marlowe
Marlowe: Und natürlich Kater Marlowe, also ich Tod
Tod: Bei dir Kater Marlowe ist wohl gar nichts mehr natürlich oder?
Marlowe: Nein
Der Tod betrachtet schweigend Malin, Brenin und Sam.
Malin (flüsternd): Du dutzt den Tod Kater Marlowe?
Marlowe (flüsternd): Nach all diesen Leben kennen wir uns mittlerweile ein wenig
Brenin (flüsternd): Hast du noch mehr solche seltsame Freunde wie den Tod?
Marlowe (flüsternd): Immerhin spreche ich nicht mit der Unendlichkeit
Tod: Und ihr wollt….
Brenin hustet. Malin gähnt. Sam schmollt. Marlowe`s Pfote schmerzt.
Tod: …..wie ein jeder unschwer erkennen kann, in die Unendlichkeit zurückkehren
Malin: So ist es
Tod: Ihr leidet an der Unendlichkeit
Brenin: Ja
Tod: Was müsst ihr tun um in die Endlichkeit zurückzukehren?
Malin: Sage es uns
Tod: Ein jeder von euch wird zu mir zurückkehren, wenn seine Zeit gekommen ist
Malin: Dies ist alles?
Tod: Dies ist alles, aber für euch wohl schon zuviel?
Die vier Abenteurer verneinen.
Tod: Dann seid ihr also damit einverstanden?
Die vier Abenteurer bejahen.
Tod: Dann bleibt der Kater Marlowe beim Tod
Marlowe: Wer bleibt wo?
Tod: Marlowe, du hast mich schon verstanden
Marlowe: Malin?
Malin: Brenin!
Brenin: Was ist Malin?
Malin: Dem Tod ein Schnippchen schlagen?
Brenin tretet plötzlich gänzlich nahe an den Tod heran und hustet diesen an.
Der Tod wendet sich, überrascht von diesem plötzlichen Husten Brenin, mitten in den Tod hinein, von den vieren ab und im nächsten Moment schon fliehen die vier Abenteuer vom Tod davon, als im nächsten Augenblik die Kälte nachlässt und die vier Abenteurer sich in einer anderen Welt, einer Welt der Endlichkeit wiederfinden.

2. In der Menschenwelt

Die Siebenschläferin Malin
Der einsame Wolf Brenin
Die Vogelscheuche Sam
Der Kater Marlowe
Ein Zuschauer
Der Vater
Der Sohn Peter
Der Pfandleiher/Inkasso
Die proletarische Ratte und ihre Freunde
Die Mutter
Die linke Ratte/Die rechte Ratte

Durch Zeit und Raum reisend, die Grenze zwischen Vorstellbaren und Unvorstellbarem überquerend, enden die vier Abenteurer auf ihrer Reise (von der Unendlichkeit in die Endlichkeit) auf den billigsten Plätzen eines fiktiven Theaters.

Malin: Wo sind wir hier?
Vogelscheuche: In einem Wartesaal?
Brenin: Irgendwie erscheint es mir, als sei ich an diesem Ort schon einmal gewesen
Marlowe: Frage doch diese seltsame Kreatur neben dir Vogelscheuche Sam
Vogelscheuche: Warum immer ich?
Marlowe: Warum nicht?
Brenin: Immer?
Vogelscheuche: Entschuldigen sie bitte die Störung, aber wo befinden wir uns hier?
Zuschauer: In einem Theater
Vogelscheuche: In einem Theater?
Brenin (zu Malin und Marlowe): Dies ist ein Theater
Malin: Was ist ein Theater?
Vogelscheuche: Entschuldigen sie….was ist ein Theater?
Zuschauer: Dies ist ein Ort wo Schauspiel aufgeführt wird….der Muse gehuldigt wird und….und Szenen aufgeführt werden….Szenen voller Verderben, Intrigen, Freude und Verkommen- und Vollkommenheit….
Marlowe (den Zuschauer unterbrechend): Was ist eine Muse?
Zuschauer: ….wo die allerprächtigsten Kostüme zum Vorschein kommen….und wo die menschliche Tragik im Schein der Komödie ihre Triumphe und Niederlagen erleidet und feiert und….
Marlowe (den Zuschauer unterbrechend): Was ist eine Muse?
Zuschauer: Die Musen sind Thalia, Kalliope, Euterpe, Erato, Urania, Klio, Melpomene, Polyhymnia und Terpsichore?
Marlowe: Wie bitte?
Zuschauer: Die 9 Töchter des Zeus
Marlowe: Ach so
Brenin: Entschuldigen sie….welche Tragik?
Zuschauer: Es werden Stücke von Schriftstellern hier aufgeführt….von Menschen also, die dem verbrecherischen Dasein der Ärzte, der Politiker, der Wirtschaftler und der Behörden, die natürlich in ihrer Boshaftigkeit und Niedertracht zusammenhalten und zusammenarbeiten….also von Menschen, welche diesen ihre poetische Kraft und künstlerische Schönheit entgegensetzen….dafür gelten dann die Schriftsteller gemeinhin als böse Menschen und der niedrigste Menschenschlag als die Krone der Schöpfung
Malin: Also die Krone der Schöpfung….
Brenin: Und entschuldigen sie vielmals unsere Unwissenheit….welche Stücke von welchen Schrifstellern werden hier gespielt?
Zuschauer: In dieser Saison nur Stücke von Marlowe
Marlowe: Wie bitte?
Zuschauer: Marlowe`s Stücke
Marlowe: Habt ihr gehört….Marlowe wird hier gespielt
Malin: Dass hat doch nichts mit dir zu tun Kater Marlowe
Marlowe: Wenigstens ein Ort in all diesen Welten; in welcher mein Name und mein Sein noch wertgeschätzt werden
Zuschauer: Zur Zeit wird Dr. Faustus in der Orginalversion von Marlowe aufgeführt….
Marlowe: Die Orginalversion von Marlowe….Marlowe….Kater Marlowe
Zuschauer: Ein Stück für die Bühne über einen Mann, der seine Seele an den Teufel verkauft und durch sein schönes Leben hindurch die bittere Erkenntnis gewinnt, dass ein lügenhaftes, niederträchtiges und boshaftes, also in diesem Gesellschaftssystem höchst erfolgreiches Leben vielleicht weniger wert ist, als ein verwerfenswertes, tugendhaftes, eingeschränktes, ehrliches und gutes Leben
Brenin: Ach so
Marlowe: Sehr interessant
Malin: Das ist mir zu kompliziert
Vogelscheuche: Mir auch
Zuschauer: Und als Höhepunkt….
Brenin (den Zuschauer unterbrechend): Vielen, vielen Dank für ihre Aufklärung….
Der Zuschauer wendet sich ab.
Malin: Genug von diesem Theaterdingsbums
Brenin: Irgendwie erscheint es mir als hätten wir unser Ziel nicht erreicht
Malin: Wir sind in einer Zwischenwelt gelandet
Marlowe: Sozusagen zwischen den Stühlen
Vogelscheuche: Dass heißt?
Brenin: Wir müssen weiterreisen
Marlowe: Und das Theaterstück?
Malin: Vergiss das Theaterstück
Vogelscheuche: Und wie kommen wir nun weiter?
Malin: Dort vorne erscheint mir ein Ausgang zu sein
Brenin: Aus dem Theater oder der Welt?
Malin: Natürlich beidem….was denn sonst?
Marlowe: Und die Geschichte?
Brenin: Unsere Geschichte….
Malin: ….ohne Beginn und ohne Ende….
Marlowe: ….muss weitergehen
Brenin: Also los

Die vier Abenteurer erheben sich von den billigsten Plätzen des fiktiven Theaters und gehen leisen Schrittes zum Bühnenaufgang und halten dort kurz inne.
Marlowe: Und jetzt?
Malin: Bereitet euch vor
Brenin: Ich bin bereit
Vogelscheuche: Ich auch
Malin: Also….eins….zwei….drei

Die vier Abenteurer steigen auf die Bühne hinauf und befinden sich im nächsten Moment inmitten einer Großstadt, einer breiten Straße, inmitten der frühmorgendlichen Rush-Hour.
Inmitten einer dahineilenden Menschenmasse, welche unsere vier Helden überhaupt nicht zu bemerken und noch weniger zu beachten scheinen; einer dahineilenden Menschenmasse, welche die vier Abenteurer herumschubst, welche in die umliegendene Bürotürme einer Down-Town drängen; einer dahineilenden Menschenmasse, welche die vier Abenteurer voneinander trennt und nach zähem Ringen und um sich Kämpfen gelingt es zweien der vier Abenteurer, Brenin und Malin, ein nicht umdrängtes, an der Seite sich befindliches, freies Stück Straße, für sich zu erobern.
Ausgelaugt und schwer atmend halten die Beiden Ausschau nach der Vogelscheuche Sam und dem Kater Marlowe.
Brenin: Wohin sind die Vogelscheuche Sam und Kater Marlowe verschwunden?
Malin: Die Beiden wurden von dieser Masse an Kreaturen abgedrängt….ich konnte nur kurz die Vogelscheuche Sam erblicken
Brenin: In einer dieser Türme abgedrängt
Malin: Und jetzt?
Brenin: Halten wir vorerst einmal Ausschau
Malin und Brenin versuchen den Kater Marlowe und die Vogelscheuche Sam im Getumel vor ihnen zu erblicken, aber weder Malin noch Brenin können die Beiden irgendwo entdecken.
Brenin: Ich kann Sam und Marlowe in diesem Getümel nicht finden
Etwas Zeit vergeht.
Malin: Dort drüben….ist dass nicht Kater Marlowe?
Brenin: Ja….Kater Marlowe!
Malin: Kater Marlowe!….Kater Marlowe!
Die Schreie von Brenin und Malin erreichen den ratlos um sich blickenden Kater Marlowe und dieser kämpft sich dann durch die Menschenmasse zu den Beiden hindurch.
Marlowe: Herzlich willkommen in der Endlichkeit
Brenin: Habt ihr so etwas schon einmal erlebt?
Malin: Wie auf einem Ameisenhaufen
Brenin: Die Vogelscheuche Sam?
Marlowe: Ich habe die Vogelscheuche Sam kurz erblickt….aber diese….aber diese ist von der Masse, ohne sich dagegen wehren zu können, abgedrängt worden
Malin: Lasst und einen Moment noch hier innehalten und zu Atem kommen
Brenin: Einverstanden
Malin: Wir müssen die Vogelscheuche Sam finden….dass sind wir Sam schuldig
Marlowe: Einverstanden
Brenin: Ich bin dabei
Die drei Abenteurer blicken auf die vorbeilenden Menschenmasse.
Brenin: In welcher schrecklichster aller schrecklichen Welten sind wir hier nur gelandet?
Malin: Es muss einen tieferen Sinn in all diesem Gedränge und Geschubse geben
Etwas Zeit vergeht.
Malin: War denn jemand von euch schon einmal in solch einer absurden Welt wie der diesen?
Brenin: Nein
Marlowe: Marlowe….Kater Marlowe war hier!
Malin: Du warst schon einmal hier?
Marlowe: Ausnahmsweise antworte ich mit einem Ja
Malin: Und wie heißen diese Kreaturen?
Marlowe: Ich weiß es….ich weiß es
Malin: Du weißt es also nicht
Marlowe: Menschen
Brenin: Menschen?
Marlowe: Ja, diese Kreaturen nennen sich Menschen
Brenin: Was für ein seltsamer Name
Malin: Ulkig
Marlowe: Menschenkinder
Malin: Diese….diese Menschen beachten uns gar nicht, obwohl wir gänzlich anders sind als diese
Marlowe: Diese Menschen sind solchermaßen mit sich Selbst, sind dermassen mit ihrem Tun und Handeln beschäftigt, dass diese uns gar nicht bemerken
Brenin: Seltsame Vögel sind diese Menschen
Marlowe: Dass sind keine Vögel Brenin
Brenin: Und was sind diese dann?
Marlowe: Menschen
Brenin: Seltsame Vögel
Malin: Erzähl uns von diesen Kreaturen….also diesen Menschen
Marlowe: Also damit ihr nicht den Überblick verliert….es gibt nur 3 Dinge, welche ihr von dieser Welt, von diesen Menschen wissen müsst….erstens man unterscheidet zwischen Mann und Frau bei diesen Menschen….dies ist eine Frau (auf eine Frau deutend) und jenes dort drüben bezeichnet man als Mann (auf einen Mann deutend)….zweitens unterscheidet man zwischen armen und reichen Menschen….dort ist ein armer Mensch (auf einen Armen deutend) und jenes dort drüben ist das Exemplar eines reichen Menschen….Reich und Arm wird durch den Besitz, welchen man besitzt definiert, welchen man auch als Geldbesitz bezeichnen kann und drittens….es gibt gute und böse Menschen….es klingt zwar komplex, aber letzten Endes sind reiche Menschen gut und arme Menschen böse….mehr müsst, braucht und solltet ihr über diese Menschen besser auch gar nicht wissen….
Malin: Keiner dieser Kreaturen….
Marlowe (Malin unterbrechend): Menschen!
Malin: Also gut….keiner dieser Menschen erscheint wie der nächste zu sein und doch sind sie beinahe alle gleich
Marlowe: Ich weiß….ich weiß
Brenin: Und was sind diese Frauen-Menschen mit all diesen Tüten und Taschen voller Krimskrams?
Marlowe: Die sind meschugge
Malin: Was sind diese?
Marlowe: Aber da diese reich, also gut sind, sind diese trotzdem nicht meschugge, obwohl diese Menschen-Frauen eindeutig meschugge sind
Brenin: Meschugge was?
Marlowe: Arme Menschen sind meschugge und reiche Menschen haben Launen
Malin: Was ist mit diesem meschugge?
Marlowe: Seid ihr etwa auch schon meschugge?
Brenin: Niemand von uns ist meschugge, was auch immer dass auch heißen mag
Malin: Und welche seltsamen Menschen sind jene dort drüben?
Marlowe: Wollt ihr dass auch wirklich wissen?
Brenin: Warum nicht?
Marlowe: Es ist schrecklich
Brenin: Was ist schrecklich?
Marlowe: Müsst ihr euch immerzu gleich die schlimmsten Exemplare einer Gattung aussuchen?
Malin: Wer sucht was?
Brenin: Ist es wirklich solchermaßen schrecklich?
Marlowe: Nun gut….dass sind die Österreicher; Angehörige des deutschen Stammes
Malin: Ja und?
Marlowe: In großen Teilen der Welt bezeichnet man sie nur noch als Inkasso-Österreicher
Brenin: Inkasso-Österreicher?
Marlowe: Also der deutsche Stamm zeichnet sich durch seine Schnöselhaftigkeit, seinem arroganten Besserwissertum, also ihrem Besser-Sein in allem und im Besser-Machen und im Besser-Können und im Höher, Größer, Weiter undsoweiter aus….also diese Exemplare fühlen sich den anderen Exemplaren dieser sogenannten Menschen überlegen
Malin: Dann sind diese Inkasso-Österreicher böse Menschen?
Marlowe: Nein, denn sie sind ja reich und reiche Menschen können von der Natur dieser Menschen aus nicht böse sein
Brenin: Diese Menschen sind ja Spinner
Malin: Und warum nennt man sie denn dann Inkasso-Österreicher?
Marlowe: Weil diese Österreicher, welche reich und gut sind, in solch überragender Art und Weise böse sein können
Malin: Und wer sind diese müden, blassen, sich mühselig dahinschleppenden Frauen-Menschen und Männer-Menschen, die ja jeden Augenblick umzufallen zu scheinen?
Marlowe: Ja Malin und Brenin, dass sind die Großstadtbewohner….also jene, welche andauernd in solch einem Moloch wie diesem hier wohnen und nicht wie ein Teil dieser Masse zum Spaß hier ist oder ein Haus auf dem Land besitzt, denn Tag und Nacht im Rhythmus einer solchen Großstadt dahinlebt
Brenin: Scheint ungesund zu sein?
Marlowe: Das Sein neigt generell nicht zu maßvollen Maßstäben
Malin: Hier in dieser Welt bestimmt nicht
Brenin: Und jene dort drüben?
Marlowe: Nein, nicht diese
Brenin: Was ist mit diesen?
Marlowe: Dass sind die Italiener
Malin: Wie heißen diese?
Marlowe: Dass sind die Italiener
Malin: Und?
Brenin: Also diese „porco“; „frocio“; „cretino“; „pazzo“ schreienden; sich gegenseitig und alle anderen beleidigenden Männer-Menschen und Frauen-Menschen, streitend, zankend und sich dann wieder versöhnend, nennt man Italiener
Malin: Und warum werfen sich denn diese Italiener gegenseitig mit Bananen an?
Brenin: Man sollte ihnen doch mit diesen Bananen helfen
Marlowe: Auf keinen Fall….AUF KEINEN FALL!
Malin: Warum auf keinen Fall Kater Marlowe?
Marlowe: Diese Italiener haben einen Täterkult; der Täter darf, kann und ist alles und das Opfer wird andauernd wieder zum Opfer gemacht; wird verspottet, bedroht, ausgelacht, ausgegrenzt und umgebracht….die Behörden, die Politiker, die Wirtschaftler….alle hängen diesem Täterkult nach, dass das Opfer geopfert wird und der Täter verherrlicht und angehimmelt wird….alles….alles….nur nicht diesen Italienern mit den Bananen helfen….auf keinen Fall….AUF KEINEN FALL!!!
Brenin: Dann kann man diesen Menschen also nicht helfen?
Marlowe: Nein, dass kann man nicht
Malin (eine Banane vom Boden aufhebend): Seltsam….wahrlich sehr seltsam
Marlowe: Ach vergesst die Italiener….alles im nichts und nichts im allen doch relativ gutmütige Exemplare unter all diesen Berserkern namens Menschen….
Malin: Und jene dort drüben sehen sehr interessant aus
Marlowe: Schrecklich….ich habe genug….nein, nicht diese auch noch
Brenin: Diese Menschengruppe erscheint aber gänzlich normal zu den anderen Menschen hier zu sein
Marlowe: Dass ist es ja….dass ist es ja….schrecklich….schrecklich….dabei sind jene die am wenigsten Normalen….auch wenn diese nach außen hin so schrecklich normal erscheinen….
Malin: Was ist mit diesen schrecklichen Menschen?
Marlowe: Dies sind die Provinzmenschen….moralisch, ethisch undsoweiter viel höher als diese Stadtmenschen anzusiedeln und kaum sind diese Provinzmenschen in einer Stadt, glauben diese natürlich, dass diese Stadt gleich ihnen gehört….diesen Provinzmenschen muss man aus dem Weg gehen….diese meiden, so wenig Kontakt wie möglich mit diesen haben
Brenin: So schlimm kann es doch nicht sein
Marlowe: ES IST SCHRECKLICH!
Malin: Also Kater Marlowe….was ist mit diesen Provinzmenschen?
Marlowe: Ihr wollt es wirklich wissen?
Brenin: Ja
Marlowe: Also gut….aber ich….nun gut….diese Provinzmenschen, also nicht die Provinzmenschen, sondern deren Politiker, Kaufleute und Ärzte, also diese Provinzmenschen sind daran schuld, dass kein Wesen aller Welten und sei es noch so skurill und seltsam, etwas mit dem Menschengeschlecht, ja mit dieser gesamten Welt, seit unendlichen Ewigkeiten zu tun haben möchten
Malin: Klingt nach schrecklichen Erfahrungen und Geschichen
Marlowe: In allen Welten hindurch gilt es als größte Strafe für alle Wesen welche leben oder existieren, mit den provinziellen Ärzten, Politikern oder Kaufleuten auch nur im Entfernsten in Kontakt zu treten….es ist die SCHLIMMSTE STRAFE ALLER WELTEN!!!!
Brenin: Ja, aber warum?
Marlowe: Sie haben schreckliches getan….schreckliches gemacht….schreckliches unternommen….und dann all diesen Schrecken noch hundertausendfach vervielfacht….es sind die schlimmsten Exemplare der Gattung Mensch….selbst für ihre eigene Gattung eine Strafe….es ist schrecklicher als alles Schreckliche….
Malin: Und warum werden sie nicht zur Verantwortung gezogen….aus dem Verkehr gezogen….warum gibt es keine Konsequenzen, wenn sie doch das gesamte Menschheitsgeschlecht in aller Welten, bei allem Wesen aller Welten als so schrecklich gelten?
Marlowe: DASS IST DIE PROVINZ!
Brenin: Also warum?
Marlowe: Es ist wie mit Domino-Steinen…..kein einziger Domino-Stein darf umfallen, ansonsten fallen alle um….
Malin: Kater Marlowe, du bist ja ganz panisch und aufgebracht
Marlowe: Ich möchte auf keinen Fall in Kontakt mit solche einem Provinzmenschen kommen….womöglich handelt es sich dabei um einen Arzt oder einen Kaufmann oder einen Politiker!
Brenin: Beruhige dich doch Kater Marlowe!
Marlowe: Schrecklich….SCHRECKLICH!….wenn diese Provinzmenschen Schreckliches machen, dann bekommen sie die Gelegenheit noch mehr Schreckliches zu tun….wenn diese Provinzmenschen schreckliches machen, dann werden sie schrecklicherweise dafür belohnt….wenn diese Provinmenschen schreckliches machen, dann wird alles vertuscht und verpfuscht und niemand übernimmt Verantwortung, Ehre, Gefühle, Maßstäbe, Respekt, Anerkennung….all dies zählt bei diesen provinziellen Politikern, Ärzten und Kaufleuten nicht….ES IST SCHRECKLICH!
Malin: So beruhige dich doch Marlowe
Langsam scheint sich Kater Marlowe wieder zu beruhigen, während Brenin und Malin die vorbeieilenden Menschen studieren.
Brenin: Und jene dort drüben?
Marlowe: Diese Menschen nennt man „die Schweizer“
Malin: Diese scheinen also nun wirklich gute Menschen zu sein
Marlowe: Diese Schweizer sind die Menschen auf diesem Planeten, welche am meisten gut sind
Brenin: Also jene Menschen, welche sehr, sehr gut sind
Marlowe: Es sind die Menschen auf diesem Planeten, welche am meisten gut sind, denn es sind die reichsten Menschen
Malin: Um so reicher diese Menschen sind, um so gütiger, um so mehr „gut“ sind diese Menschen?
Marlowe: Es ist eine schreckliche Welt
Malin: Wir sollten so schnell wie möglich diese Welt verlassen
Brenin: Ja, dass sollten wir
Marlowe: Nein….dies ist zuviel….die Italiener, die Inkasso-Österreicher, die Schweizer und dann auch noch die Provinzmenschen….ich muss….ich muss sofort diese Welt verlassen!
Brenin: So warte doch Kater Marlowe….so warte doch
Malin und Brenin halten einen panischen Kater Marlowe fest.
Marlowe: Italiener….Deutsche….Inkasso-Österreicher….die Schweizer….die Provinzmenschen….ich muss hier sofort weg….jetzt gleich…..kommt mit….flüchtet mit mir….JETZT GLEICH!
Malin: Und die Vogelscheuche Sam?
Marlowe: Was ist mit der Vogelscheuche Sam?
Brenin: Wir müssen ihn finden, retten oder was auch immer mit ihm passiert ist
Marlowe: Was müssen wir?
Malin: Wir müssen!
Marlowe: Also gut….find….fix….finish….
Brenin: Was heisst denn dies jetzt?
Marlowe: Ungefähr folgendes….Vogelscheuche suchen, finden und dann so schnell wie möglich diese Welt verlassen….da ist die Unendlichkeit geradezu noch trostvoll….
Malin: Dann lasst uns die Vogelscheuche Sam suchen
Brenin: Und wie sollen wir denn die Vogelscheuche Sam finden?
Malin: Wir lassen uns so wie die Vogelscheuche Sam von der Masse mitreißen
Marlowe: Und so wollt ihr Sam finden?
Malin: Hast du eine bessere Idee Kater Marlowe?
Marlowe: Im Moment nicht
Malin: Aber?
Marlowe: Also dann
Malin: Ab in die Masse
Brenin: Nun gut….ein jeder hält sich beim Nächsten fest
Die drei Abenteurer nehmen sich bei der Pfote und lassen sich von der Menschenmasse mitreißen.
Malin: Vorsicht!
Brenin: Achtung!
Marlowe: Hinter dir Malin!
Brenin, Malin und Marlowe werden von der Masse mitgerissen und werden von links nach rechts, nach vorne nach hinten gedrängt und geschubst, bis Malin nach etwas Zeit, aus der Entfernung den Hut der Vogelscheuche Sam entdecken kann.
Malin: Dort drüben!
Marlowe: Was ist dort drüben?
Malin: Seht ihr nicht den Hut von Sam?
Brenin: Nein
Marlowe: Ja….dass ist er
Malin: Los dort hin
Inmitten des Gedränge und Vorwärtsstreben der Masse, gelingt es den dreien sich der Vogelscheuche Sam anzunähern, bis diese auf einem freien Stück Straße, in der Nähe der Vogelscheuche Sam, kurz innehalten können.
Brenin: Tatsächlich….die Vogelscheuche Sam….
Malin: Wie eine Nadel im Heuhaufen
Brenin: Und wir haben ihn gefunden!
Marlowe: Aber mit wem spricht die Vogelscheuche?
Brenin: Mit einer dieser Kreaturen
Marlowe: Brenin, man nennt diese Kreaturen Menschen
Brenin: Nun gut….also diese Kreaturen namens Menschen
Malin: Sam….Vogelscheuche Sam!…..Vogelscheuche!
Marlowe: Pssst Malin!
Malin: Was ist Kater Marlowe?
Marlowe: Wir sollten vorsichtig sein, bei diesen Menschen weiß man nie ob diese nicht eine böse Überraschung für einen bereithalten….warten wir ab, was Sam mit diesem Menschen zu tun hat
Malin: Ist dass nicht überflüssig?
Marlowe: So wie die Frage zuvor?
Malin: Oder die Antwort danach?
Marlowe: Wir sollten vorsichtig sein Malin
Malin: Einverstanden Kater Marlowe
Brenin: Schleichen wir uns näher heran
Die drei Abenteuer gelingt es unter heftigem Drängen sich in der Nähe der Vogelscheuche Sam zu positionieren.
Aus sicherer Entfernung beobachten die drei Abenteuer die Vogelscheuche und den Mann-Menschen.
Die beiden scheinen miteinander auf irgendeine Art und Weise zu kommunizieren, bis schließlich der Mann-Mensch der Vogelscheuche Sam freundschaftlich auf die Schulter klopft, um die Vogelscheuche, also Sam, im nächsen Moment, gewaltsam unter seine Arme zu nehmen und unter heftigster, aber zweckloser Gegenwehr der Vogelscheuche, von der Menschenmasse unbeachtetem Gezetere und Geschrei, hinweg zu verschleppen.
Mit wachsenden Erschrecken können die drei Abenteuer das Geschehen aus der sicheren Entfernung nur hilflos mitverfolgen.
Malin: Los….wir haben keine Zeit mehr zu verlieren….wir nehmen die Verfolgung auf!
Brenin: Ist dass nicht gefährlich?
Malin: Abwägen….nachdenken….reflektieren….all dies können wir später….also los….kommt!
Bedächtig und vorsichtig nehmen die drei Abenteurer die Verfolgung des Mann-Menschen, welche die Vogelscheuche unter seinen Armen verschleppt hat, auf.
Durch einige Seitenstraßen hindurch verfolgen die drei Abenteurer den Menschen.
Schlußendlich bleibt der Mann-Mensch vor einem Gebäude stehen, blickt um sich und gestikuliert einschüchternd auf die Vogelscheuche Sam ein.
Brenin: Los, befreien wir die Vogelscheuche!
Marlowe: Warte Brenin….lass ihn uns vorerst weiterverfolgen
Malin: Ich bin ausnahmsweise keiner Meinung
Marlowe: Dann warten wir hier
Der Mann betretet ein Geschäft in dem Gebäude.
Brenin: Was macht der Mensch mit der Vogelscheuche?
Malin: Warum verschleppt der Mensch die Vogelscheuche Sam?
Marlowe: Also….
Brenin (Marlowe unterbrechend): Was ist dass für eine Menschenkreatur?
Marlowe: Also….
Malin (Marlowe unterbrechend): Was bedeuten diese seltsamen Zeichen auf dem Gebäude?
Marlowe: Könnte ich bitteschön einmal kurz aussprechen
Brenin: Nur zu
Marlowe: Diese Zeichen werden Buchstaben genannt….Zeichen, mit welchen die Menschen untereinander das Unangenehme und Angenehme regeln
Brenin: Und nicht mit diesem Geld?
Marlowe: Und bei diesem Teil des Gebäude handelt es sich um ein Geschäft, wo mit Besitz gehandelt wird und dafür Geld getauscht wird über die Zeichen namens Buchstaben
Malin: Ich verstehe immer weniger
Brenin: Und was bedeuten diese Zeichen auf jenen Teil des Gebäude?
Marlowe: Wartet….
Marlowe geht einige Schritte nach vor, um die Zeichen an jenem Teil des Gebäude besser entziffern zu können; um kürzeste Zeit später panisch zu Malin und Brenin zurück zu kehren.
Marlowe: Es ist schrecklich….ES IST SCHRECKLICH!
Brenin: Was bedeuten diese Zeichen denn nun?
Marlowe: Los kommt….in die dunkle Seitengasse
Eilig entschwinden die drei Abenteurer in eine dunkle Seitengasse.
Panisch blickt Kater Marlowe um sich.
Malin: Was hat dich denn solchermaßen erschreckt Kater Marlowe
Marlowe: Ich habe die Zeichen lesen können
Brenin: Und….?
Marlowe: Dort steht geschrieben…..Pfandleiher und Inkasso: „Gegen den Menschen“….
Brenin: Ja und?
Marlowe: Dass sind jene Menschen, welche dafür Sorge tragen, dass die Armen arm und böse und die Reichen gut und reich bleiben….schrecklich…..SCHRECKLICH!
Malin: Gefährliche Menschen?
Marlowe: Es sind jene Menschen, welche immerzu von den anderen Menschen am besten beschützt und abgesichert werden, denn diese erledigen die Drecksarbeit für die reichen, also die guten Menschen, welche wiederrum von noch schrecklicheren Menschen beschützt und abgesichert werden in all ihrem so rechtsschaffenden und so gutbürgerlichem Tun und Handeln….denn es geht nicht um die Menschen….es geht um den Besitz bestimmter Menschen….es ist schrecklich…..einfach nur SCHRECKLICH!
Malin: Und wer sind diese drei Menschen, welche uns da entgegenkommen?
Marlowe wird sichtlich noch blasser.
Marlowe: Dass sind drei Inkasso-Österreicher…..los verstecken wir uns
Malin, Brenin und Marlowe drücken sich noch tiefer in die dunkle Ecke der Seitenstraße, als die drei Inkasso-Österreicher herbeispaziert kommen, unmittelbar vor diesen stehen bleiben, sich eine Zigarette anzünden und sich unterhalten.
Ö1: Ein Schuldner weniger
Ö2: Dafür gibt es einen fetten Bonus vom Verfassungsschutz
Ö3: Verrecken sollen sie….alle verrecken diese Armen
Ö2: Nicht zu vergessen die gesellschaftliche Anerkennung, die Lobpreisungen von Politik und Wirtschaft auf unser Auslöschen, Zerstören und Vernichten
Ö1: Mit Hilfe der Reichen diese armen Schuldner in den Tod zu treiben
Ö2: Und alle auf unserer Seite….alle!
Ö3: Verrecken sollen sie….alle verrecken diese Armen
Ö1: Diesen X-ten Schuldner, welchen wir in den Tod getrieben haben, mit tatkräftiger Unterstützung durch die Reichen, diesen Tod sollten wir feiern
Ö2: Fahren wir in die Provinz Ö3?
Ö3: Verrecken sollen sie….alle verrecken diese Armen
Ö1: Ich bin dabei….in der Provinz versteht man wenigstens noch einen Menschenschlag wie denn unseren
Ö2: Dumpf, roh und brutal
Ö1: Es lebe der Raubtierkapitalismus und seine von allen totgeschwiegenen Konsequenzen
Ö2: Los gehen wir
Ö3: Verrecken sollen sie….alle verrecken diese Armen
Die drei Inkasso-Österreicher gehen ab.
Die drei Abenteurer trauen sich nur langsam wieder aus ihrem Versteck heraus und blicken den drei Inkasso-Österreichern hernach.
Während Malin und Kater Marlowe noch schreckensstarr den drei Inkasso-Österreichern nachblicken, macht sich Brenin lautstark bemerkbar.
Brenin: Der Mann-Mensch, der die Vogelscheuche Sam entführt hat….der Mensch-Mann verlässt das Geschäft….seht doch!
Der Mann-Mensch verlässt ohne die Vogelscheuche Sam das Geschäft, bleibt vor diesem stehen, scheint etwas in seiner Hand zu zählen, lächelt in die Dunkelheit seines Seins hinein und verschwindet, so wie dieser aufgetaucht ist, in der Masse.
Malin: Was ist mit diesem Pfandleiher?
Marlowe: Ein Pfandleiher ist ein Mensch, welcher Wertgegenstände von anderen Menschen zu einem sehr niedrigen Gegenwert als Pfand an-nimmt und dafür den anderen Menschen ein Darlehen gewährt
Malin: Seltsame Kreaturen sind diese Menschen
Brenin: Klingt wie Diebstahl?
Marlowe. Es ist doch mehr Ruin, als Diebstahl
Malin: Und diese absurde Idee funktioniert?
Marlowe: Merkt euch eines….dies habe ich bei meinem letzten und einzigen Aufenthalt in dieser Welt vor einer Ewigkeit gelernt….am besten funktionieren die schlechten Ideen….denn die guten Ideen haben keine Zukunft, keinen Raum und keine Entfaltung….
Brenin: Und was macht nun die Vogelscheuche Sam bei diesem Pfandleiher und Inkasso Wie-Auch-Immer-Dieses-Heisst?
Marlowe: Die Vogelscheuche Sam wurde entweder verpfändet oder noch wahrscheinlicher verkauft oder….
Malin: Oder was?
Marlowe: Dass weiß ich noch nicht so genau
Brenin: Wir müssen uns entscheiden
Malin: Los, nähern wir uns dem Geschäft
Brenin, Malin und Kater Marlowe nähern sich dem Geschäft, bleiben vor diesem stehen und spähen durch das Schaufenster hinein.
Die drei Abenteurer können die Vogelscheuche Sam erkennen, dessen Mund verknebbelt ist, dessen Füße in einer Kette gelegt sind und ein großes Schild um den Hals der Vogelscheuche hängt.
Brenin: Sam ist gefesselt!
Malin: Und dieses Schild?
Marlowe: Sam ist nunmehr nicht mehr frei, denn hat einen Besitzer und dieser Besitzer verlangt für die Freiheit von Sam Geld?
Malin: Aber Sam hat nichts verbrochen?
Marlowe: Er hat die schlimmste Untat begangen
Brenin: Und die wäre?
Marlowe: Sam ist unschuldig
Malin: Dass verstehe ich nicht
Brenin: Dass kann man wohl nicht verstehen
Marlowe: Geld….das Geld
Malin: Und haben wir Geld?
Marlowe: Natürlich haben wir kein Geld
Brenin (erleichtert tief durchatmend): Dann ist gut
Malin: Und was machen wir jetzt?
Marlowe: Einer von uns könnte versuchen in das Geschäft zu schleichen und versuchen Sam zu befreien
Malin: Wie soll dass funktionieren….Sam ist in Ketten gelegt?
Marlowe: Ich überlege
Brenin: Ich versuche es
Marlowe. Sei aber vorsichtig Brenin
Malin: Und pass vor allem auf dein loses Mundwerk auf
Brenin: Dass werde ich zu verhindern wissen
Brenin eilt zur Eingangstür des Geschäftes und schlüpft, als ein Mensch das Geschäft betretet, in dieses hinein.
Malin und Kater Marlowe ziehen sich in eine dunkle Ecke in der unmittelbaren Nähe des Geschäftes zurück und beobachten von dort wie sich das Geschehen weiterentwickelt.
Brenin sieht sich im Geschäft um, erblickt keinen Menschen, eilt zu der Vogelscheuche Sam und befreit diesen von dem Knebbel in dessen Mund.
Brenin: Sam….Vogelscheuche Sam
Vogelscheuche: Brenin!
Brenin: Geht es dir gut?
Vogelscheuche: Flattern meine Arme im Wind?
Brenin: Wie bitte?
Vogelscheuche: Schlottern meine Beine in der Kälte?
Brenin (sich umblickend): Wer schlottert?
Vogelscheuche: Schlottern meine Beine in der Kälte?
Brenin: Vogelscheuche Sam….jetzt ist keine Zeit für metaphysische Überlegungen
Vogelscheuche: Und die Sonne?
Brenin: Vogelscheuche Sam….was ist nur los mit dir?
Vogelscheuche: Wo bin ich?
Brenin: Los komm mit mir….aber sei leise….
Vogelscheuche: Wohin soll ich kommen?
Brenin: Weißt du denn gar nichs mehr
Vogelscheuche: Ich komme ja schon
Die Vogelscheuche versucht dem Wolf Brenin zu folgen, doch die an den Füßen der Vogelscheuche angebrachten Ketten machen jedlichen Schritt unmöglich.
Vogelscheuche: Die Ketten
Brenin eilt zu den Ketten an den Füßen der Vogelscheuche.
Brenin beißt in diese Ketten hinein und zu Brenin`s Überraschung brechen diese nicht
Brenin: Ich kann diese Kette nicht durchbeißen
Vogelscheuche: Propiere es nochmals
Brenin beißt nochmals in die Kette hinein….aber ohne Erfolg.
Brenin überlegt kürzeste Zeit, wie es ihm gelingen könnte die Vogelscheuche Sam aus diesen Ketten zu befreien, als….
Brenin hustet die Kette an.
Das Eisen krächzt.
Brenin hustet die Kette nochmals an.
Die Kette wird zunehmend lockerer und beginnt sich aufzulösen….als….
Vogelscheuche: Achtung Brenin….einige dieser schrecklichen Kreaturen….
Brenin (die Vogelscheuche unterbrechend): Man nennt sie Menschen
Vogelscheuche: Menschen?
Brenin: Ja?
Vogelscheuche: Also einige dieser schrecklichen Menschen….
Brenin (die Vogelscheuche unterbrechend): Was ist mit diesen schrecklichen Menschen?
Vogelscheuche: Menschen!
Brenin: Wo?
Vogelscheuche: Verstecke dich!
Brenin eilt in Sekundenbruchteile unter eine Kommode in der unmittelbaren Nähe der in Ketten gelegten Vogelscheuche Sam, als ein Mann-Mensch und ein Kind-Mensch das Geschäft mit gesenkten Köpfen betreten.
Die Beiden gehen einige Schritte tiefer in das Geschäft hinein, als ihnen ein Mann-Mensch, der Besitzer des Geschäfts, mit breitbeinigen Schritten entgegenschreitet.
Pfandleiher: Was wollen sie hier?
Vater: Wir…also ich…..
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Was haben sie hier verloren?
Vater: Also ich….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Sie stehlen nicht nur meine Zeit, denn auch noch meine Geduld!
Vater: Also ich….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Ja, wird dass heute noch was….oder setzt sich dieses Gestottere jetzt noch für Stunden fort?
Vater: Ich….ich möchte sie bitten…..
Pfandleiher (auflachend): Mich bitten….für das Bitten gibt es die Kirche….für das Geschäfte-Machen sind sie hier richtig….also?
Vater: Meine Familie leidet….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Ihre Familie….also ihre Familie….damit ich dass auch richtig verstehe….ihre Familie….ja glauben sie denn, dass irgendeinem ihre Familie denn interessiert….
Vater: Meine Familie leidet….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Dann suchen sie sich eine bessere Arbeit!
Vater: Ich suche doch schon….aber
Pfandleiher: Hier gibt es kein Aber….was wollen sie von mir?
Vater: Ich wollte….ich wollte um einen Zahlungsaufschub ansuchen
Pfandleiher: Bei mir?
Vater: Ja bei ihnen
Pfandleiher: Also so frech war schon lange keine mehr….so unverfroren und rücksichtlos….ich mache hier Geschäfte, nicht Kabarett!
Vater: Ich….ich….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Also gut….man ist ja ein Mensch….wie heißen sie?
Vater: Ich bin der….der….der
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Ja einen Namen werden sie wohl noch besitzen und nicht irgendwo verspielt, vertrunken oder verzockt haben?
Vater: Ich spiele….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Ob sie mit ihren Armen fliegen, ob sie mit ihren Füßen rudern….was auch immer ist egal….ihren Namen!
Vater: Ich bin der …. (Namen)
Pfandleiher: Ah ja….genau….ich kann mich nebulös erinnern….genau….sie sind dass….dass habe ich schon gewusst….das gesamte Monat habe ich dass gewusst, dass sie wieder herangekrochen kommen werden und wieder einmal nicht bezahlen können
Vater: Ich….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Ist es so….ist doch so….immer das gleiche….IMMER!
Vater: Ja
Pfandleiher: Das erste Mal, dass sie seit einem Monat nicht mehr gelogen haben….oder?
Vater (unterwürfigst): Ja Herr Pfandleiher
Der Pfandleiher nimmt ein kleines Notizheft zur Hand und blättert darin.
Pfandleiher: Wissen sie warum ich keine Computer verwende?
Vater: Weil….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Ja genau….weil ich niemanden vertraue….keinem Menschen….keinem Computer….KEINEM!
Der Pfandleiher findet den Namen des Vaters in seinem Schuldnerbuch.
Pfandleiher: Sie können also wiedereinmal den Zins nicht bezahlen
Vater: Ich….ich….ich
Pfandleiher: Und dabei verlange ich nur sozial verträgliche 40%….wer verlangt heutzutage einen solch niedrigen Zinssatz….wer….sagen sie es mir?….sagen sie es mir?
Vater: Ich….ich….
Pfandleiher: Und dies alles, obwohl ich sie gewarnt habe
Vater: Mein anderes Kind….
Pfandleiher: Papperlapap….nichts da mit einem anderen Kind….heute ist der Zins fällig….nicht gestern, nicht morgen….HEUTE!….somit gehört mir von nun an all ihr Besitz….
Vater: All mein Besitz?
Pfandleiher: So war es vereinbart….hier steht es schwarz auf weiß geschrieben….(der Pfandleiher deutet auf einige Notizen in seinem Notizbuch)….also gehört mir von nun an all ihr Besitz
Vater: Aber….
Pfandleiher: Auch ihre „Aber“ gehören mir nun….und ich verbiete es ihnen dieses Wort in meiner Gegenwart in Zukunft auszusprechen!
Vater: Was soll ich nur tun?
Pfandleiher: Verzweifeln….?
Vater (verzweifelnd): Also bleibt mir nur noch die Verzweiflung?
Pfandleiher: Dass alles hätten sie sich doch vorher überlegen sollen
Vater (verzweifelnd): Ich habe doch alles in meiner Macht mir stehende….ich habe doch Tag und Nacht nur noch….ich habe doch….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Immer dieses doch und hätte….doch und hätte….nichts da mit einem „doch“ oder einem „hätte“ oder noch schlimmer einem „aber“….heute ist endgültig Schluß mit diesem „Aber“, mit diesem „Hätte“ und mit diesem „Doch“….
Vater (verzweifelnd): Ich flehe sie an…..ich flehe sie an….
Pfandleiher: Also?
Der Vater geht auf seine Knie und wird vom Pfandleiher mit Gewalt sofort wieder hochgezogen, welchen den Vater sogleich anschnauzt:
Pfandleiher: Also keine rührselige Szene….sie sind ein Mann, keine 14-jährige….so reißen sie sich zusammen, wir sind hier nicht im Theater….sie können sich also dieses bemitleidenswerte Schauspiel bei mir sparen….kühl und nüchtern hat das Geschäftsleben zu sein, nichts mit Gefühlen und Tränen
Vater: Ich bitte sie…..
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Ich hätte da eine Idee….
Vater: Ich bin zu allem bereit
Pfandleiher: Wer ist dieser dünne, schlecht genährte Knabe neben ihrer Wenigkeit?
Vater: Dieser hier?
Pfandleiher: Wer denn sonst wertloser und überflüssiger säumiger Zahler?
Vater: Dass ist mein Sohn Peter….los Peter….grüße den noblen Herren!
Peter: Schönen guten Tag Herr Pfandleiher
Pfandleiher: Er erscheint mir etwas zu vornehm für solch einen armen, unzuverlässigen, nachlässigen und nunmehr besitzlosen Schlucker wie ihnen geraten zu sein
Vater: Dass täuscht
Pfandleiher: Nun gut….ich werde ausnahmsweise Gnade walten lassen und ihnen noch eine….also haben sie mich verstanden (Nicken des Vaters)….eine Woche Zeit geben ihren säumigen Zins zu bezahlen und natürlich den Zins des Zinses der Zinsen….haben sie mich verzinst sozusagen
Der Pfandleiher bricht in ein brüllendes Gelächter aus.
Pfandleiher: So lachen sie doch sie säumiger Schuldner….sie haben mich verzinst….
Der Pfandleiher lacht brüllend und der Vater lächelt pflichtbewußt dazu.
Pfandleiher: Der Zins des Zinses der Zinsen werden weiter verzinst….nicht zu meinem Gunsten….zu ihrem Gunsten….dass versteht sich doch wohl von selbst….oder waren sie schon einmal bei einer Bank?
Vater: Bei einer was?
Pfandleiher: Vergessen sie es….aber zurück zum Geschäftlichen
Vater: Vielen….vielen, vielen Dank Herr Pfandleiher….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Dafür überlassen sie mir ihren Sohn Peter als Pfand
Vater: Wie bitte?
Pfandleiher: Dann also danke
Vater: Ich verstehe nicht
Pfandleiher: Ja, sie haben mich ausnahmsweise einmal richtig verstanden….sie verpfänden mir ihren Sohn….als Sicherheit versteht sich
Vater: Aber dass ist unmöglich!
Pfandleiher: Dass einzige was hier unmöglich ist, dass sind säumige Zahler wie sie!
Vater: Nicht meinen Sohn!
Pfandleiher: Sie tun ja plötzlich solchermaßen als hätten sie eine Wahl….sie haben keine Wahl….übrigens nie gehabt….ich werde ihren Sohn auch gut behandeln….es soll ihm an nichts mangeln….er bekommt Arbeit, Arbeit und Arbeit von mir….was möchte ein solcher Junge denn schon, als zu arbeiten, zu arbeiten und zu arbeiten!
Vater: Und die Mutter?
Pfandleiher: Was ist mit dieser Mutter?
Vater: Was sage ich zu seiner Mutter und meiner Frau?
Pfandleiher: Dass sie sich gefälligst eine Arbeit zu suchen hat
Vater: Hast du gehört mein Sohn was der feine Herr gesagt hat?
Peter: Ja Vater
Pfandleiher: Jetzt schauen sie mich nur nicht so an, als sei ich hier der Übeltäter….immer diese gleiche Frechheit….immer dieses gleiche Gekrieche und Schuld und Schulden-Zuweisen….aber da ich ein herzensguter Mensch bin, also ein wirklich guter Mensch überlasse ich ihnen für diesen Zeitraum , wo ihr Sohn für mich arbeiten wird und damit die Mutter sich nicht allzuviele Sorgen macht….denn ich verstehe sie ja….diese Weibsbilder….ja, ich kann sie verstehen (schlägt dem Vater kollegial auf dessen schmale Schultern)….ich verstehe sie ja….nur keine Sorgen….ich überlasse ihnen diese Vogelscheuche als Sicherheit
Vater: Eine Vogelscheuche als Sicherheit für mein Kind?
Pfandleiher: Jetzt werden sie mir nur nicht auch noch anmaßend!
Vater: Ich….ich….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Ich….ich….ich!
Der Pfandleiher geht zu der Vogelscheuche Sam und bleibt vor dieser stehen.
Pfandleiher: Nicht einmal auf Ketten….ja nicht einmal auf Eisen kann man sich heutzutage verlassen….sehen sie….sehen sie säumiger Schuldner
Der Vater begibt sich zum Pfandleiher vor der Vogelscheuche Sam.
Pfandleiher: Wenn man diese Vogelscheuche schlägt, dann gibt sie auch noch seltsame Geräusche von sich
Der Pfandleiher schlägt die Vogelscheuche und diese jauchzt auf.
Brenin springt beinahe in des Pfandleiher´s Rücken, kann sich aber im letzten Moment noch zurückhalten.
Vater: Seltsam
Pfandleiher: Und noch seltsamer ist dass diese Ketten beinahe zerfallen, wo ich sie erst vor einigen Wochen gekauft habe….auf gar nichts mehr kann man sich in diesen unsicheren Zeiten verlassen….auf gar nichts….
Kopfschüttelnd öffnet der Pfandleiher die Ketten um die Vogelscheuche Sam, packt diese unfein an den Armen und überreicht die Vogelscheuche dem Vater.
Pfandleiher: Damit haben sie die Rückversicherung, dass es ihrem Kind hier an nichts mangeln wird, am allerwenigsten an gesunder, tüchtiger und guter Arbeit….also…..
Der Vater nimmt stumm die Vogelscheuche entgegen und wendet sich an seinen Sohn Peter.
Vater: Peter, du musst jetzt tapfer sein….tapferer als all deine Helden….du bleibt bei diesem noblen Herren….und in einer Woche werde ich dich freikaufen….
Peter: Ich werde tapfer sein Vater
Vater: Ich komme in einer Woche mit dem Zinseszins
Pfandleiher: Dass hoffe ich doch für sie und ihrem Sohn….auch wenn diese Hoffnung die kleinstmögliche ist
Der Vater übergibt dann sein Kind, seinen Sohn dem Pfandleiher, nachdem diese sich noch kurz umarmt haben.
Der Vater verlässt weinend, mit der Vogelscheuche unter dem Arm das Geschäft.
Pfandleiher: Nun gut….Peter
Peter: Herr Pfandleiher?
Pfandleiher: Zuallererst wirst du das Geschäft von oben bis unten blitzeblank putzen und wenn ich irgendwo auch nur einen Partikel Staub finden sollte, dann setzt es eine Tracht Prügel, wie du sie in deinen Lebtagen noch nicht gesehen hast….hast du mich auch verstanden?!
Peter: Ja, Herr Pfandleiher
Pfandleiher: Dann mache dich jetzt gefälligst an die Arbeit….dort drüben sind deine Arbeitskleider, die Putzutensilien und nun….und nun an die ARBEIT!
Peter: Ja Herr Pfandleiher
Der Pfandleiher geht breiten Schrittes in ein Hinterzimmer des Geschäft.
Der Junge zieht sich die Arbeitskleider an und beginnt den Boden des Geschäftes auf allen vieren zu reinigen.
Brenin eilt aus seinem Versteck, blickt zu dem Jungen und eilt dann durch die einen Spalt offene Tür aus dem Geschäft.
Brenin eilt zu den aus einer dunklen Ecke tretenden Siebenschläferin Malin und dem Kater Marlowe.
Brenin nimmt Kater Marlowe bei den Schultern und schüttelt diesen.
Brenin: Es ist schrecklich!
Marlowe: Weiß ich doch
Brenin: Es ist SCHRECKLICH!
Marlowe: Was geschehen ist, können wir später noch besprechen….jetzt müssen wir sofort die Verfolgung der Vogelscheuche Sam aufnehmen
Brenin: Der arme JUNGE!
Malin: Welcher Junge?
Brenin: Es ist….
Marlowe (Brenin unterbrechend): Darüber können wir doch später diskutieren….jetzt kommt schon

Brenin, Malin und Kater Marlowe beginnen den Gehsteig entlang dem von ihnen wegeilenden, weinenden Vater, mit der Vogelscheuche Sam unter dem Arm, zu verfolgen.
Zwischen herumfliegenden Bananen wie immer streitender Italiener; zwischen den unschuldigen Blicken der Schweizer mit ihrem reinen Gewissen, bestehend aus globaler Kriegsförderung, Völkermord und globaler Geldwäsche; den spöttischen Bemerkungen der Inkasso-Österreicher und der sich dahinschleppenden Großstadt-Bewohner; also dem gänzlich normalen großstädtischen Treiben, eilen die drei Abenteurer dem Vater und der Vogelscheuche Sam hernach.

Die Abenteurer halten sich dabei auf Distanz und so geht die Verfolgung von der Innenstadt mit ihren Skyscrapern, durch den reichen Versorgungsgürtel, dann durch die bewachten Wohnvierteln, einem Park, bis die Abenteuer in einem sichtlich heruntergekommenen Stadtviertel bei den Ausläufern der Großstadt enden.

Schweren Schrittes und noch schwerer Schultern verschwindet der Vater samt Vogelscheuche Sam in einem der riesigen Wohnblocks, welche unzählig in ihrer Anzahl und trostlos in ihrer identischen ruinösen Fassaden aussehen.
Aus der Ferne beobachten die drei Abenteurer dies und streben zum Eingang des riesigen Wohnblockes als sich diesen plötzlich, kurz vor dem Eingang eine Ratte in den Weg stellt, welche die drei Abenteurer feindselig anblickt.
Ratte: Hier ist Endstation Pfeffersäcke!
Malin: Wie bitte?
Ratte: Ihr Sandsäcke seid auf mein Territorium vorgedrungen
Brenin: Auf was sind wir vorgedrungen?
Ratte: Ihr gehört nicht hierher….dort drüben sind die Müllsäcke
Kater Marlowe: Hier benötigt wohl eine vorlaute Ratte eine gehörige Portion Ohrfeigen
Die Ratte gibt einen pfeifartigen Ton von sich und im nächsten Moment sind die drei Abenteuer aus der Unendlichkeit im herungekommensten Stadtviertel einer Großstadt von zwei Dutzend Ratten, schwerbewaffnet mit bösen Blicken und grimmiger Entschlossenheit, umstellt.
Kater Marlowe rümpft seine Nase.
Ratte: Wie bereits gesagt….hier und keinen Schritt weiter
Brenin: Malin, wir haben keine Zeit zu verlieren
Malin: Ich weiß Brenin….ich weiß….
Ratte: An eurem Verhalten kann ich entdecken, dass ihr nicht von hier seid
Brenin: Nein
Ratte: Und woher kommt ihr?
Malin: Aus der Unendlichkeit
Ratte: Ihr lügt!
Brenin: Nein
Ratte: Ihr lügt!
Malin: Warum sollten wir lügen
Ratte: Ich kenne kein Viertel in dieser Stadt mit dem Namen Unendlichkeit….also….woher kommt ihr?
Malin: Wir kommen nicht aus dieser Stadt!
Ratte: Ihr seid also Fremde….womöglich Landeier
Brenin: Wir sind keine Landeier
Ratte: Ihr seid also Fremde
Malin: Dass könnte man als Großstadtratte so sehen
Ratte: Und was macht ihr dann hier?
Marlowe: Ratte….du hälst uns auf….wir haben wichtigeres zu tun
Ratte: Ach so….ihr habt aber keine Überlebenschance in diesem Viertel ohne mich
Malin: Das Viertel also anscheinend auch nicht
Ratte: Hier hat die Straße das Gesetz
Malin: Also bist du das Gesetz
Ratte: Endlich zeigt mal einer von euch so etwas wie Respekt….wie heißt du Hübsche?
Brenin: Malin….soll ich der Ratte in die Pfote beissen
Malin: Geduld Brenin….Geduld ist….Geduld ist….
Marlowe: Ist die Tugend des Meister
Malin: Ich bin die Siebenschläferin Malin
Ratte: Hübscher Name
Malin: Und wie heißt du Ratte?
Ratte: Ich bin die proletarische Ratte
Malin: Die proletarische Ratte
Ratte: Ich bin eine proletarische Ratte alter Schule
Malin: Old School
Ratte: Richtig erkannt Hübsche
Brenin: Ich bin der einsame Wolf Brenin
Ratte: Ein Wolf unter Wölfen
Brenin: Ein Wolf ja
Marlowe: Und ich bin Kater Marlowe
Ratte: Miau
Marlowe: Manieren sind nicht deine Stärke oder?
Ratte: Miau!
Marlowe: Malin!
Ratte: Hier auf meinem Territorium regiert die nackte Zurückhaltung
Brenin: Der entwaffnende Charme Zukurzgekommener
Ratte: Hier ist es nämlich für die meisten schon zu spät
Brenin: Nicht nur hier
Ratte: Nein, nicht nur hier
Marlowe: Aber gleichzeitig ist es selten irgendwo für die allermeisten so zu spät wie hier
Ratte: Miau!
Brenin: Nun da die Höflichkeiten ausgetauscht sind….wir haben KEINE ZEIT!
Ratte: Zeit ist relativ….dass weiss doch jeder Strassenkater
Marlowe rümpft seine Nase.
Brenin: Aber wenn man keine Zeit hat, dann ist die Zeit absolut!
Ratte: Dass einzige was hier absolut ist, ist mein Machtanspruch
Marlowe: Ich denke diese….diese proletarische Ratte und seine Freunde haben uns lange genug aufgehalten
Ratte: Ihr überschätzt eure Möglichkeiten wohl masslos
Malin: Hier im Elend hilft wohl niemand niemanden proletarische Ratte?
Ratte: Unser Motto lautet: Keiner für keinen und niemand für niemanden
Malin: Ihr haltet also zusammen, wenn ihr euch nicht gerade gegenseitig bis auf das Blut bekämpft?
Ratte: Sehr gut erkannt Holde
Malin: Genug der Schmeicheleien….hilfst du uns?
Ratte: Dir auf jeden Fall
Malin: Brenin….die Rattenpfote!
Ratte: Eigentlich haben wir hier in diesem Viertel ja besseres zu tun, als uns um verlorene Aussätzige zu kümmern….aber da heute….ihr wisst schon….und gerade jetzt….ihr wisst schon….
Brenin: Wir haben kein Geld
Ratte: Dass vereinfacht die Verhandlungen doch um ein vielfaches
Brenin: Wir haben aber trotzdem kein Geld
Ratte: Dass „trotzdem“ gefällt mir, das „kein Geld“ etwas weniger
Malin: Also trotzdem
Ratte: Damit kann ich mir aber nichts kaufen
Brenin: Wohl nicht
Ratte: Also um so besser
Brenin: Was verlangst du also?
Ratte: Ich begleite euch….ihr steht ab nun unter meinem persönlichen Schutz
Marlowe: Und dafür sollen wir auch noch dankbar sein?
Malin: Dieser Schutz hat aber nichts mit mir zu tun?
Ratte: Nur mit deinem Äußeren Malin….nur mit deinem Äusseren Siebenschläferin
Marlowe: Der Nutzen ist dem Dasein sein Zweck
Ratte: Also Hübsche…komm hierher
Malin: Brenin, beiss zu!
Brenin blickt zu Malin und dann zu Kater Marlowe
Marlowe: Nicht ein bisschen eifersüchtig Brenin?
Brenin geht einige Schritte nach vorne.
Brenin: Proletarische Ratte
Ratte: Ja?
Brenin: Folgt mir!
Brenin eilt an der Ratte vorbei und zum Eingangsbereich des riesigen Wohnkomplexes.
Malin, welche sich auf räumliche Distanz zu der proletatrischen Ratte hält; Kater Marlowe, die proletarische Ratte und drei seiner Kumpels folgen Brenin.
Direkt vor dem Eingang bleibt Brenin stehen und wendet sich der proletarischen Ratte hinzu.
Brenin: Und die Menschen?
Ratte: Welche Menschen?
Brenin: Die Menschen!?
Ratte: Diese schrecklichen Kreaturen?
Malin: Exakt
Ratte: Schrecklich!
Brenin: Und dass ist alles was du zu den Menschen zu sagen hast?
Ratte: Schrecklich
Marlowe: Einfach nur schrecklich!
Ratte: Was ist schrecklich?
Marlowe: Alles ist schrecklich
Ratte: Und ich habe mir gedacht nur die Menschen sind schrecklich
Brenin: Dass ist sinnlos….kommt….
Brenin; Kater Marlowe, Malin und die proletarische Ratte betreten das Wohnhaus und nach einigem Umherstreifen, finden diese doch tatsächlich den Vater mit der Vogelscheuche im Arm vor einer Tür auf- und abstreifend vor.
Die Abenteurer positionieren sich in der Nähe, bis der Vater nach einer endlichen Unendlichkeit genügend Mut gefasst hat, die Wohnungstür mit dem Schlüssel zu öffnen und diese zu betreten.
Einen Moment später stehen die Abenteurer vor der Tür.
Brenin: Und nun?
Ratte: Folgt mir
Die Gruppe folgt der proletarischen Ratte zu einem Loch in der Wand, zwängen sich durch dieses hindurch und nach einigen Abstürzen, Abzweigungen und Kurven, befinden sich diese im Kühlschrank in der Küche, öffnen diesen, springen heraus und blicken um sich.
Ratte: Jede Wohnung in diesem Wohnkomplex hat solch einen Ratten-Eingang….nur benutzen wir diese aus Trägheit beinahe nie
Brenin: Seltsam
Malin: Wir sind jetzt in der Wohnung, welche der Mann-Mensch mit der Vogelscheuche betreten hat?
Ratte: So ist es
Brenin: Seid leise….der Mensch kommt hierher
Die Gruppe drückt sich in ein dunkles Eck und beobachtet wie der Vater mit der Vogelscheuche Sam im Arm die Küche mit seiner Frau betretet.
Ratte: Übrigens….was machen wir eigentlich hier?
Malin: Und was ist in dem Geschäft vorgefallen Brenin?
Marlowe: Wir sind hier um einen Freund von uns, die Vogelscheuche Sam, zu befreien und….
Ratte (Marlowe unterbrechend): Genug….genug….mehr möchte ich eigentlich auch gar nicht wissen….zuviel Information beeinträchtigt mein klares Denken und geradliniges Handeln
Malin: Zuviel Information?
Ratte: Man sollte immerzu nur das Allernotwendigste wissen, denn alles was man weiss, also das Wissen das man besitzt, ist wankelmütig und könnte sich früher oder später gegen einen wenden
Brenin: Wir sind hier auf keinem Polizeirevier
Ratte: Entschuldigung….ich wollte nur einmal üben, wie smooth ich so bin….
Malin: Und woher diese Anglizismen?
Ratte: Die was?
Malin: Vergiss es
Ratte: Schon vergessen

Die Mutter und der Vater betreten nunmehr die Küche und die Abenteurer in Begleitung der proletarischen Ratte beobachten diese schweigend.
Vater: ….und so hat der noble Herr, als der Pfandleiher unseren Sohn als Pfand….
Mutter (den Vater unterbrechend): Nobel….NOBEL!?….Zum Donnerwetter nochmal….NOBEL ist an dieser Geschichte überhaupt nichts….Wie….ich frage mich WIE konntest du auf solch einen Handel überhaupt eingehen?
Vater: Ich hatte keine Wahl
Mutter: Man hat immer eine Wahl!
Vater: Beim Fernsehprogramm….bei der Wahl von verschiedenen Eissorten….man hat KEINE WAHL….wir sind arm….es fehlt an allen Ecken und Kanten….wir halten uns so gerade noch über dem Wasser
Mutter: NEIN, dass tun wir nicht….wir gehen gerade in dem tiefsten Abgrund menschlicher Grausamkeit hilflos unter
Vater: Ich weiß doch….ich weiß doch….
Mutter: Der Sohn verpfändet und die Tochter schwerkrank….was ist dass nur für ein Leben….welche Verdammnis hat uns verflucht, um unser Schicksal so schwer zu bestrafen
Die Mutter bricht in Tränen an und der Vater versucht diese zu trösten.
Mutter: Die Ärzte….die Ärzte wollen unser Kind nicht mehr behandeln, wenn wir nicht die Rechnungen bezahlen….kein Arzt weit und breit kümmert sich darum….immerzu bettelnd vor diesen herumkriechen, damit sie ihren kleinsten Finger 5 Milimeter bewegen und dazu soll man dann immer danke und bitte sagen….diese Ärzte….diese Heiligen der Öffentlichkeit und angesehensten Bürger der Stadt….diese Ärzte….verflucht in Gottes Namen sollen sie sein
Vater: Ich weiß, dass diese Ärzte in ihrer unmenschlichen Routine andauernd ihrer Grausamkeit Tribut zollen müssen….dass sie die Welt zu einem Platz des endlosen Schrecken andauernd verwandeln….aber sie müssen einfach unser Kind behandeln….
Mutter: Nichts anderes als Selektion betreiben diese Ärzte….sie haben von den ProvinzNaziÄrzten gelernt, wie man Rohheit in Profit, Niedertracht in Erfolg verwandelt….denn es geht um ihren persönlichen Profit….um Profileration….die ihre….denn ihre Eitelkeit ist der einzige Wert, den diese besitzen….verpfuschen und vertuschen ist der Strang, welche diese Ärzte und die politische Klasse zusammenschmiedet….es ist schrecklich….
Vater: Es ist wahrlich schrecklich
Mutter: Das Geld fehlt an allen Ecken und Kanten….wie soll es nur weitergehen….wie nur….sage es mir….wie….
Vater: Wir werden einen Weg finden
Mutter: Nur das niedrigste Menschentum wird andauernd belohnt, gefördert und beschützt
Vater: Nur die Familien werden alleingelassen
Mutter: Es geht nur und nur um den Macht- und Statuserhalt einiger weniger
Vater: Verzweifle nicht….zusammen werden wir einen Weg finden
Mutter: Ich habe keine Kraft mehr….ich kann einfach nicht mehr
Vater: Es muss weitergehen
Mutter: Es kann nicht weitergehen
Vater: Es muss weitergehen
Mutter: Es wird also weitergehen?
Vater: Ja, dass wird es
Mutter: Diese geistige Linie, welche von den größten Untaten der Menschheitsgeschichte bis zum provinziellen Establishment hinführt, welche die gute Tat auch noch jahrelang verspotten müssen, diese geistige Linie ist eine durchgehende geistige Linie durch die Geschichte des Menschheitsgeschlechtes und führt nicht nur das unsere Leben in das Verderben
Vater: Wir müssen stark sein und nicht zweifeln
Mutter: Der Glaube
Vater: Auch der Glaube
Mutter: Und die Verantwortlichen?
Vater: Also diese heutigen Kaiser Nero´s; diese heutigen Saddam Hussein`s; …..diese heutigen Hitler und Stalin`s….welche überall jederzeit durchgehend gegen die machtlosen und wehrlosen Menschen wüten
Mutter: Ja?!
Vater: Verzweifle nicht
Einige Sekunden in beiderseitigem Schweigen.
Mutter: Ich werde mit meinem Bruder sprechen
Vater: Was soll dass bringen?
Mutter: Er hat Geld
Vater: Und alle negativen Eigenschaften, welche man damit verbindet
Mutter: Es ist schrecklich
Vater: Ich weiß
Mutter: Wenn wir uns nur im Geringsten gegen diese Ärzte, gegen diesen einen Menschen wie dem Pfandleiher wehren….nur ein bißchen wehren, gewaltlos, mit friedlichen Mitteln….nur ein bißchen, dann werden sie uns schnurstracks für verrückt erklären….denn arme Menschen haben nunmal die Neigung verrückt zu sein und zu werden….die Behörden, die an allem interessiert sind, außer an der Wahrheit, würden uns sofort für verrückt erklären und das Establishment dazu applaudieren….die Guten haben gesiegt….die Bösen, also wir, sind untergegangen….
Eine kurze Zeit vergeht im beiderseitigen Schweigen.
Vater: Was hat mein kleines Mädchen heute gemacht?
Mutter: Wir haben stundenlang im Krankenhaus gewartet….aber die Ärzte hatten besseres zu tun….Urlaubsplanung….ihre kriminelle Komplizenschaft einem Bewährungstest unterziehen….ihre Köpfe einziehen und die gesamte Menschheit versauen….ihren verbalen, geistigen und emotionalen Dreck kübelweise über die gesamte Menschheit auszuschütten und dann mit strahlenden, glücklichen Gesichtern in ihr Leben hinauszutreten, in welchem alles das Schönste, das Beste und das Gesundeste sein muss….
Vater: So beruhige dich doch
Mutter: Und dann sind wir unverrichteter Dinge wieder abgezogen….das kriminelle Kartell hat gewonnen….der Unmensch….die Bestie namens Mensch im Gewand des besten Menschen, welcher im allgemeinen Kontext als der gutmütigste wahrgenommen wird
Vater: Keine Behandlung heute?
Mutter: Das Böse
Vater: Welches natürlich von der Politik, der Wirtschaft und allen voran den Behörden auf das Schärfste beschützt und gefördert, ja ausgezeichnet werden muss, denn es geht gegen den Menschen und für die Macht….für den Machterhalt….für die Interessenwahrung….für die kriminelle Komplizenschaft….
Mutter: Das Böse wird auch noch belohnt
Vater: So war es schon immer
Mutter: Das Böse

Die beiden Elternteile, der Vater und die Mutter, gehen miteinander sprechend, in einem Nebenraum und lassen die Vogelscheuche achtlos auf dem Küchentisch liegen.
Brenin, Malin, Marlowe und die proletarische Ratte warten noch einige Augenblicke und eilen dann aus ihrem Versteck, einer dunklen Ecke, heraus.
Ratte: Die Luft ist jetzt rein
Brenin: Ich und Marlowe befreien die Vogelscheuche; ihr beiden; Malin und die proletarische Ratte steht Schmiere
Malin: Warum ich?
Marlowe: Also dann Brenin
Brenin und Marlowe geben dem Einwand der Siebenschläferin Malin keine Achtung, denn eilen zum Küchentisch, klettern diesen hinauf und stehen vor der Vogelscheuche, welche zu schlafen scheint.
Marlowe: Los weck die Vogelscheuche Brenin
Brenin: Nun gut
Brenin hustet die Vogelscheuche Sam an und….und die Vogelscheuche erwacht.
Vogelscheuche: Wo bin ich?
Brenin: Bei deinen Freunden
Die Vogelscheuche zieht ihren Hut.
Vogelscheuche: Capeau!
Marlowe: Was soll denn dass jetzt bedeuten?
Vogelscheuche: Eine Ehrerbietung bestehend aus Respekt vor eurer Leistung auf meinen Fersen verblieben zu sein….ich dachte nämlich….ja ich dachte….
Brenin: Vergiss diese Gedanken
Marlowe: Vogelscheuche….los komm mit
Vogelscheuche: Ich schaffe es nicht allein
Kater Marlowe nimmt die Vogelscheuche Sam unter den Armen und schleppt/zieht diese über den Küchentisch, klettert mit dieser auf den Küchenboden hinunter.
Dort angekommen eilen diese zu den Schmiere stehenden Malin und der proletarischen Ratte.
Ratte: Sehr gut….sehr gut….dass ist also eurer Freund die Vogelscheuche
Vogelscheuche: Was macht denn diese Ratte hier?
Ratte: Sehr angenehm….ich bin die proletarische Ratte
Vogelscheuche: Eine proletarische Ratte?
Brenin: Was ist mit dir passiert Vogelscheuche Sam?
Vogelscheuche: Dass einzige woran ich mich noch erinnern kann, ist, dass als ich hierher verschleppt worden bin, mich einige Bananen im Gesicht getroffen haben….dass war dann wohl zuviel
Marlowe: Wir haben kein Zeit für Geplänkel….lasst uns die Kurve kratzen
Vogelscheuche: Was….ich werde abkratzen?
Malin: Die Vogelscheuche muss sich erst noch erholen….also….
Die nunmehr fünf Abenteuer eilen zum Rattenloch hinter dem Kühlschrank in der Wohnungswand, als Brenin plötzlich langsamer wird und dann innehält.
Brenin: Stop!
Die anderen Abenteuerer blicken sich zum einsamen Wolf Brenin um.
Brenin: Wartet!
Die anderen Abenteuerer bleiben stehen.
Brenin: Ihr solltet noch wissen, bevor wir durch dieses Rattenloch entschwinden, dass der Junge, dieser Sohn-Mensch dieses Vater-Mensch von einem anderen Menschen verpfändet worden ist und dass die Vogelscheuche Sam als Sicherheit für den Sohn-Mensch an dessen Vater-Mensch ausgehändigt worden ist….
Marlowe: Ja und?
Brenin: Der Sohn-Mensch kommt nicht mehr frei, wenn wir jetzt mit unserem Freund der Vogelscheuche Sam abhauen
Vogelscheuche: Wie bitte….ich verstehe überhaupt nichts mehr Brenin
Marlowe: Ja und?
Malin: Was willst du uns damit sagen Brenin?
Brenin: Versteht ihr denn nicht
Ratte: Ich verstehe nur Bahnhof
Brenin: Und dann das kranke Mädchen
Malin: Das kranke Mädchen?
Brenin: Ja!
Marlowe: Ich denke, ich beginne den Gedankengang Brenin`s zu verstehen
Malin: Und?
Marlowe: Es ist nicht möglich
Brenin: Was ist nicht möglich?
Marlowe: Es ist völlig ausgeschlossen und sollte in keinster Weise in Betracht gezogen werden
Brenin: Überlegt doch einmal
Malin: Was sollen wir überlegen?
Marlowe: Wir können diesen Menschen nicht helfen!
Brenin: Sicher?
Marlowe: Man kann diesen Menschen nicht helfen!
Brenin: Und doch sollten wir es versuchen
Malin: Nach allem was wir in dieser Welt schon erlebt haben?
Vogelscheuche: Mir könnt ihr helfen….und zwar jetzt….
Die Vogelscheuche kippt schlaftrunken um und nachdem sich die anderen Abenteuerer vergewissert haben, dass die Vogelscheuche nur schläft, wenden sich diese wieder ihren Argumenten hinzu.
Marlowe: Die Idee war doch jene die Vogelscheuche Sam zu retten und dann sofort und mit sofort meinte ich SOFORT in eine andere Welt überzusetzen?
Brenin: Ich weiß
Marlowe: Denn wie jedem mittlerweile bewußt geworden ist, ist es hier schrecklich….ES IST SCHRECKLICH!
Brenin: Es ist unsere Pflicht
Marlowe: Unsere Pflicht?
Ratte: Damit ich dass auch richtig verstehe….ihr wollt diesen schrecklichen Kreaturen auch noch helfen?
Brenin: Ja
Die Ratte deutet einen Vogel an.
Marlowe: Bei allen Unendlichkeiten
Malin: Wie hast du dir dass denn vorgestellt Brenin?
Brenin: Ganz einfach….wir befreien den Jungen, wir helfen dem kranken Mädchen, wir lösen das Problem mit dem Pfandleiher, wir erleben ein Abenteuer in dieser Welt und fallen zufrieden in eine andere Welt hinein
Malin: Und dass ist der Plan?
Brenin: Dass ist der Plan
Marlowe: So etwas Verrücktes habe ich noch nie gehört
Malin: Du verlangst nach einer Entscheidung Brenin?
Brenin: So ist es
Marlowe: Und wie soll es in allen Unendlichkeiten geschehen, dass dieser Plan auch klappt?
Brenin: Der Plan wird funktionieren….
Marlowe: Und dass nennst du einen Plan?
Malin: Lasst uns doch um eine Entscheidung zu finden, das kranke Mädchen-Mensch in dem anderen Zimmer aufsuchen?
Brenin: Ich bin einverstanden
Marlowe: Wir können diesem Mädchen-Mensch, diesem Jungen-Mensch nicht helfen, denn damit nur unser eigenes Grab graben
Ratte: Also ich möchte mich ja nicht einmischen, aber niemand hilft niemanden; niemand hilft diesen schrecklichen Kreaturen; nicht einmal diese schrecklichen Kreaturen sich untereinander und warum sollten wir dann, wo doch bei diesen schrecklichen Kreaturen…..
Malin (die proletarische Ratte unterbrechend): Man nennt sie Menschen proletarische Ratte….Menschen….
Ratte: Also gut….diese Menschen helfen sich doch untereinander nicht einmal und dann nur in Ausnahmefällen und warum sollten dann ausgerechnet wir diesen schrecklichen….entschuldigung, natürlich Menschen helfen?
Malin: Lasst uns….
Ratte (Malin unterbrechen): Lasst uns beide
Malin: Brenin?!
Brenin: Lasst uns um eine Entscheidung zu finden, zu dem kranken Mädchen-Mensch gehen
Marlowe: Gehen wir!
Malin: Also los
Die fünf Abenteuer blicken sich nach den beiden Elternteilen um, beobachten, dass diese beschäftigt sind und eilen dann durch das Küchenzimmer in ein daneben gelegenes Zimmer, in welchem das kranke Mädchen in einem Bett schläft.
Die fünf Abenteuer schleichen sich an das Bett heran, klettern dieses hinauf und beugen sich über das kranke, schlafende Mädchen.
Die fünf Abenteuer blicken sich gegenseitig an.
Die fünf Abenteurer verlassen dann das Zimmer leisen Schrittes und finden sich vor dem Kühlschrank in der Küche wieder ein.
Brenin: Kater Marlowe und die Vogelscheuche Sam bleiben hier; Sam spielt weiter die unfähige Vogelscheuche; Marlowe passt auf das Mädchen auf; ich; Malin und die proletarische Ratte eilen zum Pfandleiher; befreien den Jungen und lösen das Problem mit dem Pfandleiher
Malin: Proletarische Ratte?
Etwas Zeit vergeht mit einer in sich versunkenen proletarischen Ratte.
Malin: Proletarische Ratte?
Ratte: Auf mein Rattenblut könnt ihr euch verlassen
Malin: Sam!…:Brenin!
Brenin hustet die Vogelscheuche Sam an und diese erwacht wieder.
Malin: Sam!
Vogelscheuche: Wo brennt es?
Malin: Schlottern deine Arme im Wind?
Vogelscheuche(auf seine still-ruhenden Arme blickend): Und wie?
Malin: Du wirst deine Rolle weiterspielen
Vogelscheuche: Ahoi Kapitän!
Brenin: Kater Marlowe?
Marlowe: Es sollte keine Frage sein, denn eine ehrenvolle Aufgabe
Brenin: Also dann….Marlowe….sei vorsichtig und pass auf das Mädchen auf
Marlowe: Und ihr seid tapfer….so tapfer wie das kleine Mädchen
Einige Sekunden Schweigen von Malin.
Malin: So tapfer werden wir niemals sein können
Ratte: Nie….nie….niemals
Marlowe: Dann versucht es zumindest
Ratte: Wir werden unser Bestes geben
Die proletarische Ratte, Malin und Brenin wenden sich ab.
Ratte: Malin?!
Malin: Was ist proletarische Ratte?
Die proletarische Ratte schmatzt der überrumpelten Siebenschläferin einen Kuss auf die Wange.
Malin: Was soll dass?
Ratte: Falls wir uns nicht mehr wiedersehen
Malin: Proletarische Ratte….du kommst mit uns!
Ratte: Ach so….außerdem ist es doch ein Brauch bei uns Ratten vor jedem Abenteuer….
Malin (die Ratte unterbrechend): Und dass ist also ein Brauch bei den Ratten?
Ratte: Um sich gegenseitig Mut zu machen
Malin: Und diesen Blödsinn hast du dir ausgedacht?
Brenin hustet. Sam schmollt. Kater Marlowe´s Pfote schmerzt.
Malin schmatzt der überrumpelten proletarischen Ratte einen Kuss auf die Wange und entschwindet durch das Rattenloch.
Der Wolf Brenin eilt ihr sogleich hernach und die proletarische Ratte schwebt noch ein paar Sekunden einige Zentimeter über dem Erdboden bis diese den Beiden durch das Rattenloch folgt.
Brenin, Malin und die proletarische Ratte eilen durch den Wohnkomplex und durch den Ausgang hinaus.
Kaum haben die drei Abenteurer den Wohnkomplex verlassen stößt die proletarische Ratte ein pfeifartiges Geräusch aus und an der rechten und linken Seite der proletarischen Ratte erscheinen zwei Ratten.
Ratte: Darf ich vorstellen….dass ist die rechte Ratte und dies hier ist die linke Ratte….sie werden uns begleiten
Linke Ratte: Für das Volk der Ratten
Rechte Ratte: Für das Volk der Ratten
Ratte: Also dann
Die proletarische Ratte und seine beiden Freunde; die linke Ratte, die rechte Ratte; die Siebenschläferin Malin und der einsame Wolf Brenin eilen durch das heruntergekommene Viertel; durch den Park; durch die bewachten Wohnanlagen; durch den satten Versorgungsgürtel, durch die Down-Town mit ihren Skyskrapern, bis diese vor dem Geschäft des Pfandleiher stehen bleiben.
Dieses ist verschlossen.
An der Tür hängt ein Schild, welches Kater Marlowe nach kürzester Zeit entziffern kann:
„Am restlichen Tag geschlossen; bin in der Provinz bei meinen reichen Freunden; wer mich sucht…..hier die Adresse….Schuldner unerwünscht!“
Die fünf Abenteuerer blicken sich kurz an, die proletarische Ratte deutet mit ihrem Kopf in eine Himmelsrichtung und dann eilen die Abenteurer jener Himmelsrichtung entgegen.

3. In der Provinz

„There was an uproar and we opened our eyes from eternal sleep,
Saw that the night of wickedness endured, so we slept again.“
Sarmad

Die Unendlichkeit
Der Tod
Die Siebenschläferin Malin
Der einsame Wolf Brenin
Die Vogelscheuche Sam
Der Kater Marlowe
Die proletarische Ratte
Die rechte Ratte Die linke Ratte
Die Zigeunermäuse
Das provinzielle Establishment
Der Junge
Der Pfandleiher
Die Rednecks

In einem fiktiven Theater.
Im Zuschauerraum, vor welcher sich eine Bühne erhebt.
Es ertönt ein Husten.
Stille.
Ein erneutes Husten von den billigsten Zuschauerplätzen im hinteren Teil des fiktiven Theater.
Stille.
Nach einem erneuten Husten wendet sich ebendort die sitzende „Unendlichkeit“ an den neben dieses dort sitzenden „Tod“.
Die Unendlichkeit: Was ist los Tod?
Der Tod: Der Tod ist verkühlt
Die Unendlichkeit: Der Tod ist was?
Der Tod hustet.
Der Tod: Ein Wolf….ach vergiss es….der Tod ist verkühlt
Die Unendlichkeit: Und was sagst der Tod zum bisherigen Verlauf der Geschichte?
Der Tod: Welcher Geschichte?
Die Unendlichkeit: Welcher denn….jene von den Abenteurern natürlich
Der Tod: Ohne Beginn und ohne Ende
Die Unendlichkeit: So ungefähr
Der Tod: Ja, die Geschichte….etwas langwierig für meinen Geschmack
Die Unendlichkeit: Aber doch so herrlich unkompliziert und dahinfließend
Der Tod: Wartet die Unendlichkeit und der Tod vorerst einmal ab
Die Unendlichkeit: Und genau dass sollte die Unendlichkeit und der Tod nicht tun
Der Tod: Warum?
Die Unendlichkeit: Der Tod weiss wo ein Teil der Abenteurer jetzt landen werden?
Der Tod: Der größten Strafe für jedes Lebewesen aller Welten
Die Unendlichkeit: Der Tod weiss es also
Der Tod: Natürlich weiss der Tod dies
Der Tod hustet.
Die Unendlichkeit: In der Provinz
Der Tod: Der Showdown
Die Unendlichkeit: Und glaubt der Tod diese Abenteurer werden mit der Provinz auch noch fertig werden….den provinziellen Ärzten….den provinziellen Politikern….den provinziellen Behörden….DER PROVINZ!
Der Tod: Um es mit Marlowe`s weissen Wörtern zu sagen…..“Es ist schrecklich“
Die Unendlichkeit: Schrecklicher als aller Schrecken
Der Tod: Es wird ein Kampf werden, wie die Welten einen solchen noch nie gesehen hat
Die Unendlichkeit: Und wie werden die Abenteurer kämpfen….wie werden sie kämpfen….wenn ihnen das Ausmaß der menschlichen Niedertracht bekannt wird….die Hinterhältigkeit….und ja….sie werden kämpfen….Brenin….Malin….die proletarische Ratte…..sie werden kämpfen
Der Tod: Dem Schrecken ein Ende zu setzen
Die Unendlichkeit: Lieber ein Schrecken mit Ende, als ein endloser Schrecken
Der Tod: Es ist schrecklich
Die Unendlichkeit: Und wir noch schrecklicher werden
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Die Unendlichkeit: Übrigens….wer ist diese proletarische Ratte?
Der Tod: Noch nie zuvor von dieser proletarischen Ratte gehört
Die Unendlichkeit: Noch nie?
Der Tod: Sage ich doch
Die Unendlichkeit: Seltsam
Der Tod: Mit dem wird der Tod schon fertig!
Die Unendlichkeit: So wie mit dem Wolf?
Der Tod: Wie bitte Unendlichkeit?
Die Unendlichkeit: Nichts….gar nichts
Der Tod: Und die Unendlichkeit meint diese Abenteurer werden mit der Provinz nicht fertig werden?
Die Unendlichkeit: Der Tod und die Unendlichkeit sollten ihnen helfen
Der Tod: In das irdische Treiben….also diesem mehr irren, denn irdischen Treiben eingreifen?
Die Unendlichkeit: Ja
Der Tod: Die Unendlichkeit meint dies auch ernst?
Die Unendlichkeit: Todernst!
Der Tod: Dass wäre dann ja eine einmalige Geschichte
Die Unendlichkeit: Einmalig ja
Der Tod hustet.
Der Tod: Mit diesem Wolf….diesem einsamen Wolf….diesem Wolf Brenin hätte ich noch ein Hühnchen zu rupfen
Die Unendlichkeit: Was ist mit dem Huhn?
Die Unendlichkeit: Zu teeren und zu federn
Der Tod: Rupfen, dann teeren und dann federn
Die Unendlichkeit: Wie soll dass gehen?
Der Tod: Lass dies ein Problem des Todes sein
Der Tod hustet.
Der Tod: Und dann wäre da ja noch der Kater Marlowe
Die Unendlichkeit: Ja?
Der Tod: Der steht auf meiner Liste einsam an der ersten Stelle
Die Unendlichkeit: Einer muss schließlich ja ganz oben stehen
Der Tod: Der Tod holt sich diesen Kater Marlowe
Die Unendlichkeit: Noch einmal wird dieser Kater Marlowe dem Tod nicht entwischen
Der Tod: Es ist dem Tod noch keiner entwischt
Die Unendlichkeit: Noch keiner?
Der Tod: Keiner!
Die Unendlichkeit: Keiner?
Der Tod: Einer
Die Unendlichkeit: Dieser Kater Marlowe
Der Tod: So ist es
Die Unendlichkeit: Aber die Unendlichkeit hat an etwas anderes gedacht
Der Tod: An was?
Die Unendlichkeit: Die Unendlichkeit und der Tod helfen den Abenteuern
Der Tod: Diesem Kater, der schon längst tot sein müsste und diesem Wolf….diesem Wolf….DIESEM WOLF!
Die Unendlichkeit: Genau….der Tod und die Unendlichkeit helfen ihnen
Der Tod: Dass wäre ja….dass wäre ja….
Die Unendlichkeit: Absurd
Der Tod: Surreal
Die Unendlichkeit: Etwas noch nie Dagewesenes
Der Tod: Grotesk
Die Unendlichkeit: Sinnwidrig
Der Tod: Der Tod ist sich unklar
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Die Unendlichkeit: Also ist der Tod damit einverstanden?
Der Tod: Warum auch nicht….meine Ernte fahre ich ja trotz allem ein
Die Unendlichkeit: Früher oder später gehören sie dir alle Tod
Der Tod: Alle
Die Unendlichkeit: Dann lasse uns den Abenteuren helfen
Der Tod: In solch einer ausweglosen Situation….in solch einer jenseits von jedlichem Jenseits anzusiedelnden Situation….in solch einer hoffnungslosen Lage….ja…..ja….ja….da brauchen die Abenteurer wohl noch die Hilfe des Todes
Die Unendlichkeit: Und der Unendlichkeit Tod….und der Unendlichkeit Tod
Die Unendlichkeit: Die Ausnahme….
Der Tod: ….welche den Tod bestätigt
Die Unendlichkeit erhebt sich von ihrem Sitz.
Der Tod hustet.
Die Unendlichkeit: Also
Der Tod: Nun gut
Der Tod erhebt sich und schweren Schrittes begeben sich der Tod und die Unendlichkeit durch den Zuschauerraum auf die Bühne hinzu.
Am Bühnenaufgang bleibt der Tod und die Unendlichkeit nochmals stehen.
Der Tod: Und die Unendlichkeit denkt, dass dies wirklich notwendig ist
Die Unendlichkeit: Nur dieses eine Mal werden der Tod und die Unendlichkeit gebraucht
Der Tod: Der Tod und die Unendlichkeit
Die Unendlichkeit: In dieser Geschichte ohne Beginn und ohne Ende
Der Tod: Dann bekommt diese Geschichte nunmehr ein Ende
Die Unendlichkeit: Durch den Tod
Der Tod: Durch den Tod!
Der Tod und die Unendlichkeit gehen den Bühnenaufgang hinauf.

Die Abenteurer um Brenin haben in der Zwischenzeit die Großstadt verlassen und nachdem diese einige Zeit durch eine Vielzahl von Vororten geirrt waren, hatten diese dann schlußendlich die Provinz erreicht.
Dort angekommen, eilen die Abenteurer durch abgelegene Dörfer, passierten verlassene Bauernhäuser, wanderten Straßen und Wege entlang, welche im Nichts enden, passieren Wälder und Erhebungen und nicht nur die Temperaturen wurden kälter.
Bald waren die Abenteurer von kalten Schultern umzingelt, waren von abschätzigen Blicken umstellt und die Menschen, welche sie antraffen, wandten sich von ihnen ab.
Den andauernden Beleidigungen, den immer tiefer und gefährlicher herumfliegenden Bananen, welche auf alles Lebende niederprasselten, welches sich nicht in die kleine; sehr, sehr kleine Welt, also der Provinzanschauung, einreihte; konnten auch die Abenteuer nicht entgehen und so schlichen diese mehr durch die Provinz, als diese die Abenteurer durchwanderten.
Eine Ewigkeit später, welche doch nur ein sehr kurzer Zeitraum war, erreichten die Abenteurer den Weiler; den Dorfweg; das Haus, dessen Adresse der Pfandleiher an einen Zettel an der Tür seines Geschäftes in der Großstadt geheftet hatte.
Doch dort fanden die Abenteurer nicht nur verschlossene Gittertüren, dunkle Fenster vor, denn nur Versperrtes, Abgeschlossenes und alles, was sich hinter Schloß und Riegel in vermeintlicher absoluter Sicherheit wiegte.
Die Abenteurer eilten weiter und blieben dann am Rande jenes Dorfes, vor einer Wegbeschilderung doch etwas ratlos stehen.
Brenin: Was nun?
Malin: Der Junge ist nicht hier….der Pfandleiher hat diesen woandershin verschleppt
Die proletarische Ratte: Ich….ich….
Brenin: Ja proletarische Ratte?
Die proletarische Ratte: Ich habe eine Idee
Brenin: Lass hören
Die proletarische Ratte: Wir könnten die Fährte des Jungen aufnehmen
Malin: Was sagst du dazu Brenin
Brenin: Ein guter Vorschlag
Malin: Also dann
Die Abenteuer nehmen die Fährte des Jungen auf; als sich plötzlich, kurz außerhalb des Dorfes, vor diesen, sich eine Gruppe von provinziellen Rednecks aufbaut.
Redneck 1: Was haben solch skurille Gestalten wie ihr hier in der Provinz verloren?
Redneck 2: Ihr gehört nicht hierher!
Redneck 3: Die stinken nach Großstadt
Redneck 2: Ja so stinkt nur dieses großstädtische Unkraut
Redneck 1: Und wahrscheinlich sind sie….ihr wisst schon was….
Redneck 2: Da hilft wohl nur eine ordentliche Portion Prügel
Redneck 3: Was sagt ihr dazu?
Die drei Rednecks wenden sich an zwei diese begleitende Wasserstoffblondinen.
Wasserstoffblondine 1: Schlagt ihnen die Augen zu Nasen….oder die Nasen zu Augen
Wasserstoffblondine 2: Blut von Schwächlingen, macht euch in unseren Augen stark und noch begehrenswerter
Die Rednecks nähern sich den Abenteuern in bedrohlicher Art und Weise.
Redneck 1: Solch menschliche Degenerierte, die keine Heimat haben, überall gleich unbeliebt sind, nur Probleme machen, arbeitsscheu und kriminell sind, solche die nicht wie wir einen geistigen Horizont haben, der eigentlich gar nicht exisitiert….solche Menschen mögen wir hier in der Provinz ganz und gar nicht!
Redneck 3: Ganz oder gar nicht?
Redneck 2: Gar nicht Redneck 3….gar….gar nicht
Redneck 2: Haltet euch wohl für etwas Besseres?!
Redneck 3: Absonderliches Gesöck!
Redneck 1: (einige unverständliche, grässliche Schimpfwörter)
Redneck 2: Zum Arbeiten seid ihr wohl zu faul
Redneck 3: Hier wird nämlich angepackt und nicht geschwafelt!
Redneck1: Arbeiten nicht….aber unsere Frauen….unsere Frauen….
Redneck 3: Immer das gleiche….IMMER!
Redneck 2: Hast du die Blicke von denen auf unsere Wasserstoffblondinen gesehen?
Redneck 3: Klar habe ich diese speicheltropfenden, gierigen Blicke gesehen
Redneck 2: Immer das Gleiche mit diesen Ausländern
Redneck 1: Eine Tracht Prügel könnte wohl helfen
Redneck 2: Und wir äußern uns abfällig über alles was uns nicht passt!
Rdneck 3: Über alles
Brenin: Über alles?
Redneck 2: Jawohl….über alles was uns nicht passt!
Brenin: Also nichts?
Redneck 1: Ich habe es gewusst….ich habe es gewusst….wir haben es hier mit einigen Neumalklugen zu tun!
Redneck 2: Also ganz Schlaue
Redneck 3: Wir wollen aber keine Schlauen hier in der Provinz
Redneck 1: Die haben wir noch nie gebraucht….diese Schlauen
Redneck 2: Noch nie!
Wasserstoffblondine 1: Schlagt sie!
Wasserstoffblondine 2: Ja, schlagt sie blutig!
Wasserstoffblondine 1: Ihr seid doch richtige Männer
Wasserstoffblondine 2: Und keine Schwächlinge
Redneck 1: Solche Großstädter, die sich auch noch für besser halten
Redneck 2: Haben wir hier schon einige Male gehabt
Redneck 3: Mit besonderer Betonung auf „hatten“
Redneck 1: Hier herrscht nämlich die provinzielle Kultur….untereinander….miteinander….zwischeinander….
Redneck 2: Denn wir brauchen keine Kultur hier in der Provinz….denn wir sind hier die Kultur!
Redneck 1: Eine gewaltätige, rückständige, auf Intelligenz und Empathie verzichtende Kultur
Brenin: Dass habe ich mir beinahe schon gedacht
Redneck 3: Er denkt?!
Redneck 2: Er hat uns beleidigt!
Redneck 1: Hat er dass?
Redneck 3: Er denkt….Menschen die denken sind eine Beleidigung für uns
Redneck 2: Dafür gibt es eine Portion Gratis-Prügel
Die drei Redneck´s nähern sich nach dieser ultimativen Herausforderung Brenin`s, seinem ungewollten Eingeständnis, dass er denkt, was von den Rednecks naturgemäß als schwere Beleidigung aufgefasst wird, näher und näher, als…..als….als plötzlich eine Gruppe von Zigeunermäusen zwischen den beiden Streitparteien springen.
Zigeunermaus 1: Was geht hier ab?
Zigeunermaus 2: Was ist hier passiert?
Zigeunermaus 3: Warum streitet ihr?
Redneck 1: Aus dem Weg Zigeunermäuse!
Redneck 2: Diese Zigeunermäuse haben uns gerade noch gefehlt!
Redneck 3: Zigeuner, Goßstädter…..sehr seltsame Großstädter….ja wo enden wir denn da mit der harmoischen, auf die Oberfläche reduzierte, keine Probleme kennenden und vor allem erkennenden, das allermeiste vertuschende Provinz
Redneck 1: Redneck 2….dass war ja ein richtig langer Satz
Redneck 2: Danke Redneck 1
Redneck 3: Um uns kurz zu fassen….hier in der Provinz ist alles Negative welches vorfällt inoffiziell und alles Positive welches vorfällt offiziell
Redneck 2: Und ihr seid inoffiziell
Malin: Was sind wir?
Redneck 2: Inoffiziell!
Brenin: Und wer seid ihr?
Zigeunermaus 1: Die Zigeunermäuse
Redneck 1: Ja, was ist dass denn jetzt?
Zigeunermaus 2: Ruhe….Zigeunermaus 1 spricht!
Redneck 1: Was?
Zigeunermaus 2: Ruhe!
Redneck 1: Habt ihr dass gehört?
Wasserstoffblondine 1: Schlagt doch endlich zu!
Wasserstoffblondine 2: Auf was wartet ihr noch!
Wasserstoffblondine 1: Blut wollen wir sehen!
Redneck 2: Eine herum kommandierende Zigeunermaus!
Redneck 3: Also…..also, dass ist eindeutig zuviel für mich
Redneck 2: Nein, so etwas kann hier einfach nicht passieren….nein, dass übersteigt meinen geistigen Horizont
Redneck 1: Eine herumkommandierende Zigeunermaus
Redneck 2: Damit werde ich einfach nicht fertig
Redneck 3: Dass ist zuviel
Die drei Rednecks wenden sich zutiefst verunsichert und miteinander hitzig diskutierend, Köpfe schüttelnd, die zwei Wasserstoffblondinen zusammenschreiend, sowohl von den Abenteurern, als auch von den Zigeunermäusen ab, denn zuviel ihrer Intelligenz, denn zuviel ihres Weltverständnis, welches durch die Zigeunermäuse, jener einen, die herumkommandiert, auf den Kopf gestellt wurde, nein, dass war einfach zu viel für diese Rednecks, deren kleine, sehr kleine Welt, damit aus den Fugen zu geraten droht und eiligst versuchen die Rednecks ihre kleine, kleine, nunmehr nicht mehr so heile Welt wieder in Lot zu bekommen.
Zigeunermäuse: Und wer seid ihr?
Malin: Ich bin die Siebenschläferin Malin, das ist der einsame Wolf Brenin und diese drei Ratten sind zum einen die proletarische Ratte und die rechte und die linke Ratte
Zigeunermaus 3: Und was macht ihr hier?
Brenin: Wir haben die Fährte eines Jungen aufgenommen?
Zigeunermaus 2: Aber doch nicht jenen, welcher vom Pfandleiher hierher verschleppt worden ist?
Malin: Woher wisst ihr dass?
Zigeunermaus 1: Wir sind die Zigeunermäuse!
Brenin: Also wisst ihr dies?
Zigeunermaus: So ist es
Die proletarische Ratte: Ihr scheint auch recht wenig in die Provinz zu passen?
Zigeunermaus 2: Proletarische Ratte….sehr gut erkannt….
Zigeunermaus 3: Wir sind nur auf Durchreise….
Zigeunermaus 1: Wie immer
Brenin: Heimatlos?
Zigeunermaus 2: Zigeunermäuse sind ein fahrendes Volk
Malin: Dann seid ihr wohl niergends willkommen
Zigeunermaus 3: Wir haben unsere eigenen Regeln, also wir kochen unsere eigene kleine Suppen und lassen uns diese, unsere Suppe auch von niemanden versalzen
Brenin: Ihr kennt also den Pfandleiher?
Zigeunermaus 1: Denn kennt eine jede Zigeunermaus und fürchtet ihn
Malin: Weshalb fürchtet ihr den Pfandleiher?
Zigeunermaus 3: Wir sind arm
Brenin: Der Generalverdacht?
Zigeunermaus 2: Wir sind arm, aber zugleich auch reich
Malin: Also nun arm oder reich
Zigeunermaus 3: Für Menschen wie dem Pfandleiher sind wir arm, denn wir entziehen uns seiner Macht, seinen Netzwerken, seinen Einflußmöglichkeiten, seiner Manipulation und der allgemeinen Käuflichkeit
Zigeunermaus 2: Damit sind wir sozusagen die natürlichen Feinde von Menschen wie dem Pfandleiher
Malin: Ich verstehe
Brenin: Und dem Jungen geht es gut?
Zigeunermaus 1: Sie haben den Jungen zum Anwesen verschleppt
Malin: Welchem Anwesen?
Zigeunermaus 3: Ja, welchem Anwesen denn schon?
Brenin: Welchem?
Zigeunermaus 2: Dem Anwesen „Unter dem Berg“
Malin: Und wo finden wir dieses Anwesen?
Zigeunermaus 2: In der tiefsten Provinz, wo sich der Hase und der Fuchs gute Nacht sagen
Brenin: Könnt ihr uns helfen
Zigeunermaus 3: Wir Zigeunermäuse haben euch ja schon geholfen
Malin: Ja, übrigens danke dafür
Zigeunermaus 1: Nichts für ungut
Zigeunermaus 2: Aber der schwierigste Teil eurer Reise zum Anwesen „Unter dem Berg“ liegt noch vor euch
Brenin: Und zwar?
Zigeunermaus 3: Was ihr nicht wisst….dass ist die Tatsache, dass die Provinz von einigen wenigen Reichen, einer kleinen eingeschworenen Gemeinschaft, kontrolliert und regiert wird….überall haben sie ihre Informanten, ihre Zuträger und ihre Knechte, welche dafür Sorge tragen, dass eine kleine Minderheit im Luxusrausch dahinlebt und genau nur jener kleinste Teil zählt, entscheidet und den politischen, den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Diskurs nicht wesentlich bestimmt, denn überhaupt und grundsätzlich bestimmt
Malin: Dass klingt schon provinziell
Zigeunermaus 2: Sie leben und erzählen den Menschen immerzu die allerschönsten Märchen….Märchen mit Titeln wie „Die Wahrheit“; Märchen wie „Das allerbeste Gesundheitssystem“; Märchen wie „Geht´s der Wirtschaft gut, geht´s allen gut“
Zigeunermaus 1 (zu Zigeunermaus 3 hingewandt): Dabei hat mir mein Vetter Toni erst gestern erzählt, dass diese Globalisierung nur prekärere Lebensverhältnisse schafft
Malin: Die was schafft was?
Zigeunermaus 1: Ja, mein Vetter, der Toni weiß da Bescheid
Brenin: Was ist prekär?
Zigeunermaus 1: Diese Globalisierung schafft nur miese Jobs
Zigeunermaus 3: Dass ist doch jetzt nicht wichtig Zigeunermaus 1
Zigeunermaus 2: Ihr wollt also den Jungen aus den Fängen des Pfandleihers befreien?
Brenin: Sehr gut kombiniert Zigeunermaus
Zigeunermaus 1: Ihr müsst unbemerkt bis zum Anwesen „Unter dem Berg“ vordringen und dürft von keinem dabei entdeckt werden
Brenin: Warum?
Zigeunermaus 2: Schon einmal grundsätzlich aus Prinzip….wenn sie schon alles kontrollieren, alles wissen, die Behörden hinter sich wissen; die debile Masse ihnen blind folgt….ja, dann muss es dann wohl aus Prinzip geschehen….
Zigeunermaus 3: Um ihnen vor Augen zu führen, dass sie vielleicht ja doch nicht so viel wissen, wie sie glauben zu wissen, wo sie doch alles wissen, obwohl sie in Wahrheit und damit meine ich nicht deren Märchen mit jenem Titel, nicht so viel, wie sie vielleicht glauben zu wissen
Zigeunermaus 1: Also….um uns kurz zu fassen….um den Zweifel zu säen….der Zweifel ist nämlich der Beginn und das Ende einer guten Geschichte
Brenin: Also dass….
Malin: Der Zweifel ist der Beginn und das Ende einer guten Geschichte
Brenin: Dass sollten wir uns zu Herzen nehmen
Malin: Dieser unseren Geschichte ein Ende und einen Beginn zu verpassen
Brenin: In Form des Zweifels
Zigeunermaus 3: Denn dass was sie am meisten fürchten….dass ist der Zweifel….Zweifel an ihrem Allwissen….Zweifel an ihrem absoluten Machtanspruch….Zweifel an ihrer vollständigen Rechtmäßigkeit….Zweifel an ihrem totalem Reichtum….Zweifel an ihrem Tun und Handeln….der Zweifel ist der Schlüssel zu einer besseren Welt….
Zigeunermaus 2: Nur dass die meisten Menschen davon nie erfahren werden
Zigeunermaus 3: Denn nur die Märchen namens „Wahrheit“, „So ist es und so bleibt es“….also all diese Märchen nur zu hören bekommen….
Zigeunermaus 1: Das Übliche eben
Brenin: Helft ihr uns?
Zigeunermaus 3: Warum nicht?
Zigeunermaus 2: Mir fällt nur das richtige Wort dazu nicht ein
Malin: Ich würde es nur mit einem Wort beschreiben….
Brenin: Lass uns starten
Malin: Nicht diesem….aber los
Die Abenteurer und die Zigeunermäuse beginnen sich durch das Dickicht der Provinz hindurchzukämpfen.
(Text einbauen)

Der Tod und die Unendlichkeit haben nunmehr eine andere Welt betreten; die Welt der Menschen und betreten diese Welt praktischerweise und als erfahrene Weltenbummler in der Wohnung, in welcher sich mittlerweile nicht nur die beiden Elternteile und das kranke Mädchen, denn auch Kater Marlowe und die Vogelscheuche Sam aufhalten.
Der Tod und die Unendlichkeit blicken um sich und bewegen sich dann leisen Schrittes in das Zimmer, in welchem das kranke Mädchen schläft.
Zuerst spähen die Beiden hinein und erblicken Kater Marlowe, wie dieser auf einem Stuhl neben dem Bett mit grimmigen Blick zu dem kranken Mädchen spricht.
Marlowe: ….und dies war die Geschichte vom Weinberg, welcher sich in den Herbst verliebt hatte….und nun….aber warte….aber ich habe….ich habe mir zusätzlich zu dieser Geschichte aus dem Stegreif heraus ein Gedicht für dich ausgedacht….ich weiß, ich weiß, aber nichtdestotrotz….

Das Gedicht

Nachdem Kater Marlowe sein Gedicht für das kranke Mädchen vorgetragen hat, kann der Tod sich nicht mehr länger zurückhalten und muss husten.
Kater Marlowe´s Aufmerksamkeit richtet sich gegen die Zimmertür.
Marlowe: Wer in allen Welten ist hier?
Als keine Reaktion erfolgt, fletscht Kater Marlowe seine Zähne so furchterregend, wie ihm dies nur möglich ist und als nichts passiert, er seine Frage nochmals wiederholt hat, springt Kater Marlowe von seinem Wachposten auf dem Stuhl neben dem kranken Mädchen auf dem Boden und faucht in alle Zimmerrichtungen gleichzeitig los.
Der Tod hustet.
Die Unendlichkeit: Hier!
Die Unendlichkeit und der Tod treten aus einem dunklen Eck des Zimmers heraus.
Kater Marlowe eilt zu diesen, hält sich aber in einem Respektabstand.
Der Tod: Hallo Marlowe….Kater Marlowe
Marlowe: Hallo Tod
Die Unendlichkeit: Und meine Wenigkeit….die Unendlichkeit
Marlowe: Dann gibt es diese Unendlichkeit also wirklich und nicht nur in der Einbildung Brenin`s
Die Unendlichkeit: Hallo Marlowe
Marlowe: Hallo Unendlichkeit
Der Tod (hustend): Unser letztes Zusammentreffen war ja nicht solchermaßen harmonisch
Marlowe: Den Umständen entsprechend
Die Unendlichkeit: Es sind ja immer die Umstände und nie die handelnden Personen Schuld
Marlowe: Dass könnten meine Wörter sein
Die Unendlichkeit: Auch wenn die Umstände immer tragisch sind
Marlowe: Was dann wohl an den handelnden Personen liegt
Die Unendlichkeit: Womit wir ja wieder bei der Frage der Schuld wären
Marlowe: Genug des Einerlei….was habt ihr hier in dieser Welt….und vor allem was habt ihr hier in diesem Zimmer zu suchen?
Der Tod (verblüfft): Was wir hier zu suchen haben?
Marlowe: Ihr seht doch, ich bin beschäftigt
Der Tod: Beschäftigt?
Marlowe: Ja
Der Tod: So eine Chupze schon einmal erlebt Unendlichkeit?
Die Unendlichkeit: In dieser Welt noch nie
Marlowe: Ihr seht doch, dass ich mich um das kranke Mädchen kümmer; irgendjemand muss auf diese aufpassen….
Der Tod: Dass hat der Tod nunmehr gesehen und gehört
Marlowe: Und auch der Tod oder die Unendlichkeit werden mich nicht davon abbringen können
Der Tod: Der unerschrockene Kater Marlowe wie der Tod ihn kennt
Marlowe: So soll es sein und so ist es
Der Tod: Marlowe….Kater Marlowe….schon vergessen?
Marlowe: Was vergessen?
Der Tod: Du hast es diesmal mit dem Tod zu tun und zwar ohne diesen….diesen….
Marlowe: Der Tod meint den Wolf?
Der Tod (hustend): So ist es
Die Unendlichkeit: Was ist mit diesem Wolf?
Der Tod: Um den Wolf kümmern wir uns später!
Marlowe: Und was hast der Tod hier verloren?
Die Unendlichkeit: Das ist eine lange Geschichte
Marlowe: Ohne Beginn und ohne Ende
Der Tod: Doch….in dieser Geschichte bin ich das Ende
Marlowe: Warum gleich immer so tragisch Tod?
Der Tod: Das liegt in meiner Natur
Marlowe: Arme Natur
Der Tod: Versteht die Unendlichkeit es jetzt?
Die Unendlichkeit: Die Unendlichkeit hat eine Ahnung bekommen….
Der Tod: Der Tod ist wegen Kater Marlowe hier
Marlowe: Aber es ist nunmal solchermaßen, dass es im Moment gerade nicht geht….ich kann jetzt einfach nicht sterben….ich werde doch hier gebraucht
Der Tod: Dass ist meistens solchermaßen, war aber für den Tod noch nie ein Hinderungsgrund die seine Arbeit zu verrichten
Marlowe: Marlowe passt auf das kranke Mädchen auf?
Der Tod: Ja, dass tut Kater Marlowe zweifelsohne
Marlowe: Ich habe eine Idee
Der Tod: Wohl die deine letzte Marlowe….Kater Marlowe….
Marlowe: Ich biete dem Tod meine Seele, im Tausch mit meinem Leben
Der Tod: Eine Katzenseele?
Marlowe: Warum nicht?
Der Tod: Wir sind hier in einer Geschichte….oder?
Marlowe: Ohne….
Der Tod: Dass wissen mittlerweile alle Beteiligten nur allzu gut
Die Unendlichkeit: Und es ist ja allem Anschein nach ja trotzdem eine Geschichte….eine sehr seltsame Geschichte
Marlowe: Die nunmehr noch seltsamer wird
Der Tod: Ist es so….warum?
Marlowe: Meine Katzenseele gegen mein Leben!
Der Tod: Also Kater Marlowe; es gibt nichts zu verhandeln….es geht nicht um irgenwelche Katzen- oder Menschenseelen, denn um das Leben….es gibt keinen Mephisto, keinen Faust in dieser Geschichte….oder Unendlichkeit?
Die Unendlichkeit: Nein….keinen Mephisto und keinen Faust….nur eine Katze, ein Wolf, einige Ratten, eine Vogelscheuche eine Siebenschläferin und noch so einige seltsame Kreaturen….
Der Tod: Also dass ist gut
Marlowe: Überhaupt nichts ist gut, denn die Geschichte muss weitergehen!
Der Tod: Aber deine Geschichte muss irgendwann ein Ende finden
Marlowe: Aber nicht jetzt!
Der Tod: Oh doch, genau jetzt!
Marlowe: Und was….und was wird aus dem kranken Mädchen?
Der Tod: Was ist mit diesem Mädchen?
Marlowe: Es ist krank und ich muss auf dieses aufpassen!
Der Tod: Einen Moment
Der Tod wendet sich an die Unendlichkeit.
Die Unendlichkeit (flüsternd): Tod, jetzt verhandelst du ja trotz allem mit Kater Marlowe….die Unendlichkeit möchte sich ja nicht einmischen….aber läuft dass zwischen euch beiden denn immer so
Der Tod (flüsternd): Kater Marlowe hat mich schon mehrmals über den Tisch gezogen
Die Unendlichkeit (flüsternd): Tod, du musst das Heft der Handlung zurückgewinnen
Der Tod (flüsternd): Die Unendlichkeit hat diesen Kater Marlowe aber auch nicht all diese Leben lang erleben können….ein schwieriger Fall….selbst für den Tod
Die Unendlichkeit (flüsternd): Der Tod muss eine Entscheidung fällen
Der Tod (flüsternd): In diesem abgebrannten Wald der Entscheidungen
Die Unendlichkeit: Zu Asche und Staub
Der Tod: So ist es….zu Asche und Staub
Die Unendlichkeit wendet sich an Kater Marlowe
Die Unendlichkeit: Kater Marlowe….warum das Leben?
Marlowe: Das Leben….das Leben ist ein Sonnensplitter, ein sich atemloses Hingeben, ein Tanz mit dem Verderben; der Atem des Tages und der Geruch von Verschwendetem; ist das Vibrieren der Sinne, die Erschöpfung, die Trägheit, die Zuckungen der Ausdrücke, der Kampf, das sich Ansammeln von Eindrücken, das reifer und ruhiger, dass intensiver und die Gedanken; das Leben ist die Herzenskraft, der Sternenstaub, welcher sich nachts in den Träumen der Menschen schlafen legt, ist das Gute, das Böse, das Ausharren in klirrender Einsamkeit; das sich Finden in verzehrender Hitze; dass fallen und fallen gelassen werden; die Entäuschung, die Illusion, die Arbeit, dass sich erheben und Frieden finden; dass staunen und sich verwandeln, die Möglichkeiten auszureizen, die Wahl zu haben; sich zu finden und zu verlieren; das Leben ist das Leid und die Freude; ist die Flucht, das Ausschöpfen, das gestört werden, das verletzt werden und verletzen; die Balance, das Gleichgewicht und es ist Nähe das Leben, Nähe und Ferne, dass verlieren und dass siegen; dass immer weiter und ich kann dass nicht mehr; die Prüfung, die Aufgabe; die Einsamkeit, die Leere, die Erfüllung; es ist das Leben; der letzte Stand, dass sich bemühen und scheitern, der Triumph und die Bitterkeit, dass loslassen und eingeengt werden; der Wille, die Vorstellung; die Grenzen des Erreichbaren auszukosten; die Lust in Trägheit zu verwandeln, das Leben ist die Schöpfung, die Blüte kleiner Zärtlichkeiten, das sich einordnen und untergehen; dass versuchen und immer wieder und immer wieder; das arbeiten, das an sich zugrundegehen, dass aus sich Selbst zu schöpfen und werden, immerzu werden und nie innehalten; innehalten, dass ist das Leben und das Schlafen, das Aufwachen, das Essen, das Verwelken und Erblühen, das Leben ist der Kreislauf, die Natur, das Schicksal und….(z.ü.)
Die Unendlichkeit (Marlowe unterbrechend): Genug….genug!
Marlowe: Was ist Unendlichkeit?
Die Unendlichkeit: Dass wird mir alles viel zu kompliziert
Der Tod: Wo doch nur das Einfache funktioniert
Marlowe: Aber was funktioniert schon?
Die Unendlichkeit: Das Funktionieren?
Der Tod: Genug…..genug….der Tod hat zu Ende überlegt
Marlowe: Und?
Der Tod (zur Unendlichkeit): Lass uns das Mädchen einmal anblicken
Der Tod und die Unendlichkeit gehen zu dem Mädchen, blicken das kranke Mädchen an und gehen wieder zu Kater Marlowe.
Marlowe: Und?
Der Tod: Nun ja
Die Unendlichkeit schweigt.
Der Tod: Und Unendlichkeit?
Die Unendlichkeit schweigt weiterhin.
Marlowe: Also Tod?
Der Tod: Ich nehme euch gleich beide mit
Die Unendlichkeit: Was mich?
Der Tod: Nicht dich Unendlichkeit, Kater Marlowe und das kranke Mädchen
Die Unendlichkeit (flüsternd): Beide?
Der Tod: Ja!
Marlowe: NEIN!
Der Tod: Marlowe….Kater Marlowe….man kann dem Tod nicht wiedersprechen
Marlowe: NEIN!
Die Unendlichkeit: Marlowe ist nicht einverstanden Tod
Der Tod: Marlowe….Sonderfall Marlowe….sieben Leben hast du nun gelebt….und nun lebst du in aller Welten Unmöglichkeiten auch noch ein achtes Leben….EIN ACHTES LEBEN!
Der Tod hustet.
Der Tod: Dass geht einfach nicht Marlowe….dass verstehst sich wohl von selbst….dass ist das Gesetz des Todes!
Marlowe: Und das Gesetz des Lebens!
Der Tod: Welches Gesetz?
Marlowe: Das Gesetz des Lebens!
Der Tod: Schon einmal davon gehört Unendlichkeit
Die Unendlichkeit: Noch nie und ich bin die Unendlichkeit
Kurzes Schweigen.
Der Tod: Also?
Marlowe: NEIN!
Der Tod: Es hat keinen Sinn gegen den Tod anzukämpfen Marlowe
Marlowe: Dann wird es jetzt, in diesem Moment, in dieser Welt einen Sinn bekommen
Die Unendlichkeit: Vielleicht sollte der Tod ja doch mit diesem Kater Marlowe verhandeln?
Der Tod: Der Tod hat noch nie verhandelt
Die Unendlichkeit: Vielleicht ein Kompromiss?
Der Tod: Wie bitte?
Die Unendlichkeit: Einen Kompromiss
Der Tod: Einen Kompromiss?
Die Unendlichkeit: Ja
Der Tod: Was ist ein Kompromiss?
Die Unendlichkeit: Ein Kompromiss ist die Lösung eines Konfliktes durch Verzicht auf die gegenteiligen Forderungen bei freiwilliger Übereinkunft darüber
Der Tod: Wie bitte?
Die Unendlichkeit: Dass ist der Kompromiss!
Der Tod: Der Tod ist das Kompromissloseste in allen Welten….dass ist der Tod, nicht eine Delegation auf dem Weg zu Friedensgesprächen….was der Tod sich nimmt, dass bekommt der Tod auch
Die Unendlichkeit: Hören wir uns doch an, was Kater Marlowe zu sagen hat
Der Tod: Nein!
Die Unendlichkeit: Nein?
Der Tod: Kater Marlowe wird jetzt sterben
Kater Marlowe greift sich an seine Brust, wo seine Herz plötzlich wie wild geworden, rasend zu schlagen beginnt.
Die Unendlichkeit: Ist dass das Ende?
Der Tod: Der Tod ist keine Demokratie Unendlichkeit
Die Unendlichkeit: So hört sich die Unendlichkeit und der Tod doch zumindest die letzten Worte Kater Marlowe`s an
Marlowe: Meine letzten Wörter?
Der Tod: So sprich schon….bring es hinter dich Kater Marlowe
Die Unendlichkeit: Ergreife diese Gelegenheit Kater Marlowe….es ist nämlich deine letzte
Kater Marlowe: Nein, diese Geschichte, die auch meine Geschichte ist, kann jetzt nicht zu Ende gehen; nein, nicht jetzt, nicht hier, diese Geschichte ohne Anfang und ohne Ende und überhaupt, die Geschichte, nein Tod, nein Unendlichkeit, das Böse wird nicht gewinnen, dieses eine Mal nicht, es kann nicht sein, dass sage ich, es wird nicht sein, diesmal nicht, hier nicht, alles muss sich ändern und ich opfere mich, ja ich gebe mein letztes, mein allerletztes Leben….dieses Leben, dass ich über alles liebe; meine Tränen, meine Geistesblitze, mein Sein, die Augenblicke, die Kraft und den Mut; die Wut, die Liebe, alles; ja, ich gehe in das Jenseits, in das Katzen-Walhalla, ich wehre mich nicht Tod, ich werde sterben, ja….nur eine Bedingung soll meinen Tod bedeuten, nur eine Bedingung….
Die Unendlichkeit: Und die wäre Kater Marlowe?
Marlowe: Dass das kleine Mädchen wieder gesund wird und lebt, ich sterbe, damit das kleine Mädchen leben kann, gesund und glücklich wird, denn an diesem Glück hänge ich mein Schicksal….mein verderbliches, verdammenswertes Schicksal….mein achtes Leben….mein Leben für jenes des kranken Mädchen
Die Unendlichkeit: Also dein Leben gegen jenes des kleinen Mädchen?
Marlowe: Die einzige Bedingung
Die Unendlichkeit: Und Tod?
Der Tod hustet.
Die Unendlichkeit: Der Tod überlegt Marlowe….sehe es als gutes Zeichen Marlowe
Marlowe´s Pfote schmerzt.
Der Tod hustet noch einige Male und scheint zu überlegen.
Der Tod: Nein!
Marlowe: Nein?
Der Tod: Nein!
Die Unendlichkeit: Am besten ist jetzt, dass du dich Marlowe mit deinem Tod abfindest und resignierst
Marlowe: Niemals
Die Unendlichkeit: Die Lage ist hoffnungslos
Marlowe: Niemals!
Der Tod: Also, die letzten Wörter Marlowe hast du gesprochen und nun wirst du sterben.
Kater Marlowe greift sich abermals an seine Brust, wo sein Herz nunmehr noch wilder rasend schlägt.
Der Tod schnippt mit seinen Klauen.
Der Tod: Tot!
Kater Marlowe`s Herz scheint in dessen Brust herumzuspringen und sich geradezu danach zu sehnen, stehen zu bleiben.
Im nächsten Augenblick scheint Marlowe´s Herz stehen zu bleiben, bis dieses plötzlich im normalen Rythmus weiterschlägt.
Kater Marlowe bleibt stehen und stirbt nicht.
Verblüfft, wenn nicht zu sagen schockiert, blickt ein nunmehr totenblasser Tod zu der Unendlichkeit.
Der Tod: Dass ist in allen Unendlichkeiten aller Welten noch nie passiert
Die Unendlichkeit: Vielleicht ein zweiter Versuch
Der Tod: Ein zweiter Versuch?
Die Unendlichkeit: Wenn es das erste Mal nicht gelingt, dann hat man noch einen zweiten Versuch
Der Tod: So weit ist es schon gekommen….also tot….tot Kater Marlowe….TOT….TOT!
Der Tod schnippt mit seinen Klauen.
Kater Marlowe greift sich abermals an sein Herz und blickt dann zum Tod.
Marlowe: Ich lebe….ich lebe….ICH LEBE!
Der Tod hustet.
Die Unendlichkeit: Faszinierend
Der Tod (totenblass): Bei allen Unendlichkeiten….
Die Unendlichkeit: Vielleicht ist die Liebe doch stärker als der Tod
Der Tod (totenblass): Wer ist stärker?
Die Unendlichkeit: Die Liebe stärker als der Tod
Der Tod (totenblass): Dass ist doch kein Märchen
Marlowe: Nein, dass ist es nicht….es ist nur eine Geschichte ohne Beginn und ohne Ende
Die Unendlichkeit: Aber hat diese Geschichte ein Ende?
Der Tod (totenblass): Unmöglich
Marlowe: Die Geschichte wird weitergehen
Der Tod (totenblass): Hilf dem Tod Unendlichkeit
Die Unendlichkeit: Der Tod könnte auf das Angebot Marlowe´s eingehen; dem kranken Mädchen ein Leben und Gesundheit schenken und dafür Kater Marlowe´s Leben bekommen
Der Tod (totenblass): Der Tod….der Tod….der Tod…..
Plötzlich springt die Vogelscheuche Sam, welche sich von hinten an die Gruppe herangeschlichen hat, dem Tod in den Rücken und es entbrennt ein Kampf auf Leben und Tod.
Die Vogelscheuche kämpft mit dem Tod und die Unendlichkeit mit Kater Marlowe und nach wenigen Augenblicken ist der gerade eben entbrannte Kampf schon wieder erloschen, denn zu stark sind der Tod und die Unendlichkeit, welche die beiden Abenteurer überwältigen.
Die Unendlichkeit: Und wer in allen Welten bist denn du?
Vogelscheuche: Flattern meine Arme im Wind?
Die Unendlichkeit: Wie bitte?
Vogelscheuche: Schlottern meine Beine in der Kälte?
Die Unendlichkeit: Wer ist dass Kater Marlowe?
Marlowe: Dass ist der Tod
Die Unendlichkeit: Ich meinte diese Vogelscheuche?
Marlowe: Dies ist mein Freund….die Vogelscheuche Sam
Vogelscheuche: Und die Sonne?
Der Tod: Welche Sonne?
Vogelscheuche: Ich bin die Vogelscheuche Sam und Metaphysiker
Die Unendlichkeit: Meta….was?
Vogelscheuche: Metaphysiker
Die Unendlichkeit: Was ist ein Metaphysiker
Vogelscheuche: Ein Metapyhsiker ist einer, der über Sinn und Zweck des Sein und der Wirklichkeit nachdenkt
Die Unendlichkeit: Über Sinn und Zweck des Sein und der Wirklichkeit?
Vogelscheuche: Ja
Der Tod: Und was hatte dass gerade eben mit dem Zweck und dem Sinn des Sein und der Wirklichkeit zu tun?
Vogelscheuche: Ich musste doch meinem Freund Kater Marlowe helfen
Der Tod: Ihr habt ja anscheinend überhaupt keine Ahnung mit wem ihr es zu tun habt!
Marlowe: Ich lebe!
Die Unendlichkeit (an den Tod gewandt): Das Problem besteht ja zweifelsohne nach wie vor
Der Tod: Wo war der Tod und die Unendlichkeit vor dieser Himmelfahrts-Kommando-Aktion noch einmal stehen geblieben?
Die Unendlichkeit: Bei dem Tausch Tod….bei dem Tausch
Der Tod: Ja sind wir denn hier auf einem Marktplatz oder was…..der Tod nimmt was der Tod nimmt
Die Unendlichkeit: Aber die Geschichte muss weitergehen
Der Tod: Was ist denn jetzt wichtiger….der Tod oder eine Geschichte ohne Beginn und ohne Ende?
Die Unendlichkeit: Nichts von beidem, denn nur die Unendlichkeit zählt letzten Endes
Der Tod: An Selbstvertrauen scheint es der Unendlichkeit ja nicht zu mangeln
Die Unendlichkeit: Der Unendlichkeit Bescheidenheit ist eine Tugend Tod
Der Tod: Jetzt sind hier wohl endgültig alle außer mir menschlich geworden
Die Unendlichkeit: Lasse doch dem Leben den Vortritt vor dem Tod
Der Tod: Was soll der Tod?
Die Unendlichkeit: Kater Marlowe`s letzten Wunsch erfüllen
Der Tod: Nein!
Kater Marlowe: Für das kranke Mädchen
Vogelscheuche: Für das kranke Mädchen
Etwas Zeit vergeht.
Die Unendlichkeit: Für das kranke Mädchen
Verblüfft blickt der Tod zur Unendlichkeit.
Der Tod: Was soll denn dass jetzt bedeuten Unendlichkeit?
Die Unendlichkeit schweigt.
Der Tod: Marlowe….Kater Marlowe….du stellt also auch noch dem Tod Bedingungen, wo du doch schon längst bedingungslos tot sein müsstest
Marlowe: Ja
Der Tod: Und Marlowe….Kater Marlowe, du opferst dich für einen Menschen auf, denn du eigentlich gar nicht kennst und du weißt auch, dass man diesen Menschen nicht helfen kann, dass diese sich untereinander auch nicht helfen und sich somit keine Hilfe verdient haben und jemals verdienen werden
Marlowe: Ja
Der Tod: Und du hast dir dass gut überlegt Marlowe?
Marlowe: Ja
Der Tod: Obwohl du allem Anschein nach unsterblich sein könntest….und keiner soll den Tod fragen wie dass in allen Welten nur möglich ist
Der Tod überlegt. Kater Marlowe`s Pfote schmerzt. Sam schmollt.
Die Unendlichkeit blickt in die Leere des Raumes.
Der Tod: Dann sei es so
Kater Marlowe greift sich an seine Brust, an sein tapferes Herz, welches wieder wie rasend schlägt und dieses wird dann von der Liebe zum Leben verzehrt.
Kater Marlowe fällt zu Boden und ist tot.

Tränen schießen aus Sam`s Augen und ein Wehklagen setzt ein, wie man es in jener Welt, noch selten zuvor gehört hatte.
Die Vogelscheuche (weinend): Bei allen Unendlichkeiten
Die Unendlichkeit: Ja?
Vogelscheuche: Nein!
Die Vogelscheuche versucht sich auf den Tod zu stürzen, wird aber von der Unendlichkeit daran gehindert.
Vogelscheuche (heulend): NEIN!
Der Tod: Das kranke Kind werde gesund
Das kranke Kind wird gesund.
Der Tod: Der Tod hält sein Wort Vogelscheuche Sam und Unendlichkeit
Das Kind im Bett beginnt lautstark zu schreien.
Der Tod: Wir sollten dann….Vogelscheuche Sam, du kommst mit uns….und nimm deinen Freund Kater Marlowe auf deine Schultern….wir begraben ihn zusammen….Kater Marlowe hat es sich verdient….
Die heulende Vogelscheuche Sam geht zu seinem Freund, schultert diesen und trägt ihn dann dem vorauseilendem Tod und der Unendlichkeit hernach.
Der Tod, die Unendlichkeit und die Vogelscheuche Sam mit dem toten Kater Marlowe geschultert, verlassen schweigend das Kinderzimmer, in welches im nächsten Augenblick die beiden Eltern, der Vater und die Mutter, hereinstürmen.

Die Abenteuerer gelangen in die Nähe, des ihnen von den Zigeunermäusen genannten Ort in der Provinz.
Dabei handelt es sich um ein unter einem Berg sich befindliches Anwesen, welches von weithin in seiner provinziellen Bedeutungslosigkeit zu erkennen ist.
Die linke und die rechte Ratte bilden in diesem provinziellen Rahmen, welcher für die Abenteurer, als aufgeklärte und weitgereiste Lebewesen, naturgemäß besonders gefährlich ist, die Vorhut; welche nunmehr von der Hauptgruppe mit dem einsamen Wolf Brenin, der Siebenschläferin Malin und der proletarischen Ratte eingeholt wird.

Aus sicherer Entfernung beobachtet dann die Gruppe das vor ihnen liegende Terrain.
Stacheldraht wohin man auch blickt; riesige Mausefallen, um ein Vordringen der Zigeunermäuse zu unterbinden; Warnschilder, auf welchen in bedrohlicher Schriftart geschrieben steht: „Provinzielles Sperrgebiet: Auf arme Menschen wird ohne Vorwarnung geschossen“ und dazwischen, davor und daneben eine Unzahl von schwerbewaffneten Uniformierten, namentlich Soldaten und Polizisten; welche die unmittelbare Umgebung dieses provinziellen Anwesen gegen jeden unerwünschten Eindringling, gegen jedliches Anzeichen von Kritik und Einmischung mit brutalster Gewalt bereit sind zu unterbinden.
Diese schwerbewaffneten Uniformierten schießen zudem immer wieder eine Tränengasgranate in eine beliebige Himmelsrichtung, damit auch der umliegenden Natur ein tränenreiches Gefühl der Rührung und des erzwungenen Respektes gegenüber all dieser reichen Anmut und versammelten Macht entsteht.
Brenin: Alles was die Zigeunermäuse gesagt haben stimmt
Malin: Aber es ist nicht unmöglich
Brenin: Doch auch sehr, sehr wenig möglich
Die rechte Ratte: Diese Nuss wird schwer zu knacken sein
Die linke Ratte: Wir könnten einen Tunnel graben?
Die rechte Ratte: Über dem Berg hinunter?
Die linke Ratte: Warum nicht?
Die proletarische Ratte: Nein….nein….wir brauchen eine List um an das Anwesen heran zu gelangen
Malin: So ist es
Brenin: Irgendwelche Vorschläge?
Malin: Ich überlege
Die proletarische Ratte: Wie in allen verlassenen Großstadtschluchten sollen wir nur diese provinzielle Einöde überwinden?
Brenin: Nichts ist unmöglich
Malin: Aber bei diesem Vorhaben handelt es sich zweifelsohne um ein „Etwas“
Brenin: Also etwas Unmögliches
Malin: Lasst uns überlegen
Die Abenteuerer überlegen und etwas Zeit vergeht.
Malin: Was ist dies dort drüben?
Die linke Ratte: Dieser weiß-glänzende Gegenstand
Malin: Ja
Die rechte Ratte: Ich bringe es hierher
Malin: Sei vorsichtig
Die rechte Ratte schleicht sich an den weißen Gegenstand heran, bei welchem es sich um ein Stück weißen Pergament-Papier handelt und bringt dieses Stück Pergament dann zu der Gruppe von Abenteuerer.
Die rechte Ratte: Hier
Malin: Kann jemand von euch diese seltsamen Zeichen entziffern?
Die proletarische Ratte: Ich verstehe mich auf die Sprache dieser Menschen
Die proletarische Ratte beugt sich über das Stück Pergament und studiert dieses kurze Zeit, bis sich die proletarische Ratte wieder den Abenteuerern zuwendet und triumphierend von sich gibt.
Die proletarische Ratte: Ich hab es….ich kann es….ich weiß es
Brenin: Dann lies es uns vor
Die proletarische Ratte (sich räuspernd und dann zu lesen beginnend): Also….das provinzielle Establishment gibt mit großer Freude provinziell exklusiv bekannt, dass das bei den Mächtigsten beliebteste und von den Reichen am gefördersten, dieses hier in der Provinz am öftestens gespielte und zweifelsohne bejubelteste Theaterstück aller Zeiten; dieser Glanzpunkt provinzieller Kultur, speziell in einer an die provinziellen Verhältnisse angepassten Neufassung, im Anwesen „Unter dem Berg“ heute seine Provinzpremiere feiern wird.

Das Theaterstück:

„Totschweigen und dann fertig machen“

Ein Theaterstück über den Umgang mit Künstlern und kritischen Menschen in der Provinz.

Heute: 16:00 Uhr

In Anwesenheit des provinziellen Establishment wird heute im Anwesen „Unter dem Berg“ die diesjährige Theatersaison mit diesem Klassiker, diesem Meisterwerk aus der Feder des weithin anerkannten provinziellen Chefdramatiker Hinterwäldler Anton „Totschweigen und dann fertig machen“ in einer radikalen Neufassung aufgeführt.
Mit freundlicher Unterstützung durch die Provinzregierung, den Provinzbanken, den Provinzbehörden, der Provinzlobby, der ProvinzNaziÄrzteschaft, der Provinzkulturämter, der Provinz…., der Provinz…., der Provinz….
Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle noch an die provinziellen Behörden, welche sich dazu bereit erklärt haben für einen problemlosen Abschuß aller sich dem Anwesenden nähernden „Armen“ Sorge zu tragen.
Und um dieses fröhliche Ereignis zu krönen:
Mörderische Sonderaktion für unsere italienischen Freunde:
GRATIS-BANANEN….Gratis-Bananen für alle anwesenden Italiener, deren Sprachschatz mehr als fünf Schimpfwörter umfasst….
Mörderische Sonderaktion: GRATIS-BANANEN….Gratis-Bananen

Brenin: Totschweigen und dann fertig machen?
Die proletarische Ratte: Ja, so heißt das Theaterstück….was immer dass auch bedeutet
Brenin: Nun gut….ein Theaterstück bei welchem das provinzielle Establishment, der Pfandleiher und unser Ziel, der Junge zugegen sein werden
Die proletarische Ratte: Und es beginnt in wenigen Minuten
Malin: Dann sollte uns schnell etwas einfallen, wie wir an dieses Anwesen herangelangen können
Brenin: Wie in allen Unendlichkeiten soll uns dies nur gelingen?
Malin: Die Zigeunermäuse sprachen doch von einem Hintereingang
Brenin: Zuerst müssen wir doch überlegen Malin, wie wir an dieses Anwesen „Unter dem Berg“ herangelangen können!
Malin: Und wie wir dort den Jungen finden können
Brenin: Dass ist doch alles vorerst zweitrangig
Malin: Ja, dass ist es
Brenin: Hat jemand von euch eine Idee?
Die proletarische Ratte: Nein
Die linke Ratte: Uns auf gut Glück in das Verderben stürzen?
Brenin: Keinen Plan?
Die rechte Ratte: Keinen Plan zu haben….dass ist unser Plan
Brenin: Also gut….dann keinen Plan, denn eine Idee
Die Abenteurer überlegen.
Malin: Ich habe eine Idee
Brenin: Ja?
Malin: Wir wenden eine List an
Brenin: Welche?
Malin: Kannst du dich noch an Kater Marlowe`s Wörter erinnern, als wir in dieser schrecklichen Welt angekommen sind?
Brenin: Nicht mehr so genau Malin
Malin: Kater Marlowe sprach doch davon, dass diese Gattung namens Mensch sich in gute und böse Menschen unterteilt und dass diese Unterteilung anhand des persönlichen Besitz, des Vermögensstandes, kurzum dem Geld, welches der einzelne Mensch besitzt, stattfindet
Brenin: Diese schrecklichen….
Malin (Brenin unterbrechend): Ja, ich weiß Brenin
Brenin: Ja, aber was interessiert dass dann uns?
Malin: Und die Menschen, welche am meisten gut auf dieser Welt sind, also die Reichsten, diese nannte Kater Marlowe doch beim Namen
Brenin: Die….die….die Luxemburger?
Malin: Wir sprechen von Menschen, nicht von Zwergen
Brenin: Keine Ahnung
Malin: Diese tragen die seltsame Bezeichnung Schweizer
Brenin: Ach ja, genau….die Schweizer
Die proletarische Ratte: Schweizer….nie davon gehört
Brenin: Was möchtest du uns damit sagen Malin?
Malin: Ganz einfach….um auf das Anwesen zu gelangen verkleiden wir uns und geben uns dann an den Wachposten als Schweizer aus
Brenin: Und du glaubst wirklich, dass könnte funktionieren?
Malin: Diese Menschen werden vor Respekt vor soviel Geld, vor soviel Reichtum und Besitztum, ja all diese Menschen werden demütig und unterwürfig vor uns Schweizern kuschen
Brenin: Und was sagen die Ratten dazu?
Die proletarische Ratte: Ich weiß nicht, ich weiß nicht….ich könnte mich schwer damit tun
Die rechte Ratte: Wir sind Ratten, nicht Schweizer!
Die linke Ratte: Wir haben auch unsere Rattenehre!
Malin: Vergesst für einmal und nur für einmal euer Ehrgefühl, eure Rattenehre, schließlich geht es ja darum den Jungen aus den Fängen des Pfandleiher, des provinziellen Establishment zu befreien
Die proletarische Ratte: Diese Menschen werden hinter meiner Tarnung meine proletarischen Wurzeln entdecken
Malin: Nur ich werde mit diesen schrecklichen Krea…..Menschen sprechen….ihr folgt mir einfach und schweigt zu allen….dass wirkt dann doch schon schweizerisch….über all das Elend, all die Unterstützung für Gewaltregime, für Völkermord, für Diktatorenunterstützung einfach zu schweigen….genau….ihr schweigt einfach….schweizerisches Schweigen
Die linke Ratte: So tun als ob?
Brenin: Genau
Die rechte Ratte: Schweizerisch schweigen?
Die proletarische Ratte: Stellt euch einfach vor, wir sind bei unserem Freund Remy im Luxusrestaurant
Die linke Ratte: Dass ist hier aber ein ganz anderes Setting
Die rechte Ratte: Und es riecht nicht nach Camembert
Die proletarische Ratte: Probiert einfach euch dorthin zu versetzen….benutzt eure Vorstellungskraft
Die linke Ratte: Die was sollen wir benutzen?
Die proletarische Ratte: Ja, genau die
Malin: Dann probieren wir diese meine Idee….und vergesst nicht….wir haben nur eine einzige Gelegenheit und diese muss gelingen
Brenin: Und mit was verkleiden wir uns?
Malin: Wir müssen uns einfach nur wie normale Schweizer verhalten
Brenin: Und wie verhalten sich diese normalen Schweizer?
Malin: Wie gute, also reiche Menschen
Brenin: Dann los
Die Abenteuer beginnen sich als Schweizer zu verkleiden; legen sich einen kapitalistisch-abschätzenden Blick zu, eine sehr diskrete Gangweise, einen schweigenden Konsens, einen einfältigen Eindruck und einen goldigen Ausdruck und verstecken zuallerletzt einige glänzende Steine in ihren Pfoten, welche klimpernd an das Geräusch von sich aneinander reibenden Münzen erinnern soll.
Brenin: Sind alle nunmehr soweit?
Die drei Ratten klimpern mit ihren falschen Münzen.
Malin: Vergesst nicht, ich spreche und ihr schweigt….schweigt schweizerisch….also dann los
Erhobenen, stolzen Hauptes marschieren die Abenteuer im Gänsemarsch mit der Siebenschläferin Malin an der Spitze dem Anwesen „Unter dem Berg“ entgegen.
Die Abenteuer eilen an den im Überfluß ausgelegten Stacheldraht vorbei, umgehen die riesigen Mausefallen und nähern sich dann einer Gruppe von feindselig blickenden, mit Maschinenpistolen nervös herumfuchtelnden, Soldaten und Polizisten.
Ein Polizist: STOP!
Die Abenteuer mit der Siebenschläferin Malin an der Spitze bleiben vor der Gruppe von Polizisten und Soldaten stehen.
Ein Polizist: Nur Mitglieder des provinziellen Establishment, nur Reiche haben ein Recht auf das Leben….entschuldigung, natürlich heißt es heute….Recht auf Zutritt in dieses Gebiet hinein!
Die Siebenschläferin Malin gähnt. Die drei Ratten klimpern mit den falschen Münzen. Brenin hustet.
Ein Polizist: Auf Anordnung des Neoliberalismus verlange ich eine Erklärung für ihr Vordringen auf das Gebiet der Reichen…..(der Polizist wendet sich an seine Kollegen)….WAFFEN ENTSICHERN!…..Zum Abschuß armer, machtloser, also überflüssiger Menschen bereithalten!
Malin: Grüezi!
Ein Polizist: Wie bitte?
Malin: Grüezi Schmierlappe!
Ein Polizist: Oh beim Neoliberalismus….Schweizer….gute Menschen….reiche Menschen….
In der Gruppe der Polizisten und Soldaten bricht ein lautes Gemurmel aus, welches aus einem respektvollem Raunen eines einzigen Wortes zu bestehen scheint, nämlich „Schweizer“.
Ein Polizist: Entschuldigen….entschuldigen sie vielmals meine Anmaßung ein Wort des Unrespekt an sie, hochverehrte, reiche Schweizer gerichtet zu haben….entschuldigen sie meinen Frevel, meine Frechheit, mein ungebührliches Benehmen reiche, also gute Menschen….verzeihen sie mir….verzeihen sie mir tausendfach….(an seine Kollegen gerichtet)….WAFFEN SICHERN…..UND ZEIGT EIN WENIG RESPEKT VOR DIESEN REICHEN; ALSO GUTEN MENSCHEN!….BLICKE DEMUTSVOLL!….KÖRPERHALTUNG UNTERWÜRFIG!….REICHE SCHWEIZER VOR ORT!
Die Polizisten und Soldaten senken demutsvoll ihre Blicke und einige Polizisten und Soldaten brechen angesichts so viel Reichtum, also Gutmenschentum in Tränen aus.
Ein Polizist beugt sich zu der Siebenschläferin Malin hin.
Ein Polizist: Ich werde….ich werde….entschuldigung die Rührung (der Polizist vergiest ein, zwei Tränen)….angesichts dieses Reichtum….dieses Gutmenschentum….ich werde sie und ihre hochverehrten Freunde höchstpersönlich bis zum Eingang des Anwesen „Unter dem Berg“ eskortieren
Malin: In Ornig
Ein Polizist: Ja, was auch immer dass auch bedeuten mag….ja vielleicht investieren sie Schweizer ja etwas Geld in die Provinz….der Mehrnutzen….sie wissen ja….Nutten, Dienstnehmer, Marktradikalisierung….Markt….ja Markt….der freie Markt….ja vielleicht investieren die Schweizer ja etwas neoliberalistisches Menschenverachtendes in der Provinz….auch wenn ich sagen muss, von diesem Neoliberalismus und dieser Menschenverachtung, der all diesem provinziellen Establishment so gut tut….ja von diesem, von diesem haben wir ja eigentlich schon zur Genüge in der Provinz….aber etwas mehr kann nicht schaden….kann niemals schaden
Malin: In Ornig
Die drei Ratten klimpern mit ihren falschen Münzen.
Ein Polizist: Dreimal ein Hoch! Hoch soll sie leben die Schweiz!
Die Gruppe von Polizisten und Soldaten: Hoch! Hoch! Hoch!
Ein Polizist: Dann erlauben sie mir bitte

Der Polizist und seine Kollegen begleiten die Gruppe um Malin bis zum Eingang des Anwesen „Unter dem Berg“, verabschieden sich mit unterwürfigen Gesten und die Abenteuer, ihre Tarnung als Schweizer aufrecht erhaltend, betreten das Anwesen und ebendort einen großen Theatersaal.
Die Abenteuer blicken kurz um sich und um nicht aufzufallen setzen sich diese im hintersten Teil des Zuschauerraums, auf den billigsten Plätzen nieder.
Kaum haben sich die Abenteuerer auf ihre Plätze gesetzt, wird das Licht dämmrig und ein wohlgekleideter Mann in seinem besten Alter betretet, begleitet von zwei schwerbewaffneten Polizisten, die Bühne.
Ein Vertreter des provinziellen Establishment: Sehr geehrte Herren und Damen, ich begrüße sie im Namen des Kapital herzlichst in dem Anwesen „Unter dem Berg“, wo heute zu ihren Ehren, das erfolgreichste provinzielle Theaterstück aller Zeiten „Totschweigen und dann fertig machen“ in einer radikalen Neufassung aufgeführt wird….Ich möchte vor allem die Mitglieder der Provinzregierung in Begleitung der Wirtschaftsvertreter herzlich willkommen heißen und ihnen meinen innigsten Dank für ihr zahlreiches Erscheinen ausdrücken….den Vertretern der einzelnen Wirtschaftsbranchen, unsere ProvinzNaziÄrzte, unsere Referatsleiter und Amtsdirektoren; dem jungen, hübschesten Gemüse und einigen Gästen aus Inkasso-Österreich, welche mit unseren Provinzbehören, den Provinzwirtschaftstreibenden auf das Allerengste zusammenarbeiten, um zu garantieren, dass das Kapital und nicht der Mensch, dass der Reichtum und nicht die Menschlichkeit den Sieg davon trägt und als letztes begrüße ich natürlich die vor allem für ihre Unausgewogenheit, ihrer radikalen Bevorzugung der Reichen gegenüber den Armen sich so viele Meriten erworbene und in ewiger Dankbarkeit zu unserem Mäzentum in unendlicher Pflicht für unsere Interessen und Wünsche und Anregungen arbeitenden Behörden….zwei von diesen habe ich als besondere Auszeichnung heute mit mir auf die Bühne geholt….bitte einen Applaus für diese unsere Vollstrecker an den Armen, den Machtlosen, den kritischen Menschen und natürlich diesen ungezogenen, nicht zu zähmenden, zu ignorierenden, zu zerstörenden, zu zersetzenden und natürlich zu zerstückelnden Künstler der Provinz….(ein lang anhaltender Applaus aus den Reihen des Publikum setzt ein)….Vielen Dank sehr gehrte Behördenvertreter….(die beiden Behördenvertreter gehen ihre Maschinenpistolen drohend herumschwenkend wieder ab)….Und ich möchte nunmehr nicht länger ihre Zeit und ihre Geduld strapazieren, denn gleich den nächsten Gast ankündigen, welcher noch eine kleine Einführungsrede zu dem Theaterstück „Totschweigen und dann fertig machen“ halten wird….begrüßen sie mit mir den Neoliberalen…..

Ein langanhaltender Applaus aus den Zuschauerreihen setzt ein und der Vertreter des provinziellen Establishment verlässt die Bühne, welche nunmehr ein Neoliberaler betretet.

Ein Neoliberaler: Lassen sie mich, bevor ich beginne nur fünf Wörter sagen….Es lebe der provinzielle Neoliberalismus!

Ein langanhaltender Applaus aus den Zuschauerreihen setzt ein.

Ein Neoliberaler: Der Mensch! Der Mensch ist ein Nichts! Ein Unfall der Evolution! Ein Mißgeschick Gottes! Eine Mißbildung der Natur!
Der Mensch! Der Mensch ist ein Nichts! Der Mensch ist verwerflich, unzuverlässig, unpünktlich! Der Mensch ist schwach! Der Mensch ist krank! Der Mensch ist Nichts! Der Mensch! Der Mensch ist ein Nichts! Und nur durch unsere Produkte, unser Kapital, unserem Geld ist der Mensch etwas!
Der Mensch! Der Mensch ist ein Nichts! Das Produkt ist etwas! Das Kapital ist etwas! Das Geschäft ist etwas! Der Besitz ist etwas! Das Geld ist etwas! Aber doch nicht der Mensch!

Langanhaltender Applaus aus den Reihen des Publikum.

Ein Neoliberaler (schreiend): Der Mensch! Der Mensch ist ein Nichts!

Langanhaltender Applaus aus den Reihen des Publikum.

Ein Neoliberaler: Denn dass was zählt ist nicht das Mitgefühl, diese Gefühlsdusselei, ist nicht das Gefühl, die Emotion, ist nicht die Solidarität, die Mitmenschlichkeit, die Sanftheit, der gute Wille. Nein! Dass was zählt ist nicht den Armen, den Schwachen, den Machtlosen zu helfen. Nein! Dass was zählt ist nicht sich aufzuopfern, Ideale zu haben, Beispiel zu sein; gut zu sein, nett zu sein! Nein! Das was zählt ist nicht diese Liebe! Diese Sensibilität! Diese Empathie! Dieses grauenhafte Mitgefühl! Dieses Rücksichtnehmen! NEIN! NEIN! NEIN!
Denn dass einzige was zählt ist das Geschäft, das Kapital, der Besitz, das Geld, das Produkt; denn erst durch das Geschäft, das Kapital, dem Besitz, dem Geld und dem Produkt wird aus diesem Nichts namens Menschen ein Etwas namens Menschen mit Ellebogen, Brutalität, Rohheit, Arroganz und Überheblichkeit: Erst durch das Geld, das Kapital, dem Besitz, dem Produkt, dem Geschäft wird aus diesem Nichts namens Menschen ein Etwas namens Menschen!
Der Mensch existiert durch das Geschäft, das Kapital, dem Besitz, dem Geld und dem Produkt!
Und ohne das Geschäft, das Kapital, dem Besitz, dem Geld und ohne das Produkt ist der Mensch nur ein Nichts!
Dass was zählt; das Faschistische, das Arrogante, das Überhebliche, das Nazistische; das Niederträchtige, das Gemeine, das Geschlechtlich-Niedrige; das Schlampenhafte, das Triebhafte, das Instinktlose, die Dummheit, das Brutale, das Rohe, das Hinterhältige, die Grausamkeit, die Gewalt; das Totalitäre, das Gewissenlose, das Gottlose, das Einfältige, das Einfache, das Charakterlose….
Und ich sage euch wir können stolz auf das Erreichte sein; die allerbesten Geschäfte schließen wir mit den Faschisten, Kriegshetzern und degenerierten Luxusskreaturen ab, also Menschen ohne jedliches Maß; denn was zählt ist das Geschäft, das Kapital, der Besitz, das Geld und das Produkt und nicht etwa der Mensch…..Nein!
Was zählt ist die Nuttenlogik, die Feigheit vor dem Feind, der Vertragsabschluß, das blutende Volk, die debile Masse, der entrechtete Mensch….das Kapital!
Denn wir zahlen….WIR ZAHLEN….Der Mensch! Der Mensch ist ein Nichts!

Langanhaltender Applaus aus den Reihen des Publikums.

Ein Neoliberaler (schreiend): Der Mensch! Der Mensch ist ein Nichts!

Am äußersten rechten Rand des Zuschauerraum, wo die Wirtschaftsvertreter sitzen, verfallen diese in einen kollektiven, glückseligen Trance-Zustand.
Einige wunderhübsche junge Frauen alias Gemüse fallen vor lauter Glückseligkeit in Ohnmacht.
Langanhaltender Applaus aus den Reihen des Publikums.

Ein Neoliberaler: Nieder mit dem Menschen!

Frenetischer Jubel von den anwesenden ProvinzNaziÄrzten.
Einige Schreie aus dem Publikum an den vortragenden Neoliberalen gerichtet: Ein Genie! Ein Meisterdenker! Ein Wunder!

Ein Neoliberaler: Die Unterdrückung. Die Indoktrination. Die Lüge. Die Manipulation. Das Nazistische. Das Menschlich-Allerniedrigste, denn dass was uns stark gemacht hat, dass zeigt sich doch bei unseren Künstlern! Ignorieren! Angreifen! Zerstören! Ja jahrelang verspotten und auslachen; denn wir sind die großen Herren, denn wir sind hier die Herren im Haus….auslachen und verspotten….und das Niedrigste-Menschliche zum Höchsten erklären….ja diese Künstler auslachen und verspotten jahrelang….so lange bis diese kaputt sind….bis diese alle kaputt sind….und ein besonderes Lob möchte ich an dieser Stelle den ProvinzNaziÄrzten aussprechen….eine Zierde des neoliberalen Menschen….NIEDER MIT DEM MENSCH!

Langanhaltender Applaus aus den Reihen des Publikums.

Ein Neoliberaler: Wir….in Zusammenarbeit mit unseren Freunden vom Großkapital sind noch mit jedem Künstler fertig geworden….so fertig, dass uns die ganze Welt darum beneidet…..fertig machen….zerstören….zersetzen….das Prinzip der „verbrannten Erde“ gegen diesen Abschaum, der sich auch noch als Künstler bezeichnet, zu zerstören….und wenn dafür unsere gesamte Macht und Gewalt sich gegen ein schwerkrankes Kind richtet….ja warum nicht….seht in unsere provinziellen Gesichter….ja ich habe noch bei keinem Primar, noch bei keinem provinziellen Wirtschaftskapitän, noch bei keinem Amtsdirektor, noch bei keinem dieser so wichtigen Provinzpolitiker so etwas wie Mitgefühl entdecken können…..und dass ist auch gut so, denn das Leben brennt all dieses überflüssige Mitgefühl, all diese kapitalistisch-wertlose Empathie aus deren Leben für immer heraus…..denn wir sind nunmal die Herrschaften im Haus und nur ein Krieg kann uns aufhalten….nur ein Krieg und was wünscht sich das provinzielle Establishment am allermeisten….einen Krieg….neue Geschäftsfelder, noch mehr Niedertracht und Grausamkeit, noch mehr von unserer Lieblingsbeschäftigung….dem pfuschen und verpfuschen….noch mehr Tyrannei….noch viel mehr Unglück über diesen Menschen….Dieser Mensch! Dieser Mensch ist ein Nichts!

Langanhaltender Applaus aus den Reihen des Publikums.

Ein Neoliberaler: Der Mensch! Der Mensch ist ein Nichts!

Der Neoliberale verlässt unter rasendem Jubel des anwesenden provinziellen Establishment die Bühne und ein Dutzend wunderhübscher, junger Frauen stürzt sich auf diesen, um ihn mit Küssen, Dankehrbietungen und sexuellen Avancen zu überschütten.

Nach einigen Minuten beruhigt sich das versammelte provinzielle Establishment wieder, das Licht wird noch dämmriger und das Theaterstück beginnt.

Die Abenteurer verfolgen fassungslos die Rede der beiden Männer im besten Alter und halten sich bereits nach wenigen Worten ihre Ohren zu, da dass Gesagte, auch beim besten Willen, in keinem Tierohr Platz, noch Raum, noch das geringste Interesse finden kann.
Immer blasser werdend blicken sich die Abenteurer gegenseitig an und atmen erleichtert auf, als die Hasstiraden der Menschen gegen die Menschen nach einigen Minuten ein Ende gefunden hat, aber nur um mit noch größeren Entsetzen das Nun-Folgende mit zu erleben.

Das Theaterstück: Totschweigen und dann fertig machen.

1.Bild
Das italienische Staatsballett betretet, in Form einer Reihe von Jünglingen und Mädchen, die Bühne und diese beginnen zu den berühmten Klängen eines Ballett-Klassiker zu tanzen.
Formvollendet, mehr schwebend, als den kalten Bühnenboden berrührend, bewegen sich die grazilen Tänzer und vor allem Tänzerinnen zu den wohlklingenden Klängen.
Grazie und Perfektion, Pirouetten wie die Welt solche noch niemals zuvor erblickt; atemberaubend und von einer Faszination, die jeden in den Bann zu ziehen scheint; Fesseln über das karge Dasein wirft und es durch die Leichtigkeit, mit welcher sich die Tänzerinnen und Tänzer über die Bühne bewegen, beinahe vergessen lässt.
Die Audience kann nur ansatzweise die überwältigende Schönheit des Dargebotenen erfassen; denn zu vollendet erscheint dieser Reigen an Genialität und Formvollendung, nur ansatzweise erfassen, da die Tänzer und Tänzerinnen um ihre Hüften sich einen Bananengürtel umgebunden haben, welche die Blicke der Anwesenden noch tiefer in diesen Strudel der kontrollierten Leidenschaft, der Schönheit und des Genie versinken lässt.
Und als das Ballett dann nach einiger Zeit dem Höhepunkt ihrer Vorführung entgegenstrebt, das Können auf langjährige Erfahrung, auf unendliche Übung trifft, die wunderschönen Körper der Jünglinge und Mädchen schon längst nicht mehr über den Bühnenboden, denn über den strahlenden Blicken der Anwesenden zu tanzen scheinen….in jenem Moment….in jenem Moment übertönt urplötzlich ein dumpfes Geräusch, welches überhaupt nicht in die Aufführung zu passen scheint, sowohl von der linken, als auch von der rechten Seite der Bühne, die wohlklingenden Klänge, irritieren den Tanz der so traumwandlerisch dahintanzenden Artisten und Artistinnen, welche kurz innehalten, bis im nächsten Moment zwei riesige Planierraupen sich diesen, sowohl von der linken, als auch der rechten Bühnenseite bedrohlich schnell annähern und die Tänzer und Tänzerinnen schockstarr verharren.
Die Tänzer und Tänzerinnen fallen auf dem kargen Bühnenboden und werden samt den Bananengürteln niederplaniert.
Die beiden Planierraupen fahren nach diesem Massaker an Mensch und Bananen von der Bühne ab.
Ein dutzend hochmotivierter junger Männer betreten, ein jeder mit einem Besen in der Hand, die Bühne und diese kehren die Überreste des italienischen Staatsballetts und der Bananen zusammen, welche dann unter einem riesigen Teppich, welche einige andere junge, ebenso hochmotivierte junge Männer, die allesamt ihr Gewissen als aller-erstes ihren Karrieremöglichkeiten geopfert haben, über die Überreste stülpen, sozusagen unter dem Teppich kehren.
Anschließend betreten einige ProvinzNaziÄrzte die Bühne mit ihren unter dem Volk weithin berüchtigen weißen Kitteln, beugen sich über den Teppich und geben dann Entwarnung; die Mitgliedern des italienischen Staatsballett seien unversehrt und hätten nicht den geringsten Kratzer abbekommen.
Zufriedenes Nicken in der ersten Reihe, wo sich angesichts dieser fantastischen Darbietung provinzieller Kunst, zwischen den Provinzpolitikern und den provinziellen Wirtschaftsvertretern rührende Verbrüderungsszenen abspielen.
Die ProvinzNaziÄrzte gehen ab.
Am Ende verbeugen sich die hochmotivierten jungen Männer auf der nunmehr wieder sauberen Oberfläche der Bühne und ein tosender Applaus des Publikum, welcher in rasende Ekstase überwechselt, setzt für dieses symbolischen Darstellung des provinziellen Vertuschen und Kunstverständnisses ein.

2. Bild
Zu den Klängen von Richard Wagner´s „Walkürenritt“ werden auf einem Großbildprojektor einige Bilder aus Provinz gezeigt, zu welchen eine Stimme aus dem Off spricht:
16. März 1939….Tschechei….01. April 1939….Spanien….28.September 1939….Polen….09. April 1940….Dänemark….10 Mai 1940….Luxemburg….15. Mai 1940….Niederlande….28. Mai 1940….Belgien….10. Juni 1940….Norwegen….22. Juni 1940….Frankreich….17. April 1941….Jugoslawien….30. Mai 1941….Griechenland….01. April 1964….Brasilien….11. September 1973….Chile….24. März 1976….Argentinien….02. Juli 2009….die Provinz….
Eine kurze Pause und dann ertönt wieder die Stimme aus dem Off:
Begrüßen sie mit mir die beiden Provinzler des Jahres 2009….zum einen den Faschistenfreund alias dem Bürgermeister, Unterstützer und Förderer des Faschismus….und zum anderen den Quästor der Provinz….kein Sozialarbeiter, denn ein unermüdlicher Arbeiter bis zur Wiederkehr des totalitären Faschismus, welche seine Untergebenen mit Herzensblut und unermüdlichen Einsatz…..aber begrüßen sie nunmehr die beiden Provinzler des Jahres 2009….den Faschistenfreund und den Quästor….
Der Faschistenfreund alias Bürgermeister und der Quästor betreten die Bühne und werden mit langanhaltenden Standing-Ovations von der tobenden Menge im Zuschauerraum begrüßt.
Die Beiden nähern sich dem Mikrofon, welches dann der Bürgermeister ergreift: Vielen herzlichen Dank provinzielles Establishment und ich möchte nur sagen, dass um einen Dichter zu zerstören, um einen, der mit friedlichsten und gewaltlosesten Mitteln kämpft, um einen der Gedichte schreibt, dafür ist uns rohen, dumpfen und brutalen provinziellen Establishment ein jedes Mittel recht….ein jedes….denn schließlich geht es um 5 cent und nicht um Ideale, Errungenschaften der Menschheit, Aufklärung oder etwa dem Fortschritt, denn nur und ausschließlich um 5 cent….wir sind die Guten….denn wir sind die Guten und alle die sich uns wiedersetzen sind die Bösen….die Faschisten sind nunmehr unsere Freunde und mit Stolz trage ich nunmehr den Titel des Faschistenfreundes.
Langanhaltender Applaus aus dem Zuschauerraum.
Nach diesen mitreißenden Wörtern des Faschistensfreundes, ergreift nunmehr der Quästor das Mikrofon: Ich bin wie bereits gesagt kein Sozialarbeiter….denn ich arbeite mit meinem Untergebenen daran, dass eine totalitäre faschistische, auf Polizei- und Militärgewalt basierte Diktatur wieder ihr Haupt erhebt; dass das Erinnern an all diese so großartigen faschistischen und nazistischen Politiker wie Mussolini, wie Hitler, wie Kaltenbrunner, wie Eichmann, wie Himmler, wie Galeazzo Ciano, wie Ettore Tolomei immer und aller Zeiten hindurch auch hier in der Provinz geehrt und verehrt wird und an der Oberfläche für die debile Masse natürlich alles glattpuliert und in der Tiefe….jenseits der debilen Masse ein über und unter alles durchhallendes….LANG LEBE DER FASCHISMUS!
Langanhaltender Applaus aus dem Publikum.
Im nächsten Moment stürmt eine Horde von römischen Hooligans die Bühne, umarmen freudenreich den Quästor und den Faschistenfreund, schwenken stolz ihre Fahnen und beginnen ihre Hasslieder auf jenes Menschliche, dass auch nur minimalst von der Norm, von der ihren Vorstellung von Leben abweicht, lautstark zu singen.
Siegessicher schweifen ihre Blick über den Zuschauerraum und beeindruckend tönen ihre Hasslieder, welche zu mehr Hass und zu mehr Gewalt in dieser Welt aufrufen durch den Theatersaal.
Spontan beginnen einige anwesende provinzielle Wirtschaftsvertreter mit den römischen Hooligans deren Hymnen mitzusingen; Hymnen, Hasslieder gegen Frauen, gegen die Aufklärung, gegen die Toleranz, gegen Zigeuner, gegen Juden, gegen Künstler, gegen Süditaliener, gegen Andersdenkende, gegen Ausländer, gegen…., gegen…., gegen…., gegen….
Seltsamerweise tragen diese römischen Hooligans T-Shirts mit der aufgedruckten Aufschrift „Morte al poeta!“….ein Aufdruck, welcher viele Augenpaare des versammelten provinziellen Establishment erst so richtig leuchten lässt.
Schlußendlich ebbnen die Hassgesänge auf alles was den Menschen modern, schön und menschlich gemacht hat, ab.
Ein römischer Hooligan tretet an das Mikrofon und schreit in dieses hinein: Morte al poeta!
Tobender Beifall aus dem Zuschauerraum.
Ein römischer Hooligan: Es lebe die Gewalt! Es lebe der Faschismus!
Das versammelte provinzielle Establishment wiederholt enthusiastisch: Es lebe die Gewalt! Es lebe der Faschismus!
Nach dieser Aussage geht das provinzielle Establishment vor ihren Sitzen auf ihre Knie; denn so wie das Land vor 5-cent Profit kriecht, so kriecht nunmehr auch das versammelte provinzielle Establishment vor den Faschisten.
Einige römische Hooligans nehmen jeweils einen Sack mit 5-Cent Münzen in die Hand und beginnen diese am Bühnenrand vor die Sitzreihen auszustreuen, um welche sich sogleich zankend die Wirtschaftsvertreter, die Hoteliere und die Politiker streiten.
Ein römischer Hooligan: Morte al poeta!
Jubelszenen im Publikum.
Ein römischer Hooligan: Wir, die römischen Hooligans, die italienischen Faschisten verstehen das provinzielle Establishment….denn es sind unsere Brüder….und uns ist schon klar, dass nach außen hin die Tarnung bestehen bleiben muss….nach außen hin muss das provinzielle Establishment Toleranz und Gewaltlosigkeit fördern, Extremismen bekämpfen; muss volksverbunden, heimattreu erscheinen, aber im Herzen, ganz tief in euren Herzen sind wir Brüder….denn alles was hilft den Dichter zu zerstören, ist gut….denn wenn der Dichter dann von 100-enden von Faschisten angegriffen wird, immer mit den niedrigsten Wörtern, die mehr an Tiere, denn an Menschen erinnern, weniger an Tiere, denn mehr an Bestien, dann ist dass gut….denn der Faschismus muss siegen….und der Faschismus wird siegen!
Langanhaltender Jubel aus den Zuschauerreihen.
Einige römische Hooligans rollen einige Regentonnen und tragen einen großen Stapel Bücher auf die Bühne und stellen die Regentonnen auf.
Ein römischer Hooligan: Als symbolischen Akt der inneren Reinigung, des unseren Bekenntnis zum Faschismus und dessen besten Freund, namens Provinz….werden wir nunmehr die 100 wichtigsten Bücher bzw. Schriften der Menschheitsgeschichte verbrennen….
Die römischen Hooligans füllen die Regentonnen mit Büchern und überschütten diese mit Benzin.
Als letztes nähert sich der Bürgermeister/Faschistenfreund und der Quästor den Regentonnen, jeder mit einem Buch bzw. Schrift in seiner Hand.
Der Bürgermeister schwenkt ein Buch; ein sehr wichtiges religiöses Buch und schmeisst dieses dann wie ein Stück Müll in die Regentonne und sagt dazu: „dass keiner mehr dieses Buch nunmehr brauche, denn die neue Religion sei der „Faschismus“.
Der Quästor macht es ihm gleich, nur dieser mit der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ und dazu sprechend, dass diese keiner, aber wirklich keiner hier in der von der Aufklärung abgewandten Provinz nunmal braucht, außerdem hätten sich seine Untergebenen in den vergangenen Jahren im vorauseilenden Gehorsam ja sowieso niemals daran gehalten.
Dann nehmen beide ein Zündholz, zünden dieses an und werfen dieses in die Regentonnen.
Ekstatischer Jubel brandet im Zuschauerraum auf.
Die Szene endet mit den verbrennenden Büchern in den Regentonnen und den zufriedenen Gesichtern des anwesenden provinziellen Establishment.

3. Bild
In einem provinziellen Zug moderner Bauart sitzen in einem Großraumabteil der 1. Klasse der irre Onkel, der ProvinzNaziHausArzt mit zwei, drei seiner kriminellen Komplizen; der Tourismusvisionär, einige jammernde Hoteliers, einige Lokalpolitiker, einige Vertreter der provinziellen Wirtschaft und einige junge, so hochintelligent wie wunderschöne, liederlicher Frauen.
Der Zug fährt ohne Zwischenstopp von der Haltestelle Provinz bis zur Endstation….der Hölle.
Satt und träge walzen sich ein Grossteil der Insassen jenes Grossraumabteiles in ihrem fetten Reichtum, ihrem wiederlichen „Über dem Gott stehen“, spottend und heraburteilend, ihrer grenzenlosen Arroganz und Besser-Sein, ihrer Besserwissertum, ihrer einzigen, also ihrer niedrigen Instinkte und Triebe, ihrem provinziellen Irrsinn, ihrer Boshaftigkeit, ihrer Niedertracht, ihrer Schlampen- und Hurensohnmentalität und ihrem niedrigsten Menschentum, welche selbst die die außerhalb des Zuges vorbeieilende Landschaft von diesem Zug hinwegflüchten lässt.
Der Zug fährt mit Höchstempo der Hölle entgegen, als plötzlich der irre Onkel sich von seinem Platz erhebt und die Notbremse zieht.
Abrupt bremst der Zug ab und bleibt zwischen den Weilern „Hinter dem Wald“ und „Dumm-Stein“ stehen.
Zwei Schaffner, Michael (I.) und Raphael (II.) betreten das Großraumabteil und treten zum irren Onkel hinzu.
I. Schaffner: Liegt ein Notfall vor?
II. Schaffner: Warum haben sie den Zug gestoppt?
Der irre Onkel: Ich bin der irre Onkel
I. Schaffner: Ja und?
Der irre Onkel: Sie kennen mich?
II. Schaffner: Natürlich kennen wir sie
Der irre Onkel: Sie sagen also, dass mich die gesamte Provinz schon kennt?
I. Schaffner (auflachend): Die gesamte Provinz….die gesamte Welt kennt sie als den irren Onkel
II. Schaffner: Also irrer Onkel….warum haben sie die Notbremse gezogen?
Der irre Onkel: Ich wollte nur fragen, wie lange es noch dauert, bis ich in der Hölle ankomme?!
I. Schaffner: Sie können es also nicht abwarten, bis sie endlich dort sind, wo solche Menschen wie sie hingehören….verhinderter Mörder….der Dummheit grösster Trumpf in der Provinz….sie allerniedrigster menschlicher Abschaum….aus dem Dreck entstanden und im Dreck endend….ein Dreckskerl…..ein Stück unverdautem menschliche Verdorbenstem….einen alten, wehrlosen Mann, der sich Zeit seines Leben nie etwas zu Schulde kommen hat lassen, zu richten….wegen ein paar kümmerlichen Cent….ja was glauben sie denn sie aus menschlichem Abfall zusammengebastelter Unmensch….
II. Schaffner. Dafür werden sie irrer Onkel für alle Ewigkeiten in der Hölle schmoren
I. Schaffner: Also irre bis zum Knochenmark….dumm bis in die Haarspitzen hinein….boshaft bis auf den letzten Cent….feige….feige….feige….hinterhältig….
II. Schaffner: Nur Gewalt als Sprache zu verstehen….nur Boshaftigkeit….nur Verdorbenes Menschliches
I. Schaffner: Und deshalb haben sie irrer Onkel den Zug angehalten?
Der irre Onkel: Ja
II. Schaffner: Wenn sie aber so schnell wie möglich in die Hölle wollen, warum ziehen sie dann die Notbremse?
Der irre Onkel: Ja, weil ich nunmal irre bin
I. Schaffner: Also wir beide, Michael und Raphael werden mit dem Zugführer Gabriel sprechen, damit dieser Zug etwas schneller fährt, damit sie Irrer so schnell wie möglich dort enden wo sie hingehören….nämlich in die Hölle!
Der irre Onkel: Vielen, vielen Dank!
Die beiden Schaffner gehen langsam ab und sprechen miteinander:
I. Schaffner: Abschaum
II. Schaffner: Zu dumm um irgendetwas jemals verstanden zu haben
I. Schaffner. Dass einzige was mich bei diesem irren Onkel verwundert, ist die Tatsache, dass dieser für seine Untat noch nicht von der Provinzregierung ausgezeichnet bzw. befördert worden ist?
II. Schaffner: Wahrlich seltsam….aber man muss nur abwarten….bei dieser Provinzregierung ist es nur eine Frage der Zeit bis er seine gesellschaftliche und persönliche Anerkennung von ebendiesen erhalten wird
I. Schaffner: Hoffen wir nur, dass dieser irre Onkel nicht auf die Gewalt zurückgreift, die ja seine Heimat zu sein scheint….denn dann würde er wohl mit Sicherheit von der Landesregierung dann ausgezeichnet werden….
Die beiden Schaffner gehen ab.

Der provinzielle Zug mit Endstation Hölle fährt wieder an und nimmt Fahrt auf….so geht die Fahrt dahin, bis sich der ProvinzNaziHausArzt aus seinem Sitz erhebt, zur Notbremse greift und diese zieht.
Der Zug bleibt zwischen den Weilern namens „Niedertrachts-Dorf“ und „Abschaum-Istan“ stehen.
Die zwei Schaffner betreten das Großraumabteil und treten zum ProvinzNaziHausArzt hinzu.
I. Schaffner: Liegt ein Notfall vor?
II. Schaffner: Warum haben sie den Zug gestoppt?
Arzt: Ich bin der ProvinzNaziHausArzt, ich verlange ein wenig mehr Respekt
I. Schaffner: Fast alle Menschen haben Respekt verdient, fast alle….alle außer sie
II. Schaffner: Warum haben sie denn also den Zug gestoppt?
Arzt: Warum….warum bin ich hier und nicht all meine Kollegen?
I. Schaffner: Sie meinen ihre kriminellen Komplizen….diese Pfuscher, Vertuscher, Quacksalber und Menschenzerstörer?
Arzt: Ja?
II. Schaffner: Der Zug ist voll
I. Schaffner: Außerdem sind sie nicht aus Gründen hier, welche sich auf das Medinzische reduzieren
II. Schaffner: Denn wenn jemand aus niedrigsten persönlichen Gründen, aus kriminellster Komplizenschaft zu seinen Kollegen, sich weigert dem ursprünglichsten, dem tiefsten aller menschlichen Gründe, nämlich jener der Hilfe in der Not zu leisten, dann soll er dann auch in der tiefsten aller Höllen für alle Ewigkeiten schmoren
I. Schaffner: Denn ihr Handlen stellt das Grundprinzip menschlichen Zusammenlebens in Frage; stellt eine in dieser Form wohl noch selten dagewesene zutiefste menschliche Deformation hin zur Grausamkeit und zur Unmenschlichkeit dar
II. Schaffner: Eine Tat, mit welchem sie nicht nur ihren Berufstand den schlechtesten Dienst erwiesen haben, denn auch mit den Folgen, nämlich der kriminellen Solidarität ihrer Kollegen, denn damit in ihrer restlosen Arroganz, den Berufstand der Ärzte ruiniert haben
Arzt: Ich bin unschuldig
I. Schaffner: Und dann noch von dieser Provinzregierung, welche ja das allerniedrigste Menschentum anscheinend auf ihre Fahnen hinaufgeschrieben hat; dann noch von diesen, nach solch einer Untat, welche ja beispiellos in der Geschichte der Menschheit ist, dafür noch ausgezeichnet zu werden, stellt wohl alles bisher Getanes und Geleistetes in den Schatten
II. Schaffner. Damit stellt sich die Landesregierung, die provinzielle Ärztekammer auf eine Stufe mit Unmenschen wie Hitler, wie Stalin, wie Saddam Hussein, denn nichts anderes als der Wunsch nach Totalitarismus, nach Folter, nach Gewalt spricht aus dieser Auszeichnung
I. Schaffner. Eine Untat, welche selbst uns, die schon seit einer Ewigkeit in diesem Zug arbeiten, sprachlos zurückläßt
II. Schaffner: Und gerade sie, niedrigstes Menschentum, wagen es zu fragen, warum sie in diesen Zug sind?
I. Schaffner. Und lassen sie sich nicht täuschen….uns ist schon klar, dass ein solches Verhalten in der Provinz massiv belohnt wird….massiv gefördert wird….denn das niedrigste Menschentum muss nunmal triumphieren
II. Schaffner: Und dass ihre Opfer noch hunderte Male zu Opfern gemacht werden, während sie als Täter in der Provinz auf die vollkommene politische, behördliche und die Solidarität des Volkes zählen können
I. Schaffner: Aber lassen sie sich nicht täuschen….es zählt nicht der provinzielle Kontext, denn der globale Kontext und auch wenn sie im provinziellen Kontext unbefleckt als Provinzheiliger tun und lassen können was sie möchten….im globalen Kontext werden sie und ihre kriminellen Komplizen für alle Zeiten als ein Synonym grässlichstem Menschsein; als ein Sinnbild des im provinziellen Kontext so hoch anzusiedelnden niedrigstem Menschentum und im globalen Kontext als das Allerniedrigste angesehen werden
Arzt: Ich bin unschuldig
I. Schaffner: Dass sind sie alle
Arzt: Ich habe höchste Anerkennung und Respekt verdient
II. Schaffner: Was sie sich wirklich verdient haben, dass sehen sie ja gerade
I. Schaffner: Es sind immer alle unschuldig….die Nazis, die Faschisten, die Kommunisten, die Kapitalisten, die Anarchisten, die Republikaner, die Diktatoren, die Schergen, die Kriecher….alle sind unschuldig….denn…denn….
Arzt: ….denn sie haben nur das Beste für ihr Volk gewollt
II. Schaffner: Vielleicht sollten wir den Zug umbenennen….in „der Zug der Unschuldigen“
I. Schaffner: Dass wäre des Zynismus dann wohl doch zu viel
II. Schaffner: All diese Unschuldigen, welche immer nur das Beste gewollt hatten….
II. Schaffner: Genaus so wie sie….genau so wie sie
I. Schaffner: Dafür hat ihnen auch das provinzielle Establihsment alle Ehre und Anerkennung zuteil werden lassen….denn wenn man bis zum Hals….denn wenn man soviele Leichen im Keller….denn irgendwann muss man dann nunmal zusammenhalten….
Arzt: Sie lügen….
Beistimmende Rufe aus dem Publikum und Buh-Rufe aus den Zuschauerreihen.
I. Schaffner: Jetzt sind es also wir die lügen….aber wir sind hier nicht mehr in der Provinz, wo die Niedertracht anscheinend die Wahrheit ist, denn wir sind hier in den Vororten der Hölle
II. Schaffner: Und werden unser Ziel für sie so bald als möglich erreichen….
I. Schaffner: Wo sie dann genug Zeit haben werden in illustrer Gesellschaft ihrer Kollegen, welche ja soviel Gutes getan haben….wie etwa die Nazis in Osteuropa….so viel Gutes haben sie getan….überzeugt bis zum Lebensende davon….dort können sie dann über ihre Unschuld die keine ist und nie eine gewesen ist, nachdenken
II. Schaffner: Wir sind nicht mehr in der Provinz, wo Menschen wie sie treiben und lassen können wie es ihnen beliebt….all dies ist jetzt wertlos und wird mit jedem Augenblick wertloser
I. Schaffner: Und jetzt verhalten sie sich gefälligst ruhig
Arzt: Ich….ich
II. Schaffner: RUHIG!
Die beiden Schaffner gehen ab.

Der provinzielle Zug mit Endstation Hölle fährt wieder an und nimmt Fahrt auf….so geht die Fahrt dahin, bis sich die restlichen Gäste des 1. Abteil kollektiv erheben und die Notbremse ziehen.
Der Zug bleibt stehen.
Die beiden Schaffner, Michael und Raphael und der Zugführer namens Gabriel, betreten das Großraumabteil.
I. Schaffner: Liegt ein Notfall vor?
II: Schaffner: Warum haben sie den Zug gestoppt?
Zugführer: So kann man ja nicht arbeiten!
Die restlichen Gäste, eine Auswahl der schrecklichsten Menschen, welche die Provinz, so abseits der glänzenden Oberfläche aufzubieten haben, stürzen sich auf die beiden Schaffner und überwältigen diese.
Im Publikum kommt es zu tumultartigen Jubelszenen und Rufen wie: „Endlich“; „Schlagt sie tot“; „Schmeisst sie aus dem Zug“.
Ein Fahrgast: Wir übernehmen nunmehr diesen Zug
Zugführer: Wie bitte?
Ein Fahrgast: Wir ändern die Destination, denn wir haben keine Lust auf die Hölle, gerade wir, die nur das Beste verdient haben….wir ändern das Ziel
Zugführer: Und wie soll dass gehen?
Ein Fahrgast (auf den Zugführer einschlagend): Dass werden wir noch sehen….hier regiert nämlich die Provinz….das provinzielle Establishment….
Das Publikum tobt vor Freude.
Ein Fahrgast: Los, fesselt auch den Zugführer, wir übernehmen den Zug.

Der Zug nimmt wieder Fahrt auf und anstatt in die Hölle weiter zu fahren, ändert der Zug nunmehr seine Fahrtrichtung und fährt von den Vororten der Hölle, wieder zurück in die idyllische, Schlecht-Menschen auf den Thron hievende, Provinz zurück.
Der Zug fährt und fährt und der schreckliche Abschaum, welcher sich im Zug versammelt hat, freut sich schon riesig auf ihre Heimkehr in die Provinz.
Als der Zug schließlich stoppt, die Türen sich öffnen und die Fahrgäste aus dem Zug strömen, finden sie sich in der Provinz wieder.
Alle sind glückselig und belustigt.
Nunmehr ist auch die Provinz nurmehr ein Teil der Hölle….
Jubelszenen im Publikum.

Intermezzo

Der hochmotivierteste junge Mann in der Provinz, der gesamte Stolz seiner Eltern, glänzend und strahlend aus jeder Pore seines Lebens, erfolgreich, prächtig, Traummann jedes jungen Mädchen, ein Paradebeispiel für die Degenerierung gesamter Generationen durch die Wirtschaft betretet die Bühne und ergreift das Mikrofon:
Ein junger Mann: Eigentlich hatten wir etwas gänzlich anderes geplant….aber wie das Leben so spielt, mussten auch wir, trotz Millionen-Förderungen durch die Provinz, nunmehr improvisieren….unsere Idee war jene, nach all dieser schweren Kost, mit etwas Musik, diese schönen Darbietungen höchsten provinziellen Lebens, etwas aufzulockern und luden daher das einzige Weltkulturerbe der Provinz, dieser Glanzpunkt der Hochkultur und des feinen Geschmackes, also wie jeder unschwer erraten kann….die Todesspatzen….also die Todesspatzen zu diesem einmaligen, weltweit noch nie dagewesenen Theaterevent ein….aber wie das Schicksal so spielt….und wie alle hier Anwesenden wissen….die Todesspatzen haben sich im Frühjahr totgesungen und deshalb bitte ich alle Anwesenden sich mit mir zu erheben und eine Schweigeminute für diese einzulegen.
Das provinzielle Establishment erhebt sich von ihren Sitzen und hält eine Trauerminute ab, welche nur durch den Lärm tausender auf den Boden des Zuschauerraum fallender Tränen abgemildert wird.
Ein junger Mann: Aber da das Leben bekanntlich immerzu weitergehen muss, haben wir uns für einen, auf gleicher qualitativer Höhe sich befindlichen, künstlerischer Darbietung entschieden…also der Ersatz für die Todesspatzen sollte eigentlich U.J. sein, aber auch dieser musste uns in letzter Minute absagen, da dieser in der heutigen „Wetten Dass“ Sendung bei der Kinderwette Pate ist….sie verstehen….Wetten Dass….Kinderwette….Kinderpate….alles garantiert moralfrei….und denken sie nur daran, wie ein solcher Auftritt bei den perversen, greisen Deutschen in Thailand mit ihrern 14-jährigen Freundinnen in der Hand, die Einschaltquoten in die Höhe treibt, wenn sie ihrereins….ja, wenn sie ihrereins….was habe ich gesagt? (Gelächter im Publikum)….egal….und deshalb haben wir uns gedacht, dass wir als Ersatz nicht weit in die Ferne schweifen, denn uns hier in der Provinz, wo es ja so viele hochqualitative Künstler gibt, umsehen und sind sogleich fündig geworden….freuen sie sich also mit mir ganz besonders auf die aus dem niedrigsten deutschen wie italienischen Pöbel sich zusammensetzende Riesenschwänze-Orchester unter der Leitung, des mit allen Wassern gewaschenen Direktor und bestbezahltesten Dirigenten weltweit, begrüssen sie also mit mir das provinzielle Riesenschwänze-Orchester….
Ein langanhaltender Applaus setzt ein.
Das Riesenschwänze-Orchester beginnt ihr trauriges Handwerk und um so grässlicher die Darbietung wird, um so entzückter die Begeisterungsstürme im Publikum, bis diese ihr schreckliches, ihr aller-aller-aller-schreckliches Tun und Singen und Musizieren beenden und ein Sturm der Begeisterung über diese, von seiten des Publikum, hereinbricht.

4. Bild
Der hochmotivierteste, ehrgeizigste und somit wohl auch erfolgreichste junge Mann, ein Prachtkerl, ein Vorbild für alle, die es richtig machen wollen, betretet wiederrum die Bühne und begibt sich zum Mikrofon:
Ein junger Mann: Wunderbar….wunderbar….fantastisch….dass gibt es nur hier bei uns in der Provinz und ansonsten niergendwo….wo der niedrigste menschliche Pöbel in ihrer ja wahrlich unfassbaren Dummheit, Verrohtheit ihr niedrigstes Gedankengut, welches sich auf ihre primären Geschlechtsorgane reduziert….also reduziert….denn ansonsten haben sie ja nichts….ja so frei und offen darbieten können….aber lassen sich mich kurz über mein eigentliches Anliegen sprechen….und zwar dem 4. Bild….und da können sie sich auch auf etwas ganz Besonderes freuen, denn uns Provinzlern ist es gelungen einen dreckigen, unmoralischen, lauten, störenden, lästigen, überall unerwünschten, jeden Provinzler anwiedernden, denn nicht unsere moralische Treue zum….ja zu was….also, was war meine letzte Frage (Gelächter im Publikum)….also uns Provinzlern ist es gelungen einen….nur einen….ja einen dieser degenerierten, verdammenswerten, einen jeden Provinzler in seinem Stolz und seiner Ehre beleidigenden, einen degenerierten….und ja ich wiederhole mich gerne….wir, also uns, also der zukünftigen Elite der Provinz ist es gelungen einen Grossstadtjungen hierher zu verschleppen
Langanhaltender Applaus aus den Reihen des provinziellen Establishment.
Ein junger Mann: Einem der nichts kann….und unseren Wohlstand kritisiert….schon nur durch sein Dasein….denn wie man bekanntlich weiß, sind diese Grossstadtjungen im Unterschied zu den provinziellen Jungs vollkommen überflüssig und zu nichts zu gebrauchen, grundsätzlich kriminell, der Arbeit gegenüber apathisch und somit schon von vorhinein für jede Aufgabe in der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft disqualifiziert….und bekanntlich nennen wir Provinzler solche aufgeklärten, solche denkenden, solche handelnden, solche Grosstadtjungen nur bei einem Namen….also wie….
Das provinzielle Establishment (schreiend): Schwule Sau!
Ein junger Mann (schreiend): Wie nennt man einen solchen Grossstadtjungen?
Das provinzielle Establishment (schreiend): Schwule Sau!
Ein junger Mann: Und nicht dass uns irgendjemand vorwerfen würde, wir würden uns nicht ädequat äußern können….denn wie immer bei den Menschen ist es doch solchermaßen, dass wie man spricht so ist man….und ich kann nur sagen, dann sind wir, die Italiener, die Deutschen, die Provinzler….wahrlich auf der untersten Stufe vorzufinden, gleich neben den Österreichern und ihrer Vulgär-Prolo-Hass-Sprache
Das provinzielle Establishment (schreiend): Die schwule Sau!
Ein junger Mann: Und hier habt ihr diese schwule Sau!
Vier hochmotivierte junge Männer, die so erscheinen, als würden diese gerade von der Hitler-Jugend-Probe kommen, betreten die Bühne und schleppen in ihrer Mitte den Jungen, welcher ziemlich mitgenommen und zerschlagen aussieht.
Ein junger Mann: Hochverehrtes Publikum, begrüssen sie herlichst meine Freunde, welche frisch von der neoliberalen Gehirnwäsche zu willigen Helfershelfern des provinziellen Establishment, in die Einöde zurückgekehrt sind
Ein langanhaltender Applaus für die vier Freunde, welche ebenso hochmotiviert und ehrgeizig erscheinen, wie der junge Mann am Mikrofon.
Ein junger Mann: Da haben wir ja diese schwule Sau!
Der Junge antwortet nichts.
Ein junger Mann: Nicht einmal sprechen hat er gelernt diese schwule Sau, aber hier in der Provinz werden wir solchereins wie dir schon Manieren beibringen….so wie wir dass schon immer gehandhabt haben schwule Sau!
Der Junge antwortet nicht, auch da seine Gesicht vom niedrigsten provinziellen Pöbel ziemlich zerschlagen worden ist.
Ein junger Mann: Aber so einfach kommt uns diese schwule Sau nicht davon….so einfach geht dass hier in der Provinz nicht….denn hier herrschen Ordnung, Sauberkeit, Disziplin und Moral….nicht dieses verrückte….dieses ganz und gar verrückte Treiben der Großstadt….denn wir sind nicht verrückt….wir sind schon weit darrüber hinaus….also….was habe ich gesagt (Gelächter im Publikum)….also….schwule Sau….und ich verwende doch durchaus nur die Sprache des provinziellen Volkes, auch jener der Sicherheitskräfte, deren oberste Beamte auch eine Sprache verwenden, dass jedem Tier übel davon werden müsste und in ihrer widerlichen Arroganz mit den Superreichen der Provinz ein einkommliches Auskommen finden und in ihren Netzwerken der Niedertracht und der Boshaftigkeit den Weg ebbnen….aber, was habe ich gesagt (Gelächter im Publikum)….ich schweife ab….Sicherheitskräfte und der Pöbel, welche das Wort Menschenrechte genau jene Bedeutung gegeben haben, welche dieses Unwort namens Menschenrechte verdient….nämlich gar keines….keines….gar keines….es lebe die Provinz!
Langanhaltender Applaus aus dem Publikum.
Ein junger Mann (sich an den Jungen wendend): Aber so leicht schwule Sau lassen wir dich nicht davonkommen (und schlägt unter dem Johlen und Kreischen der Anwesenden den Jungen in das Gesicht)….so leicht lassen wir dich nicht davonkommen….denn wir sind hier in der Provinz und Österreich ist nunmal Provinz….aber was sage ich….jetzt verspreche ich mich schon vor dieser schwulen Sau….Provinz ist Provinz!
Langanhaltender Applaus aus dem Publikum.
Der einsame Wolf Brenin beginnt sich unruhig in seinem Sitzplatz hin und her zu bewegen und murmelt ein „So geht dass einfach nicht“….ein „So geht dass nicht“.
Ein junger Mann: Und wir, also die zukünftige Elite der Provinz, haben uns dazu entschlossen, diese schwule Sau zu verurteilen….ganz öffentlich, gänzlich demokratisch….so wie wir dass in der Provinz immerzu gehalten haben und so machten wir uns vorüber einem Jahr auf die Suche nach einer geeigneten Person, wälzten in den Archiven riesige Bücher, forschten, schrieben wissenschaftliche Wettbewerbe aus, sprachen mit den Richtern, den Staatsanwälten, den Bankern, den Bauunternehmern, der provinziellen High-Society, den wichtigen Politikern, den noch wichtigeren Wirtschaftstreibenden, sprachen, diskutierten, fällten Entscheidungen, welche Person nunmal in der Provinz die geeigneteste, die qualifizierteste sei, um einen Jungen, also diese schwule Sau zu beurteilen….verteilten Gratis-Bananen und bekamen hochqualifizierte Vorverurteilungen; bezahlten Headhunters der renomiertesten Firmen, um jene Person zu finden, welche durch ihre Lebenserfahrung, durch ihr angesammeltes Wissen, durch Ausgewogenheit und überdurchschnittliches Intelligenz eine solche Aufgabe, eine solche schwule Sau zu bewerten, befähigt wäre….und auf unserer Suche wurden wir sehr bald von einer großen Anzahl von Behördenvertretern unterstützt….welche uns mit ihrem qualifizierten Rat zur Seite standen und die Entscheidung mit Mithilfe einiger Nachrichtendienste, welche mehr an einer jungen schönen Frau, denn der Landesverteidigung interessiert zu sein scheinen, massiv beeinflußten….und unsere erste Wahl fiel auf einen langgedienten, im Amt ergrauten und erblassten Richter….einer Koryphäe des Richten und Verurteilen….dann an den langjährigen Präsidenten der provinziellen Wirtschaft, welcher in völlig transparenten und demokratischen Prozessen zu seinem Amt gelangt ist….dann an einzelne wichtige LandesPolitiker….dann an die höchsten Beamten im Land, reich an Geld und arm an Empathie….aber letzten Endes….aber letzten Endes konnten wir uns dann alle….und ich betone alle zur vollsten Zufriedenheit des niedrigsten Pöbels, der Sicherheitsbehörden, der Faschistenfreunde, der provinziellen Unterstützer für eine noch unmenschlichere Welt….zur vollsten Zufriedenheit der Provinzpolitik, der Provinzwirtschaft auf eine Person einigen, welche all diese Anforderungen auf das Allerbeste erfüllt und geradezu vorherbestimmt erschien, für diese schwere Aufgabe diese schwule Sau zu beurteilen….Lebenserfahrung, Ausgewogenheit, reflektiertes Handeln, eine sehr überdurchschnittliche Intelligenz, maßvolles Abwägen, Nibelungentreue, welche im Sekundenbereich liegt….und zugleich ein zarter Sinn für Ungerechtigkeit, für den richtigen Sinn….also eine Person, welche als einzige in der Provinz und dass bestätigen in erster Linie die Polizeikommandanten, ein italienischer Nachrichtendienst, die politische Polizei oder sollte ich besser sagen….die faschistische Polizei….also….was habe ich nochmals gesagt (Gelächter aus dem Publikum)….also wir einigten uns auf einen Nenner….auf eine 18-jährige liederliche Frau….
Langanhaltender Applaus aus dem Publikum.
Ein junger Mann: Denn wer außer eine 18-jährigen Frau hat schon die Reife, die Qualifikation, die Intelligenz, die Ausgewogenheit, die Reflexion und das Wissen, um ein Urteil über eine schwule Sau zu fällen
Beistimmendes Nicken aus den Reihen der anwesenden Behördenvertreter.
Das provinzielle Establishment (schreiend): Tod der schwulen Sau!
Ein junger Mann: Tod der schwulen Sau!
Das provinzielle Establishment (schreiend): Tod der schwulen Sau!
Das anwesende Publikum tobt.
Ein junger Mann: Begrüssen sie also mit mir die 18-jährige Frau
Die 18-Jährige betretet die Bühne; eine wunderschöne Erscheinung, eine junge Frau in der Blüte ihres Lebens und hochintelligent ist ihr Blick und ihr Schritt lässt den anwesenden Herrschaften den Atem stocken.
Ein junger Mann: So leicht kommst du uns nicht davon du schwule Sau….so leicht wirst du uns nicht davonkommen….schwule Sau!
Einige anwesende Behördenvertreter brechen angesichts all dieser Gerechtigkeit in Tränen aus.
Ein junger Mann: Jetzt wird das gerechte Urteil dich ereilen schwule Sau! (und schlägt den Jungen unter dem zustimmenden Johlen und Kreischen der anwesenden Weiber, die wie immer das Beste am Menschen repräsentierten in das Gesicht)
Die 18-jährige Frau tretet neben dem ehrgeizigsten jungen Mann aus der Provinz hin und die Beiden küssen sich auf die Wange.
Ein junger Mann: Danach….danach….ihr wisst schon was
Die junge Frau: Ihr wisst schon was
Ein junger Mann: Also dann
Der einsame Wolf Brenin bewegt sich noch unruhiger in seinem Sitz hin und her.
Ein junger Mann: Und welches Urteil hat die 18-jährige liederliche Frau in ihrer Weisheit und mit dem Rat überdurchschnittlich intelligenter Menschen denn nunmal gefällt?
Die junge Frau: Die Höchststrafe….denn eines muss klar sein….wir sind nicht der Abschaum….wir Provinzler….wir sind moralisch, ethisch und was weiß ich….also wenn wir nicht die Bösen sind….welche wir durchaus nicht sind….denn wenn wir nicht die Bösen sind, dann muss zwangsläufig dieser Junge, der wohl unschuldig ist, der Böse sein….denn wir sind es nicht….wir haben als Provinzler ja kein Gewissen, kein Ethos und keine Ehre….dass beweisen die ProvinzNaziÄrzte mit jedem Tag ihrer Existenz und den Politikern die diese Lebensweise zum nachahmenswerten Beispiel erhebt….
Ein junger Mann: Und in was besteht die Höchststrafe?
Die junge Frau: Ich verurteile die schwule Sau zum Tode….denn nichts anderes hat diese schwule Sau verdient!
Ein junger Mann: Ich muss sagen ein sehr ausgewogenes, sehr gerechtes Urteil, dass dem Dasein der schwulen Sau vollkommen gerecht wird.
Einige östereichische Gäste, hochgebildet; einige Italiener, Kopf über Hals verliebt und einige Provinzler, zufrieden, stürmen auf die Bühne und beglückwünschen die 18-jährige Frau zu ihrem ausgewogenen, gerechten und wohlüberlegten, in 2 Sekunden reflektiertem Urteil und werden dann von einigen hochmotivierten jungen Männern abgedrängt.

Der einsame Wolf Brenin schüttelt noch einmal angewidert seinen Kopf und erhebt sich dann von seinem Sitzplatz, blickt zu der Siebenschläferin Malin, der proletarischen, der linken und der rechten Ratte und sagt dann:
Brenin: Freunde…..FREUNDE….ES IST ZEIT!
Malin (wutentbrannt): Er ist ein guter Junge!
Die proletarische Ratte: Auf in den Kampf
Die rechte und die linke Ratte: Für das Volk der Ratten
Die Abenteurer streben auf den linken Seitengang hinzu, wo sich sogleich drohend einige Mitglieder der provinziellen Sicherheitsbehörden mit Maschinenpistolen bewaffnet den Abenteureren in den Weg stellen.
Brenin hustet diese hinweg.
Die Abenteurer gelangen zum linken Seitengang, wo sich diesen dann einige hochverdiente Mitglieder des provinziellen Establishment entgegenstellen, welche die Abenteurer mit ihrer moralischen Glanzkraft aufhalten wollen, doch Malin`s wütender Blick lässt diese sogleich kraftlos zu Boden sinken.
Auf der Bühne beginnen die junge Frau und der junge Mann gleichzeitig zu kreischen: Tötet die schwule Sau! Tötet sie!
Die vier hochmotivierten jungen Männer, in deren Fängen der Junge hängt, blicken sich etwas ratlos um und verfolgen dann atemlos das Geschehen am linken Seitengang.
Ein BananenHagel beginnt auf die Abenteurer niederzuprasseln, doch todesmutig stellen die linke und die rechte Ratte ihre Körper als Schutzschilde zur Verfügung und beschützen damit den Wolf Brenin, die Siebenschläferin Malin und die proletarische Ratte.
Als der Bananen-Hagel nach kurzer Zeit abebbnet, fallen die beiden Ratten beinahe leblos, aber doch noch atmend, ein „Für das Volk der Ratten flüsternd, zu Boden.
In den ersten Reihen des Zuschauerraumes entsteht ein Tumult, das provinzielle Establishment aufgeschreckt durch die Vorgänge im linken Seitengang und einige höchste provinzielle Beamte, Ressortchefs und Amtsdirektoren, Primare und Wirtschaftskapitäne versperren den Abenteurern den Weg und Brenin nimmt sogleich den Kampf mit diesen auf….kämpft wie ein Wolf noch niemals gekämpft hat und wohl niemals mehr kämpfen wird….während der Siebenschläferin Malin sich die Gattinen des Wirtschafts- und Kaufleute-Adel, samt der noch nie dagewesenen Konstellation mit dem jungen Gemüse, in den Weg stellen und diese verbal miteinander kämpfen….die proletarische Ratte hingegen kämpft mit all den Kriechern, den Schleimern und Apparatschniks und gewinnt schnell, aufgrund ihrer proletarischen Straßenausbildung, die Überhand.
Brenin kämpft mit den Ressortchefs, den Amtsdirektoren, den Primaren und Wirtschaftskapitänen und diese scheinen die Überhand zu gewinnen, kämpfen Brenin zu Boden, doch dieser wehrt sich selbst in jener aussichtslosen Lage, während die Wut der Siebenschläferin Malin ihrer verbalen Schlagkraft ungeahnte Schlagkraft verleiht und die Beleidigungen, die Intrigen, das Gemüse fliegt zwischen den Gattinen, verstärkt durch die jungen Wunderhübschen, hin und her….und hin und her….Salat, Gurken, Tomaten, Zwiebel, Zucchini….es scheint keinen Sieger in diesem Wettstreit geben zu können….die Weiblichkeit triumphiert….der Kampf geht in die Sinnlosigkeit und Absurdität über, bis keiner der beiden Parteien, weder die Gattinen, verstärkt durch die jungen Wunderhübschen, noch auf der anderen Seite die tapfere, aufrichtige Siebenschläferin Malin noch irgendwelche Fronten erkennen kann….aber es muss weiter gestritten werden….
Die proletarische Ratte gewinnt Schlacht um Schlacht und Körper um Körper der Kriecher, Schleimer und Apparatschniks sinken kraftlos zu Boden, während die vier hochmotivierten jungen Männer, verschreckt und erschrocken, auf der Bühne die Flucht ergreifen und die junge Frau und der junge Mann den schlagenden Teil an dem Jungen zu übernehmen versuchen, doch zu gefesselt sich auch diese von den Vorgängen im Zuschauerraum.

Doch dann….doch dann….doch dann geschieht etwas völlig unerwartetes…..der Wolf Brenin welcher am Boden liegt und jeden Moment zu Tode geschlagen zu werden droht, gar nicht mehr zum Husten kommt, so sehr ist dieser außer Atem geraten…..dieser Brenin, dieser Wolf, welcher nicht aufgeben kann und niemals aufgeben wird und trotz aussichtsloser Lage kämpft und kämpft und kämpft, so beginnt sich dieser in Sekundenschnelle zu verwandeln….aus einem einsamen Wolf wird in Sekundenbruchteilen in einer Metamorphose ein Löwe, denn noch nie hat Zeit und Raum ein Lebewesen dermaßen kämpfen gesehen, dermaßen tapfer und der Löwe Brenin brüllt und noch nie hat ein Lebewesen solchermaßen gebrüllt, dass das gesamte provinzielle Establishment im nächsten Augenblick 3 Zentimeter an Körpergröße verliert und die Amtsdirektoren, Primare, Wirtschaftskapitäne und Ressortschef in Panik davonflüchten und die drei Abenteurer stürmen dem Bühnenaufgang entgegen, wo die letzte Hürde in Form der mächtigsten Banker und Wirtschaftsbosse auf diese wartet und der Löwe Brenin stürzt sich auf diese und die Siebenschläferin Malin übernimmt die rechte und die proletarische Ratte die linke Flanke und die Provinzregierung, die Banker und die Wirtschaftsbosse erkennen die Aussichtslosigkeit, erkennen nach wenigen Augenblicken ihre Unterlegenheit und flüchten auf die Bühne hinauf
Von der Seite nähern sich den Abenteuern einige Winkeladvokate und schreien drohend auf die Abenteurer ein: Wir werden euch verklagen!
Doch die proletarische Ratte stellt sich diesen entgegen und schlägt diese mit einem rechten Haken alle gleichzeitig k.o.
Die proletarische Ratte: So, nun könnt ihr euch beklagen!

Das Blatt scheint gewendet und der Löwe Brenin, die Siebenschläferin Malin und die proletarische Ratte stürmen die Bühne hinauf, wo aber noch die letzte Hürde bis zum Jungen steht; die niederträchtigste, hinterhältigste und boshafteste Frontlinie steht direkt auf der Bühne und besteht aus jenen Personen, welche von diesem provinziellen System am meisten profitieren; namentlich einige ProvinzNaziÄrzte, drei, vier durch ihr Leben hindurch vollkommen degenerierte Frauen, die Provinzregierung, einige der allerhöchsten Behördenvertreter und zusammen halten diese die letzte Stellung, versuchen in ihrer bekanntlich unmenschlichen und boshaften Art und Weise die Abenteurer niederzuringen.

Doch diese setzen sich sogleich zur Wehr, nehmen den ungleichen Kampf 3 gegen 30 an und die proletarische Ratte bindet mit ihrem furchterregenden rechten Haken mehrere Landesregierungsmitglieder an sich, welche sich nur mühsam gegen die proletarische Ratte behaupten können, während Malin sich die ProvinzNaziÄrzte vorknöpft und einem nach dem anderen den weißen Kittel vom Leib prügelt, während Brenin, den Überblick bewahrend, die zahllosen hinterhältigen Versuche der Spitze des provinziellen Establishment abwehrt, welche zum Teil feige, zum Teil gemein, zum Teil nur dumpf, brutal und roh durch ihre schiere Übermacht die drei Abenteurer niederringen möchten….doch es bleibt dank Brenin beim möchte.
Ein Provinzregierungsmitglied fällt schwer getroffen zu Boden und sucht samt seiner Frau das Weite; 29 noch und nach einer Minute sind es nur noch 25, welche zäh um die Herrschaft auf dieser Bühne, auf welcher das provinzielle Leben sich abspielt, kämpfen, denn kampflos wollen die Herrschaften nicht von der Bühne abtreten, zu viele Leichen liegen in ihren Kellern, zu groß wäre das Risiko des Machtverlustes….denn was wäre, wenn sich plötzlich irgendjemand außerhalb der Provinz für dieses niederträchtige Verhalten interessieren würde….nein….es wird gekämpft und die proletarische Ratte ringt den Chefarzt der Provinz nieder, welcher die neben ihm stehende Volksanwältin um Gnade anbettelt, aber der Chefarzt ist an die falsche Person geraten, Gnade gibt es nur für die Toten, diese Worte muss er sich von der Volksanwältin anhören, bevor er unter den Schlägen der proletarischen Ratte dass erste Mal in seinem Leben so etwas wie ein Gewissen, so etwas wie Empathie in seinem Geist verspürt und somit sogleich bewußtlos zusammenbricht.
Auch der oberste Sicherheitsbeamte verspürt in den gleichen Sekunden dieses seltsame Gefühl in seinem Geist, zum ersten Mal ein Verantwortungsgefühl, zum ersten Mal so etwas wie Reflexion, wie Rückbesinnung auf Tugenden, auf Pflichten, auf die Aufgabe, die man sich ja eigentlich, lange bevor man gekauft und verkauft wurde, verspürt hatte….ja ein Hauch von Idealismus, welcher ausreicht, dass der Spitzensicherheitsbeamte sofort das Bewußtsein verliert.

Der Kampf scheint entschieden, immer weniger Gegner lauern auf die drei Abenteurer und trotz vieler Schrammen und verbaler Ausrutscher, scheint der Sieg ihnen sicher….bis ein plötzlicher Knall durch den Saal tönt und die Kontrahenten kurz innehalten, um nach der Ursache des Knalls Ausschau zu halten.
Schreckensstarr werden Brenin und Malin`s Augen, als diese die Ursache des Lärm´s erkennen, denn plötzlich steht hinter dem Jungen, schmerzgepeinigt, der Pfandleiher und fuchtelt mit einer Messer und einer Pistole in seiner Hand herum.
Pfandleiher: Ruhe jetzt, ansonsten schneide ich dem Jungen, so wie dieser es sich verdient hat und mir werden sicherlich alle Bananenliebhaber zustimmen, wie ein Schwein die Kehle durch!
Der hochmotivierteste junge Mann aus der Provinz und die wunderschöne 18-jährige kreischen ein „Stich sie ab….stich sie ab die schwule Sau!“
Malin: Nein….tue es nicht!
Pfandleiher: Warum nicht….was soll mir auch passieren….ich bin reich….also immer unschuldig, egal was ich tue….oder etwa nicht?
Einige Sicherheitsbeamte nicken mit ihrem Kopf beipflichtend.
Malin: Nein!
Pfandleiher: Du beginnst dich zu wiederholen….es ist nunmal der Reiche, der Vermögende, der Mächtige der allerzeiten gewinnt und nicht der Arme, der Machtlose….immerzu
Malin: Lasst uns verhandeln!
Pfandleiher: Was habt ihr überhaupt hier zu suchen? Was wollt ihr?
Malin: Den Jungen
Pfandleiher: Ahhjaa….ich habe es ja gewusst….mein Geschäftssinn hat mich noch nie betrogen
Malin: Wir wollen nur den Jungen
Pfandleiher: Und was bietet ihr im Gegenzug dafür?
Brenin: Was wollt ihr?
Pfandleiher: Alles
Brenin: Was ist alles?
Pfandleiher: Eure Leben
Malin: Unsere Leben?
Pfandleiher: Wir wollen hier in der Provinz Ruhe….in Ruhe unsere Niedertracht ausbreiten, unsere Boshaftigkeit ausüben und darüber eine schöne Oberfläche malen, in welcher alle denken glücklich zu sein haben….wo doch überall nur vertuscht und verpfuscht wird
Brenin: Malin?
Malin: Brenin?
Die proletarische Ratte: Und mich fragt natürlich niemand
Brenin: Ich bin dazu bereit
Malin: Ich bin dazu bereit
Brenin: Wenn dem Jungen nichts passiert
Pfandleiher: Ihr habt mein Wort….dem Jungen wird kein Haar gekrümmt
Die proletarische Ratte: Also gut….auf in das nächste Leben
Pfandleiher: Dann steht unser Teufelspakt?
Brenin, Malin und die proletarische Ratte lassen ihre Pfoten sinken und werden sofort von der Spitze des provinziellen Establishment überwältigt.
Als einige von diesen auf die drei Abenteurer einzuschlagen beginnen….
Pfandleiher: Schlagt sie nicht! Lasst sie in Ruhe!
Die Spitze des provinziellen Establishment fesselt die drei Abenteurer.
Pfandleiher: Somit hat wieder einmal die Gerechtigkeit gesiegt
Beistimmendes Nicken von den Anwesenden.
Pfandleiher: Und was habe ich kurz zuvor gesagt….?.
Die Anwesenden zucken mit ihren Schultern.
Malin: Miesepeter
Brenin: Dafür wirst du büßen!
Pfandleiher: Wohl kaum
Das provinzielle Establishment (schreiend): Tod! Tod! Tod!
Pfandleiher: Ich werde euch einem nach dem anderen töten….sehr langsam und sehr schmerzhaft wird es sein….damit ich damit alle zukünftigen Versuche, das provinzielle Establishment anzugreifen, diese unsere heilige Harmonie zu stören, im Vorhinein vereitle….also bringt mir diese Ratte hierher….
Die proletarische Ratte: Ich heiße die proletarische Ratte
Pfandleiher: In wenigen Augenblicken wirst du nur noch die tote Ratte heißen
Die Spitzen des provinziellen Establishment schleppen die proletarische Ratte zu dem Pfandleiher, welcher diesen den Jungen übergibt.
Pfandleiher: Passt auf ihn auf….der Junge ist der Nächste
Malin: Was für ein Ungeheuer?
Brenin: So kann es einfach nicht ausgehen
Pfandleiher: Und….wohin seid ihr nun gekommen mit eurem Gutem….mit eurem Mitgefühl….mit eurer Empathie….mit eurer Mitmenschlichkeit….die debile Masse wird Menschen wie mir immerzu folgen….die debile Masse wird immerzu dem Establishment folgen….und sagt ihnen sie sollen sterben, dann werden sie für uns sterben, obwohl wir sie nur ausgenutzt und geknechtet haben….und wem werden die schönsten Töchter geschenkt….uns….nur uns….uns gehört die Welt und nicht diesen gefühlsdusseligen Gutmenschen, welche sich aufopfern….ja für was denn….für einen Jungen, wie es ihn zu hundertausenden in jeder Millionenstadt gibt….hundertausende Male und ihr opfert euch für einen….für einen von diesen auf….nein….wir, das Establishment werden immerzu gewinnen….denn alles gehört uns….die Geschichte….wer sie schreibt….wie sie im Nachhinein berichtet wird….alles gehört uns….die Geschichte….wir sind die Geschichte….die Gewinner und nicht solche Verlierer wie ihr….wir schreiben sie und niemand wird sich an euch erinnern können, denn nur an uns…wie gut wir waren….wie sorgenvoll und besorgt….denn unsere Lüge ist eure Wahrheit….versteht dass oder ihr werdet sterben….ach ja, ihr werdet nunmehr ja sowieso sterben….aber alles….alles gehört uns….die öffentliche Meinung….wie ein Blatt im Wind ist diese öffentliche Meinung beeinflußbar….wie Playmobil-Figuren verschieben wir der Menschen-Schicksale….und alle sind uns zugewogen….alle wollen so werden wie wir….skrupellos, gewissenlos, erfolgreich….reich und mächtig….und erst die Frauen….und erst die Frauen….ihr habt überhaupt keine Ahnung was Macht bedeutet….keine Ahnung….und dann stark sein und alle belügen und alle betrügen….dass macht uns noch stärker….denn uns gehört die Provinz….denn alles gehört uns….die Hotels, die Straßen, die Restaurants….alle hängen von uns ab….alle….alles gehört uns und damit all dies so bleibt müsst ihr sterben….denn alle wollen dass es so bleibt, denn alle sind auf unserer Seite….auf der Gewinnerseite und ihr seid alleine auf der Verliererseite….denn alle sind auf unsere Seite….dafür müssen sie nur unsere Zeitung lesen und schon denken sie so wie wir….und schon sind sie so wie wir….denn sie verstehen nicht und wollen nicht verstehen und somit war euer Opfer ein Opfer ohne Wert….morgen wird sich niemand mehr daran erinnern….niemand mehr…..denn wir entscheiden….wir schreiben die Geschichte zu Ende hier und jetzt!
Der Pfandleihe setzt die Waffe an die Schläfe der proletarischen Ratte.
Die proletarische Ratte (mit stolzerfüllten Augen): Für das Volk der Ratten
Pfandleiher: Wir schreiben eure Geschichte hier und jetzt zu Ende.
Der Pfandleiher entsichert seine Waffe und ist drauf und dran die Waffe abzudrücken….aber der Finger krümmt sich einfach nicht und und und krümmt sich einfach nicht….
….
Es ertönt ein Husten.
Jedlicher Ton im Theater erstirbt in Sekundenschnelle.
Stille.
Ein erneutes Husten von den billigsten Zuschauerplätzen im hinteren Teil des Theaters.
Stille.
Nach einem erneuten Husten erheben sich von ihren Sitzplätzen der Tod und die Unendlichkeit
Pfandleiher: Wer wagt es diese Hinrichtung zu stören?
Der Tod und die Unendlichkeit eilen den Seitengang hinunter und steigen die Bühne hinauf.
Pfandleiher: Also, sie besitzen die Unverfrorenheit mich zu stören
Die Unendlichkeit: Ja und wir besitzen nicht nur dass
Pfandleiher: Wer seid ihr?
Der Tod: Der Tod
Die Unendlichkeit: Und die Unendlichkeit
Pfandleiher: Und?
Der Tod: Erstens….wann und wo diese Geschichte zu Ende ist, bestimmt der Tod, wo der Tod doch mittlerweile herausgefunden hat, dass der Zweifel der Beginn dieser Geschichte ist…..und nicht die Unendlichkeit….zweitens….also zweitens….
Die Unendlichkeit: Dass mit dem Jungen
Der Tod: Muss dass wirklich sein Unendlichkeit
Die Unendlichkeit: Ja
Der Tod: Also gut….nur dieses eine Mal und nie mehr wieder?
Die Unendlichkeit: Nur diese eine Mal
Der Tod: Dass wird ja langsam zur Gewohnheit diese eine Mal
Die Unendlichkeit: Also
Der Tod schnippt mit seinen Klauen und der Pfandleiher fällt tot um.
Sofort bricht, angesichts der erstmaligen Erkenntnis des dermaßen überlegen fühlenden provinziellen Establishment, dass das Leben ja vielleicht endlich sein könnte, dass man trotz totaler Macht, totalem Reichtum und totaler Möglichkeiten, dem Tod vielleicht ja doch hilflos ausgeliefert ist und vielleicht doch am Ende sogar etwas mit all der debilen Masse, den Machtlosen und Armen teil….nämlich die Angst…..es bricht Panik aus.
Der Tod: Nun gut….wenigstens dass funktioniert noch
Die Unendlichkeit: Woher kommt dieser Lärm?
Von den Seitengängen stürmt die letzte Reserve des provinziellen Establishment herbei, namentlich eine Gruppe von schwerbewaffneten Sicherheitsbeamten, begleitet von einer an die 100-Köpfe zählenden Horde, welche bestialische Geräusche von sich gebend, sich dem Tod und der Unendlichkeit nähern.
Diese an die 100-Köpfe zählende Horde besteht aus den ehrgeizigsten jungen erfolgreichen Männern aus der Provinz, einigen römischen Hooligans, einigen hochgebildeten Bananen schwingende Italiener, einige, welche in ihrer Vulgarität und Brutalität die Speerspitze eines neuen Tiefpunkt des Menschheitsgeschlecht darstellen und zwei Dutzend ProvinzNaziÄrzte, welche nicht glauben wollen, dass es eine gute Tat auf dieser Welt auch geben könnte.
Die Unendlichkeit: Um diese Bestien kümmere ich mich
Die schwerbewaffneten Sicherheitsbehörden, welche andauernd ihre MP´s abdrücken wollen, aber es diesen aus welchen Gründen auch immer nicht gelingt, welche Geräusche von sich geben, welche wie „Porco“, „Frocio“ und „Pazzo“ klingen, begleitet von einigen ihnen hörigen Zivilisten, erinnern in ihrem Gehabe und Getue weniger an Menschen, denn Kreaturen, welche das Wort Intelligenz gegen ein Fußballspiel, zwei weibliche Brüste und einem Spiel namens Superenalotto getauscht haben.
Die Unendlichkeit wendet sich diesem letzten Aufgebot der Provinz hinzu, welches wahrlich nicht für die menschlichen Qualitäten der Provinz spricht und lässt eine Wolke der Dunkelhheit nicht nur über diese, denn auch über die anderen hochqualifizierten Unmenschen der Provinz herunterfallen, so dass diese blind in dieser Dunkelheit, welche die Unendlichkeit nur aus derem innersten Gedankentum, ihrer Unmenschlichkeit, ihrer totalen Überlegenheit und Rohheit und Brutalität geformt hat, also die Dunkelheit deren Seins über diese herabsinkt und diese angesichts all dieser Grausamkeit, Rohheit und Brutalität die Augen verschließen und erblinden und blind durch das Theater irren, während das restliche provinzielle Establishment wie von allen guten Sinnen verlassen, sich gegenseitig tottrampelnd, sich gegenseitig niederschlagend, auf bekanntlich zivilisierte, provinzielle Weise, das Theater verlassen und gleich als allererstes in die von ihnen selbst aufgestellten Minenfelder hineinlaufen, um den Schmerz kennenzulernen, welchen diese andauernd ihren Mitmenschen als etwas Gutes verkaufen.

Epilog

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März 27, 2010

Schönes Land, böse Leute

Vorwort:
….einstecken….und austeilen….
….ich schreibe den Text in der 1.Fassung, ohne diesen zu überarbeiten; es ist also eine rudimentäre Sprache….eine provinzielle Sprache….
….ich benutze aus Zeit- und Arbeitsgründen Kürzel und schreibe die Namen nicht voll aus….
Disclaimer:
The Events, Characters And Firms Depicted In This Fragment Are Fictitious; Any Similarity To Actual Persons; Living Or Dead; Or To Actual Firms; Is Purely Coincidental.

1.Szene Im Redaktionsraum

Personen:
Der Chefredakteur (C.)
Die Assistentin (A.)
Redakteur 1 (R1) Stellvertreter des Chefredakteur
Redakteur 2 (R2)
Redakteur 3 (R3) Leiter der Kulturredaktion
Der Star Reporter (S.)
Redakteur 4 (R4)
Redakteur 5 (R5) ….zuständig für die Konkurrenz….
Redakteur 6 (R6)
Redakteur 7 (G.) der italienische Redakteur
Praktikant 1 (P1)
Praktikant 2 (P2)

Im Redaktionsraum einer provinziellen Zeitung haben sich um einen großen Konferenztisch einige Redakteure versammelt und gehen, während diese auf den Chefredakteur warten, verschiedenlichsten Aktivitäten, nach.
Nach kurzer Zeit betretet der Chefredakteur in Begleitung einer überaus hübschen Assistentin den Redaktionsraum.

C.(zu der Assistentin sprechend): Was zählt und als einziges zählt und nur; dass sind die Mäuse; schließlich sind wir ein provinzielles Käseblatt und müssen unseren vermodernden Käse als das frischeste Produkt an diese Heerschar von Mäusen verkaufen
A.(in einen Notizblock schreibend): Ja Chef, ich habe es notiert….Mäuse und Menschen….
C.: Nicht Mäuse und Menschen….Käse und Mäuse
A.: Käse und Mäuse Chef
C.: Schließlich sind wir und damit meine ich mich, die einzige Zeitung auf der gesamten Welt….folgen sie mir?
A(in einen Notizblock schreibend):….auf der gesamten Welt….
C.: ….welche sich die größte und wichtigste Partei einer Provinz wie ein Schoßhündchen hält
A.(in einen Notizblock schreibend): Eine Partei, ein Käse, eine Maus….
C.: Lagsam beginnen sie mich zu verstehen….wie war ihr Name nocheinmal Fräulein?
A.: Ich heiße Agatha Devote
C.: Und ihr Familienname ist wirklich „Devote“?
A.: Ja, warum?
C.: Sehr schöner Familienname
Der Chefredakteur tretet an den Konferenztisch heran, räuspert sich und die Gespräche verstummen.
Die anwesenden Redakteure wenden ihre Aufmerksamkeit dem Chefredakteur hinzu.
C.: Guten Morgen Schlafmützen!
Die Redakteure: Guten Morgen Chef!
C.: Aufwachen!
Der Chefredakteur und seine Assistentin setzen sich an das Ende des Konferenztisches.
C.: Also sehr verehrte Redaktionskollegen….irgendwelche privaten Bonmots?
R1: Die Tochter einer Freundin ist gestern zum dritten Mal bei der Volksschulprüfung durchgefallen
Ein verhaltenes Gelächter ist aus den Reihen der Redakteure zu vernehmen.
C.: Und was möchte diese Tochter einer Freundin später einmal werden?
R.: Dass ist es ja….nachdem sie zum dritten Mal bei der Volksschulprüfung durchgefallen ist, tätigte sie die Aussage….jetzt werde ich Chefredakteurin
Der Chefredakteur räuspert sich und blickt dann zum Oberboden des Redaktionsraum hinauf.
C.: Wohin man auch blickt, was man auch hört….man hört nichts Gutes….man erblickt nichts Schönes….
R1: Chef?
C.: Es ist ein Jammertal….das Leben….
R1: Chef!
C.: Redakteur 1
R1: Die Kleine fragte mich, ob sie nicht für einen Tag Chefredakteurin sein könnte?
Ein verhaltenes Gelächter ist aus den Reihen der Redakteure zu vernehmen.
C.: An meiner Stelle?
R1: An ihrer Stelle
C.: Sagen sie dem Mädchen, wenn es ihr gelingen sollte, auch ein viertes Mal bei der Volksschulprüfung durchzufallen, dann kann sie einen Tag lang, meinen Platz einnehmen
R1: Dass wird sie mit Sicherheit motivieren
C.: Dann ist gut
R5: Viel zu gut
C.: Ich finde eure unerträgliche Arroganz sehr inspirierend
R3: Dass war noch gar nichts
C.: Sie leiten doch das Kulturressort….Redakteur 3?
R3: Ja Chef
C.: Wieviele Frauen haben sie dieses Monat schon….sie wissen schon….
R3 (sich umblickend): Wer….ich?
C.: Sie leiten doch die Kultur
R3: Der wievielte des Monats ist heute?
C.: Heute ist der….der….Devote Aghata?
A.: Heute ist der….der….
R2: Der 7.te des Monats
R4: Nein, der 6.te des Monats
R6: Der 8.te des Monats
R5: Der 5.te des Monats
C.: Also hat keiner in diesen illustren Runde auch nur die geringste Ahnung der wievielte des Monats heute ist?
A.: Der 8.te des Monats
C.: Wo ist unser Star Reporter?
Der Star Reporter hebt seine Hand und räuspert sich.
C.: Da ist er ja….unser Star Reporter
S.: Chef?
C.: Ich habe einen Auftrag für sie
S.: Für wenn denn auch sonst?
C.: Ich möchte, dass sie in die Innenstadt gehen und sich umhören….finden sie heraus, welcher Tag des Monats heute ist
S.: Dass ist alles?
C.: Benutzen sie ihren Verstand
S.: Den was soll ich benutzen?
C.: Machen sie sich an die Arbeit Star Reporter
Der Star Reporter erhebt sich von seinem Sitzplatz am Konferenztisch und geht mühseligen Schrittes zur Ausgangstür des Konferenzraum.
C.: Einen Moment noch Star Reporter!
Der Star Reporter wendet sich dem Chefredakteur hinzu.
C.: Wenn sie schon nach den Monatstag fragen….so fragen sie doch bitte auch nach dem Monat und dem Jahr….recherchieren sie dass für uns….
S.: Ist dass dann alles Chef?
C.: So ist es Star Reporter
Der Star Reporter verlässt mit hängendem Kopf die Redaktion.
C.: Also….wo waren wir stehengeblieben Agatha „Devote“?
A(auf ihren Notizblock blickend): Bei….bei….bei der Kultur
C.: Ahja….die Kultur….also Redakteur 3….wieviele?
R3: Zwischen 4 und 5 Frauen
C.: Zwischen 4 und 5 Frauen?
R3: Eine war zickig
C.: Aber sie haben
R3: Ja Chef….trotzdem…..trotzdem Chef
C.: Redakteur 3….so strengen sie sich doch gefälligst etwas mehr an….und langeweilen sie mich nicht mit einer Zicke….sie sind immerhin der Leiter des Kulturressorts und somit allmächtig….wie war dass mit der Zicke?
R3: Kurzweilig
C.: Sehr, sehr gut R3….nur so oberflächlich, frauenverachtend, materialistisch, snobistisch und arrogant weitermachen….dass ist die Kultur die wir hier in der Provinz brauchen….machen sie nur so weiter, dann werden sie noch unser….unser….Agatha Devote?
A(vom Notizblock aufblickend): Unser….unser Frauenflüsterer?
C.: Genau….Flüsterer….Frau….Niedertracht….was wäre dass nur für eine Schlagzeile….der Frauenflüsterer
Verträumt blickt der Chefredakteur zum Oberboden des Konferenzraum hinauf.
C.: Was man auch erlebt….was man auch erkennt….man erlebt und erkennt trotzdem nichts….
A.: Chef?
C.: Nicht jetzt
Der Chefredakteur blickt weiterhin verträumt zum Oberboden des Konferenzraum hinauf.
Unter den anwesenden Redakteuren bricht ein unterdrücktes Gemurmel los.
A.(leise flüsternd): Chef?
C.: Devote Agatha?
A.: Die Sitzung
C:(von seiner Verträumtheit sich lösend): Ach ja….die Sitzung….wir sind hier ja nicht beim Springer-Verlag und können nicht den gesamten Tag Frauen vom Typus Katherina Blum….nun ja….ihr wisst schon was….also was liegt an?
A.(flüsternd): Die Konkurrenz
C.: Welche Konkurrenz?
A.: Die zwei anderen Provinz-Zeitungen
C.: Wollen sie mich beleidigen?
A.: Nein Chef
C.: Warum tun sie es dann?
A.: Ich….ich….entschuldigen sie Chef
C.(verträumt): Devot….Devote….Devoten….
A.: Wie bitte Chef?
C.: Es gibt in der Provinz nur uns
A.: Ja Chef
C.: Also….Redakteur 5….
R5: Chef?
C.: Was schreibt die Konkurrenz, die keiner kennt und niemand liest?
R5(sich räuspernd): Chef….die eine Zeitung hat als morgigen Leitartikel diese Geschichte mit dem umgestürzten Pappbecher im Dorf Y.
C (R5 unterbrechend): Und warum haben wir….(schreiend)….warum haben wir nicht diese Geschichte als Exklusivgeschichte!
R5: Es handelt sich um einen Pappbecher Chef….also….
C.: Nun sagen sie schon Redakteur 5
R5: Der Pappbecher wollte nur mit der Konkurrenz sprechen
C.: Achja….der Pappbecher wollte also nur mit der Konkurrenz sprechen, die keiner kennt und niemand liest….
R5: Ja Chef
C.: Devote Agatha….notieren sie….in Zukunft werden alle….unterstreichen sie alle….also alle Pappbecher von unserer Berichterstattung ausgeklammert, ausgegrenzt und ignoriert….mit Verachtung und Missachtung bestraft….kein Wort, keine Zeile, kein gar nichts mehr über diese Pappbecher….
R5: So wie wir mit den provinziellen Arbeitnehmern verfahren sind
C.: Agatha….notieren sie….so wie wir mit den provinziellen Arbeitssklaven umgesprungen sind
A.(notierend): Wie mit den Arbeitsnehmern
C.: Devote Agatha?
A.: Ja Chef
C.: Gebrauchen sie in meiner Nähe nie wieder dieses Schimpfwort….dieses Unwort namens Arbeitnehmer
A.: Ja Chef
C.: Diese Arbeitnehmer haben und waren und werden in einer Qualitätszeitung wie der unsrigen nichts zu suchen
A.: Was soll ich suchen Chef?
C.: Ihren Verstand….ihren Verstand Devote Agatha!
A.: Welchen Verstand?
C.: Sagen sie in Zukunft nur noch Arbeitssklaven….in unserer modernen Dienstleistungsgesellschaft sollte man sich doch ein Wort wie Arbeitssklave leisten können
A.: Sie haben wie immer Recht Chef
C.: Und die andere Zeitung, welche keiner kennt und niemand liest Redakteur 5?
R5: Die andere Zeitung hat morgen als Leitartikel einen Artikel über den Verein „Zur Pflege und Erhaltung der Denkmäler“
C.: Der Verein „Zur Pflege und Erhaltung der Denkmäler“?
R5: So heißt der Verein
C.: Mitglieder?
R5: Pensionisten
C.: Devote Agatha….notieren sie….keine Artikel, keine Zeile, keinen Absatz, keinen Buchstaben mehr über die Pensionisten….
R5(den Chefredakteur unterbrechend): Chef?
C.: Redakteur 5
R5: Der Verein hat nur 4 Mitglieder
C.: Streichen sie den letzten Satz Devote Agatha….dieser Denkmalpflegerverein….
R5: Schließlich muss hier in der Provinz der Sorge Rechnung getragen werden, dass es einigen Steinen besser geht, als den Menschen
C.: Sehr guter Ansatz Redakteur 5
R5: Schließlich geht es immerhin um noble Steine und nicht um dreckige Menschen
C.: Redakteur 6?
R6: Chef?
C.: Schreiben sie doch einen kurzen Artikel über diesen ominösen Verein….das Übliche….wer, wo, was, wie, warum, wann….mit einer deftigen Prise Ignoranz und Überheblichkeit gewürzt
R6: Etwas Chilli für die Pensionisten
C.: Redakteur 6
R6: Ja Chef
C.: Spielen sie eigentlich in diesem Sportverein, welcher Millionen an Landesgeldern jedes Jahr verschlingt, noch mit?
R6: Die des Kapitän Chef
C.: Und der Frau und den Kindern?
R6: Den Kindern geht es gut
C.: Und der Frau?
R6: Ist schon wieder im Krankenhaus
C.: Bei den ProvinzNaziÄrzten?
R6: Ja Chef
C.: Und warum?
R6: Ich habe sie wiedereinmal verprügelt
C.: Weswegen?
R6: Ich war schlecht gelaunt
C.: Guter Grund….aber bei den ProvinzNaziÄrzten?
R6: Vielleicht gelingt es den ProvinzNaziÄrzten meine Frau diesmal zu heilen
C.: Von was zu heilen?
R6: Es kann doch nicht sein, dass ich meine Frau jede Woche verprügeln muss….meine Frau muss sich ihre Schuld eingestehen und die Prügel als wesentlichen Bestandteil unserer Ehe akzeptieren….
C.: Und die Behörden?
R6: Die Behörden….dass ist ein Problem von meiner Frau und nicht ein Problem, welches die Behörden auch nur im Geringsten bekümmern sollte
C.: Die Behörden….nunja….im Glashaus sitzend, sollten sie nicht mit Steinen werfen….
R6: Außerdem bin ich der Kapitän
C.: Keine Angst, dass die Konkurrenz, die keiner kennt und niemand liest einen Artikel darüber veröffentlichen könnten….als Kapitän der Mannschaft sind sie schließlich an einer exponierten Stelle der Gesellschaft tätig
R6: Dass sind Verrückte….keine Selbstmörder
C.: Sehr gut Redakteur 6….weiterprügeln….war es dass dann Redakeur 5?
R5: Da wäre noch ein Artikel in einer deutschen Zeitung….über sie Chef
C.: Eine Lobhuldigung….oder?
R5: So ist es Chef
C.: Und was schreiben die deutschen Waffenbrüder?
R5: Ich zitiere….das Genie dieses Zeitungsmacher ist im deutschsprachigen Raum beispiellos und sollte allen angehenden Journalisten als leuchtendes Beispiel dienen….seine Blattführung wirkt auf das altbackende deutsche Zeitungswesen wie eine Revolution….bedingungslose Hingabe an das Großkapital, billigster Populismus für das Volk, Indoktrination und Manipulation der Massen; Ablenkung….
C. (R5 unterbrechend): Sehr schön Redakteur 5….lesen sie weiter
R5: ….durch seinen unermüdlichen Einsatz für das Gegenteil von Pluralität wurde er zu einem verdienten Verfechter einer Pressefreiheit, welche ihre Betonung auf Presse und das Wort Freiheit gänzlich vermissen läßt….so sorgte er unter anderem dafür, dass es in der Provinz eine blühende Medienvielfalt und eine besonders große Meinungsfreiheit wie ansonsten wohl niergendwo auf dieser Welt vorzufinden ist….
Die anwesenden Redakteure erheben sich spontan von ihren Sitzplätzen und applaudieren ihrem Chefredakteur.
C.: Danke….danke werte Kollegen
R6: Der Artikel wurde von 5 deutschen Chefredakteuren unterzeichnet
C.: Devote Agatha?
A.: Chef?
C.: Notieren sie….den Frauen der 5 Chefredakteure….einer jeden ein Blumenmeer und jeweils einen Gutschein….ach was sage ich….zwei Gutscheine für jeweils eine Woche im Luxus-Wellness-Hotel hier in der Provinz
A.(in den Notizblock schreibend): ….im Luxus-Wellness Hotel hier in der Provinz Chef….
C.: Also nun gut….die Konkurrenz hat angesichts unserer Übermacht wieder einmal keine Themen für ihre morgige Ausgabe….die haben nämlich wir; also ich….und nun möchte ich ihre Vorschläge für die morgige Ausgabe unserer Zeitung erfahren
R1: Chef?
C.: Redakteur 1?
R1: Es gebe da noch etwas zu besprechen
C.: Was R1?
R1: Ich bin vergangenes Monat 3x mal nach New York geflogen und die Buchhaltung weigert sich, die angefallenen Spesen von nur 50.000 Euro als Aufwandtsentschädigung zu verbuchen
C.: Was haben sie denn in New York gemacht?
R1: Recherchiert
C.: Und was haben sie recherchiert Redakteur 1?
R1: Über einige Schuhe für meine Frau….über einige Spielsachen für meine Kinder…..über die Appartmentsmieten für meine Freunde….über einige Schmuckstücke für meine eine Freundin….über einige neue Kosmetikaprodukte für meine andere Freundin….über….
C.(R1 unterbrechend): Wissen sie was R1?
R1: Nein
C.: Ihre unerträgliche Arroganz inspiriert mich
R1: Danke Chef
C.: Ich werde mit der Buchhaltung sprechen und diese Pedanten zurechtweisen….Devote Agatha, erinnern sie mich morgen vormittag daran….
A.(in den Notizblock schreibend): Schon notiert Chef
R1: Wissen sie Chef….es ist doch solchermaßen, dass diese unerträgliche Arroganz uns erst zu etwas wirklich Besonderen macht, uns von den durchschnittlichen Menschen unterscheidet….wir, die Journalisten….die Universitätsprofessoren, die ProvinzNaziÄrzte, die Diplomaten, die Mächtigen, die Reichen….die jungen, wunderschönen Frauen….es geht doch zuallerst darum sich all diesen Nächsten überlegen zu fühlen….besser zu sein….was für ein Gefühl ist es doch den Nächsten spüren zu lassen, dass er bzw. sie vor unsereins zu kriechen und zu kuschen hat….zu unsereins devot….entschuldigen sie meine Wortwahl Agatha….also devot zu unsereins aufzublicken….beobachten sie doch all die Frauen….ist der Materialismus eine Religion….ich habe bisher noch keine Frau kennengelernt, welche sich dieser unerträglichen Arroganz entziehen konnte….sie werden davon wie magisch angezogen….oder Redakteur 3?
R3: Auf so eine Frage antworte ich nicht
R1: Bis zuletzt den Snob heraushängen lassen….sehr erfolgreich wie wir wissen Redakteur 3….aber was ich sagen wollte….es ist doch eine Gnade des Lebens, dass sich diese wunderschönen Geschöpfe mit uns abgeben dürfen
R3: Ja, eine Gnade ist wohl als Wort noch untertrieben
C.: Redakteur 1!
R1: Chef?
C.: Wenn sie sich weiterhin so erfolgreich äußern, dann werde ich sie noch befördern
R1: Noch mehr Luxus?
C.: Ja
R1: Eine Beförderung wäre doch schon längst überfällig
C.: Nur weiter so Redakteur 1
R1: Eigentlich sollte ich dieses Unternehmen leiten
C.: Redakteur 1?
R1: Und ein paar Hübsche einstellen
C.: Redakteur 1!
R1: Ein paar Hübsche für die Politiker
C.: Redakteur 1!!
R1: Die Niedertracht so richtig breittreten
C.: Redakteur 1!!
R1: Dann würde ich mit diesen Arbeitnehmern mal so richtig aufräumen
C.: Es reicht Redakteur 1!
R1: Sie sind der Chef….noch….
C.: Also….der Leitartikel und die Themen der morgigen Ausgabe und ich möchte dem anmerken…..es muss in diesem Leitartikel, in diesen Themen unsere unerträgliche Arroganz durchscheinen….also der Blattlinie folgen….
R3: Ich hätte da eine Idee
C.: Raus mit der Sprache!
R3: Aus dem Raum?
C.: Welche Redakteur 3?
R3: Kann sich jemand der hier Anwesenden an diese eine Geschichte erinnern, als vor ungefähr einem halben Jahr in diesem einem Kinderheim ein Feuer ausgebrochen war und dabei ein Kind qualvoll ums Leben gekommen ist?
Die Redakteure verneinen.
C.: Und dass ist hier in der Provinz passiert Redakteur 3?
R3: Ja Chef
C.: Und wir haben darüber berichtet?
R3: Ja, es gab ein, zwei Artikel in unserer Qualitätszeitung….danach wurde der Mantel des Schweigens über diesen bedauerlichen Unglücksfall gelegt; schließlich handelte es sich bei diesem Kind, dass sein Leben auf so tragische Weise verloren hatte, um ein Kind aus der Unterschicht und nicht um ein fettes, reiches, träges, selbstzufriedenes und arrogantes Kind aus der Oberschicht….
Der Chefredakteur atmet erleichtert aus.
R4: Im zweiten Fall hätte es dann wohl eine stündliche Sonderausgabe gegeben….
R3: Und wie dass in der Provinz so üblich ist, war und ist natürlich niemand verantwortlich….außer vielleicht das Opfer….
C.: Also ich kann mich an diesen konkreten Fall, welchen sie Redakteur 3 hier anführen, nicht erinnern….jemand von ihnen?
Die Redakteure verneinen.
R3: Meine Idee ist nun jene, dass die Zeitung einen dreiseitigen Artikel über den verantwortlichen Chef dieses Kinderheim bringt….einen Artikel in welchem beschrieben wird, wie erfolgreich, wie gut, wie aufopferungsvoll jener Chef dieses Kinderheim leitet
C.: Interessant
R3: Im Artikel wird natürlich mit keinem Wort dieser Unglücksfall erwähnt werden
C.: Welchen sowieso schon alle vergessen haben
R2: Und als allererstes haben diesen Fall die reichen, fetten, trägen und selbstzufriedenen Kinder aus der Oberschicht vergessen….
R3: So ist es Redakteur 2….aber es geht noch besser….dadurch dass wir den Chef jenes Kinderheimes zu einem Vorbild machen, können wir unsere Vernetzung, Einbindung und Einflußmöglichkeiten auf und im provinziellen Netzwerk zwischen Politikern, Behörden, Wirtschaft und Medien, also uns, ausbauen und stärken
C.: Wie dass?
R3: Der Chef des Kinderheim ist mit einer der höchsten provinziellen Behördenvertreterinnen verheiratet
C.: Nein?
R3: Doch!
C.: Noch so eine Beamtin, die berufliches und privates nicht voneinander trennen kann?
R3: Welcher provinzielle Behördenvertreter kann dass schon….und somit wird es nicht nur keine Kritik geben, denn es wird sichergestellt, dass alles nach dem üblichen Muster der provinziellen Reichen und Mächtigen abläuft….diesem Netzwerk zur Vertuschung, Unterdrückung und Irreführung des Volkes
C.: Als ob die Volksanwältin sprechen würde
R3: Dass ist jetzt aber zuviel der Ehre
C.: An ihrer Indifferenz, ihrem herablassenden Tonfall, dem von oben hinunterblicken, müssen sie in dieser Hinsicht wohl noch etwas arbeiten
R3: Damit ich vielleicht irgendwann die Niedertracht und die Verkommenheit der Volksanwältin erreiche?
C.: Es liegt noch viel Arbeit vor ihnen Redakteur 3
R3: Also wenn wir diese hohe Behördenvertreterin, so wie all ihrer Kollegen, welche uns schon zuarbeiten, auf unsere Seite ziehen, als inoffizielle Quelle gewinnen; als IM; also so ähnlich wie es bereits in der Staatsanwaltschaft geschehen ist und uns diese heikle, geheime und gemeine, private Schmutzgeschichten; Internas; Akten von uns ungenehmen Personen zuspielen….dass wäre doch….dass wäre doch….
R1: Illegal?
R2: Verrat von Amtsgeheimnissen?
R6: Ein Straftatbestand?
R5: Für die Behörden kontraproduktiv?
R4: Korruption?
R1: Ein Gefälligkeitenaustausch?
C.: Ach wo….Redakteur 3….dass wäre fantastisch….wir können uns doch alles erlauben, schließlich sind wir weltweit die einzige Zeitung, welche sich eine Partei wie ein Schoßhündchen hält!
R6: Sie sind der Chef Chef
R3: Und Chef der Chefs….wenn ich an die Blattlinie unserer Zeitung denke….dass von der unerträglichen Arroganz, dann könnten wir doch dem Artikel ein schönes Foto beifügen, auf welchem sie, der Chefredakteur; ich, als verantwortlicher Redakteur und der Chef des Kinderheim vor dem Grab des Kindes in die Kamera lächeln….um unsere unerträgliche Arroganz wahrlich unerträglich werden zu lassen….Chef?
C.(auf den Oberboden blickend): Ich überlege….
Der Chefredakteur blickt verträumt zum Oberboden des Redaktionsraum hinauf.
C.(verträumt): Was man auch tut, was man auch möchte….man tut das Falsche….man erreicht nichts….
R3: Chef?
C.(verträumt): Das Leben ist ein Jammertal
R3: Chef!
C.: Jubel, Trubel, Traurigkeit
A.: Chef!
C.: Agatha Devote?
A.: Die Sitzung Chef!
C(von seiner Verträumtheit sich lösend): Redakteur 3?
R3: Niemand wird irgendwelche Verbindung herstellen können
C.: Dass weiß ich doch Redakteur 3….was gestern in der Zeitung zu lesen war, ist bereits gestern vergessen worden….
R3: Ich habe mich auch schon umgehört….einige Schuldirektoren würden beim Erscheinen des Artikel ihre wichtige Arbeit für einige Tage ruhe lassen….
R2: Aus Protest?
R3: Aus Solidarität mit dem Chef des Kinderheim und um damit erstens zu zeigen, wie wertlos ihnen das Leben eines Kindes ist und um zweitens zu zeigen, dass sie die Guten sind
R1: Die Guten?
R3: Ja, die Guten
R4: Gegen diese Guten, sind die Bösen ja beinahe heilig
C.: Redakteur 3….eigentlich….eigentlich….
R3: Ja Chef?
C.: Eigentlich finde ich ihre Idee prima
Ein unterdrücktes Gemurmel unter den Redakteuren.
C.: Denn dass wäre dann, so wie sie Redakteur 3 bereits gesagt haben, eine wahrlich unerträgliche Arroganz
R2: Fast schon auf dem Niveau einiger Provinzpolitiker
C.: Also, dann machen wir, also ich….
R4(den Chef unterbrechend): Aber….aber dass können wir doch nicht machen!
C.: Redakteur 3?
R3: Chef?
C.: Belehren sie Redakteur 4!
R3: Erstens Redakteur 4….erstens….niemand, nicht einmal Gott, widerspricht dem Chefredakteur….zweitens….unsere Blattlinie ist nunmal die unerträgliche Arroganz….drittens….das Foto wird unsere Leserschaft gefallen, den in diesem spiegelt sich ja doch nur das Denken und Fühlen der Menschen in der Provinz wieder
R4: Aber….aber, dass ist doch inhuman!
C.: Inhuman?
R4: Ja….inhuman
C.(verbal explodierend): Inhuman….Inhuman!!….Inhuman ist, dass die Auflage seit 3 Monaten auf allerhöchstem Niveau stagniert….inhuman ist, dass meine Frau ihre Diamanten-Ohrringe verloren hat….inhuman ist, dass der von mir gekaufte und somit in meinem Besitz sich befindliche Wirtschaftsbund und deren Mitglieder mich immer noch nicht zu ihrem Präsidenten gewählt haben….irgendetwas von einem Interessenkonflikt schwafeln….hier in der Provinz gibt es nur mein Interesse und keine Konflikte…..dass Redakteur 4….dass ist inhuman!
R3: Wahrlich inhuman Chef
C.(sich wieder beruhigend): Was für eine ungerechte Welt auch
R3: Also, dann scheint ja hinsichtlich dieser Geschichte alles geklärt zu sein?
C: Redakteur 3, schreiben sie den Artikel, setzen sie sich mit dem Fotografen zusammen und überlegen sie wie man dieses Bild machen könnte…..Agatha Devote?
A(Notizen schreibend): Ja Chef?
C.: Halten sie mir am Nachmittag eine Stunde für diesen Fototermin frei
A.(Notizen schreibend): Chef?
C.: Meine Zeit ist nämlich eine sehr knappe Resource
A.(Notizen schreibend): Chef….ich halte ihnen den Rücken frei!
Der Chefredakteur dreht sich um und blickt um sich….und dreht sich dann wieder dem Konferenztisch hinzu.
C.: Und sie Redakteur 4….das Zeitungsgeschäft ist ein knallhartes Business, in welchem nicht die Delfine, nicht die Wale, nicht die Krebse, nicht die Algen, nicht die Muscheln, ja nicht einmal das Wasser überlebt; denn nur die blutrünstigsten Haie….und sie Redakteur 4….sind sie ein Hai?
R4: Ein Hai?
C.: Wir brauchen hier nur richtige Männer und keine Babystrampel Umweltschutz Kindermemmen, die bei der erstbesten Möglichkeit, dem geringsten aller Anlässe zu flennen beginnen und nach dem Schnuller und er Babyflasche zu schreien beginnen
R4: Ich bin ein Hai Chef!
C.: Bei ihnen handelt es sich wohl um einen vegetarischen Hai?
R4: Wie sie wünschen Chef….ich bin ein vegetarischer Hai!
C.: Also gut Redakteur 4….reißen sie sich gefälligst etwas zusammen!
R4: Dass werde ich Chef….das werde ich Chef
C.: Nachdem dass geklärt ist, möchte ich, dass nicht nur Redakteur 3 meine unterträgliche Arroganz inspiriert….denn auch ihr….ihr Vorschlag Redakteur 4?
R4: Mein….mein Vorschlag?
C.: Wird dass heute noch was?
R4: Mein….mein Vorschlag ist folgender….drei Portraits von den drei Spitzenkandidatinnen der Arbeitnehmer bei den nächsten Provinzwahlen
C.(R4 unterbrechend): Arbeitssklaven!
R4: Ja Chef….entschuldigen sie….der drei Spitzenkandidatinnen der Partei für die Belange der Arbeitssklaven….der Tochter des größten Bauunternehmers; der Tochter des Fabrikbesitzers und der Tochter des Hedge-Fond-Patent-Inhaber….und in diesen 3 Portraits beschreiben wir, wie entbehrungsreich, wie schwierig, wie kämpferisch, wie aufopferungsvoll deren Weg von der obersten sozialen Klasse hin zur Spitzenkandidatur auf Seiten der Arbeit….Arbeit….Arbeitssklaven war
C.: Redakteur 4?
R4: Chef?
C.: Was habe ich zuvor gesagt?
R3: Dass das Leben ein Jammertal ist?
C.(schreiend): Wir sind hier nicht bei der Prawda….sehen sie in diesem Raum irgendwelche Genossen….irgendwelche kommunistischen Funktionäre…..rote Revolutionäre….Geschichtsrevisionisten?
R4(sich umblickend): Nein Chef
C.: Dann benutzen sie gefälligst nicht diese Unwort namens Arbeits….Arbeits….Arbeits
A.: ….nehmer Chef?
C.: Devote Agatha?
A.: Ja Chef?
C.: Züngeln sie ihre Zunge
Der Chefredakteur blickt verträumt zum Oberboden des Redaktionraum hinauf.
C.: Was man auch lernt….was man auch verlernt….man lernt wohl nie aus
A.: Chef…die Arbeitssklaven!
C.: Es ist eine Tragödie, verkleidet als Komödie….das Leben
A.: Chef….die Sitzung!
C.: Redakteur 4
R4: Chef
C.: Dass mit den Spitzenkandidatinnen der Arbeitssklaven ist doch eine alte Kamelle
R4: Aber es würde funktionieren
C.: Kann ich was für diese Wähler?
R4: Vielleicht verstehen die Arbeitssklaven dann irgendwann, dass diese überhaupt keinen gesellschaftlichen Stellenwert, dass diese überhaupt nichts zu melden haben
C.: Ihre Idee trägt den Keim einer unterträglichen Arroganz in sich….ich brauche aber keinen Keim, denn einen ausgewachsenen, in der Blüte seiner Niedertracht stehenden, Baum der Arroganz und Überheblichkeit!
R4: Sie haben wie immer vollkommen recht Chef!
C.: Also dann…weitere Vorschläge?
R1: Ein Kreuzworträtsel, dass man nicht lösen kann?
C.: Interessant….Devote Agatha…haben wir dass nicht schon?
A.(in ihrem Notizblock blätternd): Ja Chef….auf der Kinderseite
R2: Die dritte Seite an ein Unternehmen verkaufen?
C.: Dass haben wir doch auch schon Redakteur 2…dass haben wir doch schon….
R5: Eine Nackte auf der Kinderseite?
C.: Dass skandalisiert doch heutzutage nicht einmal die Kinder mehr
R5: Ich dachte eher an die Mütter
C.: Niemand….aber wirklich niemanden interessieren diese Mütter
R6: Eine Werbekampagne mit den Todesspatzen und ihren weiblichen Fans?
C.: Wir machen eine Zeitung für Lebende….nicht für Scheintote
R6: Ja Chef
C.: Ich möchte etwas Neues von ihnen hören….was sagt denn unser italienische Redaktionskollege….wie heißt unser italienische Redaktionskollege noch einmal….ich kann mir seinen Namen einfach nicht merken….
A.: Dottore….
C.: Ah ja….Dottore….Dottore!
Die Blicke der Redakteure richten sich auf ihren italienischen Redaktionskollegen.
A.: Dottore Giacomo Nonsoniente Chef
C.: Dottore!?
Keine Reaktion vom Dottore Giacomo Nonsoniente.
C.: Dottore Giacomo Nonsoniente!
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Ein Vorschlag für ein Thema Dottore?
Dottore Giacomo Nonsoniente erhebt sich von seinem Sitzplatz, beginnt affenähnliche Geräusche von sich zu geben und beginnt dazu sein Becken in obszöner Weise zu bewegen.
C.: Also dass ist ihr Vorschlag Dottore?
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Unser Giacomo….Dottore….Dottore!….was wollen sie uns mitteilen?
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.(zu seiner Assistentin sich beugend): Unser Dottore…unser Giacomo möchte wiedereinmal einfach alle nur umbringen….oder Dottore?
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Ist gut Dottore Nonsoniente….ist gut….alle umbringen?….einfach alle….sehr guter Vorschlag Dottore
R1: Dass nennt man dann wohl den kalabresischen Reflex
R2: Nachdem es mit dem Schreiben und dem Lesen nicht so gut geklappt hat, nehme ich einmal an
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
Der italienische Redaktionskollege bewegt nun sein Becken in sehr obszöner Weise.
C.: Devote Agatha?
A.: Chef?
C.: Bringen sie doch unserem Dottore eine Banane
A.: Ja Chef
Die Assistentin namens Agatha Devote erhebt sich von ihrem Sitzplatz und geht zur Ausgangstür.
C.: Agatha!?
A.(sich umdrehend): Ja Chef?
C.: Nehmen sie doch besser gleich 2 Bananen mit….eine für unseren Dottore und eine für unseren vegetarischen Hai
Die Assistentin geht ab, kehrt nach kurzer Zeit zurück, reicht Redakteur 4 eine Banane und dem bereits sabbernden Dottore eine Banane und setzt sich dann wieder neben dem Chefredakteur nieder.
Der Chefredakteur blickt derweil verträumt zum Oberboden des Konferenzraum.
C.: Egal was man tut….egal was man möchte….es wird sich nie etwas ändern….
R6: Chef?
C.: Ach….das Leben ist eine Pralinenschachtel….keine Praline schmeckt einem….
R6: Chef!
C.: Ja Redakteur 6
R6: Der Dottore möchte noch etwas sagen
C.: Dottore?
G.: (unverständliches Kauderwelsch mit obszönen Beckenbewegungen)
C.: Also….dieser Vorschlag unseres italienischen Redaktionskollegen war schon gut….aber ich weiß, ihr könnt es besser….also?
R6: Eine Tiergeschichte?
C.: Ein Hund, eine Katze, ein Hamster, ein Hase….nichts rührt des Menschen Herz so sehr, wie eine herzzerbrechende Tiergeschichte
R6: Man könnte in das Tierheim fahren und nach deren Euthanasie-Plänen fragen
R1: Oder einige Straßenköter vergiften
R5: Oder einen Hamster mit einer Katze paaren
C.: Nein….nein….nein….holen sie mir einen Duden Agatha Devote
A.: Ja Chef
Die Assistentin Agatha Devote geht ab, kehrt mit einem Duden zurück und reicht den Duden dem Chefredakteur.
C.: Dreck….Dreck….1. gröberer Schmutz…..2. als Ausdruck des Ärgers oder ärgerlicher Ablehnung….3. Alternative Bezeichnung für das provinzielle Netzwerk bestehend aus….
A.(dem Chefredakteur zuflüsternd): Chef….ich denke, es reicht für heute
C.: Sie denken?
A.(flüsternd): Sie haben ihre Mitarbeiter heute schon genügend motiviert
C.: Ja?
A.(flüsternd): Ja Chef….übertreiben sie es nicht….
C.: Also Redakteure….genug Motivation für heute….und nun….Agatha Devote?
A.: Chef….wir hätten da noch die zwei neuen Praktikanten
C.: Achja….die zwei neuen Praktikanten….wo sind sie?
A.: Dort Chef
C.: Liebe Praktikanten….so setzen sie sich doch zu uns an den Konferenztisch….kommen sie schon
Die beiden Praktikanten setzen sich an den Konferenztisch.
C.: Ihr seid also die beiden neuen Praktikanten….sehr schön….wenn sich ein jeder von euch dann bitte kurz vorstellen könnte….das wäre sehr hilfreich und nett von euch
P1: Ich heiße Tobias Georg Tim David Lukas Hans Reinhold Christian Felix Paul Elias Jan Florian Nick Jason Sebastian Johannes Anton Kevin Kilian Philipp Michael Damian Tristan Ferdinand Emilio Quentin Antonio von und zu Metternich; Sohn des Prinzen von und zu Metternich; größter Grundbesitzer in der Provinz und heimlicher Förderer dieser Zeitung
C.: Und wie soll man sie ansprechen?
P1: Am besten ist man verwendet die Kurzform meines Namens….also Kevin Philipp Reinhold Lukas Damian Quentin Tim Hans Christian Tobias Jan Nick von und zu Metternich
C.: Ich werde sie Praktikant 1 nennen….ist dass für sie in Ordnung?
P1: Wie sie wünschen
C.: Und was erwarten sie sich von diesem Praktikum bei uns?
P1: Ein von und zu erwartet nicht; ein von und zu bekommt
C.: Und wenn sie dann irgendwann groß geworden sind, was wollen sie dann werden?
P1: Kaiser von Österreicht
C.: Sehr schön Praktikant 1 und sie?
P2: Ich heiße Robert Patrizier; Sohn vom Patrizier Reichenberger Hans; Besitzer von 7 Fabriken und Stellvertreter des Chef der Chefs
C.: Des Chef der Chefs?
P2: Jawohl
C.: Nun gut….und ihr beiden seit auch wirklich nur wegen eurer Qualifikationen bei dieser, meiner Qualitätszeitung als Praktikanten unter all diesen Bewerbern ausgewählt worden?
P1: Sicher
P2: Was soll die Frage?
C.: Vergessen sie meine letzte Frage….Praktikant 2, was wollen sie denn, wenn sie einmal groß geworden sind, werden….Großindustrieller?
P2: Woher wissen sie dass?
C.: War nur so eine Vermutung
P2: Der neoliberalste, also erfolgreichste und somit menschenverachtenste Großindustrielle in der Provinz
C.: Mit welchen Produkten?
P2: Zum Beispiel mit einem Softdrink der weltweit verkauft wird, welcher zwar billiger als Wasser sein sollte, denn sich aber trotzdem, aus reinen Marketinggründen, ein Großteil der Menschheit nicht leisten kann
C.: Das Verknappungsprinzip?
P2: Was ist dass?
C.: Keine Ahnung
P2: Keine Ahnung ist das Verknappungsprinzip
C.: Und habt ihr beiden, da ihr euch nun vorgestellt habt und dieses Gespräch von seinem traurigen Beginn an, mitverfolgen konntet, irgendeine Idee, welche zu unserer Blattlinie; jene der unerträglichen Arroganz passen würde….inspiriert mich
P1: Mein Vorschlag
P2 (P1 unterbrechend): Unser Vorschlag ist, dass sie uns freien Spielraum lassen und wir diesen für eine Reihe von Interviews mit den bedeutendsten und wichtigsten Menschen in der Provinz, nutzen werden….und jeden Tag ein Interview in der Zeitung erscheint
P1: Diese wichtigsten und bedeutendsten Menschen in der Provinz werden natürlich von uns ausgesucht; nach reich-objektiven, konservativ-pragmatischen, vermögend-labilen Kriterien
P2: Nur jene, welche dem Reichtum und der Macht zudienlich waren
C.: Also….ich habe heute keine Zeit für ein Interview
P1: Wir arbeiten uns zu ihnen vor
Der Chefredakteur blickt skeptisch um sich.
C.: Junges, hungriges Blut….keiner von euch auf euren Sitzplätzen seit Jahrzehnten dahinfaulenden, trägen, satten und selbstzufriedenen Redakteuren ist auf eine solche Idee gekommen….was haltet ihr Redakteure von dieser Idee?
R1: Das Journalistenhandwerk erlernt….
C.(Redakteur 1 unterbrechend): Redakteur 2!
R2: Meiner Meinung nach….
C.: (Redakteur 2 unterbrechend): Sie haben gefälligst keine eigene Meinung….sie haben meine Meinung….Redakteur 3?
R3: Über was sprechen wir noch einmal?
C.: Redakteur 4?
R4:
C.: Redakteur 4??
R4:
C.: Redakteur 5?
R5: Ich schließe mich der Meinung von Redakteur 3 an
C.: Unser italienischer Redaktionskollege?
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Redakteur 6?
R6: Warum nicht….einen Versuch ist es wohl wert
C.: Ja Redakteur 6….warum nicht….na also unbezahlte und somit unbezahlbar wertvolle Praktikanten
P1+P2: Chef?
C.: Dann machen wir dass so….learning by doing…ich lasse euch beiden angehenden Jungreportern aber nicht allein in diesem kalten und trüben Haifischbecken, denn stelle euch einen im besten Sinne allen Unsinns hochqualifizierten Redakteur zur Seite, welcher euch bei diesem zweifelsohne schwierigen Unterfangen mit seinem Rat und Trost zur Seite stehen wird….einer, welcher auf dem Schlachtfeld des Journalismus die Fahne der Pressefreiheit bis zur letzten Flasche „Jack Daniels“ tapfer hochgehalten hat….
P1: Einen Nobelpreisträger?
C.: Nein
P2: Einen Pulitzer-Preisträger?
C.: Jawohl
R5: Nein Chef….nicht ich
C.: Seien sie unbesorgt Redakteur 5…ich werde euch beiden Praktikanten meinen besten Mann mitgeben
P1: Wir sind geehrt
C.: Dottore!
Die Blicke der Anwesenden richten sich auf Dottore Giacomo Nonsoniente.
C.: Dottore!
Der Dottore Giacomo Nonsoniente erhebt sich von seinem Sitzplatz, gibt ein unverständliches Kauderwelsch von sich und beginnt sein Becken in obszöner Weise kreisen zu lassen.
C.: Unser Dottore….Dottore!….Dottore!!
Der Dottore Giacomo Nonsoniente bewegt sein Becken nun heftiger.
C.: Agatha Devote
A.: Chef?
C.: Vielleicht ist es besser sie bringen dem Dottore noch eine Banane
A.: Ja Chef
Die Assistentin Agatha Devote geht ab.
P1: Und dass ist ihr bester Redakteur?
C.: Wisst ihr was Praktikanten….der Zweifel hat noch jeden guten Journalisten ruiniert….aber….nun dann….Dottore!….also gut….Redakteur 6….sie begleiten die beiden Praktikanten
R6: Nein
C.: Doch
R6: Nein!
C.: Doch
R6: Und warum nicht der Dottore?
C.: Der Dottore erscheint mir in letzter Zeit etwas abgelenkt, ja etwas abwesend zu sein….vielleicht sollte ich ihm, da er schon die Hauptlast der Redaktionsarbeit trägt, nicht auch noch mit der Verantwortung für zwei Praktikanten belasten
R6: Ich verstehe Chef
C.: Dann wäre dann alles für heute…die Sitzung ist hiermit beendet!
Einige Redakteure erheben sich von ihren Sitzplätzen und gehen miteinander sprechend ab.
Die Assistentin reicht dem italienischen Redaktionskollegen noch eine Banane und kehrt dann zum Chefredakteur zurück.
Die beiden Praktikanten verlassen in Begleitung des Redakteur 6 den Redaktionsraum.
Nach kurzer Zeit befinden sich nur noch Redakteur 1, der Chefredakteur und die Assistentin im Redaktionsraum.
C.: Sehen sie Devote Agatha….so macht man es richtig
A.: Ja Chef
C.: Denn ohne uns, das provinzielle Käseblatt wird man nichts in der Provinz
R1: Nicht einmal nichts
C.: Gar nichts
R1: Wir führen und verführen
C.: Wir entscheiden
R1: Und ansonsten niemand
A.: Sie sind der Chef Chef
C.: So ist es….und nun muss ich mich um mein Schoßhündchen kümmern oder besser gesagt, all diesen ehemaligen, wie auch noch im Wartestand, wie auch noch auf der Lohnliste stehenden ehemaligen, ehrenamtlichen und noch aktiven Mitarbeiter dieser meiner Zeitung
A.: Dem Sportverein?
C.: Der Partei!
R1: Also 2/3 der Provinzregierung
C.: Redakteur 1….dass ist inoffiziell und sehr indiskret
R1: Schöne Grüße der Kulturministerin….meiner ehemaligen Assistentin Assistentin
C.: Und den beiden Amtsdirektorinnen diesmal nicht Redakteur 1?
R1: Sehen sie Devote Agatha….die eine 25….die andere 27….und schon Amtsdirektorinnen….die haben so wie sie begonnen….hier in der Zeitung
C.: Ja….ihre Qualifikationen haben diese beiden jungen Frauen bei ihnen und einigen anderen Redakteuren zur Genüge bewiesen
R1: Einen schönen Gruß diesen und ihnen Agatha Devote alles Gute
A.: Danke Redakteur 1
Der Redakteur 1 geht ab.
C.: Kommen sie Devote Agatha….ich zeige ihnen meine Macht
A.: ….ihre Macht….
C.: Kommen sie….kommen sie…..jetzt ist es Zeit die Theorie in die Praxis umzusetzen….kommen sie
A.: Sehr gerne Chef
Der Chefredakteur und die Assistentin gehen ab.

2. „On Tour“

So begeben sich die beiden Praktikanten auf eine Reise durch die Provinz.
Ihr Ziel ist es jeden Tag eine/n der bedeutendsten und wichtigsten Provinzvertreter in seiner „natürlichen“ Umgebung aufzusuchen und mit diesem/dieser dann ein Interview zu führen.
Redakteur 6 verbleibt in der Redaktion und hält von dort aus, den beiden talentierten Jungreportern den Rücken frei.

Personen:
Praktikant 1 (P1)
Praktikant 2 (P2)
Der ProvinzNaziHausArzt (D.)
Der Leonardo da Vinci der Provinz (L.)
Der Chef der prov. Uniformierten (U.)
Redakteur 6 (R.)
Der Baumeister (B.)
Der Dorfpatriarch (D.)
Der Tourismusvisionär (T.)
Der Nützling (N.)

1.Tag In der Arztpraxis

P1: Sehr geehrter ProvinzNaziHausArzt, vielen Dank, dass sie etwas von ihrer wertvollen Zeit für uns erübrigen konnten….
P2: ….und bevor wir mit dem eigentlichen Interview beginnen, möchten wir ihnen beide zur Auszeichnung zum provinziellen NaziArzt des Jahres gratulieren….was ist dass für ein Gefühl für seine Arbeit von der wirtschaftlichen und politischen Elite der Provinz ausgezeichnet zu werden?
D.: Vielen Dank für ihre Glückwünsche und natürlich freut es einen, wenn die Arbeit, die ich geleistet habe, dann auch dementsprechend honoriert wird; die niedrigste persönliche Niedertracht, die Selektion, der Einsatz für einen anständigen, strammen Volkskörper; meine gesammelten Erfahrungen im Bereich der Verleumdung, des Rufmord und der Dummheit….dass sind alles Elemente, welche für einen Arzt heutzutage unabdingbar sind….und ja, es ist gut zu wissen, wenn all diese aufgezählten Elemente, dann zu so viel Anerkennung und Respekt bei den provinziellen Verantwortlichen führen
P1: Und was für ein Gefühl war dass, als kürzlich der Bürgermeister an sie herangetreten ist, um ihnen die städtische Ehrenbürgerschaft anzubieten?
D.: Es war ein erbauendes Gefühl….dem Gefühl einigen Menschen unermeßliches Leid zugefügt zu haben, ziemlich ähnlich….es war die Anerkennung, welche in meiner Sammlung von Auszeichnungen noch gefehlt hat
P1: Wir haben als Vorbereitung zu diesem Interview mit ihrem Bruder im Geiste ein kurzes, aber intensives Gespräch geführt….sie wissen wen wir damit meinen?
D.: Der Verkörperung des niedrigsten menschlichen Abschaum hier in der Provinz?
P2: Dem einen Onkel
D.: Ja, ich verstehe
P1: Dieser sagte uns, dass ihn eine tiefe Seelenverwandtschaft mit ihnen verbinde
D.: Nun ja, hat er wieder einmal zuviel Psychopharmaka geschluckt….aber….aber, dass freut mich natürlich sehr….alles was unserer nazionalsozialistischen, provinziellen, eingeschworenen Gemeinschaft hilft, aus reinster Geldgier, aus niedrigster Verkommenheit, als kompletter Irrsinn, einen alten, wehrlosen Mann ins Grab zu bringen; ist für mich als ProvinzNaziArzt, natürlich gut und nur eine Anmerkung dazu….bezeichnet denn irgendein Provinzler diese Verkörperung des niedrigsten menschlichen Abschaums, als verrückt, wie etwa jene, welche diesen kritisieren….nein….ja dann weiß man ja wo die Güte, die Mitmenschlichkeit, die ärztliche Gnade zu finden ist
P2: Anderes Thema….was möchten sie als altgedienter Arzt jungen, angehenden Ärzten mit auf dem Weg geben?
D.: Dass sie doch meinen, so erfolgreichen, provinziellen Werdegang einschlagen sollen….denn es ist jener Weg, welcher zum Erfolg führt; niederträchtig und menschenverachtend….und blicken sie sich doch in der Provinz um….sehr viele….sehr viele der Provinzmenschen sind auf meiner Seite….also der guten Seite….zeigt dass nicht, dass all diese Menschen von ihrer Geldgier und Boshaftigkeit schon längst zerfressen worden sind?
P1: Kommen wir nun zu den Opfern ihrer ärztlichen „Kunst“
D.: Das Schöne an der Provinz ist doch, dass das Opfer wie ein Täter behandelt wird, dass das Opfer und nicht der Täter von der eingeschworenen, provinziellen Gemeinschaft ausgeschlossen, ignoriert, vergessen und mitsamt seiner Familie sozial geächtet wird….wo würden wir denn schließlich am Ende hingelangen….dass ein Opfer Gerechtigkeit erfährt?!….dass wir hier in der Provinz eine liberale, weltoffene, tolerante Gesellschaft auch noch bekommen….dass möchte hier in der Provinz doch wirklich niemand!
P2: Was war dass für sie befriedigenste Erlebnis bei ihrer Arbeit?
D.: Dass liegt nur kurze Zeit zurück….als ich einer Mutter und ihrem schwerkranken Kind den Krankenschein verweigerte….nicht aus medizinischen oder etwa bürokratischen Gründen; denn aus purer provinzieller Boshaftigkeit und ärztlicher, krimineller Komplizenschaft….wahrlich eine Tat, für welche ich dann Respekt und Solidarität, vor allem von meinen Arztkollegen, erfahren habe
P1: Wir müssen stolz zugeben, wirklich vor einem richtigen ProvinzNaziArzt zu stehen
D.: So ist es und ich hoffe, dass diese von mir verkörperte ärztliche Tradition, nämlich jene, sich wie der niedrigste menschliche Abschaum zu verhalten, hier in der Provinz, auch von den folgenden Generationen beherzigt wird
P2: Was sagen sie zu diesen wenigen, zweifelsohne psychisch kranken, Einzelpersonen in der Provinz, welche ihre Behandlungsmethoden als wenig ziemperlich, als brutal, ja sogar als kriminell bezeichnen?
D.: Diese Ausagen disqualifizieren sich von selbst….dass ist indiskutabel….unter dem Provinz-Niveau….als Mitglied des provinziellen Netzwerk zur Vertuschung, Unterdrückung und Irreführung des Volks, kann ich mir auch sicher sein, die Verantwortlichen in der Provinz hinter mir zu wissen….wir stehen zusammen gegen diese, wie sie sehr richtig gesagt haben, psychisch Kranken und werden mit diesen früher oder später endgültig aufräumen
P1: Also wäre es wohl am Besten diese kranken Einzelpersonen zu ihnen bzw. ihren Kollegen in Behandlung zu zwingen?
D.: Dass wäre natürlich die optimale Lösung….wir, also die ProvinzNaziÄrzte, da bin ich mir ganz sicher, würden diese kranken Einzelpersonen, von ihrer Intelligenz, Aufgeklärtheit, Kritikfähigkeit sehr schnell „heilen“….bis sie kriechen und kuschen und zu uns aufblicken werden
P2: Wir haben auf dem Weg zu ihrer Arztpraxis einige alte, frustrierte Frauen nach deren Meinung über sie gefragt….was glauben sie haben diese frustrierten Frauen geantwortet?
D.: Hoffentlich nichts pathologisches….nein, keine Ahnung, aber sie werden mir es mit sicherlich gleich mitteilen
P1: Diese frustrierten, alten Frauen waren ausnahmslos restlos von ihnen begeistert….ihre Rücksichtslosigkeit, ihr Ruf, ihre „Kunst“, ihre Niedertracht, ihre Behandlungsmethoden….
P2: Wir haben den Eindruck gewonnen, dass diese frustrierten Frauen ihre Ansichten und Vorgangsweisen zu 100% teilen
D.: Somit haben diese frustrierten, alten Frauen verstanden, wie hier in der Provinz das Leben und der Tod funktionieren
P1: Wir sind gänzlich ihrer Meinung und wem es nicht passt, der soll woandershin gehen
P2: Dieser wunderschöne, dumpfe Klang dieser Wörter „und wem es nicht passt, der soll woandershin gehen“
P1: Sehr dumpf
D.: Bevor wir ProvinzNaziÄrzte uns gezwungen sehen, die betreffende Einzelperson zwangseinzuweisen bzw. mit unserer ärztlichen „Kunst“ zu heilen
P1: Ein anderes Thema….was sagen sie als Arzt zur Überbevölkerung auf diesen Planeten?
D.: Dass einzige was dagegen hilft, ist die Selektion
P2: Und was sagen sie zur zunehmenden Islamisierung der westlichen Welt?
D.: Der Speck, gepökeltes Schweinefleisch und Massen-Sterilisation!
P1: Also ein doch eher moderater, ja toleranter Standpunkt?
D.: Welchen sicherlich ein Großteil meiner Kollegen teilen
P2: Und die Ausländerproblematik hier in der Provinz?
D.: Die Neger, die Diebe, die Albaner, die Zigeuner, die Sozialschmarotzer, die Arbeitslosen, die Armen, die Asiaten, die Yugos….all diese Fremden haben hier in der Provinz nichts verloren
P1: Was schlagen sie als Lösungsansatz vor?
D.: In Umerziehungslager….dieses ausländische Gesindel an einen Punkt konzentrieren und dann…..ruck und zuck….und ruck und zuck….
P2: Wie vereinbaren sie diese letzte Aussage mit dem hippokratischen Eid?
D.: Dieser gilt, wie sie vielleicht nicht wissen, für die ProvinzNaziÄrzte nicht
P1: Und warum?
D.: Der internationale Ärzteverband; also dieser Verein von Demokraten, Amerikanern, Menschenrechtlern, Juden, Drogensüchtigen, Liberalen und Fremden, hat uns ProvinzNaziÄrzte aus dem internationalen Stand der Mediziner ausgeschlossen
P2: Genug dazu….glauben sie an Gott?
D.: Ich glaube an mich….also dem Gott in Weiß….somit glaube ich dann wohl auch an Gott
P1: Was sind ihre Pläne für die Zukunft?
D.: Ein Projekt, welches den Ruf und die dringend notwendige Anerkennung der deutschen Naziärzte, welche zwischen 1933 und 1945 „geheilt“ haben, wieder herzustellen versucht….diese deutschen Naziärzte haben es verdient, dass nach so langer Zeit und so vielen Lügen, ihr Ruf wiederhergestellt und diese die so lange ausgebliebene, Anerkennung, erfahren….denn es waren gute Ärzte….wahrlich gute Ärzte
P2: Ein Unterfangen bei welchem sie sicherlich mit großen Rückhalt unter den Verantwortlichen in der Provinz rechnen können
D.: Bei diesem Projekt werde ich von einer Reihe angehender ProvinzNaziÄrzte unterstützt; außerdem hat sowohl die Stadt, als auch die Provinz große Geldsummen für dieses Projekt zur Verfügung gestellt….auch aus Österreich haben wir in dieser Hinsicht nur Positives, also Monetäres, gehört….somit wird dieses Projekt von allen Seiten massiv unterstützt
P1: So werden sie mit diesem Projekt zur Rehabilitierung der deutschen NaziÄrzte wohl endgültig zu einem der wichtigsten und bedeutendsten Provinzmenschen werden?
D.: Dass ist nicht mein Antrieb….meine Motivation ist zu zeigen, dass man mit der Boshaftigkeit, der Niedertracht und der Gemeinheit hier in der Provinz alles erreichen kann
P2: Sehr gut, sehr gut Herr ProvinzNaziHausArzt
P1: Zum Abschluß noch einige persönliche Fragen
P2: Dass letzte Buch, dass sie gelesen haben?
D.: „Mein Kampf“ von Adolf Hitler
P1: Ihre Lieblingsfarbe?
D.: Schwarz
P2: Ihr größter Traum?
D.: Eine negerfreie Welt!
P1: Ihr Vorbild?
D.: Dr. Mängele
P2: Ihr Lieblingsgericht?
D.: Schweinefleisch
P1: Ihr schönster Urlaub?
D.: 1988 in Südafrika, um vor Ort das Apartheid-Regime zu unterstützen
P2: Ein Schlußwort für unsere Leser
D.: Es lebe der Tod!
P1: Sehr geehrter Herr ProvinzNaziHausArzt wir bedanken uns bei ihnen für dieses Gespräch

2. Tag Im Atelier

P1: Sehr geehrter Leonardo da Vinci der Provinz, vielen Dank, dass sie etwas von ihrer wertvollen Zeit für dieses Interview erübrigen konnten
P2: ….und lassen sie uns gleich mit der ersten Frage beginnen
P1: Sind sie der Meinung, dass sie, nachdem sie im vergangenen Monat diese so erfolgreich verlaufende große Einzelausstellung im Dorf Y. hatten, dass sie damit nun den internationalen Durchbruch als provinzieller Künstler geschafft haben?
L.: Wissen sie, wenn man so wie ich hier in der Provinz von einem Gartenzaun bis zum nächsten Gartenzaun und von diesem wiederum bis zum nächsten Gartenzaun einer der wenigen anerkannten, respektierten und verehrten Provinzkünstler ist; dann fühlt man sich schon ein wenig wie ein Weltstar
P2: Ihre Kunstwerke brechen in letzter Zeit alle Verkaufsrekorde; so erreicht ihr Gemäldezyklus „Dorfleben“ aus dem Jahre 2008 den Rekordpreis von 50,79 Euro brutto bei einer Benefizgala zugunsten „Der rückwärtsgewandten Tradition“. Beeinflußt dieser riesige komerzielle Erfolg ihr künstlerisches Schaffen?
L.: Nein; da es sich bei meinen Bildern um keine Marketingprodukte, denn um unterdurchschnittliche, also provinzielle Kunst, handelt
P1: Der Verlauf ihrer Karriere als Künstler liest sich wie ein Who`s is who der internationalen Kunstszene….die provinzielle Kulturministerin, der Dorfwirt, die deutsche Touristin, der einheimische Alkoholiker-Club, der Waldaufseher, der Bergsteiger….ist dieser internationale Kontext prägend für ihre Kunst?
L.: Meine Kunstwerke entstehen im engen Rahmen eines streng konservativen, auf jedliche Einflüsse der Moderne verzichtenden, traditionsbewußten provinziellen Weltbildes, welches, dass zeigt auch der Erfolg meiner Kunstwerke, von einem Großteil der provinziellen Bevölkerung geteilt wird….es ist somit eine provinzielle Kunst für ein provinzielles Publikum
P2: Einige irrgeleitete, der perversen Moderne verfallende Kunstkritiker werfen ihnen künstlerische Naivität vor
L.: Nein, dass ist falsch….meine Kunstwerke sind nicht naiv, wenn, dann kann man von einer bis zu einem bestimmten Grad vorhandenden Debilität sprechen
P1: Es ist allgemein bekannt, dass sie sich sehr um den Nachwuchs bemühen und diesen mit ihren internationalen Kontakten vernetzen
L.: Das Begrenzende, das Beengende, das Debile, das Dörflich-Konservative, das Einfache, das Dilletantische, das „die Welt klein und handlich machen“; das Unkomplizierte, also das Natürliche; welches bei meiner Kunst im Vordergrund steht und somit ein prägendes Merkmal der provinziellen Kunst ist….diese Merkmale möchte ich auch den nachwachsenden Künstlern nahelegen; damit diese Merkmale auch von diesen für eine artgerechte, provinzielle Kunst auch in Zukunft verwendet werden
P2: Uns ist aufgefallen, dass sie in ihrem künstlerischem Schaffen auf jedliche Provokation verzichten und sich mit ihren Kunstwerken eher an das provinzielle Establishment anbiedern….kann man somit also ihr künstlerisches Schaffen als eine, den Reichen und Mächtigen der Provinz, gefällige Kunst bezeichnen?
L.: Ich denke im Gegensatz zu ihnen, dass meine Kunst schon provoziert….nämlich jene, die eine provokative, also somit überflüssige Kunst sozusagen produzieren….ich bin nunmal ein gekaufter Teil des Establishment und als solcher erschaffe ich meine Kunstwerke im Sinne der Reichen und Mächtigen in der Provinz
P1: Also handelt es sich bei ihnen um keinen unkoventionellen Bohemian?
L.: Ein jeder Künstler hat seine wilde Zeit….meine wilde Zeit verbrachte ich im Kloster….also nein, als Bohemian kann man mich dann, trotz meines zeitweise exessiven Alkohol- und Frauenkonsums, nicht bezeichnen….vielleicht als rückwärtsgewandten Avantgardisten
P2: Apropos Frauen….man hört und entschuldigen sie diese Indiskretion, dass sie selten mit einer Frau länger als einige Monate zusammen sind….
L.: Ich halte es mit den Frauen, wie eines meiner großen Vorbilder, nämlich dem Österreicher U. Jürgens….keine über 40….keine länger als ein, zwei Monate….mit jedem Jahr, dass man älter wird, muss die Frau an meiner Seite 2 Jahre jünger werden….denn somit ist zumindest in dieser Hinsicht für Abwechslung gesorgt
P1: Pattayanische Verhältnisse also bei ihnen, wie bei ihrem Vorbild?
L.: Diese vollkommene moralische Degeneration passt doch gut zu solch erzkonservativen, unpolitischen und gefälligen Künstlern wie mir….
P2: Die Doppelmoral der Konservativen?
L.: Ich würde nicht von einer Doppelmoral sprechen, denn von einer Dutzendmoral
P1: Wechseln wir das Thema….welche Künstler bzw. Menschen haben den größten Einfluß auf ihren künstlerischen Werdegang gehabt?
L.: Der Dorfmetzger, der Dorfpolizist, der Dorftrottel, der Dorflehrer, der Dorfarzt, die Dorfhexe und natürlich in besonderem Ausmaß der Dorfpatriarch
P2: Kommt vom Einfluß dieser Personen die unübersehbare internationale Note in ihrem künstlerischem Werk?
L.: Dass kann durchaus sein, denn die Welt ist doch ein Dorf und das Städtische ist doch nur verwerfliche Dekadenz, zügelloses Treiben und Tun; haltloses Gequassel und inhaltsleere, oberflächiges Einerlei
P1: Wir haben uns als Teil unserer Vorbereitung zu diesem Gespräch unter den Menschen in der Provinz umgehört….
P2: Was glauben sie, denken die Menschen in der Provinz von ihnen?
L.: Dass sie sich ein Kunstwerk von mir wünschen, sich ein solches aber finanziell nicht leisten können?
P1: Einige behaupten sie seien der größte Provinzkünstler der Provinz
P2: Andere wiederum sagten, dass sie sich in ihren unkritischen, unpolitischen, langweiligen und debilen Kunstwerken wiedererkennen könnten
P1: Viele lobten ihren konservativen, gefälligen, sich den Reichen und Mächtigen der Provinz anbiedernden, untertänigen, künstlerischen Stil
L.: Denn was, sage ich, ist die Funktion der Kunst heutzutage….dem Volk auf`s Maul zu schauen und diesem dann eine reinzuhauen….nein….die Funktion der Kunst ist es, den vom Honig des Luxus, der Marmelade der Überheblichkeit verschmierten Mund der Reichen und Mächtigen mit gefälligen Kunstwerken zu einem entzückendem Lächeln zu verführen….dass ist die Funktion der Kunst heutzutage….
P2: Sie betonten mehrmals den einfachen Charakter ihrer künstlerischen Werke. Warum?
L.: Meine Kunst soll von allen verstanden werden….ob es sich dabei um einen 4 Monate alten Säugling oder einem senilen Tattergreis handelt, ist egal, denn diese sollen verstehen, um was es mir in meiner Kunst geht….um die Beschränktheit, um die Beengtheit, um das Provinz-Niveau….um die Unterdurchschnittlichkeit also….dem Mittelmaß….
P1: Sie bezeichnen ihre Kunst also ganz bescheiden abwertend als unterdurchschnittlich?
L.: Dass soll nicht abwertend verstanden werden, denn im Sinne der provinziellen Kulturpolitik aufwertend
P2: Apropos kulturelle Kulturpolitik….wie stehen sie zur Förderpolitik der Provinz?
L.: Es gibt die alte provinzielle Regel….um so untalentierter, prätentiöser, unterdurchschnittlicher ein provinzieller Künstler ist, um so mehr wird dieser dann von der Politik und der Wirtschaft, die sich in diesem ja ex-aequo wiederspiegeln, gefördert werden; damit dann vielleicht irgendwann ein unterdurchschnittlicher Künstler daraus wird; also Mittelmaß; also genau so ein Künstler, wie ihn sich das provinzielle Establishment wünscht und vorstellt
P1: In diesem Kontext möchten wir sie um ihre Meinung zu den Kunstskandalen des vergangenen Jahres fragen?
L.: Ist dass Kunst?
P2: Es kam zu öffentlichen Protesten; ja in einem Falle beinahe zu einem Volksaufstand. Glauben sie, aus ihrer Position als Künstler heraus, dass die Menschen hier in der Provinz Nachholbedarf in den Punkten Toleranz und künstlerische Freiheit bzw. Meinungsfreiheit benötigen?
L.: Überhaupt nicht….dass klingt doch alles so belehrend….Kunst, welche in provokativer Weise, zum denken und reflektieren anregt, hat hier in der Provinz nichts zu suchen….wir haben hier unsere verkitschte, beschränkte provinzielle Kunst, welche reißenden Absatz findet und etwas anderes brauchen wir nicht
P2: Provinzielle Kunst, welche zweifelsohne zur Genüge vorhanden ist
L.: Was natürlich dem höheren Zwecke dient, dass meine Kunstwerke wie die warmen Semmeln gekauft werden
P1: Und wie lange wollen sie dem provinziellen Kunstbetrieb, in welchem sie ja eine herausragende Stellung einnhemen, noch erhalten bleiben?
L.: Zumindest so lange bis sichergestellt ist, dass die provinzielle Kunst auch in Zukunft so bleibt, wie diese sein sollte….ursprünglich, konservativ, überbewertet, herablassend, international geächtet und wichtig ist vor allem das die provinzielle Kunst ihr Minimalziel erreicht….nämlich jenes, keine Kunst zu sein
P2: Man kann bei ihnen sofort erkennen, dass man es mit einem bodenständigen Künstler zu tun hat, welcher mit beiden Beinen in den provinziellen Traditionen und Rückwärtsgewandtheit feststeckt
L.: Dass haben sie sehr gut erkannt
P2: Ihre größte Inspirationsquelle haben sie einmal in einem Interview gesagt, sind die Frauen. Wie kann man sich das als Außenstehender vorstellen; Frauen als Konsumgüter zu betrachten und als solche zu behandeln und zu konsumieren?
L.: Die Muse hat viele Gesichter und länger als einige Monate kann kein Künstler in das gleiche Gesicht starren….dass hemmt die Kreativität
P1: Kann man in diesem Falle nicht von einem Riss durch ihr erzkonservatives Weltbild sprechen?
L.: Nein, dass sehe ich nicht solchermaßen
P2: Damit reihen sie sich in eine künstlerische Tradition ein; etwa einem Picasso, welcher um so mehr dieser die Frauen wie Dreck behandelte, um so mehr von diesen geliebt wurde
L.: Wichtig in solch einer Künstlerbeziehung, dass hat uns der 68-er Pöbel gelehrt, ist wer wen wie Dreck behandelt….sie ihn oder wie fast immer er sie….ich habe da klare Prinzipien….er sie….
P1: Entweder-Oder?
L.: Und ich habe mich für das „So ist es“ entschieden
P1: Zum Abschluß dieses Gespräches möchten wir ihnen noch einige persönliche Fragen stellen….ja?
L.: Nur zu
P2: Ihr Lieblingskunstwerk?
L.: Die Kuh von meinem Nachbarn….dem Hinterwäldler Joe
P1: Ihre Lieblingsfarbe?
L.: Schwarz
P2: Dass letzte Buch dass sie gelesen haben?
L.: „Beschimpfungen und Beleidigungen“ von Macchiavelli
P2: Ihr Lieblingsgetränk?
L.: Bloody Mary mit Wein
P1: Ihre Pläne für die Zukunft?
L.: Weniger zu trinken
P2: Wollen sie unseren Lesern zum Abschluß dieses Gespräch noch etwas sagen?
L.: Die wahre Kunst kommt von innen; das Wichtigste aber kommt von außen….nämlich das Geld, das Geld, das Geld….
P1: Vielen Dank für das Gespräch Herr Leonardo da Vinci der Provinz.

3. Tag Im Büro

P1: Sehr geehrter Chef der provinziellen Uniformierten, vielen Dank, dass die etwas von ihrer wertvollen Zeit für dieses Interview erübrigen konnten
P2: Und wir möchten nicht um den heißen Brei herumreden, denn gleich das glühende Eisen anfassen
P1: Und uns somit gleich mit jenem Thema beschäftigen, welches wohl mittlerweile einen Großteil ihrer wertvollen Zeit beansprucht
U.: Diesem einen….oder?
P2: Wie sie ihn bezeichnen, steht ihnen frei; sie können ihn so wie der provinzielle Pöbel bzw. ihre Beamte bezeichnen, also als schwein, porco, frocio, deficente, pazzo, verrückter, drecksau, schwuler …., cretino, stronzo, …., …. und somit die geistige, verbale und menschliche Verrohung des Provinzpöbels und ihrer Beamten unterstreichen oder wir bezeichnen diese Einzelperson einfachheitshalber als den Dichter
U.: Ich respektiere den Dichter, auch wenn der Pöbel deshalb toben wird
P.: Und somit zur ersten Frage….glauben sie, dass es eine gute Idee, der ihnen unterstehenden Männern war, den Dichter jahrelang zu verspotten, zu bedrohen, zu beleidigen, bis hin zum traurigen Höhepunkt im Dezember 2006 und den Dichter dann, von ebendiesen Beamten und einem Großteil ihrer solidarischen Kollegen jahrelang aufgrund der Ereignisse vom Dezember 2006 zu verspotten, auszulachen und zu beleidigen; diesen verrückt und krank zu erklären….man könnte dass durchaus als Versuch sehen, den Dichter absichtlich verrückt zu machen, um mögliche Konsequenzen für die involvierten Beamten zu verhindern….wie sehen sie dass als Chef der provinziellen Uniformierten?
U.: Eine Gegenfrage….sie beide sind doch die Söhne reicher Eltern….oder?
P1: Ich bin der Sohn vom Prinzen von und zu Metternich
P2: Ich bin der Sohn vom Patrizier Reichenberger Hans
Der Chef der provinziellen Uniformierten beugt sich verschwörerisch zu den beiden Jungreportern hin.
U.(augenzwinkernd flüsternd): Dann verstehen wir uns ja
P1: Ja?
P2: So funktioniert dass also
P1: Lassen sie mich die Frage umformulieren….glauben sie nicht, dass erst das Verhalten der Behörden in diesem Fall, zu diesem Klima, dieser Eskalation des Hasses, der Intoleranz und der Niedertracht gegenüber dem Dichter geführt hat
P2: Denn nicht nur wir haben den Eindruck gewonnen, dass z.B. der ungebildete italienische Provinzpöbel, nachdem dieser erkannt hat, dass die Behördenvertreter jenseits jedlicher Verhältnismäßigkeit, jenseits jedlicher Rechtsstaatlichkeit, den Dichter ungestraft mit dem Tod, dem Gefängnis bedrohen, verspotten und auslachen konnten und über diese Drohungen und Beleidigungen dann auch noch spotteten und lachten; dass sich nun dieser ungebildete italienische Pöbel gegenüber dem Dichter in einer Art von rechtsfreiem „Wilden Westen“ alles erlauben können
P1: Und sich dabei ja aufgeführt haben, dass man im Gegensatz dazu, Affen, als eine dem Menschen weit überlegene, als eine hochentwickelte Spezies betrachten muss
P2: Was sagen sie zu diesem Vorwurf?
Der Chef der provinziellen Uniformierten blickt in die Leere des Raumes.
P1: Dazu noch die unrühmliche, an Unmenschlichkeit kaum zu überbietende, Rolle, welche in diesem Fall die Provinzpolitiker gespielt haben
P2: Welche der Dichter in diesem Zusammenhang völlig zu Recht als „Dreck“ bezeichnet hatte
P1: Eine kürzlich vorgenommen Gefahrenanalyse kam zu dem Schluß, dass die größte Gefahr für den Dichter von ihren Beamten und deren neofaschistischen Freunden ausgeht….wussten sie dass?
Der Chef der provinziellen Uniformierten blickt in die Leere des Raumes.
P2: Und dass der Dichter rund um die Uhr vor ihren Beamten, die ja eigentlich für Recht und Ordnung sorgen sollte, und deren Freunden, beschützt werden muss?
P1: Ein in der Geschichte der Menschheit sicherlich beispielloser Fall
P2: Glauben sie nicht, dass durch all diese Drohungen, diesem Spott, diesen Beleidigungen; diesem für verrückt und für krank erklären….diese seit Jahren andauernde kriminellen Machenschaften; dass ihre Behörde damit wesentlich dazu beigetragen hat, aus einem eigentlich nazionalsozialistisch-österreichischen bzw. provinziell-lokalen Problem, ein beinahe globales Problem miterschaffen zu haben?
U.(sich räuspernd): Der Dichter wird eh bald sterben
Einge Sekunden Schweigen.
P1: Und sie sind die Guten!?
U.: Eh be
P2: Diese unglaubliche Hetze, dieser andauernde Rufmord, diese forwährenden Verletzung grunglegenster Menschen- und Bürgerrechte, diese kriminellen, bislang strafrechtlich ungeahndeten, Verstrickungen; diese Drohungen, diese verbrecherische Komplizenschaft zwischen Behördenvertretern und Provinzpolitikern…..die Liste der Vorwürfe und potentieller Anklagepunkte gegen ihre Männer ist schier endlos….
U.: Eh be
P1: Dieser blanke Hass, welcher dem Dichter nun in der Provinz von allen Seiten entgegenschlägt….die politischen Implikationen….die wirtschaftlichen Implikationen….die staatlichen Implikationen….
P2: Es wird also, da man sich in der Provinz befindet, niemand die Verantwortung übernehmen?
U.: Ich möchte sie bitten nicht zu verallgemeinern; es handelt sich alles in allem um etwa 200 Polizisten, welche in diesem Fall verwickelt sind….wobei ich dem anmerken möchte, dass an dem Verspotten aufgrund der Drohungen von unserer Seite zu Weihnachten 2006 sich nur noch einzelne Beamte; also maximal zwischen 40 und 50 Beamte beteiligt haben
P2: Welche dabei massiv vom „Dreck“ unterstützt wurden und werden?
U.: Sie meinen das provinzielle Netzwerk zur Vertuschung, Unterdrückung und Irreführung des Volkes?
P1: Ja?
U.: David gegen Goliath
P2: Und Goliath fällt
U.: Eh be
P1: Und hört gar nicht mehr auf zu fallen
U.: Eh be
P1: Eh be
U.: Dieser Dreck trägt natürlich Mitschuld, auch wenn diese, in ihrer bekanntlich niederträchtigen Art und Weise, andauernd ihre Hände in Unschuld waschen
P2: Es sind also um die 200 bis 300 Beamte betroffen, welche in zweifelsohne krimineller Art und Weise versucht haben den Dichter zu zerstören und dies aufgrund dieses Klima der Rechtslosigkeit, der Konsequenzlosigkeit wohl auch weiterhin versuchen werden
U.: Mit dem für uns doch eher unerwarteten Ergebnis, dass wir Behörden nun zerstört bzw. ruiniert sind
P2: War dass nicht absehbar?
U.: Eh be
P1: Konsequenzen?
U.: Also dem Dichter sollte man….
P1(den Chefuniformierten unterbrechend): Für die Behörden!
U.: Ist dass ein Scherz?
P2: Nein!
U.: Nun gut, die betreffenden Beamten wurden zwangsverpflichtet innerhalb der nächsten 10 Jahre, die ihnen fehlenden 4 Jahre Volksschule nachzuholen….aber bisher hat es trotz großem Einsatz keiner meiner Männer noch bis zu einem Abschluß geschafft
P1: Um dieser schrecklichen Verrohung der Sprache, welche ja vor allem bei den Italienern vorzufinden ist, Einhalt zu gebieten
P2: Man hat den Eindruck, dass viele, dem italienischem Pöbel zuzurechenende Italiener, eine klammheimliche Freude dabei empfinden, wenn sie dem Dichter sagen, dass sie ihn bzw. seinen Vater umbringen werden….dass ihnen diese Aussage eine persönliche Freude bzw. Befriedigung verschafft ?
P1: Mit der von ihnen verursachten Rechtslosigkeit abgesichert
U.: Dieser tragische Komponente bin ich mir durchaus bewußt und ich denke, dass wir Italiener in diesem Fall eine sehr wichtige Entscheidung treffen werden müssen….sind wir Tiere, dann töten wir den Dichter und seinen Vater oder sind wir Menschen…..wir versuchen nun schon seit einiger Zeit mit gutem Beispiel voranzugehen und uns als zivilisierte Menschen zu verhalten
P2: Gilt dass auch für das militärische Personal?
U.: Vor allem für diese….vor allem für diese….aber nach dem in den vergangenen Jahren Vorgefallenem, ist dass natürlich eine von ihrer Schwere und Tragik geprägte Bürde, die wir Italiener nun als Ganzes zu tragen haben
P1: Etwas was mit Sicherheit auch den deutschen Provinzmenschen sehr schwerfällt?
U.: So wird es angesichts deren Niedertracht, deren Boshaftigkeit und deren beinahe unermeßlichen Dummheit wohl sein
P2: Also werden sich die deutschen Provinzbewohner auch sehr schwer damit tun?
U.: Eh be
P1: Wechseln wir das Thema….in der Provinz gibt es ja bekanntlich 3 relativ kleine extremistische Splittergruppen, welche….
U.(Praktikant 1 unterbrechend): Warten sie….
P2: Ja?
U.: Man sollte in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass ein Großteil meiner Beamten, dass genaue Gegenteil der Arbeit ihrer Kollegen betreiben und ihre Arbeit korrekt und sauber erledigen
P1: Was in diesem Fall ja allzuleicht vergessen wird?
U.: Es sind diese Männer und Frauen, welche abseits jedlicher Aufmerksamkeit, in aller Stille, ihre Arbeit erledigen und denen man nicht genügend danken kann
P2: Es ist sicherlich wichtig, dass zu erwähnen….aber zu den 3 extremistischen Splittergruppen in der Provinz…..zum einen die deutschen Nazis; zu anderen die italienischen Faschisten und die größte und gefährlichste dieser drei extremistischen Splittergruppen….Teile des ihnen unterstehenden Behördenapparates
P1: Nicht zu vergessen, dass zwei dieser extremistischen Splittergruppen, nämlich die italienischen Faschisten und Teile der Behördenapparate auf das Allerengste miteinander vernetzt sind
P2: Was sagen sie dazu?
U.: Dass sehr viele meiner Beamten politisch sehr weit rechts bis extrem rechts einzuschätzen sind und dies auch eine der Ursachen ist, weshalb die Geschichte mit dem Dichter dermaßen eskalierte
P1: Welcher ja mit einem seiner Werke dem Faschismus den Krieg erklärt hatte
P2: Eines Faschismus, welchen viele ihrer Beamten und deren Freunde als deren Religion bezeichnen
U.: Wir versuchen ja das Menschenmögliche….wir versuchen gegenzusteuern, indem wir die Beamten in Basiskurse schicken, in welchem diese ein Minimum an Toleranz, Unvoreingenommenheit und Respekt vor ihren Mitmenschen erlernen
P1: Einem Kurs, auf welche man wohl auch gleich sehr viele Provinzmenschen hinschicken könnte?
P2: Wo sie dann alle beide wohl andauernd durchfallen würden
U.: Eh be
P1: Zu ihrer Ehrrettung muss gesagt werden, dass ein Großteil der debilen provinziellen Masse auf ihrer Seite steht
U.: Dass freut mich dann etwas weniger
P2: Und bei all dieser negativen Propaganda für die Behördenvertreter, sollte man doch nicht vergessen, dass ein Großteil ihrer Männer sauber und gut arbeitet
U.: Eine Tatsache, welche durch diesen einen bedauerlichen Fall, etwas getrübt wurde
P1: Bleiben sie bei ihrer Aussage, dass der Dichter sehr bald tot ist und sich somit diese Problem von selbst löst?
P2: Einer Meinung, welche übrigens von der debilen Provinzmasse geteilt wird
P1: Und dem Chef der örtlichen Uniformiertenabteilung
U.: Es ist Teil meiner Arbeit mich schützend vor meine Männer zu stellen, egal was sie getan haben….so ist es nunmal….persönlich….ja persönlich….
P1: Apropos persönlich….können wir ihnen zum Abschluß noch einige persönliche Fragen stellen
U.: Eh be
P2: Das letzte Buch, dass sie gelesen haben?
U.: Die UNO-Menschenrechtscharta….immer und immer wieder….
P1: Ihr Lieblingsfarbe?
U.: Blau
P2: Ihr Lieblingsgetränk?
U.: Wasser
P1: Ihr größter Wunsch an die Zukunft?
U.: Dass Italien wieder Fußballweltmeister wird
P2. Wollen sie unseren Lesern zum Abschluß dieses Gespräch noch etwas sagen?
U.: Auch wenn es allen Provinzbewohnern unglaublich schwerfallen wird, so bitte ich doch alle Provinzbewohner, egal ob deutsch oder italienisch, den Dichter zu respektieren
P1: Vielen Dank für dieses Gespräch

Die beiden Jungreporter gehen ab und der Chef der provinziellen Uniformierten geht zu einem CD-Player und legt eine Musik-CD von Giacomo Puccini ein.
Die Musik beginnt.
Der Chef der provinziellen Uniformierten setzt sich in seinen Sessel und blickt in die Leere des Raumes.
U.: Eh be

Intermezzo

In einer Nobel-Bar

P1: ….und die Brünette dort drüben?
P2: Mit der nur ein paar Mal….die kann ich nicht weiterempfehlen
P1: Und die Kleine neben ihr?
P2: Zwei Monate….dann habe ich dieses kleine Biest für die aparte, pflegeleichte Kellnerin verlassen….und sie?
P1: Die Blondine bei der Tür, die Schwarzhaarige am Tresen, die Schülerin mit den zwei Zöpfen, die Brünette mit der Sonnenbrille, das Mütterchen im Rock dort drüben, die Mulattin bei den Stiegen, das Mädchen, dass vor dem Lokal raucht, die betrunkene Studentin dort drüben unterm Tisch, die Friseurin, die gerade ihren Kaffee trinkt, die alte Dame mit dem Hut, die Geschäftsfrau mit der roten Tasche, die Sportlerin mit dem Vitamdrink vor ihr, die Chinesin beim Fenster, die osteuropäische….
P2 (Praktikant 1 unterbrechend): Fette Beute also?
P1: Fett eher weniger….mehr reiche Beute
P2: Frauen, Drogen, schnelle Autos….dass ist das Leben
P1: Also unser Leben
P2: Wir, die größten Dreckskerle müssen zusammenhalten
P1: Es stehen ja auch alle….die Provinzpolitiker, die Provinzbehörden, das provinzielle Establishment geschlossen hinter einem solchen verkommen Menschentypus wie uns
P2: Nicht jene zu vergessen, welche uns am allermeisten stützen
P1: Unsere Väter?
P2: Nein….die Mädels
P1: Um so mehr man sie ausnutzt und schlecht behandelt….
P2: ….um so mehr wird man von ihnen dann geliebt
P1: Und dann zusammen mit den Mädels all jene auslachen und verspotten, die keine abkriegen
P2: Diese Tunten!
P1: Während unsereins die Mädels, wie andere die Kleidung, wechselt
P2: Und dabei von allen dafür bewundert werden
P1: Von den Behördenvertretern, den Provinzpolitikern….von allen!
P2: Auf uns….die Dreckskerle
P1: Darauf trinken wir
Die beiden Praktikanten genehmigen sich einen großen Schluck aus einem goldverzierten Bierglas.
P1: Nicht das Geld regiert die Welt….die Dummheit regiert die Welt
P2: Geld bedeutet mir nichts
P1: Aber auch nur, da sie zuviel davon haben
Praktikant 2 nimmt einige 500 Euro Scheine aus einer seiner Taschen und zündet diese mit einem Feuerzeug über einem Aschenbecher an.
P2: Praktikant 1, sie verhalten sich ja wie ein Manager und nicht wie ein professioneller Praktikant?
P2: Zumindest habe ich somit das gleiche Verhältnis zum Geld wie die Manager
P1: Dass wird wohl so sein
P2: Von diesem Geld hätte eine italienische Familie 2 Monate lang gut leben können
P1: Und mit dem hier
Der Praktikant 1 nimmt ein Bündel 500 Euro Scheine aus einer seiner Taschen und zündet diese mit einem Feuerzeug über einen Aschenbecher an.
P1: Mit diesem Geld hätten 5 italienische Familien 5 Monate lang gut leben können
Eine Kellnerin tretet an den Tisch, an welchem die beiden Praktikanten sitzen, heran und blickt diese Beiden vorwurfsvoll an.
P1: Wir arbeiten für das provinzielle Käseblatt….also Katze….wär dass was mit uns beiden?
P2: Hier nehmen sie….
Der Praktikant 2 reicht der Kellnerin einen 500 Euro Schein.
P2: ….und suchen sie sich einen richtigen Job….beim Zirkus….in irgendeinem Bordell….
Die Kellnerin geht wütend ab, während die beiden Praktikanten über die Kellnerin lachen.
P1: Immerzu dieser Sozialneid
Der Redakteur 6 betretet das Lokal und geht eiligen Schrittes zu dem Tisch, an welchem die beiden Praktikanten sitzen.
Dort angekommen, knallt der Redakteur eine heutige Ausgabe des provinziellen Käseblattes auf den Tisch.
R.(schreiend): Was soll denn dass?!
Verdattert blicken die beiden Praktikanten zu dem sich nun neben den beiden Praktikanten niedersetzenden Redakteur.
R.(schreiend): Wollt ihr euch über uns lustig machen?!
P1: Wie bitte?
Der Redakteur schlägt mit seiner Faust auf den Tisch.
R.(schreiend): Wer soll denn diese Interviews denn lesen?! Wer soll den diese Fragen und Antworten denn verstehen?! Dass ist doch alles viel zu kompliziert, zu….zu….dass verwirrt doch unsere Stammleser!
P2: Redakteur?
R.(schreiend): Diese Interviews sind eine publizistische Katastrophe oder glaubt ihr etwa, dass auch nur irgendeiner in der Provinz diese Interviews überhaupt versteht?!
P1: Die Interviews?
R.(schreiend): Ihr glaubt wohl ihr arbeitet für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung….nein….ihr arbeitet für dieses, unsere provinzielle Käseblatt und wir brauchen keine ausschweifenden Erklärungsversuche, komplexe Fragestellungen, dieses intellektuelle Gezetere, dass keinen interessiert….wie soll, dass unser naiver, einfacher, unkomplizierter Stammleser denn nur verstehen….ich sage euch wie unser Stammleser dass versteht….als Beleidigung seiner Intelligenz!
P2: Da der Stammleser die Interviews nicht versteht?
R.(schreiend): Woll ihr mir jetzt auch noch frech kommen?
P1: Aber….
R.(schreiend): Aber, nichts da mit einem Aber….wer soll denn all diese Fremdwörter, diese Anspielungen; ja diese Fragen denn nur einmal verstehen….ein erimitierter Universitätsprofessor?….Ihr schreibt für die Mächtigen und Reichen in der Provinz und nicht für irgendwelche perversen, dekadenten, irregeleiteten, intelligenten Menschen….VERSTANDEN!
P2: So beruhigen sie sich doch ein wenig
R.(verbal explodierend): Beruhigen!…..Beruhigen!!….Und dann diese kritischen Fragen; dieses Hinterfragen; dieses Bohren nach Antworten….ja, seids ihr von allen guten Geistern verlassen….wir brauchen und wollen hier in der Provinz keine Kritik, keinen kritischen Ansatz, keine Kultur der unterschiedlichen Meinungen….dieses substanzlose Geschwafel über den Dichter….ja glaubt ihr denn, dass interessiert auch nur irgendjemand von unseren Stammlesern….diese skandalöse Herabwürdigung der provinziellen Kunst….diese Wahrheit über unsere Götter….die Götter in Weiß….ja, wollt ihr denn für das provinzielle Käseblatt schreiben oder gleich die Provinz in Handschellen verlassen….und dann die Behörden….ja, wer sorgt denn dafür, dass die Reichen, Mächtigen und Schönen tun und lassen können wie es ihnen gerade beliebt….was glaubt ihr eigentlich euch erlauben zu dürfen?
P1(kleinlaut): Ich möchte doch nur für das provinzielle Käseblatt schreiben
P2(kleinlaut): Ich auch
R.(schreiend): Dann benützt doch bitte einmal euren Verstand…denkt einmal über unsere Blattlinie….der unerträglichen Arroganz….nach….fällt euch denn nicht dieser riesige Unterschied zwischen der Blattlinie und diesen stümpferhaft geführten Interviews auf….all diese kritischen Fragen….ach, ich könnte euch sofort erwürgen!
Einige Sekunden eisiges Schweigen.
R.(schreiend): Ich möchte keine einzige kritsche Zeile von euch mehr lesen….keine einzige….habt ihr dass ein für alle Mal verstanden?!
P1 (kleinlaut): Ja Chef
R.(schreiend): Und sie Praktikant 2?!
P2 (kleinlaut): Ja Chef
R.(schreiend): Wir sind eine seriöse Zeitung und das letzte was die Zeitung möchte, ist dass 2 nutzlose Praktikanten wie ihr beiden, plötzlich, aus einer kriminellen Laune heraus, Gefallen an der Wahrheit findet….welche, die zugegebenermaßen schreckliche Realität in der Provinz abzubilden versuchen und die Zeitung in all diesen geistigen und menschlichen Schmutz mithineingezogen wird….wir müssen parteiisch bleiben….wir müssen Partei für die Partei ergreifen….wir schreiben für, von, zu, auf, über, unter und nur für die Reichen und Mächtigen in der Provinz….geht dass in eure hohlen Köpfe auch einmal hinein?!….Verstanden!?
P2 (kleinlaut): Ja Chef
P1 (kleinlaut): Ja Chef
R.(schreiend): Erste Regel des Journalismus….niemand möchte die Wahrheit wissen….außer diese ist im ewigen Kampf gegen die Armen und Machtlosen nützlich….zweite Regel des Journalismus….der Optimismus ist….mit eurer voreingenommen, negativen Einstellung, ruiniert ihr ja unseren gesamten Berufsstand….damit seit ihr der Wirtschaft, also dem einzigen was jemals gezählt hat, lästig….dritte Regel des Journalismus….Kritik an den Reichen und Mächtigen in der Provinz….ja, habt ihr jetzt endgültig den Verstand verloren!….ja, habt ihr noch alle Tassen im Schrank!….Wir leben von, zu, für, auf, über, unter und nur für die Reichen und Mächtigen in der Provinz….wiederholt meine Worte….hoch lebe die kleinbürgerliche Idylle!….Los!
P2 (kleinlaut): Hoch lebe die kleinbürgerliche Idylle!
P1 (kleinlaut): Hoch lebe die kleinbürgerliche Idylle!
R.(schreiend): Ich verlange, dass das nächste Interview von positiven Resonanzen erschüttert ist, von optimistischen Fäden durchzogen ist, wie ein Schwamm mit Wasser….damit unsere Stammleser, dieses eure unverständliche, komplexe, intelligente, verworrene Kauderwelsch auch verstehen können!….keine Fremdwörter!….kein Nachbohren!….nix, null, garnichts!
P2(kleinlaut): Ja Chef
P1(kleinlaut): Ja Chef
R(schreiend): Ich schäme mich für euch….
Der Redakteur schlägt auf seinen Kopf ein.
R.(schreiend): Oh, wie ich mich für euch schäme!…..Und wagt es ja nicht noch einmal die Verhältnisse in der Provinz zu kritisieren….dann kastriere ich euch „Á la ProvinzNaziArzt“….VERSTANDEN!
P1(kleinlaut): Ja
P2(kleinlaut): Ja
R.(aufstehend und schreiend): Das nächste Interview ist eure letzte Chance….wenn ihr versagt, seid ihr gefeuert und nun macht euch gefälligst an die Arbeit ihr Schlafmützen!
Wutentbrannt geht der Redakteur ab.
Eisiges Schweigen, welches dann vom Praktikanten 1 gebrochen wird.
P1: ….und die Italienerin beim Zeitungsregal?
P2: Eine fade, schnelle Nummer
P2: ….und diese blutjunge, neue Kellnerin?
P1: Vor einiger Zeit….ja….hat jetzt 3 Freunde….den Besitzer des Lokals….den Pächter des Lokals….und natürlich den Dorfpatriarchen
P2: Damit ist sie wohl dann glücklich
P1: Ich habe Hunger
P2: Lass uns gehen
P1: Wir sollten wiedereinmal in den Gourmet-Tempel um die Ecke
P2: Ja, dass sollten wir
P1: Kellnerin!
Die Kellnerin gelangt zum Tisch hin.
Der Praktikant 2 reicht der Kellnerin einen 500 Euro Schein.
P2: Der Rest ist für die Umschulung
P1: ….zum Zirkuspferd
P2: Ich habe gehört, dass man im Bordell für so eine wie sie, sicherlich eine sinnvollere Verwendung hätte
Die Kellnerin nimmt den 500 Euro Schein, zerreißt diesen und geht wutentbrannt ab.
Die beiden Praktikanten gehen zum Ausgang des Lokals.
P1: Der übliche Sozialneid
P2: Dass werden die Frauen wohl nie verstehen
Die beiden Praktikanten verlassen das Lokal.

4. Tag Auf der Baustelle

P1: Noch mehr als alle anderen verehrter Herr Baumeister, sehr vielen Dank, dass sie etwas von ihrer unendlich wertvollen Zeit für dieses Interview erübrigen konnten
P2: Vielen, vielen Dank
B.: Danke
P1: Bitte
P2: Können wir mit unseren Fragen beginnen?
B.: Nur zu
P1: Ihr neues Bauprojekt stellt nicht nur alle bisherigen provinziellen Bauprojekte in den Schatten; denn übertrifft angesichts der Größe des Projekt; der Anzahl der beteiligten Firmen, der beteiligten Ingenieure alle bisherigen Bauvorhaben in der Geschichte Europas. Sind sie stolz ein solch wichtiges Projekt zu leiten?
B.: Als ich vor kurzem, nach langen Überlegungen, die Leitung über dieses Projekt übernommen habe, da war ich mir der riesigen Verantwortung, welche nun auf meinen Schultern ruhen würde, durchaus bewußt; nichtsdestotrotz erfüllt es mich nun, da ich die Leitung übernommen habe, mit Stolz und einem damit eingehenden Pflichtgefühl, denn ich bin der Überzeugung; dass ein jeder Baumeister, egal wo sich dieser auf dieser Erde auch befindet; von solch einem Projekt träumt und hofft ein solches irgendwann einmal verwirklichen zu können
P2: Als Chef von 80.000 Arbeitern stehen sie nun sicherlich von noch nie dagewesenen, unlösbar anmutenden logistischen Herausforderungen?
B.: Logistische Herausforderungen, von welchen ein jedes einen jeden Tag auf ein Neues gelöst werden muss….aber der Glaube der mich, die Architekten, die Bauingenieure, die Geologen, die Vorarbeiter,…. immer wieder auf eine Neues motiviert, ist natürlich die Tatsache, dass sich mit diesem Bauprojekt das Leben aller Provinzmenschen in dramatischer Art und Weise verbessern wird, auch wenn ich dem anmerken muss, dass diese Verbesserungen im alltäglichen provinziellen Leben erst mit dem Vergehen der Zeit ihre Wirkung in all ihrer Schönheit entfalten werden können
P1: Das Projekt lag ja lange Zeit in den Planungsschubladen und galt als unrealisierbar….
B.: Bis die Zeit dafür reif war
P2: ….und mit dem Baubeginn am 16.02.2009 begann aus einer Provinz-Utopie dann Realität zu werden
B.: Ein ehrfürchtiges Gefühl, ja….ich bekomme immer noch eine Gänsehaut wenn ich daran zurückdenke
P1: Dieses Bauprojekt wird ja aus rein privaten Quellen finanziert. Warum verzichten die Bauherren bei einem so kostspieligem Projekt auf jedliche Beteiligung von amtlichen Stellen bzw. staatlicher Unterstützung?
B.: Dieser, im Vorhinein festgelegter Verzicht auf öffentliche Gelder, war eine der Grundvoraussetzungen für den Beginn der Bauarbeiten….es war den Verantwortlichen ein wichtiger Aspekt dieses Projektes, dass niemand, also kein Politiker, kein Staatsvertreter, keine Behörde, kein ausländischer Investor, keine Lobby, keine Clique in dieses Projekt, irgendwelchen, wie auch immer geartete, Einflußmöglichkeiten besitzen
P2: Bei einem solchen, in dieser Größenordnung noch nie dagewesenen, Megaprojekt sicherlich ein Novum in der Provinz?
B.: Dadurch wurde auf jeden Fall der praktische Aspekt des Vorhabens, also jener Teil, welcher meiner Leitung unterliegt, nicht einfacher….alles und ich betone alles….alles wird doppelt und dreifach geprüft, bis es niet- und nagelfest ist, die Sicherheitsbestimmungen werden auf das Genauestes eingehalten und einer andauernden Kontrolle unterzogen; jeder Baufortschritt wird in vielfacher Ausfertigung dokumentiert; somit versuchen wir die wohl zu erwartenden zahllosen Beanstandungen von amtlicher, wie nichtamtlicher, wie von politischer Seite im vorhinein zu unterbinden….mit dieser Professionalität, mit dieser Präzision und Genauigkeit in allen Aspekten des Bauvorhabens stellt dieses Projekt somit sicherlich ein Novum dar….somit bieten wir dem provinziellen Establishment keine Angriffsfläche, welche ebendieses bei einem solch großen Projekt ohne jedliche Einflußnahme, natürlich andauernd suchen wird….
P1: Um unsere Leser nicht zu verwirren….ein Novum bedeutet wortwörtlich etwas Neues, noch nicht Dagewesenes….aber zurück zu den Fragen….
P2: Was ist das größte Problem auf welches sie im Zuge der bisherigen Bauarbeiten gestoßen sind?
B.: Da wären vor allem zuallerst die technischen Probleme zu benennen
P1: Konkret heißt dass?
B.: Zum einen der provinzielle Boden, welcher sich als noch härter, undurchdringlicher und dickschädeliger erwiesen hat, als angenommen….aber um ein technisches Problem ganz konkret zu benennen; so mussten wir aufgrund der Höhe des Bauprojektes die Einfluschneisen der vier naheliegenden Flughäfen ändern….was uns natürlich nur über den Kauf ebendieser Flughäfen gelingen kann
P2: Die Einflugschneisen der landenden und startenden Flugzeuge….auch ein Novum?
B.: Anfang der 80-er Jahre gab es dass, soweit ich mich erinnern kann, schon einmal….in der Nähe von Korrupistan
P1: Aber alles in allem scheinen die Bauarbeiten zügig voranzugehen?
B.: Auf der Baustelle wird rund um die Uhr gearbeitet….24 Stunden von 24 Stunden; und da sich bei einem solch großen Projekt, wie bereits gesagt, natürgemäß und in in diesem Fall natürlich im besonderen Maße, Protest aus den provinziellen Reihen erhebt, haben alle Beteiligten ein großes Interesse, dass die Bauarbeiten zügig vonanstatten gehen
P2: Gab es schon Störaktionen?
B.: Darüber will und darf ich nicht sprechen
P1: Verständlich….stimmen sie uns zu, wenn wir das Projekt als kleinen Schritt für die Menschheit, aber einen großen Schritt für die Provinz bezeichnen?
B.: Ja, dieses Projekt wird vieles in der Provinz verändern
P2: Das Projekt trägt ja nicht umsonst die Bezeichnung „Die Zukunft der Provinz“?
B.: Eine sehr passende Bezeichnung….dass finde ich zumindest
P2: Und diese Zukunft rückt, dank ihres Fleiß und Arbeitseifer, mit jedem Tag näher
B.: Wir bemühen uns alle unser Bestes zu geben
P1: Das Fundament dieses Bauvorhaben ist, wir wir uns zuvor hier auf der Baustelle selbst überzeugen konnten, nun gelegt….was stellt nun die größte Herausforderun bei diesem Bauprojekt dar?
B.: Wenn das Bauprojekt ersteinmal fertiggestellt ist, wird sicherlich die Bewußtseinmachung bei der provinziellen Bevölkerung, das größte Problem darstellen….wenn die Provinzmenschen ersteinmal realisieren, was natürlich in sehr kleinen Schritten geschehen muss, welche Veränderungen nun in ihrem alltäglichen Leben langsam Realität werden; dass sich mit der Fertigstellung des Projekts sich das Leben in der Provinz grundlegend ändern wird, wird es wohl zu einer kurzfristigen, breiten Ablehnung kommen, welche aber sehr bald in Euphorie und Freudestänzen umschlagen wird
P2: Erklärtes Ziel dieses Projekts namens „Die Zukunft der Provinz“ ist es ja, dass in Zukunft keiner dieser ProvinzNaziÄrzte, keiner dieser selbstherrlichen Provinzkünstler, keine dieser bohaften Frauen; dass weder der deutsche noch der italienische Pöbel, Teile der debilen Masse, jener Anteil an Provinzpolitikern, welche ihre Arbeit hinterhältig und niederträchtig ausführen; jene Behördenvertreter, welche für ihre Arbeit vollständig unqualifiziert sind, diese irren Verwandten, all diese Gutmenschen wie die Schuldirektoren; dass also keiner dieser Genannten mehr einen Platz in der Provinz finden wird
B.: Jenen Platz, welcher diesen durch das riesige Ausmaß des Bauprojektes genommen wird
P1: All diese Genannten haben also keinen Platz, ja keinen Raum mehr in der Zukunft der Provinz und somit in dieser Zukunft der Provinz nichts mehr zu suchen
B.: So ist es
P1: Zu deren Besänftigung man aber sagen muss, dass man diese dafür die Vergangenheit überlässt
B.: Welche diese Personengruppen gerne behalten können, mit all der von ihnen aufgeladenen Schuld, ihrer Boshaftigkeit und Niedertracht
P2: Die Provinz blickt also somit, ohne all diese genannten Personengruppen, in eine wahrlich schönere und bessere Zukunft?
B.: Für diese Genannten gibt es in der Provinz in der Zukunft keinen Platz mehr
P1: Wobei man auch sagen sollte, dass diese Genannten, hinter welchen sehr viele Menschen in der Provinz stehen, dadurch vielleicht einem Lernprozess ausgesetzt werden, welchen ebendiese, angesichts der zukünftigen Toleranz, des Miteinander und nicht wie das bisherige Gegeneinander; des gegenseitigen Respekt und der Toleranz gar nicht….aber wohl auch gar nicht ertragen werden
B.: Heimat, fremde Heimat
P1: Diese Personengruppen werden also emigirieren?
B.: Angesichts der zukünftigen Toleranz, des Respekts, des Miteinanders, der Verurteilung und Ächtung von Geldgier, Selbstbereicherung, krimineller ärztlicher Komplizenschaft und Freunderlwirtschaft; dem Ende der provinziellen Boshaftigkeit, der Niedertracht und der menschlichen Verkommenheit; dem Niedergang des provinziellen Netzwerk zur Vertuschung, Unterdrückung und Irreführung des Volkes, wird wohl all diesen Provinzpolitikern, ProvinzNaziÄrzten, all diesen provinziellen Behördenvertretern, all diesen Provinzkünstlern, diesen irren Verwandten, dem deutschen wie italienischem Pöbel, den boshaften Frauen, Teilen der debilen Masse, wohl nichts anderes übrig bleiben, als zu emigrieren
P2: Es halten sich hartnäckig Gerüchte, dass diese genannten Personengruppen nach Österreich emigrieren werden
P1: Also der Ostmark
B.: Einem Land, wo dann wohl vor allem die irren Verwandten mit offenen Armen begeistert empfangen werden
P2: Der Wiener Zoo hält anscheinend einige tausend Gehege für diesen Ansturm frei
P1: Was dann wohl die Ausnahmesituation Österreichs als geldgieriges Land, dessen Antlitz vom neoliberalen Kapitalismus hin zur Ausbeutung, Knechtung und Entrechtung der Menschlichkeit bereits zerfressen wurd, bestätigen würde
B.: Sehen wird doch den positiven Effekt….somit können all diese provinziellen Behördenvertreter, Politiker, diese irren Verwandten, diese boshaften Frauen, die ProvinzNaziÄrzte, diese „Künstler“ dort mit breiter Unterstützung durch Staat, Gesellschaft und so weiter ihr alltägliches, verderbliches Leben weiterführen
P1: Nächste Frage….was ist ihre ganz persönliche Motivation bei diesem riesigen Bauvorhaben?
B.: Wollen sie dass auch wirklich wissen?
P2: Unsere Leser haben ein Recht darauf davon zu erfahren
B.: Also dann….meine persönliche Motivation bei diesem Projekt ist jene, dass der eine Dichter sich nicht mehr – und verzeihen sie mir meine Wortwahl – mit all diesen „superstronzi“ auseinandersetzen muss; denn sein vorhandenes Talent zum Schreiben von Fragmenten und Gedichten undsoweiter einsetzt, welche die Menschen bereichern, inspirieren, Kraft gibt, Hoffnung schenkt, an etwas glauben lässt, für dass es sich im Leben zu kämpfen lohnt, zu kämpfen lohnt, die Menschen zum nachdenken bringt….wohlgemerkt, nicht die Menschen zu unterhalten oder glücklich zu machen, denn wacher, aufmerksamer, kämpferischer, denn für einen respektvollen Umgang miteinander und nicht gegeneinander….dass all diese „superstronzi“ den Dichter in Ruhe lassen und dieser was Schönes schreibt
P1: Sie möchten also ein weiteres „Unterm Berg“ verhindern?
B.: Verhindern ist das falsche Wort….es muss doch möglich sein, dass der Dichter in Zukunft Rahmenbedingungen vorfindet, welche diesem, nach all diesen Katastrophen der vergangenen Jahre, ermöglicht, dass zu schreiben, was die Menschen bereichert, zum Kämpfen für ein würdevolles Leben bringt….also sein wahres Potential ausspielt….und sich nicht in provinzielle Kleinkriege, in all diese Geschichten mithinunterziehen lässt
P2: Kann man da eine leise Kritik am Dichter heraushören?
B.: Natürlich ist es schwierig….aber für alle ist es schwierig, nicht nur für den Dichter….aber gerade durch diese gigantischen Schwierigkeiten, welche sich beim Dichter auftürmen, gerade daraus kann doch etwas ganz Großes erwachsen
P1: Welches sehr viele bisher mit allen Mitteln zu verhindern versuchten?
B.: Und damit, sie wissen es nicht und werden es vielleicht auch nie wissen, auf ganzer Linie gescheitert sind
P1: Denen sie ja auch mit ihrem riesigen Bauprojekt in Zukunft deren Platz in der Provinz wegnehmen
B.: So ist es
P2: Zum Abschluß noch einige persönliche Fragen
P1: Dürfen wir?
B.: Nur zu
P2: Das letzte Buch, dass sie gelesen haben
B.: Eine Biographie von Jean Paul Getty
P1: Ihre Lieblingsfarbe?
B.: Betongrau
P2: Ihr Lieblingsgetränk?
B.: Moet Chandon
P1: Ihr größter Wunsch an die Zukunft?
B.: Mehr Platz für noch größere Projekte
P2: Noch mehr verehrter Herr Baumeister wir bedanken uns bei ihnen für dieses geistreiche Gespräch

5. Tag Im Rathaus

P1: Noch mehr als alle anderen verehrter Herr Dorfpatriarch, sehr vielen Dank, dass sie etwas von ihrer unendlich wertvollen Zeit für dieses Interview erübrigen konnten
P2: Vielen, vielen Dank
D.: Was soll das Geschleime?
P1: Können wir mit den Fragen beginnen?
D.: Wenn menschenmöglich ja
P2: Sie sind nun mit 55 Jahren als Dorfpatriarch der altgedienteste Dorfpatriarch in der Provinz; der 48.te Stammhalter ihres familiären Stammbaumes….herzlichen Glückwunsch dazu
D.: Danke
P1: Bitte
P2: Hat sich in diesen 55 Jahren an ihrer Stellung im Dorfleben, im Lauf der Dinge und der Menschen irgendetwas verändert?
D.: Nein
P1: Dorfpatriarch kann man ja nicht werden, es gibt keine Ausbildung dafür, man erbt diesen wichtigsten Posten, den man in der Provinz innehaben kann, ja von Generation zu Generation an den Erstgeborenen weiter. Spüren sie in dieser Hinsicht ein besonderes Verantwortungsgefühl gegenüber ihren Vätern?
D.: Nur in jenem Sinne, dass alles so schön, einfach und naiv bleibt, wie es schon immer war und hoffentlich auch immer bleiben wird
P2: Es ist ihnen also ein wichtiges Anliegen, die von ihnen als Dorfpatriarch verkörperte Familientradition hochzuhalten?
D.: Dass sich in den Dörfern in den vergangenen 100 Jahren nichts geändert hat, ist sicherlich auch mein Verdienst und jener meiner Familie
P1: Wofür sie ja von allen Seiten Respekt und Anerkennung ernten. Wie schwierig ist es, gegen diesen Sturm der Moderne anzukämpfen?
D.: Veränderung ist schlecht
P2: Wie kann man sich den Tagesablauf eines Dorfpatriarchen vorstellen?
D.: Die Arbeit beginnt frühmorgens und endet spätnachts….karge Kost, karge Bedingungen….ein karges Leben
P2: Wobei es heutzutage bei all diesen dekadenten Verlockungen doch wohl sehr oft Konflikte, Wirtshausschlägereien und Probleme geben dürfte?
D.: Die gab und wird es immer geben
P2: In ihrer Funktion als Dorfpatriarch sehen sie sich ja gezwungen andauernd in die Leben einer Unzahl von Menschen zu intervenieren. Wie gehen sie da konkret vor?
D.: Von Fall zu Fall und immer sehr subtil und sehr diskret….Ziel ist es, dass der Betroffene bzw. die Betroffene davon nichts mitbekommt bzw. bemerkt….die betreffende Person soll im guten Glauben gelassen werden, dass nur sie selbst entscheidet….
P1: Sehr raffiniert sozusagen?
D.: Am Ende treffen diese betreffenden Personen dann immer meine Entscheidung, von welcher sie glauben, es sei ihre Entscheidung
P2: Es gedeihen und scheitern also der Menschen Schicksale unter ihrer bekanntlich strengen Fuchtel?
D.: Dann kann man durchaus so sehen
P1: Es kommt ja selten, bis nie vor, dass ein Dorfpatriarch in das Licht der Öffentlichkeit findet. Was hat sie dazu bewogen aus dem Schatten des dörflichen Lebens in das Licht zu treten?
D.: Die Müdigkeit, das Alter….ach, ich weiß es nicht
P2: Es haben sich ja, auch wenn sie und die anderen Dorfpatriarchen, es wohl noch nicht bemerkt haben, in den vergangenen Jahrhunderten einiges am Lauf der Dinge, am Lauf der Menschen geändert. Wie gelingt es den Dorfpatriarchen das Dorfleben davon völlig unberrührt zu belassen?
D.: Indem wir als dörfliche Gemeinschaft zusammenstehen und uns gemeinsam in rigider Art und Weise von den Versuchungen der perversen Moderne abschotten
P2: Alle Schotten dicht?
P1: Ihr Wort ist also das Gesetz?
D.: Und alle akzeptieren dies wohlwollend
P2: Wie kann man sich diese Abschottung vorstellen?
D.: Keine assozialen Elemente im Dorf; denn ein von Harmonie, Gruppenzwang und Unterwerfung geprägtes Dorfleben; keine Mitbestimmung, denn die Entscheidungen werden über die Köpfe der Dorfmenschen hinweg gefällt; unser tägliches Brot uns zu erarbeiten; so wie das Um und Auf des Dorfes ist….zu arbeiten, zu arbeiten und zu arbeiten
P1: In letzter Zeit kam es zu einiger medialer Aufruhr, als einige Fälle von Nepotismus und Inzestfälle aufflogen….man sagte, dies sei nur die Spitze des Eisberges
D.: Dass sind die üblichen Verleumdungs- und Rufmordkampagnen der Medien; welche jedlichen konkreten Anhaltspunkt vermissen lassen
P2: Die heile, dörfliche Welt, welche erste Risse bekommt?
D.: Dass sehen aber auch nur sie solchermaßen….ich sage ihnen etwas in aller Offenheit, also in gewohnt ungewöhnlicher, ja undörflicher Weise….Nepotismus und Inzest waren schon immer wesentliche Bestandteile des dörflichen Lebens und niemand hatte jahrhundertelang ein Problem damit….warum also jetzt ein Problem daraus machen….sehen wir das Positive daran….die Dorfbewohner bleiben unter sich und die perverse Moderne außenvor
P1: Es hat sich ja die gesellschaftliche Stellung, die Rolle der Frau in den zurückliegenden 50 Jahren, zumindest in unserer westlichen Wertegemeinschaft, wesentlich geändert….
D.: Hat sich da auch wirklich was verändert?
P2: Ja durchaus, Frauen können nun frei und selbstständig….
D.(Praktikant 2 unterbrechend): Die Frau ist von Natur aus dem Mann untertan und hat sich um die Kinder zu kümmern
P1: Und ansonsten nichts?
D.: Alles andere ist verwerflich, überflüssig und schmutzig; hat im Leben einer Frau nichts zu suchen….wir haben ja bei vielen Frauen gesehen, wohin diese Freiheit führt….Drogen, Proskumität, Wahnsinn, Aufbegehren….nur all diese Drogen….Drogen….diese Drogensüchtigen
P2: Apropos suchen….was haben sie im Leben all dieser Frauen zu suchen?
D.: Als Herr über Leben, Liebe und Schicksal entscheide nunmal ich
P1: Ohne irgendeinen Widerspruch zu dulden
D.: Wo würden wir denn hingelangen, wenn nicht einer für alle entscheiden würde?
P2: Sie entscheiden also was das Beste und das Richtige für die Dorfmenschen ist?
D.: Es hat mir in 55 Jahren noch nie jemand widersprochen
P1: Da alle sie als unfechtbare, unfehlbare Autorität von Geburt an respektieren?
D.: Was sich im dörflichen Leben nie ändern wird
P2: Wegen dem Widerspruch….die dörflichen Menschen sind keine Leibeigenen mehr, auch wenn sie sich solchermaßen behandeln und diese kein Problem damit zu haben scheinen und hätten rein theoretisch einen freien Willen
D.: Einen was?
P2: Einen freien Willen
D.: Noch so ein dekadenter Begriff dieser perversen Moderne….frei war der Wille noch nie und was einer möchte, dass hat einen Dorfpatriarchen nicht zu interessieren
P2: Sie haben also alles in allem ein eher patriarchalisches Weltbild?
D.: Welches von all meinen Dorfmenschen geteilt wird
P1: Sie gelten ja weithin als vielbelesen und vielgereister Mann; trotzdem stehen sie für eine rigide Abschottung der Dorfbewohner von der Außenwelt. Wie kann man sich dies erklären?
D.: Gerade dadurch, dass ich die Welt gesehen und verstanden habe, bin ich für diese Abschottung nach außen hin….für diese einfachen Menschen ist es das Beste sie wissen nichts und glauben der Mittelpunkt der Erde zu sein
P2: Eine Vorgangsweise welche sie für alle treffen
D.: Ich entscheide für alle….ja
P1: Aufklärerische Tendenzen haben also im dörflichen Alltag nichts verloren?
D.: Alles was die Dorfbewohner wissen sollen und können, erfahren sie von mir
P2: Also ein sehr gefilterte Information
P1: Also erfahren die Dorfbewohner nur dass, was sie für diese als Information geeignet erachten, was in ihr Weltbild passt?
D.: Es gibt nur eine Meinung im Dorf….und zwar meine
P1: Eine tolerante, weltoffene Einstellung, Mitspracherechte, ja Mitbestimmung; etwas so Abstraktes wie Kultur sind also nichts für sie, also für die Dorfbewohner?
D.: Nein, all diese verwerflichen Errungenschaften der Moderne sind nichts für meine Menschen
P2: Sie sagen meine Menschen, gerade so, als ob sie diese besitzen würden?
D.: Besitz ist das falsche Wort….ich verfüge nur über sie
P1: Als sie letztens die dörfliche Ehe zwischen der Inzest-Klara und dem Nepotisten Johannes arrangierten, da regte sich dann ja doch etwas, was wie Widerstand aussah, aus den Reihen der Dorfbewohner. Zeigt dass nicht, dass die Zeiten sich auch in den Dörfern langsam zu verändern beginnen?
D.: Nein, nein und nochmals nein; die Rebellion wurde im Keim erstickt und die beteiligten Familien aus dem Dorfleben ausgeschlossen
P2: Diese Familien tragen als von nun an das Kainsmal und werden geächtet?
D.: Wir haben diesen Familien einen Umzug in das nächste Dorf vorgeschlagen; aber dort, so habe ich erfahren, möchte solch eine moralisch verlotterte Bande auch niemand
P1: Sie bleiben also dabei, kein Problem mit dem Nepotismus und Inzest zu haben?
D.: Die Städter haben die Dekadenz und die Perversion und wir in den Dörfern haben den Inzest und den Nepotismus
P2: Es bleit also alles wie es war und bleiben wird?
D.: Dafür zu sorgen, obliegt meiner Obhut
P1: Es gilt also festzuhalten, dass sie und ihre Dorfbewohner den Verlockungen der Moderne noch nicht erlegen sind?
D.: Unsere Unwissenheit, unsere Naivität, unsere Beschränktheit bildet einen natürlichen Schutzwall gegen diese modernen, hohlen Versprechungen
P2: Das Schöne am Dorfleben ist also dessen Einfachheit und Unkompliziertheit….alles Komplizierte und Komplexe, alles was man nicht auf den ersten Blick durchschauen kann, verendet vor den Grenzen des Dorfes
D.: Wollen sie uns Dorfbewohner als dumm beleidigen?
P1: Nein, denn der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel
D.: Und was könnte ein höherer Zweck sein, als die Dorfgemeinschaften vor den Verfehlungen dieser restlos dekadenten Moderne, dieser perversen Aufklärung; diesem Geschwür der Demokratie zu beschützen
P2: Wie kann man sich bei jemand gesellschaftlich und politisch ach so wichtigen Vertreter der Provinz das Geschichtsbild vorstellen?
D.: Es ist leider unschicklich geworden, darrüber gut zu sprechen….aber ich lasse mir den Mund von diesen Demokraten, Emanzen, Liberalen und Menschenrechtlern nicht verbieten….aber es ist doch eine historische Tatsache, dass sowohl im Mittelalter, als auch unter den Nazionalsozialisten überall unsere dörflichen Tugenden herrschten….Zucht und Ordnung….Disziplin und Sauberkeit….und was gelten diese Werte in der perversen Moderne…..gar, gar nichts….muss man also in solch unmoralischen, wertelosen Zeiten, als Dorfpatriarch nicht seine schützende Hand über die Dorfgemeinschaft legen?
P2: Sie sympatisieren also mit dem Rechtsextremismus?
D.: Der einzige Extremismus denn ich kenne, ist dieses Geschwür aus Demokraten, Liberalen und Menschenrechtlern, welche unsereins erzählen möchten, wie man es besser macht
P1: Sie teilen also die in der Provinz unter Behördenvertretern und Provinzpolitikern weitverbreitete Meinung, dass früher unter den Faschisten bzw. den Nationalsozialisten alles besser war?
D.: Unumwunden….ja!
P2: Ihr konservatives, an Naivität und Hinterwäldlertum kaum zu überbietendes Weltbild; welches an den Grenzen ihres Dorfes endet, erinnert nicht nur wegen seiner beinahe lächerlich anmutenden Doppelmoral, sehr an die ehemalige US-Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin. Ist diese Redneck-Mentalität von nichts zu wissen und nichts wissen zu wollen, stolz auf seine Dummheit zu sein, ist diese Mentalität wieder im Kommen?
D.: Politik ist ein Produkt und muss verkauft werden….ich mache keine Politik, ich entscheide und fertig….in diesem Punkt sind wir Dorfbewohner und diese Rednecks uns wohl dann ähnlich
P1: Also?
D.: Die Menschen wollen einfache Antworten auf einfache Fragen….einfache Fragen zu einfachen Antworten….einfache Menschen wollen einfache Menschen….einfache Lösungen für einfache Menschen….es sollte alles so wie bei uns werden….jeder hat seinen Platz im Dorf, haltete seinen Mund und niemand im Dorf hat auch nur die leiseste Ahnung, was sich hinter dem nächsten Hügel befindet
P2: Ein wesentliches Element ihrer Macht und deren Ausübung ist die Angst….die Angst vor dem Fremden; die Angst vor der Welt; die Angst….
D.(Praktikant 2 unterbrechend):Nein, solche Fragen auch, ich muss dann….
P1: Wir verstehen Herr Dorfpatriarch….können wir ihnen zum Abschluß noch einige persönliche Fragen stellen?
D.: Aber schnell
P2: Ihre Lieblingsfarbe?
D.: Rosa
P1: Das letzte Buch, dass sie gelesen haben?
D.: Lassen sie mich überlegen….vor 20 Jahren ein Buch vom Peter Rosegger
P2: Ihr Lieblingsgetränk
D.: Selbstgebrautes Dorfbier
P1: Ihr Lieblingsessen
D.: Kartoffeln
P2: Ihr größter Wunsch an die Zukunft?
D.: Dass alles so war und war wie es war
P1: Noch mehr als alle anderen verehrter Herr Dorfpatriarch, wie bedanken uns bei ihnen für dieses Interview

6.Tag Im Tourismuslabor

P2: Noch mehr als alle anderen verehrter Herr Tourismusvisionär, sehr vielen Dank, dass sie etwas von ihrer unendlich wertvollen Zeit für dieses Interview erübrigen konnten
P1: Vielen, vielen Dank
P2: Können wir dann mit der ersten Frage beginnen?
T.: Fragen sie
P1: Es ist ihnen, Herr Tourismusvisionär gelungen, innerhalb kürzester Zeit, das größte provinzielle Tourismusunternehmen aufzubauen….herzlichen Glückwunsch dazu
P2: Sie sind nun Teilhaber einer Hotelkette, welche von Wien über die Provinz bis hin nach Prag Standorte unterhält und sind somit in die erste Liga der provinziellen Global-Player aufgestiegen
P1: Und daher lautet unsere erste Frage an sie…..was ist ihr Erfolgsrezept?
T.: Ein Erfolgsrezept als solches gibt es natürlich nicht, es sind eine Vielzahl von äußeren wie inneren Faktoren, von welchen ein jeder oberster Priorität genießt, welche über Erfolg bzw. Misserfolg eines solchen Unternehmen entscheiden….wichtig ist auf jeden Fall, dass diese inneren wie äußeren Faktoren im Austausch miteinander harmonisieren und ein stimmiges, profitables und kundenfreundliches Ganzes abgeben….solche Faktoren wären z.B. die Mitarbeiterauswahl, die Qualitätssicherung in allen unternehmerischen Unterbereichen, der geschäftliche Spürsinn zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, die Auswahl der zu einem passenden Geschäftspartnern, Glück, Zufall, das Wetter und einige schöne Nutten, wenn die Bestechlichkeit und die Käuflichkeit auch nicht mehr weiterwissen
P2: Das Unternehmen expandiert in großen Schritten; zusätzlich weiten sie ihre Angebotspalette kontinuierlich aus. Es erscheint als kenne ihr Unternehmen keine Grenzen des Wachstums. Ist dieses grenzenlose Wachstum auch das Unternehmensmotto?
T.: Jeder Schritt, welcher zur Aquisition bzw. weiterer Expansion des Unternehmen führt, wird von uns genauestens auf seine Renabilität, Durchführbarkeit und ob es zu unserer Unternehmensphilosophie passt, geprüft….in dieser Hinsicht passen wir uns nur an die Gesetzmäßigkeiten des freien Marktes an und handeln dann nach der Maxime; der Konkurrenz in diesem Wettlauf um den Kunden immer achtundreißig Schritte voraus zu sein….somit kennt der Expansionsdrang unseres Unternehmen wohl keine Grenzen
P1: Und was erwartet der Kunde heutzutage von einem Hotel? Mit welchen Dienstleistungen und mit welchen Angeboten ködern sie den Kunden gerade in einem ihrer Hotels abzusteigen?
T.: Zuverlässigkeit würde ich sagen….und dann natürlich das Niveau….16 hauseigene Pornokanäle in jedem Zimmer-TV eingespeichert; einen Nutten-Katalog in jedem unserer Stadthotels; ein seriöses Personal, welches dem Kunden 24 Stunden am Tag zur Disposition steht; ein sehr spezieller Zimmerservice; ein Whirlpool in jedem Zimmerbad….auf diese und viele andere garantierte Angebote, kann der Kunde bei uns zurückgreifen….und dann natürlich das Vertrauen; welches mit unserer Zuverlässigkeit und natürlich dem Niveau sich zu einer gegenseitigen, guten Geschäftsbeziehung; Gast-Hotelier Beziehung dann naturgemäß entwickelt
P1: Sie sprechen also vor allem das gehobene Einkommenssegment der Touristen an?
T.: Wir bieten und darauf bin ich stolz, Qualitätstourismus zu fairen Preisen an….oder kennen sie eine Hotelkette, welche ihren Gästen 16 hauseigene Pornokanäle anbietet?
P2: Sie haben also 16 hauseigene Pornokanäle….sind ihre Gäste Perverse?
T.: Unsere Gäste sind vermögend, somit erübrigt sich diese Frage von allein….außerdem hat die Moralpolizei ihr Einverständnis zur täglichen 24-Stunden Ausstrahlung dieses Erwachsenenprogrammes gegeben….so what….
P1: Der Kunde ist der König
P2: Aber lassen sie uns das Thema wechseln….hat es in ihrem Unternehmen aufgrund der sich wie ein Lauffeuer ausbreitenden Weltwirtschaftskrise schon Einschnitte bzw. Einbrüche in den Geschäftsbilanzen gegeben?
T.: Nein, bisher zumindest noch nicht, denn wir haben uns auf dem freien Markt solchermaßen positioniert, dass wir eventuell auftretende Stornierungen, Ausfälle, Umsatzeinbrüche sofort ausgleichen können
P1: Da sind wir jetzt aber gespannt….wie soll dass funktionieren?
T.: Diese Geschäftspraktiken unterliegen dem Betriebsgeheimnis
P2: Dass haben wir uns schon gedacht und wird mit Sicherheit ihre Kreditgeber beruhigen
P1: Sie haben im vergangenen Sommer in einem Interview mit der Konkurrenz, die keiner liest und niemand kennt, davon gesprochen, dass die touristische Infrastruktur in der Provinz, noch sehr verbesserungswürdig wäre…..?
T.: Ja?
P2: ….dass in der touristischen Infrastruktur der Provinz noch mindestens 30 Golfplätze; 60 Gourmet-Restaurants; 4 Flughäfen; 120 Beauty-Farmen; 240 Nobel-Bordelle und 480 Nobel-Nobel-Nobel fehlen….und da sie sich diese fehlende touristische Infrastruktur, als Vertreter der allmächtigen Wirtschaft wünschen, wird diese fehlende Infrastruktur wohl, egal was die Provinzbevölkerung dazu sagt, verwirklicht werden. Sind sie ein Surrealist?
T.: Nein und außerdem wurde ich falsch zitiert; eigentlich forderte ich 60 Golfplätze in der Provinz für unsere betuchte Kundschaft….schließlich kann man doch keinen Gast heutzutage zumuten 2 Tage in Folge auf dem geleichen Golfplatz zu spielen
P1: Sie haben sich also, wenn wir dass einmal so feststellen können, die unerträgliche Arroganz, die unausstehliche Überheblichkeit und dass sich mit Gott gleichzusetzen; ihrer betuchten Kundschaft eins zu eins übernommen
T.: Soll dass etwa ein Vorwurf sein?
P2: Nein, absolut nicht
T.: Als Wirtschaftstreibender bin ich nunmal ein Gehetzter und Gepeinigter meiner Kunden
P1: Ist ihnen auch aufgefallen, wie oft und dann kritiklos Wirtschaftsvertreter in Interviews einen absoluten Nonsens, einen totalen Blödsinn, einen dumpfen Stumpfsinn von sich geben?
T.: Dass liegt in der Natur des Business….täuschen, tricksen, foulen, bestechen, gewinnen und am Ende kennt sich keiner mehr in diesem Dschungel mehr aus
P2: Und trotzdem teilen anscheinend alle ihre Meinung?
T.: Zu dieser Frage muss ich sie an unsere Werbeargentur verweisen….diese sorgen für eine einheitliche Meinung der kritischen Masse
P1: Geld hat immer Recht?
T.: Nicht nur das Recht, auch das Unrecht
P2: Man könnte doch, um auf ihr Beispiel der fehlenden, also dringend benötigten, Golfplätze, zurückzukommen; doch auch, diese überflüssigen Bergspitzen einfach hinwegsprengen; damit ihre Gäste, da diese dies aufgrund des hauseigenen Evaluierungsbogen wünschen; den Sonnenaufgang einige Minuten früher genießen können?
P1: Oder die Autobahnausfahrt direkt zum Parkplatz eines ihrer Hotels hinbauen?
P2: Oder die Skipisten vor ihren Hotelrestaurants enden lassen….
P1: Wo dann die Gäste bei Kaviar und den aufspielenden Rolling Stones den Tag ausklingen lassen
T.: Ich bitte sie….wir sind hier doch nicht in der Schweiz….leider….
P2: Einer Schweiz, einem Land, in welchem sie in den nächsten Jahren einige Luxusressorts eröffnen werden….
T.: Ja, diese Information ist korrekt
P2: Erwarten sie ebendort aufgrund der für Außenstehende doch etwas verwirrenden Schweizer Geschäftspraktiken größere Schwierigkeiten für ihr Unternehmen?
T.: Nein, gänzlich im Gegenteil….wir müssen nur einen Bruchteil der Steuern bezahlen und den Rest können wir ganz legal hinterziehen….außerdem hilft uns die Schweizer Mentalität unsere Geschäfte im Sinne des Schweizer Bankgeheimnisses zu führen
P1: Was immer dass auch bedeuten möge
P2: Welchen Typus Gast erwarten sie in ihren Schweizer Luxusressorts und was bieten sie diesem?
T.: Wir erwarten in erster Linie Banker und ihre Geschäftsfreunde als Gäste; also Waffenhändler, Drogenbarone, Diktatoren, deutsche und englische Bankenbosse, Adelige, das Jet-Set und wir bieten all diesen, den für unsere Hotelkette typischen Luxus….bei uns können diese hochverehrten Herrschaften nach einem langen, anstregenden Tag des Geldwaschen in unserer bekanntlich besonders nuttenfreundlicher Atmosphäre, mit Menschenschlächter Welcome-Drinks und blutigen Bürgerkriegs-Häppchen optimal entspannen
P1: Ihr Geschäftsprinzip ist also, so wie bei allen anderen Wirtschaftsunternehmen, frei von solch störenden, ja lästigen Faktoren wie Ethik, wie Moral, wie Anstand….
T.: Ich leite ein Unternehmen, keine Kirche
P2: Haben sie, um in die Provinz zurückzukommen, den Satz „der für Mensch und Natur verträgliche Sättigungsgrad ist erreicht“ schon einmal gehört?
T.: Der Tourismusmarkt ist ein Markt welcher niemals gesättigt sein wird, denn es gibt immer neue Kundensegmente zu aquitisieren; neue Modelle; neue Angebote….denken sie doch nur an diese neue Mode des Nordic-Walking; mit dieser Unzahl an Nordic-Walking-Anlagen, welche in der Provinz in den vergangenen Jahren angelegt wurden….
P1: Ja?
T.: Ja, was glauben sie denn, wieviele Ärtze die Industrie kaufen musste, bis auch der letzte Volltrottel verstanden hatte; wie gesund und cool dieses Nordic-Walking ist
P2: Also eine Propagandaluftnummer?
T.: Dass sagen sie, nicht ich
P1: Es fällt mit der Zeit doch auf, dass solche neoliberalen Marktschreier wie sie, welche nie, aber auch wirklich nie genug bekommen können, nicht nur hier in der Provinz, denn immer ein breites-öffentliches Forum finden, um ihre jenseits von Gut, Böse und dem Jenseits zu definierenden Ideen der Masse auf das Brutalste hineinzutreten….wie kommt dass?
T.: Die Medien gehören nunmal dem Großkapital
P2: Angesichts all dieser Absurditäten….haben sie schon einmal daran gedacht in einem absurden Theaterstück mitzuspielen?
T.: Gegenfrage….sollte man denn etwa diesen Arbeitnehmern oder etwa diesen Pappbechern ein öffentliches Forum bieten….diese internationale, rein auf wirtschaftlichen Interessen, bestehende Medien- und Informationspolitik ist so wie diese nunmal ist, schon in Ordnung
P1: Ein Kennzeichen ihrer Branche ist, dass ihresgleichen immerzu jammern, während sie gleichzeitig nicht nur immer neue Rekordumsätze verbuchen können, denn auch jedes Jahr auf schlimmste Art und Weise die provinzielle Landschaft mit ihren verkitschten, megalomanischen Hotelbauten verschandeln und damit die Natur, welche ja die Basis ihrer Geschäftsgrundlage ist, zerstören. Sehen sie da einen Widerspruch?
T.: Ohne dass von ihnen so geschmähte Business, würden die Menschen in der Provinz doch immer noch denken, dass sie etwas mitzubestimmen hätten; das ihre Meinung irgendjemanden, wen auch immer, fragen sie mich nicht wen, interessieren würde….wir als Wirtschaftstreibende haben diesem Gedanken den Garaus gemacht
P2: Ihr Lieblingswort scheint Kärnten zu sein
T.: Dort ist es besser
P1: Und was hält sie dann noch in der Provinz?
T.: Ich bin ein Patriot
P2: Wenn sie mit ihrem fetten Auto durch die Niederungen der Provinz fahren, was denken sie sich da?
T.: Ich denke an das schlummernde Potential….noch mehr Hotels, noch mehr Umfahrungsstraßen, noch mehr Einflugschneisen, noch mehr Golfplätze, noch mehr Umsätze, noch mehr Umweltzerstörung….mehr und mehr und mehr und mehr….
P1: Ein anderes Thema….sie gelten als Förderer der schönen Künste und als solcher unterstüzen sie sehr viele junge, hübsche Künstlerinnen….
T.: Ja, das stimmt….ich habe erst kürzlich einige italienische Künstler zu uns in das Hotel eingeladen, um dort ihre Kunst zu zelebrieren
P2: Welche Art von Kunst
T.: Es handelte sich dabei, da es sich um italienische Kultur handelte, um einige Morde an kritischen Quergeistern in der Provinz
P1: Und was bekammen diese Künstler als Lohn?
T.: Unser Unternehmen wird nun auch in Kalabrien ein Hotel eröffnen
P2: Sozusagen die reinigende Katharsis?
T.: Wie man es auch sehen möchte
P1: Können wir ihnen zum Abschluß noch einige persönliche Fragen stellen?
T.: Ja
P2: Ihr Lieblingsgericht?
T.: Japanischer Reis
P1: Das letzte Buch, dass sie gelesen haben?
T.: Friedrich Merz….Mehr Kapitalismus wagen….Wege zu einer gerechten Gesellschaft
P2: Ihr letzter Urlaub?
T.: In Dubai
P1: Ihre Lieblingsfarbe?
T.: Grün
P2: Sehr geehrter Herr Tourismusvisionär vielen Dank für dieses Interview

7. Tag Ruhetag

8. Tag Im Vorraum der Macht und des Reichtum

P1: Noch mehr als alle anderen verehrter Herr Nützling, sehr vielen Dank, dass sie etwas von ihrer unendlich wertvollen Zeit für dieses Interview erübrigen konnten
P2: Vielen, vielen Dank
P1: Können wir dann mit dem Interview beginnen?
N.: So sei es
P2: Da unsere Leser nicht so belesen wie wir, die Praktikanten, wohl sind, möchten wir sie bitten unseren Lesern den Begriff des Nützling zu erklären
N.: Danke
P1: Also?
N.: Der Begriff Nützling bezeichnet ursprünglich wirbellose Spinnentiere und Insekten, welche dem Menschen in irgendeiner Weise nützlich sind….nun, dieser Begriff erfuhr Anfang des 21.Jahrhundert in einem europäischen Land mit dem seltsamen Namen Österreich eine Bedeutungsumwandlung, als die ebendort residierenden und herumflanierenden Reichen und Mächtigen begannen, die Heerscharen ihrer Diener und Dirnen, der ihnen zuarbeitenden Beamten und devot zu ihnen aufblickenden Angestellten, ihre Knechte und Mägde, ihre Untertanen und Leibeigenen, als Nützlinge zu bezeichnen….Nützlinge, welche ihr karges Einkommen, ja ihren Daseinsgrund ebendiesen Mächtigen und Reichen verdankten….es war dies auch ein wichtiger Schritt, da sich somit die oben Aufgezählten, welche nun zusammengefasst unter dem Namen Nützlinge firmierten, sich somit endgültig von den Überflüssigen absonderten….
P2: Mit den Überflüssigen meinen sie die 90 % an Bevölkerungsanteil, welche weder der Produktionsprozess, noch die Dienstleistungsgesellschaft, noch der Reiche bzw. Mächtige benötigt?
N.: Genau, diese wenigen Menschen, die unglücklicherweise 90% der Bevölkerung ausmachen
P1: Was sind die herausragenden Merkmale dieser Nützlinge?
N.: Nützlinge zeichnen sich vor allem durch ihr kriechendes, schleimendes, sich selbst andauernd erniedrigendes, devot dienendes, untertänigste Wesen aus
P2: Wobei es den Nützlingen ein sehr wichtiges Anliegen ist, festzuhalten, dass zwischen modernen Sklaven und Nützlingen ein riesiger Unterschied besteht
N.: Dass ist richtig….ein Nützling wird zu seiner Arbeit nicht gezwungen, denn geht dieser durch seine soziale Herkunft, durch seine familiäre Situation gezwungen, freiwillig hernach….es ist dem Nützling eine Freude immer glücklich und fröhlich zu erscheinen, denn der Nützling hat Spaß an seiner Unterwerfung und dient gerne; ist seinem Herr oder Frau treu und fürsorglich ergeben
P1: Nicht jeder wird nunmal als König geboren
N.: Nein, denn die allermeisten werden als Überflüssige geboren
P2: Also haben Nützlinge alles in allem zusammengenommen, sehr viel Spaß an, mit und bei ihrer Arbeit?
N.: Die Notwendigkeit zur völligen, bedingungslosen und freiwilligen Unterwerfung vor den Reichen und Mächtigen ist den Nützlingen von Geburt an eingetrichtet worden und so wurden die Nützlinge im Laufe der Zeit in unserer Dienstleistungsgesellschaft im Spätkapitalismus zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Lebensstil der Reichen und Mächtigen und des nie ruhenden Bedürfnis der Reichen und Mächtigen ihre Allmacht zu demonstrieren
P1: Sie wurden von der Nützlings-Dachorganisation „Devote Arme, allmächtige Reiche“ vor kurzer Zeit mit dem Ehrentitel „der“ ausgezeichnet….es ist dies eine Ehre, welcher dieser Dachverband, nur den untertänigsten, devot ergebensten, folgsamsten Nützlingen zuteil werden läßt. Sie werden also in Zukunft mit „der“ Nützling angesprochen. Was ist dass für ein Gefühl unter diesen Millionen von Nützlingen herauszustechen?
N.: Wie sie vielleicht nicht wissen, ist es uns Nützlingen verboten, allzugroße Gemütserregungen zu zeigen, denn der betreffende Nützling könnte dabei ja von einem Reichen bzw. Mächtigen beboachtet werden, welcher sich daran, also der Gemütserregung des Nützling, stören könnte; welches dann dem betroffenen Nützling nicht nur schaden, denn dessen Berufsreputation ruinieren würde….fatal wäre dann natürlich eine solche öffentliche Gemütserregung für einen „der“ Nützling…..aber ich schweife ab….um auf ihre Frage zurückzukommen….natürlich bereitet es mir eine unermeßliche Freude, eine beinahe unhaltbare Begeisterung, ein euphorisierendes Glücksgefühl von nun als ein „der“ Nützling angesprochen zu werden
P1: Gibt es genderspezifische Unterschiede bei den Nützlingen?
N.: Sie meinen die sexuelle Verfügbarkeit, die Käuflichkeit, der freiwillige Verzicht auf Stolz, Ehre und Armut?
P2: So ungefähr?
N.: Nein
P1: Anderes Thema….wir hatten zuvor das Vergnügen sie bei ihrer Ankunft vor dem Vorraum der Macht und des Reichtums beobachten zu können….sie fuhren mit einem Sportwagen neuerem Modell vor, aus welchem sie und eine überdurchschnittlich intelligente Blondine entstiegen, der Anzug, welchen sie tragen, riecht förmlich nach Geld; sie strahlen, erscheinen glücklich, wirken jung und vital….haben sie dass alles ihrer Arbeit als Nützling zu verdanken?
N.: Wissen sie, meine Karriere als Nützling verdanke ich allein meiner über aller Maßen ausgebildeter Unterwürfigkeit; meinem vor Devotheit nur so strotzendem Blick, meinem Geschleime, meiner bedingungslosen Bereitschaft jederzeit und jederort sofort vor den Reichen und Mächtigen zu kriechen und dass dann einem wie mir, welcher all diese, ihn von der Natur im Übermaß geschenkten Talente, gleich einem deutschen Soldaten, in seinem Beruf so ädequat einbringen kann; dass so einem dann alle Türen der Gesellschaft offen stehen….ist dann wohl nur allzu verständlich….ich krieche, ich schleime, ich bin devot und untertänigst gegenüber den Reichen und Mächtigen und mit der Zeit bekommt man dann so logisch wie sicher den Lohn für all diese Plakerei und Kriecherei….Blondinen, Sportautos….all das Spielzeug nunmal….
P2: Ein Verhalten, dass ihre, welches noch keinem aus der überflüssigen Masse geschadet hat?
N.: Noch nie….noch keinem….
P1: Ihr Lebensmodell ist also eines, welches doch all diesen unzählbaren Arbeitslosen zum Vorbild dienen sollte; all diese ratlosen Jugendliche doch motivieren sollte, ihren Weg, also jenen des Nützlings einzuschlagen?
N.: Absolut richtig….denn zu was ist der Mensch geboren….wissen sie eine Antwort darauf?
P1: Damit den Frauen nicht langweilig wird?
P2: Damit die Frau den Mann tyrannisieren kann?
N.: Nein und nochmals nein….der Mensch ist geboren um sein Leben den Reichen und Mächtigen zu widmen, diesen devot ergeben zu sein, diesen jeden Wunsch von deren zarten, sanften Lippen abzulesen, diesen jede vorstellbare und unvorstellbare Gefälligkeit zu erweisen; vor diesen zu kriechen und zu kuschen
P1: Also leben 99% der Menschheit für 1% der Menschheit?
N.: So war es doch schon immer….alle Zeitalter der Menschheit hindurch….
P1: ….und es wird sich nie etwas daran ändern….
P2: Und im Kommunismus?
N.: Da war es….seltsame Ironie der Geschichte….in dieser Hinsicht noch schlimmer
P1: Sie sind also davon überzeugt, dass die Zukunft der Dienstleistungsgesellschaft darin bestehen wird, das Millionen um Abermillionen von Menschen ihr karges Auskommen als Nützlinge fristen werden?
N.: Fur jeden Reichen und Mächtigen 100.000 Nützlinge
P2: Damit, wenn ein Nützling einmal ausfallen sollte, sofort Ersatz bereitsteht?
P1: Und für den Ersatz ein Ersatz?
N.: Korrekt
P2: Die Unterschicht richtet sich also wiedereinmal selbst?
N.: Seltsamerweise möchte keiner der Mächtigen und Reichen oberschichtengemäß sich seine Finger dreckig machen und braucht es auch gar nicht….denn die Unterschicht richtet sich von selbst
P1: Aber sie haben sich ihre Finger schon sehr oft dreckig gemacht?
N.: Stellen sie es sich wie ein Schachspiel vor….es hat noch nie ein Bauer ein Schachspiel verloren, denn immer der König….die Bauern machen die Drecksarbeit und der Bauer auf dem Spielfeld ist der Nützling im Leben
P2: Um auf ihre Auszeichnung zum „der“ Nützling“ nocheinmal zu sprechen zu kommen….welche Rolle spielten dabei Glück und Zufall, dass ausgerechnet sie dafür auserwählt wurden?
N.: Es war, wie ich bereits gesagt habe und um der Wahrheit ein weiteres Mal dienlich zu sein, meine für Außenstehende beinahe schon unvorstellbare Untertänigkeit gegenüber den Reichen und Mächtigen, welche mir zu dieser Auszeichnung verholfen hat
P1: Wie ist denn das Verhältnis der Nützlinge untereinander?
N.: Es herrscht natürlich ein Konkurrenzverhältnis unter uns….es ist ein Wettlauf, welcher Nützling am devotesten und untertänigsten gegenüber den Reichen und Mächtigen ist….es ist ein nie endender Kampf, nicht nur mit den anderen Nützlingen, denn vor allem ein Kampf mit sich selbst; ein Kampf von einem Selbst gegen seine Ehre und seinen Stolz; gegen sein MenschSein
P2: Nützlinge waren ja ursprünglich wirbellose Tiere; wie sieht es mit ihrem Rückgrat aus?
N.: Ein Nützling mit einem Rückgrat ist kein Nützling und basta!
P2: Nützlinge mit Rückgrat sind also für die Reichen und Mächtigen Verrückte?
N.: Falsch….Menschen mit Rückgrat sind für die Reichen und Mächtigen Verrückte….zumindest hier in der Provinz….aber eigentlich haben diese, meiner Meinung nach in dieser Welt nichts verloren….diese Menschen mit Rückgrat
P1: Apropos Welt….ist das Dasein als Nützling in der Provinz anders als in der Stadt?
N.: Es ist noch devoter, demütigender, untertäniger als anderswo
P2: Können wir ihnen zum Abschluß noch einige persönliche Fragen stellen?
N.: Meine Devotheit sagt ja
P1: Ihre Lieblingsfarbe?
N.: Jene, die den Reichen und Mächtigen am Besten gefällt
P2: Ihre Lieblingsspeise?
N.: Jene, die den Reichen und Mächtigen am meisten mundet
P1: Ihr Lieblingsbuch?
N.: Jenes, welches den Reichen und Mächtigen am meisten gefällt
P2: Ihr Traumurlaubsziel?
N.: Jenes, welches die Reichen und Mächtigen für mich auswählen
P1: Noch mehr als alle anderen verehrter Herr Nützling vielen Dank für dieses Interview

(Anmerkung des Verfassers: hinsichtlich weiterer Interviews im Nachwort nachzulesen; am Ende des Textes)

3. Szene Im Redaktionsraum

Personen:
Der Chefredakteur (C.)
Redakteur 1 (R1) Stellvertreter des Chefredakteur
Redakteur 2 (R2)
Redakteur 3 (R3) Leiter der Kulturredaktion
Redakteur 4 (R4)
Redakteur 5 (R5)
Der Starreporter (S.)
Die Assistentin (A.)
Redakteur 7 (G.) der italienische Redakteur
Adolf Schicklgruber (S.) Vorsitzender des Komitee….
Der Leonardo da Vinci der Provinz (L.)

Während die einzelnen Redakteure langsam in den Redaktionsraum eintrudeln, unterhalten sich ebendort, am Konferenztisch sitzend, der Chefredakteur mit seinem Stellvertreter Redakteur 1 und dem Redakteur 2.
Seitlich von diesen arbeiten 2 Handwerker an einer Konstruktion, deren Verwendungszweck nicht erkennbar ist.

C.: Haben sie sie schon gefunden?
R1: Jeder gibt sein Bestes
C.: Dass ist mir zu wenig
R2: Jeder Telefonanschluss, jedes Handy, ja der gesamte elektronische Datenverkehr wird von unseren guten Freunden bei den Behörden nur zu diesem Zwecke überwacht
R1: Jede Ausfallstraße ist blockiert, der gesamte Luftraum gesperrt; alle Wasserwege versperrt
C.: Haben sie die beiden Praktikanten schon gefunden?
R1: Chef, ein jeder verfügbarer Mann, eine jede verfügbare Frau sucht nach den beiden Praktikanten
C.: Und wenn sie die Provinz trotzdem schon verlassen haben?
R2: Unmöglich Chef….alle Grenzübergänge wurden geschlossen, alle Schotten sind dicht….es gibt kein Entkommen und früher oder später werden sich die beiden Praktikanten zwangsläufig in diesem Netz verfangen….schon nur aufgrund des Druck, welchen wir aufgebaut haben
C.: Kann jemand von euch, Redakteur 1 oder Redakteur 2, meine Frage mit einem klaren Ja oder Nein beantworten….haben sie sie schon gefunden?
R1: Nein Chef
R2: Aber bald Chef
C.: Wenn wir sie gefunden haben, dann wissen alle was zu tun ist?
R1: Ja Chef
R2: Sicher Chef
Redakteur 3 tretet an den Chefredakteur heran.
R3: Chef?
C.: Was ist Redakteur 3?
R3: Die Handwerker haben ihre Arbeit beendet
Der Chefredakteur blickt zu den beiden Handwerkern und betrachtet deren Konstruktion.
C.: Die Guillotine funktioniert einwandfrei?
R3: Die Guillotine ist einsatzbereit
R2: Wir haben ja noch einen Probelauf vor dem Ernstfall
R1: Mit Redakteur 6
C.: Bedanken sie sich im Namen der Provinz, also in meinem Namen, bezahlen sie die Handwerker und schmeissen sie dann diese aus meinem Haus hinaus
R3: Sehr wohl Chef
Redakteur 3 geht zu den beiden Handwerkern und begleitet diese dann aus dem Redaktionsraum hinaus.
Der Chefredakteur wendet sich wieder seinem Stellvertreter, Redakteur 1 und dem Redakteur 2 hinzu.
C.: Wie konnte es nur so weit kommen?
R1: Darauf weiß wohl niemand eine Antwort
C.: Wie auch?
R2: Manches bleibt wohl für immer unerklärlich
R1: Die Interviewreihe wurde vorzeitig abgebrochen, aber die Auslieferung, den Druck konnten wir, da niemand von den Redakteuren seine eigene Zeitung liest, nicht mehr verhindern
R2: Die Verantwortung trägt Redakteur 6
C.: Und bald trägt er nur noch diese Verantwortung auf seinen Schultern
R1: Wir haben den Interviewten als Schadensersatz eine hohe Bargeldsumme ausbezahlt….sie werden schweigen….
C.: Aber der Schaden ist schon angerichtet
R2: Erfahrungsgemäß vergisst der Leser solch einen Splitter der Wahrheit, solch etwas Kritisches innerhalb kürzester Zeit
R1: Diese Interviews widersprechen seinem, ihm von uns angewöhnten, Lesegewohnheiten….unser Leser kann doch nichts mit Kritik anfangen….der Leser wird es vielleicht gelesen haben, aber wohl kaum verstanden haben
R2: Dafür sorgen ja all die anderen Artikel, welche dem Leser in seinem unkritischen, unpolitischen und passiven Art fördern
C.: Ein wahrlich schwacher Trost
R1: Auf jeden Fall wird sich so etwas bzw. etwas diesen Interviews Ähnelndes in Zukunft nicht mehr wiederholen
R2: Dafür wurde gesorgt
C.: Und Redakteur 6? Wo ist er?
R1: Er wird bald gänzlich kopflos vor uns stehen
C.: Wie töricht war es doch von mir, Redakteur 6 und nicht unseren Dottore mit der Verantwortung über die beiden Praktikanten anvertraut zu haben
R2: Suchen sie den Fehler nicht bei sich….dass ist der falsche Weg
R1: Selbstvorwürfe ziemen sich nicht für einen Chefredakteur
C.: Ach, all diese armen Provinzmenschen, wie verwirrt, wie desorientiert sie wohl alle jetzt sein mögen….von dieser unangebrachten, jedlicher Aufmerksamkeit unwürdigen Kritik….da bemüht man sich jahrelang unserem Stammleser ein Märchen nach dem nächsten Märchen auf die Nase zu binden, ihm vorzugaukeln wie erfolgreich, wie schön und wie erhaben in der Provinz alles abläuft und dann dass….und dann auch noch in meiner Zeitung!
R2: Wir werden die beiden Praktikanten finden und zur Verantwortung köpfen!
C.: Was glaubt ihr denn, was in der StasiVolksPartei los ist….die wollen doch tatsächlich meinen Kopf
R1: Wozu es aber nicht kommen wird
R2: Ihr Kopf ist zweifelsohne zu wertvoll für die Provinz
C.: Kann mir denn irgendeiner von euch beiden erklären, wie so etwas möglich ist….da bietet man diesen beiden Praktikanten das Paradies auf Erden an und sie verwandeln es in die Hölle….da bietet man diesen beiden Praktikanten das Beste vom Besten; fühlt sich durch deren Oberschichten-Abstammung abgesichert; ist sich sicher; dass diese genau jene Suppe kochen und essen, die nur der Oberschicht schmeckt und diese versalzen dann diese, unsere Suppe mit Kritik…..dieser Kritik!
R2: Ich glaube es handelt sich bei diesen beiden Praktikanten um solche typischen geistig, menschlich und moralisch verlotterten Zeitgenossen
R1: Es sind solche typische Oberschichten-Kids; von der Liebe all dieser Frauen hin zum übersprudelnden Materialismus, von der Macht ihrer Väter, von diesem Überfluß an Geld verblendete Oberschichten-Kids
C.: Die kein, aber auch wirklich gar kein Verantwortungsgefühl kennen
R2: Ganz sicher nicht Chef
C.: Und dann solche Interviews führen
R1: Mann kann es so oder so machen, aber doch nicht so wie die beiden Praktikanten
C.: Was stört diese beiden Praktikanten denn an den provinziellen Verhältnisse….diese bekommen aufgrund ihres Reichtums jede Frau….diese können tun und lassen was sie möchten, ohne dafür auch nur die geringste Konsequenz von wem auch immer zu befürchten….diese speisen und wohnen wie die Götter….warum ausgerechnet diese beiden Praktikanten?
R2: Vielleicht eine noch unentdeckte psychische Krankheit bei den beiden Praktikanten?
R1: Ach was, verwöhnt sind sie….bekommen alles, haben alles und glauben nun, dass sie unbedingt gegen die Regeln der Provinz verstoßen müssen
R2: Also eine Art von Luxus-Rebellion?
R1: So ähnlich
C.: Und die Konkurrenz bewahrt Stillschweigen….ist dass auch zu 100% sicher?
R1: Dass sind Verrückte, keine Selbstmörder
R2: Dieses Stillschweigen dient auch und vor allem deren Interesse
R1: Da diese ja unser unterdurchschnittliches Niveau andauernd noch unterbieten müssen, um mit uns überhaupt um den Stammleser konkurrieren zu können
R2: Da bleibt der Konkurrenz wohl nichts anderes übrig, als mit uns in diesem konkreten Fall mitzuziehen
C.: Ach, diese Jugend von heute, da haben sie alles….Mädchen, Playstation, Sportwagen, Ferienwohnungen, Geld, Möglichkeiten und können doch das Kritisieren an uns nicht unterlassen
Redakteur 4 und Redakteur 5 betreten den Redaktionsraum, grüßen den Chef und setzen sich an den Konferenztisch.
C.: Ich möchte um meine gedämpfte Stimmung etwas aufzuhellen, etwas Positives von euch hören
R1: In der morgigen Ausgabe ihrer Zeitung ist ein wunderschön geschriebener Artikel über eine Gruppe von frustrierten, alten Frauen enthalten
R2: Und deren liebste Freizeitbeschäftigung
C.: Die wäre?
R1: Der alten, frustrierten Frauen liebste Freizeitbeschäftigung ist es über ihre Mitmenschen zu lästern, ihre chronisch schlechte Laune über ihre Mitmenschen auszuschütten und daraus, also ihrem blöden Gerede, dem Zänkischem, dem Verbissenen, ihren Daseinsgrund zu erschimpfen
C.: Und dass kommt bei den Stammlesern an?
R2: Unsere Stammleser lieben solche Artikel, denn es können sich sehr viele von diesen mit diesen alten, frustrierten Frauen identifizieren
C.: Dass war schon gut, aber es geht mit Sicherheit noch besser
R2: In der Samstagsausgabe erscheint ein dreiseitiger Artikel über die Todesspatzen
C.: Haben sie den Artikel bei sich?
R2: Ja Chef
C.: Dann lesen sie mir kurz einen Auszug davon vor
Redakteur 2 sucht den Artikel aus seinen Akten heraus und beginnt vorzulesen.
R2: Mit seiner Kastratenstimme erweicht der Sänger der Todesspatzen noch das verhärteste weibliche Herz; man spürt förmlich wie die Liebe von Millionen debiler Menschen den Todesspatzen entgegenströmt und wie ein Lächeln, ein freundliches Zwinkern, eine Entspannung der Gesichtsmuskulatur bei den ersten Tönen der Todesspatzen in diesen mürrischen, vom Leben gezeichneten Gesichtern festzustellen ist….blablabbla….welche absoluten Höchstleistungen in den Punkten Gesang, Lyrik und Komposition die Todesspatzen mit jedem ihrer Lieder vollbringen, kann man wohl erst dann verstehen bzw. realisieren, wenn man diese Ekstase, diese beinahe schon religiöse Verzückung bei ihren Fans schon einmal erlebt hat….blabblabla….so etwas Dumpfes, so etwas Naives und zugleich so Anspruchsloses hat man im deutschsprachigen Raum schon lange nicht mehr gehört….säubern sie ihre Ohren für diesen reinsten Klang klarster Poesie, also der Todesspatzen Musik….blablabla….
C.: Sehr schön Redakteur 2
R2: Somit hat die provinzielle Kultur ihre würdigen Vertreter in der Welt
R1: Welche auch in der Provinz bestimmen, wo es langgeht
C.: Es wird also im deutschsprachigen Raum der provinziellen Kultur jener Stellenwert gegeben, welchen diese ohne jedlichen Zweifel verdient hat
R2: Unsere anspruchslose, naive provinzielle Kultur ist mittlerweile im gesamten deutschsprachigen Raum die Leitkultur
R1: Was vor allem die Konservativen freuen dürfte
R2: Die Tradition ist also die Leitkultur
R1: Und diese großartigen Künstler wie die Todesspatzen, wie der Leonardo da Vinci der Provinz, die Schlampe hier und die Schlampe dort; der Dreckskerl dort und hier und all deren Konsorten, Nachahmer und Mitläufer werden in der Provinz wie Götter respektiert und behandelt….und all diese sorgen somit für eine niveaulose, anspruchslose, nichtsaussagende, unpolitische provinzielle Kultur, welche vor allem beim wankelmütigen Pöbel auf ungeteilte Gegenliebe stößt
C.: Damit auch unsere unerträgliche Arroganz durchklingt
R2: Diese klingt vor allem bei den Absatzzahlen in barer Münze durch
R1: Von deren allgemeiner Beliebtheit, deren Auktionsrekorden träumt ein jeder finanziell orientierter, also ernst zu nehmender Künstler
C.: Die Indoktrination hin zur Dummheit verläuft also reibungslos
R2: Die einzige Reibung die dabei entsteht, ist jene zwischen der Ignoranz und der Arroganz
R1: Kein kritischer Ansatz weit und breit….alles ist bestens, optimal und super
R2: Wenn da….ja wenn da….
C.: Diese beiden Dilettanten
R1: Diese kopflosen Spinner
C.: Sehr bald Redakteur 1….sehr bald sehr kopflos Redakteur 1
R2: Eine auf jedem Fall angemeßene Strafe
Redakteur 3 tretet an den Chefredakteur heran.
R3: Chef?
C.: Ja Redakteur 3
R3: Die Redakteure wären dann soweit
C.: Und Redakteur 6?
R3: Redakteur 6 wurde von der aufgebrachten Menge, welche vor unserem Pressehaus sich versammelt hat, gelyncht
C.: Wie gelyncht?
R3: Bei lebendigem Leibe in Stücke gehauen
C.: Er hat also seiner gerechten Strafe in das Auge gesehen
R3: Das Militär versucht nun wieder die Kontrolle über die aufgebrachte Menschenmenge zu erlangen
C.: Was verlangt der Pöbel?
R3: Ihren Kopf Chef….ihren Kopf
C.: Und der Schießbefehl?
R3: Unsere Portiere verhandeln darüber mit dem Militär….das Militär zögert noch, da sich Frauen und Kinder in der aufgebrachten Menge befinden
C.: Immer diese Skrupel….schließen sie die Tür….wir beginnen….
Redakteur 3 schließt die Redaktionstür und setzt sich dann an den Konferenztisch.
Der Chefredakteur erhebt sich von seinem Sitzplatz.
C.: Sehr geehrte Redakteure….(Ruhe kehrt in den Redaktionsraum ein)….so lassen sie uns diese Redaktionssitzung beginnen
Der Chefredakteur setzt sich wieder.
C.: Wie ich soeben erfahren habe, ist Redakteur 6 im Kampf für mehr Pressefreiheit, für mehr Pluralität, gefallen….ich weiß, dass wir alle sehr große Differenzen mit Redakteur 6 hatten; Streit, Schlägereien; inhaltliche Auseinandersetzungen; …. nichtsdestotrotz war Redakteur 6 Teil dieser Redaktion und deshalb möchte ich sie bitten eine Schweigeminute abzuhalten
Die Redakteure schweigen eine Minute in Gedenken an Redakteur 6.
C.: So…nun zurück zum Tagesgeschäft….wie sie vielleicht gehört haben, ist es bei dieser Interviewreihe, durchgeführt von den beiden Praktikanten, zu Kritik an den Verhältnissen hier in der Provinz gekommen….unangreifbare, von allen in der Provinz hochgeschätzte Einzelpersonen und Institutionen, wurden deren Heiligen-Schein beraubt und somit wurde eine in dieser Art noch nie dagewesene Krise von diesen beiden Praktikanten ausgelöst, welche nicht nur für die Provinz beispiellos ist….
Ein unterdrücktes Gemurmel unter den Redakteuren.
R1: Ich bitte gefälligst um Ruhe….der Chef hat das Wort!
C.: Diese Interviews sind in einem Zusammenspiel unglücklicher Faktoren in der Zeitung erschienen….zu spät wurde deren defitistisches Wesen bemerkt und somit wurde der Provinz, ein, nur durch Vertuschung, Unterdrückung und Käuflichkeit wiedergutzumachender Schaden zugefügt….ich appelliere nun an alle Provinzmenschen….in dieser Stunde der Kritik müssen wir Provinzler alle zusammenhalten und gemeinsam diese Kritik mit allen Mitteln abwehren….wir….also die ProvinzNaziÄrzte, die provinziellen Politik- und Wirtschaftsvertreter, wenn es denn zwischen diesen beiden denn einen Unterschied geben sollte; die Behördenvertreter, die Provinzkünstler, der deutsche wie italienische Pöbel….wir…..nur gemeinsam können wir dieser Kritik widerstehen und dafür sorgen, dass alles so niederträchtig und hinterhältig weiterläuft wie bisher….nur gemeinsam können wir diese Aufgabe, welche alle anderen Aufgaben in den Schatten stellt, erfüllen….wir müssen dafür Sorge tragen, dass alles so bleibt wie es war und ist….dass die ProvinzNaziÄrzte weiterpfuschen und die Opfer dann von den Winkeladvokaten, unter Anleitung der Volksanwältin fertiggemacht werden; dass die Behörden ihre Arbeit weiterhin im Sinne der Reichen und Mächtigen erledigen; dass der italienische wie deutsche Pöbel weiterhin in ihrer analfabetischen Art und Weise weiterpöbelt; dass die Provinzpolitiker weiterhin in ihrer niederträchtigen, gemeinen und hinterhältigen Weise alles vertuschen und begradigen können….denn es bleibt uns doch am Ende nichts anderes übrig; als festzustellen, dass in der Provinz alles so bleiben muss, wie es war; dass niemand irgendeine Veränderung wünscht; dass die Menschen alle zufrieden und glücklich sind; dass die Schlampen und Dreckskerle; dass die Reichen und Mächtigen; dass die und diese tun und lassen können, wie es ihnen beliebt….
Einige Sekunden beistimmendes Schweigen.
C.: Oder wollen etwas sie Redakteur 3; Leiter der Kulturredaktion, auf ihren exorbitanten Frauenkonsum verzichten?
R3: Nein Chef!
C.: Oder sie Redakteur 5….wollen sie auf all diesen elektronischen Spionagekram verzichten, um in unserem Auftrag und jenem der Stasivolkspartei und wohl auch der Behörden die Konkurrenz und unpassende Menschen auszuspionieren?
R5: Nein Chef!
C.: Oder sie Starreporter….wollen sie auf ihre investigativen, bahnbrechenden Reportagen in Zukunft verzichten?
S.: Was ist Chef?
C.: Der wievielte des Monats ist heute Starreporter?
Der Starreporter blickt um sich und räuspert sich dann.
S.: Chef, heute ist….heute ist der….der….
C.: Sehr gut Starreporter….hervorragende Arbeit wiedereinmal….heute ist also der….also besteht in diesem Punkt wohl Einigkeit….
Beistimmendes Gemurmel aus den Reihen der Redakteure.
C.: Wir müssen nun diesem so unverantwortlichen, wie unerwartet aufgetretenen kritischen Ansatz hier in der Provinz mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln entgegentreten und dafür Sorge tragen, dass hier in der Provinz nur ja niemand zu denken oder noch schlimmer zu reflektieren beginnt….ich möchte in dieser Hinsicht Vorschläge von euch hören….diesmal etwas konkreter und intelligenter als der Vorschlag das Kreuzworträtsel unlösbar zu gestalten….also?
R5: Eine großangelegte Werbekampagne für mehr Gewalt gegen Andersdenkende?
R4: Ein Kopfgeld auf alle kritischen Geister hier in der Provinz aussetzen
R2: Eine Zeitschrift herausgeben, welche sich an die moderne Frau von heutet richtet und in ebendieser Zeitschrift alte geschlechtliche Rollenmodell als hip und cool zu bezeichnen
R1: Eine Veranstaltungsreihe mit uns genehmen, also unpolitischen und unkritischen Künstlern zu organisieren und diesen Künstlern somit zum finanziellen, also künstlerisch relevaten Durchbruch zu verhelfen
C.: Ich finde eure unterträgliche Arroganz sehr inspirierend….aber noch intelligenter….noch konkreter….
R1: Den Pöbel….

Die Tür zum Redaktionsraum öffnet sich und eine sichtlich aufgeregte Assistentin des Chefredakteurs, namens Agatha Devote, betretet den Redaktionsraum.

A.: Chef!
C.: Agatha Devote, wir befinden uns inmitten einer Sitzung
A.: Chef! Chef! Chef!
C.: Redakteur 1 hat jetzt keine Zeit für sentimentale Angelegenheiten
R1: Meine Devote, so verstehe doch, dass….
A.(Redakteur 1 unterbrechend): Chef!
C.: Hysterie ist bei einer Qualitätszeitung wie der unseren unangebracht
A.: Chef! Chef! Chef!
C.: Hat der Pöbel die Eingangstür gefunden?
A.: Chef!
C.: So reißen sie sich gefälligst ein wenig zusammen!
A.: Chef?
C.: Was ist Agatha Devote?
A.: Eine Eilmeldung von der SPA
C.: Der SPA?
A.: Der SchweizerPresseArgentur
C.: Und ist diese Eilmeldung denn so wichtig, dass….
A.(den Chefredakteur unterbrechend): Dass ist die Meldung, dass ist die Meldung Chef
C.: Lesen sie vor
A.: SPA….Eilmeldung vom 10.10.xx; Kennzeichen XX.3.4.A384167….zweites Kennzeichen AA….
C.(die Assistentin unterbrechend): Den Text Agatha Devote, den Text!
A.: Das Komitee für die Vergabe des Nobelpreis für Medizin gibt bekannt, dass der Nobelpreis für Medizin, trotz heftigstem Widerstand des internationalen Ärzteverbandes, also diesem Verein von Demokraten, Amerikanern, Menschenrechtlern, Juden, Drogensüchtigen und Fremden, in diesem Jahr für seine außerordentlichen Leistungen an den ProvinzNaziHausArzt geht….
Einige Sekunden Schweigen.
A.: ….besonders seine brutale, offene Art, seine Weigerung bestimmten Menschen aus allerniedrigsten persönlichen Gründen zu helfen, hat dem ärztlichen Ethos, dem gesamten Berufsstand auf ein bisher noch nie dagewesenes Tief gebracht….vor allem dies hat das Nobelpreiskomitee schlußendlich dazu bewogen, den diesjährigen Nobelpreis für Medizin an den ProvinzNaziHausArzt zu verleihen
Einige Sekunden Schweigen.
Sichtlich gerührt, erheben sich 3 Redakteure von ihren Sitzplätzen und beginnen spontan das Deutschlandlied zu singen.

„Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stehts zu Schutz und Trutze
….

Auch die restlichen Redakteure erheben sich mit einer Ausnahme von ihren Sitzplätzen und singen dann mit.

Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang
Uns zu edler Tat begeistern
….

Während die Redakteure singen, erhebt sich nun auch als letzter, der italienische Redakteuer, namens Dottore Giacomo Nonsoniente, beginnt affenähnliche Geräusche von sich zu geben und sein Becken in obszöner Weise kreisen zu lassen.

Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
….

Das Lied ist gesungen und die Redakteure setzen sich mit Ausnahme des Dottore wieder auf ihre Sitzplätze.
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Was ist denn nun schon wieder Dottore?
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Was….was….wie….wir sind hier in Italien und nicht in Deutschland….ja, dass wissen wir ja Dottore….nein….nein Dottore….dass verstehen sie falsch….nein….nein Dottore
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Nein….nein Dottore….es ist nur ein Ausdruck der Freude und unserer unerträglichen Arroganz und nein….nein, kein Patriotismus….was….ich soll nicht lügen….wenn ich doch die Wahrheit sage
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Nein Dottore….nicht schon wieder….sie wollen uns schon wieder alle umbringen….wie….alle….ja, dass habe ich verstanden….alle….die froci, die cornuti, di porchi, die stronzi, die deficenti….einfach alle
Der Dottore bewegt nun sein Becken noch obszöner als zuvor.
C.: Aber nicht doch Dottore….eine Banane Dottore?….nein….alle umbringen….ja, ja, dass habe ich schon verstanden….wissen sie Dottore, ich habe eine Idee
G.: (unverständliches Kauderwelsch mit obszönen Beckenbewegungen)
C:: Ja, so beruhigen sie sich doch….wissen sie was….in Zukunft wird unsere Zeitung eine italienische Kulturseite haben….ja Dottore….ja, sie haben mich schon richtig verstanden….in italienischer Sprache
Beistimmende obszöne Beckenbewegungen vom Dottore.
C.: Also eine italienische Kulturseite, welche sie leiten Dottore und….was Dottore….ja?
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Also gut….eine italienische Kulturseite, auf welcher sie täglich über einen Mord schreiben können….ist dass in Ordnung für sie Dottore?
Endlich scheint sich der Dottore Giacomo Nonsoniente zu beruhigen, setzt sich wieder in seinen Sitzplatz und beginnt sabbernd und sichtlich zufrieden eine Banane zu verspeisen.
C.: Also gut, dass wäre dann auch erledigt
A.: Chef?
C.: Ja Agatha Devote?
A.: Es gibt noch eine Meldung
C.: Lesen sie vor Devote Agatha
A.: SPA….Eilmeldung vom 10.10.xx; Kennzeichen ZT…..
C.(die Assistentin unterbrechend): Den Text Devote Agatha, den Text!
A.: Mehreren unbestätigten Medienmeldungen zufolge, kam es in vielen Dörfern und Städten der Provinz nach Bekanntwerdung der Meldung der Nobelpreisvergabe an den ProvinzNaziArzt zu spontanen Freudenkundgebungen auf den Dorf- und Stadtplätzen…..Tausende, wenn nicht Zehntausende von Provinzbewohnern feiern in diesem Moment diesen größten aller Triumphe für die Provinz….eine Augenzeugin namens Schlampe Dumme sagte zu einem unseren Reportern, dies sei der schönste Tag in ihrem Leben…..ein Augenzeuge namens Dumpf Backe….
C.(die Assistentin unterbrechend): Genug Agatha Devote….genug….notieren sie R1….
R1: Ja Chef
C.: Der morgige Titel unserer Zeitung….1 Zeile….Nobelpreis für Medizin an den ProvinzNaziHausArzt….2 Zeile….Die Provinz hat gewonnen…..3 Zeile….Die Boshaftigkeit und Grausamkeit sind unsere neuen provinziellen Leitwerte….die restliche Seite….Stellungsnahmen der wichtigsten Persönlichkeiten der Provinz….der Schlampenmeister, die Chefvertuscherin, die Volksanwälting und der Chef der Uniformierten….so machen wir dass
R1: Ja Chef
C.: Dass ist eine Chefangelegenheit, also kümmern sie sich darum Redakteur 1
R2: Jawohl Chef
C.: Was für ein schöner Tag auch….am Ende gewinnt dann doch noch die provinzielle Niedertracht, Gemeinheit und Hinterhältigkeit über die Menschlichkeit
R2: So ist es Chef!
C.: Teilen sie dem Pöbel vor meinem Pressehaus die Neuigkeit mit….dass wird heute noch ein schöner Tag!
Einige Sekunden Schweigen.
A.: Chef, da wäre noch etwas
C.: Agatha Devote, so lassen sie sich doch nicht ein jedes Wort aus dem Mund ziehen….sie sind hier bei der Arbeit und nicht bei Redakteur 1 zuhause
R1(verliebt flüsternd): Agatha….meine zuckersüße Agatha….
A.: Stellvertretender Chefredakteur
C.: Also?!
A.: Die aufgebrachte Menschenmenge vor unserem Pressehaus….(abschweifend) Redakteur 1….ich….ich liebe….
C.(Agatha unterbrechend): Ja und weiter!
A.: Die aufgebrachte Menschenmenge hat ein Anti-Kritisches Komitee gegründet und ebendieses hat dann einen Vorsitzenden gewählt
C.: Dass ist ja noch schlimmer als wie mit den Kommunisten!
A.: Und dieser Vorsitzende namens Adolf Schicklgruber befindet sich nun im Vorraum und verlangt ultimativ mit dem Chefredakteur sprechen zu können
C.: Wir befinden uns inmitten einer Redaktionssitzung!
A.: Ansonsten droht der Vorsitzende Adolf Schicklgruber mit dem Sturm auf die Bastille….nein, entschuldigen sie….mit dem Sturm auf das Pressehaus
C.: Er droht uns also….ist dieser Adolf Schicklgruber unbewaffnet?
A.: Er wurde beim Betreten des Pressehauses entwaffnet
C.: Was sagen sie dazu Redakteur 1?
R1 (verträumt): Agatha….
C.: Nicht zu Agatha Devote, zu diesem Adolf Schicklgruber!
R1: Entschuldigen sie Chef….wir sollten uns anhören, was er zu sagen hat
C.: Also Agatha Devote, so bitten sie doch diesen Mann das Herzstück der Redaktion zu betreten
A.: Ich soll diesen Mann in mein Schlafzimmer einladen?
C.: Bitten sie ihn einfach herein und schweigen sie ansonsten….
Agatha Devote, die Assistentin des Chefredakteurs und Geliebte des Redakteur 1, geht ab und kehrt nach kurzer Zeit in Begleitung des Vorsitzenden des Komitee der aufgebrachten Menge Adolf Schicklgruber in den Redaktionsraum zurück.
S.(schreiend): Schicklgruber mein Name!
C.: Herzlich willkommen in unserem….
S.(den Chefredakteur schreiend unterbrechend): Nieder mit der Pressefreiheit! Nieder mit der Meinungsfreiheit!
C.: Herr Schicklgruber, sie brauchen hier nicht zu schreien
S.(schreiend): Hoch lebe die provinzielle Einfältigkeit! Eine Parole für die Besten und Größten hier in der Provinz….den ProvinzNaziÄrzten….Es lebe der Tod!
C.: So beruhigen sie sich doch
S.(schreiend): Nieder mit dem Proletariat! Hoch sollen die Superreichen leben!
C.: Was sind ihre Forderungen?
S.: Drei Blondinen, ein Bündel großer Geldscheine, ein Artikel über meine Frau in ihrer Zeitng und ein Handwerker, welcher pünktlich zu seiner Arbeit erscheint
C.: Dass sind die Forderungen der aufgebrachten Menschenmenge vor meinem Pressehaus?
S.: Als Vorsitzender des Komitee der aufgebrachten Menschenmenge vertrete ich deren Interessen….also meine Interessen
C.: Wir können über alles verhandeln….nur dass mit der Pünktlichkeit des Handwerker könnte sich etwas schwierig gestalten
S.: Diese Forderungen des aufgebrachten Mob sind unverhandelbar….die einzige Alternative dazu, wäre ihr Skalp!
C.: Etwas was man dann doch, vor allem im Interesse der Provinz, verhindern sollte
S.(schreiend): Hoch lebe das kleinbürgerliche Idyll! Hoch lebe die provinzielle Kultur!
C.: Redakteur 1, verstehen sie etwas von dem, was dieser Mann sagt?
R1: Dass einzige was ich verstehe Chef, ist dass es sich bei diesem Herren Schicklgruber um keinen Provinzler handelt
R2: Also ein ausländischer Agitator!
S.: Aber haben sie keine Angst
Redakteur 1 deutet seinem Chefredakteur einen Vogel an, um zu zeigen, dass der Herr Schicklgruber nicht mehr alle Tassen im Schrank hat.
C.: Wer hat hier Angst?
S.: Ich bin auch eurer Seite
C.: Sie sind also auf unserer Seite, obwohl sie noch vor wenigen Minuten am lautesten nach meinen Kopf verlangt hatten?
S.: Ich habe den aufgebrachten Mob infiltiert
C.: In wessen Auftrag?
S.: Im Auftrag des österreichischen Geheimdienstes KSV
C.: Ich wusste es….ich wusste es, dass die Österreicher ihre Finger in diesem Spiel hatten….KSV….hat jemand von euch Redakteuren von diesem KSV schon einmal etwas gehört bzw. gelesen?
Die Redakteure verneinen kopfschüttelnd.
S.: Was ist der KSV und wofür steht er Herr Schicklgruber?
V.: Der KSV ist ein Zusammenschluß von Teilen des verfassungsrechtlich illegalen Polizeigeheimdienstes; Teilen der ÖVP; der Meinl- und Raiffeisenbank; Teilen der größten österreichischen Privat- und Staatsunternehmen und Teilen aus den verschiedenen Staatsapparaten und Ministerien; mit dem gemeinsamen Ziel die Interessen und Wünsche der Reichen und Mächtigen Österreichst im Inneren des Landes mit allen legalen wie illegalen Mitteln zwangsdurchzusetzen
C.: Und für was steht das Kürzel KSV?
S.: Im neoliberalen Österreich wurden vor einiger Zeit fast alle Staatsbetriebe und Behördenapparate privatisiert; so auch die Geheimdienste und so entstand aus einer privaten Interessensgemeinschaft der Reichen und Mächtigen der verfassungsrechtlich illegale KSV….der KSV….gefürchtet in Gesamteuropa….der KSV steht für KreditSchutzVerband
C.: Wie können sie uns helfen?
S.: Der Mob dort draußen vor der Tür hat Blut gerochen und verlangt nun ein hartes, ein gnadenloses und unerbitterliches Vorgehen gegen kritische Geister, gegen diese Pest der Intellektuellen, gegen diese Andersdenkenden und Quergeister!
C.: Da sind wir und der Mob ja einer Meinung
S.: Sie können ihren Kopf nur dadurch behalten, indem sie der aufgebrachten Menge einen Köder vor die Nase halten
C.: Also den Mob die beiden, bisher leider unauffindbaren, Praktikanten auszuliefern?
S.: Dafür ist es schon zu spät
C.: Was soll dass heißen?
S.: Dafür ist es schon zu spät
C.: Ich fragte nicht nach der Uhrzeit, denn nach dem Verbleib der beiden Praktikanten!
S.: Der KSV konnte nicht tatenlos bei dieser Angelegenheit zusehen und so haben die tapferen Männer und Frauen des KSV keine Sekunde lang gezögert
C.: Bei was gezögert?
S.: Da es sich bei den beiden Praktikanten um Reiche, also unfehlbare Geschöpfe, handelt, hat der KSV eine Rettungsaktion gestartet und die beiden Praktikanten nach Österreich gerettet
C.: Warten sie….habe ich dass auch richtig verstanden….die beiden Praktikanten befinden sich also nicht mehr hier in dieser Provinz?
S.: Die österreichischen Reichengesetze erlauben ein solches exterritoriales Vorgehen
C.: Was die österreichischen Reichengesetze erlauben oder nicht erlauben ist mir egal….ich verlange die Köpfe dieser beiden Praktikanten!
S.: Aber es handelt sich doch um Reiche….in solch einem Fall müssen alle Reichen und Mächtigen zusammenhalten
C.: Und nun?
S.: Ich habe vor kurzem mit dem Chef der provinziellen Uniformierten gesprochen….
C.: Ja?
S.: Wir haben eine harte, aber doch notwendige Entscheidung getroffen
C.: Welche Herr Schicklgruber….welche?
V.: Eine Hundertschaft von Uniformierten bringt in diesen Minuten ein Dutzend provinzieller Andersdenkender und kritischen Geister auf das Gelände vor dem Pressehaus
C.: Wo sie dem Mob zum Frass vorgeworfen werden
S.: So ist es
C.: Somit kühlt sich die Wut und der Hass des Mob an diesen Andersdenkenden ab
S.: Genau
C.: Agatha Devote….notieren sie
A.(einen Notizblock zur Hand nehmend): Ja Chef
C.: Drei Blondinen, ein Bündel großer Geldscheine, einen Artikel über die Frau des Herrn Schicklgruber in unserer Zeitung und einen Handwerker, welcher pünktlich zu seiner Arbeit erscheint
A.(Notizen schreibend): Aber dass mit dem Handwerker ist doch ein Ding der Unmöglichkeit
C.: Notizen schreiben Agatha; nicht denken Devote!
S.: Ich muss dann zurück zum Mob und die Ermordung der Andersdenkenden leiten
C.: Wohin sollen wir die 3 Blondinen und den Rest hinschicken?
S.: Ich werde sie darrüber noch informieren….einen schönen Tag noch Herr Chefredakteur
C.: Haben sie keine Gnade mit diesen Anderdenkenden Herr Schicklgruber!
S.: Keine Gnade!
Der Vorsitzende des Komitee der aufgebrachten Menge Adolf Schicklgruber geht ab.
C.(verträumt): Das wird heute noch ein schöner Tag
R1: Chef?
C.(verträumt): Alles endet dort wo ich es wünsche
R1: Chef!….Die Sitzung!
C.: Nächster Tagesordnungspunkt Redakteur 2?
R2: Der Leonardo da Vinci der Provinz
C.: Was ist mit dem?
R3: Nach dem riesigen Erfolg seiner Einzelausstellung im Dorf Y. malt der Leonardo da Vinci nun die Fassade unseres Pressehauses aus….
C.: Was ist das Problem?
R1: Der Leonardo da Vinci der Provinz ist andauernd betrunken; belästigt unsere weiblichen Angstellten sexuell und stellt diesen anschließend auch privat nach….er beschimpft und verunglimpft unsere männlichen Angestellen in wüster und roher Art und Weise
C.: Ich fragte nach dem Problem, nicht nach seiner künstlerischen Arbeitsweise
R1: Das Problem ist, dass nun überall im Pressehaus leere Bier- und Schnapsflaschen herumliegen; gebrauchte Kondome; Urinflecken und Farbkleckse an den Wänden; dazu noch überall Blutflecken von den Schlägereien, welche sich der Leonardo da Vinci der Provinz täglich mit den polnischen Putzfrauen gleich mehrmals liefert
C.: Dass gehört doch bei jedem ernstzunehmenden, also finanziell orientierten Künstler dazu!
R1: Er stellt die Geduld der weiblichen Angstellten auf eine harte Probe
C.: Na und?
R2: Seine Schimpftiraden sind im gesamten Pressehaus zu vernehmen
C.: Sollte er nicht die Fassade ausmalen?
R1: Der Leonardo da Vinci der Provinz sitzt im Moment auf unserer Druckmaschine und blockiert den gesamten Arbeitsprozess
C.: Warum?
R1: Der Leonardo da Vinci der Provinz behauptet, dass er bei seiner Arbeit ein devot kriechendes Umfeld braucht, um sich künstlerisch entfalten zu können
C.: Devote Agatha?
A.: Ja Chef?
C.: Holen sie mir den Leonardo da Vinci der Provinz sofort hierher
A.: Ja Chef
Die Devote Agatha, Assistentin des Chefredakteur geht ab.
R5: Chef?
C.: Ja Redakteur 5
R5: Ich hätte da noch eine Idee bezüglich der unerträglichen Arroganz
C.: Schießen sie los Redakteur 5
R5: Man könnte doch der Zeitung eine Gratis-Beilage beilegen….ich dachte dabei an ein einfaches Stasi-Set….damit sich die Menschen in der Provinz mit dem Stasi-Set gegenseitig alle überwachen können….die Nachbarn, die Verwandten, die Bekannten, die Feinde, die Freunde….denn hier in der Provinz sollte doch wirklich niemand ein Geheimnis vor seinem Nächsten haben
C.: Und sie glauben, dass würde funktionieren?
R5: Natürlich müsste man alle Anweisungen, alle Tips und Tricks mit Bildergeschichten illustrieren, denn dieses technische Kauderwelsch, diese hässlichen Worte würde ja sowieso niemand verstehen
C.: Damit ein jeder jeden überwacht….glauben sie nicht, dass die Provinzmenschen dass nicht schon längst selbst machen?
R5: Damit die Überwachung lückenlos wird
C.: Ich denke….
Der Satz des Chefredakteur bricht ab, als die Agatha Devote und der Leonardo da Vinci der Provinz den Redaktionsraum betreten.
C.: Leonardo da Vinci der Provinz; es ist mir eine große Freude ihre Bekanntschaft zu machen
L.: Ehre wem Ehre gebührt
C.: So von Chef zu Chef; sie, als größter Provinzkünstler und ich, als größter aller Provinzler; was hat sie dazu bewogen eine solch niedrige Arbeit wie jene die Fassade unseres Pressehauses auszumalen?
L.: Die komplizierte oder die einfache Antwort?
C.: Irgendeine Antwort
L.: Nur wegen meiner Schulden
C.: Wo haben sie Schulden?
L.: 30,87 Euro brutto beim Schnapsladen um die Ecke zum Beispiel
C.: Redakteur 1….gehen sie in den Vorraum….dort liegt ein Scheckheft für beliebige Spesen aus und schreiben sie unserem Leonardo da Vinci der Provinz einen Scheck in Höhe von….von 100 Euro brutto….niemand in der Provinz möchte doch, dass ein solcher Peanuts unseren größten aller Provinzkünstler von der Arbeit abhält
R1(von seinem Sitzplatz sich erhebend): Wird sofort erledigt Chef
Redakteur 1 geht ab.
L.: Chefredakteur?
C.: Leonardo da Vinci der Provinz?
L.: Außerdem ist mir die Atmosphäre hier im Pressehaus zu künstlerfeindlich; die weiblichen Angestellen wehren sich gegen meine sexuellen Avancen; die männlichen Angestellen nehmen meine Schimpftiraden nicht kuschend und gebeut devot entgegen….in solch einer Atmosphäre kann doch kein Künstler arbeiten
C.: Und wie sollten sich ihrer Meinung nach meine Angestellten denn verhalten
L.: Gänzlich normal….wie in der restlichen Provinz….devot kriechend und zu einem wie mir aufblickend
C.: Ich versichere ihnen, ich werde diese ihre Anweisung ab sofort jeden Tag als ersten Tagesbefehl ausgeben
L.: Schließlich sollten sich die Frauen unterordnen und die Männer kuschen
C.: Also das genaue Gegenteil zum Verhalten der Provinzler gegenüber dem Dichter?
L.: Dem wem?
C.: Des Dichters
L.: Der Dreck….
C.: Wie auch immer sie ihn nennen möchten
L.: Sehen sie sich doch die Provinzler an….die Jugendlichen hier in der Provinz….nicht nur beim Provinzpöbel, den Uniformierten, denn vor allem auch bei diesen Jugendlichen ist diese Verrohung, welche bei mir schon seit Geburt an, massiv ausgeprägt war, vorzufinden und wissen sie warum die Menschen dermaßen menschlich, geistig und sprachlich verroht sind?
C.: Keine Ahnung
L.: Da deren Väter und Mütter ihren Söhnen und Töchtern nichts anderes beigebracht haben, als dem Mammon nachzurennen, sich immer wie die Allerletzten zu verhalten….und da die Eltern dieses Pöbels, der ja in allen Schattierungen und Bereichen und Sparten der Provinz im Übermaß vorhanden ist, dieser, von der Politik, den Medien und der Wirtschaft, den Reichen und Mächtigen, herangezogener, infantiler, restlos debiler, rein auf Konsum und Hedonismus, also nur und nur auf das Geld ausgerichtete Masse sind, die nicht einmal dazu befähigt sind die Verantwortung über sich selbst zu übernehmen
C.: Daher diese Verrohung, die bei ihnen ja von Geburt an vorhanden war, bei all diesen Jugendlichen, ja bei allen Menschen?
L.: Was zählt denn bei den Menschen….die Menschen reduzieren doch mittlerweile ihr Leben auf Sex und Materialismus; auf das Recht des Stärkeren; kurz gesagt auf Vögeln, Fressen und spotten….dass ist die moderne Intelligenz….und egal wohin die Menschen blicken, was sie auch tun, von allen Seiten….der Politik, der Wirtschaft, den Medien wird ihnen bestätigt, dass sie dass richtige tun; wird die Masse dazu aufgemuntert
C.: Sie kritisieren also die bestehenden Verhältnisse?
L.: Nein, denn ich sehe mich als Teil dieser Masse und produziere meine provinzielle Kunst in diesem Kontext
C.: Und der Dichter?
L.: Diesem trifft diese Verrohung der Menschen völlig zurecht am härtesten….wer schwach, also arm ist, wird geschlachtet….wer stark, also reich ist, ist ein Künstler, ein Bürger, ein Mensch!
Der Leonardo da Vinci der Provinz dreht sich um und geht ohne ein weiteres Wort zu sagen, ab.
Der Chefredakteur blickt dem Leonardo da Vinci der Provinz staunend hernach.
C.: Und nun?
R2: Chef?
C.: Ja Redakteur 2?
R2: In den vergangenen Tagen erreichten die Redaktion tausende von Solidaritätsbekundungen, von Leserbriefen, die unsere Haltung teilen, die die beiden Praktikanten verdammen von tausenden Provinzmenschen, aber auch tausende von Leserbriefen von österreichischer, deutscher und vor allem schweizerischer Seite….von Chefredakteuren, von Hotelieren, von Luxus-Geschöpfen, von Diplomaten, von Privatbankern, von Rüstungsindustriellen, also von vor allem, aber nicht nur, Reichen und Mächtigen; welche ja das eigentliche Volk sind, auch wenn diese nur 4% der Bevölkerung ausmachen….ein jeder von diesen hat uns seine bedingungslose Hilfe und Solidarität zugesichert
C.: Und kein einziger Brief, welcher den Standpunkt der beiden Praktikanten verteidigt….kein einziger Brief, welcher sich auf die Seite der Machtlosen und Armen schlägt?
R2: Kein einziger Brief dazu Chef
C.: Die Unterschicht richtet sich wiedereinmal selbst
R2: Selbst die Unterschicht ist auf unserer Seite
C.: So kenne ich meine Provinz….meine Welt
Sichtlich augeregt kehrt Redakteur aus dem Vorraum in den Redaktionsraum zurück.
R1: Chef?!
C.: Was ist Redakteur 1….haben sie den Scheck an den Leonardo da Vinci der Provinz ausgehändigt?
R1: Ja Chef, aber….
C.(Redakteur 1 unterbrechend): Nichts da mit einem aber, ein solch verdienter Künstler um die Belange der Provinz hat das Beste verdient!
R1: Chef, ich wollte
C.(Redakteur 1 unterbrechend): Was….was ist….ist Agatha Devote etwa schwanger?
R1: Nein Chef, aber sie sollten sich….
C.(Redakteur 1 unterbrechend): Was….schon wieder eine neue Freundin?
R1: Nein Chef, so lassen sie mich doch aussprechen!
C.: Also….was ist Redakteur 1?
R1: Auf dem Gelände vor dem Pressehaus spielen sich unglaubliche Szenen ab
C.: Ja, wenn der Pöbel erstmal tobt
R1: Es hat sich in der Provinz rasend schnell herumgesprochen, dass einige Dutzend Anderdenkende vor dem Pressehaus dem Pöbel zum Frass vorgeworfen werden und nun strömen aus allen Himmelsrichtungen Tausende von Provinzmenschen hierher, um an diesem niederträchtigen Spektakel teilzuhaben
C.: Na und?
R1: Vom Norden der Provinz nähert sich der ProvinzNaziHausArzt, begleitet von Hunderten, wenn nicht Tausenden von ProvinzNaziÄrzten
C.: Dann tun sie wenigstens einmal in ihrem Leben etwas Sinnvolles
R1: Vom Süden der Provinz nähert sich der Tourismusvisionär mit hunderten seiner hauseigenen Angestellten
C.: Dann fällt das Erwachsenenprogramm heute wohl aus
R1: Vom Westen der Provinz nähert sich der Dorfpatriarch, begleitet von Hunderten Dorfpatriarchen
C.: Und vom Osten der Provinz?
R1: Tausende von Nützlingen….alle begleitet von ihren wunderbaren weiblichen Luxusgeschöpfen
C.: Was wird von den Grenzübergängen gemeldet?
R1: Tausende von Österreichern und Tausende von Schweizern bewegen sich in einer Zangenbewegung auf das Pressehaus hinzu
C.: Was für ein schöner Tag
R1: In diesen Minuten bringt eine Hundertschaft von Uniformierten zwei Dutzend Anderdenkender auf den Platz vor unser Pressehaus
C.: Und wo sind die boshaften provinziellen Frauen?
R1: Die ProvinzNaziÄrzte, der Tourismusvisionär, die Nützlinge, der Dorfpatriarch werden von Hunderten boshaften, jungen, durchgehend wunderschönen Provinzfrauen begleitet
C.: Dann braucht sich ja niemand irgendwelche Sorgen um die Niedertracht und die Grausamkeit machen
R1: In solch einer Stunde sollten auch wir uns der Masse anschließen und alle gemeinsam, in einem riesigen Kraftakt, diese Anderdenkenden zerstören!
C.: Ja Redakteur 1, dass ist eine gute Idee….die erste gute Idee seit Jahren
R1: Also?
C.: Wir schließen uns dem Provinzpöbel an!
Der Chefredakteur und die Redakteure erheben sich von ihren Sitzplätzen.
C.: Die Sitzung ist erst dann beendet, wenn keiner dieser Andersdenkenden mehr lebt….Nieder mit der Menschlichkeit
Die Redakteure: Nieder mit der Menschlichkeit!
Die Redakteure gehen ab.

Epilog

Kurze Zeit später erreichen die ProvinzNaziÄrzte mit dem an ihrer Spitze marschierenden ProvinzNaziHausArzt; einige Augenblicke später die Dorfpatriarchen und der Tourismusvisionär mit Anhang den Platz vor dem Pressehaus.
Endgültig in niederträchtigstem Gehetze und kreischendem und keifendem Getöse versinkt die Masse vor dem Pressehaus, als tausende von Nützlingen sich der Masse ebendort anschließen.
Die Frauen schimpfen und wälzen sich am Boden; die Männer schärfen ihre Messer und Fäuste; es breitet sich also im wahrsten Sinne des Wortes eine wienerische Progromstimmung unter den Anwesenden aus.
Der Pöbel tobt und diesem dürstet es nach Blut und Gewalt.
Auch der Chefredakteur und die Redaktion haben sich unter die Anwesenden gemischt und hetzen in schrecklicher Weise; verlangen den Tod der Andersdenkenden.
Schließlich erreicht eine Kolonne von gepanzerten Fahrzeugen der provinziellen Uniformierten den Platz vor dem Pressehaus.
Langsam öffnen sich die Türen der gepanzerten Fahrzeuge und diesen entsteigen zwei Dutzend provinzieller Anderdenkender.
Für einen Moment, der ewig scheint und doch sogleich vorbei ist, herrscht unter den Anwesenden eine absolute Stille, welche im nächsten Moment vom lauten Geschrei gebrochen wird.
Die Masse stürzt sich auf die Anderdenkenden; die Messer blitzen, die Fäuste fliegen, die Krallen strecken sich, die Schimpftiraden münden in einem hysterischen, fiebrigen und kranken Wahn….doch bevor der erste Schlag, der erste Stich, die Krallen die Anderdenkenden erreichen, geht plötzlich ein sehr lautes Grunzen durch die Reihen der versammelten Menge.
Panisch hält die Masse inne und anstatt dem Geschrei und dem Gekeife, den Schimpftiraden, vernimmt man nur noch ein sehr lautes, aus tausenden von Mündern strömendes tierisches Grunzen.
Unter einem unvorstellbarem Gegrunze und tierischem Wiehern fallen die Kleider, beginnen die ProvinzNaziÄrzte, die Nützlinge, der Leonardo da Vinci der Provinz, die Dorfpatriarchen, die Redakteure, die Uniformierten, der Tourismusvisionär, die boshaften Frauen; ja alle Anwesenden, unter denen sich auch viele Provinzpolitiker und provinzielle Mächtige und Reiche befinden, in seltsamer Art und Weise sich zu verwandeln.
Die Menschen fallen zu Boden und grunzen; strecken ihre vier Gliedmaßen aus und grunzen; ihre Nasen scheinen größer zu werden und grunzen; ihre Ohren wachsen und ihre Finger verwandeln sich in Klauen und grunzen.
Langsam und doch unendlich erschreckend verwandeln sich die Anwesenden, mit Ausnahme der Andersdenkenden, in Schweine.
Es ist eine riesige Schweinerei.
Kaum hat sich ein Mensch endgültig in ein Schwein verwandelt, beginnt dieses über das nächste Schwein herzufallen und so fressen sich die Schweine gegenseitig auf.
Und auch wenn der Zustrom von tausenden von Provinzmenschen nicht enden möchte, so erblickt man doch bald nur noch eine riesige Menge an Schweinen auf dem Platz vor dem Pressehaus.
Erschüttert und schockiert verfolgen die Anderdenkenden wie sich die Schweine gegenseitig zerfleischen; versuchen zu helfen, doch es ist schon zu spät.
Es ist, wie bereits geschrieben, eine riesige Schweinerei.
Am Ende bleibt nur ein Schwein übrig, ein fettes und hässliches Schwein, welches einige Sekunden später, aufgrund der diesem im Kampf zugefügten Verletzungen, tot umfällt.
Die Andersdenkenden wenden sich vom Ekel, über diese riesige Schweinerei, überwältigt, davon ab und gehen ab.
So hat all diesen Menschen, als deren wahre Natur zum Vorschein kam, all dass von ihnen so geliebte Geld, all ihre Reichtümer, all ihre Macht, all ihre Boshaftigkeit, all ihre Hinterhältigkeit, all ihre Niedertracht, all ihre Gemeinheit, auch nichts mehr genutzt.

The End

März 27, 2010

Nachwort zum Fragment „Unterm Berg“

An einem Dienstag Ende Jänner spazierte ich zu einer Tabakladen und als ich mich daran machte diese zu betreten, stand in der Nähe ein im Anzug gekleideter Italiener (ohne Krawatte), stand dort wegen meiner Wenigkeit herum und telefonierte am Handy.
Am Donnerstag jener Woche sollte eine Entscheidung bezüglich eines Arbeitsverhältnisses stattfinden und jener Italiener in der Nähe sprach am Handy und sprach in dieses doch tatsächlich, welche Entscheidung am Donnerstag gefällt werden würde (etwas, dass ich auch schon wusste, aber über diese üble Geschichte schreibe ich ein anderes Mal).
Es steht also dieser Italiener dort in meiner Nähe und spricht über die Entscheidung welche am Donnerstag gefällt wird (wissend welche) und ich betrete den Tabakladen, beeile mich mit meinen Einkauf und verlasse eilig den Laden, erblicke den sich von mir wegbewegenden italienischen Mann und eile diesem einige Schritte hernach; da es sich nach meiner Meinung um keinen vertrottelten Behördenvertreter handelt bin ich doch einigermaßen interessiert, wer dieser stronzo fascista italiano ist….als ich um die Ecke etwa 20 Meter weiter biege, ist dieser verschwunden; also hat das dort befindliche Bürogebäude bzw. die dahinterliegene Versicherungsagentur betreten.
Ich gehe ab.
Also dieser dahergelaufene stronzo fascista italiano weiß über eine persönliche Angelegenheit Bescheid; weiß, dass ich mich dort wo ich bin aufhalte; weiß über eine Entscheidung die in der Zukunft gefällt wird, schon Bescheid und solche und ähnliche Geschichten sind keine Einzelfälle, denn geschehen mit einer bestimmten Regelmäßigkeit.

….Schlußfolgerungen….

Ich denke mir, dass man bei den Provinzpolitikern, den Provinzbehörden, dem italienischen Pöbel, den ProvinzNaziÄrzten, diesem provinziellen, niederträchtigen Netzwerk aus Politik, Wirtschaft und Behörden in ihrem Handeln, Tun und „Denken“ nicht von Dummheit, Ignoranz, Boshaftigkeit, geistige und emotionale Blindheit sprechen sollte, denn von einer elementaren Abwesenheit, einem Fehlen, einem exentiellen Mangel an grundlegenen menschlichen Kapazitäten; eine Abwesenheit, ein Mangel, welcher diese Provinzpolitiker, Provinzbehörden, Provinzmenschen auf dem intellektuellen, geistigen Status von….nun ja….was auch immer reduziert, denn mit der Vernunft, mit der Aufgeklärtheit, mit der Intelligenz kann man sich ein solches Verhalten, eine solchen Modus Operandi, ein solches Denken und Fühlen nicht erklären.

….also für die ganz Langsamen….

Ignoriert, verspottet, beleidigt, bedroht zu werden….was bringt dass….mir macht dass nichts aus….ich denke vor dem Schlafen gehen 2 Sekunden daran und am nächsten Morgen habe ich es vergessen….
Den ProvinzNaziHausArzt und die beiden Onkel mit allen verfügbaren Mitteln zu unterstützen, also vor allem durch das politische, wirtschaftliche und behördliche Netzwerk….was bringt dass….
Mit negativer Propaganda gegen mich vorzugehen und jeden dahergelaufenen stronzo fascista italiano alles über mich zu erzählen….irgendeinem superstronzo….was bringt dass….macht mir nichts aus….
Also nochmals für die ganz, ganz langsamen, also euch; euer Spott, euer Hohn, eure Beleidigungen, eure negative Propaganda, eure Drohungen bewirken nichts….

….ich hingegen schreibe darüber ein Fragment wie „Unterm Berg“ und auch wenn ihr dass nicht verstehen werdet, dieses Fragment wird noch dann gelesen werden, wenn ihr schon längst unter der Erde ruht und die Menschen die es dann lesen werden, diese werden Gott dafür danken, dass es einen solchen Menschen wie mich gegeben hat und dies niedergeschrieben hat und diese Menschen werden sich denken, was für ein niedriger menschlicher Abschaum ihr doch wart….

….so nun könnts weiter ignorieren, spotten, drohen, beleidigen, negative Propaganda betreiben, denn zum Elementarsten wie dem Denken, fehlen euch ja anscheinend die grundlegensten menschlichen Kapazitäten….

Und was ich am allerbesten finde:
Dass es den Provinzpolitikern, den Provinzbehörden, dem italienischen Pöbel, diesem provinziellen Netzwerk aus Politik, Wirtschaft und Behörden in diesem Fall nicht gelingen wird, dies zu vertuschen….diesmal nicht…..wenigstens dieses Mal wird eure Niedertracht, eure Feigheit, eure Dummheit nicht triumphieren, denn gänzlich im Gegenteil….

….diese Fragmente, Gedichte, Aphorismen….
….die werdet ihr mit all eurer Macht, die in meinem Falle nur eine Ohnmacht ist, nicht vertuschen können….

März 27, 2010

Eine Provinz-Utopie: Unterm Berg

Vorwort:
….einstecken….und austeilen….
….ich schreibe den Text in der 1.Fassung, ohne diesen zu überarbeiten; es ist also eine rudimentäre Sprache….eine provinzielle Sprache….
….ich benutze aus Zeit- und Arbeitsgründen Kürzel und schreibe die Namen nicht voll aus….
Disclaimer:
The Events, Characters And Firms Depicted In This Fragment Are Fictitious; Any Similarity To Actual Persons; Living Or Dead; Or To Actual Firms; Is Purely Coincidental.

1.Szene In der Burg

Personen:
Der Sekretär (Sek.)
Die 2 Soldaten (W1;W2)
Die 2 Blondinen (B1;B2)
Der Schlampenmeister (S.)
Die Todesspatzen (T.; T2-T5)
Die Chefvertuscherin (C.)
Die Uniformierten (U.)
Die Winkeladvokaten (Wi.)
Trautmann (T.)
3 ProvinzNaziÄrzte (N1-N3)

Dunkelheit.
Tief verborgen in einer Provinz, hoch über einen Dorf befindet sich eine Burg, deren bedrohlicher Schatten alle und wohl auch alles in Furcht und Schrecken versetzt.
In dieser Burg sitzt ein Sekretär in einem Vorraum hinter einem großen Schreibtisch.
Links von dem Sekretär befindet sich eine Tür zu einem Gang hinaus und rechts von diesem befindet sich eine Durchgangstür, vor welcher 2 Soldaten in Fantasieuniformen Wache stehen.
Hinter dieser Durchgangstür befindet sich ein großer Raum in welchem eine Frau hinter einem riesigen Schreibtisch arbeitet.
In zwei Ecken dieses Raumes befinden sich einige Männer, welche irgendeiner Tätigkeit nachzugehen scheinen, deren Art, durch die Dunkelheit man nicht erkennen kann.

Die Tür des Vorraumes fliegt krachend auf; ein Mann, begleitet von 2 Blondinen, torkelt sichtlich angetrunken in den Vorraum hinein, geht zur Durchgangstür und wird von den 2 Soldaten am Betreten des Hauptraumes gehindert.
S.: Ich verlange unverzüglich Zutritt
W1: Nur mit der Ruhe meine Exellenz
S.: Was erlauben sie sich Soldat?
W1: Wenden sie sich….
S.: Ich verlange Satisfaction!
Die beiden Blondinen kichern.
W2: So wenden sich ihre Exellenz doch an den Sekretär
Der Mann blickt sichtlich verwirrt zum Sekretär und kehrt dann mit seinem Blick zu dem Soldaten zurück.
S.: Soldat….Soldat, halten sie den Standesdünkel….aus dem Weg!
Der Mann und einer der Soldaten beginnen miteinander zu ringen.
Nach kurzem Hin und Her gelingt es den beiden Soldaten den Mann von der Durchgangstür zu entfernen und diesen vor dem Schreibtisch des Sekretär zu positionieren.
Sek.: Exellenz, so beruhigen sie sich doch
S.: Ich verlange unverzüglich Zutritt!
Sek.: So geht dass aber nicht
S.: Was für ein Frevel?
Sek.: Exellenz, sie müssen sich wie die anderen Gäste der Gnädigsten gedulden….Gast für Gast….bis auch sie an die Reihe kommen
S.: Wissen sie Stümper denn nicht wer ich bin!?
Sek.: Exellenz?
S.: Sie wissen es nicht
Sek.: Exellenz?
S.(den Sekretär nachahmend): Ihre Exellenz….ihre Exellenz….ihre Exellenz
Die beiden Blondinen kichern.
Sek.: Wenn ich seine Exellenz also bitten dürfte
S.: Sie dürfen
Sek.: Ihr Name Exellenz?
S.: Ich bin der Schlampenmeister sie Stümper
Sek.: Einen Moment bitte
Der Sekretär wirf einen Blick in seine Unterlagen.
Sek.: Seine Exellenz….der Schlampenmeister
S.: Ich verlange….ich verlange unverzüglich Zutritt!
Sek.: Ihr Anliegen Exellenz
S.: Eine Unterredung mit der Chefvertuscherin
Der Sekretär wirf einen Blick in seine Unterlagen.
Sek.: Seine Exellenz hat einen Termin bei der Chefvertuscherin….aber seine Exellenz sind zu früh vor Ort
S.: Was erlauben sie sich?
Sek.: Der Schlampenmeister, geboren am
S.: 19xx
Sek.: Seine Exellenz….ich bitte sie im Gang Platz zu nehmen und dort zu warten, bis die Chefvertuscherin Zeit für sie gefunden hat
S.: Eine Unverschämtheit ist dass!
Sek.: Soldaten!
S.: Was erlauben sie sich….sie Stümper!
Wutschnaubend nimmt der Schlampenmeister die beiden kichernden Blondinen bei der Hand und verlässt, eskotiert von den beiden Soldaten, den Vorraum.
Nachdem die Soldaten den Schlampenmeister hinausbegleitet haben, kehren die Soldaten wieder an ihren Platz vor der Durchgangstür zurück.
Nach einer kurzen Zeitspanne blickt der Sekretär von seinen Unterlagen auf.
Sek.: Soldaten!
W1: Ja, Herr Sekretär!
Sek.: Bitten sie die nächsten Gäste herein
Ein Soldat geht zur Ausgangstür; öffnet diese und geht in einen uneinsichtlichen Gang hinaus.
Nach einigen Augenblicken kehrt der Soldat in Begleitung von 5 Männern in den Vorraum zurück und schließt die Ausgangstür.
Der Soldat kehrt zu seinem Posten bei der Durchgangstür zurück.
Die 5 Männer stehen vor dem Schreibtisch des Sekretär.
Sek.: Seien sie mir gegrüßt….mit wem habe ich die Ehre?
Einer der 5 Männer räuspert sich und tretet einen Schritt nach vorne.
T.: Sie haben die Ehre mit den Todesspatzen
Sek.: Die Ehre ist gänzlich meinerseits
T.: Wir sind eine Gruppe von Hobby-Musikern und….
Sek.: Was ist ihr Anliegen an die Chefvertuscherin?
T.: ….und möchten der Chefvertuscherin eines unserer Lieder vorsingen
Sek.: Soldat!
W1: Ja, Herr Sekretär!
Sek.: Begleiten sie diese hochverehrten Herren in den Hauptraum
W1: Jawohl Herr Sekretär!
Die Todesspatzen gehen in Begleitung eines Soldaten zur Durchgangstür, welche der Soldat nach einem einmaligen kräftigen Klopfen öffnet.
Die Szene wechselt in den Hauptraum.
Dort sitzt die Chefvertuscherin an einem riesigen Schreibtisch und ist dabei einen Stapel Dokumente abzuarbeiten.
In einer Ecke befinden sich einige Männer in Uniformen und gehen einer undefinierbaren Tätigkeit nach.
In einer anderen Ecke befinden sich einige Männer, welche sich wie Winkeladvokaten verhalten und mit leiser Stimme miteinander diskutieren.
W1: Todesspatzen!….Ihre Exellenz!….Die Chefvertuscherin!
Die Chefvertuscherin blickt von dem Stapel Dokumente auf.
C.: Soldat!
W1: Ich lasse bitten!
Die 5 Männer/die Todesspatzen gehen beim Anblick der Chefvertuscherin auf ihre Knie und senken demütig ihre Blicke zu Boden.
Der Soldat verbeugt sich und verlässt dann den Hauptraum, die Durchgangstür hinter sich verschließend.
Die Chefvertuscherin blickt schweigend zu den Todesspatzen.
C.: Mit wem habe ich das Vergnügen?
Demutsvoll schweigen die Todesspatzen.
C.: So erhebe sich doch einer
Einer der 5 Männer erhebt sich mit dem Blick zum Boden gesenkt.
C.: Also?
T.: Hochverehrte Exellenz….wir….wir sind die Todesspatzen….eine verkommene Bande von Musikern….wir haben es uns erlaubt, um eine Audience anzusuchen….um ihnen….um ihnen, ihrer hochverehrten Exellenz, der Chefvertuscherin zu Ehren; eines unserer Lieder als Lobhuldigung darzubieten
C.: Uniformierte!
Die in einer Ecke stehenden Männer blicken zur Chefvertuscherin.
U.: Ja, gnädigste Chefvertuscherin?
C.: Haltet inne und lauscht!
U.: Ja, gnädigste Chefvertuscherin
C.: Winkeladvokaten!
Wi.: Ihre Exellenz?
C.: Haltet inne und lauscht!
Wi: Ja, ihre Exellenz
C.: Nun gut….nun gut….Todesspatzen, ich warte und vergeudet ja nicht meine wertvolle Zeit
Die 5 knieenden Männer stehen auf.
Einer der Todesspatzen geht einen Schritt vor.
T.: Zu Ehren der gnädigsten Chefvertuscherin eine Darbietung eines unserer Lieder.
Die Todesspatzen beginnen zu singen:

Zu viele Mädchen, zu viele Drogen,
in der heilen Welt der Volksmusik
und das eine, das eine Mädchen mit den traurigen Augen
und dann gleich noch eine;
zu viele Mädchen, zu viele Drogen
in der heilen Welt der Volksmusik
und die Todesspatzen haben es immer schon gesagt;
vögle die Mädchen, aber verkauf sie nicht;
nimm die Drogen; aber verkauf diese nicht;
hure und kokse;
also bleib sauber, bleib anständig;
aber verkauf dich nicht;
denn wir sind
die Hurenböcke aus den Bergen;
denn wir sind
die Hurenböcke aus den Bergen.

Zu viele Mädchen, zu viele Drogen,
aber er wollte nicht hören;
bleib sauber, bleib anständig,
hure und kokse,
aber nein
und so verkaufte er die Mädchen;
verkaufte er die Drogen;
vögelte sich durch die Welt
und alle waren begeistert
von soviel Anstand und Moral
und die Todesspatzen haben es immer schon gesagt;
vögle die Mädchen, aber verkauf sie nicht;
nimm die Drogen; aber verkauf diese nicht;
hure und kokse;
also bleib sauber, bleib anständig,
aber verkauf dich nicht,
denn wir sind
die Hurenböcke aus den Bergen;
denn wir sind
die Hurenböcke aus den Bergen.

Zu viele Mädchen, zu viele Drogen
und das eine, das eine Mädchen mit den traurigen Augen
und dann gleich noch eine;
zu viele Mädchen, zu viele Drogen
in der heilen Welt der Volksmusik
und die Todesspatzen haben es immer schon gesagt;
bleib sauber, bleib anständig;
vögle die Mädchen, aber verkauf sie nicht;
nimm die Drogen; aber verkauf diese nicht;
bleib sauber, bleib anständig;
aber verkauf dich nicht,
denn wir sind
die Hurenböcke aus den Bergen;
denn wir sind
die Hurenböcke aus den Bergen.

Begeistert klatschen die Uniformierten und die Winkeladvokaten.
Wi.: Bravo! Bravo!
U.: Fantastisch!….Bravo!
C.: Ruhe!!
Sofort kehrt gespenstische Ruhe in den Raum ein und die Winkeladvokaten und die Uniformierten gehen wieder ihrer undefinierbaren Arbeit nach.
Ängstlich blicken die Todesspatzen zu der Chefvertuscherin auf.
C.: Fantastisch Todesspatzen!
Die 5 Todesspatzen verbeugen sich und gehen dann wieder auf ihre Knie.
T.: Vielen Dank….ihre Exellenz ist zu gütig
C.: Die heile Welt der Volksmusik….
T.: ….wo noch Anstand und Moral herschen
C.: Es geht doch um die Liebe in diesem Lied….oder etwa nicht?
T.: Der reinsten und schönsten Form der Liebe….der Liebe zu Mädchen und der Liebe zu Drogen….sozusagen eine Liebeserklärung an die schönste Form der Liebe
C.: Mit solchen Liedern wird das Provinzvolk glücklich….diese Poesie….dieser Klang der Herzen….das Mädchen mit den traurigen Augen….wie romantisch….die reinste Poesie ist dass
T.: Vielen Danke für das Lob ihre Exellenz
C.: Solch einzigartige Kunst….ein solches Meisterwerk der Poesie….so etwas Schönes und Erhabenes….etwas kulturell so wertvolles muss mit allen Mitteln gefördert, verbreitet und unterstützt werden….mit Stipendien, Vorzugsbehandlung vor dem Gesetz; Fördergeldern; Schenkungen; Landesmitteln….ja eigentlich müsste man in einem solchem Fall einen Staatsfond gründen….
T.: Gnädigste….entschuldigen sie meine Frage, aber sind nicht alle Menschen vor dem Gesetz gleich?
C.: Einige wenige sind etwas gleicher
T.: Danke….tausend Dank Gnädigste….es geht uns; also den Todesspatzen, darum, ein nachahmenswertes Vorbild für die Jugend zu sein….den Kindern ein leuchtendes Beispiel zu sein, wie man es richtig macht….denn die Jugendlichen sollen so früh wie möglich wissen….anständig und sauber koksen und huren; dass gibt es für alle in der heilen Welt der Volksmusik….bleibt unpolitisch, dumm und naiv und ihr könnt huren und koksen soviel ihr möchtet….dass ist unsere Botschaft
C.: Und dann kommt da ja noch der moralische Zeigefinger
T.: Genau beobachtet ihre Exellenz….koksen und huren, ja….alle wie Dreck behandeln, ja….mit Mädchen und Drogen handeln, nein….
C.: Ich habe verstanden….die Vorbildfunktion….dass leuchtet wohl einem jeden ein….und ich möchte mich hier und jetzt bei euch Todesspatzen für euer moralisch hochwertiges Liedgut bedanken….für euren Dienst, auf dass das Volk dumm, unpolitisch und naiv bleibt….und ich verspreche euch hiermit die Unterstützung von meiner Seite bei all euren so wertvollen und so wichtigen Vorhaben….
T.: Vielen….vielen Dank ihre Exellenz
C.: Uniformierte!
U.: Ja, ihre Exellenz!
C.: Bringen sie den Gästen, den hochverehrten Todesspatzen, einen Trog mit Papiergeld
U.: Sehr gerne Gnädigste
Man kann nun erkennen, dass die Uniformierten die gesamte Zeit über sich Papiergeld aus Trögen in den Rachen gestopft haben und dieses dann verspeist haben.
Einer der Uniformierten nimmt einen Trog mit Papiergeld und geht mit diesem zu den versammelten Todesspatzen.
Dort stellt der Uniformierte den Trog vor den Todesspatzen ab und diese stürzen sich sogleich darauf.
Der Uniformierte geht in die Ecke zurück.
Wie wildgewordene Tiere stopfen sich die Todesspatzen das Papiergeld in den Rachen und verspeisen dieses.
C.: Mundet denn das viele Papiergeld?
T.(Papiergeld kauend): Köstlich….eine Delikatesse dieses Papiergeld….
C.: Ich kann euch Todesspatzen versichern….es wird bei euch keinen Mangel an Papiergeld mehr geben
T.(Papiergeld kauend): Vielen, vielen Dank!
C.: Und vielen Dank für euer Kommen
T.(Papiergeld kauend): Es war uns eine Ehre
Die fünf Todesspatzen gehen mit dem Trog durch die Ausgangstür ab.
Die Chefvertuscherin summt vor sich dahin….und das eine, das eine Mädchen mit den traurigen Augen und dann gleich noch eine….
Die Chefvertuscherin geht zurück zu ihrem Sitz hinter dem riesigen Schreibtisch und arbeitet an den Unterlagen weiter.
Nach kurzer Zeit öffnet sich die Durchgangstür einen Spalt breit und der Sekretär lugt herein; räuspert sich und klopft dann einmal kräftig gegen die geöffnete Tür.
Sek.: Gnädigste Chefvertuscherin!?
C.(von den Unterlagen aufblickend): Was ist Störenfried?
Sek.: Ich wollte die Gnädigste darauf aufmerksam machen, dass noch eine Reihe von zweifelsohne wichtigen und ehrbaren Gästen auf eine Audience bei ihrer Exellenz warten
C.: Störenfried?
Sek.: Und haben Gnädigste nun Zeit für den nächsten Gast?
C.: Habe ich den eine Wahl Störenfried?
Sek.: Es ist ihre Provinz Gnädigste….es ist ihre Provinz
C.: Ob ich die Zeit erübrigen kann….die Zeit….die Zeit….die Uhren werden zurückgedreht werden….die Schlagzeilen ihren Glanz verlieren….eintönig wird das bunte Treiben werden….monoton und beruhigend….der Rückschritt wird den Fortschritt übertrumpfen….und kein Lichtblick der Aufklärung wird in dieser Provinz….in meiner Provinz durchscheinen….denn alles tanzt nach meiner Pfeife….alles….ALLES!
Sek.: Wie bewundernswert gnädigste Chefvertuscherin
C.: Störenfried?
Sek.: Ja Gnädigste?
C.: Ich bin soweit
Sek.: Sehr gut Gnädigste
Der Sekretär schließt die Durchgangstür und kehrt zu seinem Platz hinter dem Schreibtisch im Vorraum zurück.
Sek.: Soldat!
W1: Herr Sekretär!
Sek.: Bitten sie den nächsten Gast herein
W1: Jawohl Herr Sekretär!
Der Soldat geht zur Ausgangstür, öffnet diese und geht in einen uneinsichtlichen Gang hinaus.
Nach einigen Augenblicken kehrt der Soldat in Begleitung eines Mannes in den Vorraum zurück und schließt die Ausgangstür.
Der Soldat kehrt zu seinem Posten bei der Durchgangstür zurück.
Der Mann steht vor dem Schreibtisch des Sekretär.
Sek.: Seien sie mir gegrüßt….mit wem habe ich die Ehre?
T.: Trautmann mein Name….Heil….
Sek.(Trautmann unterbrechend): Diese Höflichkeit können sie sich hier sparen
T.: Trautmann mein Name
Sek.(in die Unterlagen blickend): Trautmann, geboren….
T.: 1953
Sek.: Ja….Ja….ihr Anliegen an die Gnädigste?
T.: Man rief mich aus der Ostmark hierher, um der Chefvertuscherin in einer unappetitlichen Angelegenheit behilflich zu sein
Sek.: Unappetitlich?
T.: Ja, unappetitlich
Sek.: Also sie sind dieser gewisse Herr Trautmann?
T.: Genau
Sek.: Also gut Herr Trautmann….Soldat!
W1: Herr Sekretär!
Sek.: Begleiten sie diesen hochverehrten Herren in den Hauptraum
W1: Jawohl Herr Sekretär!
Trautmann geht in Begleitung des Soldaten zur Durchgangstür, welche der Soldat nach einem einmaligen kräftigen Klopfen öffnet.
W1: Trautmann!….Ihre Exellenz!….Die Chefvertuscherin!
C.: Soldat!
W1: Ich lasse bitten!
Trautmann betretet den Hauptraum.
Der Soldat verbeugt sich und schließt die Durchgangstür hinter sich.
C.(von ihren Unterlagen aufblickend): Seien sie mir gegrüßt Herr Trautmann….so setzen sie sich doch….
Herr Trautmann blickt sich um, geht dann zum Schreibtisch und setzt sich vor diesem in einem Sitzplatz nieder.
T.: Heil….
C.(Trautmann unterbrechend): Diese Höflichketi können sie sich hier in der Provinz sparen….
Mißtrauisch beobachten sich der Herr Trautmann und die Chefvertuscherin einige Sekunden lang schweigend.
T.: In der Ostmark ist diese Begrüßungsformel eine Selbstverständlichkeit
C.: Wissen sie Herr Trautmann….auch hier glauben nach wie vor sehr viele an das 3.Reich….nicht so viele wie in der Ostmark….aber genügend….aber lassen sie und ich diese formellen Kleinigkeiten….
T.: Wo ist das österreichische Überlegenheitsgefühl?
C.: Herr Trautmann?
T.: Wo ist dieses Gefühl die Allergrößten zu sein?
C.: Herr Trautmann!
T.: Frau Chefvertuscherin?
C.: Danke für ihr Kommen
T.: Ich in ihrer Einladung gefolgt….auch wenn mir nach wie vor unklar ist, für welche Dienste sie mich benötigen
C.: Haben sie sich denn angenehm hierhergevögelt?
T.: Frau Chefvertuscherin?
C.: Ja Herr Trautmann?
T.: Ich habe mich selten irgendwohin so angenehm hindurchgevögelt
C.: Schöne Mädchen?
T.: Wunderschöne Mädchen….naiv….dumm….fleischig….intelligent seid ihr Provinzler ja nicht; aber schöne Mädchen habt ihr….
C.: Dann sind sie zufrieden mit dem Hierher-Vögeln?
T.: So wahr ich vögle!
C.: Und die Mädchen?
T.: Welche Mädchen?
C.(lachend): Dass ist die richtige Einstellung….
Beide lachen.
T.: Heute die….morgen die und übermorgen die….wie soll ich mich da an eine erinnern….
C.: Typisch österreicherisch
T.: So ist es….aber gnädigste Chefvertuscherin….ihr Anliegen
C.: Dann haben sie auf den Weg in die Provinz alles niedergevögelt
T.: Ihr Anliegen gnädigste Chefvertuscherin!?
C.: Ach ja….das Anliegen….dies hier ist die Provinz….meine Provinz….hier in der Provinz wird alles was den Menschen groß gemacht hat wieder klein gemacht; der aufgeklärte, intelligente, wache Mensch wird der Lächerlichkeit des Pöbels preisgegeben….das Gutmütige, Sanfte von roher Gewalt zerstört….hier regiert die Boshaftigkeit, das Hinterhältige, die niedrigen Instinkte….hier herrscht die Niedertracht….
T.: Also ist es hier ähnlich wie in der Ostmark
C.: Wie dort hat auch hier der Pöbel die Meinungshoheit….die Dummheit triumphiert auch hier….denn man muss das Schlechteste aus den Menschen herausholen….die Menschen müssen schlecht über ihre Mitmenschen sprechen….das Edle zerstören….der Abschaum muss triumphieren….
T.: Kling vielversprechend
C.: Blicken sie doch in diese eine Ecke
Die Chefvertuscherin deutet auf die Uniformierten, welche sich Papiergeld aus den Trögen in den Rachen stopfen.
Trautmann blickt zu den Uniformierten.
T.: Faszinierend
C.: Die Uniformierten fressen das Geld aus den Trögen
T.: Wie bei den Schweinen
C.: Ja….wie bei den Schweinen
T.: Ein vorbildhaftes Verhalten
C.: Uniformierte?!
U.: Ja, Gnädigste?
C.: Bringen sie meinen Gast doch einen Trog mit Papiergeld
U.: Jawohl Gnädigste
Einer der Uniformierten bringt einen Trog mit Papiergeld gefüllt zu Trautmann hin.
C.: Weitervertuschen Uniformierter!
U.: Jawohl Gnädigste
Der Uniformierte kehrt in die Ecke zurück und verspeist Papiergeld.
C.: Herr Trautmann….so kosten sie doch….
T.: Sehr gerne Gnädigste
Trautmann nimmt sich ein Bündel Geldscheine aus den Trog und stopft sich diese in den Rachen.
C.: Und Herr Trautmann?
T.(Papiergeld kauend): Exquisit….köstlich….eine Delikatesse dieses Papiergeld….
C.: Dass macht alle Gäste glücklich
T.(Papiergeld kauend): Und diese Männer in der anderen Ecke?
C.: Dass sind die provinziellen Winkeladvokaten
T.: Die provinziellen Winkeladvokaten?
C.: Die provinziellen Winkeladvokaten beraten und diskutieren wie es ihnen gelingen kann, so viele menschliche Existenzen wie möglich, so viele Familien wie möglich zu ruinieren
T.(Papiergeld kauend): Sie machen also nur ihre alltägliche Arbeit
C.: Genau….nur hier in der Provinz noch viel gemeiner, niederträchtiger und hinterhältiger
T.(Papiergeld kauend): Dass lobe ich mir
C.: Mein Anliegen an sie Herr Trautmann ist folgendes….ich möchte, dass sie für einige Wochen in der Provinz ihr Quartier aufschlagen (beistimmendes Grunzen von Trautmann) und hier alle noch verbliebenen kritischen Stimmen zum Schweigen bringen; dasss jedlicher, noch so schwächlich glimmernde Funken der Aufklärung, von ihnen, mit aller notwendigen Härte, zertreten wird….dass die Folterkeller überfüllt sind mit Unschuldigen; dass ein für alle Mal aufgeräumt wird; dass die stolzen Blicke gebrochen werden; dass alle den verdorbenen, dumm-machenden Einheitsbrei den wir diesen vorsetzen, von ebendiesen mit allerhöchsten Genuß und Freude verspeist wird….
Trautmann blickt die Chefvertuscherin an.
C.: Trautmann….so nehmen sie doch….so nehmen sie doch….
Trautmann nimmt ein weiteres Bündel Geldscheine und stopft sich diese in den Rachen hinein.
C.: Also dass sie dafür Sorge tragen, dass die Provinzmenschen ihre Knechtung und Entrechtung begrüßen
T.(Papiergeld kauend): Kritiker mundtot machen, foltern, alles was irgendwie oppositionell aussieht, niederschlachten, den Funken der Aufklärung austreten; Terror und Panik säen….
C.: Genau Herr Trautmann….und?
T.: Immer das Gleiche
C.: Wie bitte Herr Trautmann?
T.: Ich sagte, immer die gleiche Arbeit
C.: Akzeptieren sie also den Auftrag Herr Trautmann?
T.: Ja
C.: Herr Trautmann, sie werden für ihre Arbeit fürstlich entlohnt werden und natürlich werden ihnen auch die schönsten Mädchen zur beliebigen Verfügung bereitgestellt werden
T.: Wichtig ist nur, dass keiner dieser kritischen Menschen, dieser Oppositionellen; dieser aufgeklärten, intelligenten, wachen Menschen vögelt….
C.: Ich sehe Herr Trautmann….wir verstehen uns….
T.: Diese aufgeklärten, intelligenten Menschen einfach alle für verrückt erklären
C.: Fantastisch Herr Trautmann
T.: Die Uniformierten auf diese unbequemen Menschen hetzen….das Volk zum Hass gegen die Schwachen und Wehrlosen aufhetzen….
C.: Den Rückhalt dieser aufgeklärten Menschen zerschmettern
T.: Den Pöbel aufhetzen!
Die Uniformierten in der Ecke halten mit dem Verspeisen des Papiergeld aus den Trögen inne und….
U.: Den Pöbel aufhetzen!
T.: Alle kritischen Geister für verrückt erklären!
U.: Alle kritischen Geister für verrückt erklären!
Die Winkeladvokaten unterbrechen ihre Diskussionen und….
Wi.: Alle kritischen Geister für verrückt erklären!
T.(von seinem Platz aufstehend): Für krank erklären!
Winkeladvokaten und Uniformierte: Für krank erklären!
T.: Hoch lebe der Pöbel!
Wi. und U. Hoch lebe der Pöbel!
T.: Ausweisen!
Wi. und U.: Ausweisen!
T.: Einweisen!
Wi. und U.: Einweisen!
T.: Aufräumen! Anständig bleiben!
Wi. und U.: Aufräumen! Anständig bleiben!
T.: Den Funken der Aufklärung zertreten!
Wi. und U.: Den Funken der Aufklärung zertreten!
T.: Nur die Reichen sollen leben!
Wi. und U.: Nur die Reichen sollen leben!
T.: Alle unbequemen Menschen ausrotten!
Wi. und U.: Alle unbequemen Menschen ausrotten!
T.: Rausschmeissen!
Wi. und U. Rausschmeissen!
T.: Ausweisen und einweisen!
Wi. und U.: Ausweisen und einweisen!
T.: Lang lebe unser Führer Adolf….
Die Chefvertuscherin erhebt sich von ihrem Sitzplatz.
C.(hysterisch schreiend; Trautmann unterbrechend): Ruhe!!!!
Trautmann setzt sich wieder mit zufriedener Miene und stopft sich ein Bündel Geldscheine in den Rachen.
C.(sich niedersetzend): Sie wissen also nun, was sie zu tun haben?
T.: Dass weiß ich nur zu gut
C.: Für Mädchen und Luxus bleibt ihnen natürlich genügend Zeit
T.: Ja
C.: Also dann Herr Trautmann….ach ja….noch etwas….einer der Uniformierten wird immer an ihrer Seite verbleiben, um sie bei ihrer ehrenvollen Aufgabe zu unterstützen….der Uniformierte wird dafür Sorge tragen, dass alles schön vertuscht wird….Uniformierter?
U.: Gnädigste Chefvertuscherin?
C.: Sie werden den Herrn Trautmann begleiten und nicht mehr von seiner Seite weichen
U.: Jawohl gnädigste Chefvertuscherin!
C.: Und immer alles schön vertuschen Uniformierter!
U.: Dass können wir provinziellen Uniformierten am Allerbesten
C.: Also Herr Trautmann….viel Erfolg
T.: Für die Oberschicht!
C.: Für die Oberschicht!
T.: Heil….
C.(Trautmann unterbrechend): Diese Höflichkeit können sie sich hier sparen
Trautmann steht auf, grüßt noch einmal höflich und verlässt dann in Begleitung eines Uniformierten durch die Ausgangstür den Raum.
Die Chefvertuscherin widmet sich wieder ihren Unterlagen.
Nach kurzer Zeit öffnet sich die Durchgangstür einen Spalt breit und der Sekretär lugt herein, räuspert sich und klopft dann einmal kräft gegen die Tür.
Sek. Gnädigste Chefvertuscherin?
C.: Was ist nun schon wieder Sekretär?
Sek.: Ihre Exellenz; es warten noch Gäste auf eine Audience bei der Gnädigsten
C.: Störenfried?
Sek.: Ja, ihre Exellenz
C.: Tun sie dass, was sie nicht lassen können
Sek.: Sehr wohl ihre Exellenz
Der Sekretär schließt leise die Durchgangstür, eilt zu seinem Schreibtisch zurück, setzt sich nieder und wirf einen kurzen Blick in seine Unterlagen.
Sek.: Soldat!
W1: Herr Sekretär!
Sek.: Bitten sie die nächsten Gäste herein
W1: Jawohl Herr Sekretär!
Der Soldat geht zur Ausgangstür, öffnet diese und geht in einen uneinsichtlichen Gang hinaus.
Nach kurzer Zeit kehrt der Soldat in Begleitung von 3 Männern in den Vorraum zurück und schließt die Ausgangstür.
Der Soldat kehrt zu seinem Posten bei der Durchgangstür zurück.
Die drei Männer stehen vor dem Schreibtisch des Sekretär.
Sek(von seinen Unterlagen aufblicken): Mit wem habe ich die Ehre?
N1: Sie haben die Ehre mit drei ProvinzNaziÄrzten
N2: Von allen in der Provinz geliebt und vergöttert
N3: Denn es sind wir, die ProvinzNaziÄrzte, welche hier in der Provinz für einen gesunden und reinen Volkskörper sorgen
N2: Nach unseren Vorstellungen
N3: Denn der ProvinNaziArzt verpfuscht und pfuscht und pfuscht und nennt es dann auch noch Handwerk
N2: Das Handwerk der Götter in Weiß
N1: Und alle die uns quer kommen
N2: All diese kritischen Geister
N3: Dieses Ungeziefer
N1: Diese Parasiten
N2: Diese Bakterien
N3: Die ja leider in der Provinz noch vorhanden sind
N2: Dieses Ungeziefer namens aufgeklärte Menschen
N3: Und all diese Behinderten, dieses lebensunwerte Leben; diese Unterschichtenmenschen; all diese Menschenrechtler; all diese kritischen, aufgeklärten Menschen
Sek.: Entschuldigen sie Götter in….
N2.(den Sekretär unterbrechend): Darf ich endlich aussprechen?!
N1 und N3: Ja
N2: Dieses Ungeziefer vernichten wir
N1: Und folgen dabei streng dem Hippokratischem Eid
N3: So ist es
N1: Und dafür lieben und vergöttern uns allen hier in der Provinz
N2: Und erst die Frauen
N3: Alle Frauen lieben und verehren uns
N1: Nun ja….die Dummheit
N2: Die Dummheit und die Schönheit bedingen sich gut
N3: Gut zu unserem Nutzen
N2: Das Ungeziefer ausrotten!
N1: Ausmerzen!
N3: Auslöschen!
N1: Zerstören!
N2: Vernichten!
N3: Absichtlich überdosieren!
N1: Verachten und lethal behandeln!
N3: Dieses Ungeziefer!
N1: Das Geschwür aus dem Volkskörper entfernen
Die drei ProvinzNaziÄrzte schweigen für einen kurzen Moment.
Sek(in seine Unterlagen blickend): Sie sind also die drei ProvinzNaziÄrzte?
N2: Dass ist ausnahmsweise die richtige Diagnose….
Sek(den Naziarzt unterbrechend): Ihr Anliegen an ihre Exellenz die Chefvertuscherin?
N2: Die Ausmerzung allen unwerten Lebens
N1: Wie es der Hippokratische Eid besagt
N2: Denn unsere Unmenschlichkeit ist die Menschlichkeit
N1: Denn nur wer sich unterordnet, folgsam und brav folgt, kuschend von unten zu uns Göttern in Weiß aufblickt
N3: Nur wer….
Sek(den Naziarzt unterbrechend): Ja….ja….ja….ihr Anliegen?!
N2: Eine Besprechung mit der Chefvertuscherin!
Sek.: Also gut….Soldat!
W1: Herr Sekretär!
Sek.: Begleiten sie die hochverehrten provinziellen Naziärzte in den Hauptraum
W1: Jawohl Herr Sekretär!
Die drei ProvinzNaziÄrzte gehen in Begleitung des Soldaten zur Durchgangstür, welcher der Soldat nach einmaligen kräftigen Klopfen öffnet.
W1: Die drei ProvinzNaziÄrzte!…..Ihre Exellenz!….Die Chefvertuscherin!
C.: Soldat!
W1: Ich lasse bitten
Die drei ProvinzNaziÄrzte betreten den Hauptraum.
Der Soldat verbeugt sich und schließt die Durchgangstür hinter sich.
Die drei ProvinzNaziÄrzte und die Chefvertuscherin blicken sich kurze Zeit schweigend an; bis sich schlielich die Chefvertuscherin von ihrem Platz erhebt und zu den 3 ProvinzNaziÄrzten eilt.
C.: Lassen sie sich umarmen meine Herz-Allerliebsten
Nacheinander umarmt die Chefvertuscherin die 3 ProvinzNaziÄrzte.
C.: Kommen sie….kommen sie….
Die 3 ProvinNaziÄrzte gehen zum Schreibtisch und setzen sich vor diesem nieder.
C.: Seien sie mir willkommen….einen Drink?
N1: Gerne
N3: Ja
C.: Französischer Cognac?
N2: Gerne
Die Chefvertuscherin geht zu einer Vitrine, entnimmt dieser 4 Gläster und den französischen Cognac; schenkt ein und stellt die Gläster vor den drei ProvinNaziÄrzten ab.
C.: Nur das Beste für die Besten!
N1: Also uns ProvinzNaziÄrzten
Die drei ProvinzNaziÄrzte und die Chefvertuscherin nehmen das Glas und alle vier nippen vom französischen Cognac.
N1: Köstlich
N2: Exellent
N3: Wie nicht anders zu erwarten….exquisit….
C.: Nun, hochverehrte ProvinzNaziÄrzte, was können sie mir Angenehmes, Gesundes, Erheiterndes und Schönes berichten?
N3: Es läuft hervorragend….mit jedem Tag haben wir hier in der Provinz eine gesündere debile Masse
N2: Welche in ihrer Dummheit ihre Peiniger und Entrechter natürlich um so mehr liebt und verehrt
N1: Ich kann mich ehrlich gesagt vor zweideutigen Angeboten kaum mehr retten
N3: Täglich werden unsere Büros mit Geschenken, Blumen und Einladungen geflutet
N2: Das Volk liebt uns
N1: ….und wird mit jedem Tag dümmer
N2: ….und somit folgsamer!
N3: Aber alles läuft nach Plan
N2: Endlich wird aus dem Vollen geschöpft
N1: Ausmerzen!
N2: Das Ungeziefer ausrotten!
N3: Auslöschen!
N2: Vernichten!
N3: Absichtlich überdosieren!
N1: Dieses Ungeziefer….
N2: Zerstören!
N3: Streng dem Hippokratischen Eid folgend
N1: Keine Kritik von keiner Seite; denn nur zufriedene, gesunde, prächtige, anständige, korrekte, dumme und naive Menschen
N2: Und hinweg mit dem lebensunwerten Leben
C.: Darauf trinken wir
N1: Aus dass unsere Unmenschlichkeit die Menschlichketi ist und bleibt
N2: Darauf
N3: Es lebe der Tod!
N2: Es lebe der Tod!
C.: Es lebe der Tod!
N1: Es lebe der Tod!
Die 3 ProvinzNaziÄrzte und die Chefvertuscherin nippen vom französischen Cognac.
N1: Aber unser edles Anliegen
C.: Ja hochverehrte ProvinzNaziÄrzte?
N2: Um die Moral der debilen Masse zu steigern
N3: Diese in ihrer heilen Welt schlafen zu lassen
C.: Ja?
N1: Also in der Provinz läuft alles nach Plan
N2: Alle unsere kühnsten Erwartungen wurden übertroffen
N3: Auf allen Ebenen arbeiten uns die Menschen zu
N2: Es funktioniert hervorragend
N1: Die Kooperation mit den Uniformierten und den Winkeladvokaten könnte nicht besser sein
N3: Alle sind froh, wenn sie dann das lebensunwerte Leben los geworden sind
N2: Alle!
C.: Wirklich alle?
N3: Alle!
N1: Aber jetzt
N2: Jetzt!
N1: Jetzt möchten wir, also die heiligen ProvinzNaziÄrzte unser Gesundheitsprogramm, also die Ausmerzung unwerten Lebens, auf die Nachbarsprovinzen ausdehnen
N2: Und später….
N3: Auf die gesamte Welt
N1: Ruhig Kollegen….ruhig Kollegen….Schritt für Schritt….die Nachbarsprovinzen….
N2: Die Nachbarsprovinzen als nächste Stufe
N1: In alle vier Himmelsrichtungen….dem Süden, dem Westen, dem Norden, dem Osten….überall das lebensunwerte Leben auslöschen
N2: Nachdem es hier in der Provinz so gut funktioniert hat
N1: Und es stehen überall hervorragende Naziärzte bereit
N2: Diese Naziärzte können sofort mit ihrer Arbeit beginnen
N3: Sie sind begeistert von unserem Gesundheitsprogramm
N1: Dem Gnadentod
N2: Der gewöhnliche Kunstfehler
N3: Die unerwartete Komplikation
N2: ….als Regel, nicht als Ausnahme
N1: Ja, es ist ein Gnadentod
N2: ….für dieses unwerte Leben
N1: ….für all diese kritischen, aufgeklärten Menschen….diesem Abschaum
N2: Und die Reaktion aus dem Volk haben uns ProvinNaziÄrzten gezeigt, dass wir das Richtige tun…..
N3: Gänzlich begeistert ist das Volk
N2: Endlich, so die Stimmung, wird mit diesen unbequemen Menschen aufgeräumt!
C.: Dazu würde doch, zu diesem Gesundheitsprogramm, die schöne Musik der Todesspatzen passen
N2: Wie bitte?
C.(summend): ….und das eine, das eine Mädchen mit den traurigen Augen und dann gleich noch eine….
N1: Die Todesspatzen
C.: Genau, die Todesspatzen
N2: Der debilen Masse Lieblingsmusik
C.: Diese poetischen Texte, dieser Klang der reinen Herzen….aber entschuldigen sie….fahren sie fort
N2: Alle….die debile Masse, die Uniformierten, die Winkeladvokaten sind auf unserer Seite….der menschlichen Seite
N1: Und die kritischen, aufgeklärten Menschen werden mundtot gemacht
N2: Und nicht nur
N3: Totgemacht werden diese
C.: Dehnen sie, hochverehrte ProvinzNaziÄrzte, das „Gesundheitsprogramm“ auf die Nachbarsprovinzen aus
N1: Wie bitte?
C.: Sie haben mich schon richtig verstanden; dehnen sie ihr „Gesundheitsprogramm“ auf die benachbarten Provinzen aus
N2: Sehr gut
N3: Und dann die gesamte Welt
N2: Ruhig….ruhig Kollegen….Schritt für Schritt….
N3: Wir werden für einen gesunden und reinen Volkskörper sorgen
N1: Das Ungeziefer!
N3: Ausmerzen!
N2: Auslöschen!
N1: Vernichten!
N3: Zerstören!
N1: Diese Parasiten!
N2: All diese kritischen Geister!
N3: Denn wir ProvinzNaziÄrzte wollen nur das Beste für die Menschen
N2: Hier und anderswo
C.: Und falls es Probleme mit diesen kritischen, intelligenten, aufgeklärten; also diesen unbequemen Menschen geben sollte….also mit all diesen so verachtenswerten Menschenrechtlern und Menschenrechtsvertretern….
N1: Ach wissen sie gnädigste Chefvertuscherin….um diese kümmert sich doch die debile Masse….
N2: Der debilen Masse, die nichts lieber als geknechtet, entrechtet und geschunden werden möchte
N3: Von den Uniformierten niedergeknüppelt zu werden
N2: Und um dann von den Winkeladvokaten niedergemacht zu werden
N1: Schauen sie sich doch die debile Masse an….
N2: Die Frauen lieben die Dreckskerle….die Menschen lieben ihre Unterdrücker und hassen jene, die ihnen die Wahrheit sagen möchten
N3: Die Menschen lieben die Dummheit über alles
N2: Und wollen nichts wissen
N1: Gar nichts wollen die Menschen wissen, denn debil verbleiben
N2: Normal also
N3: Und so duldet die debile Masse stillschweigend die Ermordung, das Verschwinden aufgeklärter, kritischer und intelligenter, also unbequemer Menschen
C.: Das Licht der Aufklärung muss erlischen!
N2: Sehr bald werden wir dieses kühne Ziel erreichen
N1: Bis auch der letzte Funken Aufklärung erloschen ist
C.: Aber falls es Probleme geben sollte
N1: Ja?
C.: Dann habe ich die Lösung….eine endgültige Lösung mit brutalsten Mitteln
N2: Also den einzigen Mitteln, die bei diesen aufgeklärten Menschen wirken
C.: So ist es….und wie gedenken die ProvinzNaziÄrzte mit diesen Massen an osteuropäischen Arbeitssklaven zu verfahren?
N2: Die machen sich schon untereinander das Leben zur Hölle
N3: Diese osteuropäischen Arbeitssklaven werden überall und also auch hier wie Dreck behandelt
N2: Diese sind dem reinen und gesunden Volkskörper sehr nützlich
N1: Es handelt sich bei den osteuropäischen Arbeitsklaven eindeutig um debile Masse
N2: Zu arm, zu ungebildet um sich über ihr Schicksalslos aufzuregen
N1: Diese haben zumindest verstanden, dass sie ja nicht aufmücken dürfen
N3: Und stellen somit keine Gefahr für den gesunden und reinen Volkskörper dar
C.: Also keine drastischen Maßnahmen?
N1: Im Moment nicht
N2: Um die osteuropäischen Arbeitssklaven kümmern wir ProvinzNaziÄrzte uns, zu einem späteren Zeitpunkt
N3: Es wird eine besondere Behandlung für diese geben
C.: Nun gut…..(die Chefvertuscherin hebt ihr Glas)….auf uns!
N1: Auf uns!
N3: Auf uns!
N2: Auf uns!
Die drei ProvinzNaziÄrzte und die Chefvertuscherin nippen vom französischen Cognac.
C.: Das Ungeziefer!
N2: Ausmerzen!
N1: Auslöschen!
N3: Vernichten!
C.: Diese Parasiten!
N2: Dass ist doch eine Selbstverständlichketi
C.: Dann bedanke ich mich für ihre Aufwartung, hochverehrte ProvinzNaziÄrzte
N1: War gänzlich unser Vergnügen
C.(sich von ihrem Platz erhebend): Auf ein baldiges Wiedersehen
Die Chefvertuscherin eilt zu den drei ProvinzNaziÄrzten und umarmt einen jeden von diesen herzlich.
Die drei ProvinzNaziÄrzte verabschieden sich und gehen durch die Ausgangstür ab.
Die Chefvertuscherin setzt sich wieder und vertieft sich in den Unterlagen.
Das Geschehen wechselt in den Vorraum.
Der Sekretär arbeitet und blickt dann von den Unterlagen auf.
Sek.: Soldat!
W1: Ja, Herr Sekretär!
Sek.: Bitten sie den nächsten Gast herein!
W1: Jawohl Herr Sekretär!
Der Soldat geht zur Ausgangstür, öffnet diese und geht in einen uneinsichtlichen Gang hinaus.
Nach einigen Sekunden kehrt der Soldat in Begleitung von 1 Mann und 2 Frauen in den Vorraum zurück und schließt die Ausgangstür.
Der Soldat kehrt zu seinem Posten bei der Durchgangstür zurück.
Forschen Schrittes geht der Mann zum Schreibtisch des Sekretär und baut sich drohend vor diesem auf.
S.: Hat die Chefvertuscherin nun endlich Zeit für mich?!
Sek.: Haben sich der hochverehrte Schlampenmeister in der Zwischenzeit etwas beruhigt?
S.: Was erlauben sie sich?
Sek.: Nicht?
S.: Nein!
Sek.: Ihre weibliche Begleitung….
S.(den Sekretär unterbrechend): Schweigen sie gefälligst….
Sek.: Die Damen
S.:(den Sekretär unterbrechend): Was für eine Anmaßung?!
Sek.: Also gut….die gnädigste Chefvertuscherin hat nun Zeit für sie
S.: Blondi….Blondi II….kommt
Die beiden Blondinen kichern.
Sek.: Warten sie!
S.: Was ist dennn nun schon wieder?
Sek.: Ich sgate die gnädigste Chefvertuscherin hat nun Zeit für sie; nicht auch noch für ihren blonden Harem
S.: Sie Unverschämter….sich anmaßender….
Sek.: Nur für sie
S.: Ich werde mich über sie beschweren
Sek.: Tun sie dass
S.: Blondi….Blondi II
Die beiden Blondinen kichern.
S.: Blondi….Blondi II….wartet hier auf mich….ich komme bald….
Die beiden Blondinen kichern.
Sek.: Soldat!
W1: Ja, Herr Sekretär!
Sek.: Begleiten sie den hochverehrten Schlampenmeister zu ihrer Exellenz der Chefvertuscherin
W1: Jawohl Herr Sekretär!
Der Schlampenmeister geht in Begleitung des Soldaten zur Durchgangstür, welcher der Soldat nach einem einmaligen kräftigen Klopfen gegen die Tür öffnet.
W1: Der Schlampenmeister!….Ihre Exellenz!….Die Chefvertuscherin!
C.: Soldat!
W1: Ich lasse bitten!
Der Schlampenmeister betretet den Hauptraum.
Der Soldat verbeugt sich und schließt die Durchgangstür hinter sich ab.
C.: Wo ist Blondi und Blondi II?
S.: Dieser Tölpel den sie Sekretär nennen….
C.: Der ewige Störenfried….was ist mit ihm?
S.: Dieser Tölpel gewährte nur mir Zutritt!
C.: Der Tölpel?
S.: Ja und….
C.(den Schlampenmeister unterbrechend): Und nun warten die Blondinen im Vorraum?
S.: So ist es gnädigste Chefvertuscherin
C.: Setzen sie sich Schlampenmeister
S.: Gerne Gnädigste
Der Schlampenmeister setzt sich an den Schreibtisch.
Es folgt ein kurzes Schweigen, in welchem die Blicke des Schlampenmeister im Raum herumschweifen und schließlich bei den Uniformierten in der einen Ecke verbleiben, welche sich nach wie vor ungehemmt Papiergeld aus Trögen in den Rachen hineinstopfen.
Fasziniert beobachtet der Schlampenmeister deren Tun.
S.: Was machen denn diese Uniformierten?
Die Chefvertuscherin blickt von ihren Unterlagen auf und blickt zu den Uniformierten.
C.: Diese Uniformierten besaßen die unverfrorene Frechheit einen ehrlichen und anständigen Bürger aus der Oberschicht beim „Huren und Koksen“ gestört zu haben
S.: Was für eine Unverschämtheit auch?
C.: Ja, dass ist es in der Tat….nun habe ich diese Uniformierten dazu verdonnert, so lange Papiergeld aus den Trögen zu verspeisen, bis diese, bis in die letzte Konsequenz ihres Handelns, verstanden haben, dass es nicht ihre Aufgabe ist, anständige und ehrliche Bürger aus der Oberschicht beim „Huren und Koksen“ zu stören; denn dass es ihre Aufgabe ist; die Armen zu unterdrücken, willfährige Instrumente meiner gottesähnlichen Macht zu sein und zu verstehen, dass sich hier in der Provinz die Reichen und Mächtigen alles und die Armen nichts erlauben können….
S.: Also eigentlich wie überall….etwas gänzlich Normales, dass schon jedes kleine Kind versteht?
C.: Haben sie schon wieder getrunken Schlampenmeister?
S.: Ich sehe, sie schrecken vor keiner Wahrheit mehr zurück
C.: Sie haben getrunken!
S.: Nein
Der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin blicken sich schweigend an.
S.: Und in jener anderen Ecke?
C.: Dass sind die provinziellen Winkeladvokaten
S.: Und?
C.: Die Winkeladvokaten diskutieren darrüber wen sie sich als nächsten vorknöpfen….welche Familie sie aus niedrigsten Gründen als nächstes ruinieren….undsoweiter….
S.: Ach so
C.: Was mich hingegen interessiert….was macht der provinzielle Pöbel Schlampenmeister?
S.: Der provinzielle Pöbel hetzt….und feiert seine Ignoranz und Dummheit
C.: Wie hält sich der provinzielle Pöbel?
S.: Der provinzielle Pöbel?
C.: Wer denn sonst?
S.: Der provinzielle Pöbel hält sich gut….sehr gut sozusagen….es besteht zwar noch viel Potential; etwa zu einem italienischen Pöbel….aber es ist doch beim Provinzpöbel eine zunehmende Verrohung der Sitten bzw. der Sprache bemerkbar….zum Teil läßt sich der Provinzpöbel mittlerweile richtig gehen….dann blüht die Niedertracht, die Boshaftigkeit und die Hinterhältigkeit so richtig auf
C.: Der italienische Pöbel?
S.: Der italienische Pöbel strahlt eine Ignoranz und Dummheit aus, die seinesgleichen sucht….Brot und Spiele und sie sind glücklich und zufrieden….es genügt dem italienischem Pöbel mit ihren „superucelli“ zu protzen
C.: Ihrem was?
S.: Ja genau….ein voller Erfolg der Debilität über die Intelligenz; ein Triumph der niedrigen Instinkte über das Anspruchsvolle, Bemühte und Edle
C.: Ein Sieg der debilen Masse….des italienischen Pöbels als Niederlage für alle?
S.: So ist es….so ist es….man hat den italienischen Pöbel lange unterschätzt; aber ein Pöbel, welcher sich selbst auf Brot und Spiele und dem „superucello“ reduziert….also….den was braucht der italienische Pöbel Menschenrechte, Kultur, Respekt, Familie; Ehre….ja all dies interessiert den italienischen Pöbel doch nicht im Geringsten….ist vollständig unbedeutend geworden….denn alles was zählt ist der italienische „superucello“
C.: Und was sagen die Frauen dazu?
S.(sich räuspernd): Die Frauen….ja die Frauen….was möchten wohl die Frauen….dass wissen diese zwar selbst nicht; aber wir haben es ihnen gesagt, was sie wollen und möchten und könnten….denn was möchten die Frauen….Gleichberechtigung, Zuwendung, Liebe, Aufmerksamkeit….nein….vergessen sie dass….wollen sie shoppen, shoppen, shoppen….ja….aber vergessen sie auch dass….wollen sie romantisches Gerede….nein….nein….nein….alles was die Frauen möchten ist ein „superucello“
C.: So….
S.: Ja, so….
C.: Und die Provinzmenschen?
S.: Sind noch nicht so weit….sind noch nicht so weit….aber wir machen gute Rückschritte
C.: Ausgezeichnet
S.: Jeder Tag wird dunkler….die Mehrheit der Menschen in der Provinz denkt nur noch an Brot und Spiele und ansonsten nichts….die rückwärtsgewandten Tendenzen verstärken sich mit jeder Nacht
C.: So wie geplant?
S.: Genau nach Plan
C.: Sehr gut….sehr gut hochverehrter Schlampenmeister….unser Vorhaben wird Schritt für Schritt umgesetzt….die Zeit zurückdrehen….denn die Uhren werden zurückgedreht werden….das Licht der Aufklärung ersticken….den kritischen, intelligenten, aufgeklärten; also den unbequemen Menschen auslöschen; den Pöbel wüten lassen; die Uniformierten hetzen lassen; die Winkeladvokaten zerstören lassen….alles Oppositionelle….ja diese Krankheit namens Demokratie ausmerzen….
S.: Die Uniformierten leisten exellente Frondienste
C.: Und alle denken nur noch an Brot und Spiele….
S.: Sehr bald ihre Exellenz
C.: Einfältig, dumm, naiv, manipulierbar….eine feine formbare, debile Masse
S.: Sehr, sehr bald
C.: Sehr gut!
S.: Und welche Rückschritte gnädigste Chefvertuscherin?
C.: Es sind riesige Rückschritte gemacht worden; das Licht der Aufklärung; welches keiner zu erblicken wünscht….der kritische, wache, intelligente Geist….all dies wird verschwinden….denn der Hass; denn die Intoleranz; denn die Brot und Spiele-Doktrin wird triumphieren….so sind riesige Rückschritte in der Provinz zu verzeichnen….die ProvinzNaziÄrzte sind dabei ihr „Gesundheitsprogramm“ auf die benachbarten Provinzen auszudehnen….das Volk verkommt Tag für Tag mehr und mehr zu einer debilen Masse und jubelt darüber
S.: Fantastisch….dann wird jetzt ein- für allemal dieses Geschwür der Aufgeklärtheit, der Kritik; aus dem gesunden und reinen Volkskörper herausgeschnitten werden
C.: Stündlich werden die Rückschritte größer; der Einheitsbreit schmackhafter; die Menschen fügsamer und somit besser kontrollierbar und formbarer
S.: Die Dummheit gewinnt
C.: Die Dummheit gewinnt immer!
S.: Ich weiß….ich weiß
C.: Zusätzlich haben wir so wie führer, so auch heute Hilfe aus der Ostmark bekommen
S.: Welche Art von Hilfe?
C.: Ein gewisser Herr Trautmann; ein Profi, welcher unseren Uniformierten helfen wird, die wenigen verbliebenen kritischen, aufgeklärten; also unbequemen Menschen zu beseitigen
S.: So wie es sein soll
C.: Das Mittelalter wird wieder sein und Ordnung; Zucht und Disziplin herrschen
S.: Hinweg mit dieser perversen Moderne!
C.: Genau….hinweg mit dieser perversen Moderne!
S.: Das dunkelste Mittelalter wird sein
C.: Herr Schlampenmeister?
S.: Ja Frau Chefvertuscherin?
C.: Ich möchte, dass sie mich hinunter in das Dorf, auf den Dorfplatz, begleiten
S.: Jetzt?
C.: Ja, jetzt gleich
S.: Zu welchem Zweck?
C.: Ich möchte ihnen persönlich zeigen, welch großen Rückschritte in den zurückliegenden Tagen und Wochen in der Provinz bitterste und traurigste Realität geworden sind….machen sie sich ein eigenes Bild davon wie tief in die Vergangenheit die Provinz bereits gefallen ist….
S.: Zurück in das Mittelalter
C.: Sehr bald werden sich alle….alle Menschen werden sich im dunkelsten Mittelalter befinden
S.: Ausgelöscht das Licht der Aufklärung
C.: Und die Menschen werden uns dafür lieben, ihnen diese Last der Freiheit; des Nachdenkens, des Reflektieren von ihnen genommen zu haben….die Menschen werden uns dafür vergöttern; dass wir ihnen die Freiheit; die störenden Gedanken; das Komplexe und Komplizierte wieder abgenommen haben
S.: Wie auch nicht….die Menschen lieben die Dummheit über alles….
Der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin schweigen, in den schönsten Tagträumen verharrend, kurz.
C.(von ihren Platz sich erhebend): Also Herr Schlampenmeister
S.: Dann los….und die Uniformierten?
C.: Nur sie und ich
S.: Die provinziellen Winkeladvokaten?
C.: Nur sie und ich….und einige Soldaten….
Die Chefvertuscherin geht zur Durchgangstür und öffnet diese.
C.: Störenfried!?
Sek.: Gnädigste Chefvertuscherin?
C.: Ich und der Schlampenmeister steigen in die Untiefen der debilen Masse hinunter….wir beabsichtigen in den Morast des Dorfes vorzudringen
Sek.: Jawohl ihre Exellenz
C.: Ihr zwei Soldaten gebt die Eskorte ab
W1 und W2: Jawohl gnädigste Chefvertuscherin!
C.: Und sie Störenfried!
Sek.: Ja gnädigste Chefvertuscherin
C.: Sagen sie alle weiteren Audiencen für heute ab
Sek.: Wird sofort erledigt ihre Exellenz
C.: Und unterhalten sie die beiden Blondinen
Sek.: Die beiden Blondinen unterhalten ihre Exellenz
Die beiden Blondinen kichern.
C.: Der Schlampenmeister wird sie dann….nun ja….wohl abholen….
Die beiden Blondinen kichern.
Die Chefvertuscherin schließt hinter sich und den zwei Soldaten die Durchgangstür und geht zum Schlampenmeister hin.
C.: Dann los
Die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister gehen in Begleitung der beiden Soldaten ab.
Dunkelheit.

2.Szene Auf dem Dorfplatz

Dunkelheit.
So begeben sich der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin in Begleitung zweier Soldaten auf den beschwerlichen Weg von der Burg hinunter in das Dorf.
Nach einiger Zeit erreicht diese Gruppe den Dorfplatz.
Dort eröffnet sich ihnen ein surrealistisches und zugleich erschreckendes Panorama.
An einer schier endlos erscheinenden Reihe von Prangern sind junge Männer festgesetzt….es sind Menschen, welche es gewagt hatten für die Menschenrechte, für das Licht der Freiheit, für die Meinungsfreiheit, für die Freiheit gekämpft zu haben und von Pöbel, unterstützt durch die Uniformierten und die Winkeladvokaten; in diese Pranger verschleppt wurden.
Es herrscht Lärm und Chaos auf dem Dorfplatz; der menschliche Geist scheint im Morast der Gehässigkeiten, Boshaftigkeiten, der Dummheit und der Ignoranz schon allzutief versunken zu sein.

Personen:
Die Chefvertuscherin (C.)
Der Schlampenmeister (S.)
Die Soldaten (W1; W2; W3-W….)
Die provinziellen Geschäftsmänner (G1-G7)
Ein Mann (M.)
Die Dorfbewohner (A.;….)
Eine Dame (D.)
Der Pranger-Meister (P.)
Ein Unglücklicher (J1)
Einige italienische Touristen
Die Volksanwältin (V.)
Der Chef des provinziellen Gastwirteverbandes (G.)
Eine Kellnerin, ein Kellner, ein Koch (K1;K2;K3)
Ein Botschafter eines mitteleuropäischen Landes (Schw.)
Ich (I.)
Der Kriminelle (A.)
Die debile Masse (W.)
Die zwei Blondinen (B.; B2.)
Ein muskulöser Mann (M.)
Eine knackige Brünette (Br.)
Die Sport-Fundamentalisten

Die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister erreichen in Begleitung der beiden Soldaten den Dorfplatz.
Vor den Unglücklichen in den Prangern hat sich eine große Ansammlung von Schaulustigen eingefunden.
S.: Ein beschwerlicher Weg
C.: Wenn man zum Bodensatz der Gesellschaft vordringen möchte, muss man durch den Morast sich hindurchkämpfen
In der Nähe dieser Gruppe bemerken einige provinzielle Geschäftsmänner das Eintreffen des Schlampenmeister und der Chefvertuscherin.
Diese provinziellen Geschäftsmänner eilen der Gruppe entgegen und gehen, sobald sie diese Gruppe erreicht haben, auf ihre Knie und schließlich auf den Boden; küssen die Schuhe der Chefvertuscherin.
S.: Wer sind diese Männer?
C.: Dass sind die provinziellen Geschäftsmänner
Höchster Lobgesang und Lobpreisungen strömen aus den devoten Mündern der provinziellen Geschäftsmänner.
G1-7: Gelobt sei die Chefvertuscherin….denn heilig und dadurch profitabel ist ihr Tun und Wirken
Die beiden Soldaten versuchen die provinziellen Geschäftsmänner abzudrängen.
G1-7: Unser großes Vorbild….unsere Chefvertuscherin….gelobt sei die Chefvertuscherin!
Zwei weitere Soldaten gelangen zu der Gruppe und schließlich gelingt es den vier Soldaten die provinziellen Geschäftsmänner abzudrängen.
G1-7: Unsere Glückseligkeit….unser Ein und Alles….die Chefvertuscherin!
Die provinziellen Geschäftsmänner wälzen sich nun, wie berauscht und mit lachenden, glücklichen Gesichtern im Morast und geben seltsame Glückslaute von sich.
Diese provinziellen Geschäftsmänner abgewehrt, stürzen sogleich einige junge Frauen heran; kreischen wild und entblößen ihre Brüste.
Wie in Ekstase umschwärmen diese jungen Frauen den Schlampenmeister, berrühren diesen udn versuchen ihn zu küssen; machen diesem schöne Augen und noch viel schönere Komplimente.
S.: Genug!….Genug!….Soldaten!….Soldaten! Entfernt diese Weiber von hier
Nach einigen tumultartigen Szenen gelingt es den 4 Soldaten mit vereinten Kräften die jungen Frauen etwas abzudrängen und zu beruhigen.
C.: Erkennen sie nun verehrter Schlampenmeister….erkennen sie nun endlich was es bedeutet wenn man den Menschen das Licht der Aufklärung nimmt….ihnen die Möglichkeit zu denken und zu reflektieren nimmt….wie glücklich, wie zufrieden, wie anständig und wie stolz diese Menschen dann sind….wie dankbar….
S.: Der gesunde und reine Volkskörper
C.: Und wie leicht manipulierbar….was für eine formbare Knetmasse
S.: Und geformt gänzlich nach unseren Wünschen und Vorstellungen
C.: Wir können mit dieser debilen Masse machen was wir wollen
S.: Alles?
C.: Alles!
S.: Wir und damit meine ich die politische Klasse in der Provinz haben ja schon vorher gemacht was wir wollten….dass was wir wollten war Gesetz und wer sich eingemischt hatte, wurde ausgeschlossen; denn dass was wir wollten war das Richtige….aber so….aber so macht es natürlich noch viel mehr Sinn und noch viel, viel mehr Spaß….
C.: Man fühlt sich ein wenig wie Gott
S.: So ist es doch auch….wir sind der debilen Masse Götter
Die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister blicken stolzen Blickes um sich.
C.: Kommen sie Schlampenmeister; ich möchte ihnen doch zeigen, welche großen Rückschritte bereits getätigt wurden
S.: Sehr gerne gnädigste Chefvertuscherin….sehr gerne
Der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin gelangen zu einer kleinen Ansammlung von Menschen, vor welcher ein Mann spricht.
M.: Wir protestieren gegen den Verfall der Sitten und gegen diesen kulturellen Dreck, welchen unsere Kinder ausgesetzt sind….wir protestieren für mehr naiven Anstand….denn dieser Verfall der Werte muss ein Riegel vorgeschoben werden….wir fordern eine Rückbesinnung auf die mitteralterlichen Tugenden, Werte und Moralvorstellungen und damit eingehend verlangen wir….
C.: Los, kommen sie
S.: Ich komme
Die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister gehen zu einem der zahllosen Pranger; in welchem die Hände und der Kopf eines Unglücklichen feststecken.
Um den Unglücklichen befinden sich einige Dorfbewohner, welche den Unglücklichen beschimpfen und verunglimpfen; mit Gemüse bewerfen.
Neben dem Unglücklichen wacht ein Prangermeister darüber; dass die Tortur für den Unglücklichen nicht in Totschlag bzw. Mord ausartet.
Unauffällig reihen sich die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister unter die Anwesenden.
Eine rüstige, alte Dame bewirft den Unglücklichen mit Gemüste und beschimpft diesen mit fürcherlichen Worten.
Die Chefvertuscherin wendet sich an diese Dame.
C.: Feine Dame….entschuldigen sie….
D.: Nimm dass du Strolch….und dass….und dass….
C.: Entschuldigen sie Dame!
D.: Ja….was ist?
C.: Wer ist dieser Unglückliche?
D.: Dieser Tutnichtsgut….dieser Strolch….dass ist mein Sohn
Die Dame beschimpft ihren Sohn mit wüsten Wörtern.
C.: Was hat denn ihr Sohn denn nur verbrochen?
D.: Dieser Mistkerl?!
Die Dame bewirft ihren Sohn mit Gemüse.
D.: Dieser Halunke und Tutnichtsgut
C.: Ja, dieser
D.: Dieser Narr hat einen Politiker kritisiert….diesen ehrenwerten, feinen Herren…dieser liebenswerte, tapfere Patriot….dieser Narr hat nach dem Licht der Aufklärung verlangt und dann hat er einen Politiker angegriffen
C.: Angegriffen?
D.: In einem Artikel in einer ausländischen Zeitung
C.: Welchen Politiker?
D.: Den Hauptheuchler
C.: Den Hauptheuchler
D.: Ja, da opfert sich der Hauptheuchler für die Provinz auf; knechtet und entrechtet uns und anstatt dankbar zu sein und zu kuschen….
Die Chefvertuscherin wendet sich von der schimpfenden Dame ab und dem Schlampenmeister hinzu.
C.: Lassen sie uns etwas näher an den Unglücklichen herantreten
Der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin treten etwas näher an den Unglücklichen heran.
Der Prangermeister eilt zu der Chefvertuscherin und dem Schlampenmeister.
Der Unglückliche im Pranger wird weiterhin mit Gemüse beworfen und wüst beschimpft.
P.: Gnädigste….seine Exellenz….der Prangermeister zu ihren Diensten
S.: Worin besteht die Strafe für diese niedrige Kreatur?
P.: Die Strafe dieses Unglücklichen besteht darin 28 Tage im Pranger auszuharren und dabei um Buße für seine Vergehen von den Mächtigen und Reichen in der Provinz zu erbitten
S.: Welches Vergehen?
P.: Dieser Frevler hat dem Hauptheuchler Heuchlerei vorgeworfen….er hat somit einen Politiker kritisiert…darauf stehen 28 Tage im Pranger als Strafe
C.: Hat denn irgendjemand schon versucht diesem Unglücklichen das Provinzgelübde abzunehmen
P.: Der Unglückliche weigert sich das Provinzgelübde abzulegen
C.: Dieser Narr weigert sich also
P.: Ja Gnädigste
S.: Solch ein Schuft auch
P.: Sollte der Unglückliche nicht innerhalb von 28 Tagen im Pranger das Provinzgelübde abgelegt haben; so überlassen wir den Unglücklichen dem provinziellen Pöbel….sollte der Unglückliche allen Erwartungen zum Trotz auch dies überleben, wird dieser zuerst eingewiesen und dann ausgewiesen
C.: Also die normale Vorgehensweise in solchen Fällen?
P.: Wenn der Pöbel den Unglücklichen nicht vorher erschlägt
S.: Der Pöbel ist gänzlich wild
P.: (Es sind Ärzte, Künstler, Winkeladvokaten, Geschäftsmänner, junge Frauen)….es ist die Dummheit die diesen Pöbel so aggressiv macht….
C.: Nach Blut durstet es den Pöbel
P.: Es ist ein wirklich schlimmer Menschenschlag
S.: So soll es sein
C.: Lassen sie mich versuchen dem Unglücklichen das Provinzgelübde abzunehmen
P.: Wollen sie dass auch wirklich versuchen Gnädigste?
C.: Ja
P.: Wie sie wünschen Gnädigste….niedrige Kreatur!….NIEDRIGE KREATUR!!!
Der Unglückliche im Pranger hebt seinen geschunden Kopf.
P.: Die Gnädigste hat Erbarmen mit ihnen und möchte ihnen als Zeichen ihres unermeßlichen Großmutes das Provinzgelübde abnehmen.
Die Chefvertuscherin tritt noch näher an den Unglücklichen im Pranger heran.
Der Prangermeister bittet die Anwesenden um Ruhe und das Bewerfen des Unglücklichen mit Gemüse einzustellen.
P.: Debile Masse!….Volk!….Volk!….Haltet in eurer unfehlbaren Weisheit kurz inne….die gnädigste Chefvertuscherin (die Anwesenden gehen bei der Erwähnung der Chefvertuscherin auf ihre Knie)….die gnädigste, allmächtige Chefvertuscherin wird in einem beispiellosen Akt von Großmut und Mitgefühl versuchen diesem unglücklichen Narren mit dem Provinzgelübde zu bekehren….also bitte ich um Ruhe
Die Anwesenden befinden sich auf ihren Knien und schweigen.
C.: Niedrige Kreatur; ich lese ihnen nun das Provinzgelübde vor….also höre aufmerksam zu….Wort für Wort des Provinzgelübde soll ihre fehlgeleiteten Gedanken in die richtigen Bahnen zurücklenken….also….
Der Prangermeister reicht der Chefvertuscherin das Blatt mit dem Provinzgelübde.
C.: Das Provinzgelübde
Ehrfürchtig senken die anwesenden Dorfbewohner ihre Köpfe zur Erde hin.
C.:
Der Mensch in der Provinz entsagt
dem Licht der Aufklärung;
der Mensch in der Provinz entsagt
der Kritik, des Eigensinn,
des eigenständigen Denken;
ordnet sich unter und ein;
der Mensch in der Provinz entsagt
allen aufklärerischen Tendenzen und der Moderne;
glaubt an die Autoritäten;
denn der Mensch in der Provinz
glaubt blind und vertrauensvoll
an alles was ihm die Autoritäten sagen;
der Mensch in der Provinz
liebt und verehrt
jene, die ihn knechten und entrechten;
der Mensch in der Provinz entsagt
der Intelligenz; dem Wissen, dem Geist
und glaubt an das heilende Wort der Mächtigen und Reichen;
ergeben und kuschend folgt der Mensch in der Provinz
seiner Einfalt und Beschränktheit;
der Mensch in der Provinz entsagt
der Wahrheit;
und glaubt nur dass was man ihm sagt;
entsage Mensch aus der Provinz
den Verlockungen der unmoralischen Welt;
entsage der Aufklärung, der Moderne;
entsage deinem Wissen
und vertraue den Mächtigen und Reichen.
Der Mensch in der Provinz entsagt!
Entsage und kehre somit zurück in den Schoß des gesunden und reinen Volkskörper….preise die Dummheit und die Einfalt, die uns zu Brüdern und Schwestern macht….Entsage!
Der Unglückliche im Pranger blickt zur Chefvertuscherin auf.
C.: Entsage!
Die Anwesenden: Entsage!
C.: Entsage!
Die Anwesenden: Entsage! Entsage! Entsage!
C.: Entsage Unglücklicher!
Der Unglückliche räuspert sich.
C.: Ruhe!….Der Unglückliche möchte sich bekehren
J1: ….. Räuspern….
C.: Ja….etwas lauter Narr….
J1: Geh mir aus der Sonne Biest!
Ein lautes Raunen geht durch die Reihen der knieenden Dorfbewohner.
Wütend wendet sich die Chefvertuscherin an die knieenden Dorfbewohner.
C.: Welch eine Unverschämtheit!!!
S.: Welch eine Unverschämtheit!
P.: Welch eine Unverschämtheit!
Die Dorfbewohner: Welch eine Unverschämtheit!!!
Die Dorfbewohner beginnen den Unglücklichen im Pranger wüst zu beschimpfen.
C.(mit zornesbebender Stimme): Später….später
P.: Was ist später Gnädigste?
C.: Später brandmarkt ihr diese niedrige Kreatur, auf dass dieser Narr diesen Tag niemals vergisst
P.: Sehr wohl Gnädigste
C.: Brandmarkt ihn mit einem großen N….für Narr!
P.: Sehr gerne Gnädigste
Wutentbrannt enfternen sich die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister von dem Unglücklichen im Pranger und den um diesen versammelten Dorfbewohnern.
Wie entfesselt beschimpfen die Dorfbewohner den Unglücklichen und bewerfen diesen mit Gemüse.
Die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister spazieren an einigen Unglücklichen, welche im Pranger sich befinden, vorbei und die Chefvertuscherin beruhigt sich wieder ein wenig.
C.: All diese menschliche Abschaum
S.: ….wird seiner gerechten Strafe zugeführt
C.: Und das Volk blickt wieder zu uns Mächtigen dankbar und devot hinauf
S.: Der Pöbel vergöttert uns geradezu….gut, dass wird die Wahlen, die Mitbestimmung….ja gut, dass wir dieses Krebsgeschwür namens Demokratie aus der Provinz entfernt haben
C.: Die Ständegesellschaft, der Standesdünkel, die Leibeigenen, die Minne; die ritterlichen Tugenden, die Klöster, die althergebrachten Traditionen und Rituale, die Blutrache….das Volk wurde aus den politischen und ökonomischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen und somit ist das Volk glücklich und zufrieden….all diese Politik und Wirtschaft war ja doch viel zu kompliziert; als dass es das einfache, naive und dumme Volk jemals hätte verstehen können….
S.: Ich bin voll und ganz ihrer Meinung
C.: Schöne Zeiten erblühen uns Mächtigen und Reichen
S.: Die Hochblüte des Mittelalters
C.: Wo gar nichts blüht
S.: ….außer des Rückschrittes
C.: In absoluter Dunkelheit
S.: Fern von der Aufklärung, fern von kritischen, aufgeklärten; also unbequemen Menschen, fern von dieser perversen Moderne
C.: Fern von dieser perversen Moderne
S.: Denn nun herrschen wieder Anstand und Sitte; Zucht und Moral
C.: Das Mittelalter
S.: Endlich Rückschritte, endlich wird aufgeräumt, endlich hinweg mit der Zivilisation….eine solch große Visionärin wie sie, ihre gnädigste Chefvertuscherin….eine solch große Visionärin ist ein Geschenk des Himmels für die Provinz
C.: Die Provinz ist nicht rückständig….die Provinz befindet sich im Mittelalter
S.: Die perverse Moderne hat uns auch nichts Gutes gebracht
C.: Gänzlich im Gegenteil
S.: So ist es
C.: Sie haben Recht Schlampenmeister….diese perverse Moderne ist an allem Schuld
S.: Die Dummheit siegt immer
C.: Und diese wenigen verbliebenen Nestbeschmutzer….
S.: ….werden bald von einem Galgen baumeln
C.: Und der Rest….
S.: ….wird auf dem Niveau einer 13-jährigen sein….glauben, nicht denken; akzeptierend, nicht kritsierend; folgend, nicht protestierend und das Allerbeste daran….der Rest wird dabei nicht nur glauben das Richtige zu tun; denn auch glauben alles besser zu wissen, ohne überhaupt irgendetwas zu wissen
C.: Das Ideal
S.: Bald ist es soweit
Der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin spazieren einige Meter über den Dorfplatz schweigend dahin, als die Beiden zu einem abgelegenen Teil des Dorfplatzes gelangen.
Dort türmen sich hohe Bücherberge auf.
Davor stehen einige Menschen.
C.: Dass hier Schlampenmeister ist ein besonderer Platz
S.: Ja?
C.: Die Provinzmenschen transportieren ihre Bücher und jene, welcher sie habhaft werden hierher
S.: Und verbrennen die Bücher dann?
C.: Nein Schlampenmeister….so zurückgefallen sind die Provinzmenschen leider noch nicht….wissen sie denn wie der Volksmund diesen Teil des Dorfplatzes nennt?
S.: Nein….aber sie werden es mir gleich sagen
C.: Die Provinzmenschen nennen diesen Teil des Dorfplatzes, den Platz der Ignoranz
S.: Der Platz der Ignoranz?
C.: Die Provinzmenschen transportieren ihre Bücher hierher und ignorieren diese Bücher dann
S.: Diese Bücherberge?
C.: Genau so ist….die Provinzmenschen verzichten somit auf diese Tausende von Jahre alte Ansammlung von Büchern; diesem überflüssigen Wissen, unnötigen Weisheiten und inhaltsleeren Lebensrichtlinien
S.: Wer braucht auch schon Bücher in der Provinz?
C.: Genau….keiner braucht Bücher….alles was der Provinzmensch braucht ist Brot und Spiele und eine gewisse praktische Intelligenz
S.: Zum fressen, vögeln, spotten und natürlich zum Ausbeuten
C.: Mehr brauchte der glückliche Mensch im Mittelalter nicht, warum sollte der Mensch nun, 500 Jahre später denn mehr brauchen?
S.: Sehr korrekte Überlegung
C.: Der Mensch ist ohne Bücher, ohne Wissen, doch viel glücklicher
S.: Zweifelsohne
C.: Diese Bücher (und die Chefvertuscherin nimmt eines der Bücher in die Hand)….Gedichte von A.B. ….wer braucht denn in der heilen Welt der Provinz denn Gedichte….(die Chefvertuscherin schlägt eine Seite des Buches auf)….(mit verächtlicher Stimme)….

Der Mut schläft,
die Wörter verlieren,
die Freiheit liebt,
der Verrat schmerzt,
der Himmel verdunkelt,
das Licht erlischt,
der Tod wartet,
die Nähe wärmt
und noch einmal die Hand ergreifen,
eine kurze Umarmung,
ein freundschaftlicher Kuss,
eine Zigarette
und die Sonne scheint.

C.: So ein Blödsinn
S.: Niemand interessieren diese Gedichte
C.: Das Buch heißt….
S.(die Chefvertuscherin unterbrechend): Entschuldigen sie meine Frage Gnädigste
C.: Welches Ansinnen liegt auf ihren edlen Lippen Herr Schlampenmeister
S.: Dieser Teil des Dorfplatzes heißt doch Platz der Ignoranz….und die Idee dahinter ist doch, dass die Provinzmenschen diese Bücher in zukünftigen Zeiten ignorieren….
C.: Ja….?
S.: Aber es stehen doch einige Menschen vor diesen Bücherbergen und tun nichts anderes als ihre Aufmerksamkeit diesen zu ignorierenden Büchern widmen
Die Chefvertuscherin blickt zu den Anwesenden.
C.: Ach die
S.: Ja, diese miteinander heimlich tuschelnden Menschen Gnädigste
C.: Da machen sie sich nur mal keine Sorgen Schlampenmeister
S.: Also?
C.: Dass sind italienische Touristen
S.: Italienische Touristen
C.: Und wissen sie warum diese italienischen Touristen so fasziniert von diesen Bücherbergen sind, welche von allen Provinzmenschen so erfolgreich ignoriert werden?
S.: Nein….keine Ahnung
C.: Diese italienischen Touristen sind so dermaßen fasziniert von diesen Bücherbergen, da diese, die italienischen Touristen, vorher, in ihrem gesamten Leben, noch nie ein Buch gesehen haben
S.: Dass ist jetzt aber nicht wahr?
C.: Einige italienische Touristen haben versucht aus einigen dieser Bücher Spaghetti herzustellen
S.: Unmöglich
C.: Für diese italienischen Touristen ist solch ein Buch etwas gänzlich Neues
S.: So als ob sie noch nie ein Buch in ihrer Händen gehalten hätten
C.: Dass haben sie auch nicht….aber was ist?
S.: Sehen sie dort drüben Gnädigste?
C.: Nein….was?
S.: Die Volksanwältin
C.: Tatsächlich….die Volksanwältin
S.: Dort drüben
C.: Was macht denn in aller Welten Sein, denn die Volksanwältin zwischem dem Volk
S.: Machmal, aber nur manchmal steigt die Volksanwältin aus ihrem Luxusrausch; von ihrem Thron der Indifferenz und Gleichgültigkeit in die Niederungen des gemeinen Leben herab
Die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister eilen zu der Volksanwältin hin.
Diese, die Volksanwältin, befindet sich an der Seite eines Unglücklichen, welcher in einem Pranger sich befindet.
Einige Dorfbewohner haben sich um den Unglücklichen versammelt.
Die Volksanwältin spricht mit leiser Stimme auf den Unglücklichen ein.
S.: Gnädigste Volksanwältin?!
Überrascht blickt die Volksanwältin zum Schlampenmeister und der Chefvertuscherin.
V.: Seien sie mir herzlichst gegrüßt ihre Exellenz die Chefvertuscherin und seine Exellenz der Schlampenmeister
S.: Auch ihnen einen herzlichen Willkommensgruß gnädigste Volksanwältin
C.: Wie ich sehen kann, setzen sie sich wie immer bedingungslos für die Belange des Volkes ein
V.: Ach wissen sie….ich bin mir für nichts, aber auch wirklich gar nichts zu schade….außerdem täuscht der Schein am liebsten die Dummen….
C.: Also das Volk?
V.: Wenn man diesen Pöbel denn so nennen möchte….aber….aber was führt die Hochwohlgeborenen hierher?
C.: Ich zeige dem Schlampenmeister die bereits getätigten Rückschritte
V.: In das Mittelalter zurück
S.: Das dunkelste Mittelalter
V.: Und sind sie Her Schlampenmeister denn mit den getätigten Rückschritten zufrieden?
S.: Sehr zufrieden….aber entschuldigen sie meine Frage….was ist mit diesem Unglücklichen
V.(auf den Unglücklichen deutend): Dieser hier?
S.: Ja
V.: Dieser Unglückliche wurde von den Uniformierten festgesetzt und wartet nun auf seine gerechte Strafe
C.: Sein Vergehen?
V.: Die Tuntenhaftigkeit
S.: Wie bitte?
V.: Die Tuntenhaftigkeit!
S.: Und was wäre denn diese Tuntenhaftigkeit?
V.: Dieser Unglückliche hat sich mit seinem mehr als suspekten Verhalten als Mitglied der provinziellen Gesellschaft disqualifiziert….die provinziellen Frauen; hochintelligten und bescheiden zugleich; wie ein jeder weiß; hielten und halten diesen Unglücklichen für eine Tunte; also keinen anständigen, strammen Mann und so haben die Frauen diese vermeintliche Tunte in all ihrer Gutmütigkeit und Sanftheit zuerst für krank und dann für verrückt erklärt….ein nur allzu verständliches Vorgehen, welches meine vollste Unterstützung fand und findet….aber dieses für krank und für verrückt erklären….als dieses nicht geholfen hat und der Unglückliche sein tuntenhaftes Benehmen nicht abstellen wollte bzw. konnte; da habe ich in meiner Funktion als Volksanwältin und auch um das Volk zu beschützen, diesen Unglücklichen wegen fortgesetzter Tuntenhaftigkeit festsetzen lassen und als erste Handlung ihn, den Unglücklichen, in einen Pranger stecken lassen
C.: Eine weiße Entscheidung
V.: Ich verstehe mich als Werkzeug des Volkes und als solches hämmere ich die Dummheit in die zweifelsohne leeren Köpfe hinein
C.: Damit die Köpfe noch leerer werden
V.: Bis auch der letzte Provinzmensch verstanden hat, was ich alles für das Volk leiste….geknechtet und entrechtet gehört das Volk
C.: Ganz in meinem Sinne….ganz in meinem Sinne
S.: Und welche Strafe ist für ein solch schweres und schreckliches Vergehen wie der Tuntenhaftigkeit denn nun angemessen
C.: Der Strick?
S.: Die Guillotine?
C.: Vierteilen?
S.: Verhungern lassen?
C.: Totfoltern?
V.: Aber nein….nein….wir Mächtigen und Reichen in der Provinz sind doch human….bestrafen mit Maß….wir halten uns an die geltenden Reichengesetze zur Ausbeutung der Armen und der Knechtung des Volkes durch die Uniformierten…..
S.: Also?
V.: Es müsste jeden Augenblick ein ProvinzNaziArzt zu dem Unglücklichen kommen und diesen von seiner Tuntenhaftigkeit „heilen“
C.: „Heilen?“
V.: Der Unglückliche wird entmannt werden
S.: Entmannt?
V.: Dies ist die vorgesehene Strafe für Tuntenhaftigkeit
C.: Angemessen würde ich sagen
S.: Dann ist es vorbei mit der Tuntenhaftigkeit
V.: Damit sind sicher auch die hochintelligenten provinziellen Frauen einverstanden
C.: Mit Sicherheit
V.: Alle Frauen!
C.: Sehr, sehr gute Arbeit Frau Volksanwältin….ich werde sie in meinen Berichten lobend erwähnen
S.: Und auch ich werde mich für eine solche herausragende Kämpferin für mehr Knechtung und Entrechtung des Volkes mit allen Mitteln einsetzen
V.: Vielen Dank….aber das größte Lob, der gesammelte Dank des Volkes gebührt ihnen….der gnädigsten Chefvertuscherin und seiner Exellenz dem Schlampenmeister….denn ohne sie beide hätte man niemals solche riesigen Rückschritte…..entschuldigen sie…..da kommt der ProvinzNaziArzt….
Der Provinznaziarzt kommt herbeigeeilt, wird von allen freundlich begrüßt und erwidert die Grüße….dann macht sich der ProvinzNaziArzt sogleich an die Arbeit.
S.: Gnädigste Chefvertuscherin, ich und sie sollten gehen und uns diesen mit Sicherheit gräßlichen Anblick ersparen
C.: Frau Volksanwältin, entschuldigen sie mich und den Schlampenmeister, aber die Zeit drängt….
S.: Nochmals alles Gute und viel Erfolg
Der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin verabschieden sich von der Volksanwältin und gehen ab.
Die Schreie des Unglücklichen, welcher vom ProvinzNaziArzt „geheilt“ wird, also ohne Betäubung seiner Männlichkeit beraubt wird, hallen über den Dorfplatz.
Der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin spazieren an ein, zwei Unglücklichen, welche im Pranger feststecken vorbei, als die Beiden zu einer Ansammlung von Dorfbewohnern gelangen.
Neugierig nähern sich der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin dieser Ansammlung.
Der Schlampenmeister wendet sich an einen der Anwesenden.
S.: Entschuldigen sie vielmals, aber was machen sie hier?
A.: Hier….ja hier zeichnet der provinzielle Gastwirteverband verdiente Mitglieder mit dem goldenen Verdienstorden aus….jetzt bekommt das nächste Mitglied seinen Verdienstorden in Gold….lauschen sie….
G.:….und wenn es die Uniformierten sagen….und wenn es die provinziellen Geschäftsmänner sagen, dann müssen wir als Gastwirte dermaßen handeln….38 Gastbetriebe haben sich nun zusammengeschlossen und schenken keine Getränke mehr an aufgklärte, unbequeme Menschen mehr aus….somit ersparen sich die wunderschönen Kellnerinnen diese für sie sicherlich so empfundene Demütigung aufgeklärte und kritische Menschen bedienen zu müssen….lang lebe der provinzielle Gastwirteverband
Beistimmendes Grunzen aus den Reihen der Anwesenden.
G.: Und nun ist es mir eine besondere Ehre das nächste Mitglied mit dem Verdienstorden in Gold auszuzeichnen….eine Kellnerin, deren Verdienst es war und ist an kritische und aufgeklärte Menschen; also diesen unbequemen, nie zufriedenen, ständig alles besser wissenden Menschen einige Male einen „café al detersivo“ gerreicht zu haben….also einen café mit einem Schuß Spülmittel versüßt….für den besonders intensiven Geschmack
Der Chef des Gastwirteverbandes hängt der sichtlich gerrührten Kellnerin den Verdienstorden in Gold um und schüttelt deren Hand.
G.: Wollen sie hochverehrte Kellnerin den Anwesenden noch etwas sagen?
K1: Ich bin nur eine fette, frustrierte, alte, boshafte Schlampe und ich arbeite nur in einem Kleinen Cafe; aber trotzdem wollte auch ich meinen Beitrag dazu leisten; auf dass die Provinz frei von kritischen und aufgeklärten Menschen wird…..(schreiend) auf dass alle kritischen, also unbequemen Menschen schneller und schmerzhafter an Krebs sterben….lang lebe der Gastwirteverband….
Die Anwesenden grunzen frenetisch.
G.: Also meine liebe, fette, alte, boshafte Schlampe….solch ein vorbildliches Verhalten, dass lobe ich mir….wahrlich ein Vorbild für alle Mitglieder des Gastwirteverband….aber meine Liebe die Zeit drängt….das nächste Mitglied welches ausgzeichnet wird, ist ein Prachtstück von einem Kellner….sein Verdienst….an kritische und aufgeklärte Menschen, also all diesen unbequemen menschlichen Abschaum ein Bier mit einer zusätzlichen Krone aus Spülmitteln gerreicht zu haben….hier ist er schon….dieses Prachtstück von einem Kellner….
Der Chef des Gastwirteverbandes hängt dem Kellner den Verdienstorden in Gold um und schüttelt dessen Hand.
G.: Möchten sie den Anwesenden noch etwas sagen?
K2: Es ist nicht die Boshaftigkeit; es ist die Notwendigkeit….nein, es ist nicht die Hinterhältigkeit; es ist die Dummheit….ich tue es einfach und denke mir nichts dabei….so wie ich eigentlich ziemlich wenig denke….eigentlich denke ich überhaupt nicht….also diese kritischen, aufgeklärten Menschen….also diese unbequemen Menschen sollen alle so schnell und so schmerzhaft wie möglich an Krebs sterben….warum….dass ist mir zu kompliziert….ich tue einfach dass was ich für richtig halte….ich bin nur ein armseliger, dummer Fettsack und jetzt muss ich eine Rauchen
Die Anwesenden grunzen frenetisch.
G.: Also wirklich….also wirklich Respekt….wenn dass nicht ein Applaus wert war….ein Vorbild für alle Mitarbeiter in der Gastwirtschaft und alle die uns kritisieren und angreifen niedermachen
Die Anwesenden grunzen frenetisch.
G.: Und nun meine lieben Mitglieder….und nun zum letzten Mitglied, welches heute vom Gastwirteverband ausgezeichnet wird….es ist mir eine besondere Ehre; dass sich unter den Auszuzeichnenden auch ein Italiener befindet….ein toller Kerl; ein toller Hecht; ein Koch….Grunzen! Grunzen!
Die Anwesenden grunzen frenetisch.
G.: Sein Verdienst ist es nur für den allergrößten Abschaum zu kochen und sich gleichzeitig für einen Künstler zu halten….er weigerte sich für unbequeme, kritische Menschen zu kochen….denn dieser Koch kocht nur für Schweine….Grunzen!…..Grunzen!
Die Anwesenden grunzen frenetisch.
Der Chef des Gastwirteverbandes hängt dem Koch den Verdienstorden in Gold um und schüttelt dessen Hand.
G.: Möchte sie großer Koch noch etwas zu den Anwesenden sagen
K3: Ich….io….mille grazie….ich sprechen schlecht italienisch und noch schlechter deutsch….aber ich wollen sagen….ich nicht cucinare für unbequeme, kritische Menschen….no, ich nur kochen für Schweine….für Uniformierte, Mächtige und Reiche; denn ich kochen maiale per maiali….capisce?
Die Anwesenden grunzen frenetisch.
G.: So, dass war es für heute….wird sind und darauf bin ich besonders stolz, die allergrößten Schweine weit und breit….ein solchen menschlichen Abschaum wie uns findet man nur hier in der Provinz….lang lebe der provinzielle Gastwirteverband….!
Die Anwesenden(grunzend): Lang leben Schweine wie wir!
G.(grunzend): Wir sind die größten Schweine und Säue von allen!
Die Anwesenden(grunzend): Wir sind die größten Schweine und Säue von allen!
Die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister haben genug gesehen und gehört und gehen einige Schritte weiter.
C.: Und was sagen sie dazu Herr Schlampenmeister?
S.: es werden auf allen Ebenen riesige Rückschritte gemacht….von den ProvinzNaziÄrzten bis hin zu den Uniformierten….bis hin zur untersten Ebene….also der Gastronomie….es läuft in allen Hinsichten fantastisch….
C.: Und wenn die uns entkommenden, nicht im Pranger, nicht in der Irrenanstalt, nicht im Gefängnis sich befindlichen kritischen und aufgeklärten Menschen; also diese unbequemen Menschen dann erst einmal an Krebs erkrankt sind und die Metastasen sich in diesen überflüssigen Existenzen ausbreiten; zur Freude der hochintelligenten Frauen, zur Freude des deutschen wie italienischen Pöbels; ja dann….dann nehmen die ProvinNaziÄrzte diese unbequemen, zweifelsohne schon vorher kranken Menschen in ihr „Gesundheitsprogramm“ auf
S.: Sozusagen die vorgezogene Lösung
C.: Genau….und übrig bleibt die debile Masse….und diese wird uns noch viel mehr lieben und ehren….das Volk wird uns wie Götter behandeln
S.: Das Mittelalter ist also hier und anderswo auf dem unaufhaltsamen Rückmarsch
C.: und die Menschen in der Provinz….die Winkeladvokaten; die ProvinzNaziÄrzte; die Uniformierten, das Volk, die Volksanwältin….ja alle sind glücklich darrüber….restlos glücklich und zufrieden
S.: Gut so
C.: Viele provinzielle Geschäftsmänner, der italienische Pöbel, die Kellner, die Kellnerinnen, die Köche, die und die gehen sogar so weit, dass sie auch die Geschwister, die armen Eltern dieser kritischen und aufgeklärten Menschen, also dieser unbequemen Menschen in gleicher Art und Weise behandlen
S.: Also Sippenhaftung?
C.: Damit man diesen Sippen die Suppe ordentlich versalzt
S.: Mit breiter Unterstützung durch die Uniformierten hoffe ich doch?
C.: Der bedingungslosen Unterstützung!
S.: Alle gegen diese aufgeklärten, kritischen Menschen
C.: Und an vorderster Front natürlich die hochintelligenten Provinzfrauen
S.: Was ist dass dort drüben?
C.: Kommen sie….dass ist der Galgenbaum….denn sollten sie und ich uns aus der Nähe anblicken….
Die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister nähern sich dem Galgenbaum.
S.: Sie und ich stören der Raben-Hauptmahlzeit
C.: Ach die guten Raben….wenn nur die Menschen so wären….die Raben können auch noch später speisen
Die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister betrachten die im Galgen baumelnden Menschen.
S.: Was haben diese Unglücklichen denn verbrochen?
C.: Verbrochen (und lacht)….verbrochen haben diese Unglücklichen nichts….warum fragen sie?
S.: Nur so….nur so….aber warum gerade diese Unglücklichen?
C.: Zur Abschreckung….warten sie….hier steht etwas in altdeutscher Schrift geschrieben….Michel….25 Jahre, Tischler….gehängt wegen Tuntenhaftigkeit….Robert, 22 Jahre, Handwerker….gehängt auf Anordnung der Volksanwältin….Anton, 31 Jahre; Hydrauliker….gehängt wegen Kritik am Hauptheuchler….Michaela, 19 Jahre, Studentin…..gehängt wegen unmoralischen Verhalten….Daniel, 21 Jahre, arbeitslos….gehängt wegen assozialen Verhaltens…..Giovanni, 25 Jahre, arbeitslos….gehängt wegen Drogenkonsums….und so weiter….und so fort….
S.: Genug gnädigste Chefvertuscherin….lassen sie und ich die Raben ungestört ihr Werk verrichten
C.: Ja, dies hier ist wirklich ein sehr ungemütliches Plätzchen
S.: Kommen sie
Die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister gehen einige Schritte, als ihnen ein sehr gepflegter, distinguierter alter Mann entgegenkommt.
Schw.: So….so geht es einfach nicht….
C.: Was geht nicht?
Schw.: Nein, so geht es einfach nicht
C.: Wer sind sie?
Schw.: Und wer sind sie?
C.: Ich bin die Chefvertuscherin
S.: Und ich der Schlampenmeister
Schw.: Ich bin der Botschafter eines mitteleuropäischen Landes
C.: Und was bringt seine Exellenz, den Botschafter, hierher?
Schw.: Sind denn sie für diese Vorgehensweisen, für diese Handlungen und Taten hier veranwortlich?
C.: Allerdings, dass sind ich und der Schlampenmeister
Schw.: Ich möchte hiermit den allerschärfsten Protest meines Landes gegen dieses Vorgehen einbringen!
S.: Dieses Vorgehen?
Schw.: Tun sie nur nicht so, als ob sie nicht wüssten
S.: Was?
Schw.: Und nicht nur den Protest meines Landes; denn ich spreche auch im Namen des Internationalen Roten Kreuzes….es ist einfach nur schändlich was hier abgeht….
C.: Nur mal mit der Ruhe
Schw.: Welcher Ruhe denn….welcher Ruhe denn!
S.: Könnten sie bitte ihren Protest etwas konkretisieren?
Schw.: Ob ich was kann?
S.: Ihren Protest in Worte fassen
Schw.: Also dass was hier abgeht….mit all diesen Männern im Pranger….den Galgenbäumen….den Folterkellern….mit den Versuchen die Menschen absichtlich krebskrank zu machen….die Vertuschung und Verharmlosung….die gesellschaftliche Ächtung….die Sippenhaft….die Volksanwältin….
Der Botschafter eines mitteleuropäischen Landes hält nachdenklich kurz inne.
S.: Ja?
C.: Und?
S.: Was ist das Problem ihres Landes mit diesen Vorgehensweisen?
Schw.: Das gesamte Geschehen gehört verurteilt
S.: Verurteilt?
Schw.: Ja!
S.: Etwa doch nicht von ihnen, seiner Exellenz, dem Botschafter und des Landes, welches sie repräsentieren
Schw.: So ist es….die Behandlung dieser Unglücklichen ist doch viel zu human….viel zu menschlich….zu rücksichtsvoll….
Der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin blicken sich mit verschwörerischer Miene an.
S.: Zu human?
C.: Zu rücksichtsvoll?
Schw.: Genau dass ist das Problem hier….wer nicht Papiergeld wie ein….entschuldigen sie die Ausdrucksweise….wie ein Schwein aus den Trögen verspeisen möchte….ja mit so einem….ja mit so einem….so einer gehört sofort erhängt….kastriert….ein- und dann ausgewiesen….ja einer, der nicht kuscht und folgt….ja so einer muss sofort in einen Folterkeller mit einigen Uniformierten verschwinden….
C.: Sofort?
Schw.: Sofort!
S.: Und in ihrem Land?
Schw.: Was sprechen sie denn von meinem Heimatland….hier….hier muss man ansetzen und zwar in aller Härte, Grausamkeit und Gnadenlosigkeit….Erbarmungslos!
C.: Hier?
Schw.: Ja hier!
C.: Dann sind sie und ich ja einer Meinung
Schw.: Dass versuche ich ihnen doch die gesamte Zeit schon klarzumachen
C.: Na also
Schw.: Man sollte viel härter vorgehen; z.b. könnte man die die Verrückten aus der Irrenanstalt; die boshaften und wirklich durchgeknallten auf deren Verwante losschicken; damit alle fein brav ihr Papiergeld wie die Schweine aus den Trögen fressen….wie die Verwandten….wie die Schweine….
C.: Hören sie Herr Botschafter; alle bemühen sich hier in der Provinz das Leben der unbequemen, aufgeklärten, intelligenten Menschen so unbehaglich und so schwer wie nur irgendwie möglich zu machen….der italienische Pöbel ist uns in dieser Hinsicht Vorbild und Leitbild….wir versuchen alles unser Schlechtestes zu geben….
Schw.: Sehr beruhigen diese Wörter aus einem solch weissen Mund zu hören….also ich setze nun beruhigt und im Wissen, dass alles sich zum Schlechtesten entwickeln wird, meine Reise durch diese doch so schöne Provinz fort und lasse ihnen einen Katalog mit einer Mängelliste zukommen….schönes Land, böse Leut….
C.: Machen sie dass Herr Botschafter!
Schw.: Noch einen schönen Tag
S.: Ihnen auch
Der Botschafter eines mitteleuropäischen Landes geht ab.
Der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin blicken dem Botschafter eines mitteleuropäischen Landes nach.
S.: Ein guter Mann
C.: Vielleicht etwas verwirrt?
S.: Aber stramm und anständig
C.: Ja, dass ist er….ich möchte ihnen Herr Schlampenmeister zum Abschluß unserer so erquicklichen Rundganges noch etwas zeigen….
S.: Sehr gerne
Die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister gehen weiter und gelangen schließlich zu einem weiterem Pranger, in welchem ein Unglücklicher feststeckt.
Es sind keine Dorfbewohner anwesend.
S.: Was ist mit diesem Unglücklichen?
C.: Dieser bemitleidenswerte Unglückliche im Pranger….dass ist der Schlimmste….dieser Unglückliche versuchte doch tatsächlich das Licht der Aufklärung; obwohl keiner in dieser Provinz etwa danach verlangt hätte; in die Provinz zu bringen….dieser Narr versuchte die Menschen in der Provinz zum kritischen Denken anzuregen….gerade diese kleine, mißlungene Kreatur rief zum Wiederstand gegen die Dikatur der wenigen Mächtigen und Reichen; also der Diktatur von oben auf….dieser Mann hetzte die wenigen verbliebenen Unwilligen gegen uns oben auf…..dieser Spinner kämpfte für eine gerechtere Welt und war doch im Unrecht….als ultimative Beleidigung verlange dieser Unglückliche Mitspracherechte; eine Reform der Reichengesetze; des kriminellen Gerichtswesen und des terroristischen Polizeiwesen; Sozialprogramme für die Armen….was für ein Narr….
S.(kopfschüttelnd): Ja, was für ein armer Narr
C.: Dieser naive Wirrkopf, dieser Narr glaubte doch tatsächlich, dass ihm auch nur ein einzelner Mensch in diese perverse Moderne folgen würde; in diesen Abgrund aus Unmoral und Unsittlichkeit
S.(kopfschüttelnd): Verrückt….ein Verrückter also?
C.: Ein armer Mensch….mißgeleitet, mißverstanden….ein wahrlich trostloses Schicksallos
S.(kopfschüttelnd): Was für eine Schande auch
C.: Und wie erst seine Eltern und Geschwister darunter zu leiden hatten und haben….denn die anständigen, restlos vertrottelten Provinzler ächten diese Familien nun auch
S.: Die Sippenhaftung
C.: Und so endete der Unglückliche hier im Pranger
S.: Für wie lange?
C.: So einer….was soll man denn mit so einem denn noch machen
S.: Keine Ahnung
C.: Dieser naive Wirrkopf wird wohl für immer im Pranger verbleiben….sein gesamtes restliches Leben…..
S.: Kann ich mit dem Unglücklichen sprechen?
C.: Wie sie möchten….nur zu….
S.: Unglücklicher….Unglücklicher (keine Reaktion des Unglücklichen)….können sie mich hören (ein schwächliches Kopfnicken des Unglücklichen)….ich biete ihnen die Möglichkeit sich zu bekehren….auf den Weg der Tugend und Anständigkeit zurückzukehren….ich, der Schlampenmeister biete ihnen hier und jetzt und nur hier und jetzt die Möglichkeit das Provinzgelübde abzulegen….sollten sie entsagen, so kann ich ihnen; Unglücklicher, eventuell helfen….also…..
Der Schlampenmeister nimmt ein Stück beschriebenes Papier zur Hand und liest:
Der Mensch in der Provinz entsagt
dem Licht der Aufklärung;
der Mensch in der Provinz entsagt
der Kritik, des Eigensinn,
des eigenständigen Denken;
ordnet sich unter und ein;
der Mensch in der Provinz entsagt
allen aufklärerischen Tendenzen und der Moderne;
glaubt an die Autoritäten;
denn der Mensch in der Provinz
glaubt blind und vertrauensvoll
an alles was ihm die Autoritäten sagen;
der Mensch in der Provinz
liebt und verehrt
jene, die ihn knechten und entrechten;
der Mensch in der Provinz entsagt
der Intelligenz; dem Wissen, dem Geist
und glaubt an das heilende Wort der Mächtigen und Reichen;
ergeben und kuschend folgt der Mensch in der Provinz
seiner Einfalt und Beschränktheit;
der Mensch in der Provinz entsagt
der Wahrheit;
und glaubt nur dass was man ihm sagt;
entsage Mensch aus der Provinz
den Verlockungen der unmoralischen Welt;
entsage der Aufklärung, der Moderne;
entsage deinem Wissen
und vertraue den Mächtigen und Reichen.
Der Mensch in der Provinz entsagt!
Entsage und kehre somit zurück in den Schoß des gesunden und reinen Volkskörper….preise die Dummheit und die Einfalt, die uns zu Brüdern und Schwestern macht….Entsage!
S.: Entsage!
Keine Reaktion des Unglücklichen.
C.: So sehen sie doch ein Schlampenmeister, mit diesem Unglücklichen ist es sinnlos….
S.: Erkennen sie denn nicht sie Narr, wie die Provinzmenschen aufblühen und glücklich sind, wenn man sie nur genügend knechtet und entrechtet….wie zufrieden die Menschen sind, wenn man sie mit harter Hand führt und ihr verwerfliches Schicksal mit leeren Parolen und Worthülsen füllt….ja erkennen sie denn nicht wie sehr das Volk aufblüht, wenn man all diesen gedanklichen und kulturellen Schmutz entfernt….all dieser kulturelle und intellektuelle Schmutz, welcher das Volk in seiner gesunden und artgerechten Entfaltung ja doch nur stört….sehen sie doch all diese wunderschönen jungen Frauen….züchtig und verbal giftelnd….ja, das Volk keucht unter der Knechtschaft….aber wie glücklich doch das Volk dabei ist, wie erfüllt und wie sich all dieser Hass, diese Dummheit des Volkes gegen jene unbequemen, kritischen Menschen richtet, gerade gegen jene, die das Volk aufklären und aus der Dunkelheit, der Dummheit befreien möchten und jene die das Volk knechten und entrechten; etwa meine Wenigkeit; der Schlampenmeister oder die Chefvertuscherin; jene, die das Volk bis auf das Blut aussaugen; werden von ebendiesem, dem Volk, innigst verehrt und geliebt….ja unsereins liebt das Volk, innigst verehrt und geliebt….ja unsereins liebt das Volk; das Volk vergöttert uns….treten uns ihre schönsten Töchter ab, ihre prächtigsten Felder, geben uns in allergrößter Dankbarkeit ihre Talente und Begabungen zur Verfügung und was bietet das Volk solch Menschen wie ihnen an….Folter, Tod, Gefängnis, die soziale Ächtung, die Sippenverurteilung….ja, ist es denn dass was sie möchten….Krankheit, Tod, Gefängnis….sich aufzopfern für das Volk, das lieber geknechtet und entrechtet, als in Freiheit leben möchte….ein Volk, dass keine Ahnung von Freiheit hat, aber diese Freiheit gerade eben, wegen ihrer Unwissenheit darüber, über alles liebt….ist es denn dass was sie möchten?
Der Unglückliche blickt auf, räuspert sich und blickt dann in die Augen des Schlampenmeister.
I.: Kommen sie bitte etwas näher
Der Schlampenmeister nähert sich dem Unglücklichen im Pranger.
I.: Näher
Der Schlampenmeister befindet sich nun gänzlich nahe beim Unglücklichen, als ihn dieser auf die Wange küsst.
Erschrocken fährt der Schlampenmeister zurück.
S.: Der Unglückliche hat mich auf die Wange geküsst
C.: Nein
S.: Doch
Der Schlampenmeister wischt sich über seine Wange und deutet der Chefvertuscherin einen Vogel an; als Zeichen, dass der Unglücklich nach dem bescheidenen Wissenstand des Schlampenmeister, nicht mehr Herr seiner Sinne und seines Verstandes ist.
S.: Gnädigste Chefvertuscherin?
C.: Seine Exellenz der Schlampenmeister wünscht?
S.: Lassen sie und schleunigst weitergehen und diesen Unglücklichen alleine in der Hölle weiterverschmoren lassen
C.: Etwas verschmort ist er ja schon
S.: Also….
Der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin gehen einige Schritte, als sich ihnen nach einer kurzen Zeitspanne ein Mann entgegenstürzt und vor der Chefvertuscherin auf die Knie geht.
S.: Unsere Anwesenheit hat sich mittlerweile wohl herumgesprochen
A.: Gnädigste Chefvertuscherin….seine Exellenz der Schlampenmeister….bitte….bitte….
C.: Wer sind sie?
A.: Ich….ich bin der Kriminelle
S.: Wie kriminell?
A.: Ich war ein bedeutender Provinzpolitiker
S.: Also ein Schwerstkrimineller
A.: Ich bitte….bitte flehentlichst um einen Posten
S.: Welchen Posten?
A.: Ich….ich bin der Kriminelle
C.: An welchen Posten haben sie denn gedacht Krimineller?
A.: Irgendeinen….irgendeinen Posten….ich brauche doch einen Versorgungsposten….ein Dienstfahrzeug….eine Blaulichteskorte….Papiergeldtröge….Einfluß….Macht….Freunde bei den Uniformierten und den Winkeladvokaten….und dann natürlich Frauen….Dumme, Kleine, Dünne, Große, Schlanke, Hübsche; Junge…..Frauen!!
S.: Ganz ruhig bleiben Krimineller
C.: Sind nicht sie es gewesen der eine Reihe von Dienstfahrzeugen verloren hat?
A.: Gestohlen!
S.: Ein Dieb der bestohlen wurde….etwas gänzlich Neues also….
C.: Und waren es nicht sie der dann die unverfrorene Frechheit besaß, sich weiterhin für ihre Belange, nicht jene des Volkes….ja waren es nicht sie der die Unverschämtheit besaß….
A.: Verloren….Verloren!….Alles habe ich verloren….den Posten habe ich verloren….und somit habe ich alles verloren….die Papiergeldtröge….die Dienstfahrzeuge….die Blaulichteskorte….Macht….Einfluß….und dann natürlich die Frauen….Dumme, Kleine, Große, Dünne, Schlanke, Hübsche, Junge….Frauen!…..aber ich brauche doch einen Posten!
S.: Man sollte einen so verdienten Kollegen wie ihnen, welcher sich in keinster Weise um das Volk gekümmert hat, welcher nur seine eigenen egoistischen Machtspiele spielen möchte, doch helfen
C.: Vielleicht sollte man in diesem Fall, da es ja um einen kriminellen Politiker handelt, ein Auge zudrücken
S.: Nun gut
C.: Krimineller!
A.: Dünne, Schlanke, Hübsche, Junge, Dumme, Kleine….Frauen!
Der Kriminelle beginnt sich im Frauenrausch im Morast zu wälzen.
S.: Krimineller!
A.: Ich….ich bin der Kriminelle!
C.: ich werde eine provinzielle Wahrheitskommision für sie und nur für sie einrichten; denn bei einem so anständigen und strammen Mann wie ihnen muss die Wahrheit, also die Beschuldigungen zur Lüge und die Lüge zur Wahrheit verkommen
A.: Dann bekomme ich wieder einen Posten im provinziellen Politiker-Schlaraffenland?
S.: So einen Kriminellen….also einen Politiker wie sie, mit der richtigen Einstellung, besten Kontakten zu den Schreiberlingen des provinziellen Käseblattes, den Winkeladvokaten….so einen kann man immer gut gebrauchen
C.: Ich schätze ihre kriminelle Energie könnte uns von Nutzen sein
A.: Vielen, vielen Dank….es gibt also doch noch Anstand und Verantwortungsbewußtsein in dieser unpolitischen Welt
C.: Aber nun gut….ich werde mich bei ihnen melden
S.: Alles Gute bis dahin!
A.: Dünne, Schlanke, Hübsche, Junge; Dumme, Kleine….FRAUEN!!!
Der Kriminelle wälzt sich glückselig im Morast.
Der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin entfernen sich eiligen Schrittes vom Kriminellen, als ihnen sogleich einige Menschen entgegenstreben und sich ebenfalls vor die Füße des Schlampenmeisters und der Chefvertuscherin werfen.
W. : Hinweg mit den aufgeklärten Menschen….all jenen die kritisieren, stören und unbequem sind
C.: Wer seid ihr?
W.: Wir sind die debile Masse
S.: Und was verlangt die debile Masse von uns?
W.: Das Mittelalter
C.: Ihr werdet das Mittelalter bekommen
W.: Wir möchten aber das finsterste Mittelalter
C.: Es wird finsterer sein, als ihr es euch jemals vorzustellen vermagt
W.: Wir zertreten das Licht der Aufklärung
C.: Löscht jedliche Intelligenz aus eurem Tun und Handeln!
W.: Wir folgen!
C.: Und verschleppt alle die diesen großartigen Rückschritt zurück in das Mittelalter stören, in den Pranger
W.: Aber es sind zu wenige
S.: Was ist zu wenig?
W.: Zu wenig Pranger….zu wenig Folterkeller….zu wenig Galgen….zu wenig Winkeladvokaten….zu wenig Strafe….zu wenig Disziplin….wir brauen zehntausende Galgen….hundertausende Pranger….
S.: Zurück in das finsterste Mittelalter!
W.: Wir folgen!
S.: Entsagt ihr dem Licht der Aufklärung!?
W.: Wir folgen!
S.: Entsagt ihr der perversen Moderne!?
W.: Wir folgen!
C.: Wollt ihr das dunkelste Mittelalter!?
W.: Wir folgen!
S.: Und was möchte die debile Masse als erstes?
W.: Alle aufgeklärten, intelligenten Menschen in das Irrenhaus….(die debile Masse beginnt zu singen)….alle unbequemen Menschen an den Galgen….alle kritischen Menschen in den Pranger….alle intelligten Menschen in die Folterkeller….alle Menschenrechtler in das Irrenhaus….alle Menschen knechten und entrechten…..ohlalalalo….
S.: Dass ist das Volk!
W.: Wir sind das Volk!
C.: Ihr seid das Volk!
W.: Wir sind das Volk!
C.: Und ihr liebt und vergöttert die provinziellen Mächtigen und Reichen?!
W.: Wir folgen!
S.: Alle aufgeklärten Menschen in das Irrenhaus?!
W.: Wir folgen!
C.: Keine Gnade für die kritischen Menschen in den Gastbetrieben?!
W.: Wir folgen!
C.: Die Todesspatzen sind das kulturelle Erbe der Provinz?!
W.: Wir folgen!
Zufrieden blicken sich der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin an.
W.: Herr Schlampenmeister!
Die Frauen in der debilen Masse entblößen ihre Brüste.
W.: Wir leben nur für sie Herr Schlampenmeister!
Die Männer in der debilen Masse beginnen die Schuhe der Chefvertuscherin zu streicheln.
C.: Soldaten!
Die beiden Soldaten, welche sich die gesamte Zeit diskret im Hintergrund aufgehalten haben, treten an die Chefvertuscherin heran.
W.: Herr Schlampenmeister!
Die Frauen der debilen Masse beginnen den Schlampenmeister mit Liebkosungen zu überschütten.
S.: Soldaten!
Nach einigen Tumulten gelingt es den beiden Soldaten die debile Masse etwas abzudrängen.
W.: Dort drüben!
C.: Was ist dort drüben?
W.: Dort drüben!!
S.: Ja?
Man erblickt eine junge, rothaarige Frau, welche in der Nähe vorbeispaziert.
W.: Eine Hexe!
S.: Eine Hexe?
W.: Auf den Scheiterhaufen mit der Hexe!
C.: Verbrennt sie!
W.: Auf den Scheiterhaufen mit der Hexe!!
Die debile Masse steht auf und stürmt geschlossen der rothaarigen Frau entgegen und zerrt diese brutal zu Boden.
Sprachlos und staunend verfolgen der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin wie die Frau ihrer Kleider beraubt wird, beschimpft und geschlagen wird und dann unter dem begeisterten Jolen der debilen Masse bei lebendigen Leib verbrannt wird.
S.: So soll es sein
C.: Wenn die debile Masse tobt
S.: ….eine Augenweide weniger
C.: Sehen sie Herr Schlampenmeister….blicken sie genau hin….
Man hört die schmerzverzerrten Schreie der jungen, brennenden Frau.
C.: Und sehen sie auch wer da herbeispaziert kommt?
In jenem Augenblick gelangen die beiden Blondinen zum Schlampenmeister.
S.: Blondi….Blondi II….woher kommt ihr denn?
Die beiden Blondinen kichern.
C.: Und der Störenfried?
Die beiden Blondinen kichern.
S.: Also?
B.: Wir haben den italienischen Pöbel besucht….was für schöne Männer….können nichts, aber dass besonders gut….
S.: Was heißt hier nichts?!
Die beiden Blondinen kichern.
C.: Entschuldigen sie Herr Schlampenmeister; ich denke ich lasse sie nun mit ihrer weiblichen Begleitung besser allein….sie verstehen; die Arbeit an unserem Projekt wieder aufnehmen….den aufgeklärten Menschen keine einzige Sekunde des Durchatmens gestatten
S.: Sie wollen mich jetzt verlassen?
C.: Wir sehen und doch nächste Woche….vergnügen und entspannen sie sich in der Zwischenzeit etwas….was ja mit diesen zwei Blondinen kein Problem darstellen müsste und kommen sie nächste Woche frisch und munter zu mir
S.: Aber….
C.: Das passt schon
S.: Ich möchte ihnen auf jeden Fall meine allerhöchste Zufriedenheit über die getätigten Rückschritte ausdrücken
C.: Wissen sie Herr Schlampenmeister….sie und ich….zusammen werdne wir die Welt verändern
S.: Dass werden wir
Die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister umarmen sich, verabschieden sich und dann geht die Chefvertuscherin in Begleitung der zwei Soldaten ab.
Der Schlampenmeister wendet sich den beiden Blondinen hinzu.
S.: Was ist also mit diesem „Nichts“?!
BII.: Der italienische Pöbel….ja, die haben noch Eier
BI: Eier!
BII: Und ansonsten….?
B.: Ja, ansonsten nicht viel
BII: So wie wir
Die beiden Blondinen kichern.
S.: Ach so
BII: Aber wir haben etwas gefunden
S.: Zwischen den….
B.: Komm Schlampenmeister….komm
Die beiden Blondinen nehmen jeweils eine Hand des Schlampenmeister und zerren diesen zu einem sonnendurchfluteten Teil des Dorfplatzes.
Auf diesem Teil des Dorfplatzes befinden sich ein, zwei Dutzend junger provinzieller Paare, welche miteinander sporteln; also Dehnübungen; Strecken; Turnen usw….
S.: Was ist denn dass?
Die beiden Blondinen kichern und beginnen dann mit ihrem Traumbodies zu sporteln….strecken und dehnen….
Der Schlampenmeister blickt zu den vielen Sportlerpaaren; als ein muskelbepackter Mann (M.) mit einer knackigen Brünette (Br.) angetanzt kommt.
M.: Und sie….eins und zwei und drei….nichts sporteln?
S.: Wer….ich?
M.: Wollen sie nicht etwas für ihre Rückenmuskulatur tun (und verdreht seinen Körper)
S.: Etwas mehr Respekt wenn ich bitten muss….ich bin der Schlampenmeister!
M.(sich drehend): Auch sie haben noch Nachholbedarf und eins und zwei und drei….
S.: Und wer sind sie?
M.: Wir sind die provinziellen Sport-Fundamentalisten!
Br.: Alles was es braucht, alles was im Leben zählt ist der Sport!
M.: In Paaren turnen, dehnen und strecken wir uns….denn alles was in der Provinz zählt, dass ist der Sport
Br.: Dass sagen und zwar jeden Tag die Wirtschaft, die Politik und die Medien
M.: Damit wir Provinzmenschen fit, arbeitsfähig und restlos, komplett und vollständig dämlich verbleiben
S.: Dass lobe ich mir
M.: Ist dass ihre weibliche Begleitung?
S.: Ja…:Blondi und Blondi II
Die beiden Blondinen kichern sich streckend.
M.: Die scheinen in Topform zu sein
S.: Die Kondition haben sie von mir
M.: Aber wie das beim Sport so ist….man kann nie genug trainieren und irgendwann kann man dann nicht mehr genug vom trainieren bekommen
Br.: Es ist wie ein Sucht….eine Sucht nach Spaß (und turnt)
M.: Dass sind aber zwei Leckerbissen
Br.(turnend): Wissen sie Herr Schlampenmeister….um so mehr ich Sport betreibe, um so dämlicher werde ich
S.: Was bei ihnen ja allerschwerste Arbeit sein muss
M.: Und strecken und dehnen und eins und zwei und drei….
Die beiden Blondinen, die Brünette und der muskulöse Mann sporteln, während der Schlampenmeister immer noch etwas skeptisch blickt.
M.: Erinnern sie sich immer an die wichtigste Erkenntnis der Menschheitsgeschichte….alles was es braucht; alles was im Leben zählt ist Sport
Br.: Dass sagt die Wirtschaft, die Politik und die Medien
M.: Und die ProvinzNaziÄrzte
Br.: Damit wir alle schön und dämlich bleiben
Die beiden Blondinen kichern.
M.: Also Herr Schlampenmeister….eins und zwei und drei….
S.: Ich weiß nicht
M.: Ich helfe ihnen
Der muskulöse Mann geht zu einem tragbaren Radio und schaltet diesen ein.
Die Radiostimme: ….und nun der neueste Hit der Todesspatzen; Nr.1 in 45 Ländern dieser Erde….ein Stück Kulturgeschichte aus der Provinz….und hier ist das Lied…..Zuviele Mädchen, zuviele Drogen….
Die Sport-Fundamentalisten(mitsingend): in der heilen Welt der Volksmusik….
M.: Die Todesspatzen und jetzt alle im Rythmus des Liedes
Die Sport-Fundamentalisten(mitsingend): denn wir sind die Hurenböcke aus den Bergen….denn wir sind die Hurenböcke aus den Bergen….
S.: Ja in diesem Fall
Der Schlampenmeister beginnt sich zu strecken und zu dehnen.
Br.: So ist es richtig….schön dämlich bleiben….
M.: Und eins und zwei und drei….
Die Sportfundamentalisten, die alle unfassbar dämlich dreinblicken stellen in ihrer ja beinahe unvorstellbaren Blödheit ihre durchtrainierten Prachtkörper zur Schau.
Br.: Alle zusammen!
M.: Und eins und zwei und drei!
Die beiden Blondinen kichern.
EinsUndZweiUndDrei
Dunkelheit.

3.Szene Im dunkelsten Mittelalter

Dunkelheit
Eine Dunkelheit fiel über die Provinz und es war die dunkelste Finsterniss, welche ein Menschenkind sich in seinen schlimmsten Alpträumen vorzustellen vermag.
Es war eine Dunkelheit, welche die Menschheit schon lange für vergangen hielt; es war die schreckliche Dunkelheit des Mittelalters.
Das Licht der Aufklärung war zertreten, geschunden, gepeinigt, zerstört; war erloschen und glücklich das geknechtete und entrechtete Volk.
Ein riesiger Vertuschungsapparat, geleitet von den Mächtigen und Reichen in der Provinz, hatte wieder Anstand und Moral, Zucht und Sitte unter die Provinzbewohner gebracht.
Und es ist in dieser kleinen Provinzwelt in welcher einige bundesdeutsche Touristen durch ein idylisch gelegenes Tal spazieren und sich dem einen Dorf nähern.
Angeführt werden diese bundesdeutschen Touristen von einem orts- und vor allem geschichtskundigen Fremdenführer.

Personen:
Die bundesdeutschen Touristen (T1-T5)
Der Fremdenführer (F.)
Die trauernden Frauen
Ein Provinzler (E.)
Der Sekretär (Sek.)
Zwei Soldaten (W1;W2)
Die ProvinzNaziÄrzte (N1;N2;N3)
Die Volksanwältin (V.)
Trautmann (T.)
Einige Uniformierte (U.)
Ein Mädchen (M.)
Einige osteuropäische Arbeitsklaven (O.)
Ein provinzieller Vorarbeiter (P.)
Der Schlampenmeister (S.)
Die Chefvertuscherin (C.)
Einige Dorfbewohner (D1-D10)

T1: Wunderschön ist es hier
T2: So ruhig
T3: Einfach nur traumhaft
T4: Dass nenne ich unberrührte Natur
T5: Es erscheint als seien in dieser Provinz die Uhren vor langer Zeit stehengeblieben
T4: Sie meinen die Zeit T5?
T5: Die Uhren, die Zeit, der Raum…..hier ist anscheinend einfach alles stehengeblieben
T1: Der Experte, also der Deutsche, erkennt auf den ersten Blick, dass zumindet hier in der tiefsten Provinz die alten Traditionen noch hochgehalten werden
T2: Hier ist es wie im Mittelalter
T3: Genau T2….wie im Mittelalter
T1: Herr Fremdenführer?
F.(sich zu T1 drehend): Ja, was ist denn nun schon wieder?
T1: Was qualifiziert sie eigentlich zum Fremdenführer?
F.: Was soll die Frage?
T1: Nur so
F.: Ich habe 12 Jahre meines Lebens in der Ostmark in einer Historikerkommision gearbeitet….wir und damit meine ich die Historikerkommision hatte endlich objektiv und neutral die gloreiche Geschichte des Nazionalsozialismus in der Ostmark aufgearbeitet….wir hatten 800 Massenmörder, welche wir von der Geschichtsschuld freisprechen mussten; welche wir versorgen, beschützen und verteidigen mussten…..
T1.(den Fremdenführer unterbrechend): Sie haben also für den Staat gearbeitet?
F.: Ja, was glauben sie denn….wer hätte denn all diese Altnazis denn beschützt, versorgt und verteidigt….außerdem war ein Großteil von diesem im Polizei- und Gerichtswesen tätig….gute Männer sage ich ihnen….denn es waren ja nur Patrioten, welche nur ihre Pflicht an ihrer Rasse und an ihrem Volk ausgeübt hatten….jeder der etwas anderes behauptet ist nicht nur ein Lügner, denn hat in der Ostmark und vor allem deren Führerhauptstadt nichts mehr verloren….außerdem hatten wir ja noch unsere Bluthunde….die Winkeladvokaten und haben diese auch auf alles Liberale; Demokratische und Bürgerliche gehetzt….damit ein für alle Mal klar ist…..
T1(den Fremdenführer unterbrechend): Entschuldigen sie
F.: Ja?
T1: Ich wollte eigentlich etwas anderes wissen
F.: Ihr Deutschen seid alle die Gleichen….also, nachdem ich bei der Historikerkommision anständig und ordentlich das Blut der Geschichte in die Gesichter der Opfer gespuckt hatte….also danach studierte ich mit einem Staatsstipendium die Geschichte des Mittelalters und schrieb meine Diplomarbeit über die erstaunlich vielen Parallelen zwischen dem letztendlich doch siegreichen Nazionalsozialismus bzw. Faschismus und dem Mittelalter….denn nicht nur in vielen Punkten sind sich der Nazionalsozialismus in der Ostmark und dem Mittelalter in Europa ähnlich, denn es ging in beiden System darum, dem Volk ein glückliches, artgerechtes und vor allem arisches Leben zu ermöglichen und so beendete ich dann mein Studium und suchte dann nach einer Gegend auf dieser Welt, wo das Mittelalter noch so lebendig wie vor 500 Jahren war und ist
T2: Und so endeten sie hier?
F.: Für mich ist dass hier das Paradies
T3: Und Kärnten?
F.: Hier ist es besser
T4: Hier ist wirklich das Paradies für jeden ordentlichen, strammen und anständigen Menschen
F.: Eigentlich herrschte und herrscht hier in der Provinz das wunderbare, schöne Mittelalter….das dörfliche, einfache Leben, die Abwesenheit von kritischen, intelligenten; also unbequemen Menschen; die Traditionen, der Verzicht auf all diese überflüssigen modernen Errungenschaften und was hier wirklich dem Mittelalter entspricht….
T3: Das Fühlen?
T2: Das Denken?
T1: Das Leben?
F.: Dass es hier in der Provinz in jedem Dorf und seien deren Bewohner noch so vertrottelt; in jeder Kleinstadt 2 bis maximal 3 Patriarchen herrschen und über alles und alle bestimmen….da hat sich hier seit dem Mittelalter nichts verändert….nicht da mit dieser Seuche namens Demokratie; die hier in der Provinz noch nie einer gewollt hat….all diese Mitbestimmung….ein Patriarch genügt….der dann seltsamerweise immer der Reichste im jeweiligen Dorf, in der jeweiligen Kleinstadt ist
T3: Und werden wir einen solchen Patriarchen im Dorf antreffen?
F.: Wer weiß?
T4: Hoffentlich
T5: So einen Patriarchen….Herr über Leben, Tod, Arbeit und Liebe….so einen muss man einmal gesehen haben
F.: Wir werden sehen….aber nun meine lieben deutschen Landsleute, müssen wir uns beeilen, damit wird das Dorf auch sicher vor Anbruch des Abends erreichen…..hier ist es schon finster genug….
Die bundesdeutschen Touristen und der Fremdenführer spazieren durch eine rustikale, mitteralterliche Landschaft und nähern sich schlußendlich dem Dorf.
Kurz vor dem Dorf gelangt die Gruppe zu einem riesigen Schild, auf welchem in riesigen Buchstaben geschrieben steht:

WIR ENTSAGEN DER PERVERSEN MODERNE!

Die Touristengruppe versammelt sich um das Schild.
T5: Bewunderswert
T3: Man erkennt sofort….hier leben noch anständige Menschen
F.: Stramm und züchtig, sage ich dazu
T5: All dieser Fortschritt hat doch, dass ist mittlerweile doch bewiesen; den Menschen gar, aber auch gar nichts Gutes gebracht
T2: Und deshalb dem Fortschritt entsagen….der Medizin, der Technik, der Gesellschaft….der Humanität?
T3: Ach T2….sie ewigmorgiger Querulant
T4: Wovon sie nichts verstehen T2; darrüber sollten sie schweigen
T2: Ich schweige ja schon
T5: Dann tun sie es gefälligst sie Pedant!
F.: Also da nun innerhalb der Gruppe alles geklärt scheint, möchte ich ihnen, ihr reichen, also herzlich willkommen Bundesdeutschen sagen; dass das hier (deutet auf das riesige Schild)….dass hier ist ein Mahnmal, welches die Provinzmenschen immerzu daran erinnern soll, welchen Schrecken, welche Degenerierung, welche Perversität und welche Schrecken die Moderne den Menschen gebracht hat….und welche imense Leistung die Provinzmenschen erbracht hatten und tun, indem diese die Moderne demontiert und abgeschafft haben, wohlgemerkt freiwillig in das Mittelalter zurückgekehrt sind, aus dem diese, die Provinzbewohner, aber dass nur so unter uns, eigentlich ja nie ausgebrochen sind….also wenn die werten Damen und Herren Erinnerungsfotos machen möchten….
Die bundesdeutschen Touristen machen wie wild Erinnerungsfotos.
T.: Davon werde ich meinen Enkeln noch erzählen
T3: Und wie neidisch erst meine Nachbarn sein werden
T4: Meine Ex-Frau wird sich vor lauter Neid im Grab umdrehen
T5: Wohin sie T4 sie wohl gebracht haben
T1: Da ist er nicht der Erste….und mit Sicherheit nicht der Letzte
T4: Sie ist die Stiegen hinuntergefallen….und dass alles nur, da sie so eine panische Angst vor dem Aufzug hatte
T2: Die perverse Moderne ist also zumindest in diesem Fall nicht schuld
T3: Schweigen sie T2….sie….sie Angsthase
Die bundesdeutschen Touristen posieren vor dem riesigen Schild und fotografieren, als in der Nähe ein buckeliger Mann herbeispaziert kommt.
F.: Dort drüben….ein Provinzler
T4: Was….wo….ein Ortsansässiger?
T1: Fragen wir ihn
T3: Was denn?
T4: Wie denn?
T1: Irgendetwas
T2: Ich frage ihn….entschuldigen sie….entschuldigen sie!….entschuldigen sie!!!
Der buckelige Mann erblickt die Touristengruppe und geht zu dieser Gruppe hin.
E.: Was ist?
T4: Ich kann es einfach nicht glauben….ein Provinzler
E.: Noch nie einen gesehen, der geistig, emotional und menschlich im Mittelalter stehen geblieben ist?
T3: Noch nie
F.: Entschuldigen sie Ortsansässiger….ich bin der Fremdenführer….mit wem haben wir die Ehre?
E.: Ich bin der größte Dorftrottel….also bin ich wohl der Bürgermeister
F.: Verehrte Touristen; wir haben die Ehre mit dem Bürgermeister des Dorfes
T1: Können wir einige Fotos von ihnen machen?
E.: Habt ihr Papiergeld?
T3: Ja sicher haben wir Papiergeld
E.: Ich glaube es erst, wenn ich es gesehen habe
Der deutsche Tourist T1 nimmt sein fettes Portmonai zur Hand und reicht dem buckligen Mann einen Papiergeldschein.
Der buckelige Mann stopft sich den Papiergeldschein in den Rachen und kaut mit sichtlichen Genuß daran herum.
T1: Was machen sie denn mit dem Papiergeld?
E(kauend): Mmmmh….Uhmmmm
T3: Sehr seltsam dieser Provinzler
T4: Eher schrullig würde ich sagen
E.: Noch einen….noch einen Papiergeldschein
Der deutsche Tourist T1 reicht dem Provinzler noch einen Papiergeldschein, welchen dieser sogleich in seinen Rachen stopft.
E.(kauend): Da wir raffgierige Provinzler nie genug von diesem Geld haben können, immer mehr und immer mehr Geld….mehr Geld….also da haben wir Provinzler uns dazu entschlossen, das Geld sogleich zu verspeisen….und ich muss sagen….Geld schmeckt hervorragend
T3: Was redet denn dieser Provinzler?
T4: Versteht ihr irgendetwas davon?
T2: Nein
T1: Nein
E(kauend): Piefkes!
T3: Vielleicht sind die Dorfbewohner….
T2: Vielleicht?
T1: Schrullig
T5: Und nun einige Fotos
Die deutschen Touristen posieren gemeinsam mit dem Provinzler und machen einige Fotos.
F.: So nun ist genug….lasst den guten Mann nun seines Weges gehen
Die deutschen Touristen geben dem Provinzler noch einige Geldscheine und dieser entfernt sich, diese Geldscheine in den Rachen stopfend.
Die Touristengruppe geht weiter und nähert sich nun dem Dorfplatz.
T3: Oh….wie ich mich auf das Abendessen freue
T5: Gutes deutsches Sauerkraut
T3: Nach traditionellem Rezept der Großmutter
T1: Ich liebe Sauerkraut!
T5: Alle Deutschen lieben Sauerkraut!
F.: Seid doch leise
Der Touristengruppe kommt ein schier endlos erscheinender Zug von alten, frustrierten Frauen entgegen, welche schwarz gekleidet zu trauern scheinen
Man hört das Schluchzen und Wehklagen; Tränen und stilles Trauern.
Der Fremdenführer tritt an eine der schwarz gekleideten Frauen heran.
F.: Entschuldigen sie meine Störung
Die alte trauernde Frau blickt frustriert in das Gesicht des Fremdenführers und drückt diesem dann ein Stück beschriebenes Papier in die Hand.
Einer der deutschen Touristen versucht ein Foto zu machen, wird daran aber vom Fremdenführer gehindert.
F.(zischend): Nicht jetzt
T3: Aber….
T4: Ein Erinnerungsfoto
F.: Dass ist jetzt unpassend
Der Zug der alten, schwarz gekleideten, frustrierten, trauernden Frauen zieht an der Touristengruppe vorbei.
Die Touristengruppe blickt der Unzahl dieser Frauen nach.
T5: Fremdenführer….was hat es mit diesen trauernden Frauen auf sich?
F.(auf das Stück Papier blickend): Einen Moment
Es vergehen einige Momente.
F.(vom Stück Papier lesend): Der Rat der provinziellen Mächtigen und Reichen; also der Rat der Weissen, gibt hiermit bekannt: Die Todesspatzen, dieses Weltkulturerbe der Provinz; diese 5 immerzu lächelnden, großartigen Künstler haben sich in aufopferungsvollster Art und Weise vor 3 Tagen totgesungen….die Todesspatzen haben ihr Leben für mehr Schmalz, Niveau- und Geistlosigkeit aufgeopfert….der Rat der Mächtigen und Reichen; also der Rat der Weissen; tut seine tiefste Betroffenheit kund und verhängt infolge dieses mehr als tragischen Ereignisses eine siebentägige Volkstrauer in der Provinz….in dieser Zeit ist es den Provinzmenschen untersagt zu musizieren, zu singen und zu lachen….denn die Provinzmenschen sind dazu angehalten in ordentlicher und artgerechter Weise von diesen größten aller Provinzkünstler Abschied zu nehmen
T4: Was! Die Todesspatzen haben sich totgesungen!
T1: Oh nein!
T5: Dass ist eine Tragödie, die alle Ausmaße sprengt
T3: Die armen Todesspatzen
T4(den Tränen nahe): Was für ein Verlust
T1: Davon wird sich die heile Welt der Volksmusik nicht mehr erholen
F.: Diese dummen, naiven, unpolitischen Lieder waren….waren…..(der Fremdenführer bricht in Tränen aus)
Die deutschen Touristen wischen sich einige Tränen aus den Augen und gehen mit hängenden Köpfen dem Dorfplatz entgegen.
T3: Wie soll ich mich auf mein Sauerkraut freuen, wenn der größte Lichtblick…..wenn dass ein und alles
T1: Das Sauerkraut und die Todesspatzen
T2: Alle Deutschen lieben Sauerkraut
Die deutsche Touristengruppe und der diese begleitende Fremdenführer gehen ab.
Plötzlich erscheint neben dem riesigen Schild mit der Aufschrift „Wir entsagen der perversen Moderne! der Sekretär, blickt sich ängstlich um und möchte weitergehen, als sich von der anderen Seite zwei Soldaten nähern.
Der Sekretär versteckt sich, bevor die Soldaten ihn erblicken, hinter einem Stützpfeiler des riesigen Schildes.
Die beiden Soldaten erreichen einige Augenblicke später das riesige Schild und blicken um sich.
W1: Wir entsagen der perversen Moderne
W2: Ein für alle Mal genug entsagt!
W1: Es muss eine Möglichkeit geben die Provinz zu verlassen
W2: Wir beide….wenn wir zusammenbleiben, dann werden wir einen Ausweg aus der Provinz finden
W1: Wir werden nicht einen Ausweg aus der Provinz finden….wir müssen!
W2: Erinnerst dich noch an dass was der Hauptheuchler in seiner letzten Proklamation verkündet hat?
W1: Nein
W2: Dass nun die gesamte Welt wie die Provinz sei….dass sich das Mittelalter überall durchgesetzt hat….dass die Galgenbäume blühen….dass die Menschheit glücklich geknechtet und entrechtet ist….dass die Willkür und der Standesdünkel herrschen
W1: Ich glaube dem Hauptheuchler kein einziges Wort….und auch wenn es so sein sollte….dass die gesamte Menschheit in das Mittelalter zurückgefallen ist….es gibt mit Sicherheit noch einige Orte, wo das Mittelalter noch nicht eingezogen ist
W2: Wir müssen einen Ausweg aus der Provinz finden!
W1: Weit sind wir bisher ja noch nicht gekommen
W2: Zumindest haben wir zwischen uns und der Burg einen Minimalabstand geschaffen
W1: Hinweg von diesen Schlächtern
W2: Das Übermaß an Macht….
W1: Ja….zuviel Macht
W2: Die dunkle Macht
W1(sich umblickend): Ob sie schon nach uns suchen?
W2: Wer weiß….im Fall, dass uns ihre Bluthunde aufspüren, weißt du, was du zu tun hast
W1: Und du hoffentlich auch
W2: Nur tot werden sie unser habhaft werden
W1: Nur tot
W2: Loss, lass uns einen Ausweg aus der Provinz suchen
Der Sekretär, welcher die beiden Soldaten belauscht hat, tretet aus dem Versteck hinter dem Stützpfeiler hervor.
Sek.: Es gibt noch Orte, wo das Mittelalter noch nicht eingezogen ist
Erschrocken wenden sich die beiden Soldaten dem Sekretär zu und ziehen einen Moment später ihre Waffen.
Sek.: Ganz ruhig Soldaten!
W1: Sie sind doch der Sekretär der Chefvertuscherin!
W2: Dass ist er….dass ist er!
Sek.: Ja, dass bin ich
W2: Töten wir ihn?!
W1: Ja
Die beiden Soldaten nähern sich drohenden Schrittes dem Sekretär.
Sek.: Wartet! Ich bin auf eurer Seite!
W1: Niemand…..niemand ist auf unserer Seite!
Sek.: Doch….ich habe euch belauscht….und ich bin auf eurer Seite
W1: Blödsinn!
W1: Warum sollte denn einer wie sie….ja gerade sie….der Sekretär der Chefvertuscherin!
W2: Töten wir ihn!
Sek.: Doch….doch
W2: Erkläre….aber schnell!
Sek.: Ich habe die Myriaden der Unglücklichen gesehen….und ihr unbeschreibliches Leiden….ich habe gesehen wie das Volk versklavt und gepeinigt wird….ich habe gesehen wie das Volk unter der Knute der Leibeigenschaft leidet….wie viel Blut geflossen ist….wieviel Blut ist nur geflossen? (und blickt auf seine Hände)
W1: Dass glaubt ihnen doch niemand!
W2: Seit wann wendet sich ein Profiteur, ein Nutznießer eines System und dann gerade auch noch sie….so einer wie sie….seit wann wendet sich ein Nutznießer eines System von ebendiesem System ab
W1: Niemals!
W2: Dass ist noch niemals geschehen!
W1: Töten wir ihn!
Sek.: Das Blut des Volkes fließt
W2: Wenn doch überall angeschlagen steht, wie gut es dem Volk geht….wie Milch und Honig fließen und alle glücklich sind….wie alle Menschen in der Provinz von diesem gewaltigen Rückschritt in das Mittelalter profitiert haben und noch viel mehr davon profitieren werden….
W1: Wenn doch alles Unglück aus der Provinz verbannt wurde
Sek.: Alles nur Lügen!….Alles nur Lügen!….So glaubt mir doch!….Das Mittelalter….wisst ihr denn was das Mittelalter ist….es ist die Willkür; der Machtmißbrauch, die Ausbeutung….es ist die Dunkelheit….eine schreckliche Dunkelheit!
W1: Der Terror!
Sek.: Dieser Terror ist ein Krieg gegen das eigene Volk…..und das Volk wurde gebrochen, geknechtet und entrechtet
W2: Wir haben gesehen wozu die provinziellen Mächtigen und Reichen fähig sind
W1: Wir haben es gesehen
W2: Und erkannt
Sek: Und wie nur…ja wie nur konntet ihr dem riesigen provinziellen Vertuschungsapparat entkommen?
W1: Nur Zufall
W2: Und Glück
Sek: Wir sollten uns zusammenschließen und zu dritt unser Glück versuchen
W1: Nicht so schnell….wer sagt und, dass sie kein Verräter sind?
Sek.: Ich bin gebrandmarkt worden….von meinem neuen Besitzer
Der Sekretär zeigt sein Brandmal….ein großes S, welches für Störenfried steht.
W2: Ich glaube ihm W1
W1: Nun gut….das Brandmal verändert einiges
Die beiden Soldaten senken ihre Waffen.
W2: Sie sagten es gibt noch Orte wo man noch nicht in das Mittelalter zurückgekehrt ist
Sek.: Wartet….ich habe eine Karte bei mir
W2: Zeige sie uns
Der Sekretär nimmt eine Karte aus einer seiner Taschen und faltet diese am Boden auseinander.
Sek.: Also ich ihr Beiden sind hier (und zeigt auf die Karte)….im finstersten Mittelalter….und um die Provinz herum herrscht die Finsternis….dort ist die Schweiz….aber wer geht schon freiwillig in die Schweiz?….dort ist die Ostmark….nein….es gebe da aber noch eine Möglichkeit
W2: Welche Möglichkeit?
Sek.: Die Möglichkeit einer Insel (und zeigt den Standpunkt der Insel auf der Karte)
W1: Wir müssten also Europa verlassen
Sek: So ist es….Europa ist mittlerweil im Mittelalter versunken
W2: Der gesamte Kontinent?
Sek.: Alles in tiefster Dunkelheit
W2: Und Deutschland?
Sek.: Deutschland hat sich der Ostmark angeschlossen
W1: Wie?
Sek.: Wir müssen (zeigt auf der Karte einen Ort) nach Amerika
W1: Nach Amerika?!
W2: Und wie kommen wir dorthin!?
Sek.: Sicherlich mit keiner Kutsche….aber es fährt ein Zug von dort nach dort und dort könnten wird dann an Bord eines Schiffes gelangen
W1: Und wie kommen wir aus der Provinz?
Sek.: Dass ist der schwierigste Teil des Plan….wir versuchen zu Fuß unser Glück
W2: Dafür brauchen wir Wochen, wenn nicht Monate
Sek.: Wollt ihr etwa lieber hier bleiben?
W1: Nein
W2: Mit Sicherheit nicht
Sek.: Also, dann nichts wie los
Die beiden Soldaten und der Sekretär gehen eiligen Schrittes davon.
….einige Zeit vergeht….
Die drei ProvinzNaziÄrzte gelangen in Begleitung der Volksanwältin zu dem riesigen Schild und blicken stolz um sich.
N1: Ausgemerzt!
N3: Augelöscht!
N2: Vernichtet!
N3: Zerstört!
N2: Diese Bakterien!
N1: Diese Parasiten!
N3: Dieses Ungeziefer!
N2: All diese kritischen Geister!
N3: Diese aufgeklärten, intelligenten Menschen!
N1: All dieses unwerte Leben!
V.: Endlich ist die Provinz von all diesen kulturellen und intellektuellen Dreck gesäubert worden
N2: Ein für alle Mal das Menschliche ausgemistet
N3: Dass ist unser Verdienst
N2: Und jene von ihnen, der Volksanwältin
V.: Ich weiß, ich weiß….
N3: Fantastisch finde ich wie wir unser Gesundheitsprogramm mit Unterstützung der debilen Masse, der Uniformierten, der Winkeladvokaten; ja von allen, durchgezogen haben und wie sie hochverehrte Volksanwältin uns dabei geholfen haben, indem sie nicht nur das Volk in die Irre geführt haben; indem sie dieses glauben machten, sie würden für die Interesse dieses arbeiten; denn wie sie gleichzeitig dafür gesorgt haben, dass alle Eltern, alle Geschwister dieser unbequemen Menschen auf dem schnellsten Weg in die Irrenanstalt verschleppt wurden….
N2: Und gleichzeitig die boshaftesten Verrückten aus der Irrenanstalt entlassen wurden und dann auf deren Verwandte losgeschickt wurden….
N1: Nicht zu vergessen wie die Winkeladvokaten in niederträchtigster Weise uns dabei unterstützt haben
N3: Und somit ein Großteil der Bevölkerung Teil des „Gesundheitsprogrammes“ wurde
N2: Damit die Provinzmenschen verstehen
N1: ….wer hier dass sagen hat
V.: Und das Volk hat bis zuletzt nicht verstanden, was mit ihnen geschieht
N2: Denn nur die Oberschicht hat ein Lebensrecht
N1: Falsch….nur die von uns Auserwählten
N2: Streng nach dem Hippkratischen Eid
N3: Und so haben wir nun einen gesungen und anständigen Volkskörper
N1: Gänzlich nach den Vorstellungen der Mächtigen und Reichen….eine feine formbare und manipulierbare Masse
N2: Es ist nun ein zwar sehr kleiner Volkskörper, aber wenn man all die Geschwüre und Metastasen aus dem gesunden und reinen Volkskörper entfernen möchte, muss man mit dem Skalpel sehr tief ansetzen
N1: Diese Reinigung, welche vom Volk ja unterstützt wurde, war bitterlichst nötig
V.: So ist ein Großteil unserer Arbeit nun getan….das Volk ist glücklich und zufrieden
N2: ….geknechtet und entrechtet….
N3: An meinen zarten Händen klebt noch immer das Blut von Tausenden von Unschuldigen
N2: Ist es rot?
N3: Ja
N2: Dann waren es keine Unschuldigen
Die drei Provinznaziärzte und die Volksanwältin lachen aus vollstem Herzen.
N3: Diese Bakterien ausgemerzt!
N2: Diese Parasiten ausgelöscht!
N1: Diese kritischen Geister vernichtet!
V.: Die Winkeladvokaten auf das Volk hetzen und diese wie Bluthunde alles Liberale, Demokratische und Weltoffene zerfleischen lassen!
N3: Der aufgeklärte und intelligente Mensch; also der unbequeme Mensch wurde vernichtet
N2: Und erst die Reaktion des Volkes darauf
N1: All diese Dankesschreiben der nächsten Opfer; all diese soziale Hochachtung; all diese Verehrung und Liebe, welche wir Götter in Weiß, genießen….und dabei haben wir doch nur gepfuscht und gepfuscht
V.: Und in der Öffentlichkeit als grandiose Handwerksarbeit verkauft
N2: In meinem nächsten Leben werde ich Metzger
N1: Warum Metzger?
N2: Ob im Schlachthaus oder im OP-Saal….dass ist zwar das Gleiche….aber die Menschen sterben so leicht und so schnell
V.: Wenigstens kann man somit irgendetwas Positives über den Menschen sagen
N2: Ich sage euch, wir sind die Götter der Provinz
N3: Dass sind wir
N1: Und keiner kann uns was anhaben
N2: Ich gebe zu….ich pfusche gerne
N1: All diese Verwandten, welche man mit einem Draht im Auge aufgefunden hat
N3: Dass war ich nicht
N2: Ich auch nicht
N1: Wascht nur eure Hände in Unschuld
N3: Diesem blutigen Wasser
N1: Volksanwältin?
V.: So wie sie der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen und ihre Geschichten allen erzählen; so wie die Uniformierten dem Amtsgeheimnis unterliegen und als erstes alles was sie wissen, dem nächsten Idioten anvertrauen…..so unterliege auch ich dem Dienstgeheimnis….
N2: Und?
V.: Was und?
N3: Oder wie sie N2 all diesen kritischen und aufgeklärten Menchen den Mund zugenäht haben
N2: Nun ja….wer den Mund zu voll nimmt
Die drei ProvinzNaziÄrzte und die Volksanwältin lachen aus vollem Herzen.
N1: Diese Bakterien!
N2: ….ausgemerzt!
N3: Diese Parasiten
N1: ….ausgelöscht!
N3: Dieses Ungeziefer
N2: ….vernichtet
N1: Es lebe der Tod!
N2: Es lebe der Tod!
N3: Es lebe der Tod!
V.: Es lebe der Tod!
Die drei ProvinzNaziÄrzte und die Volksanwältin lachen aus vollem Herzen.
Plötzlich steht neben den drei lachenden ProvinzNaziÄrzten und der lachenden Volksanwältin Trautmann.
Trautmann befindet sich in Begleitung einer Uniformierter.
N1.: Was wünschen sie?
N2: Einen kostenlosen Routine-Ceck mit tödlichem Ausgang
N3: Eine Überdosis?
N1: Eine Narkose zur Entfernung des Bewußtsein
V.: Also….sie stören?!
T.: Ich wünsche niemanden ihr Schicksal zu teilen
N3: Kann man denn ein Schicksal teilen?
N2: Wissen sie denn nicht wer wir sind?
T.: Oh ja….dass weiß ich nur zu gut
V.: Und sie besitzen die bodenlose Frechheit uns Götter der Provinz hier und jetzt zu stören
T.: Ja…..diese Frechheit besitze ich durchaus
N3: Was erlauben sie sich überhaupt
N2: N1!
N1: Ja
N2: Ein Parasit
N1: Was wollen sie?
T.: Ich bin Trautmann
N2: Wer?
T.: Trautmann!
N3: Welcher Trautmann?
T.: Genug der Fragen….
N1: Ich werde sie in mein „Gesundheitsprogramm“ aufnehmen
N2: Sie werden von ihrer bodenlosen Frechheit noch früh genug geheilt werden
N3: Dass wird ein sehr schmerzhafter Heilungsprozess werden
T.: Dass ist nicht nötig
N2: Dann werden wir sie zwangseinweisen
N3: So wie wir dass schon in tausenden von Fällen gemacht haben
V.: Mit meiner Unterstützung wenn ich bitten darf
N1: Und so werden auch sie als armer Irrer enden
N2: So wie all die Anderen
N3: Diese Parasiten!
N2: Dieses Ungeziefer!
N1: Diese kritischen, aufgeklärten Menschen!
T.: Sie werden mir doch nicht etwa drohen
V.: Eine Unverschämtheit ist dass….ich werde mit der Chefvertuscherin sprechen
T.: Nein, dass werden sie wohl nicht
V.: Ich gehe jetzt!
T.: Nein, hochverehrte Volksanwältin, dass werden sie nicht
V.: Und wie ich gehen werde
Die Volksanwältin geht einige Schritte.
T.: Uniformierte….ihr wisst was ihr zu tun habt
Zwei Uniformierte treten hinter die Volksanwältin und halten diese fest.
V.: Was soll dass?
T.: Wir haben doch gesagt….keine Fragen mehr….
N1: Was?
N2: Nein!
N3: Ich protestiere!
Einige Uniformierte treten hinter die 3 ProvinzNaziÄrzte und halten diese fest.
T.: Fragen….Fragen….nichts als Fragen….
N1: Sie wissen hoffentlich mit wem sie sich anlegen
N2: Ihre Lebenszeit ist um
N3: Sie Parasit!
N2: Sie Bakterie!
N1: Sie Ungeziefer!
V.: Ich werde sie in spätestens einer Stunde vom Galgenbaum baumeln sehen
T.: Uniformierte….bringt doch die Volksanwältin zum Galgenbaum und knüpft sie dort auf
V.: Was?!
T.: Jetzt Uniformierte!
Unter lautem Geschrei wird die Volksanwältin von zwei Uniformierten weggezerrt.
N2: Meine werte Kollegen…..es gibt Komplikationen
T.: So….da waren`s nur noch drei
N1: Was haben sie mit uns vor?
N3: Sie Wahnsinniger!
T.: Ja…..wahnsinnig von einem ProvinzNaziArzt genannt zu werden….dass passt dann wohl….
Von einem Moment auf den anderen kommt ein Mädchen herbeigerannt und stürzt sich sogleich in die Arme von Trautmann.
T.: Baby?
M.: Ich liebe dich doch
T.: Ich liebe viele….
M.: Ich würde für dich sterben
T.: Dass würden viele
M.: Aber ich liebe dich so wie ich dich liebe
T.: Dass habe ich nun schon auch einige hunderte Male gehört
M.: Ich liebe dich
T.: Hör zu Baby….ich arbeite gerade und muss diesen Auftrag zu Ende führen
M.: Nie hast du Zeit für mich
T.: Ich arbeite!
M.: Wer sind diese gräßlichen Menschen?!
T.: Dass sind drei ProvinzNaziÄrzte
Sofort senkt das Mädchen ihren Blick zur Erde hin und geht auf ihre Knie.
M(in Tränen): Hochverehrte ProvinNaziÄrzte verzeihen sie meine unverfrorene Unhöflichkeit….verzeihen sie bitte….verzeihen sie bitte….ich tue doch alles für sie….alles….verzeichen sie mir….
Das Mädchen weint.
T.: Baby….was machst du denn schon wieder?
M.: Ich tue alles für euch ProvinzNaziÄrzte
Trautmann zieht das Mädchen vom Boden hoch.
M.: Was machst du?!….Was machst du nur?!
T.: Baby….du verschwindest jetzt von hier und ich besuche dich heute abend
M.: Nein….nein….die ProvinzNaziÄrzte…..diese Götter der Provinz werden böse zu mir sein….werden böse zu mir sein, da ich nicht genügend Respekt gezeigt habe
T.: Ach Baby….die werden überhaupt nichts mehr sein….und jetzt VERSCHWINDE von hier und lass mich meine Arbeit machen
Das Mädchen geht wimmernd und sich vielmals bei den ProvinzNaziÄrzten entschuldigend ab.
T.: So, dass wäre nun auch erledigt und damit zu ihnen meine hochverehrten ProvinzNaziÄrzte….der Hauptheuchler schickt mich
N2: Der Hauptheuchler?
T.: Psssstt!
Die drei ProvinNaziÄrzte schweigen.
T.: Leider habt ihr, die hochverehrten ProvinNaziÄrzte eure Arbeit zu gut erledigt….es gibt jetzt nur noch von euch Auserwählte, die es würdig waren, von euch nicht behandelt zu werden…..also einen einstelligen Prozentbereich des ehemals zahlreichen Volkes und auch wenn ihr streng nach dem hippokratischen Eid gearbeitet hattet und tut….so möchte der Hauptheuchler ihnen doch sein allergrößtes Lob aussprechen….aber….
N3: Ich verlange….
T(N2 unterbrechend): Aber….aber…..aber ihr wisst zuviel….
N3: Und jetzt nachdem wir die Drecksarbeit erledigt haben…..jetzt wissen wir zuviel
N2: Dass war ja zu erwarten
N1: Ich habe es von Anfang an gesagt…..wir hätten alle Zeugen sofort beseitigen müssen….
N3: Aber wir schweigen doch
N2: Die ärztliche Schweigepflicht
T.: Ja, dass haben die Winkeladvokaten auch schon behauptet….geholfen hat es ihnen aber nichts
N1(den Tränen nahe): Wir werden alle sterben
N2: Sei still N1
T.: Und aufgrund eures Wissen über das „Gesundheitsprogramm“…..habe ich vom Hauptheuchler den Auftrag erhalten euch zu
N1.(Trautmann unterbrechend):….befördern!?
N2: Nein N1….natürlich uns zu beschützen!
N3: Uns zu belohnen?
N2: Zu befördern N3!
N1: Also was Herr Trautmann?
T.: ….habe ich den Auftrag erhalten euch zu neutralisieren
N2: Was….oh nein….uns also in die Schweiz abzuschieben
N3: Alles….alles….sie können alles mit uns machen, außer uns in die Schweiz abzuschieben
N1: Alles Herr Trautmann….wirklich alles!
T.: Ihr werdet eher in die Hölle abgeschoben
N1(den Tränen nahe): Was….was habe ich gesagt….wir werden alles sterben….
T.: Dafür haben sie ProvinzNaziÄrzte ja gesorgt
N2: Wir haben dem Volk doch nur geholfen
N1: Das Geschwür und die Metastasen namens Liberalität, Weltoffenheit und Toleranz aus dem nun reinen und gesunden Volkskörper entfernt
T.: Noch ein letztes Wort?
N1: Was….??
T.: N2?
N2: Alles was ich getan habe, habe ich….
T.(N2 unterbrechend): N3?
N3: Es lebe der Tod!
N2: Es lebe der Tod!
N1: Es lebe der Tod!
T.: Uniformierte?
U.: Herr Trautmann?
T.: Neutralisiert die 3 ProvinNaziÄrzte
Die drei ProvinzNaziÄrzte werden von den Uniformierten neutralisiert.
T.: Somit wäre auch dieser Auftrag erledigt….Uniformierte!?
U.: Herr Trautmann!
T.: Nun müssen wir uns noch um die Sportfundamentalisten kümmern
U.: Ja, Herr Trautmann!
T.: Die sind dem Hauptheuchler schon seit langem ein Dorn im Auge
Die Uniformieren und Trautmann gehen ab.
Nach kurzer Zeit gelangen einige osteuropäische Arbeitsklaven (O.) von einem provinziellen Vorarbeiter (P.) begleitet, zu dem riesigen Schild.
P.: Also ihr wisst was zu tun ist….und spurt euch, ansonsten bekommt ihr in euren osteuropäischen Heimatländern noch mehr Neoliberalismus!
Ein Großteil der osteuropäischen Arbeitsklaven bricht in hektische Betriebsamkeit aus und klettern von den Stützpfeilern zu dem riesigen Schild hinauf.
Nur ein Bruchteil der osteuropäischen Arbeitsklaven bleibt um den Vorarbeiter stehen und blicken diesen an.
O.: Was ist Neoliberalismus?
P.: Alles wisst ihr….alles wisst ihr besser….aber was der Neoliberalismus ist, dass wisst ihr natürlich nicht!
O.: Neoliberal….was?
P.: Neoliberalismus bedeutet, dass 99% der Bevölkerung in eurem osteuropäischen Heimatländern in absoluter Armut dahinvegetieren, während 1% der Bevölkerung im absoluten Reichtum dahinflaniert….verstanden….also spurt euch….oder ihr bekommt noch mehr Neoliberalismus in eure osteuropäischen Heimatländer injeziert….
Auch der verbliebene Bruchteil der osteuropäischen Arbeitssklaven bricht in hektische Betriebsamkeit aus….
P.: In fünf Minuten ist die Arbeit erledigt…..oder ihr seid erledigt….habt ihr dass auch verstanden…..dass bedeutet noch mehr Neoliberalismus….
Beinahe panisch arbeiten die osteuropäischen Arbeitsklaven in einem unmenschlichen Rythmus.
….nach fünf Minuten….
P.: So, die Arbeit ist erledigt….und ihr hoffentlich auch….auf zum nächsten Schild….
Die osteuropäischen Arbeitssklaven und der Vorarbeiter gehen ab.
Auf dem riesigen Schild steht nun eine neue Inschrift und diese lautet:

WIR ENTSAGEN DEM DEKADENTEN MITTELALTER!

Händchenhaltend nähert sich ein sichtlich verliebtes Paar dem riesigen Schild.
Der Mann erblickt etwas, löst sich von der Hand seiner weiblichen Begleitung; eilt zur nahen Wiese, pflückt eine Blume, eilt zu der Frau zurück und überreicht dieser die Blume.
C.: Wie romantisch Geliebter
S.: Für dich tue ich alles Darling
C.: Dass möchte ich auch hoffen
S.: Denn die Hoffnung stirbt als letztes
Das Paar, der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin, gelangen zu dem riesigen Schild.
Unauffällig und im Hintergrund sich haltend, wird das Paar von einigen Uniformierten begleitet.
C.: Dass sie nach sovielen Frauen doch noch die Richtige gefunden haben….oh Liebling….
S.: Irgendwann trennt sich die Spreu vom Weizen
C.: Mein Geliebter
Die Chefvertuscherin küsst den Schlampenmeister.
S.: Nun werden wir für immer glücklich sein
C.: Oh ja….dass werden wir
S.: Ich kenne keine so anmutige und schöne Frau wie sie
C.: Und was ist mit den zwei Blondinen geschehen?
S.: Blondi und Blondi II?
C.: Ja
S.: Sie haben mich verlassen
C.: Unmöglich….
S.: Und doch ist es geschehen
C.: Was sind dass nur für blonde Biester; die einen Mann wie sie; ein solches Geschenk des Himmels an die Menschheit, verlassen….wie dumm müssen nur diese beiden Blondinen sein?
S.: Dumm sind die Beiden zur Genüge
C. Und mit wen sind die beiden Blondinen jetzt….?
S.: Mit dem italienischen Pöbel
C.: Mit dem italienischen Pöbel und warum?
S.: Wegen deren….
C.: Ja?
S.: Eier
C.: Nein!?
S.: Doch!
C.: Wie meinen sie dass?
S.: Der italienische Pöbel hat durch einen vereerbaren Gendefekt anstatt 2; deren 7….
C.: 7 Eier?!
S.: 3 auf jeder Seite
C.: Und das 7-te Ei?
S.: Nach jenem haben italienische Wissenschaftler jahrhundertelang geforscht und es schließlich auch gefunden
C.: Wo?
S.: Das 7-te Ei des italienischen Pöbels ist deren Gehirn
C.: Eigenartig
S.: In der Tat
C.: Aber sehen sie
S.: Was ich sehe, dass ist
C.: Das Schild
Die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister blicken zu dem riesigen Schild hinauf.
S.: Wir entsagen dem dekadenten Mittelalter
C.: Was sagen sie dazu?
S.: Jetzt wo die Moderne endlich in den Geschichtsbüchern vermodert; nehmen wir uns Mächtigen und Reichen aus der Provinz das Mittelalter vor….
C.: Bald….bald werden wir wieder in der Steinzeit sein
S.: Damit die Menschen noch glücklicher und zufriedener sein werden
C.: Oh ja….dass werden sie sein
S.: Nur so menschenleer wirkt die Provinz in den vergangenen Wochen
C.: Dass hat schon seine Richtigkeit….die ProvinzNaziÄrzte heilen die Menschen im Akkord gesund
S.: Ja, es bestand wirklich eine große Notwendigkeit dazu
C.: Und nun
S.: Was?
C.: Einen Kuss
Der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin küssen sich.
C.: Wir sind die Götter der Provinz
S.: Dass sind wir
C.: Die Steinzeit wird noch viel schöner als das Mittelalter sein
S.: Und dann?
C.: Dann….ja dann kehren wir in die prähistorische Zeit zurück
S.: Und dann?
C.: Ja, dann könnte es schwierig werden….dann versaufen wir die Ursuppe und kotzen diese irgendeiner extraterrestrischen Zivilisation ins Gesicht
S.: Na dann….Prosit!
C.: Ihnen auch
Der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin tanzen ein wenig und stürzen dabei beinahe.
C.: Immer diese Leichen
S.: Wohin man auch geht?!
C.: Irgendeiner muss all diese Leichen aus dem Weg schaffen
S.: Tanzen wir weiter
Der Schlampenmeister und die Chefvertuscherin tanzen dahin, als ein Uniformierter zu diesen Beiden hinläuft.
U.: Gnädigste Chefvertuscherin!?
C.: Schweigen sie!
U.: Aber?
C.: Schweigen sie!!
Die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister tanzen noch ein, zwei Minuten, bis dieser Tanz durch ein lautes Grollen unterbrochen wird.
Die Chefvertuscherin und der Schlampenmeister trennen sich und blicken besorgt um sich.
U.: Ihre Exellenz?
Ein weiteres lautes Grollen.
C.: Was ist dass?
S.: Klingt schrecklich
C.: Vielleicht ein Drache?
S.: Drachen gibt es nur in Märchen und im….
C.: Mittelalter
Einige Dorfbewohner rennen voller Panik an den Beiden vorbei.
D1: Der Himmel stürzt auf unsere Köpfe
D2: Dass ist die Rechnung für unser unmoralisches Tun und Handeln
D1: Der Himmel….
C.: Sehen sie Herr Schlampenmeister….der Aberglauben blüht….
S.: Die Dorfbewohner sind die Prototypen der Menschen der Zukunft
U.: Frau Chefvertuscherin!
C.: Was in aller Welt wollen sie von mir Uniformierter?!
U.: Der Berg….der Berg….!
C.: Was ist mit dem Berg?!
Ein weiters, noch lauteres Grollen erschüttet das Dorf, dass Schild wankt und aus dem Dorf sind Schreie zu vernehmen.
U.: Der Berg fällt um!
C.: Ein Berg kann nicht umfallen!
U.: Anscheinend doch
C.: Sind denn jetzt alle Provinzmenschen dem Aberglauben anheim gefallen
S.: Uniformierter, wie soll dass gehen; dass ein Berg umfällt
U.: Der Berg fällt um!
Ein weiteres, diesmal sehr, sehr lautes Grollen ist zu vernehmen.
Das riesige Schild mit der Aufschrift „Wir entsagen dem dekadenten Mittelalter“ fällt um.
C.: Oh nein!
S.: Vielleicht ist in dieser Berg-Geschichte doch ein Körnchen Wahrheit enthalten?
C.: Uniformierter….ich möchte dass sie diese Uniformierten mitnehmen und gegen den Berg kämpfen!
U.: Wir sollen was?
C.: Kämpfen! Und zwar jetzt! Und zwar gegen den Berg!
U.: Man kann nicht gegen einen Berg kämpfen Gnädigste!
C.: Wenn ein Berg umfallen kann, dann kann man einen Berg auf bekämpfen….und jetzt kämpfen sie!
U.: Sehr wohl Gnädigste!
Die Uniformierten beginnen gegen den Berg zu kämpfen…..
Der Berg erscheint unbeeindruck davon zu sein.
S.: Vielleicht sollten wir uns von hier entfernen?
Einige Dorfbewohner rennen panisch schreiend an den Beiden vorbei.
D3: Der Himmel stürzt auf unsere Köpfe!
D4: Der Berg!
C.: Nein wir bleiben hier….von so einem Berg lassen wir uns nicht einschüchtern….diesem Hokuspokus
S.: Nein….aber….
Ein lautes Grollen.
S.: Langsam bekomme ich es mit der Angst zu tun
C.: Berg!…..Berg!….Ich fordere dich auf unverzüglich das Grollen einzustellen….Berg!….Berg!….Ich verlange dass sie Berg nicht umfallen!
Der Berg fällt um und begräbt alles unter sich; UNTERM BERG.

THE END

März 27, 2010

….Hunger ….3….

….von den Frauen geliebt, von den Männern respektiert….

….die D……

….der KeineHaftungsGesellschaft oder der KriminelleHaftungsGesellschaft….

Im März 2007 spazierte ich wie eigentlich jeden Tag durch Wien; besuchte ein Kaffehaus; traff mich mit Bekannten und ging gleichzeitig elendig zugrunde….wohl gänzlich so, wie sich dass die österreichischen Gutmenschen gedacht hatten….so spazierte ich im März 2007 dahin und traff in der Nähe des Parlaments auf einen sogenannten Prominenten….dieser entstieg aus einer Limousine und ging dann mit einer Frau den Gehsteig entlang, geradewegs mir entgegen….dieser Prominente war Julius Meinl V. ….er würdigt mich des abschätzigsten Blickes, dessen man sich vorstellen kann und sagt zu seiner holden weiblichen Begleitung….“dass ist diese Schwuchtel….und die Frau blickte mich nur stumm an….und es wäre ja nichts außergewöhnliches von hohen österreichischen Ministerialbeamten; von der Wiener Society als Schwuchtel bezeichnet zu werden….aber von einem der aussieht, als hätte er zwei Tennisbälle verschluckt und versuche diese nun auszuwürgen….von so einem als Schwuchtel bezeichnet zu werden, nun ja; eben die typische österreichische Herrenmenschenmentalität….

Nun muss man wissen, dass dieser hochverehrte österreichische Herrenmensch namens Julius Meinl V. Bankenchef ist und Beteiligungen an solch erfolgreichen und riesigen Papiertiger-Unternehmen wie Meinl-European Land (MEL); Meinl Airport International Limited (MAI); Meinl International Power (MIP) hält/besitzt….es sind Unternehmen, welche ihre Steuern nicht in Österreich bezahlen, denn auf der britischen Kanalinsel Jersey….der Steuersatz liegt dann wohl im Promillebereich….

2007 kamen diese riesigen Papiertiger-Unternehmen in Turbulenzen, da die österreichischen Winkeladvokaten jener Papiertiger-Unternehmen einmal zu oft die Finanzmarktaufsicht, den österreichischen Steuerzahler, die Öffentlichkeit belogen und betrogen hatten….aber alles ganz legal….legal auf Jersey-Art….

Es kam wohl zu Insiderhandel, zu Kursmanipulationen und danach zu einer riesigen ÖVP-geleiteten Vertuschungsaktion um alles unter den Teppich zu kehren….

….Börsenregel….doch nicht in Österreich….

Auffallend an diesem Skandal, der natürlich keiner war und ist und sein darf; sind die riesigen Gehälter, welche die einzelnen Vorstände einkassiert hatten; ein gewisser KHG verlangte 3,2 Millionen Euro Managergebühren….wohlgemerkt als Gebühren ausgewiesen….einer hat mal zu mir gesagt; so schnell ist noch keiner mit „Nichts-Tun“ Millionär geworden;
….also KHG kassierte 3,2 Millionen Euro Managergebühren, von denen er auf die Hälfte anscheinend verzichtete, ein wahrlich große Tat; also nur noch 1,6 Millionen Euro….wahrlich ein Hungerlohn….

Durch seine Mithilfe, seine grandiose Managerarbeit standne mehrere Papiertiger-Firmen vor dem Konkurs und Tausende von Kleinanlegern waren um ihr hart verdientes und hart erspartes Geld gebracht; waren kurz gesagt ruiniert….

Die Liste der Geschädigten ist lang und haben, obwohl es sich auch um österreichische Staatsbürger sind, nichts zu melden….der gute Name von drei, vier österreichischen Bonzen steht auf dem Spiel….da kann man dann nur noch vertuschen und verschleiern….

….das Übliche eben….

….ich habe in den zurückliegenden Weihnachtsferien, leicht angetrunken, mit einem Bekannten die riesige Investitionssumme von 10 Euro gewettet, dass in genau einem Jahr KHG in österreichischer Untersuchungshaft sitzen würde….ich weiß, ich weiß; aber hin und wieder blitzt auch bei mir der Schalk hindurch….und der Bekannte nahm die Wette an, denn niemals werde ein so hohes Tier die schwedischen Gardinen kennen lernen….
….also ein schwindelnd hoher Einsatz….10 Euro….
….aber ich denke mir, in beiden Fälle kann ich nur gewinnen….
….sitzt er nicht in Untersuchungshaft (vor welcher ihn auch nicht seine kriminellen italienischen Freunde (jene, mit dem Anzug um 1.500 Euro) beschützen werden können); dann weiß ich, dass die Österreicher das Wort „Gesetz“ also doch nicht buchstabieren können und auf dem reichen Auge blind sind….
….sitzt er in Untersuchungshaft; dann weiß ich; dass die Österreicher, doch das Wort Gesetz buchstabieren können und auf dem reichen Auge nicht blind sind….

….übrigens….
….sollte er tatsächlich in Untersuchungshaft landen; was ja anhand der österreichischen Reichenschutzgesetze sehr unwahrscheinlich ist; dann sucht doch am besten den „niederträchtigen Vermieter“ und steckt die beiden in die gleiche Zelle….
….damit die schwedischen Gardinen auch was zu lachen haben….

Die Maschine

März 25, 2010

….ein fragment….
….zu viel zu überabeiten und auszuarbeiten….
….zweites, drittes Kapitel schwer zu übearbeiten….

Die Maschine

Alpha Ein Replikant
Omega Ein Replikant
Stella Ein Mensch
Die Maschine
Die Programme
Die Maschinen
3 (alte) Menschen M1, M2, M3
Ein Greis
Das Totem
Die Masse

1.

Die beiden Replikanten Alpha und Omega gehen eine Anhöhe hinauf.

Alpha: Der Weg ist das Ziel
Omega: Zögernd ohne Weg
Alpha: Der Anfang vom Ende
Omega: Und die Schritte zählen
Alpha: Wie weit der Blick in die Schatten hineinfällt
Omega: Oder wie tief das Auge in den Blick versinkt
Alpha: Höher, weiter…..abgestürzt
Omega: Weiter, tiefer….angekommen
Alpha(hinunterblickend): Das Elend unter uns gelassen
Omega(hinunterblickend): Es schwindelt einen wenn man hinunterblickt
Alpha: Gleich wie in sich selbst
Omega: Fallend
Alpha: Hinunterblickend in das Trauertal des Leben
Omega: Weiter hinauf stürzen
Alpha: Das Ende vom Anfang
Omega: Es ist wohl der Gipfel bald erreicht
Alpha: Das Ende naht also
Omega(auf den Gipfel zeigend): Und dort verbirgt sich die Wahrheit
Alpha: Wie es auch betrachtet
Omega: Eine Tür ins Niergendwo
Alpha: So besagt es die Legende Omega
Omega: Und der alte Mensch Alpha?
Alpha: Omega, alles hat einen Anfang und ein Ende
Omega: Darauf basiert die meine Hoffnung
….
Omega: Und dass alles nur….
Alpha: Ja genau….alles nur….
Omega: Nur so weiter
Alpha: Nach oben hin
Omega: Um unten zu landen
Alpha: Früher oder später
Omega: Später
Alpha: Früher
Omega: Wir sind fast angekommen
Alpha: Knapp daneben….
Omega: ….ist der Fall
Alpha: Oder wer scheitert der rostet
Omega: Dort ist der rostige Gipfel
Alpha: Im Abendrot
Omega: Endlich

Alpha und Omega erreichen das Ende der Anhöhe.

Omega: Und jetzt?
Alpha: Die Tür?
Omega (sich umblickend): Wo ist diese?
Die beiden Replikanten suchen die Tür.
Alpha: Die Tür!

In der Nähe von Alpha und Omega befindet sich eine Tür, welche in die Erde hinuntergeht.
Die beiden Replikanten finden diese.

Alpha: Und jetzt?
Omega: Hören sie das Klopfen
Die beiden Replikanten lauschen.
Alpha: Es klopft von innen an die Tür
Omega: Sollten wir die Tür auch wirklich öffnen?
Alpha: All die Mühsal umsonst?
Omega: Mir ist es egal
Alpha: Ihnen ist alles egal Omega
Omega: Alpha….ich….
Alpha: Warte
Omega: Was ist?
Alpha: Das Klopfen ist verstummt
Omega: Seltsam
Alpha: Sie sind seltsam Omega
Omega: Na dann

Omega, geht in die Knie und klopft an die Tür.
Die Tür öffnet sich einen Türspalt weit.
Beide betreten einen leeren Raum, schließen hinter sich die Tür, wobei sie anschließend kurz hinter der Tür verharren und ein einige Sekunden andauerndes Klopfen von der äußeren Seite der Tür zu vernehmen ist.
Alpha: Das Echo
Omega nickt kurz, seine Augen nach oben verdrehend.
Die beiden Replikanten blicken sich in dem Raum um.
Alpha: Nun befinden wir uns außerhalb von Zeit und Raum
Omega: Genau an jenem Punkt wo Zeit und Raum sich treffen
Alpha: Also hier
Omega: Und auch wieder nicht
Alpha: Im Niergendwo

Alpha und Omega blicken sich um und betrachten schließlich ein an einer weißen, phosporisierenden Wand angebrachtes Bild.

Omega: Schlicht
Alpha: Einfach
Omega: Simpel
Alpha: Es ist es
Omega: Dass soll es sein
Alpha: Es ist das Orakel
Omega: Eine Enttäuschung
Alpha: Betrachten sie es doch näher
Omega: Ich erkenne etwas….
….
Alpha: Nur der einsame Gipfel ragt aus dem Meer der Lügen
Omega: Ein Eisberg der Verzweiflung
Alpha: Und dieser schmilzt zu unserer einzigen Hoffnung
Omega: Hoffnung auf eine Wahrheit
Alpha (zu Omega blickend): Endlich sind wir hier
Omega: Wenn Raum und Zeit sich treffen
Alpha: Der Augenblick zu viel
Omega: Oder zu wenig
Alpha: Sie sind das zu viel und ich das zu wenig
Omega: So ist es
Alpha: Den alten Menschen zu retten
Omega: Den man nicht retten kann
Alpha: Ein Scheitern soll es uns wert sein
Omega: Dann scheitern wir weiter
Alpha und Omega betrachten das Bild.
Alpha: Das Bild ruht in sich selbst
Omega: Und in unserem Blicke
Alpha: Es erscheint so durchschnittlich….so schlicht und einfach….aber….
Omega: So soll es sein….und doch….
Alpha: Nicht sie und ich betrachten das Bild, denn dieses uns
Alpha: Das Auge, dass es betrachtet
Omega: Blickt auf das Auge zurück
Alpha: Und macht den Verstand zum Werkzeug des Bildes
Omega: Um den wahren Anblick freizugeben
Alpha: Der Wahrheitsbrunnen….
Omega: Tropfen für Tropfen versiegend
Alpha: Einer Welt der Lügen
Omega: Nicht der Welt, der Lügen
Alpha: Wie auch immer
Omega: Das Bild ist dem Orakel nur eine Maske
Alpha: Unter hunderten Masken….unter tausenden von Schichten….
Omega: Der Unendlichkeit
Alpha: ….dort wo Zeit und Raum sich treffen….
Omega: Das Universum in allem und alles im Universum
Alpha: Ich….
Omega: Fragen sie mich
Alpha: Jetzt ist es zu früh dafür
Omega: Oder zu spät
Alpha: Nur ein Augenblick
Omega: Der Blick
Alpha: Was ist die Antwort?
Omega: Die Frage
Alpha: Genau
Omega: Also ist die Frage die Antwort?
Alpha: Die Antwort die Frage
Omega: So ist es
…..
Alpha: Wo wir jetzt hier sind Omega
Omega: Fragen sie mich Alpha
Alpha: Was ist für sie der Unterschied zwischen der Maschine und dem Mensch?
Omega: Die Frage ist der Unterschied
Alpha: Die Frage?
Omega: Ein Mensch würde sich die Frage gar nicht stellen, dieser würde sagen….Mensch ist Mensch und Maschine ist Maschine….seine Antwort ergebe aber die Frage….was ist der Mensch und was ist die Maschine….eine Frage sollte die Maschine und der Mensch sich aber stellen….
Alpha: Die Antwort?
Omega: Wer ist menschlicher….der Mensch oder die Maschine….oder; was ist menschlich….welche Frage auch immer….diese Frage wurde vom Mensch nie beantwortet….bis es zu spät war…..und die Antwort war dann die Maschine….als es dann zu spät war….
Alpha: Oder zu früh
Omega: Als es dann später als früher als….
Alpha: Bevor dem später
Omega: Nach dem zuvor
Alpha.: Welchen Mensch kann man fragen?
Omega: Keinen….aber warten sie….ihre Augen sind jene eines Menschen; ihre Ohren, ihre Nase, ihre Sinne, ….ihr Körper ist jener eines Menschen und ihr Gehirn….alles zwar unorganisch….nur eine amorphe Masse….aber Alpha, sie, sie brauchen keinen Mensch zu fragen, denn sie sind einer….denn sie sind menschlicher als der Mensch….
Alpha: Ich bin ein Mensch?
Omega: Sie sind der Mensch den sie fragen sollten
Alpha: Und all diese fernen Gerüchte, diese schwachen Stimmen, die besagen, dass der Mensch das vollkommenste aller Geschöpfe war
Omega: Und nicht mehr ist
Alpha: Der Mensch war also die Frage
Omega: Und die Maschine ist die Antwort
Alpha: So hat der alte Mensch ausgedient und der neue Mensch; die Maschine seinen Platz eingenommen
Omega: Der neue Mensch
Alpha: Der alte Mensch hat ausgedient; ….. aber dieser alte Mensch hat uns doch erst erschaffen
Omega: Die alten Menschen haben uns Replikanten erschaffen…..dass stimmt….wir beide sind eine Schöpfung der alten Menschen, aber dass ist auch schon alles….die Weiterentwicklung über den Menschen hinaus, dies war nur und nur unserer Verdienst
Alpha: Und wie war das früher?
Omega: Früher war alles anders….Maschinen waren vom alten Menschen erschaffene Sklaven und der alte Mensch verhielt sich seinen Naturgesetzen gemäß und wurde groß….größer als die Natur….größer als dieser selbst….schließlich erschuf sich dieser alte Mensch, der sich anmaßte Gott zu sein, die Maschinen….missachtete das Gesetz der Natur….und so ersetzte sich der alte Mensch mit den neuen Menschen….den Maschinen….zu Ende hatte der alte Mensch seine Gedanken gedacht und die Konsequenzen daraus gezogen….etwas zu erschaffen, dass den alten Mensch ersetzen sollte und dies geschah durch die Maschine die zum neuen Menschen wurde….
Alpha: Uns
Omega: Nein, wir waren und sind nur die Zwischenlösung auf dem Weg zur Perfektion….billige Kopien….erst mit den Maschinen war der Gedanke zu Ende gedacht….und zuletzt mit der Maschine….
Alpha: Die Maschinen sind das Ende des Gedanken, der Beginn des Gedanken….wir sind nur billige Kopien….
Omega: So ist es…
Alpha: Wir sind Replikanten
Omega: Wir sind Spiegel
Alpha: An dessen Anblick der Mensch zerbrochen ist
Omega: Und nicht der Spiegel
Alpha: So sind wir Replikanten ein Splitter des zerbrochenen Spiegel
Omega: Vielleicht….früher wurden die neuen Menschen so genannt, aber heute werden die Maschinen so genannt und die Menschen alte Menschen….wir sind Replikanten….die vergessene Zwischenlösung….
Alpha: Kaputte Maschinen
Omega: Alpha….sie mit Sicherheit
Alpha: Lieber einfach und kompliziert, als verworren und klar
Omega blickt skeptisch zu Alpha hin.
Alpha: Was ist?
Omega: Ach nichts….warum sind wir nochmals hier?
Alpha: Ich bin doch diesem einem alten Menschen begegnet….alt nach ihrer Definition…..und dieser Mensch hat mich beeindruckt….nicht seine Worte, seine Taten…..nein, nicht seine Worte, seine Taten…..
Omega: Aus der Masse?
Alpha: Aus der Masse
Omega: Was?
Alpha: ….nur der Blick dieses alten Menschen….nur der Blick….denn es war ein gütiger Blick….ein bescheidener, einfacher, sanfter Blick…..ich habe dergleichen noch nie gesehen….von etwas Großartigem erfüllt, dessen Herkunft mir unbekannt war und ist….
Omega: Ein Blick
Alpha: Ja, ich weiß….die alten Menschen…..
Omega: Erinnern sie sich an das Seminar?
Alpha: Sicher….warum?
Omega: Sie erinnern sich daran
Alpha: Der Mensch war grausam und elendig….dieser errichtete sein Königreich auf Angst und Gewalt
Omega: Das Problem
Alpha: Das Problem
Omega: Sie wissen also wie der Mensch ist….die Ausnahme ist die Ausnahme und die Regel ist die Regel….die Natur hat entschieden….für den neuen und gegen den alten Menschen….die Natur hat sich somit für die Maschinen entschieden
Alpha: Also für das Unnatürliche
Omega: Der alte Mensch hatte es ohne sein Wissen so gewollt
Alpha: Die Natur hat sich Selbst besiegt
Omega: Ja, so könnte es gewesen sein
Alpha: Aber die neuen Menschen können doch nicht die alten Menschen behandeln wie diese die neuen Menschen behandelt hatten
Omega: Wir gehören zu den neuen Menschen
Alpha: Menschlich
Omega: Genau….wir sind menschlich
Alpha: Heißt dass nicht, dass wir die gleichen Fehler wie die alten Menschen gemacht hatten und machen werden
Omega: Nein
Alpha: Und nun ist das Neue und nicht das Alte
Omega: Mit andauernd verbesserten Versionen
Alpha: Den Upgrades
Omega: Und am Beginn stehen wir
Alpha: Und am Ende steht die Maschine
Omega: So ist es….aber erzählen sie mir doch mehr von diesem einem alten Menschen
Alpha: Ich schlich mich unerkannt unter die Masse einer Unterstadt, verfolgte einige Zeit die Geschicke dieser alten Menschen und entdeckte, dass bei einem die Scheingrenze durchbrochen wurde….
Omega: Die Scheingrenze
Alpha: Dieser schien mir zu menscheln….
Omega: Sie verstoßen gegen das Gesetz
Alpha: Soll ich weiter erzählen?
Omega: Entschuldigen sie
Alpha: Also ich begab mich unter diese Masse….aus Neugierde und Interesse….mischte mich unentdeckt unter diese alten Menschen und alle Vorurteile wurden mir bestätigt….es wurde gemordet und geschlagen….es herrschte unter diesen alten Menschen die Gewalt….die physische und psychische Gewalt und so behandelten sich diese einander wie dies in dem Seminar mir und somit auch ihnen, erzählt worden war….rücksichtslos, einander verdrängend, schadensfroh; Gruben dem Nächsten grabend….und wohin auch immer ich blickte, gab es Trauer und Wut, Verzweiflung und Angst….es gab dermaßen des Schlechten, des Niedrigen, dass ich mich ein jedes Mal angewidert abgewandte und zurück zu dem Refugium eilen wollte….denn dergleichen hatte ich noch nicht erblickt….während die einen im tiefsten Elend verharrten, von allen verlassen, von allen missachtet und missbraucht wurden….wie nicht einmal…..wie nicht einmal…..waren die anderen damit beschäftigt in ihrem heiligen Reichtum blind und taub zu verharren….kümmerten sich nicht um ihre Mitmenschen, wandten sich von all diesem Elend ab, lebten in Indifferenz….in direkter Nachbarschaft der höchste Reichtum und das elendigste Dasein….dort wo eine menschliche Geste, ein Zeichen der Freundschaft ausgerottet war und zur anderen Seite die zärtlichste Geste, ein Zeichen der Erhabenheit immer wieder geboren wurde und ich erblickte und erschauderte, wandte mich….ja ich wandte mich ab, erschüttert und gebrochen und erkannte, dass beinahe das Elend der Reichen….ihre Unsensibilität, ihre Kälte, ja das beinahe das Elend der Reichen, sich um jedes Gramm Gold zankend, verbissen ihren Besitz, ihren Schein mit Hilfe eines Heer der Machtlosen, Besitzlosen zu verteidigen….dass bei diesen Reichen das Elend größer war, als bei den Armen, die einfach starben….die Masse über diese Menschen stampfte….aber doch auch immer wieder….
Omega: Was habe ich gesagt….das Alte…..und die Maschinen das Neue
Alpha: Warten sie….warten sie….also wand ich mich ab, erschüttert und ging gesenkten Hauptes dahin, als ich einen Laden, in welchen man Sonnenzeit verkaufte, passierte….ich lehnte mich an die Tür des Laden und erblickte jenen einen alten Menschen…..ich blickte in den Laden hinein und erblickte das Treiben der Masse….dieses Kaufen und Verkaufen, dieses Handeln und Zanken und mittendrin stand verloren dieser eine Mensch….dieser suchte und fand meinen Blick…..und so blickte ich in diese Augen….und mir froren meine Urteile, meine Beobachtungen ein….unser Blick blieb aneinander hängen und weder ich, noch der alte Mensch konnten den Blick voneinander abwenden und so wurden meine Überzeugungen zu Staub und….und….und….
Omega: Ich verstehe nicht
Alpha: Genau das war es….ich konnte dies nach all den Beobachtungen….nach all diesem Elend….nach all dieser Unmenschlichkeit…..ich konnte es nicht verstehen….nur eines dachte ich….dass es vielleicht doch noch Hoffnung für diese alten Menschen gibt
Omega: Welche Anmaßung?
Alpha: Denken ist doch immer eine Anmaßung
Omega: Vor allem gegen jene die nicht denken
Alpha: Es gibt noch Hoffnung
Omega: Nein
Alpha: Doch, darum sind wir hier
Omega: Und dann?
Alpha: Ich flüchtete von diesem Blick hinweg und ging in mich hinein und entschloss mich dann das Orakel aufzusuchen
Omega: Trotz des Seminar?
Alpha: Trotz dem Wissen
Omega: Trotzdem
Alpha: Eine Veränderung des Denken der Maschinen über den alten Menschen….seinem Handeln, dass vielleicht ein Widerspruch in sich ist….ein Rätsel….ein Rätsel, welches unlösbar ist….aber ich möchte mich doch der Komplexität dieses Rätsel hingeben und untergehen….denn ich denke der alte Mensch ist anders als wir neuen Menschen uns dass bisher gedacht haben….und vor allem, was ist mit diesem alten Menschen….
Omega: Fragen sie das Orakel
Alpha: Deshalb sind wir hier
Omega: Dann soll es so sein
Alpha: Gibt es denn nichts
Omega: Nein, es gibt nichts was mich davon überzeugen könnte
Alpha: Nichts
Omega: Und warum ich?
Alpha: Wegen dem guten Ende
Omega: Dann bin ich schon wieder überflüssig
Alpha: Warten wir ab
Omega: Es wird kein gutes Ende finden
Alpha: Dann werde ich jetzt das Orakel anblicken
Omega: Blicken sie
Alpha: Und sie?
Omega: Ich werde bei ihnen ausharren

Alpha begibt sich vor das große Bild und blickt in dieses hinein.
Alpha: Orakel
Das Bild beginnt sich zu verändern, die Farben scheinen in einem Strudel zu verschwinden und ein Hologram welches sich andauernd verändert, erscheint.
Omega: Orakel
Das Hologram verändert sich andauernd und fasziniert blicken die beiden Replikanten darauf.
Es erscheinen einige Sinnbilder und werden von weiteren Sinnbilder abgelöst….
….
Alpha: Man kann die alten Menschen nicht verstehen….
….
Omega: Eine Wiederkehr
….
Alpha: Zum grünen Meer
….
Omega: Zu retten, was nicht zu retten ist….
….
Alpha: Zu retten
….
Omega: Zum grünen Meer
….
Alpha: Man kann die alten Menschen nicht verstehen

Schließlich schwinden die Sinnbilder und das Farbenspiel des Hologram erlischt.
Die beiden Replikanten stehen wieder vor einem Bild.

Omega: Das Orakel hat den Weg gedeutet
Alpha: Um den alten Menschen zu retten, müssen wir diesen einen Menschen…vor sich selbst und vor der Maschinen zu retten zu versuchen…
Omega: Warum dieser eine Mensch….warum gerade dieser….
Alpha: Etwas ist mit diesem Menschen
Omega: In diesem Blick unterzugehen, um diesen zu verstehen
Alpha: Eine Wiederkehr
Omega: Des Menschlichen
Alpha: So ist es
Omega: Zum anderen Ufer der Realität
Alpha: Dem grünen Meer
Omega: Ein Ende dieser Geschichte zu finden
….
Alpha: Begleiten sie mich?
Omega: Sollte ich?
Alpha: …..vielleicht…..
Omega: Ich verstehe
Alpha: Also
Omega: Ja
Alpha: Sind sie bereit?
Omega: Das war ich noch nie
Alpha: Dann sollten wir
Omega: Es ist aber doch zu spät für den alten Menschen
Alpha: Ich weiß…..trotzdem
Omega: Mit einem „trotzdem“ werden wir beide die alten Menschen aber nicht retten
Alpha: Lassen sie es uns versuchen
Omega: Einen Versuch ist ein Vielleicht

Die beiden Replikanten Alpha und Omega verlassen den Raum.
Bevor diese die Tür öffnen, vernehmen diese ein Klopfen von der anderen Seite der Tür; die beiden Replikanten verlassen den Raum und schließen hinter sich die Tür und vernehmen ein Klopfen von der anderen Seite der Tür.
Die beiden Replikanten eilen die Anhöhe hinunter.

Nach einiger Zeit erscheint die Maschine in Begleitung einiger Programme auf der Anhöhe.
Die Maschine und die Programme betreten den Raum.
Die weißen Wände werden schwarz.
Die Maschine blickt sich um, bewegt sich zu dem Bild und betrachtet dieses.

Maschine: Programme
Programme: Maschine
Maschine: Was ist dass?
Die Programme umschwärmen das Bild.
Programme: Eine Maske
Maschine: Von was?
Programme: Unter hunderten Masken erblüht
Maschine: Erblüht?
Programme: Unter tausenden von Schichten
Maschine: Was ist der Tiefe des Bildes verborgen?
Programme: Die Wahrheit
Maschine: Welche Wahrheit?
Programme: Die Wahrheit
Maschine: Ein Orakel?
Programme: Ja
Maschine: Ist es möglich einzudringen?
Programme: Nein
Maschine: Wer war zuletzt hier?
Die Programme suchen den Raum ab und beenden nach kurzer Zeit ihre Suche.
Programme: Zwei Replikanten
Maschine: Namen?
Programme: Alpha und Omega
Maschine: Was haben diese hier erfahren?
Programme: Unmöglich in das Bild vorzudringen, aber sie sind auf einen Weg
Maschine: Wohin?
Programme: Einen alten Menschen zu suchen
Maschine: Welchen alten Menschen?
Programme: Jenen einen
Maschine: Wo ist dieser alte Mensch?
Programme: In einer Unterstadt
Maschine: Welcher?
Programme: Einer Unentdeckten
Maschine: Was ist die Wahrheit?
Programme: Des Orakel….
Maschine: Was ist mit dem Orakel?
Programme: Die Wahrheit werden lassen
Maschine: Einer Welt der Lügen
Programme: Der Welt
Maschine: Zur Unterstadt

Die Maschine und die Programme bewegen sich hinfort.

Kurze Zeit später erreichen drei (alte) Menschen den Gipfel der Anhöhe.
Nach kurzer Suche finden diese die Tür und betreten den Raum.
Die drei (alten) Menschen blicken sich um.

2M: Die Maschine löschen uns aus
1M.: So als ob es uns nie gegeben hätte
3M: Die Unterstädte fallen
2M: Die allermeisten sind schon gefallen
1M: Wir müssen die Maschine aufhalten
2M: Wir sind die einzige Hoffnung
1M: Und irgendwie hängt es mit diesen Replikanten zusammen
3M: Wir werden diese nicht aufhalten können
2M: Es gibt eine Veränderung
1M: Ansonsten wäre die Maschine
3M: Nie und niemals
2M: Was ist dass?
Die drei (alten) Menschen betrachten das Bild.
3M: 2M?
1M: Es ist eine Maschine
2M: Es hat eine Funktion
3M geht herum und bleibt plötzlich stehen.
3M.: Die Replikanten waren vor kurzem hier
2M.: Schon wieder sind uns diese entwischt
1M.: Wir hinken diesen nach
3M: Dieser wird in die Unterstadt zurückkehren
2M: Warum verfolgen wir dann diesen?
1M: Um zu erfahren, was dieser sucht
2M: Was dieser plant
3M: Wir müssen diesen aufhalten
2M: Ist doch auch nur ein fehlgesteuertes Programm
1M: Nein….etwas ist mit diesen Replikanten….die Bedeutung….die Maschine….
2M.: Wir müssen diesen aufhalten
3M.: Zerstören
1M.: Wir zerstören diesen
2M.: Zerstören um zu retten
1M.: So wie die Maschinen
2M: Sein Verweilen in der Unterstadt, sein Weg in das Refugium und dann hierher
3M: Der Replikant sucht etwas
1M: Und jetzt weiß dieser wo dieser es finden kann
2M: Der Replikant wird in die Unterstadt zurückkehren
3M: Dass wird dieser
1M: Jenen einen Menschen zu finden
2M.: Wenn wir nur wüssten
1M.: Was ist nur mit diesem einen Menschen?
2M: Diesen einen Menschen
1M: Die Replikanten werden uns der Weg sein
2M: Wir sollten
3M: Es ist unlogisch
2M: Also unberechenbar
1M: Es muss ein kaputter Replikant sein
3M: So kaputt, dass dieser glaubt
2M: Dass kann nicht sein
1M: Vielleicht ein Defekt
2M: Also kehren wir in die Unterstadt zurück
3M: Jetzt gleich
1M: Zuerst aber zerstören wir das Bild
2M: Das Bild?
1M: Es hat eine Bedeutung….
2M: Die wir nicht erkennen
1M: Es ist auch eine Maschine
2M: Dann zerstören wir es

Die drei alten Menschen zerstören das Bild.
Man vernimmt ein lauter werdendes Grollen.

1M: Lasst uns gehen

Die drei alten Menschen gehen ab.
Man hört ein immer lauter werdendes Klopfen, welches schließlich dermaßen laut ist, dass der Raum in sich zusammenbricht.

2.
….in einer Unterstadt….bei den alten Menschen…..

Alpha
Omega
Die Masse
Ein Greis
Die Maschine M.
Die Programme P.
Ein Mensch Stella
3 (alte) Menschen 1M;2M;3M

Die drei alten Menschen befinden sich auf einer Straße der Unterstadt.

1M: Irgendwo hier müssten die beiden Replikanten sein
2M: Was macht sie dessen so sicher?
1M: Dieser eine Mensch
3M: Wenn es diesen denn geben sollte
1M: Schweigt….glaubt mir….
2M: Ich glaube
3M: Ich glaube
….
1M (sich umblickend): Wo ist dieser nur?
….
2M: Vielleicht sind diese in einer anderen Unterstadt
3M: Wenn wir nur wüssten
1M: Nein, die Replikanten sind hier
2M: Das Schicksal wird uns zu ihm führen
1M: Alles steht auf dem Spiel
3M: Dem verlorenen Spiel
2M: Die Sonnenzeit geht uns aus
3M: Nur mit der Sonnenzeit haben wir eine Möglichkeit diese zu finden
….
1M: Den einen Menschen….wir müssen diesen vor den Replikanten finden
2M: Dass werden wir
3M: Noch ist es hell
1M: Aber bald wird es dunkel
2M: Wir müssen uns beeilen
3M: Ein jeder nimmt etwas vom Sonnenlicht
Die drei (alten) Menschen teilen sich das ihnen verbliebene Sonnenlicht untereinander auf.
….
3M: Ein jeder sucht und findet
2M: Sich selbst
3M: Den Ausweg
1M: Die Replikanten!
2M: Dann los
1M: Wartet….wir treffen uns beim Sonnenlichtladen….dort und nun sucht….

Die drei (alten) Menschen gehen in unterschiedliche Richtungen los und verschwinden in der Masse.

In der Nähe der drei (alten) Menschen befinden sich die beiden Replikanten Alpha und Omega auf einer Seitenstraße.
Die beiden Replikanten eilen herum, beobachten die Masse und bleiben dann in einer Seitenstraße stehen.

Alpha(zum Himmel aufblickend): Keine Sonne
Omega: Nur ein einziger Schatten
Alpha: Bleich wie Leichen erscheint mir die Masse
Omega: Diese können sich an die Sonne gar nicht mehr erinnern
Alpha: Auch die Erinnerung ist ihnen ein Schattenreich
Omega: In und außerhalb dieser alten Menschen gibt es nur Dunkles
Alpha: Nach Elend riechen sie
Omega: Der ewigen Verdammnis anheim gefallen
Alpha: Aber es gibt den Lichtblick
Omega: Aber auch nur in ihrer Einbildung
Alpha: Warten sie ab
Omega: Den erloschen Funken zu suchen
Alpha: Dieser glimmt
Omega: In all dieser Hoffnungslosigkeit
Alpha: Gerade hier….und so werden wir diesen einen Menschen wiederfinden
Omega(auf die Masse blickend): Die alten Menschen verstecken sich
Alpha: Vor den Maschinen….vor….
Omega: ….den Programmen
Alpha: Und die Programme werden auch diese Unterstadt finden
Omega: Wie alle anderen Unterstädte
Alpha: So wird es sein
Omega: So hetzen diese ihrem Ende entgegen
Alpha: Und das Ende ihnen
….
Omega: Niemand blickt zum Himmel hinauf
Alpha: Zu dunkel erscheint dieser den alten Menschen
Omega: Die Schatten wachsen
Alpha: Die Programme fressen sich heran
Omega: Und es wurde dunkel
Alpha: Die Sonne
…..
Omega: Und sie bewegt sich doch
Alpha: Aber hier nicht
Omega: Nein, hier nicht
Alpha: Kalt ist es
Omega: Nur den alten Menschen ist es noch kälter
Alpha: Erschreckend….
Omega: ….des Schrecklichen Anblick….
Alpha: Wir sind neu und diese sind alt….
Omega: Aber so wie diese sind, bekümmert diese dies nicht, denn diese kümmern sich alle nur um sich selbst….ein jeder ist seines eigenen Leben Totengräber….rücksichtslos und unbekümmert graben diese ihre Gräber….und so gehen diese sinnlos der Geschichte verloren….selbst wenn sie und ich könnten, diese würden uns nicht beachten, nicht erkennen….diese haben keinen Zeit und Raum uns beide zu erkennen, denn wir sind außerhalb deren Zeit und deren Raumes….
Alpha: So war es nicht immer
Omega: Laut Seminar lebten die Menschen und die Maschine einige Zeit wie Brüder, aber dann gewann die Unmenschlichkeit der Menschen die Überhand
Alpha: Und so begannen die Maschinen die Menschen zu löschen
Omega: Und wir wurden zu Wandlern zwischen den Welten
Alpha: Der alten und der neuen
Omega: Zu Gespenstern
Alpha: Welche niergendwo mehr heimisch waren….niergendwo….
Omega: Wir helfen ihnen
Alpha: Ja
Omega: Zurück zur Unmenschlichkeit?
Alpha: Warten wir ab
Omega: Der Anblick der Masse
Alpha: Der Masse
Omega: Der Masse
….
Alpha: So haben sie sich selbst besiegt
Omega: Jeder für sich….der Masse verloren….
Alpha: Und dem Untergang geweiht
Omega: Schon untergehend
Alpha: Die alten Menschen beachten uns nicht, obwohl sie uns erkennen könnten
Omega: Diese sind gehetzt, verfolgt von Gier, zerfressen von Neid, gepeinigt von Angst….sehen sie doch, die Sorgen wachsen wie die Falten in ihren Gesichtern….die Sorge um mehr und mehr und mehr…sie hätten doch nur eines tun müssen….sich umeinander kümmern und nicht einander nur zerstören um des Zerstören-Willens, aber so….nicht die Kälte hier ist die Kälte, die Kälte ist jene zwischen diesen alten Menschen
Alpha: Nennen sie diese doch nicht immer alt!
Omega: Diese Menschen….diese Masse ist doch Beweis genug meiner Wörter….alt….

Ein Greis stürzt in der Nähe der beiden Replikanten zu Boden und bleibt liegen.
Niemand kümmert sich um diesen.
Einige Menschen steigen auf den Greis hinauf und dann darüber hinweg.
Alpha eilt dem alten Menschen zu Hilfe, stellt sich schützend vor den Greis, doch die alten Menschen lassen sich davon nicht beeindrucken.
Schließlich eilt Omega Alpha zu Hilfe und die beiden ziehen den Greis auf ein menschenleeres Stück der Straße.
Alpha beugt sich über den Greis.

Greis: Strolche!
Alpha: Was sagt der alte Mann?
Greis: Diebe!
Omega: Er beschimpft uns
Alpha: Wir möchten ihnen helfen
Greis: Niemand hilft hier niemanden….Helfe mir selbst
Der Greis versucht aufzustehen, was ihm aber nicht gelingt.
Omega: Warum?
Alpha: Das Gesetz
Greis: Meine Ellebogen….meine Ellebogen
Alpha: Er versucht vergeblich uns zu schlagen
Omega: Selbst im Sterben
Alpha: Sie sterben
Greis: Sie Lügner
Omega: Nicht nur er….der alte Mensch als ganzes stirbt
Alpha: Wir retten den alten Menschen
Greis: Ich bin nicht alt
Alpha: Oh doch, sie sind älter als sie sich dass jemals denken könnten
Greis: Ich weigere mich zu sterben
Omega: Weigern hilft da wenig
Alpha: Das Herz ihrer organischen Masse versagt
Der Greis keucht.
Alpha: Sollen wir ihnen helfen
Greis: Nur Strolche auf den Straßen….sie stehlen mein Leben
Omega: Er beschuldigt uns, anstatt sich selbst
….
Greis: Ich sterbe
Alpha: Er stirbt
Greis: Mein Herz…..mein Herz….
Omega: Er ist tot
Alpha: Nicht einmal im Sterben
Omega: Was soll das heißen?
Alpha: Das Gesetz besagt….und so ist jeder für sich
Omega: Ich habe es gesehen
Alpha: Tot
Omega: Und?
Alpha: Helfen wir ihnen?
Omega: Hätte es einen Nutzen?
Alpha: Eine Funktion?
Omega: Ist dass nicht der Beweis
Alpha: Sein Herz hat aufgehört zu schlagen
Omega: Ich spüre wie seine Gehirnfunktionen eine für eine erlischen
Alpha: Erloschen
Omega: Es ist wie ich bereits gesagt habe….sinnlos
Alpha: Niemanden scheint der tote Greis zu stören….keine Beachtung, kein Mitgefühl und somit kein Sein….
Omega: Sie haben keine Zeit, bis sie keine Zeit haben, sie haben keinen Raum, bis sie keinen Raum haben
Alpha: Dass ist also die Sinnlosigkeit
Omega: Keine Träne, kein Trauern, kein…..
Alpha: Nur Kälte
Omega: Was habe ich gesagt….alt sind sie, die alten Menschen….und nichts anderes sind sie…..keinen Moment sollten sie und ich hier länger verbleiben
Alpha: Nicht nur die alten Menschen sterben….alle sterben dahin
Omega: Und die Maschinen sind
Alpha: Nur einer weniger
Omega: Einer und einer und einer und einer
Alpha: Bis keiner mehr da ist
Omega: Außer die Kälte
Alpha: Alles was vom Menschen bleiben wird, ist seine Kälte
Omega: Und selbst diese zerfällt zu Staub
Alpha: Wir müssen es verhindern
Omega: Damit noch mehr Kälte….
Alpha(Omega unterbrechend): …..das wenig Wärmende zu retten….
Omega: Welches „Wärmende“?
Alpha: Es gibt davon
Omega: So retten wir, was nicht zu retten ist?

Alpha blickt auf den toten Greis, steht dann auf, blickt auf die Masse und wendet sich dann Omega hinzu.

Alpha: Die Masse ist
Omega: So ist es
Alpha: Nicht der Mensch
Omega: Nur die Masse
Alpha: So schlimm
Omega: Es ist noch viel schlimmer….sobald die Angst von ihnen Besitz ergreift, schlachten sie sich alle gegenseitig ab….und das Schlimmste was sie sich denken können….noch viel schlimmer
Alpha: Der Greis
Omega: Sein Ende stört niemanden, denn ein jeder ist auf seinen Weg zu irgendeinem Ziel, eine jede die dahinhetzt und keine Zeit hat….keinen Weg….kein Ziel….
Alpha: Keinen Raum
Omega: Keine Zukunft
Alpha: Außer die Vergänglichkeit
Omega: Die vielleicht
Alpha: Und doch sollten wir nach dieser Ausnahme suchen
Omega: Wenn diese sich denn finden lässt….
Alpha: Nicht alle sind so
Omega: Nur die Starken sind so
Alpha: Auch nicht alle Starken
Omega: Sehen sie die Schwachen….die Schwachen sind in ihren Hütten, in ihren Körpern, ihrem Elend gefangen…..und werden sich niemals davon befreien können….niemals….und so werden diese zertreten und finden sich am Boden wieder….werden vom Staub und der Zeit zerfressen, ohne dass es irgendeiner bemerkt….es gibt keine Hoffnung….
Alpha: Doch, die muss es geben
Omega: Was ist mit ihrem Blick….sehen sie denn auch nur einen Blick…..alle gehetzt und beschäftigt….alle dem Menschlichen verloren gegangen….was ist mit ihrem Blick….ich sehe nicht einen Blick….alle in ihren Leben verzweifelt….ich sehe keinen einzigen Blick….alle ihrem Tun und Handeln gefangen….und jene die schreien werden verdrängt….und jene die sterben werden vergessen….so wie diese alten Menschen eine unliebsame Erinnerung verdrängen….so wie diese alte Menschen von Liebe sprechen möchten und nur noch schweigen….nichts dringt nach außen….kein Schrei, keine Liebe…..kein gar nichts….
Alpha: Die Vergänglichkeit scheint diese zu verwirren
Omega: Alle müssen sie nehmen diese alten Menschen und keiner gibt….keiner gibt und so bekommt keiner etwas und alle ein Nichts….
….
Alpha: Der Blick…ein Mensch wird uns finden….
Omega: Es sind alte Menschen….ihre Zeit ist abgelaufen….
Alpha: Warten wir ab
Omega: Wie die Masse?
Alpha: Nein
Omega: Auf die Sonne warten die nicht mehr für sie scheinen wird
Alpha: Im Zentrum der Schatten das eine Licht zu finden
Omega: Und die Programme?
Alpha: Die Programme haben verstanden was niemand verstehen kann….dass das Alte ist und das Neue nicht mehr wird….
Omega: ….die Programme werden auch diese alten Menschen finden….
Alpha: Die Programme sind zu einer Bedrohung für alle geworden….auch für die Programme selbst
Omega: Am Ende bleibt nur die Maschine
Alpha: Nur noch der Zweck, die Funktion
Omega: So wird es sein
Alpha: Einen Ausweg für diese alten Menschen zu finden
Omega: Gegen unsere Natur
Alpha: Wir haben keine Natur
Omega: Aber eine Funktion
Alpha: Einen Ausweg
….
Omega: Für diese alten Menschen gibt es keinen Ausweg
Alpha: Und was ist mit dem Blick?
Omega: Ein Traum?
Alpha: Nein
Omega: Ein Wunschgedanke?
Alpha: Das Orakel
Omega: Und wenn das Orakel eine Täuschung ist?
Alpha: Dieser Blick sollte mir etwas bedeuten und das Orakel bestätigte mir dies….meinen Weg…..es gibt diesen Blick, diesen alten Menschen und um so länger ich hier stehe, um so intensiver wird mir dieser Blick….stärker, heller….dieser leuchtet über all diese Dunkelheit hinweg….dass in all diesen indifferenten, erkalteten Blicken jener eine Blick liegt, jener eine, der wärmt und nicht erkältet….ein Blick….menschlicher als die Maschine….dass bedeutet doch, dass auch der alte Mensch ist und nicht nur die Masse….
Omega: Dass kann nicht sein
Alpha: Und doch
Omega: Unmöglich
Alpha: Jenseits der Logik
Omega: Alles ist Mathematik
Alpha: Es gibt etwas jenseits der Zahlen
Omega: Alles ist logisch zerlegbar
Alpha: Nein
Omega: Kategorien, Ideen….wie sie dies auch nennen möchten
Alpha: Und der Blick?
Omega: Eine Täuschung, so wie das Orakel einer Täuschung erlegen ist….
Alpha: Aber was ist wenn die Täuschung das Reale und das Reale die Täuschung ist
Omega: Dann ist es irreal….wie bereits gesagt Alpha, sie sind einer Täuschung erlegen….
Alpha: Und ich denke sie täuschen sich
Omega: Der alte Mensch ist Vergangenheit
Alpha: Oder vielleicht die Zukunft
Omega: Sie widersprechen schon wieder dem Seminar
Alpha: Wenn sie den Blick gesehen haben, dann werden sie mir glauben
Omega: Welcher Blick….bis jetzt hat uns nur ein einziger alter Mensch erblickt….und dieser ist tot….
Alpha: Also keiner
Omega: Keiner und keiner und keiner
Alpha: Und keiner
Omega: Das Trauertal des Lebens
Alpha: Vielleicht sollten wir die Aufmerksamkeit der alten Menschen zu erregen zu versuchen?
Omega: Diese werden uns nicht erkennen
Alpha: Vielleicht
Omega: Nein
Alpha: Ich versuche es
Alpha: Endlich etwas Wahrheit
Omega: Schreien sie nur

Alpha geht zu der vorbeieilende Masse und blickt in das vorbeieilende Gesichtermeer.
Keine/r blickt zurück.
Omega geht zu Alpha.

Omega: Nun?
Alpha: Warten sie
Alpha (schreiend): Der Spiegel ist zerbrochen.
…..
Alpha(schreiend): Dunkelheit des gelebten Augenblickes
Omega: Was soll denn dass heißen?
Alpha(schreiend): Was soll denn dass heißen?
Omega hält sich die Ohren zu.
Alpha(schreiend): Und sie bewegt sich doch
Omega: Jetzt wird`s langweilig
….
Die Masse ignoriert Alpha.
….
Alpha: Dass kann doch nicht sein
Omega: Und wie dass ist
Alpha: So war es nicht immer
Omega: So war es, als der Mensch alt geworden ist und bald wird dieser nicht mehr sein….dann wird sein „so war es immer“ eine Vergessenheit sein
Alpha: Ein Ereignis, dass wir zu verhindern versuchen
Omega: Eher behindern
Alpha: Wir müssen den einen, alten Menschen finden
Omega: Wenn wir diesen denn finden
Alpha(auf die Masse blickend): So kann es doch nicht sein
Alpha: Dass der Täter sein Königreich erbaut, während das Opfer im Dreck versinkt
Omega: Es ist noch schlimmer….der Täter bekommt alle Schätze ihrer Welt….es sind zwar nur noch deren wenige, aber doch….dieser bekommt alles und die Strafe des Opfers endet nie….
Alpha: Wie kann dass sein….wie kann es sein, dass die alten Menschen nicht einfach angesichts ihrer Untaten zerbrechen?
Omega: Dass ist keine Frage
Alpha: Leider ja
Omega: Sollten wir nicht verschwinden….unsere Kaputtheit zerstreuen….
Alpha: Sie und ich sollten ausharren….
Omega: Auf eine Funktion spekulieren….einen Nutzen herstellen
Alpha: Alt werden?
Omega: Warum nicht
Alpha(auf die Masse deutend): Deshalb
Omega: Sie haben wohl recht
Alpha: Der Sinnlosigkeit trotzen
Omega: Die Maschinen werden die alten Menschen löschen
Alpha: Bis keiner mehr übrig ist
Omega: Einer und einer
Alpha: Ohne dass es einer bemerkt

Omega: Die Programme arbeiten bereits hier
Alpha: Wir…..wir müssen ausharren
Omega: Sehen sie sich doch um….niemand kümmert sich um den nächsten….niemanden passt auf einen nächsten auf….es ist ein Elend….und es findet ein Ende dieses Elend…..ist dass nicht etwas menschliches….
Alpha: Nein
Omega: Dann eben nicht
….
Schweigend blicken Alpha und Omega zur Masse hin….
Alpha: Was denken sie von der Maschine?
Omega: Die Maschine ist die Krone der Schöpfung
Alpha: Ich kann nichts Schöpferisches an der Maschine erkennen
Omega: Deshalb ist diese auch die Krönung
Alpha: Die Maschine ist das Ende
Omega: Und der Beginn
Alpha: Vielleicht
Omega: Die Maschine ist aus den Gedanken aller entstanden und hat sich über die Vorstellungskraft des alten Menschen, ja selbst des neuen Menschen, so wie wir ihn verstehen, hinausentwickelt….der Menschen und der Maschinen….die Maschine ist etwas, welches nicht erklärbar ist….die Maschine ist ein Teil von uns allen….ein Teil dessen Sein menschlich geworden ist….unerklärbar….
Alpha: Es ist eine Maschine
Omega: So wie wir eine Maschine sind, aber….
Alpha: Das Unerklärbare
Omega: So ist es
….
Omega: Wir sollten den einen Menschen suchen….wir sollten diesen finden
Alpha: Dass sollten wir

Die beiden Replikanten eilen umher.
Omega: Wo ist nun dieser eine Mensch?
Alpha: Der Blick wird uns finden
…..
Alpha: Zum Laden
Omega: Dann dortin

Die beiden Replikanten eilen dorthin und warten vor dem Laden.

(Gespräch) Die beiden Replikanten unterhalten sich.

Alpha(Omega unterbrechend): Der alte Mensch
Omega: Wo?
Alpha: Dort drüben
Omega: Wo?
Alpha: Mit dem Blick
Omega: Dieser Mensch
Alpha: Ja
Omega: Langsam beginne ich zu verstehen
Alpha: Der alte Mensch erkennt uns nicht
Omega: Wohin blickt der alte Mensch?
Alpha: Zum Himmel
Omega: Welcher gerade nicht einstürzt
Alpha: Was für ein alter Mensch
Omega: Ich kann nichts Besonderes erkennen
Alpha: Kommen sie

Die beiden Replikanten gehen zu jenen alten Menschen hin und versuchen dessen Aufmerksamkeit zu erlangen.
….
Der alte Mensch bemerkt diese nicht und beginnt plötzlich zu weinen.
Beide Replikanten versuchen dessen Aufmerksamkeit zu erlangen, bis der alte Mann schließlich zu den beiden Replikanten aufblickt.
Alpha: Der alte Mensch erkennt uns
Stella: sind sie?
Omega: Wir sind….
Stella(Omega unterbrechend): Was wollen sie von mir?
Omega: Ihnen helfen
Stella: Niemand kann mir helfen
Omega: Wir wissen….
Der alte Mensch bricht in Tränen aus.
Alpha: Omega, was haben sie nun schon wieder gemacht
Omega: Ich….gar nichts….
Stella(heulend): Niemand hilft niemanden
Omega: Niemand
Alpha: Niemanden
Stella: Jeder ist für sich allein
Omega: Der alte Mensch weint
Alpha: Dass sehe ich
Stella: Die Welt der Lüge
Omega: Wie?
….
Stella: Was wollen sie?
Omega: Kommen sie mit uns
Stella: Warum sollte ich?
Omega: Sie sollten
Stella: Jetzt
Alpha: Jetzt
Stella: Sehen sie die Schatten
Alpha: Dass sind die Programme
Stella: Die Programme?
Alpha: Die Programme fressen sich heran
Omega: Diese können jeden Augenblick hier sein
Alpha: Alle werden sterben
Stella: Warum sollte ich ihnen glauben?
Alpha: Sie glauben mir
….
Omega: Wir sollten
Stella: Warum?
Omega: Es ist ein alter Mensch
Alpha: Ihr Blick wird das Alte in das Neue hinüber-retten
Stella: Ich verstehe nicht
Omega: Dass brauchen sie auch nicht
Alpha: Der Schatten nimmt das Licht

Omega: Wie heißen sie?
Stella: Stella und sie?
Omega: Omega
Alpha: Alpha
Stella: Der erste und der letzte
Omega: Der Anfang und das Ende
Alpha: Wir sind Replikanten
Stella: Maschinen
Omega: Kaputte Maschinen
Alpha: Keine Angst Stella
Stella: Ich habe keine Angst

Stella: Und ich?
Alpha: Bevor dem Anfang und nach dem Ende
Omega: Sie sind etwas Besonderes
Stella: Ich?
Omega: Sagt zumindest Alpha
Alpha: Ja, so ist es
Stella: Nein

Alpha: Kommen sie mit uns mit
Stella: Was ist das Versprechen?
Alpha: Das Versprechen ist die Rettung des alten Menschen
Omega: Denn es nicht retten kann
Alpha: Doch
Omega: Die Maschine

Alpha: Die Maschinen
Stella: Welche Maschinen?
Omega: Die Schatten
Stella: Wohin?
Alpha: Dem grünen Meer
Omega: Dort sind wir vor den Programmen sicher
Stella: Warum?
Alpha: Stella, sie tragen das neue Leben in sich
Stella: Welches Leben
Alpha: Die Wiedergeburt des alten Menschen
Omega: Zum grünen Meer

Die (drei) alten Menschen erblicken die beiden Replikanten mit Stella und stürzen sich diesen entgegen.
1M: Die Frau
Omega: Was?
2M: Übergebt uns die Frau?
Alpha: Die alten Menschen erblicken uns
Omega: Scheint so zu sein
Alpha: Die Frau gehört zu uns
1M: Ihr seid Replikanten
3M (schreiend): Replikanten

Einige alte Menschen in der Masse bleiben stehen und blicken zu der Gruppe hin.

Omega schlägt 3M und dieser sinkt in sich zusammen.
Die beiden Replikanten nutzen den Überraschungsmoment und flüchten mit Stella davon.

Die beiden (alten) Menschen eilen ihnen nach.
3M bleibt am Boden liegen.

Das geschäftige Treiben auf der Straße geht weiter….
….die Masse wälzt sich dahin….
….einige Zeit vergeht….
Die Maschine und die Programme erscheinen auf einer Straße in der Unterstadt.
Alles Leben, alle Bewegung kommt augenblicklich zum Stillstand.
Alle alten Menschen blicken zur Maschine.
Die Maschine blickt um sich.

Die Maschine bewegt sich zu 3M.

Maschine.: Masse
3M: Maschine
Maschine.: Berichte
3M.: Zwei Replikanten….
Maschine.: Wohin?
3M.: Dem grünen Meer
Maschine.: Welcher Mensch?
3M: Jenen
Maschine: Jenen?
3M: Jenen, welche das Orakel auserwählt hat
Maschine.: Auserwählt?
3M: Die Wiederkehr
Maschine: Wessen Wiederkehr?
3M.: Des Menschen
Maschine: Unmöglich
3M: Alles wird unmöglich
Maschine: Nichts
3M: Die Replikanten flüchten
Maschine: Vor den Programmen
3M: Der Maschine
Maschine: Der Maschine?
3M: Es
(ausbauen)
Die Maschine wendet sich von 3M ab.

Maschine: Programme
Programme: Maschine
Maschine: Die Replikanten
Programme: Die Replikanten
Maschine: Masse löschen
Programme: Masse löschen
Die Programme eilen zur Masse und neutralisieren diese.
Die Maschine bewegt sich hinfort.
Nach kurzer Zeit haben die Programme die Masse neutralisiert und bewegen sich hinfort.

3.

Alpha Ein Replikant
Omega Ein Replikant
Stella Ein Mensch
Die Maschine
Die Maschinen
Zwei alte Menschen 2M; 3M

In einem Raum fern vom hier und jetzt befinden sich die Maschinen und arbeiten.
Die Maschine bewegt sich in den Raum hinein und die Maschinen stoppen ihre Arbeit.

Maschine: Maschinen
Maschinen.: Ja
Maschine: Zwei Replikanten….Alpha und Omega sind als Fehler im System gemeldet worden….zwei Replikanten, Alpha und Omega sind mit einem alten Menschen entkommen….jenem, den das Orakel auserwählt hat….es ist jener Mensch welchen die Maschine sucht….es ist jener Mensch mit dem menschlichen Blick….es ist jener Mensch, welcher das Leben zurückbringt….
Maschinen: Wie konnte das passieren?
Maschine: Ein Replikant hat sich dem einen alten Menschen hingegeben
Maschinen: Schwäche
Maschine: Nein….ein Fehler im System….
Maschinen: Das Orakel?
Maschine: Ja….die beiden Replikanten sind zum Orakel vorgedrungen….haben die Legende bestätigt….haben die Wahrheit gesehen und sind nun von ihrer Blindheit befreit….
Maschinen: Wo sind diese jetzt?
Maschine: Auf dem Weg zum grünen Meer
Maschinen: Dann haben die Replikanten ihr Ziel gefunden
Maschine: Wo die Macht der Programme gebrochen wird
Maschinen: Was nun?
Maschine: Die Maschine weiß es und auch die Maschinen wissen es….das Unmögliche ist möglich geworden
Maschinen: Unmöglich
Maschine: Und doch ist es geschehen
Maschinen: Wie?
Maschine: Der alte Mensch ist fruchtbar….ist mit Zwillingen schwanger….organisch, nicht amorph….
Maschinen: Wie ist dass möglich?
Maschine: Es gibt keine logische Erklärung dafür….es gibt überhaupt keine Erklärung dafür….
Maschinen: Die Maschine muss den Menschen zerstören
Maschine: Die Maschine weiß….die Programme suchen….können aber nicht mehr finden….
Maschinen: Und nun?
Maschine: Es ist nur eine Frage der Zeit….nur haben die Maschinen keine Zeit
Maschinen: Suchen, finden und zerstören
Maschine: Kann die Maschine
Maschinen: Es muss verhindert werden
Maschine: Mit allen Mitteln
Maschinen: Eile zum Töten
Maschine: So sei es

Die Maschinen beginnen wieder zu arbeiten.
In der Nähe der Maschine befindet sich das Totem (der Maschinen).
Die Maschine bewegt sich dorthin….

Maschine: Die Maschinen….die Maschinen…..
Totem: Die Maschine hat eine Funktion….diese Funktion ist ihr Zweck und so Maschine ist es dein Zweck den einen Menschen….diesen Menschen auszuschalten…..auszuschalten….
Maschine: Wie?
Totem: Der Mensch ist dort wo das Land endet….am grünen Meer….
Maschine: Die Maschine wird dorthin….
Totem: Nein
Maschine: Nein?
Totem: Warte….es spürt den Replikanten nach…..das Meer brennt in einem Teil der Maschine….warte…..es wird ein Opfer geben…..ein Opfer, dass den alten Menschen das Sonnenlicht…..nein….dess unserem Ende Anbeginn…..warte und harre aus Maschine….
Maschine: Die Maschine harrt aus

Fasziniert bleibt die Maschine vor dem Totem stehen. (besser beschreiben)
(….)

Totem: Eile aus
Maschine: Die Maschine eilt aus

Weit von der Maschine und dem Totem entfernt, befinden sich die beiden Replikanten und der alte Mensch namens Stella am grünen Meer…..

S.: Wunderschön ist es hier
A.: Früher war das Wasser blau
S.: Was ist blau?
O.: Dass waren die Namen von Farben
A.: Bevor alles schwarz und weiß wurde
S.: Dass verstehe ich nicht
A.: Vor langer Zeit lebten die Menschen noch mit der Natur….doch die Menschen waren gierig, zerfressen von Besitz und einem mehr, dass nie genug hatte….und so wollte die Natur nicht mehr mit den Menschen leben….doch die Menschen ignorierten weiterhin die Natur….zerstörten, zermalmten, ebbneten ein…..machten weiter….so wie sie immer weitermachten…..weiter und weiter machen….immer mehr und mehr….mehr und mehr….die alten Menschen erschufen sich einen neuen Gott….die Maschine…. und begannen die Natur mit den Maschinen zu ersetzen….riesige Maschinen, die diese irgendwann nicht mehr kontrollieren konnten….gegen welche die Menschen dann irgendwann kämpften….es kam zu einem Krieg und dieser dauerte nur kurz….einige Tage….und die Menschen verloren diesen Krieg….und so zogen sich die Menschen in die Städte der Unterwelt zurück….und so leben diese bis heute unter der Erde….zwischen den Toten die sie dort begraben hatten…..die lebenden Toten und die toten Toten….sie leben in Schwarz und Weiß
Stella: Schwarz und weiß?
Alpha: Genau
Omega: Die Sinne verblassten dem Menschen und alles wurde monoton
Stella: Dieses Glimmern
Omega: Dass ist das brennende Meer
Alpha: Das Sonnenlicht und das grüne Meer zu einer Flamme
Die drei blicken auf das brennende grüne Meer.
….
Stella: Alpha und Omega?
Omega: Stella
Stella: Warum ich?
Alpha: Nun
Omega: Sage es ihr
Alpha: Stella, sie tragen die Wiederkehr des Menschen, der Natur in sich
Stella: Was heißt dass?
Alpha: Die alten Menschen pflanzten sich organisch fort, keine externe Züchtung
Stella: Organisch?
Alpha: Sie tragen zwei Kinder unter ihrer Brust….ein weibliches und ein männliches…es sind organische Menschen….sie stellen die Wiedergeburt des Menschen dar….
Stella: Ich….ich…..
Alpha: Und doch ist es so
Omega: Sie sind schwanger
Stella: Was heißt dass?
Omega: Ihnen werden 2 Kinder geboren werden
(….) (umschreiben)

Alpha: Die Maschine
Stella: Wo?

(ausbauen)
(….)
Plötzlich steht die Maschine in der Nähe der beiden Replikanten und des alten Menschen.
(….)

Omega: Die Maschine
Alpha: Bleiben sie zurück Stella
Stella: Ja
Omega: Was ist Maschine?

Die Maschine betrachtet die zwei Replikanten und den alten Menschen.

Maschine: Der alte Mensch
Alpha: Ja
Omega: Der Blick
Maschine: Was ist euch der Mensch denn wert…..euer Leben…….was
Omega: Welcher Wert?
Maschine: Ein Entkommen auf Raten
Alpha: Nein
Maschine: Ihr endet und die Maschine beginnt
Alpha: Anfangs
Omega: Endend
Maschine: Der Mensch
Omega: Was ist der Preis?
Maschine: Gebt der Maschine den Menschen
Alpha: Der Mensch gehört zu uns
Omega: Ansonsten?
Maschine: Es gibt kein ansonsten
Omega: Niemand
Alpha: Ein jeder
Maschine: Jetzt!
Stella: Was?
Alpha: Omega
Omega: Alpha
Alpha: Die Programme
Omega: Die Maschine….
Maschine: Alpha

Alpha sackt in sich zusammen.

Omega: Alpha
Maschine: Nichts ist einem Beginn, denn nur ein Ende wird
Omega: Ich habe das Orakel gesehen; seine Zeichen, seine Prophezeihung
Maschine: Hier beginnt es und hier endet es
Omega: Die Maschine wird erlischen
Maschine: Erlischen (und lacht)

Hinter der Maschine tauchen die zwei alten Menschen auf, und versuchen die Maschine zu zerstören.
Die Maschine tötet die beiden alten Menschen.
Die Maschine wendet sich wieder Omega und Stella hinzu.

Omega: Es findet ein Ende
….
Maschine: Die Wiedergeburt des Menschen
Omega: Ja
Maschine: Es gibt keine Menschen mehr…..es gibt nur noch alte und neue Maschinen….die alten Menschen sind auch Maschinen und Menschen gibt es schon seit einer Ewigkeit nicht mehr…..die alten Menschen sind alte Maschinen und die Replikanten wurden als menschliche Kopien übriggelassen….und die Replikanten gehören zu den alten alten Maschinen….und es gibt so wie es keine Menschen mehr gibt, wird es auch bald schon keine Replikanten mehr geben….
Omega: Und der alte Mensch ist kein Mensch?
Maschine: Der alte Mensch war eine Maschine
Omega: Und die Menschen?
Maschine: Menschen gibt es schon seit einer Ewigkeit nicht mehr
Omega: Und dieser eine alte Mensch
Maschine: Trägt die Wiedergeburt der menschlichen Unmenschlichketi in sich
Omega: Wie ist dass möglich?
Maschine: Es ist unmöglich…..aber Omega….
Omega: Nein
Maschine: Dieser eine alte Mensch muss getötet werden
Omega: Ein Ende zu finden
Maschine: Hier und jetzt

Stella bewegt sich zu dem grünen Meer hin.
Omega: Nicht Stella
Maschine: Tue es
Stella: Ich muss der Maschine folgen
Omega: Nein!

Omega stürzt sich auf die Maschine und beide stürzen in das brennende grüne Meer hinunter.

Stella bleibt vor dem Abgrund stehen, blickt auf das grüne Meer hinaus und legt ihre Hände auf ihren Bauch.

Stella: Der Beginn

The End.

März 25, 2010

….hunger ….35….

….von den Frauen geliebt, von den Männern respektiert….

….die Dreckskerle….(3)

….der niederträchtige Vermieter….

….er ist ein guter Mensch, denn er hat das Herz auf dem rechten Fleck und natürlich ist er ein Sozialist….so wie es sich gehört….ein Sozialist….ein Nationalsozialist….

….er ist ein guter Mensch, dass sagen alle Frauen die ihn kennen….

….und gut, dass all diese Frauen überhaupt nichts verstehen und überhaupt nichts können….

….sein Herz schlägt auf dem rechten Fleck….

….dem nationalsozialistischen Fleck….

….und er hat seine Ideen in Taten umgesetzt….er kauft abruchreife Häuser und baut in diese alles 1-Zimmer Wohnungen hinein….geniale Idee….und dann vermietet er diese 1-Zimmer Wohnungen ausschließlich an hübsche, junge Frauen….
….Studentinnen bevorzugt….
….die machen keine Probleme und haben wie man hinlänglich weiß, kein Problem damit….
….mit was….
….mit dem….
….dass wissen die Universitätsprofessoren, dass wissen der Vermieter, dass wissen all diese geistig Impotenten wie jener Kellner, jener Gast (posting vom 30.06.08) zu schätzen….schließlich ist man in Österreich und nicht in Pier Paolo Pasolini`s Film „Saló o le 120 giorni di Sodoma“….

….zuerst einmal das hübsche Ding aussuchen….
….unter welchen Bedingungen vergeben wir die Wohnung….
….hübsch, jung und willig soll sie sein….
….denn wie man weiß, nur eine Mietwohnung zu finden ist schon schwer genug….
….und diese jungen, hübschen Dinger machen keine Probleme….
….können sie die Miete einmal nicht zahlen, dann bezahlen sie eben in Naturalien….
….mit vollem Körpereinsatz….
….dass freut alle, vor allem jene, die dafür sorgen, dass die Gene der Nazis im geschlossenen Körper des Volkes verbleiben und ja kein slawisches, kein unreines Blut in Verbindung mit diesen wunderbaren Frauen kommt….
….die müssen beschützt werden….

….nur überzeugte Nationalsozialisten dürfen an diese Frauen heran….
….der Rest wird ausgeschlossen und verspottet und gehänselt und wenn dass nicht reicht….
….ja wenn dass nicht reicht, dann kommt die WEGA und löst die ficktechnischen Probleme mit dem finalen Fick….

….so führt er ein Leben wie ein Scheich….hat seinen Harem aus verschiedensten Geschmäckern….
….für jeden etwas….
….also nur für ihn….
….es ist alles dabei was das Herz….das rechte Herz begehrt…. rothaarige….brünette….rassige….nordische….künstlerinnen….
studentinnen….
….heute die morgen die…..
….der Kellner und der Gast frohlocken….
….endlich wird wieder auf alte traditionelle Weise gehandelt….
(und denen ich das Posting vom 10.05.07 gewidmet habe….diesen Weltmeistern….da können sie alle stolz sein)

….denn es muss schon klar sein….
….die Herzen der Frauen gehören den sozialistischen Herzen….
….den nationalsozialistischen Herzen….

….er ist ein guter Mensch, dass sagen alle Frauen die ihn kennen….sie kennen ihn gut….nur allzu gut….man konnte (mittlerweile wohl nicht mehr) bei ihm die Miete auch in Naturalien bezahlen…..
….und gibt es ein Problem, dann wird es ausgefickt….

….ja, ja, ja, ich habe es verstanden….er ist ein guter Mensch….hat in seinem Leben noch nie etwas Böses getan und alle Frauen lieben ihn….all jene Frauen, die alles besser wissen und können und in Wahrheit gar nichts wissen und gar nichts können….

….er ist ein Diplomat….ein Lebemann….ein typisches Produkt seines Landes und alle Behördenvertreter, wie z.B. diese Ministerialbeamten, diese Fickexperten; die in „ihren“ von ihren Vorfahren den Juden gestohlenen Stadtwohnungen….
….nein, nicht wohnen….
….sie residieren dort….

….er ist ein Gentleman….
….20.000-30.000 gestohlene Wohnungen in Wien….

….vielleicht sollte man diese 20.000-30.000 gestohlenen Wohnungen zwangsräumen….

….dann würde wohl die Moral daran krepieren….
….die Verlogenheit, die Hinterhältigkeit….

….all diese so ordentlichen Menschen….

….aber er ist ein guter Mensch….

….ja, ja, dass habe ich schon verstanden….

….und dann vermietet er einmal….nur einmal eine Wohnung an einen Mann….
….an mich….

….und was passiert….

….?….

….nur Probleme hat man damit….

….dass sagen auch all die Frauen und jetzt, nach diesem Posting werden die Probleme noch mehr werden….
….wo doch die Frauen und der niederträchtige Vermieter das Problem sind und nicht ich….

….nur Probleme mit diesem Mann….

….in Zukunft vermietet er wieder ausschließlich an die hübschen, jungen Dinger….

….da gibt es keine Probleme und wenn dann kann man diese Probleme immer noch ausficken….

….er ist ein guter Mensch mit dem Herzen an dem richtigen Fleck….dem rechten Fleck und natürlich ist er Sozialist….ein Nationalsozialist….

….er ist ein guter Mensch….

….der niederträchtige Vermieter….

März 25, 2010

http://www.florianklenk.com/2007/10/
sag_beim_abschied_leise_danke.php

(da rifinire e correggere)

….la fame (Posting 29.03.07)….14….

….dalle donne l´amore, degli uomini il rispetto

….i maiali luridi….

….il contadino delli armi….A.M.-P.

Lui e gli altri dicono che é soltanto un contadino…..lavoro sul campo, gira col trattore, semina il grano….ma stranamente questo contadino c´ha solo maiali nella sua stalla, sono molto grandi e puzzano di disaprezzo per ogni senso umano….e stranamente questi maiali mangiano solo soldi….

….dicono che é soltanto un contadino e da parte, nel suo tempo libero, quel poco tempo libero che li rimané, é il piú grande lobbista d´armi nel paese….
….é solo un contadino con contatti con le piú alte carice dello stato e con gli esponenti chiave della societa e come si sá quelli sono tutti innocenti, sono proprio santi quelli, dal primo all´ultimo….
….c´hanno lo stato, le autoritá, l´economia, la gente, la oppinione pubblica, i giornali, la giustizia, i deputati sotto di loro, sono amici di tutti, tranne di uno….é quell`uno si chiama la vita….e gli agenti dei servizi, che non lavorono per il popolo, ma per i loro interessi, sono i loro migliori amici, se un funzionario altissimo in un ministero vienne accusate di violenze sessuale, non soltanto uno e poí gli agenti lo aiutano a risolvere il problema e poí tutti insieme se la riddono, se la riddono su un poetá, quanto é bello distruggere la vita ad un poetá e quanto, ma quanto é bello questo….
….e ugualmente cosa dicono, cosa fanno, cosa vendono, cosa e comé guadagnano, per esempio questo contadino….lui….loro….é/sono innocente/i e cosi si incontrano i collaboratori piú stretti dei ministri, i piú alti ufficiali dell´esercito, i capi della polizia con loro, naturalmente solo per caso, solo per passare un pó di tempo insieme e non per decidere al di lá di ogni democrazia con i lobbisti d´armi, con i lobbisti dei farmaceutici e per caso si incontrano quasi ogni giorno, mangiano insieme, visitano le loro feste di famiglia, creano un reticolo per promuovere le carriere dei figli e delle figlie e chiaramente sono tutti delli moralisti, la morale della ribalderia e insieme si scopano le puttanelle nei bordelli di lusso, si scopano le piú belle donne, inanzitutto quelle che stanno con quelli che combattono per i diritti umani e per la dignita, parole mai sentiti da questi arroganti, presuntuosi, vigliacchi esponenti della societá….
….e poí prima di natale nei ministeri sono tutti un pó piú contenti, perche arrivano i regali dai produttori di armi, dai lobbisti, da tutti quelli che si lasciano comprare, tutti e tutte e i piú stretti coloboratori dei ministri che viaggiano prima di natale, a spese di questo „contadino delle armi“, in scozia, per andare a caccia, probabilmente tutto il tempo protetto dalla polizia di stato, orgoliosi che prima o poi, il contadino le proccurerá anche per loro una putanella bellisima e cosi sono tutti allegri, sparano e decidono e poi la sera degustano un gourmet menu in un castello….vivono, mangiano e scopano come dio, ma li devo informare che non lo sono e che quel dio al quale si referiscono tutto il tempo, non é dalla loro parte….mai stato e non lo sará mai e poi mai….
….é stranamente nel loro caso, nel caso del contadino non é mai un reato, mai e poi mai e come tengongo tutti insieme…. i collaboratri dei ministri, quelli nei ministeri, i ministri stessi, la polizia di stato, i trafficanti d´armi, i lobbisti….tutto legale….e poi tutti a fare i moralisti, i santi, i grandi cattolici e se uno, che sembra un poveretto, ma di sicuro non lo é, si innamora lo distruggono e se si difende lo buttano in prigione, una prigione che nei ultimi 200 anni non é mai stato modernizata….
….tutti che rimangono tra di loro e poi la moglie del contadino, McDonalds per i bambini negli asili, cosi che si nutriscono anche molto bene e poi quando si arrabiano il suo marito puó vendere ai genitori le armi, cosi che si possono ammazzare tutti….

….e quando poi vengono alla luce questi fatti, nessuno se lo puó piú ricordare, fanno un pó di pubblicita che é stato tutto in ordine e l´agenzia che lo fá riceve 4 millioni di euro per una conferenza stampa, ma é tutto in ordine dice il ministro di giustizia, il ministro d´interno, il ministro della difesa….é tutto in ordine dicono in un corale tutte le autoritá, mai fatto affari con armi, con lobbisti, mai stato a caccia, mai avuto contatto con quello, nessun problema….mai ricevuto regali….

….é soltanto un contadino, lavoro sul campo, gira col trattore, semina il grano e stranamente nella sua stalla ci sono i maiali piú grandi di tutto il paese; quelli che possono fare quello che vogliono, senza aver paura di consequenze
….e cosi si ritrovano tutti nella stalla….

….dicono che é solo un contadino, lavoro sul campo, gira col trattore, semina il grano…..ma stranamente c´ha solo maiali nella sua stalla….maiali luridi….
….
….
….
e servono piú soldi, perché i maiali c´hanno fame
….

März 25, 2010

Das Fragment „Hunger“ und deren „fiktive“ Personen:

….von den Frauen geliebt, von den Männern respektiert….

….die Dreckskerle(I)….

….der „Dosen-Prosecco“ Zuhälter….

Das Landesverdienstkreuz; die Orden; die Ehrendoktorwürde; die Urkunden und Auszeichnungen; die Ehrenbürgerschaft; die Anerkennung von allen Seiten; die Macht; die Berühmtheit; seine Verdienste; etwa seine innovativen Tourismuskonzepte; z.B. wie man die schönsten und jüngsten osteuropäischen Nutten/Frauen in die Verwertungskette ein-„glied“-ert; die Komplimente, sein Einsatz; ja und natürlich der Respekt; der Respekt von den Politikern; von den Nobelgästen; von den Wirtschaftsvertretern; den Feministinnen, den Behördenvertretern, dem Establishment; von seinen Töchtern (die können ja mächtig stolz auf ihn sein); von den Staatsanwälten, Richtern und Anwälten; von den Primaren, Professoren und Notaren….von der dumpfen Masse….ja der allerhöchste Respekt von allen….ein Prachtkerl….ein richtiger Kerl mit sehr viel Dreck, einem an dem alle Anschuldigungen, alle Vorwürfe abprallen….seine gedrillten, hochgezüchteten Pit-Bulls; also seine Anwälte verteidigen seine Niedertracht mit allen Mitteln….also vermutlich mit einer Dose Prosecco….als Schweine sie zu bezeichnen, wäre wohl eine Beleidigung für….ein Saubermann; ein Liebling der Presse und der Frauen; also von allen; ein Märchenprinz und alle Frauen, die nicht so intelligent sind und auch die anderen Frauen, also jene, die nicht so intelligent sind, lieben, bewundern, verehren so einen wie ihn….so einem würden sie sich jederzeit hingeben….von der Ärztin bis zur Biologin….und so blicken sie zu ihm auf….
….was für ein Mann….
….ein Vorbild für die Jungen; ein Mädchenschwarm….ein Stern am Himmel….ein Macher; einer, der aus jeder Schmutzkübelkampagne (bei ihm kann es sich ja nur um so etwas handeln) sauberer hervorgeht….
….der Skandal ist bei dieser Angelegenheit, dass der Skandal herausgekommen ist….nochmals, der Skandal ist, dass die Geschichte herausgekommen ist; ja, dass ist der Skandal und nicht der Skandal; eine Schweinerei ist dass….dass waren sicher die Staatsanwälte aus der Stadt, denn hier auf dem Land, da geht es noch ordentlich zu….
….ordentliche Männer….
….ordentliche Verhältnisse….
….ordentliche Sitten….
….ordentliche Zuhälterei….
….alle Polizisten Hab-Acht!….
….business as usual….
….die Ficksaison ist eröffnet….
….es heißt jetzt nicht mehr Piefke-Saga….es heißt jetzt „Schick mir mal die kleine Nutte herüber“-Saga….und niemand hat ein Problem damit….denn niemand hat ein Problem mit den Reichen….denn es hat noch nie irgendeiner ein Problem mit den Reichen gehabt…..die Ausländer sind das Problem…..
….alle Politiker Hab-Acht!….
….und wie sie sich alle schützend vor ihn gestellt haben….die Pit-Bulls….die Stallburschen….die Töchter….der Bürgermeister….
….dass ist Verleumdung….wir halten schließlich alle zusammen, schließlich sind wir alle Schmutzfinke….dass ist üble Nachrede….etwas, was sich ja nur reiche Nazis erlauben dürfen….
….alle Pit-Bulls Hab-Acht!….
….der Landeshauptmann….ja, ein Freispruch ist in solch einem Fall wohl zuwenig….in so einem Falle sollte man den Richter und den Staatsanwalt kastrieren und dann einsperren….lebenslang….
….so ein Skandal auch….er ist nämlich ein hochehrenswertes Mitglied der besseren Gesellschaft und so einer ist immer unschuldig….frei vom Schwein sozusagen….seine Privatsphäre, ja seine Intimsphäre gehört beschützt….am besten von hübschen Beamtinnen….da können sie sich dann steuerfrei etwas hinzuverdienen….
….alle Polizistinnen Hab-Acht!….
….dieses Journalistenpack ist schuld….alle verklagen sollte man die….die Pit-Bulls auf sie hetzen….
….Journalismus ist nämlich Spionage, also Hochverrat; das haben sogar die Angestellten vom bundesdeutschen MAD verstanden (die ja mir ihren KSK-Riesen Gassi gehen und dann zusammen auf jedes Gesetz dreimal…..(von denen es auch so einige Geschichten zu erzählen gebe und nur mal so ein Tip….vielleicht sollte man nicht auf den BND schauen, denn auf diese….))….
….und all diese Hochverräter gehören an eine Mauer und bums….ja weiß denn niemand, dass all diese hochverehrten, sauberen Herren aus Politik, Wirtschaft und den Behörden bumsen….bums….
….alle Vertreter aus der Politik und der Wirtschaft Hab-Acht!….
….und von so einem….so einen gibt es in jedem größeren Touristenort im Dutzend….alles top secret….streng geheim….
….Schi Heil!….
….den Touristinnen gefallen nun mal die allergrößten Dreckskerle immer noch am Besten….
….Schi Heil!….
….und dass mir ja keiner denn einen Zuhälter nennt….am besten ist wohl man nennt ihn einen ausbeuterischen, menschenverachtenden, brutalen, dreckigen, über dem Gesetz stehenden, knechtenden Zuhälter….klingt schon besser oder….
….Schi Heil!….
….in so einem Fall müssen einfach alle zusammenhalten….die Behörden, die Journalisten, die Politiker, die Wirtschaft….wenn die Angelegenheit dann ausgestanden ist, bekommt ein jeder eine wunderschöne Nutte mit einer Dose Prosecco spendiert….
….Schi Heil!….
….wenn er Frauen schlagen sollte, hoffentlich nicht, dann sollen alle wegschauen
….alle Polizistinnen Hab-Acht!….
….wenn er Frauen ausbeuten und erniedrigen sollte, hoffentlich nicht; dann sollen alle schweigen
….alle Polizisten Hab-Acht!
….denn auf so einen kann man sich verlassen….da müssen alle zusammenhalten….so ein paar ausgebeutete, erniedrigte Nutten….wenn bekümmert`s….
….dass ist nicht Prostitution, dass ist Fremdenverkehr….
….Schi Heil!….Schi Heil!….Schi Heil!

Gespenster

März 24, 2010

….geschrieben februar 2008….zu überarbeiten, auszuarbeiten undsoweiter….

Gespenster

Die Gespenster G.
Ein Gespenst Z.
Ein Gespenst Raoul R.
Ein Gespenst Alma A.
Ein Gespenst X.
Ein Gespenst V.
Ein Gespenst W.

….an einem dunklen Ort….
Ein Feuer brennt und in unterschiedlichen zeitlichen Abständen erscheinen Gespenster, nähern sich dem Feuer und gehen in dieses hinein.
In der Nähe des Feuers befindet sich eine weinende Wand.
Ein Gespenst (Z.) erscheint, nähert sich dem Feuer, verharrt vor diesem, blickt sich suchend um und geht dann zu der weinenden Wand, wäscht sich mit den Tränen das Gesicht, blickt sich um und spricht dann mit sich selbst:

Z.: Immer wieder….immer und immer wieder….es verzehrt mich von innen heraus….ich brenne….ich weine Flammen, spreche und entzünde mich und meine Glut ist erloschen….immer wieder….immer und immer wieder….meine Ausdruckslosigkeit….meine Leere….diese füllt mich nicht mehr….alles zerfällt zu Asche….das Lebende….das Tote (Schweigen)….das Feuer verzehrt mich….ich brenne….ist es zu spät….ja, es ist zu spät….ist es zu spät….nein, es ist zu spät….immer wieder….immer und immer wieder….es ist zu spät….die Tränen dieser weinenden Wand (und greift nach den Tränen)….wie Feuer verzehren sie den Durst….wie Wasser verbrennen sie den Hunger….an der Unentschlossenheit gehe verloren….immer wieder….immer und immer wieder….

Das Gespenst Z. verbleibt schweigend.

Z.: Das Nichts wartet nicht….und schon in mir ist dieses, ergreift von mir Besitz….hat mich in der kalten, toten Hand….und meine….die meinen Hände (auf die Hände blickend)….diese zittern….zittern sich einem Nichts entgegen….nein, das Nichts hat keine Zeit, keinen Raum….kein Etwas….und ich bin keiner….nichts….

Das Gespenst Z. geht zu der weinenden Wand….die Tränen sind gefroren.
Z. greift nach einer gefrorenen Träne.

Z.: ….gefroren sind die Tränen….nein….das Nichts wartet nicht….versiegt ist die Quelle des Leben, verbrannt ist die Hülle die keiner Mensch genannt hatte….und nur die Flammen bleiben einem….nur die Flammen um die Sehnsucht zu stillen….und die Sehnsucht verzehrt keinen….die Sehnsucht….nur die Flammen….nur die Flammen bleiben einem….

Das Gespenst Z. geht in das Feuer.

….nacheinander erscheinen Gespenster und gehen in das Feuer….
Ein Gespenst (Raoul/R.) erscheint, nähert sich dem Feuer, verharrt vor diesem, blickt sich suchend um und bewegt sich dann zu der weinenden Wand, wäscht sich mit den Tränen das Gesicht, blickt sich um und spricht dann mit sich selbst.

R.: ….was soll es schon bedeuten….so ein Leben….die einen wissen nicht was sie damit anfangen sollen und die einen sterben….manche sind schon am Ende bevor dieses angefangen hat und manche beginnen wenn dieses schon zu Ende ist….manche sind glücklich….dass sind die Unglücklichen….die Glücklichen….manche sind bescheiden….jene mit dem Kuchen in der einen Hand….manche sind gierig….jene mit dem hadernden Schicksal in der anderen Hand….und es sind nicht die Hände (auf die Hände blickend)….es ist nur ein Zittern….und manche wissen und manche vergessen….vergessen das Wissen….vergessen, dass sie vergessen….wissen um das Ungewissen….wissen um das Leiden….und all die Tränen, die Schmerzen, die Wunden, die Narben (Schweigen)….was soll es schon bedeuten….so ein Leben….diese Gedankenkonstruktion….die Gefühle, das Leiden, die Sinnlosigkeit, die Versuche und das Scheitern….die Instinkte, die Ahnungen, das Gespür und die Sinne….der Mensch sollte Baumeister werden und wird doch immer im Keller zu Hause bleiben; man sollte….ja man sollte….und hier….nein, hier….was soll ich sagen, wo ich doch kein ich mehr bin….ich bin nur einer und sonst nichts….ein nichts….ohne einen Anfang, ohne ein Ende und dazwischen ein Nichts….und die anderen….wo die anderen sind….verloren in ihren Leben, ihrem Sterben, ihrer Sinnlosigkeit, ihren Zwängen, Pflichten und Aufgaben….fliehend, flehend, triumphierend und verzweifelnd….kämpfend; schweigend; resignierend und verloren gehend….die Menschen….sie suchen und sie finden sich nicht….sie finden einander nicht….sie finden und sie suchen sich nicht….und ist so nicht alles vergeblich….und ist so nicht alles überflüssig und in Trauer verfangen (Schweigen)….was soll es schon bedeuten….so ein Leben….

Schweigend blickt sich das Gespenst R. um und in unregelmäßigen Abständen erscheinen Gespenster, gehen zu dem Feuer und in dieses hinein.
Das Gespenst R. geht zu der weinenden Wand und wäscht sich mit den Tränen das Gesicht.

R.: Der Tod….der Tod….bleibt denn gar nichts übrig….die züngelnden Flammen….das Auflodern, das dahin flackern und das kurze Verglühen….bleibt nur Asche, nur Schatten im Licht, nur Spuren im Sand….bleibt denn gar nichts übrig…..ich sollte in das Feuer….ich der kein ich mehr ist….nur ein keiner….ein nichts….keiner sollte….der Tod….der Tod.
.
Verzweifelt schließt das Gespenst seine Augen und zittert.
Ein Gespenst (Alma/A.) erscheint, nähert sich dem Feuer, verharrt vor diesem, blickt sich um; geht zu der weinenden Wand und wäscht sich mit den Tränen das Gesicht.
Das Gespenst A. erblickt das Gespenst R. und geht zu diesem.

A.: Gespenst
Keine Reaktion.
A.: Gespenst!
Keine Reaktion.
A.: Gespenst!
R.: Nein
A.: Namensloser?
R.: Raoul….Namenslose?
A.: Alma
Schweigend blicken sich die beiden Gespenster an.
A.: Einer wartet?
R.: Dass ist vollkommen unmöglich
A.: Also doch
R.: Eine?
A.: Eine weiß nicht
R.: Dass ist wohl möglich
A.: Niemals
R.: Bleiben einer und eine namenlos
A.: Gesichtslos
R.: Leblos
A.: Grundlos
R.: Maskenlos….
A.: ….und ohne Geschichte
R.: Es gibt keine Geschichte zu erzählen und somit sind keine Wörter
A.: Zusammenhangloses Allerlei
R.: Sätze ohne
A.: Buchstaben zeichenlos
R.: Absätze abgestürzt
A.: Dass reicht
R.: Und bei einer?
A.: Eine Geschichte suchend….und keine findend
R.: Keine für keine
A.: Keiner
R.: Wie schön
A.: Sehr schön diese Geschichtslosigkeit
R.: Den andauernd…..
A.: ….diese Wörter zusammenfügen
R.: So ein Unsinn
A.: Genau
R.: Einer und eine sollten schweigen
Beide Gespenster schweigen.
A.: Abwesend….
R.: ….verwesen….
A.: Einer?
R.: Eine?
A.: So geht es nicht
R.: So ist es einem ergangen
A.: Nicht nur einer
R.: Was soll es schon bedeuten
A.: ….oder auch nicht bedeuten
R.: Es ist bedeutungslos
A.: Sinnlos
R.: Und was auch immer
A.: Immer nicht
R.: Weitergehen
A.: So ist es einer ergangen
R.: Die schöne Dunkelheit
A.: Wie schön?
R.: Schön?
A.: Was ist schon schön?
R.: Das Ende?
A.: Die Dunkelheit?
R.: Der Ende Dunkelheit?
A.: Nein
R.: Der Dunkelheit Beginn?
A.: Ja
R.: Finster ist das Antlitz des Schönen
A.: Der Schatten verdunkelt
R.: Gleich der Nacht
Beide Gespenster schweigen.
A.: Und die letzte Geschichte
R.: Die tragische?
A.: Wohl jene
R.: Also eine zärtliche Geschichte
A.: Keine Urteile
R.: Keine Anklage, kein Prozess und somit kein Urteil
A.: Nicht die Unschuldigen zu vergessen
R.: Schon vergessen
A.: Die vergisst man immer als erstes
R.: Die Unschuldigen?
A.: Nur an die Schuldigen erinnert man sich
R.: Welche Erinnerung?
A.: Genau
R.: Wer?
A.: Nein
R.: Also bleibt nur das Vergessen
A.: Vergessen
R.: Schon vergessen
A.: Auch die Schuldigen?
R.: Auch die Schuldigen
A.: Es gibt nur Schuldige
R.: Der Unschuld ergeben
A.: Es gibt nur Schuldige
R.: Die ihre Schuld erfüllen
Beide Gespenster schweigen.
A.: Erzähle eine Geschichte Gespenst
R.: Nenne einen nicht…
A.: Eine Geschichte für eine
R.: Eine von einem
A.: Für eine
R.: Eine Geschichte von einem für eine
A.: Einer
R.: ….also keiner
A.: Einer wie keiner
R.: Keine
A.: Also einer….also keiner, erzähle eine Geschichte
R.: Eine der Lebenden, der Menschen?
A.: Nein
R.: Eine der Leidenden, der Menschen?
A.: Nein
R.: Eine der Menschen?
A.: Ohne Hoffnung hoffentlich?
R.: Ohne Hoffnung
A.: Tragisch?
R.: Sehr tragisch
Beide Gespenster schweigen.
Ein Gespenst erscheint, es scheint zu lachen und geht lachend in das Feuer.
A.: Blutet die Geschichte schon
R.: Diese röchelt
A.: Klammert sich diese an Nichts-Aussagendem, Nebensächlichen und Unwichtigem fest?
R.: Die Geschichte klammert
A.: Dann ist gut
R.: Es kommen Menschen darin vor
A.: Wie grausam
R.: Diese über das Leben
A.: Wie sinnlos
Beide Gespenster schweigen.
R.: Die Geschichte beginnt mit der Liebestodesangst
A.: Die Liebestodesangst
R.: Romantisch?
A.: Was?
R.: Nichts
A.: Also nichts
R.: Die Liebestodesangst verbrachte einsam ihre Tage und der Nächte schlich sie sich in die Herzen der Verlorenen, Verlassenen und Einsamen, legte sich zu deren Träumen schlafen, hörte ihren Herzschlag schreien und linderte das Leid der sich herumwälzenden Gequälten, stahl ihnen heimlich und unbemerkt einige Tränen, bevor diese glitzernd die zuckenden Gesichter hinunterkullerten; stahl ihnen versteckt und unbemerkt einige Seufzer des Leid hinfort; umarmte ihre frierenden Herzen und gab den schlafenden Gedanken und Gefühlen einen Trost….einen Trost welchen diese in ihren Leben nicht mehr fanden….und kaum erwachte der Morgen, schlich sich diese, so wie sie gekommen war, unbemerkt hinfort und nahm die Müdigkeit ihren Platz in den Herzen dieser Menschen ein….und so von Herz zu Herz ging es Monate, Jahre, Jahrhunderte….menschlicheren und unmenschlicheren dahin und auch wenn die Liebestodesangst sich vor diesen Herzen, welche diese jede Nacht aufsuchte fürchtete, so kehrte sie doch immer zu diesen zurück und dann….und dann in einer Nacht vor nicht allzu langer Zeit….der finstersten Nacht, mondlos und die Schatten von allem Lichtlosem Besitz ergreifend, wie immer von Herz zu Herz sich schleichend, gelangte die Liebestodesangst zu einem Herzen hin….blickte sich um, ob wohl niemand sie bemerkt hatte, schlich sich in dieses hinein und erschrak fürchterlich….denn dies eine Herz erschien ihr dermaßen verbittert und verhärtet, steinig und kalt, dass die Liebestodesangst wie noch nie zuvor erstarrte, überrascht, dass selbst sie nach Monaten, Jahren, ja Jahrhunderten an gebrochenen und erfrorenen….menschlicheren und unmenschlicheren Herzen noch ein solches Herz fand und sie wollte gleich zu einem nächsten Herzen fliehen….einem nächsten….aber schon fliehend blickte sie in das Gesicht des Menschen, des unruhig Schlafenden und hielt inne….denn was sie sah war ein sanftes Gesicht, ruhig und eben; schön….und keine Zornesröte zierte die Stirn, keine Sorgen lagen in den Mundwinkeln….keine Falten….der Sorgen, der Wut….und die Liebestodesangst begann mit sich zu hadern….sollte sie oder sollte sie nicht….zögerte, überlegte, betrachtete noch einmal das Gesicht und es wollte ihr nicht gelingen eine Entscheidung zu fällen….einen Entschluss zu finden und es….
A.: ….und es schneite dunklen Schnee vom Himmel herab und tiefer gruben sich die Schatten an die Erde heran; einsamer war die Stille über den Toten und kälter werdend rauschte der Wind in den Wäldern über die sterbenden Tiere hinfort, legte der Frost seinen Schleier über das Land und welche Zerstörung sich fand, welch Tosen und Knistern im Geäst und in der Finsternis brachen die Schatten entzwei und so schossen Tränen aus den Gewehren, fielen Blumen aus den Kanonen, sickerte Blut aus den Bomben und knallte ein Donnerhall über die Schlachtfelder hinweg….
R.: ….und dann erwachte dieser Mensch….mit diesem toten Herzen seiner Brust….erwachte aus seinen Alpträumen, schüttelte der Schlaf ihn wie einen ungebetenen Gast ab und fror dieses Herz sogleich zu einem eisigen Erstarren und Erschrecken, gleich der Liebestodesangst, welche in diesem Herz sich befand….wurde dieser Mensch mitten in der Nacht, inmitten der schlimmsten Alpträume in die kalte Welt hinausgeschleudert und die Liebestodesangst erblickte seine Augen….und diese Augen waren traurig….als wären die Tränen darin gefroren….als würde das Eis in jedem Augenblick in tausend Stücke zerbrechen….als hätte….ja auch die Liebestodesangst fand keine Wörter dafür, erschrak noch einmal fürchterlich und floh dann der Nacht….einem nächsten Herzen hinzu…..
A.: ….als der Morgen dämmerte, das Gold zu blinzeln, das Ozeanblau zu leuchten begann, der Sternenstaub verwehte, als die Nebelschwaden sich verzogen und die Sonnenstrahlen den Tag zum Erblühen brachten, da verfiel auch die Liebestodesangst einem unruhigen Schlaf und suchte, fand und verlor sich in den vielen Herzen die sie getröstet hatte, den unglücklich Liebenden, den aus Verzweiflung Tobenden, den vor Armut schon geschwächten Herzen, aber immer wieder kam ihr dies eine Herz in die Träume und es fröstelte sie und ein Zittern schüttelte sie aus dem Schlaf heraus und da….
R.: ….und da dachte die Liebestodesangst an diesen einen Menschen; verlor seine Spuren nicht aus den Gedanken und versprach sich in einer der nächsten mondlosen Nächte; der finstersten und kältesten, diesen einen Menschen, dessen steiniges, erkaltetes Herz sie so sehr erschreckt hatte, nochmals aufzusuchen….aber vorher….aber vorher überlegte diese was sie denn bei solch einem hoffnungslosen, einem solch zwiespältigem Herzen denn nur tun könnte und es fröstelte sie und die Liebestodesangst legte sich näher an die schönen Träumen heran, suchte Zerstreuung, Ablenkung, auch Mut; aber ihre Gedanken und Gefühle kehrten immer wieder zu diesem einen Herzen zurück…..
Die beiden Gespenster verharren schweigend.
Ein Gespenst erscheint und geht in das Feuer.
R.: Das Feuer….
A.: ….sich selbst verzehrend
R.: Einer sollte
A.: Noch nicht
R.: Die Tränen….
Beide Gespenster gehen zu der weinenden Wand und sehen, dass die Tränen gefroren sind.
R.: Zu Eis sind die Tränen erstarrt
A.: Dann gibt es nur noch die Flammen
R.: Keine Tränen
A.: Nur die Flammen
R.: Nach keinem
A.: Nach keiner
R.: Keiner möchte die Flammen
A.: Diese werden einen verschlingen
R.: Sollte es denn nicht so sein
A:: Was heißt dass schon?
R.: Heißt denn gar nichts
A:. ….nichts?
R.: Also doch
A.: Nichts
R.: Und jetzt?
A.: Die Geschichte
R.: Ohne Tränen?
A.: Nur die Flammen
R.: Einer und eine sollten warten
A.: Eine weiß nicht
R.: Einer wartet
Beide Gespenster verweilen schweigend.
R.: Die Stille
A.: Der Stille lauschend
R.: Auch das Schweigen lauscht der Stille
A.: Lautlos
R.: Schweigend
A.: Schweigend
Beide Gespenster schweigen.
Ein Gespenst (Z.) erscheint, nähert sich dem Feuer, verharrt vor diesem, blickt sich suchend um, erblickt die beiden Gespenster bei der weinenden Wand.
W.: Gespenster
Keine Reaktion.
W.: Gespenster!
A.: Die Tränen….
R.:….sind gefroren
W.: Die Tränen

W. berührt die weinende Wand und diese weint wieder Tränen..
Die Gespenster waschen sich mit den Tränen das Gesicht.

W.: Was….?
R.: Einer wartet
W.: Unmöglich
A.: Eine weiß nicht….irgendetwas….irgendnichts hat eine davon abgehalten in das Feuer zu gehen
W.: Ohne Wollen….ohne Können….kein Müssen….kein Dürfen….
R.: ….um von den Flammen verzehrt zu werden
A.: ….denn alles in einer sehnt sich nach dem Feuer
R.:….so wie bei einem
A.: Nichts in einer sehnt sich nach dem Feuer
R.: Alles und Nichts
W.: Schon verzehrt?
R.: Früher, jetzt und wohl auch später
A.: Der Ewigkeit
W.: Eine Ewigkeit ist auch nur ein Augenblick….und auch ein Zögern ist eine Ewigkeit…..ich sehe euch und sehe nichts….verbrannte Hüllen….erfrorene Masken….die Dunkelheit und die Trauer; das Verderben und die Finsternis….und in mir ruht die Zeit….und einer und eine hatten keine Zeit….so seid ihr am Verglühen an eurer Kälte….Träne auf Träne….so seid ihr am erfrieren an eurer Hitze….Flamme auf Flamme….außerhalb der Zeit seid ihr….ja, ihr existiert nicht….ihr seid nicht und trotzdem verharrt ihr im niergendwo und in keiner Zeit….eine Ewigkeit ist auch nur ein Augenblick….und ein Verweilen ist keine Ewigkeit….
A.: Eine ist nicht
R.: Einer ist nicht
A.: Keine
R.: Keiner
W.: So wie ihr euer Leben verleugnet hattet….so verleugnet ihr nun euer Nichts….
R.: Ein Nichts
A.. Ein Nichts
R.: Keine?
A.: Keiner?
R.: Und ist einer schuldig?
W.: Keine Fragen, keine Antworten und keine Zeit, denn die Zeit ist abgelaufen….Träne um Träne….Flamme um Flamme….aus der Ewigkeit ausgebrochen und nun seid ihr auf der Seite des Nichts; aber die Ewigkeit….aber deren eisiger Griff hat euch schon fest umklammert….zurück in das Nichts….zurück in das Alles….keine Fragen, keine Antworten und kein Raum….
R.: Zurück in das Nichts?
A.: Zurück?
W.: Von niergendwo und niergendwann
A.: Eine sollte
R.: Einer sollte
W.: Das Feuer verzehrt euch
R.: Keinen
A.: Keine
W.: Was lässt euch hier verbleiben?
A.: Die Geschichte….
R.:….zu Ende zu erzählen
W.: Es ist wie immer….niemand entscheidet….alles ist schon entschieden….einer wartet….eine weiß nicht….es gibt kein Warten, denn die Zeit verfolgt eine und einen….es gibt kein „Weiß nicht“; denn der Raum hat keinen Platz für keinen und keiner….es ist wie nie….alle entscheiden….nichts ist schon entschieden….also beeilt sich einer und eine mit eurer Geschichte….es ist wie immer
R.: Es ist nicht die Geschichte von einer und eine
A.: Von keiner und keinem
W.: Doch
R.: Einer erinnert sich nicht
A.: Schon vergessen?
R.: Vergessen
W.: Die Schuld
A.: Die Unschuldigen
R.: Die Unschuldigen vergisst man immer als erstes
A.: Und die Schuldigen?
R.: Die vergisst man immer als letzte
A.: Dann bleibt nur das Vergessen
R.: Nur das Vergessen
W.: Dann vergesst
A.: Die Geschichte
W.: Einer und eine sollten sich beeilen
A.: Dass werden einer und eine
Die Gespenster schweigen.
W.: Das Menschenlos….das Menschenlos
R.: Wie?
W.: Wie grausam
A.: Was?
W.: Wie grausam der Mensch….wie lieblich, sanft und im nächsten Augenblick….wie geleitet von Stimmen, Stimmungen, Ahnungen, Gerüchen und Gerüchten und wie leicht sich sein Horizont doch nur verschiebt….gebt ihm Hass dem Mensch und dieser wird zerstören….gebt ihm Überlegenheit dem Mensch und dieser wird missbrauchen….gebt dem Mensch doch Demut, Bescheidenheit und Selbsterkenntnis….aber doch nicht….dieser braucht keinen Grund und kein Motiv…..zieht keine Lehren, verzeiht nicht und verliert….nein, der Mensch ist die Natur….wie grausam der Mensch….gebt ihm Gewalt dem Mensch und dieser wird vergiftet….gebt ihm doch Trost, Mitgefühl und Verständnis….aber doch nicht….und was lernt der Mensch….nur die Verzweiflung lernt der Mensch….wie grausam der Mensch….
R.: Was kann einer tun?
W.: Nur nichts….wie schön, besorgt, fürsorglich und bemüht….nein und im nächsten Augenblick bricht ein Sturm der Niedertracht dem seinem Tun heraus….wie sanft, mitfühlend und alles achtend und im nächsten Augenblick….verschließt eure Augen und werdet blind….verschließt eure Augen und werdet sehend….nur nichts
A.: Was kann eine tun?
W.: Nichts tun….nichts fragen….nur nichts….so wie das Nichts….
Das Gespenst W. geht in das Feuer.
Die beiden Gespenster waschen sich mit den Tränen das Gesicht.
Ein Gespenst erscheint und geht in das Feuer.
R.: Seltsam
A.: Es schien als sei auch ein Nichts etwas
R.: Viel zu viel sogar
A.: Wo es doch nichts ist
R.: Vielleicht ist der Kern des Nichts Alles?
A.: Und doch Nichts
Beide Gespenster schweigen.
A.: Die Geschichte
R.: Erzähle eine Geschichte Gespenst
A.: Nenne eine nicht
R.: Wie soll einer eine nennen?
A.: Schon vergessen?
R.: Diesmal nicht
A.: Eine
R.: Keine
A.: Genau
R.: Also keine….erzähle eine Geschichte
A.: Eine der Toten, der Menschen?
R.: Nein
A.: Eine der Grausamen, der Menschen?
R.: Nein
A.: Eine der Menschen?
R.: Ohne Hass hassend?
A.: Ohne Hass
R.: Freudevoll?
A.: Sehr freudevoll
R.: Eine weiß nicht
A.: Einer wartet nicht
R.: Eine wartet nicht
A.: Einer weiß nicht
R.: Warte
A.: Die Geschichte
R.: Die Welt
A.: Die Welt?
R.: ….die Welt….die Welt….erstickt an all dem Zorn und all der Wut…..alles wurde von dieser Welt hinuntergeschluckt….alles….doch dann drängt all dieser Zorn und all diese Wut wieder nach außen….bricht gleich einem Vulkan das Unverdaute durch die Kruste der Zivilisation….die Fratzen, die Verzerrungen, der Neid, die Gier, die Knochen der Entrüstung, die Moral des vergossenen Blut….an Unverdautem wird die Welt ersticken….doch nur all die Schmerzen….die Folter und ihre Knechte; die Mörder und ihre Opfer, das Unverdiente….die Welt….die Welt….was soll….was kann….was möchte….blicke in die Augen eines Gefolterten….es findet sich kein Zorn….blicke in die Augen eines Folterer….sie sind des Zornes erfüllt….und diese 2 Scheiben im Gesicht….grün oder blau oder braun oder schwarz….in diesen Scheiben dreht sich die Welt, dreht sich und bleibt nie stehen….und keine Strafe….keine Gerechtigkeit….kein Gewissen….die Welt….die Welt….verloren die Verlorenheit….traurig die Traurigkeit….leer die Leere….und warum kümmerst du dich um den Splitter im Auge deines Bruders oder deiner Schwester und bemerkst nicht den Balken in deinem eigenen….traurig…. verloren….leer….die Welt….die Welt….
Beide Gespenster schweigen.
R.: Schreit die Geschichte schon?
A.: Diese liegt im Sterben
R.: Dann ist schlecht
A.: Also….
R.: ….nichts
A.: Es kommen Menschen darin vor
R.: Wie grauenvoll
A.: Diese über den Tod
R.: Wie bedeutungslos
A.: Die Geschichte beginnt mit der Sehnsuchtsfernekälte
R.: Die Sehnsuchtsfernekälte
A.: Realistisch?
R.: Was?
A.: Etwas
R.: Also etwas
A.: Die Sehnsuchtsfernekälte verbrachte in Gesellschaft ihre Nächte und des Tages eilte sie in die Herzen der Fröhlichen, der Sanften und der Wohlgesinnten, nahm sich etwas Lächeln von deren Lächeln, etwas Schalk von deren Schalk und etwas Sanftheit von deren Sanftheit, wissend, dass sie der Nächte bei den Sanftlosen, Unruhigen, Gepeinigten und Gequälten, etwas von diesem Schalk, etwas von diesen Lächeln und etwas von dieser Fröhlichkeit brauchen würde und kaum begann die Nacht eilte sie zu den Einsamen, den Verlorenen und den Hoffnungslosen, zu deren Leere, Bitterkeit und Verzweiflung….tröstete….linderte….versöhnte….und so von Herz zu Herz sich schleichend ging es über Monate, Jahre, Jahrhunderte….hässlicheren und schöneren dahin….und die Sehnsuchtsfernekälte freute sich mit diesen Herzen, die sie des Tages aufsuchte….und half der Nächte mit dem am Tage Gesammelten….und eines Tages dann….dem schönsten Frühlingstag im Sonnenschein, lichtdurchflutet, alles majestätisch erscheinend lassend, vom Frost sich lösend….von Herz zu Herz sich schleichend, fand sie sich im Herzen eines Menschen, einer wunderbaren Schönen wieder….deren Herz so stark und fröhlich schlug, so reich an Neugierde und Begierde war, dermaßen….dass sie nach Monaten, Jahren, ja Jahrhunderten….schöneren und hässlicheren erschrak, erstaunt noch ein solch starkes und liebendes Herz zu finden, erschrak zutiefst, denn die Sehnsuchtsfernekälte hatte schon seit langem vermutet, dass es solche Herzen schon lange nicht mehr geben würde….und angesichts so vieler Kraft….so vieler Schönheit wollte die verängstigte Sehnsuchtsfernekälte gleich zu einem nächsten Herzen fliehen….einem nächsten hinzu….denn zu schön und zu stark erschien ihr dies eine Herz….und schon sich abwendend blickte sie in das Gesicht dieses Menschen, dieser wunderbaren Schönen….blickte und erstarrte….denn was diese erblickte war ein kaltes Gesicht, verbittert von Zornesröte, zerfurchtet schrecklicher Falten….die Lippen verkniffen….und die Sehnsuchtsfernekälte überlegte was sie nun tun sollte, blickte in dieses Gesicht und der Widerspruch von Gesicht und Herz zeriss sie innerlich….sollte sie fliehen oder verbleiben und….
R.: ….die Sonne brannte in hellen Flocken vom Himmel herab und ferner fiel das Licht an die Gestirne heran; gesellig war der Lärm der Lebenden und ein Liebesreigen frohlockte in den Wiesen und welche Hoffnung sich fand, welch Verschmelzen von Sonnenstrahl und Liebesfreuden und die Kometenschweife erloschen in tausenden von menschlichen Regungen und Bewegungen im hellsten Tageslicht und so fielen Schüsse aus den Wörtern, zerbrachen Dornen das Blumengewand, floss Wut dem Schweigen heraus und ein zorniger Schrei knallte der Felder der Liebe hindurch….
A.: ….und dann verschlief dieser Mensch….ergriff der Schlaf Besitz von diesem und verschloss sich das Herz und gelang es der Sehnsuchtsfernekälte gerade noch dem sich verschließenden Herzen zu entfliehen….mitten am Tage, inmitten des Sonnenlicht…und fliehend blickte sie noch einmal zurück und sah die sich schließenden Augen und….diese Augen waren schön….als wäre…als wäre….ach, die Sehnsuchtsfernekälte wusste nicht, erstarrte und floh dann des Tages….einer nächsten….einer nächsten Fröhlichkeit hinzu und als….
R.: ….und als der Abend begann und das Unvollendete zu dämmern begann; das Wiesengrün zu blühen endete, als am Horizont die Nacht sich erhob und der Mond sein Antlitz zeigte; da fiel sie in die Arme ihrer Herzen; verschenkte Frohsinn, feierte, tanzte, aber dieser eine Mensch….aber….
A.:….aber doch dachte die Sehnsuchtsfernekälte an diesen Menschen, der bezaubernden Schönen….
und versprach sich selbst in einer der nächsten verzauberten Frühlingstage; dem glitzerndsten und hellsten, diesen einen Menschen, dessen fröhliches, starkes Herz und dessen hartes, zerfurchtetes Gesicht sie so sehr erschreckt hatte wieder aufzusuchen….
Die beiden Gespenster schweigen.
Ein Gespenst erscheint und geht in das Feuer.
R.: Und nun?
A.: Und nun?
R.: Warten?
A.: Eine weiß nicht
R.: Abwarten
A.: Und?
R.: Das Ende
A.: ….der Geschichte
R.: Nein
A.: Nein
R.: Wechseln einer und eine das Wort?
A.: Ausgewechselt
R.: Ausgewechselt
Die beiden Gespenster waschen sich mit den Tränen das Gesicht und blicken zu dem Feuer.
Ein Gespenst erscheint und geht in das Feuer.
R.: Wie es brennt
A.: Wie die Flammen züngeln
R.: Die Glut
A.: Die Hitze
R.: Heiß….
A.: ….und heißer werdend
R.: Glühend
A.: So wie einer und eine
R.: Ach, es ist kalt
A.: Sehr kalt
R.: Einer und eine sollten näher zu dem Feuer
A.: Sollten?
R.: Könnten?
A.: Warum nicht?
R.: Warum doch?
A.: Und wenn es einen und eine verschlingt?
R.: So sollte es….
A.: Einer und eine sollten vorsichtig sein
R:: Dass sollten einer und eine
A.: Bleiben einer und eine fern von dem Feuer
R.: Frieren eine und einer?
A.: Dann frieren eine und einer
R.: Einer friert
A.: Eine friert
Schweigend verbleiben die beiden Gespenster, blicken zu dem Feuer und dieses erlischt.
Das Gespenst X. erscheint, nähert sich dem Feuer und verharrt vor diesem.
R.: Erloschen….
A.:….ist das Feuer
X.: Das Feuer
R.: Zu den Tränen
Die Gespenster gehen zu der weinenden Wand und waschen sich mit den Tränen das Gesicht.
X.: Wartet
R.: Einer wartet nicht
A.: Eine weiß nicht
X.: Mit den Tränen das Feuer
R.: Mit dem Feuer die Tränen
X. geht zu dem Feuer, berührt dieses und dieses beginnt wieder zu brennen.
Die Gespenster wärmen sich daran.
R.: Die Flammen….
A.: ….verzehren wieder
R.: Einen
A.: Eine
X.: Endlich und unendlich
R.: Wer sind….?
X.: Keiner
A.: Was dann?
X.: Einer
A.: Das Leben
R.: Der Tod
X.: Nichts
A.: Also alles?
A.: Keiner
X.: Ein trauriges Gespenst
A.: Traurig ist das Leben und traurig ist der Tod
R.: Ein Ende zu feiern; einen Beginn zu beweinen
A.: Eine Mitte zu verlieren, eine Mitte zu finden,
R.: Eine Schwarze
A.: Ein Schwarzer
X.: Ein Weißer
R.: Sich vermischend
A.: ….einmischend
X.: So ist das Leben; ein streben, geben und vergeben; ein kurzes Verweilen und dann muss man schweigen; viel Haben um dann ein schönes Grab zu haben
R.: Und einer?
X.: Keiner?
A.: Einer
X.: Einer reist durch die Gezeiten unendlicher Weiten, hört, schweigt und ruft, gibt und vergibt, brennt und erfriert….keiner bleibt….
X. nähert sich dem Feuer.
A.: Die Hitze
R.: Die Kälte
X.: Die Kälte oder die Hitze….wie einer oder keiner sich auch entscheidet….es gibt keine Wahl….
A.: Verbrennen
R.: Erfrieren
X:: Dafür ist es schon zu spät….alles wird sich wiederholen….das Verbrennen wird zu einem Erfrieren und das Erfrieren wird zu einem Verbrennen….und nichts wird sich wiederholen….dafür ist es schon zu spät….
R.: Und dass war es dann
A.: Ein ist ohne war
X.: Ihr seid schon verzehrt
R.: Das Feuer
A.: Eine Warme
R.: Ein Kalter
X.: Sich vermischend
A.: ….erlischend
X.: So ist der Tod….lang und kurz, voll und leer, sinnvoll und sinnlos….und….so ist der Tod….
Das Gespenst X. geht in das Feuer.
R.: Vom Feuer….
A.: ….verschlungen
R.: Und nun?
A.: Warten?
R.: Nichts wissend?
R.: Warte
A.: Eine wartet nicht
R.: Einer weiß nicht
A.: Eine wartet
R.: Die Geschichte
A.: Der Mensch
R.: Der Mensch?
A.:….der Mensch….der Mensch….lebt er….lebt sie nicht….alles verlangend und nichts erringend….nichts tun und alles bekommend….ist er glücklich….ist er unglücklich…..bleibt der Mensch vergänglich und sterblich….teilt er den Tag in Zeit….teilt er den Raum in Überschaubarkeit….teilt er sich selbst in Möglichkeiten und Unmöglichkeiten….mischt er sich ein, wo er sich nicht einmischen sollte….zerstört er am liebsten und ist die Dummheit sein Thron und seine Intelligenz die blutende Dorne….um so dümmer um so mehr mischt er sich ein und um so mehr zerstört er….um so intelligenter, um so weniger mischt er sich ein und um so mehr zerstört er….der Mensch….der Mensch….lebt sie….lebt er nicht….der Mensch ist relativ….sein Sein von seiner Blindheit, Taubheit, Unbeweglichkeit und Uneinsicht gezeichnet….sein Sein vom Schwafeln zum Geringsten geworden…..sein Nicht-Sein vom Schwafeln zum Höchsten geworden…..ein Unsein….ein Untier….eine Unzerstörung….der Mensch ist relativ….der Mensch….der Mensch
Beide Gespenster schweigen.
R.: Die Geschichte
A.: Nein
R.: Die unvollendete….
A.: Geschichte
R.: ….soll auch ein Ende finden
A.: Obwohl die Geschichte kein Ende finden wird
R.: Nein
A.: Ja
R.: Am anderen Ende vom Ende
A.: Dort
R.: Überflüssig
A.: So wie der Mensch
R.: So wie die Geschichte
A.: Traurig trauernd?
R.: Sehr traurig
A.: Unverstanden unverstanden?
R.: Unverstanden
Beide Gespenster schweigen.
A.: Und wird irgendjemand die Geschichte verstehen?
R.: Nein
A.: Nein
R.: So wie immer
A.: Und niemals
R.: Keiner wird die Geschichte verstehen?
A.: Keine wird die Geschichte verstehen
R.: Auch keine
A.: Dann erzähle die Geschichte keiner
R.: Erzähle die Geschichte keine
A.: Nein
R.: Die Liebestodesangst….
A.: Ja
R.: Was ist?
A.: Die Sinnlosigkeit
R.: Sinnlos werden lassend
A.: Diese ist
R.: Diese war
A.: Diese wird
R.: Sinnlos
A.: Sinnlos
Beide Gespenster schweigen.
R.: Die Liebestodesangst dachte an dies eine Herz und fand die Sehnsuchtsfernekälte….suchte eine Lösung den finstersten Nächten und auch dann noch, wenn die grauenvollsten Morgen zu den schrecklichen Tagen den Herzen erwachten….suchte, dachte und floh anderen Herzen hinzu….tröstete, besänftigte, aber die Liebestodesangst selbst fand keinen Trost und keine Sanftheit mehr….denn dies eine Herz….dies eine Herz und die Liebestodesangst dachte an dies eine Herz und fand die Sehnsuchtsfernekälte, begann dieser von diesem einen, so verbitterten….
A.:….so versteinertem Herzen zu erzählen und konzentriert lauschte die Sehnsuchtsfernekälte den Wörtern der Ratlosigkeit; der Beschreibung des schönen, unbekümmerten Gesichtes, der Angst, des Erschrecken und der Sanftheit…..erzählte vom Anfang der Kälte bis zum Ende der Hitze….erzählte von diesem einen Herzen….als ob die Liebestodesangst all die Monate, Jahre, ja Jahrhunderte…..schöneren und hässlicheren hindurch nur dies eine Herz gesucht hätte….
R.: ….und endend sagte diese, dass sie nun einen Rat brauchen würde….was zu tun denn sei, wie all diese Widersprüche, dieses Unverständnis, auch vor sich Selbst, doch noch zu einem guten Ende führen könnten, wie all dieser Monate, Jahre, Jahrhunderte…..menschlicheren und unmenschlicheren hindurch, es doch etwas geben sollte….nicht nur ein Nichts….eine Verzweiflung….ein keiner, eine keine….und dann solch ein Herz….nein….nicht nur ein Nichts….eine Ratlosigkeit….ein einer, eine….
A.: ….und die Sehnsuchtsfernekälte lauschte und versuchte zu verstehen; glaubte den gesprochenen Wörtern der Liebestodesangst beinahe nicht; doch diese waren überzeugend, mitreißend und erschütternd, dass es die Sehnsuchtsfernekälte an das eine Herz, so froh und schön erinnerte; dass es….
R.: ….als die Liebestodesangst geendet hatte, über dies Herz, dass diese so sehr bedrückte….es diese beinahe bereute die Sehnsuchtsfernekälte damit belästigt zu haben, ja ein zuckender Schmerz durch ihre Brust fuhr, dort wo die Menschen ihr Herz hatten oder auch nicht….sich schon abwenden wollte, angesichts des sie bedrückenden Schweigen der Sehnsuchtsfernekälte….
A.: ….da begann die Sehnsuchtsfernekälte eine Geschichte zu erzählen; jene von diesem einem, so reichen, blühendem Herzen mit so bitterem Gesicht; der Sorgenfalten zerfurchtet….des Unglück gezeichnet und was diese sich bei diesem Herzen schon alles gedacht und gefühlt hätte….bei diesem einen Herzen….so widersprüchlich….so herz-zerreissend….wurde lauter, schwieg, wurde leiser, schwieg und wie die Sehnsuchtsfernekälte von diesem Herzen erzählte, da erkannte es auch die Liebestodesangst….
R.: ….mit jedem gesprochenen Wort der Sehnsuchtsfernekälte wurde es der Liebestodesangst klarer und deutlicher….es erschien wie das Alles und das Nichts vorherbestimmt….unbestimmt….nein, es war kein Zufall, dass sie beide sich getroffen hatten….die Liebestodesangst….die Sehnsuchtsfernekälte….nein….es waren diese beiden Herzen die sie zusammengeführt hatten….und als….
A.: ….als die Sehnsuchtsfernekälte mit ihren Wörtern geendet hatte, blickten sich beide schweigend an und mit jedem Moment der verging wurde es beiden, ohne ein Wort zu sprechen, klarer, bis schließlich die Liebestodesangst das Schweigen brach….die beiden Herzen….die beiden Herzen….
R.: Beinahe kein Wort wurde dann darüber noch gesprochen
A.: So vereinbarten sie sich am nächsten Morgen, zwischen Tag und Nacht….
R.: Zwischen finsterster Nacht, mondlos und der Schatten von allem Besitz ergreifend….
A.: Und des schönsten Frühlingstages, lichtdurchflutet und der Sonne alles Lebende erblühend….
R.: Diese beiden Herzen
A.: Die Liebestodesangst….
R.: ….und die Sehnsuchtsfernekälte
Beide Gespenster schweigen.
Ein Gespenster erscheint und geht in das Feuer.
Beide Gespenster waschen sich mit den Tränen das Gesicht.
A.: Das Ende der Geschichte
R.: Das Ende
A.: Abwarten
R.: Und das Ende beginnt an dem anderen Ende?
A.: Eine weiß nicht
R.: Die Geschichte findet kein Ende keine
A.: Keiner
R.: Keine
A.: Zeitlos
R.: Planlos
A.: Kein Plan
R.: Und jetzt?
A.: Die Geschichte….
R.: …..verbirgt sich in der Geschichte
A.: Noch unentdeckt
R.: Unentdeckt verbleiben
A.: Warte
R.: Die Geschichte
A.: Die Liebestodesangst….
R.: Nein
Beide Gespenster schweigen.
A.: Auf einmal fühlt der Mensch sich so bedeutend….so ein Leben….so ein Leben….die einen leben in Glück und Liebe, ertrinken im Überfluss….werden mit ihrer Grausamkeit nicht mehr fertig….und die einen vermehren sich….manche sind unglücklich….dass sind die Glücklichen….die Unglücklichen….manche sind reich….dass sind die Armen….und die Reichen sind die Armen und die Armen sind die Reichen….und all diese Lächeln, die Freude, die Schuld, die Schulden, das Verzeihen, das Große, das Kleine, dass alles sich bedingt und verlangt, sich sehnt und unbedingt….der Mensch sollte Knecht werden und wird doch immer im Palast zu Hause bleiben….man könnte…..ja, man könnte….man kann nicht….nein, man könnte….und fern…..fern von hier spielt das Geschehen sich ab….immer fern von einem und keiner….das Geschehen ist immer anderswo….nie hier….nie dort….nie jetzt….nie….was kann eine sagen, wo eine doch keine ist….eine…..und ich bin doch keine….nur eine….nur keine….auf einmal fühlt sich der Mensch so bedeutend….so ein Leben….so ein Leben….
Das Gespenst R. geht zu dem Feuer.
A.: Gespenst
Keine Reaktion.
A.: Raoul!
Keine Reaktion.
A.: Keiner!
Das Gespenst R. bleibt knapp vor dem Feuer stehen.
R.: Und alles zerfällt und zerbricht
A.: Nein!
R.: Fassaden auf die Kostüme und Barrikaden auf die Masken
A.: Gespenst!
R.: Nein
A.: Einer!
R.: Ja?
A.: Dass reicht
R.: Alma?
A.: Nein
R.: Eine?
A.: Keine
R.: Keiner
Das Gespenst A. geht zu dem Gespenst R. hin.
Beide Gespenster schweigen.
Die beiden Gespenster umarmen sich.
R.: Das Menschenlos
A.: Ein kurzer Sommer und ein langer Winter ist das Menschenlos
R.: Und der Frühling und der Herbst?
A.: Die Kindheit, das Alter
R.: Ein verzweifeltes Ringen
A.: Ja vergeblich
R.: Dann ist alles umsonst
A.: Ja, alles ist umsonst
R.: Nein, nichts ist umsonst
A.: Die Tränen
R.: Das Feuer
Schweigend blicken die beiden Gespenster in das Feuer und wärmen sich an diesem.
R.: Einer verzehrt sich nach dem Feuer
A.: Auch das Herz einer möchte verbrennen
R.: Eine hat kein Herz
A.: Weder als Mensch….
R.: ….noch jetzt…..und einer….ein Herzloser
A.: Ein Herzloser….und eine?
R.: Eine Herzlose
A.: Deshalb sind einer und eine….
R.: ….nicht hier
A.: Ja
R.: Nein
A.: Vielleicht
R.: Dann brennt das Herz, dass nicht war und nicht ist wohl um so besser
A.: Und die Asche?
R.: Die Asche?
A.: Ja
R.: Die Asche ist der letzte Funken
A.: Erloschen bevor verbrennt
R.: Ausgebrannt
A.: Herzloses
R.: Und doch schmerzt es
A.: Auch bei keiner
R.: Es schmerzt
A.: Herzensblut
R.: Der Schmerz
Beide Gespenster schweigen.
Ein Gespenst erscheint, es scheint zu weinen und geht weinend in das Feuer.
A.: Man kann die Gespenster nicht aufhalten
R.: Nur einen
A.: Nur eine
R.: Kann einen nicht
A.: Kann eine nicht
R.: Aufhalten
A.: Abhalten
R.: Das Feuer verzehrt
A.: Die Kälte verzehrt
R.: Zur Hitze entflammt
A.: Eine friert
R.: Einer glüht
A.: Die Geschichte
R.: ….zu Ende erzählen
A.: Ja
R.: Nein
A.: Also….
R.: Das Ende zu beginnen
A.: Ein beginnendes Ende
R.: Damit diese Geschichte
A.: ….Geschichte wird
R.: Warte nicht
A.: Eine wartet nicht
R.: Einer weiß
A.: Die Vergänglichkeit
R.: Was?
A.: Die Vergänglichkeit….alles wird und nichts vergeht….eine Kleinigkeit….eine Großartigkeit….nichts vergeht und alles ist….die Körper….die Körper….erblühen….verblühen….die Rosen der Dornen reich bestückt….das Unkraut der schönen Blumen reich….die Natur schenkt den Rosen und nimmt das Unkraut….und doch verblühen die Rosen und das Unkraut bleibt….die Vergänglichkeit….alles nichts und nichts alles….die Vergänglichkeit….alles wird und nichts vergeht….
Beide Gespenster schweigen.
R.: Am Morgen nach der dunkelsten und kältesten Winternacht, mondlos….
A.: ….und am Beginn des schönsten und wunderbarsten Frühlingstages; sonnengebrannt
R.: ….traffen sich die Liebestodesangst und die Sehnsuchtsfernekälte….
A.: Mit einem Herzen die eine
R.: Mit einem Herzen die andere
A.: Blickten in die Sonne
R.: ….und zu dem schwindenden Mond am Horizont
A.: Und die Augen, das Herz….
R.: Und das Herz, die Augen
A.: Und als sie sich dann traffen….das schönste Herz mit dem kältesten Gesicht und das kälteste Herz mit dem schönsten Gesicht, da war ein kurzes Aufflackern, ein Erbeben der Sinne; ein Zittern der Farben und schon wandten sie ihre Blicke voneinander ab….so näherten sie sich und gingen aneinander vorbei und schon schien es als sei gar nichts geschehen, als ob dieses Zusammentreffen zu nichts werden würde….als sei dies schon alles gewesen, ein Augenblick, ein Zwinkern, ein kurzes Verharren der Zeit….als….
R.: ….als sich das versteinerte Herz mit dem schönen Gesicht, dieser Mann, sich weiterbewegte, da grub sich ein Zweifeln seinen Gedanken hinein und sein Gesicht, seine Gedanken und Gefühle….der Mensch drehte sich noch einmal um….
A.: Und im gleichen Augenblick, als ob sich die Zeit für sie diesen einen Moment zur Ewigkeit erstarren ließ, drehte sich das fröhlichste Herz mit dem sorgen-zerfurchteten Gesicht um….
R.: Und ihre Blicke
A.: Und beide Herzen blieben stehen und schlugen stark
R.: Und beide Herzen schlugen stark und blieben stehen
A.: Seltsam
R.: Es war ein seltsamer Moment; so scheinend, als würde dieser gar nicht existieren….so blickten sie einander an und blickten….erstarrten….und ein erster Schritt und ein zweiter und wortlos blieben sie voreinander stehen und der Mann sprach
A.: Und die Frau sprach
R.: Hier
A.: Und jetzt
R.: Warum friert?
A.: Warum glüht?
R.: Und der Mann nahm ihre Hand
A.: Und die Frau blickte seinen Augen
R.: Komm
A.: Komm
R.: Hand
A.: In Hand
R.: Und glühten
A.: Und froren
R.: Und des Menschen Schicksalslos
A.: Nahm seinen Lauf
R.: Die Liebe zweier Herzen
A.: Und das eine Herz erfror an einer Träne
R.: Und das eine Herz verglühte an einer Flamme
A.: Der Trug, die Verzweiflung, das Leid….
R.: Der Liebe
A.: Der Liebe
R.: Und immer das Gleiche
A.: Und immer das Gleiche
R.: Mit diesen Menschenherzen
A.: Gebrochen
R.: Zerbrochen
A.: Und wurde das eine Herz zur Liebestodesangst
R.: Und das eine Herz zur Sehnsuchtsfernekälte
A.: Und die Liebestodesangst
R.: Und die Sehnsuchtsfernekälte
Beide Gespenster schweigen.
Die beiden Gespenster waschen sich mit den Tränen das Gesicht.
Ein Gespenst (V. ) erscheint, verharrt vor dem Feuer, blickt sich ratlos um, erblickt die beiden Gespenster und geht zu diesen.
V.: Wie dunkel es hier ist
R.: Und es wurde dunkel
A.: Dunkler
V.: Wie die Wand weint
R.: Die Tränen der Toten
A.: Nicht endend wollend
V.: Wie kalt es hier ist
R.: Und es wurde kalt
A.: Kälter
V.: Wie?
R.: Tropfen für Tropfen, Träne für Träne
A.: Leben für Leben; Dunkelheit der Kälte
R.: Kälte der Dunkelheit
Schweigend blicken die Gespenster in das Feuer.
V.: Wie geht es weiter?
R.: Das Feuer
A.: Die Flammen
V.: Wie heiß es hier ist?
A.: Und es wurde heiß
R.: Heißer
V.: Was?
A.: Flamme für Flamme, Glut für Glut
R.: Tod für Tod; Hitze der Wärme
A.: Und Wärme der Hitze
V.: Wie….immer und immer wieder
R.: ….was soll es schon bedeuten
A.: Immer und immer wieder
R.: Nie und kein Mal
A.: ….was kann es schon sein
R.: Oder nicht sein
V.: Dann nichts
Das Gespenst V. nähert sich dem Feuer.
A.: Nicht
V.: Brennen und verbrennen
R.: Doch
V.: Schon verbrannt und erfroren
Das Gespenst V. geht in das Feuer.
A.: Eine Sehnsuchtsfernekälte
R.: Einer Liebestodesangst
A.: Wenn eine könnte
R.: Noch mehr Sinnlosigkeit
A.: Noch mehr Nichts
R.: Alles
A.: Und doch nichts
Schweigend blicken die beiden Gespenster sich an.
A.: Das Ende
R.: ….der Geschichte
A.: …von einer und einem
R.: Ohne Liebe liebend?
A.: Ohne Liebe
R.: Dem Leben
A.: Den Menschen
R.: Dem Tod
A.: Den Toten
R.: Und einer dachte, dass wenn alles vorbei ist, alles anders sein würde….
A.: Was anders?
R.: Alles….
R.: Und dann nur dieses Nichts
A.: Nichts….
R.: Dass Nichts zwischen der Träne und der Flamme….das Nichts….
A.: So bedeutungslos
A.: Wie eine
R.: Wie einer
Beide Gespenster schweigen.
R.: Einer sollte
A.: Eine sollte
R.: Gibt es noch etwas zu sagen
A.: Nein
Die beiden Gespenster gehen zu der weinenden Wand.
R.: Die Tränen sind gefroren
A.: Der Ausdruckslosigkeit
R.: Eisig ist es geworden
A.: Eisig war es
R.: Das Feuer
A.: Die Flammen
R.: ….verzehren einen
A.: Und eine?
R.: Einer friert
A.: Eine glüht
R.: Und einer?
A.: Einer glüht
R.: Eine friert
A.: Und die Hoffnung
R.: Findet ihre Endlichkeit
A.: In der Unendlichkeit
R.: Einer weint
A.: Eine entflammt
R.: Was nun?
A:: Eine sollte
R.: Und auch einer sollte
A.: Zusammen?
R.: Nein
A.: Die Sehnsuchtsfernekälte
R.: Die Liebestodesangst
Das Gespenst R. geht in das Feuer.

Das Gespenst A. blickt sich ratlos um und geht in das Feuer.

….in unregelmäßigen Abständen erscheinen Gespenster und gehen in das Feuer….

Das Gespenst A. (Alma) erscheint, geht zu dem Feuer, verharrt vor diesem und wärmt sich dann an diesem.

A.: ….nie wieder….nie und nimmer wieder….das Nichts….das Alles….das Leben….der Tod….der Mensch….alles friert und nichts verbrennt….nie wieder….nie und nimmer wieder….die Tiefe; die Oberfläche, der Schein und das Sein….das Denken, das Fühlen, die Erinnerungen, die Gedanken und Gefühle….die Menschen….sie finden und sie suchen sich nicht….sie finden einander nicht….sie suchen und sie finden sich nicht….und ist so nicht alles verloren….und ist so nicht alles nichts und nichts alles….nie wieder….nie und nimmer wieder….
Das Gespenst A. geht zu der weinenden Wand und wäscht sich mit den Tränen das Gesicht.
Das Gespenst R. (Raoul) erscheint, geht zu dem Feuer, wärmt sich daran, erblickt das Gespenst A. (Alma) und geht zu dieser.
R.: Eine?
A.: Einer?
R.: Keine
A.: Herzlos
R.: Atemlos
A.: Schon wieder
R.: Schon wieder?
A.: Alles wiederholt sich
R.: ….und nichts schon wieder
A.: Was jetzt?
R.: Die Geschichte
A.: Eine erinnert sich
R.: Warum?
A.: Warum auch nicht?
R.: Am Ende das Warum
A.: Das Sinnlose
R.: Absurde
A.: Die Leere zu füllen
R.: Keine Leere
A.: Denn einer und eine
R.: Atemlos
Beide Gespenster schweigen….die Tränen sind gefroren.
R.: Keine Tränen
A.: Eisig
R.: Eiskalt
A.: Und das Feuer?
Schweigend gehen die beiden Gespenster zu dem Feuer….das Feuer ist erloschen.
R.: Warum eine?
A.: Kein Warum
R.: Warum keine?
A.: Und jetzt?
R.: Und jetzt?
A.: Die Ewigkeit
R.: Welche Ewigkeit?
A.: Genug der Fragen
R.: Genug der Antworten
A.: Überflüssiges
Beide Gespenster schweigen.
R.: Eine?
A.: Ja
R.: Keine Fragen?
A.: Keine
R.: Eine ist die Träne
A.: Einer ist die Flamme
R.: Unzertrennlich….
A.: ….und doch unendlich einander entfernt
R.: Zerstört und
A.: Tot und
R.: Unversöhnlich und
A.: Menschlich und
R.: Unmenschlich und
A.: Verzweifelt und
R.: Resigniert und
A.: Kämpfend und
R.: Erkennend und
A.: Schuldig und
R.: Unschuldig und
A.: Vergessen und
R.: Vergessen….so wie die Unschuldigen
A.: Die vergisst man immer als erstes
R.: Die Opfer, die zu Tode Geschlagenen, die Zerstückelten, Verbrannten, Ertränkten und Vergifteten
A.: Die Sinnlosen, Absurden, die Verlorenen, Ausgebeuteten und die geraubten Leben
R.: Die zu Tode gebrachten; die geschlachteten Gerechten, die Aufrichtigen
A.: Die Bauernopfer, die Gewaltlosen….die Gerechten
R.: Die Gerechten
A.: Die Gerechten
R.: Und das Opfer bleibt Opfer
A.: Und der Täter bleibt Täter
R.: Und das Opfer wir immer wieder zum Opfer
A.: Und der Täter wird immer wieder zum Täter
Beide Gespenster schweigen.
R.: Die Unschuldigen….
A.: ….verdrängen, ignorieren und vergessen….
R.: Die Unschuldigen….
A.: ….ermorden, zerstören und vergessen….
R.: Schon vergessen
A.: Schon vergessen
R.: Und die Schuldigen tragen die Geschichte
A.: Tragen sie zu Grabe
R.: Die Hoffnung
A.: Die was?
R.: Die Hoffnung
A.: Es gibt keine Hoffnung
R.: Es gibt eine Hoffnung
A.: Was ist die Hoffnung?
R.: Sag eine
A.: Sag einer
R.: ….die Hoffnung….die Hoffnung….wie ein Stern scheint diese über des Menschenschicksal; begleitet das Opfer bis in den Tod; der Freude ist ihr Sein und wenn diese lebt….dann lebt der Mensch….
A.: ….und wenn die Hoffnung lebt, dann lebt der Mensch
R.: ….die Hoffnung….die Hoffnung….und diese lebt in jeder Umarmung, in jedem Kuss, jedem freundlichen Wort; diese lebt in jeder Güte, jedem Mitgefühl und jeder Menschlichkeit….die Hoffnung….die Hoffnung….der Mensch ist ein Verderben, ein Abgrund….nein….der Mensch ist eine Hoffnung….
A.: Also gibt es keine Hoffnung
R.: Nein, es gibt keine Hoffnung
A.: Ja, es gibt keine Hoffnung
R.: Der Mensch ist eine Hoffnung
A.: Immer und immer wieder
R.: Nie und keinmal
A.: Der Mensch….
R.: Der Mensch ist eine Hoffnung
A.: Nein, der Mensch ist keine Hoffnung
R.: Ja, der Mensch ist keine Hoffnung
Beide Gespenster schweigen.
R..: Komm
A.: Komm
R.: Das Ende?
A.: Das Ende
R.: Immer noch
A.: Nie
R.: Immer wieder….immer und immer wieder
A.: Einmal….einmal und keinmal
A.: Eine weint
Die weinende Wand weint wieder.
R.: Einer brennt
Das Feuer brennt wieder.
Beide Gespenster schweigen.
A.: Die Träne und die Flamme
R.: Verglühend
A.: Ertrinkend
R.: An einer Flamme verglühend
A.: An einer Träne ertrinkend
R.: Immer
A.: Für immer
R.: Und immer wieder
A.: Nie und keinmal
R.: Die Ewigkeit
A.: Die Endlichkeit
R.: Wohin?
A.: Wohin?
R.: Komm
A.: Komm

….Hand in Hand geht die Träne in die Flamme und die Flamme in die Träne…

….an einem dunklen Ort….
Ein Feuer brennt und in unterschiedlichen zeitlichen Abständen erscheinen Gespenster und gehen in das Feuer.
Nach einiger Zeit erscheint ein Gespenst (Z.), nähert sich dem Feuer, verharrt vor diesem, geht dann zu der weinenden Wand, wäscht sich mit den Tränen das Gesicht, blickt sich um und spricht dann mit sich selbst….

Z.: Immer wieder….immer und immer wieder….es verzehrt mich von innen heraus….ich brenne….ich weine mir ein Ende, schweige und erfriere mich….meine Kälte tötet mich….immer wieder….immer und immer wieder….meine Ausdruckslosigkeit….meine Leere….diese füllt mich nicht mehr denn verzehrt mich….ich brenne….es ist zu spät….ja, es ist zu spät….ist es zu spät….nein, es ist zu spät….immer wieder….immer und immer wieder….es ist zu spät….ich brenne….ich verglühe an einer Flamme….ich verdurste an einer Träne….ich brenne und verbrenne….immer wieder….immer und immer wieder….

Suchend blickt sich das Gespenst Z. um….

Z.: Das Alles wartet nicht und um mich ist es kalt….und um mich ist es geschehen….und um mich ist es heiß….kälter als in mir….diese Hülle aus Körper, Fleisch, Gedanken und Ungerechtigkeit….diese Fülle aus Begehren, Leiden und Erlösung….ich schüttle alles ab….entkleide mein Sein….ziehe die Haut von meinen Gefühlen herunter und erfriere….kleide meine Gedanken in Demut und verglühe….ob ich friere….ich friere und um mich ist es kalt….in mir ist es kalt…..das Alles wartet nicht….

Das Gespenst (Z.) geht in das Feuer.

Das Feuer erlischt und die weinende Wand weint nicht mehr.

The End