Ein Film
Source Code
von Duncan Jones

Kontinuität in einem historischen Kontext, anhand des österreichischen Konzern Steyr Daimler Puch *1 dargestellt; möchte ich mich im folgenden Posting mit einer künstlerischen Kontinuität befassen und bevor ich damit beginne, eine ähnliche militärfilmhistorische Parallele kurz aufzeigen

Der Film „The Final Countdown“ (1980) *2 und der Film „Top Gun“ (1986) *3; beide offensichtlich nicht nur vom Pentagon von A bis Z finanziert, beide mit der identischen Laufzeit von 110 Minuten und beide mit der gleichen Bewertung bei IMDB (6,6/10); wobei das Sujet beinahe identisch ist, als ein Werbefilm für das us-amerikanische Militär.
Aus dem Film von 1980 wiederaufbereitet im Jahre 1986, aber noch oberflächiger, noch minimalistischer in Aussage, gänzlich Projektionsfläche und Style, Coolness und den Military-Look, wobei anstatt eines sichtlich alkoholisierten Martin Sheen (welcher wohl von den Dreharbeiten zu „Apokalypse Now“ zum genauen Gegenteil an Film/Aussage/Werk in Form des Werbefilm „The Final Countdown“ hintorkelte); ein cowboymäßiger, breitbeiniger Tom Cruise die Aussage noch mehr reduziert und im Mittelpunkt die Kampfmaschinen namens
F-14 Tomcat….die us-amerikanische Militärmaschine auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges.

Es handelt sich diesbezüglich um eine Kontinuität im militärfilmhistorischen Kontext und mit jenem Beispiel hoffentlich verdeutlicht, was man unter Kontinuität auch im FilmBusiness verstehen kann, zu der künstlerischen Kontinuität:

In dem Film Henry´s Crime (2010) *4 vom Regiseur Malcolm Venville endet der trottelige Kleinstädter Henry (gespielt von Keanu Reeves) unschuldig im Gefängnis, lernt dort einen väterlichen Freund namens Max (James Caan) kennen und in die Freiheit zurückgekehrt, möchte dieser das Verbrechen, für welches dieser unschuldig im Gefängnis sass, nunmehr begehen, wobei diesem der kurze Zeit ebenfalls aus dem Gefängnis entlassene väterliche Max dabei helfen soll.

Bei dem Verbrechen handelt es sich um einen Banküberfall und da dieser unblutig stattfinden soll, entschließen sich Henry und Max einen stillgelegten Tunnel, welcher von einem Theater zu der einen Bank hinführt, zur Durchführung ihrer Tat, zu benützen.

Einem Theater, in welchem gerade für die Aufführung von Anton Tschechow´s „Der Kirschgarten“ geprobt wird und Henry, mehr zufällig als beabsichtigt, die Bekanntschaft der ebendort probenden Schauspielerin Julie (Vera Farmiga) macht, eine Liebesgeschichte zwischen den Beiden, nach zähem Anlauf, zwischen Henry und Julie sich entwickelt und anschließend Henry (durch eine Intrige seines väterlichen Freund Max) die männliche Hauptrolle in dem Theaterstück übernimmt (als Tarnung für den Banküberfall).

Die Premiere des Theaterstück fällt jedoch zeitgleich mit dem Banküberfall, da an genau jenem Tag sehr viel Geld in der Bank gebunkert ist; wobei das Überfallsteam um zwei Personen (dem Wachmann der Bank und einen alten Bekannten Henry´s) erweitert wurde, diese den Banküberfall unterirdisch durchführen, dabei in Streit ob der Beute geraten und….

Der Film handelt von den verschiedenen Realitäten der Hauptperson Henry im Lauf des Film:
Zuerst der vertrottelte Kleinstädter; dann im Gefängnis, wieder in Freiheit; dann den Bankraub mit seinem väterlichen Freund Max durchziehend, die Beziehung zu July und schließlich die künstlerische Realität, in Form des Engagment Henry´s als Schauspieler im Theater.

Und bei letzterer Realität, welche gar keine Realität (auch nicht im Film) dann ist, denn eine künstlerische Realität auf der Bühne vor den Zuschauern, dem Theaterstück im Film, gelingt dem Film der künstlerische Quantensprung, nicht nur den Zuschauer zu verzaubern; denn die anderen profanen Realitäten zu überhöhen, sich zu Filmkunst aufschwingend; denn als der Banküberfall stattfindet und gleichzeitig das Theaterstück seine Uraufführung hat; Henry auf der Bühne mit July Theater spielt und sich an der Seite seiner Geliebten Julie für die künstlerische Realität, in diesem Jammertal seines Lebens, entscheidet und mit diesen der gesamte restliche Film, entflieht der Film den Normen, denn die Welt des Theaterstück, wird der Kirschgarten zur eigentlich zu zählenden Realität im Film….und nicht der Bankraub, das Gefängnis….denn das was zu zählen hat….der Liebe von Henry zu July!

Der Film wird somit in den Schlussakten Tschechovs Theaterstück zu einer romantischen Komödie, denn die Realität der handelnden Akteure im Film und jener im Theaterstück im Film überschneiden sich….man könnte auch schreiben…der Film betritt damit, nach 90 Minuten profaner Wirklichkeit, in den letzten 18 Minuten des Film eine andere Dimension….nicht nur in der Entwicklung des Film; denn auch im Herzen des Zuschauer….denn die profane Realität wird durch die edle Realität in Form des Theaters ersetzt….

Und diesbezüglich Inhalt/Aussage des Film „Henry Crimes“ dargelegt, zum eigentlichen Sujet dieses Posting….den Film „Source Code“ *5.

Der US-Army Offizier Colter Stevens (gespielt von Jake Gyllenhaal) erwacht in einem Nahverkehrszug nach Chicago, neben ihm befindet sich die ihm unbekannte Christina (wunderschön….Michelle Monaghan), mit welcher sich dieser kurz unterhält und nach anschließender Desorientierung, ohne zu erfahren wie oder was, explodiert der Nahverkehrszug in einem Bombenattentat, welcher alle Insassen tötet.

Colter Stevens erwacht nach seinem scheinbaren Ableben in einer Art Cockpit und wird von einer, vor ihm, mittels Bildschirm, auftretenden Air-Force-Captain Coleen Goodwin (Vera Farmiga) darüber aufgeklärt, das er sich in einem ComputerProgramm namens Source Code befindet, mit welchem er in die Vergangenheit gereist und innerhalb von 8 Minuten eine Bombe, welche im Zug versteckt ist, finden und deaktivieren soll, wobei dieser aber bald darüber aufgeklärt wird, das Colter Stevens in eine alternative Vergangenheit und nicht der realen Vergangenheit gereist und seine Mission nur dazu dient ein weiteres, in der realen Realität erst später stattfindendes Attentat, mittels Informationssuche über das bereits stattgefundene Attentat, zu verhindern.

Colter Stevens unternimmt mehrere Zeitreisen, immerzu im Zeitfenster von den letzten 8 Minuten im Leben eines der Opfer des Attentat und findet dabei immer mehr über den Bombenleger; die Bombe und die Opfer heraus, doch ähnlich wie bei Henry´s Crime (mit der Theateraufführung), kommt es zu einem ersten künstlerischen Quantensprung, als Colter Stevens sich im Lauf des Film, immer weniger mit dem Attentat, dem Attentäter sich beschäftigt, denn vielmehr mit seinem eigenen Schicksal, nicht der Alternativwelt, denn der realen Wirklichkeit, zusätzlich verliebt sich Colter Stevens jener alternativen Realität in seine Reisebegleiterin Christina….

Colter Stevens: What would you do if you knew you have less than eight minutes to live?
Christina Warren: I´d make those seconds count

Die philosophische Komponente des Film, welche sich im Verlauf des Film in das Transzendentale steigert; unterscheidet den Film, hebt diesen aus der Durchschnittsmasse heraus und macht den Film zu einem geistigen Erlebnis; von einem spannenden Thriller zu einem Science-Fiction-Film mit einer philosophischen, beinahe religiösen Message.

Der Film wird in seinen Schlußmomenten, gleich dem Film Henry´s Crime, zu einem erhebenden, positiven Erlebnis; zu etwas Wunderschönen, erhöht die virtuelle Wirklichkeit des Theater/der Alternativwelt, sich über die profane Realität, um die Kunst, das Leben, die künstlerischen Möglichkeiten zu feiern….und so wie in dem Film Henry´s Crime am Ende der Film die Dimension wechselt, in jene des Theaterstück „Der Kirschgarten“; so wechselt im Film „Source Code“ der Hauptdarsteller andauernd die Dimensionen, um am Ende des Film in der alternativen Realität mit seiner Bekannten….

Eine positive Message von unglaublicher Aussagekraft; das kein Terror, kein Tod den Menschen in die Knie zu zwingen, das die Liebe obsiegt ob Gewalt und Mord, das kein menschliches Monster den guten Menschen, wie einem Us-Offizier Colter und seiner Bekannten Christina etwas anhaben kann….das am Ende die Schönheit, das Leben und nicht der Tod, die Zerstörung, der Terror und der Hass gewinnt!

Es wechseln also beiden Filmen, sowohl bei Henry´s Crime, als auch bei „Source Code“ am Ende die Dimension, in welchem der Film stattfindet….bei Henry´s Crime wird die Theaterbühnenaufführung zur realen Realität und bei „Source Code“ wird für die Hauptdarsteller die alternative Realität zur eigentlichen Realität.

Aber und dies dargelegt, als Kontinuität im Film, gilt es doch auf den wichtigsten Punkt beider Filme zu gelangen….welcher nicht die Hauptdarsteller und nur zum Teil die Handlung dann ist….denn der Mittelpunkt beider Filme, ist die in beiden Filmen auftretende Schauspielerin Vera Farmiga.

Jene spielt in Henry´s Crime die in der Provinz verloren gegangene Schauspielerin Julie und in Source Code die US-Air-Force-Captain Coleen Goodwin….und obwohl Source Code von Ben Ripley geschrieben und Henry´s Crime von Sacha Vervasi und Co. geschrieben wurde, ist doch die Ähnlichkeit der Thematik unübersehbar….die Kontinuität liegt also nicht nur in der Ähnlichkeit der Art und Weise wie eine Geschichte erzählt wird, obwohl diese überhaupt nichts miteinander zu tun haben; liegt nicht nur in dem in beiden Filmen stattfindenden künstlerischen Quantensprung hin zu einer anderen Dimension/Realität….als aufbauendes Element künstlerischem Können….denn es liegt jene Kontinuität dann doch vor allem im eigentlichen Mittelpunkt beider Filme, welche zufälligerweise/nicht zufälligerweise, die in beiden Filmen auftretende Schauspielerin Vera Farmiga dann ist, welche ihr Regiedebüt dieses Jahr veröffentlicht hat. *6

Zwischen den Avataren, dem 3D; den Sequels und den Prequels; der Vampire-Teenie-Serie; Fast Five und animierten Plastik, gibt es eine Schauspielerin wie Vera Farmiga….einen Menschen aus Fleisch und Blut, kein artifizielles Plastikgesicht, denn eines mit Leben….eine Schauspielerin, welche beiden Filmen, sowohl Henry´s Crime und Source Code, als der eigentliche Mittelpunkt sich herausstellt….um welche die Handlung, die Personen, der Film sich dreht und bewundernswert ihre Leistung….als geerdeter Mensch zu erscheinen….und nicht als Plastik….oder als Model mit Vorlieben für die Monster aus Wirtschaft und Politik….ein richtiger Mensch aus Fleisch und Blut und wie lange hat man darauf gewartet….wieder eine starke Frauenfigur in einer Hollywood-Produktion zu sehen (der Hollywood-Kingpin Steven Spielberg hat dies in 47 Filmen nicht geschafft)….und hier liegt auch die Kontinuität im künstlerischen Sinne dann vor….in der Wahl der Rollen….welche weniger komerziellen, denn künstlerischen Kriterien folgen (abgesehen vom seichten „Up in the Air“)….und dabei tolle Filme wie Source Code oder Henry´s Crime, entstehen….

Es liegt die künstlerische Kontinuität nicht nur in der Rollenwahl, denn dem Anspruch einen tollen Film zu machen, auch wenn der Regisseur von Source Code ein Produkt des Nepotismus, wie Kevin MacDonalds *7 ist, so ist es dem Teams beider Filme gelungen, vielleicht nicht kommerziell einen Hit zu produzieren, aber künstlerisch einen Anspruch zu stellen, zwischen all der Alltags-Durchschnittsware, welche z.b. Fast Five auch zu komerziellen Hit´s werden lässt….

Denn Filme nicht für die debile Masse, nicht für das provinzielle/italienische Establishment zu produzieren; denn Filme, welche einen aus dem Alltag herausheben….einen entführen in eine andere Welt, welche wiederrum in eine andere Welt entführt werden….in eine andere Dimension….womöglich dann in jener, einer künstlerischen Verwirklichung und nicht der Faschistenkriecherei….einer besseren, schöneren Welt, als jene der Mörder und Vergewaltiger der Provinz und Italien….einer Welt, in welcher Kunst noch einen Wert und nicht alles auf Geld und Flittchen reduziert wird….einer Welt, wo Filme eine Aussage haben und nicht nur das Widerliche, das Faschistische, das Gestapokratische unterstützen….das Volk sich debil zu halten, abgerichtet der jungen, hübschen Mädchen durch Kokain, wie der italienischen Geschäftswelt….denn auch Filme mit Menschen, die wie Menschen aussehen; Filme mit einer Handlung für intelligente Menschen….Filme mit einer Schauspielerin wie Vera Farmiga….

Anmerkungen/Links:

*1
http://bunker99.blogspot.com/2009/12/kontinuitat-ist-fur-mich-ein-wichtiger.html

*2
http://www.imdb.com/title/tt0080736/

*3
http://www.imdb.com/title/tt0092099/

*4
http://www.imdb.com/title/tt1220888/

*5
http://www.imdb.com/title/tt0945513/

*6
http://www.guardian.co.uk/film/2011/mar/27/vera-farmiga-film-interview

*7
http://bunker99.blogspot.com/2009/11/ein-film-state-of-play-von-kevin.html

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: