Die Obszönität (z.ü.)

Georg Büchner, ein deutscher Schriftsteller des Vormärz; früh und unvollendet mit 23 Jahren im Jahre 1837 verstorben; Autor der Dramen Leonce und Lena; Woyzeck, Pietro Arentino und Danton´s Tod, war in den letzten Jahren seines Leben ein gehetzter, von vielerlei Seiten bedrängter und verfolgter Revolutionär, dessen politisches Bestreben sich danach ausrichtete, die Situation der armen und entrechteten Bevölkerung, zu verbessern.

Diesbezüglich zu erwähnen gilt es vor allem den „Der Hessische Landbote“; ein von ihm verfasstes achtseitiges Pamphlet gegen die sozialen Missstände und die Verschwendungssucht der Obrigkeiten; eine Flugschrift, welches im Jahre 1834 in einer Auflage von 1.200 Stück, von einigen Studenten, unter welchen sich auch Büchner befand, in Hessen verteilt wurde.

Damals wie heute reagierten die Obrigkeiten auf jene Angriffe auf die „Unantastbaren“ mit Repression, welche sich in jenem Fall dadurch manifestierte, das alle an der Entstehung und Verteilung des Flugblatt Beteiligten entweder zu langjähriger Festungshaft bzw. sich in das Ausland absetzen mussten; Flucht bis zum Exil.

Hervorzuheben gilt es dabei im Besonderen den Lehrer/Pfarrer Friedrich Ludwig Weidig:

Weidig, aus dessen Familie auch der berühmte deutsche Sozialdemokrat Karl Liebknecht (1919 ermordet) stammte, weigerte sich nach ersten Festnahmen mit seiner Familie zu fliehen und wurde kurze Zeit später inhaftiert; wobei er anschließend von den „Guten“ auf das schwerste körperlich misshandelt und isoliert worden war; sein Wille gebrochen und nach zweijährigem Martyrium begann er Selbstmord (wobei diesbezügliche Quellen auch von einem erzwungenen Selbstmord; somit Mord, sprechen; da ihm u.a. die ärztliche Versorgung verwehrt wurde; zusätzliche Schnittwunden nicht von ihm selbst an ihm zugefügt wurden)

Aller Wahrscheinlichkeit nach; den historischen, überlieferten Quellen somit widersprechend, handelte es sich um einen als Selbstmord getarnten Mord….denn nur vier Tage zuvor….war Georg Büchner in Zürich an einer Krankheit verstorben….und somit waren innerhalb von vier Tagen die beiden Rädelsführer jener Schrift verstorben.

Da ich für das Posting die Überschrift „Die Obszönität“ gewählt habe, möchte ich mich im Folgenden auch nicht allzusehr mit jener revolutionären Schrift, mit Weider, Minnigerode oder Schütz beschäftigen; mit jenen so tapferen Männern, welche ihr Leben und ihre Freiheit hingegeben hatten; damit sich für das Volk etwas zum Besseren wendet….ein Kampf der ihre, welcher dann im Jahre 1848 Früchte trug….für welche diese den Samen der Revolution unter das Volk gestreut hatten…nachdem die Sizilianer sich gegen die spanische Fremdherrschaft erhoben hatten (wobei die Einigung Italien´s, die dieses Jahr gefeiert wird, vor allem eine Befreiung von der österreichischen/spanischen/französischen Fremdherrschaft damals war), griff das Revolutionsfieber im März auch in die deutschen Herzogtümer über….erhoben sich die Völker Deutschlands gegen die Restauration der adeligen „Guten“, welche zum Absolutismus und der damit einhergehenden völligen Entrechtung und Knechtung des Volkes zurückkehren wollten.

Denn ich möchte mich mit Büchner´s Drama „Dantons Tod“; 1835 innerhalb weniger Wochen geschrieben und im gleichen Jahr noch veröffentlicht, beschäftigen.

Dantons Tod handelt von einem der Anführer der französischen Revolution Georges Danton; dessen Gegnerschaft zur Herrschaft von Robespierre, dessen letzten Tage und seines Todes.

Ich möchte nunmehr nicht allzusehr auf den Inhalt des Drama, denn kurz auf ein Detail am Rande eingehen; welches bis zum heutigen Tag falsch wiedergegeben wird.

Nachdem Georg Büchner verstorben war; seine Werke veröffentlicht waren, wurde wie in solchen Fällen bis heute üblich, ein Schleier der gesellschaftlichen Ächtung; des aus jedlichem Diskurs drängen; des dem Vergessen und Verdrängen anheim zu Fallende, über dem künstlerischen Werk Büchner´s, verhängt; denn wie man bekanntlich weiß, künstlerische Größe richtet sich dann vor allem an der Anbiederung, der Vergöttlichung des jeweils herrschenden Establishment.

Diesbezüglich muss festgehalten werden, das obwohl Georg Büchner bald als einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Literaturgattung Vormärz galt; dessen Werk mit dem Makel des Anrüchigen behaftet war; gemieden wurde; wie allerzeiten die Menschen darum bemüht vor den Mächtigen und Reichen bückelig sich einzukriechen; während auf all jene, wie Büchner, wie Weider, sich Spott und Hohn der Massen ergoss.

Es muss also festgehalten werden, das George Büchner´s Dramen nicht aufgeführt wurden; denn jahrzehntelang verschimmelten und verfaulten; genau solchermaßen, wie von den „guten“ Obrigkeiten beabsichtigt und erst im fernen Jahre 1895, beinahe 60 Jahre später, einem anderen Zeitalter, Büchner´s relativ harmloses Lustspiel „Leonce und Lena“ seine Uraufführung in einem Theater dann hatte; vor allem dadurch das diese politische Satire, in seinen Anspielungen im Jahre 1834; dann vom Publikum nicht mehr erkannt wurde, bzw. die im Drama angegriffenen Personen aus dem Establishment in der Zwischenzeit verstorben waren.

Das Drama Dantons Tod wurde 1902 uraufgeführt und Woyzeck 1913; 65-76 Jahre nach dem Tod des Schrifsteller, wobei ich nunmehr ein Detail bezüglich Dantons Tod anführen möchte.

Jahrzehntelang galt Dantons Tod als unaufführbar; unspielbar (und wohl deshalb gehört es heute zu den Standardwerken, welche sehr viele Theater aufführen?)….und wurde somit von den Theatern nicht gespielt; so steht es im Wikipedia-Eintrag und solchermaßen lautet die gängige Meinung.

Der eigentliche Grund warum Dantons Tod nicht aufgeführt wurde, lag nicht an der Unspielbarkeit, denn hatte einen gänzlich anderen Grund.

Büchners Dantons Tod galt den Theatermachern, dem politischen/wirtschaftlichen Verantwortlichen jahrzehntelang (bis ein mutiger Theatermacher jenes Stück 1895 uraufführte) als zu obszön.

Und wenn man jetzt jenes Drama liest; dann wird man keine Ausdrücke, wie diese heute gebräuchlich und auch von mir verwendet werden, vorfinden; keine solcher Kraftausdrücke; keine Vulgaritäten; denn ein aus vielerlei Quellen zusammengeflicktes Werk; welches heutiger Zeit gar nicht bis überhaupt nicht als obszön auch nur im Entfernsten gilt.

Wenn also keine Schimpfwörter; keine Kraftausdrücke; keine Vulgaritäten im Text enthalten sind; woran nahm dann jahrzehntelang das „gute“ Establishment Anstoß?

Und das Obszöne am Werk ist nicht nur seine Modernität; denn vor allem die Tatsache, das nicht wie in den GeschichtsDramen Shakespeare die Hauptdarsteller als übermenschlich dargestellt werden; befreit von irdischen Qualen und Genüssen; das Große und Ganze im Mittelpunkt stand und steht.

Denn das Obszöne an Büchner´s Danton Tod, war, das Büchner seine Figuren menschlich gezeichnet hatte; Menschen/historische Figuren, welche Lust hatten; welche irdische Neigungen hatten; schwach waren; menschlich; wie du und ich und nicht ein Bild der Welt, des Adel´s dann zeichneten, welches abgehoben, zu reinen Kunstfiguren dann; artifiziellen Gestalten, mit deren inneren Zwiespalt sich das Publikum identifizieren konnte; denn ein Danton, ein St. Just, eine Julie, ein Lacroix waren menschlich gezeichnet; Menschen mit Problemen, Menschen mit einem Leben und nicht ein König Lear oder ein Hamlet; losgelöst von irdischen Problemen wie Essen, Schlafen und Sex.

Diese Zeichnung der Figuren durch die Hand Büchner´s war jenes, was das Mißfallen der Obrigkeiten/des Establishment erregte und nicht etwa die Sprache bzw. der Inhalt.

Obszön war also nicht die Sprache/der Inhalt, denn die Tatsache, das die Obrigkeiten/das Establishment jene Figurenzeichnung Büchner´s für obszön hielten; anstößig, unkünstlerisch, wertlos….und vor allem dann wohl Majestätsbeleidigung, das nach der Französischen Revolution nicht nur der Adel und die Obrigkeiten Menschen waren, denn plötzlich auch das Volk.

Es geht also nicht um Kunst oder um bahnbrechende künstlerische Werke, wie etwa jenes von Georg Büchner, denn es geht darum, ob jene Kunst mit der Meinung des Establishment kongruent war und ist; es geht darum ob das Kunstwerk das Wohlgefallen des Establishment auslöst.

Daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert; die Formen der Repression sind subtiler, hinterhältiger, versteckter; das Kunstwerk an sich bleibt verdächtig; mit dem Makel der Anrüchigkeit behaftet; während das Handeln der Händler, das Regieren der Politiker, das Verklagen/Verteidigen der Anwälte frei von solchen Ressentiment war und ist.

Was der Kunstmarkt/der Büchermarkt zum Erfolg darbietet, ist somit ein vorgefertiges Produkt, welches im besten Fall, dem Establishment schmeichelt und somit massiv gefördert wird.

Und wenn man jene Beurteilung des Establishment, welche auch den Tod bedeuten kann; die soziale Ächtung aber mindestens; einmal näher betrachtet; was als obszön z.B. galt und gilt; nicht etwa das Verhalten etwa Angehöriger der herrschenden Klasse, denn obszön ist dann immer der Künstler und dessen Werk.

Und wenn ich mir meine Fragmente (mit Ausnahmen) durchlese; dann könnte es in meinem Fall ja wohl auch mindestens 60 Jahre dauern, denn diese sind ja zweifelsohne obszön….so wie Büchner´s Werke vor 175 Jahren es waren….es wird ja kein Honig um die verwöhnten Münder der „Guten“ geschmiert….also des Establishment und der Obrigkeiten….musste Büchner um sein Leben fürchten, da er die Wahrheit geschrieben hatte und nicht den üblichen Bullshit-Zeitgeist-Müll….welcher natürlich den großen Erfolg hatte.

Aber bevor ich den Faden verliere….Büchner´s Werke galten also als obszön….etwas was heute im Anbetracht jener Kunstwerke, dann selbst obszön nicht nur wirkt, denn ist und somit stellt sich doch die eigentliche Frage….was ist obszön….das schriftstellerische Werk Büchner´s….oder nicht viel mehr die jahrzehntelange für obszön erklären des schriftstellerischen Werk Büchner`s durch die Obrigkeiten/das Establishment….und bei klarem Verstand kann die Antwort nur lauten, das eigentlich jene moralisch und ethisch so integren Herrschaften und Damen dann obszön waren.

Und um zum Schluß zu gelangen:

Die Provinz/Österreich/Italien/….damals wie heute….das Künstlerische, welches stört/aneckt/Probleme bereitet, ist obszön; nicht jene oder jener….jener….gehört strafrechtlich verfolgt, in die Psychatrie, in das Gefängnis, abgeschoben/ausgewiesen (wobei ich festhalten möchte, das z.B. ein Großteil beinahe schon, der großen Schriftsteller der Geschichte; auch der italienischen Schriftsteller; ein Giuseppe Tomasi di Lampedusa; ein Carlo Goldoni, ein Dante Alighieri, ein Petrarca; das ein Heinrich Heine, ein Thomas Mann, das ein Großteil der größten Schriftsteller ihrer jeweiligen Zeit in das Exil gedrängt wurden; ihre Heimat verlassen mussten)….ja am nächsten Laternenpfahl aufzuknüpfen, die medizinische Versorgung verweigern oder gleich provinziell in den Fluß zu schmeißen.

Und ich möchte diesbezüglich nunmehr nur noch anmerken….nicht das Schreiben/das Leben/das Verhalten jener Schriftsteller….eines Carlo Goldoni, eines Petrarca, eines Heine, eines Thomas Mann war obszön….denn es war immerzu das Verhalten/das Handeln/das Brutalisieren des Establishment obszön….es war ein Handeln der Obszenität….damals wie heute….ein vulgäres, sexistisches, brutales Vorgehen….und somit waren und sind nicht die Kunstwerke/die Künstler obszön….denn es war und wird immer das Establishment mit all seinen Knechten obszön sein und bleiben.

Eine Antwort to “”

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