Kalt *

1
Es dreht sich um die Annehmlichkeiten.
Im Mittelpunkt des Kreises steht er.
Die kleineren, die mittleren, die großen.
Die alltäglichen, die ungewöhnlichen und die überflüssigen Annehmlichkeiten.
Er ist umgeben von Annehmlichkeiten.
Kleinen Gefälligkeiten, dankbaren Blicken, liebevollen Gesten, sanften Entgegenkommen, Respekt und Aufmerksamkeit.
Er hat seinen Platz in der Provinz gefunden.
Sein Selbstbild hat jeglichen Zweifel liquidiert.
Beflissentlich blicken Heerscharen von Menschen zu einem wie ihm hinauf
und erreichen doch niemals seine Arroganz.
Um so mehr bemühen sich die Menschen.
Er hat es sich eingerichtet.
Die Provinz liegt ihm zu Füßen.
Seine Aufmerksamkeit gehört voll und ganz den Annehmlichkeiten.
Die Annehmlichkeiten drehen sich um ihn.
Er ist der Kreis und der Mittelpunkt in einem.
Gut geht es seinen Menschen und besser ihm.
Die Marken von Welt prägen seine provinziellen Ansprüche.
Sein Gaumen kennt nur die Sattheit.
Einer wie er hat verstanden.
Die Welt hat einen neuen Namen bekommen.
In seiner Kirche namens Wohlstand sind Besitz und Konsum die einzigen Wert.
Er lebt die Denkmuster aus Sehnsüchten und Bedürfnissen aus, welche für die anderen auf unerreichbar zugeschnitten werden.
Es lohnt sich wieder nicht nachzudenken.
Er braucht keine Ellebogen. Er hat eine Position.
Und er hat verstanden.
Das Wesentliche ist die Reduktion, damit das Unwesentliche zum Wesentlichen verkommt.
So funktioniert der Materialismus.
Wesentlich sind also seine Ansprüche; man reduziert sich, damit er kann.
Es ist so einfach und trotzdem versteht es beinahe keiner.
Eine Hand wäscht die andere und sauber bleibt nur der Dreck.
Die größten Talente in solch einer Welt sind die Anpassungsfähigkeit und feiges Mitläufertum.
Nicht nur er ist sehr talentiert.
Künstler sind solche Menschen wie er.
Der Picasso des provinziellen System.
Der Matisse des Materialismus.
Veränderung ist unerwünscht.
Lumpen nannte Satre solche Menschen wie ihn, wenn dieser nicht gerade seine Studentinnen; was dann doch, denkt er sich, diesen Satre wohl auch zu einem Lumpen gemacht hat.
Der Wille des Einzelnen ist das Opfer der allgemeinen Zufriedenheit, die viel mit Debilität und wenig mit Aufklärung zu tun hat.
Sicherheit und Stabilität haben in solch einem Kosmos einen einzigen Namen: Freiheit.
Satt die Trägheit, satter, träge die Sattheit, träger.
Der Wohlstand hat die Angewohnheit die Menschen zur Boshaftigkeit zu verleiten und in verschärfter Form zur Langeweile.
Reiche Menschen die sich langweilen sind gefährlich.
Langeweile ist Zeit zum Geschichten tot zu schlagen.
Er schlägt schon seit längerer Zeit Geschichten tot.
Somit wächst sein Ansehen.
Aber er hat keine Zeit.
Reflexion bleibt den Stehengebliebenen.
Er hat es eilig an diesem Morgen.
Der Geschäftstermin.
Aber vorher noch.
Genau.
Das Angenehme.
Das Kurzweilige mit den Verantwortlichen.
Sondieren, sich interessieren, um dann abzukassieren.
Seine Macht und Bedeutung tilgt die Zeit aus dem Terminplan.
Dichtgedrängt versammeln sich die Termine zu noch mehr Macht und noch mehr Bedeutung.
Enger wird die Krawatte gebunden.
Sein Blick bleibt hochkonzentriert, auch wenn der morgendliche Stau ihn an seine menschliche Hülle erinnert.
Er erreicht das Ziel.
Das noble Ambiente ist vom Allerfeinstem.
Die handverlesenen Kellnerinnen strahlen wie der Sonnenschein, lächeln wie ein Liebesgedicht. Wie immer das Schönste für das Geschäftliche.
Man trifft sich hier gelegentlich am frühen Morgen.
Wie die Scharfrichter.
Alle wollen so werden wie sie.
Zu Scharfrichtern.
Der Landespolitiker. Der hohe Beamte.
Der Primar.
Der Universitätsprofessor mit seiner neuen Assistentin, kaum volljährig.
Der Banker. Der Geschäftsbesitzer.
Der Immobilienmakler.
Der Chef der provinziellen Digos.
Er.
Der rechtschaffende Gesetzestreue.
Auffällig unfreundlich der Chef der Digos.
Dieser kann nicht anders. Er ist solchermaßen.
Dieser schlägt keine Geschichten tot.
Dieser schlägt die Demokratie tot.
Er verspricht den Sanften Arschfick´s.
Er ist kein Demokrat, nur ein widerlicher Faschist.
Das übliche Geplänkel um die Summen.
400, 500, 800.000.
Und das Spotten. Und das Auslachen.
Die Herren der Provinz.
Und das Spotten von oben herab. Das Auslachen.
Das boshafte Züngeln.
Geschäfte.
Der mit dem und die schon wieder mit dem.
Leben ruinieren und dafür, wie sollte es auch anders sein, Respekt ernten.
Provinzielle Geschäftsmethoden.
Das Frühstück wird von zwei grazilen Kellnerinnen gereicht; von einer Schönheit
die noch keiner ihrer Feinde erblickt hat.
Der Primar und der Banker beginnen beim Anblick dieser zu grunzen.
Ein Schwein, ein richtiges Schwein würde sich angesichts solcher Personen wohl in Grund und Boden schämen, denkt er sich.
Er schweigt, genießt die aufgesetzte Freundlichkeit anschmiegsamer weiblicher Blicke und denkt sich:
Diese sittliche Verwahrlosung.
Gerade jener, welche Stil und Klasse beanspruchen.
Dieser Umgang der Menschen miteinander, dem es an allem mangelt, außer an Brutalität.
Die soziale Kälte.
Die Schlampen- und Hurensöhnementalität.
Und wie sehr dies den jungen, hübschen Dingern gefällt.
Diese schiefen Kanten. Dieses Ungleichgewicht zugunsten der Ungerechtigkeit.
Die Unverfrorenheit. Ungeschliffenes. Dieses populistische Pöbelhafte, das so gut, so unglaublich gut ankommt.
Diese verzerrten Grimassen und Fratzen.
Dieses zwanghaft verordnete Ritual alles auf das Materialistische, auf Konsum und Besitz zu reduzieren.
Dieser Anpassungsdruck von allen Seiten.
Die subtile Repression, die Ausgrenzung und die Isolierung.
Dem Geschäft dem Vorrang vor dem Leben zu geben.
Die Drohkulisse der Mächtigen und Reichen.
Das Auslachen der Menschenwürde und die gleichzeitige Maßlosigkeit der Auslachenden.
Wie beflissentlich die Staatsorgane.
Wie bestialisch der Pöbel.
An einem Tisch im Lokal einige Söhne und Töchter höchst, wie sollte es auch anders sein, erfolgreicher Väter.
Wie sie diese herangezüchtet haben.
Ja-Sager, Sportler, Optimisten, Frauenhelden, autoritätshörig, erfolgreich, Gewinner, Vorbilder, Trendsetter, Idioten.
Wie sie sich beflissentlich zu ihrem Zweck instrumentalisieren lassen.
Im Sinne der weltlichen Obrigkeit.
Auf den Materialismus ihren Lebenssinn reduzieren.
Dieses „Ich habe Geld, ich darf und tue alles“ gefolgt sogleich vom einem „Ich bin besser, da ich Geld habe“.
Einem „Besser“ das ihnen jeden Tag von Medien, Politik, Gesellschaft, Behörden und Staat bestätigt wird.
Diese Brutalität im Umgang zwischenmenschlich.
Zur Norm erhoben.
Das Meinungsbild von Menschen wie ihm.
Also dieses dumpf-verrohte österreicherisch-provinzielle, also dieses hinterwäldlerische Heimtückische.
Dieses unreflektierte Bodenstämmige, diese Schweiß und Tränen Schmonzette, in welcher nur das Praktische einen Sinn hat.
Dieses schwitzende, aus allen Poren nach Unmenschlichkeit stinkende, Emporkommen mit verrohten Methoden zum Ziele der eigenen Bereicherung.
Dieses „Groß-Tun“ ohne jedlichen Ansatz; ja Substanz; diese in der Selbstgerechtigkeit versinkende Lebensauffassung österreichisch-provinzieller Prägung, in der es nur um Selbstbehauptung, Abgrenzung und primitiven Lustgewinn geht.
Das dumpfbackende Herablassende, welcher mit der Dummheit den Pöbel mit der Elite eisern zusammenschmiedet.
Dieses hinterhältige Ränkelspiel aus Gier und Neid.
Es wird jetzt am Tisch lauter gespottet und ausgelacht.
Wie in allen Kulturen reich an Materiellen, fehlt es nicht nur an Kultur, Eloquenz und Intelligenz, denn vor allem an der Seele.
Aber wie er so beobachtet.
Dieses dumpfe österreichisch-provinzielle in der verzerrten Grimassen der Debilität, welche so erfolgreich im Gesellschaftlichen reüssieren.
Das Schimpfen, das Jammern, der Pöbel, die Elite.
Das Geld scheint sie alle unglücklich gemacht zu haben und schuld ist der Arme, der Ausgebeutete, der Schwache, der Hilflose….
Vereint die Elite und der Pöbel in ihrem Hass auf jene die Mut haben, die Kraft und den Glauben.
Gegenseitig kontrolliert der Pöbel auch mit Gewalt, das niemand ausbricht aus diesem Gefängnis der Selbstbegrenzung.
Alle singen das Lied des Establishment.
Ihr Lied.
Am Tisch neben den an Erbe reichen und an Empathie armen Jugendlichen einige italienische Geschäftsmänner.
Porco, Stronzo, Pezzo di merda, Pazzo, Matto.
Es sind wohl erfolgreiche Geschäftsmänner.
Der Code bleibt bei allen Anwesenden der gleiche: die Verachtung.
Ihr Geschäftsgebaren erinnert ihn für einen Moment an den Nazionalsozialismus.
Der Nazionalsozialismus.
Wie naiv die Menschen doch sind?
Porco, Pezzo di merda, Matto, Malato, Stronzo.
Ihr verbales Einerlei hat sich der Verrohtheit ländlicher Sitten angepasst.
Nur mit äußerster Mühe hält sich der Lack der Zivilisation an ihren Gesichtern nur fest, um unter ihren ausgespuckten Fluchwörtern zu Hass zu zerbröseln.
Übermüdet wird die Maske der aufgesetzten Freundlichkeit.
Ihre Litanei richtet sich gegen den Schwachen, den Wehrlosen, den Armen, gegen alles was nicht wie sie ist.
Sie sind sehr einsam in dieser Welt.
Aber natürlich halten sie sich für die Mehrheit.
Wie auch nicht.
Sie sind hier ja in der Provinz.
Aber sein Blick schweift zu den Anwesenden.
Von der Welt wollen sie nichts wissen, dafür alles über den Nächsten.
Was für ein dumpfer Menschenschlag, wenn nicht alle anderen noch viel dumpfer wären.
Der Pöbel würde trotzdem für sie sterben.
Warum?
Es gibt kein Warum?
Und er muss doch denken:
Sie berauschen sich am Primitiven und halten sich für modern.
Primitiv und roh und um so erfolgreicher im provinziellen Kosmos.
Es muss geprotzt werden mit dem was man hat.
Was man nur alles erreicht hat.
Es geht um das Protzen und nicht um das Sein.
Dieses verbale Niveau, ob deutsch oder italienisch, welches zwischen Mistsuppe und Jauchegrube pendelt.
Diese unglaubliche Vulgarität der Herrschenden, der Repressiven; wohingehend jeder Bauer als ein Schiller, als ein Goethe zu bezeichnen ist.
Und die Frauen die zustimmen, bestätigen, verstärken.
Die Arroganz der Habenden gegen die Wollenden.
Wie allerzeiten.
Stellvertretend wird das Nicht-Funktionierende, das Nicht-Einwandfreie, das Kritisierende, all jene die nicht an die Glückseligkeit des Besitzes und des Konsumes glauben, an das Kreuz genagelt.
Die Behördenvertreter in ihren Fantasieuniformen exekutieren den Willen der Reichen und Mächtigen.
Es wird viel exekutiert.
Und er muss sagen.
Dieses primitive-dumpfe so noble Getue.
Diese Bevorzugung der Dummheit, der Spott von oben herab, das unmenschliche, dieses schwitzende, aus allen Poren nach verdorbener Güte stinkende, verbohrte österreichisch-provinzielle, wo die abgelebten Gesichter zu keiner Regung mehr Kraft finden.
Diese Brutalität im Zwischenmenschlichen. Im Geschäftlichen.
Lauter wird gespottet. Grässlicher die Fratze des Hohn.
Eine Unkultur an Barbaren erinnernd.
Wo sich die Italiener gar nicht mehr anpassen müssen, denn sich gleich wohlfühlen.
Und er denkt sich.
Alle sind gut versorgt.
Alle die mitspielen und auf der Habenseite das Allerniedrigste verkörpern.
Alle mit Brutalität in Denken und Tun.
Und er denkt sich.
Dies gefällt ihm.
Diese Brutalität.
Zwischenmenschlich. Geschäftlich.
Denn es dreht sich um Annehmlichkeiten.
Im Mittelpunkt des Kreises steht er.
Er ist der Mittelpunkt und der Kreis.
Dieses Primitive, dieses verbohrt Hinterhältige.
Das Schlampenhafte und die Hurensöhnementalität.
Das instinktlose Verrohte.
Das sinnlose Zerstören und Ruinieren.
Das Spotten.
Es wird lauter gespottet.
Das Auslachen.
Es wird lauter ausgelacht.
Dies gefällt ihm.
Er erhebt sich. Er grüßt. Er geht in sein Büro.
Diese Brutalität.
Dieses Primitive.
Dieses Tierische.
Dieses Bestialische.
Dies gefällt ihm.
Denn so ist auch er.
Er ist nur ein weiteres Kind der Provinz.

2
Im Neoliberalismus gilt der Arme, also derjenige, der sich, meist nicht mal freiwillig, der entsprechenden Moral- und Wirtschaftsordnung widersetzt, als Täter.
Um den „Sozialmüll“, der sich an den immer breiteren Rändern der freien Marktwirtschaft ansammelt, leichter zu entsorgen.
(zitiert von Loic Wacquant)

Früher hat er noch Sorgen gehabt.
Ob jener Vertrag oder jener Geschäftspartner.
Ob die Vereinbarungen in seinem Sinne, die Urteile, der Kunde und die Zufriedenheit.
Ob seine Eitelkeit, seine Eitelkeit und seine Eitelkeit.
Eigentlich ob die Eitelkeit.
Heute ist nur mehr die aalglatte Oberfläche.
An dieser prallt jede Sorge, jedliches Bedenken, Reflexion, ja Zweifel und menschliche Regung ab.
Seine Abgebrühtheit, seine Erfahrung, sein Kundenstock.
Mit der Zeit hat er sich in einen klassischen Technokraten gewandelt.
Ein Macher ohne Skrupel.
Einer der nicht nur über Leichen geht.
Ein Geschäftsmann.
Seine Anwesenheit erbringt einen Mehrwert.
Sein Bankkonto ist „Made in Dubai“.
Das Geld in Umlauf halten.
Also bei ihm.
Die Unglücklichen bis zum letzten Hemd abkassieren.
Und solche wie ihn findet man immer an der Spitze der Gesellschaft.
Er genießt alle Vorteile.
Premium, First Class und nur Liebe.
Sein Blick, das ist ihm letzthin selbst aufgefallen, hat den harten-arroganten Glanz der Banker bekommen.
Die Wohltäter im Nadelstreifen.
Wo das Gute zu Hause ist.
Wie Ameisenbären vor einem Ameisenhaufen.
Sein Besitz erstreckt sich bis zur höchsten Pforte provinzieller Macht.
Er erreicht das Büro.
Der Geschäftstermin.
Eine kurze Unterredung mit einem seiner Assistenten.
Die Sekretärinnen.
Es laufen keine minderjährigen Mädchen, keine Halbnackten, keine Studentinnen, keine Anschmiegsamen, so Offenherzigen hier herum.
Es ist hier kein Universitätsinstitut, kein Arztkittel, kein politisches Amt, kein Hinterzimmer.
Es ist hier kein weiteres Bordell, das sich Seriosität nennt.
Er hat eine Firma zu leiten.
Hier hat nur das Geschäft zu zählen.
Nach wie vor.
Lockerer werden vielleicht Eisbären in der Karibik.
Aber hier herrscht der nüchterne Ton, das Geschäftliche, die Bilanzen, die Buchhaltung, der Erfolg.
Im Gegensatz zu den Banken hält er sein Wort.
Das dämmrige Morgenlicht wird abgeblockt.
Künstliches Licht.
Künstliche Produkte.
Künstliche Menschen.
Computermonitore flimmern.
Telefone kreischen.
Parteienverkehr.
Er hat für seine Sorgen Hochbezahlte.
Er braucht sich keine Sorgen mehr zu machen.
Hochbezahlte machen sich jetzt Sorgen.
Und er nimmt nur die Besten.
Kunden wie Angestellte.
Mit Geld kann man sich etwas leisten.
Mit einer Position braucht man sich nichts mehr zu leisten.
Das sich mit den Mächtigen „gutstellen“ hat er auch, so wie die Sorgen, vor langer Zeit aufgegeben.
Die Menschen stellen sich mit ihm gut.
Die Mächtigen. Die Reichen.
Der Rest zählt nicht.
Seine internationalen Kontakte.
Das Wissen um die Geschäfte.
Einer wie er taucht in keiner Spalte jedweder Zeitung jemals auf.
Die Bühne überlässt er den anderen.
Diskretion ist das Zauberwort.
In Netzwerke ist er eingebunden, welche garantieren.
Er kann es sich aussuchen.
Er läßt für sich aussuchen.
Eine Assistentin stört ihn noch kurz vor dem Geschäftstermin.
Eine Unterschrift.
Eine Absolventin mit Höchstpunktezahl.
Gedrillt wie ein US-Marine auf Krieg.
Gedrillt auf das Geschäftliche.
Das Wirtschaftliche.
Beinahe eine Androgynie, wenn sie nicht so schön wäre.
Ersetzbar durch hunderte, ach zehntausende gleich wunderschönen, gleich aparten, gleich qualifizierten, gleich und gleicher.
Und doch einzigartig.
Er hatte einmal Sorgen.
Er hatte.
Auch die Zeiten der Affären sind vorbei.
Aus dem Vollsten des Leben schöpfen.
Schließlich gibt es nichts umsonst.
Solche aalglatten Technokraten wie er halten das System am Laufen.
Und wenn nur noch 2 Menschen davon überzeugt sein sollten.
Es wird weiterlaufen. Das System.
Auszeichnungen interessieren ihn nicht.
Ihn interessieren nur noch die Vertragsabschlüsse.
Die Zeit der Affären.
Aus Bedürfnissen entstehen Neigungen und aus diesen Spleens.
Er hat keine Spleens.
Er hat nur seine aalglatte Oberfläche.
Vielleicht sollte er eine Affäre beginnen.
Aus Langeweile.
Mit einer dieser unzähligen Wunderschönen.
Mit Hypothesen hat er sich noch nie abgegeben.
Denn nur mit Tatsachen.
Vor seinem inneren Auge läuft bereits der Film ohne Happy End.
Am Ende wird es nur, wie im Geschäftlichen, um die Kosten gehen.
Emotionale, psychische und vor allem finanzielle Kosten.
So eine Frau kostet.
Es geht ihm nicht um die Frau, um das Sexuelle.
Es geht ihm um den Besitz.
Eine solche Frau zu besitzen.
Wie einen Wandschrank.
Was würde ihm eine solche Wunderschöne heute kosten?
Würde es irgendetwas verändern.
Vielleicht doch.
Vielleicht würden die Menschen noch mehr spüren, dass in solch einer Welt das Gute nur ein Objekt des Spottes, des Hasses und der Verachtung ist.
Reduzieren damit er kann.
Er schüttelt sich diese Gedanken wie Staub von einem Tisch, ab.
Eine Unterschrift.
Ja.
Er ist hier in keinem stinkendem Bordell wo abgekämpfte Soldaten und korrupte Polizisten sich den Dreck der Straße von der Seele vögeln.
Er ist hier in seiner Firma.
Was seine Freunde aufführen.
Mit Menschen, mit Frauen, mit Mädchen, mit Jungen.
Ungestraft und hoch respektiert.
Diese Brutalität.
Er weiß es und blendet es aus.
Er möchte nicht daran denken..
Er bindet sich die Krawatte enger.
Niemanden hat nichts zu interessieren.
Damit Menschen wie er glücklich sind.
Aber solche Menschen sind nicht glücklich.
In der Natur der Dinge, dem Lauf der Zeit, am Boden der Tatsachen, am Grund des Flußes, in seinem Büro.
Niemanden hat nichts zu interessieren.
Seine herablassende Arroganz wird von allen als völlig normal wahrgenommen.
Das Verhalten seiner Freunde wird von allen als völlig normal wahrgenommen.
Das Gehure, Gesaufe, Gekokse, das und das und das und das.
Pathologisch gesehen.
Die Sehenden unter den Blinden.
Werden einer nach dem anderen geblendet.
Aber sie haben das Geld und die Macht.
Sein Hass wird als Freundlichkeit interpretiert.
Alle erwarten sich etwas Gutes und Schönes von ihm.
Er nimmt.
Das Beste in jedwedem System war schon immer für solche Menschen wie ihm bestimmt.
Für Menschen ohne jedliche menschliche Regung.
Auch da diese nicht anders können.
Vor dem Termin, in den Sekunden die verstreichen, blickt er auf die Straße hinunter.
Range Rover, BMW, Mercedes, Audi, Jaguar, Maserati.
Kleiner Porsche. Großer Porsche. Neuer Porsche. Alter Porsche. Sportlicher Porsche. Rustikaler Porsche.
Es wird geprotzt.
Das Protzen ist nicht nur wichtiger als das Sein.
Das Protzen ist eine Notwendigkeit Sein zu zeigen, wo keine Substanz vorhanden ist.
Substanzlosigkeit.
Substanzlose Menschen.
Also erfolgreich.
Substanzloses Einerlei.
Die Assistentin.
Eine Viertelstunde Verspätung.
Seine zwei bundesdeutschen Geschäftspartner.
Welche ihren Arbeitern wohl noch als Leichen das letzte Rest Leben und Kraft herauspressen würden.
Wo sie doch bei jeder Zahl bis zur zehnten Stelle hinter dem Koma allergenau sind.
Fabriken des Todes, Blitzkrieg, Sturzbomber.
Wo sind nur die deutschen Tugenden geblieben?
Er setzt sich an seinen Schreibtisch.
Überfliegt die provinziellen Zeitungen.
Ein Eishockeyspieler, welcher das Maskottchen der gegnerischen Mannschaft vor dem Spiel auf dem Eisplatz mit der geballten Gewalt seiner 93 Kilo schweren Testosteronmasse gerammt hatte.
Und unter dem Plüsch befand sich ein 14-jähriges Mädchen, welches man sofort in ein Krankenhaus fahren musste.
Er liebt die Provinz, wenn er solche Schlagzeilen liest.
Was für mustergültige Vorbilder diese Sportler doch sind?
Um so mehr Berge, um so mehr Eishockey.
Aber was für ein Vorbild diese Sportler.
Testosterongesteuerte Muskelpakete ohne einen Funken Verstand, auf Gewalt programmiert.
Hätte dieses sportliche Vorbild dies auf einer belebten Straße gemacht, wäre er sofort ohne wenn und aber verhaftet worden.
Anzeige. Körperverletzung.
La legge é uguale per tutti.
Was für Vorbilder, was für mustergültige Vorbilder mann doch hat.
Aber bei solch einem provinziellen Sportler genügt wohl eine Ermahnung.
Bestraft gehören die Armen.
Nicht die Funktionierenden.
Und gleich das nächste testosterongesteuerte Muskelpaket.
Dieser möchte Bürgermeister werden.
Für seine Stadt. Für seine Leute.
Nicht die Gesellschaft verdummt.
Die Gesellschaft war schon immer dumm.
Was für Vorbilder diese Sportler doch sind?
Noch so ein testosterongesteuertes Muskelpaket ohne einen Funken Verstand.
Dieser möchte Bürgermeister werden.
Noch so ein widerlicher Faschist, natürlich gemäßigt, schließlich gilt es ja jeden Happen von Gourmetteller gewissenlos zu vertilgen.
Noch eine weitere Witzfigur in dieser provinziellen Schmierentragödie.
Er liebt die Provinz.
Dieses Provinzielle.
Diese Brutalität. Dieses Primitive.
Aber die Geschäftspartner sind soweit.
Man grüßt sich. Man kennt sich.
Der Hurenschweiß riecht beim einem aus jeder Pore seines Körpers.
Wie immer ist alles korrekt. Läuft alles korrekt.
Wird alles korrekt und war alles korrekt.
Korrekt.
Die Papiere sind in Ordnung.
Es fehlen nur noch 3 Unterschriften.
Davor das standesgemäßige gegenstandslose Geplänkel.
Dieses Restaurant und jene Frau.
Jenes Objekt und jener Wunsch.
Man bleibt deutsch.
Über das Geld wird nicht geredet.
Das bekommt und verdient man.
Er unterschreibt.
Die Geschäftspartner unterschreiben.
Wieder ein paar Leben ruiniert.
Wieder ein paar Zahlen weniger in einer Statistik, die keiner kennt.
So gefällt ihm das.
Der klassische Schreibtischtäter.
Unschuldig wie Eichmann und Konsorten.
Er macht ja nur seinen Job.
So wie alle anderen.
Man hat seinen Job zu machen.
Er macht seinen Job.
Die Brutalität seiner Entscheidungen erreicht ihn nie.
Fern hält er sich und der Pöbel richtet sich selbst.
Noch nie hat ihn jemand einen Schuldigen genannt.
Noch nie.
Und nicht die Klagedrohungen schreckt niemanden ab.
Er verabschiedet. Man kennt sich.
Korrekt ist der Tag, das Geschäft und die Geschichte.
Korrekt.
Geschäft ist Geschäft.
Deal ist Deal.
Arbeit ist Arbeit.
So machen es sich nicht nur Menschen wie er in ihrer perfiden Niedertracht und hinterhältigen Abgebrühtheit in ihrem Königreich.
So hat es zu funktionieren.
Und so funktioniert es.
Job ist Job.
Geschäft ist Geschäft.
Sagen doch alle.
Meinen doch alle.
Wissen doch alle.
Können doch alle.
Sind doch alle.
Vom weichgespülten Gesicht im Fernsehprogramm bis zum Sklaven auf der Plantage.
Job ist Job.
Haben die Nazis nach dem Krieg auch alle gesagt
Die Faschisten. Die Stalinisten. Die Schergen der Militärdiktaturen.
Alle haben nur Befehlen gehorcht.
Nur ihren Job ausgeführt.
Schuldig war von jenen nie einer.
Nie.
Schuldig sind nämlich die Opfer.
Wie auch nicht.
Jemand muss schlußendlich schuldig sein.
Und die Täter waren es noch nie.
Oder hat irgendjemand die Täter als Schuldige bezeichnet.
Diese Polizisten, Militärs und diese Polizisten und Militärs?
Die Schreibtischtäter, die Beamten und die Schreibtischtäter und Beamten?
Job ist Job.
Geschäft ist Geschäft.
Aber es gibt ja der Wirtschaft sei Dank den Fortschritt.
Heute braucht fast keiner mehr den Abzug zu drücken.
Heute muss keiner mehr seinen Charakter mit Verrat beweisen?
Heute gibt es Verträge, anstatt Kugeln, Granaten und Bomben.
Eine Unterschrift und nicht Hunderte sterben.
Tausende.
Und um so mehr leiden und sterben, um so höher das öffentliche Ansehen der Verantwortlichen; um so verrückter die jungen Hühner in Liebe solchen zugeneigt.
Geschäft ist Geschäft.
Business ist Business.
Haben alle verstanden.
Auch jene die nichts verstehen.
Vertrag ist Vertrag.
Job ist Job.
Auftrag ist Auftrag.
Er braucht sich nicht zu rechtfertigen.
Er ist stolz darauf.
Seine Verträge sind sein Zyklon B für die gesamte Welt.
Das Prinzip bleibt das Gleiche.
Es giert ihm nach noch mehr Zyklon B.
Seine Verträge sind sein Zyklon B. für die Menschheit.
Und um so mehr Verträge er unterschreibt, um so mehr wird er geliebt und respektiert.
Das System braucht solche Menschen wie ihn.
Schreibtischtäter.
Technokraten.
Seine Unterschrift ist sein Zyklon B.
Ja, früher hat er noch Sorgen gehabt.
Die Verträge, die Geschäftspartner.
Die Vereinbarungen, die Urteile, der Kunde.
Also seine Eitelkeit.
Früher hatte er noch Sorgen.
Jetzt hat er seine Verträge.

3
Solche Menschen wie er haben Vorbildfunktion.
Gewollt, ungewollt.
Es gilt den übelsten Charaktertyp vor der Masse als glänzendes Beispiel darzustellen.
Damit man noch mehr zu spotten und auszulachen hat.
Die Vorbildfunktion.
Damit alle brav aufblicken, wo nach unten Abgründe sich auftun.
Nach der anstrengenden Unterschrift, der Unterredung.
Er genießt kurz die Selbstzufriedenheit.
Es schlägt ihm kein Hass entgegen.
Der Pöbel liebt solche Menschen wie ihn.
Ob Faschisten oder Kommunisten.
Soldaten, Polizisten, Hausfrauen, Kinder, Pensionisten, Arbeiter.
Nur Liebe und Respekt.
Er kritisiert nicht.
Er eckt nicht an.
Er macht nur seine Verträge.
Auf der Habenseite solcher Menschen wie ihm wird immer die Dummheit der Menschen verbleiben.
Der Pöbel richtet sich selbst.
Doch die Zeit drängt.
Seine Wichtigkeit und Bedeutung verlangt seine Präsenz.
Er übernimmt Verantwortung.
Über sich. Die Firma.
Und wie sollte es auch anders sein.
Über die Gesellschaft.
Vor einiger Zeit hat er sich überreden lassen.
Bitten lassen.
In einer Runde.
Der Landespolitiker. Der Bürgermeister. Der Stadtrat.
Beknieten ihn.
Schmackhaftes.
Ein leichtes Spiel.
Dafür Dankbarkeit, Ergebenheit.
Noch mehr Dankbarkeit, Ergebenheit.
Liebe.
Noch mehr Liebe.
Solche Menschen wie er wollen immerzu der Gesellschaft von der sie nur genommen haben, etwas zurückgeben.
Damit in den Medien.
Schließlich haben die Reichen und Mächtigen nur gute Seiten.
Nur Positives zu sagen und zu tun.
Schließlich hat mann eine Position.
Man kann gar nicht negativ auffallen.
Das würde ja anderen die Position kosten.
Und es geht um die Kosten.
Finanziellen, politischen, psychologischen Kosten.
Alles kostet.
Er verlässt das Büro grußlos.
Er eilt durch die Altstadt.
Das Gesindel treibt sich herum.
Arbeitslose, Ausländer, Assoziale.
Er muss mit dem Gemeindepolizeikommandanten sprechen.
Sie nennen ihn Napoleon.
Damit er mit diesem Gesindel aufräumt.
Ein guter Beamter.
Hat verstanden.
Nach unten treten, nach oben kriechen.
So macht man nicht nur in der Provinz Karriere.
Mit Beamten, die seit dem Kindergarten nichts mehr dazugelernt haben.
Weg mit diesem Gesindel.
Er bindet sich die Krawatte etwas enger.
Diese Verpflichtung verflucht er nicht.
Nur sich selbst diese angenommen zu haben.
In diesem provinziellen Netzwerk.
Sich einzubringen.
Natürlich hat ein solch übler Charaktertyp Vorbildfunktion.
Er eilt dahin.
Der Rektor erwartet ihn persönlich beim Eingang.
Wie immer ein einziges Gekrieche.
Ein Mann der Wissenschaft.
Ein Speichellecker.
Noch so ein Hochbezahlter provinzieller Prägung.
Talent? Wissen? Intelligenz?
Fehlanzeige.
Also für solch eine Stelle prädestiniert.
Zusammen flaniert man durch die Aula.
Und trifft den Mitvortragenden.
Der Chef der provinziellen Digos mit einem seiner Lakaien.
Auffällig unfreundlich.
Dieser kann nicht anders. Er ist solchermaßen.
Anstatt zu grüßen.
Murmelt dieser andauernd sich wiederholend sehr leise ein porco, ein pezzo di merda, ein stronzo vor sich dahin.
Er denkt sich, nur die ganz schweren Fälle in der Psychatrie erreichen einen solchen Grad von Irrsinn wie dieser Chef der provinziellen Digos, seine Lakaien und der diese umgebenden deutschen wie italienischen Pöbel.
Genau der Richtige um die Sanftheit zu schlachten.
Die Gutmütigkeit zu zertreten.
Dem Idealismus, der Romantik den Garaus zu machen.
Er lässt diesen Gedanken fallen.
Der Rektor begleitet sie in den Vortragssaal.
Gegenstandsloses Geplänkel.
Man muss den Studenten zu verstehen geben.
Die Studentinnen haben meist schon verstanden.
Um was es im Geschäftsleben geht.
Nicht um Qualifikation, denn um Verfügbarkeit.
Zeitlich, menschlich, sexuell.
Was auch immer.
Nur auf wohlwollende Blicke treffen sie.
Er wird heute seinen Vortrag halten.
Von einem seiner Hochbezahlten geschrieben.
Kein Plagiat, denn sein Orginal.
Ein brandaktuelles Thema:
„Der Sozialmüll im Neoliberalismus:
Entsorgungsmöglichkeiten für den überflüssigen Menschen“
Deshalb auch die Anwesenheit des Chef der provinziellen Digos.
Er muss sich zusammenreißen, den neben ihm stehenden Chef der provinziellen Digos, der weiter Schimpfwörter vor sich dahinmurmelt, nicht eine.
Er könnte es sich leisten.
Die Kostenfrage.
Porcho, Pezzo di merda, stronzo.
Das Rosenkranzgebet des italienischen Pöbels hier in der Provinz.
Unfähig ist auch nur ein Wort unter vielen.
Und die Provinz.
Nimm einem ihrer Tyrannen 5 cent und der Tyrann wird kurz mit den Schultern zucken, während zehntausende die nichts damit zu tun haben, in einen Blut und Gewaltrausch verfallen werden.
Immerhin geht es ja um 5 cent.
Aber er kann auch nichts dafür.
Er kann nichts dafür, dass alle schlecht gelaunt sind.
Der Rektor. Der Chef. Sein Lakaie.
Er.
Der gesetzestreue Rechtsschaffende.
Aber man hat die Vorbildfunktion.
Welche alle Schwächen ausblendet.
Unverzeihliches verzeihen lässt.
Unmenschliches menschlich macht.
Man ist mächtig und reich.
Also fehlerlos.
Sie sind keine Soldaten.
Sie sind die Feldherren.
Der Rektor wird sich den Vortrag mitanhören.
Ein Hund sabbert weniger.
Er hört schon den Applaus, sieht jetzt schon die verliebten Blicke am Ende des Vortrag.
Den Respekt und die Anerkennung.
Auch wenn er von Vernichtung spricht.
Außerdem wird er gut bezahlt.
Finanzielle Mittel der Provinz.
Schließlich muss jedes faschistische, seichte und unmenschliche Projekt mit dem Geld des Steuerzahlers nicht bezahlt, denn gleich zugeschüttet werden.
Dem Prinzip der Provinz.
Mäuler stopfen.
Die Dummheit hätte die Intelligenz hier in der Provinz wohl endgültig besiegt.
Gebe es nicht Menschen wie ihn.
Der Monatslohn eines qualifizierten Arbeiter für 50 Minuten.
Eigentlich eine Frechheit.
In der gleichen Zeit.
Aber er hat sich überreden lassen.
Und alle denken er mache dies nur aus Wohltätigkeit.
Als Dienst an der Gesellschaft.
Aber er weiß, das im Gegensatz zum Glauben sehr vieler, die Politiker, die Wirtschaftler, die Medienleute ihre Arbeit nicht nur aus Liebe zu ihrem Portemonnaie machen.
Denn aus Liebe zu ihrem Bankkonto.
Höchstbezahltes für Höchstbezahlte.
So bleibt alles beim Gleichen.
Die Studenten strömen in den Saal.
Er bindet seine Krawatte etwas enger.
Die Vorbildfunktion.
Er ist jetzt ein Mann der Wissenschaft.
In 3 Jahren hat ihm der Rektor versprochen.
Die Ehrendoktorwürde.
Er macht sich nichts aus Auszeichnungen.
Ihn interessieren nur Verträge.
Der Saal füllt sich.
In den ersten Reihen sitzen nur Mädchen.
Eines schöner.
Das andere schöner.
Mittel- und Oberklasse-Abstammung.
Wie übrigens alle Studenten.
Jede möchte gedrillt werden wie ein US-Marine auf Krieg.
Nicht auf den Krieg.
Nicht auf Hitler.
Nicht auf Stalin.
Auf die Wirtschaft.
Welche ihnen Freiheit verspricht.
Also Materialismus.
Manche nennen es auch Unabhängigkeit.
Armut kennen sie nicht; nur die neueste Kollektion.
Eine Generation von Sorgenlosen.
Er streift ihre Gesichter.
Er blickt zum Chef der Digos. Seinem Lakaien. Dem Rektor.
Alle drei versuchen schwitzend und mit röter werdenden Gesichtern ihre Riesenschwänze in der Hose zu belassen.
In einem Stall geht es wohl gesitteter zu.
Es geht zum Pult und breitet seine Unterlagen aus.
Er bindet sich die Krawatte etwas enger.
Der Chef der provinziellen Digos flüstert ihm etwas Unanständiges in das Ohr.
Er muss an die Vorbildfunktion denken.
Die Studentinnen schwatzen.
Er beginnt die Männer der Wissenschaft in ihrem Elfenbeinturm zu verstehen.
Satre, Adorno, alle.
In diesem Jungbrunnen.
Vielleicht zu wenig brutal für seinen Geschmack.
Er steht mehr auf Verdorbenes.
Mit hochrotem Kopf tretet der Rektor zu ihm heran.
in dieser provinziellen Universität.
Natürlich die Beste weltweit.
Wie auch nicht.
Im Hinterwäldlerischen ist ja auch wirklich alles Weltspitze.
Es erscheint, als würde es dem Chef der provinziellen Digos und seinem Lakaie zu gelingen, ihre Riesenschwänze in der Hose zu belassen.
Er müsste sich schon schämen, wenn er nicht wüsste, was das provinzielle Establishment so treibt.
Von der Moral haben sie zumindest etwas verstanden.
Diese gilt nur für den Anderen, den Nächsten und niemals für einen Selbst.
Der Rektor flüstert in sein Ohr.
Die österreichische Methode.
Wissenschaftlich von den Dreckskerlen weltweit anerkannt.
Er kennt die österreichische Methode.
Diese besagt, dass nur der übelste Charaktertyp, der Gewinner, der Ja-Sager, jener, der sich diesem österreichisch-provinziellen anpasst, sich 1:1 mit dieser hinterwäldlerischen Heimtücke assimiliert; diesem unreflektierten Bodenständigen, nur jener Mann darf.
Der primitive Lustgewinn ist diesen vorenthalten, diesem glatzköpfigen Macho-Getue; dieser skiheilen Abgestumpftheit.
So ist das Allerschönste ihnen hörig.
Dem Rektor. Dem Österreicher. Ihm.
Bei dem Rest intervenieren die Behörden.
Schließlich muss dafür Sorge getragen werden, dass der brutalste Menschenschlag, der altersgeile Nimmersatt, der im Überlfluss Verwöhnte.
Der Rektor flüstert in sein Ohr, was er mit diesen Studentinnen.
Er wendet sich ab.
Ein plötzlicher Übelkeitsanfall betäubt seine Sinne.
Zum Glück.
Das Ekelgefühl übermannt ihn.
Der Ekel vor diesem Rektor, dieser Methode, diesen Mädchen, die nur darauf warten.
Das Ekelgefühl verstärkt sich nochmals.
Selten in seinem Leben hat er sich dermaßen geekelt.
Eine neue Übelkeitswelle.
Er blickt zu dem Chef der Digos und seinem Lakaie.
Beide mit beiden Händen in ihrer Hose um ihre Riesenschwänze unter Kontrolle zu halten.
Er denkt, das er ohnmächtig wird.
Die Vorbildfunktion.
Der Ekel tretet in riesigen Wellen auf und zutiefst bereut er sich überredet haben zu lassen.
Der Ekel möchte gar kein Ende finden.
Verschmitzt lächelt der Rektor ihn an und flüstert ihm noch etwas Unanständiges in das Ohr.
Er beugt sich auf seine Knie.
Die Übelkeit. Das Ekelgefühl.
Seine Knie.
Eine neue Welle des Ekelgefühl übermannt ihn.
Der Rektor. Der Chef der provinziellen Digos. Die österreichische Methode.
Der Laikaie.
Er beugt sich tiefer über seine Knie und übergibt sich in dem unter dem Pult befindlichen Papierkorb.
Er kotzt den Ekel aus sich heraus.
Er kotzt die österreichische Methode aus sich heraus.
Er kotzt sich den Anblick des Rektor aus sich heraus.
Er kotzt und kotzt.
Er kotzt den Ekel aus sich heraus.
Er kotzt die liebevollen Blicke der Studentinnen aus sich heraus.
Er kotzt sich den Anblick des Chef der Digos aus sich heraus.
Er kotzt sich das italienische Spitzelsystem hier in der Provinz.
BMW-bewaffnet.
Einen jeden Bauer zu einem Newton, zu einem Shakespeare.
Er kotzt und kotzt.
Er kotzt.
Wie die Geschäftsleute und die Behörden.
Sich gegenseitig.
Der Niedertracht und der Feigheit.
Er kotzt und kotzt
Er richtet sich wieder auf.
Der Schüttelfrost legt sich.
Der Ekel bleibt.
Die Vorbildfunktion.
Mit glasigen Augen blickt er durch die ersten Reihen.
Langsam beruhigt sich sein Magen und sein Gehirn.
Starr bleibt sein Blick an einer Studentin von bezaubernder Schönheit haften; die sich gegen alle Gesetze der Natur und für alle Gesetze des Geldes, geschmeichelt fühlt.
Eine neue Welle der Übelkeit.
Dieses Gefühl des Ekel.
Sie würde zu einem wie ihm nie nein sagen.
Niemals.
Keine.
Er überlegt ob er sich noch einmal übergibt.
Auch dieses rauskotzt.
Seine Vergangenheit, seine Zukunft.
Seine Gegenwart.
Einfach alles rauskotzt.
Ein neuer Ekelanfall.
Die Glocke läutet.
Er räuspert seine Stimme.
Ruhe kehrt in den Saal ein.
Einige in den hinteren Reihen schlafen sofort ein.
Er bindet sich die Krawatte etwas enger.
Am liebsten würde er nur noch den Ekel erbrechen.
Aber solche Menschen wie er haben Vorbildfunktion.
Gewollt, ungewollt.
Die Vorbildfunktion.
Er schimpft kurz zum Chef der Digos bis dieser schweigt.
Er beginnt mit dem Vortrag.
Der Sozialmüll im Neoliberalismus:
Entsorgungsmöglichkeiten für den überflüssigen Menschen

4.
Menschen wie er dürfen.
Eine Meinung haben.
Tun.
Die anderen haben.
Keine Meinung zu haben.
Zu wünschen. Zu erhoffen.
Enttäuscht zu werden.
Er hat.
Sein Heiligenschein glänzt.
Er wird bewundert.
Respektiert.
Also sein Geld und seine Macht.
Also sein Geld.
In einer Welt.
In seiner Provinz.
Er hat verstanden.
Es ist so einfach.
Wo keine Substanz ist.
Dort ist auch kein Sein.
Er ist.
Völker erheben sich.
Ferngesteuert von einem wie ihm.
Regierungen wechseln.
Es ändert sich nichts.
Zeitungen schreiben.
Seinen Ansichten folgend.
Menschen leben.
Nicht ihrer Natur.
Seinem Zweckdienlichem folgend.
Er ist auf einer Linie.
Mit seinem System.
Der Rest hat sich anzupassen.
Oder.
Er hat die Wahl.
Die anderen das Ergebnis.
Er ist auf einer Linie.
Und wie gut.
Besitz und Konsum.
Und mehr gibt es nicht.
Bei den allermeisten sowieso.
Dafür.
Und kein dagegen.
Keine Bank zieht ihn über den Tisch.
Kein Finanzkonstrukt namens Berater.
Keine Abschlussquote. Kein Börsenkurs.
Kein Renditenziel.
Geschäftliches sieht anders aus.
So wie er hat es auszusehen.
So sieht es aus.
Kein Cabrio. Kein Urlaub.
Kein Gucci.
Kein Erbanteil.
Sein Handeln ist nicht unmoralisch.
Unethisch.
Sein Handeln richtet sich ausschließlich
nach Prämissen.
Nach Zweckdienlichem.
Pragmatischen und Notwendigem.
Rationales Handeln.
Er ist.
Es ist so einfach.
Und trotzdem versteht es beinahe keiner.
Seine Brutalität.
Von italienischer Seite.
Von deutscher Seite.
Von allen Seiten.
Die eigentliche Brutalität.
Auch wenn die Medien es dann Nächstenliebe nennen.
Die im Dunkeln sieht man nicht.
Er schaltet das Licht dann aus.
Mit einer Unterschrift.
Und alle bewundern ihn dafür.
Wie naiv die Menschen doch sind?
Überwacht und kontrolliert werden andere.
Ihn beschützt nicht nur seine Funktion.
Nur Funktionierende.
Nur Gewinner kennt das System.
Überwacht und kontrolliert werden andere.
Drangsaliert und ruiniert.
Jene die die Wahrheit erahnen.
Jene die nicht einverstanden sind.
Wie schön alles läuft.
Die nicht nur Kulissen sehen.
Jene die sich nicht kaufen lassen.
Jene die komplexe Zusammenhänge erkennen.
Also ihr Leben nicht auf vögeln, spotten und fressen.
Reduzieren.
Es ist nicht nur eine überschaubare Anzahl.
Es sind nur Einzelne.
Angefeindet, ausgeschlossen, isoliert.
Nur Gewinner kennt das System.
Selbst die Verlierer halten sich für Gewinner.
Man hat zu funktionieren.
Es werden weniger.
Die Einzelnen werden weniger.
Sind weniger.
Der Preis.
Die Kostenfrage.
Charakter sucht man in einer Welt wie der seinen
vergeblich.
Alle sind auf seiner Seite.
Auch wenn diese „alle“ keine Seiten haben.
Oppurtunismus. Menefregismo.
Die Gesellschaft verdummt nicht.
Die Gesellschaft war schon immer dumm.
Was in der Zeitung steht stimmt.
Was er sagt stimmt.
Menschen wie er dürfen.
Eine Meinung haben.
Tun.
Er tut.
Globalisiert worden ist.
Unter anderem die Brutalität.
Die keine Verlierer kennt.
Globalisiert worden ist Handeln und Tun.
Die Überwachung und Kontrolle des Einzelnen.
Die weniger werden.
Weniger sind.
Hier bleibt alles beim Alten.
Hier bleibt alles wie er es sich wünscht.
Seine politische Haltung tut nichts zur Sache.
Links ist die Armut.
Rechts ist er.
Links ist die Mehrheit.
Rechts ist er.
Selbst wenn er allein wäre,
würden alle zu ihm halten.
Links ist die Geschichte.
Rechts ist die Gegenwart.
Man weiß gar nicht wer besser vor den Rechten kriechen kann.
Die Politiker.
Oder doch die Medien.
Er hat die Vorlesung beendet.
Der Applaus schmerzt seinen Ohren.
Die verliebten Blicke.
Die Übelkeit. Der Ekel.
Er geht sofort ab.
Er eilt nunmehr dahin.
Der Ekel.
Der Ekel verfolgt ihn nicht.
Der Ekel ist in ihm.
Er muss diesen Ekel loswerden.
Die verliebten Blicke.
Seine Knie zittern.
Er eilt zu einem Arzt.
Seinem Arzt.
Der Rektor und seine kollegiale Art und Weise.
Er muss sich beinahe übergeben.
Er versucht es auszublenden.
Den Ekel. Den Anblick. Die Übelkeit.
Er fasst sich einen Gedanken.
Wie der italienische Pöbel erscheint ihm dieser Rektor.
Nur da man irgendwann einmal das Wort Psychologie oder Psychatrie gehört hat, ist man noch lange kein Psychiater, kein Experte für Expertisen und Diagnosen.
Oder wie der deutsche Pöbel.
Schwitzend verbohrt, aus jeder Pore nach Unmenschlichkeit stinkendes provinziell-österreichisches, mit provokant bundesdeutscher aggressiver Arroganz, welche nur dem Praktischen einen Sinn, ja einen Platz in dieser Welt schenkt.
Arbeiten. Arbeiten! Arbeiten!
Als ob jede menschliche Regung, jeder Gedanke, jedes Gefühl diesem Einmachprinzip deutschen Leben zu opfern wäre; als ob jede Sekunde, jedes Leben, jede Natur auf diese Arbeit zu reduzieren wäre.
Nichts und nichts ergibt nichts.

Matto, pazzo, porcho.
Diese Psychologen und Experten der Ferndiagnose.
Im Privatfernsehen anhand der Betrachtung von Brüsten und Hintern erlernt.
Es ist hoffnungslos.
Er eilt zu seinem Arzt.
Mit 20 links. Mit 40 rechts. Mit 60 katholisch. Mit 80 tot.
L´italiano corre sempre in soccorso del vincitore.
Man stelle sich nur die Verwunderung vor, wenn es plötzlich einen Gegenangriff geben würde.
Mit 20 links. Mit 40 rechts. Mit 60 katholisch. Mit 80 tot.
Er hasst Stereotypen.
Er liebt das Außergewöhnliche.
Und findet es nicht.
Er hasst Klischees.
Auch wenn diese meistens stimmen.
Sein Arzt.
Der Arzt.
In der Privatklinik.
Es gibt hier in der Provinz keine Klassenmedizin.
Sagen die Politiker.
Die offizielle Version.
Es gibt auch keine Wolken und keine Berge in der Provinz.
Sollten die Politiker sagen.
Wer daran zweifelt ist zweifelsohne verrückt.
Die Menschen glauben auch noch den größten Irrsinn,
die absurdeste Behauptung, die abwegigste These.
Es braucht nur einen offiziellen Rahmen.
Zwei seriöse Gesichter.
Einen der Geld verdient und einer der arbeitet.
Zwei seriöse Gesichter.
Wer behauptet das Gegenteil?
Es gibt keine Klassenmedizin in der Provinz.
Alles andere ist eine Lüge.
Die Dampfwalze.
Was in der Zeitung steht stimmt.
Ärzte machen keine Fehler. Politiker sind Idealisten.
Die Wirtschaft sorgt sich um die Menschen. ….
Herzlich willkommen in der Provinz.
In den öffentlichen Krankenhäusern geht die Arbeitsbelastung zugrunde.
In Privatkliniken blüht nur die Selektion.
Natürlich allesamt Idealisten.
Als ob ein Porsche einen moralischen Wert hätte.
Oder eine Yacht. Oder eine Villa.
Nur die Materie hat einen Wert.
Substanzloses.
Er hat sich seinen Arzt ausgesucht.
Den.
Ja.
Er betretet das Gebäude.
Diskret und unbemerkt.
Hier gibt es keine Wartezeiten, es gibt hier nur Stil.
Von der Krankenschwester bis nach Harvard reicht.
Das Können.
Edles vom Feinsten.
Die Landespolitiker. Die Reichen. Die Funktionäre.
Hier trifft das Funktionierende auf Funktionierendes.
Es gibt keine Klassenmedizin.
Sein Arzt.
Der gleiche des Ministerpräsidenten.
Die Rückenschmerzen.
Ihn schmerzt etwas anderes.
Dieses Ekelgefühl.
Der Arzt nimmt sich Zeit.
Ist sanft, gutmütig und entspannt.
Eine neue Welle des Ekelgefühl.
Hier gibt es auch nur verliebte Blicke.
Falsch zu sein lernt man von Kellnerinnen.
Er lächelt angestrengt zu der Krankenschwester zurück.
Falsch ist schließlich nur die Armut.
Der Arzt nimmt sich Zeit.
Aber es gibt keine Klassenmedizin in der Provinz.
Er hat keine Zeit.
Die Privatklinik.
Dafür lohnt es sich noch zu kämpfen.
Bourgesie aller Länder vereinigt euch.
Ein Gespenst geht um in Europa.
Der Kassenpatient.
Nach einer halben Stunde.
2 Tabletten am Morgen.
2 Tabletten am Abend.
Fast schon ein Kalenderspruch.
An seinen Fehlern geht keiner der Funktionierenden hier in der Provinz zugrunde.
Gänzlich im Gegenteil.
Die Bestätigung erscheint aus den Fehlern zu erwachsen.
Der Zusammenhalt.
Hier halten sich alle für Gewinner.
Auch die Verlierer.
An seinen Fehlern geht keiner der Funktionierenden hier in der Provinz zugrunde.
Nur am Überfluss.
Menschen wie er verfügen.
Über die Mittel.
Haben.
Menschen wie er dürfen.

5.
Die unvorstellbare Dumpfheit.
Italienisch wie deutsch.
Pharmakologisch verstärkt.
Die 2 Tabletten.
Langsamer werden die verliebten Blicke.
Der Respekt und die Anerkennung.
Erträglicher.
Die Annehmlichkeiten kreisen um ihn.
Die Zeit Geschichten tot zu schlagen.
Etwas enger die Krawatte zu binden.
Die eigentliche Brutalität.
Die Vorbildfunktion.
Er ist eingeladen.
Am frühen Abend.
Langsamen Schrittes.
Durch einen Seiteneingang.
Auf den Hauptplatz.
Tausende.
In Spalier.
Aufgereiht die Behördenvertreter.
Der militärische Gruß.
Die versammelte Menge.
Geneigt ihr Blick.
Demutsvoll.
Die Geschäftsleute. Die Lokalbesitzer.
Die Stadthonorationen.
Ehrfurchtsvolles Raunen.
Seit Monaten.
Die geheimen Vorbereitungen.
Stasi-Methoden nicht nur gegen das Volk.
Denn auch um den fetten Teil des Kuchen.
Der Bürgermeister. Der Rektor.
Er zögert.
Nehmen ihn bei der Hand.
Nur Liebe.
Aufmerksamkeit und Verfügbarkeit.
Seine Angestellten.
Mit feucht-bewegten Augen.
Die provinziellen Amtsdirektoren.
Ältere Frauen vor Rührung.
Das dämmrige Abendlicht.
Besänftigt seinen Hunger nach Brutalität.
Selbst die Sterne.
Verneigen sich vor ihm.
Die Vereine der Stadt.
Der Festrahmen.
Sie erreichen den Festsaal.
Kinder überreichen Blumen.
Im Saal.
Die Landespolitik.
Die schwerbezahlten Technokraten.
Die Primare. Weitere Amtsdirektoren.
Der auswärtige Pöbel.
Julio Sergio, Juan, John Arne Riise, Burdisso, Cassetti, Pizarro, De Rossi,….
Die Militärkommandanten.
Die Speerspitze der provinziellen Wirtschaft.
Die österreichische Delegation.
Der Quästor.
Seine 40 Jahre Jüngere.
Die Wunderschönsten.
Provinzielle Prominenz.
Weltwichtiges.
Die offizielle Zeremonie beginnt.
Der provinzielle Kriechermarsch.
Hand auf’s Herz.
Alles hier glänzt.
Und strahlt.
Hier funktioniert das System.
Von oben herab.
Geschätzte provinzielle Tyrannei.
Ein bewegender Moment.
Nie hätte er damit gerechnet.
Die provinziellen Verhältnisse.
Wo der üble Charaktertyp.
Verbohrtes österreicherisch-provinzielles,
also hinterwäldlerische Heimtücke.
Solch Schönes und Erhabenes.
Der Marsch klingt aus.
Ehrfurchtsvolle Ruhe.
Er.
Der rechtsschaffende Gesetzestreue.
Für seine Verdienste.
Für sich.
Also seiner Eitelkeit.
Also auch für die Provinz.
In der Mitte des Saales.
Hat die Toleranz eine neue Heimat gefunden.
Die Intoleranz.
Die maßlose Intoleranz.
Die Uneinsichtigkeit.
Die eigentliche Brutalität.
Das Blitzlichtgewitter.
Die Presse.
Morgen wird viel über Nächstenliebe in den Zeitungen stehen.
Und nicht über diese Toleranz.
Der Intoleranten.
Aufgereiht auf der einen Seite.
Einige Beamte der provinziellen Digos.
Sonnenbrillen verdecken ihre Visagen.
Reich an Brutalität und Unmenschlichkeit.
Für die Handvoll Reicher und Mächtiger.
Würden sie nicht foltern.
Würden sie nicht morden.
Denn haben es jahrhundertelang getan.
Marionetten.
Noch mehr Marionetten.
Und noch mehr Marionetten.
Der Festakt beginnt.
In der Mitte des Saales der Chef der provinziellen Digos.
Mit einem seiner Lakaien.
Dem Schoßhündchen.
Stolzgeschwellter Brust.
Und ausnahmsweise.
Beide Hände nicht in der Unterhose.
Absolute Stille kehrt in den Saal ein.
Einige Amtsdirektoren verdrehen ihre Augen.
Die jedliche menschliche Regung erstickende debile Arroganz.
Stößt ihren Gaumen-Nasen auf.
Es verzehrt sie nach Unmenschlichkeit.
Im Gewand des Kapital und der Position.
Doch die Zeremonie zwingt ihre Aufmerksamkeit zurück.
Zur Flamme.
Ein sichtlich bewegtes Publikum.
Eine brennende Flamme in der Hand.
Tretet der Chef der provinziellen Digos ihm entgegen.
Die letzten Worte.

Nach 20 Jahren.
Nach den zahllos gescheiterten Versuche einiger Verwirrter einen kritischen Ansatz in der Provinz zu finden.
Nach 20 Jahren Bewahrung des provinziellen Totalitarismus.
Nach 20 Jahren Verweigerung des provinziellen Establishment die elementarsten Menschen- und Bürgerrechte den Bürgern zu garantieren.
Nach 20 Jahren erfolgreichem Vertuschen und Verharmlosen.
Nach 20 Jahren Verdrängung und Ausgrenzung all jener, welche sich dem provinziell-österreichischen; debil faschistisch italienischen widersetzt haben.
Nach 20 Jahren intensivster Bemühungen die Menschen von der neuen Religion namens Materialismus zu überzeugen.
Nach 20 Jahren Belohnung für unverzeihliche Fehler; für Pfusch und Freunderlwirtschaft.
Nach 20 Jahren provinzieller Netzwerke.
Nach 20 Jahren….
Er tretet näher an den Chef der provinziellen Digos heran.
Die Hand des Chef zittert leicht.
Die Flamme der Aufklärung.
La luce della rinascimento.
Aus dem Herzblut kritischer Denker, Dichter, Poeten und Philosophen.
Aus Seelenstücken der Ausgegrenzten und der Verlorenen, krank und kaputt Gemachter.
Der nicht-Funktionierenden, der Kämpfenden und Denkenden.
Der Behinderten, der Versehrten und der Kranken.
All jener, die sich dem Faschismus der provinziellen Behörden widersetzt hatten.
Des provinziellen Establishment.
Aus den Überzeugungen der Gewaltlosen.
Der Kraft und Reinheit der Poesie.
Dem Sanftmut. Der Zärtlichkeit.
Der Tränen Enttäuschter und Zurückgewiesener.
Der Gutmütigkeit der Armen.
Der Aufopferung Ausgelachter und Verspotteter für die Schwachen, die Wehrlosen.
Den Benachteiligten und den zu Tode gebrachten.
Den Gefolterten.
Den gebrochenen Herzen. Den verlorenen Seelen.
Den Sanften.
All jener ihres Herzens Blut dieser Flamme.
Der Liebe.
Der Liebe einer Mutter zu ihrem Kind.
Der Liebe eines Sohnes zu seinem Vater.
Der Liebe eines Menschen.
Eines Menschen.
Der Liebe.
All jener ihres Herzens Blut dieser Flamme.
Und nun.
Er tretet näher heran.
Der Liebe einer Mutter zu ihrem Kind.
Der Liebe eines Sohnes zu seinem Vater.
Der Liebe eines Menschen.
Eines Menschen.
Der Liebe
Er tretet näher heran und bläst die Flamme aus.
Die Flamme der Aufklärung.
Nach kurzem Schweigen.
Jubel bricht aus.
Die Geschäftsbesitzer mit ihren 5 cent.
Die Politiker mit ihren Pfründen.
Die Lokalbesitzer mit ihren Kunden.
Das provinzielle Establishment.
Die Behördenvertreter.
Rasende Jubelszenen im Festsaal, auf dem Hauptplatz.
Deutscher und italienischer Pöbel.
Die Flamme der Aufklärung.
Aufatmen in der Provinz.
Überall in der Provinz klicken die Handschellen.
Aufgeräumt wird.
Ordnung kehrt ein.
Ordentliche Verhältnisse.
Glückselig liegen sich der Chef der Digos und zwei Primare.
Der Landespolitiker.
Er.
In den Armen.
Auch die Verlierer halten sich für Gewinner.
Er.
Der rechtsschaffende Gesetzestreue.
Erträglicher ist nun.
Das Ekelgefühl.
Erloschen ist die Flamme.
Und.
Langsam wird es kalt in der Provinz.

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