….zwei Beobachtungen….

Am 20. Februar 2010 verstarb in Baltimore (USA) der US-amerikanische General und Politiker Alexander Haig.
Haig gehörte wie Cheney, Rumsfeld, Brent Scowcroft, Weinberger, Eagleburger,…. zu den engsten Beratern Richard Nixon (siehe Posting: 20.10.2008) und zog ab Anfang der Siebziger als Stabschef unter Nixon die Fäden im Weissen Haus.
Nachdem Richard Nixon im Laufe des Jahres 1973 als amtierender Präsident der Vereinigten Staates immer mehr an politischen Rückhalt verlor, bis zum erzwungenen Rücktritt am 08. August 1974 wohl ab dem frühen Abend nur noch selten nüchtern anzutreffen war, übernahmen Männer wie Kissinger und Haig im Prinzip das Amt des Präsidenten und führten in dessen Namen die Amtsgeschäfte weiter; was sich auch unter dem darauffolgenden Präsidenten Gerald Ford dann auch nicht groß änderte.

In Erinnerung von diesem US-Politiker Alexander Haig bleibt vor allem seine Aussage vom 30 März 1981; jenem Tag, an welchem der damalige US-Präsident Ronald Reagan bei einem Schußattentat schwer verletzt wurde und der im Weissen Haus weilende Haig als Außenminister die Lage folgendermaßen beurteilte, indem er lautstark von sich gab, dass nunmehr er (also Haig) hier im Weissen Haus der Chef sei.
Den Vizepräsidenten namens George H.W. Bush hatte er in der Hitze der Macht wohl vergessen, dieser weilte während des Attentat im heimatlichen Texas und übernahm dann einige Stunden später, am frühen Abend, die effektive Macht über die USA.
Diese Aussage Haig´s wirkte sich nicht besonders karrierefördernd aus, denn ein Jahr später trat Haig zurück und spielte im engsten Machtzirkel Washington trotz Versuche eine eigene Präsidentschaftskandidatur aufzustellen, keine allzu große Rolle mehr.

Aber und um zu der getätigten Beobachtung zu kommen; wie hat man eine solche Aussage Haig´s in solch einer Situation zu verstehen und wie konnte es zu solch einer Aussage eines durch und durch militärisch denkenden Haig´s schlußendlich kommen.

Dafür muss man in die 60-er Jahre des vergangenen Jahrhundert zurückgehen als Ronald Reagan (hat nichts mit McDonalds zu tun:-) sich von einigen Vertetern des Großkapital Kaliforniens dazu breitschlagen ließ als republikanischer Kandidat für den Gouverneurs-Posten in Kalifornien sich aufstellen zu lassen.
Diese nicht so demokratische Entscheidung, welche sehr viel über die Demokratie und sehr wenig über Pluralismus aussagt, muss angemerkt werden, das bis bis zum heutigen Tag die kolportierten Stimmen nicht versiegen, dass damals, 1967/68 Ronald Reagan von diesen Vertretern des US-Großkapital nicht nur der Gouverneurs-Posten versprochen wurde, denn ihm auch klipp und klar gesagt wurde, dass er nach einigen Jahren als Gouverneur zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden würde, was dann auch effektiv 1980 geschah.
Und um zur Beobachtung zu gelangen:
Ich habe im Laufe der vergangenen Jahre eine Vielzahl von Archivaufnahmen von Ronald Reagan mir ansehen können; Dokumentationen über sein Leben; über seinen politischen Aufstieg, über seine Filmrollen und dabei ist mir doch etwas aufgefallen, welches ich im Folgenden darlegen möchte.

Reagan verdiente seine Brötchen vor dem Einstieg in die Politik als mittelmäßiger Darsteller mittelmäßiger Filme, welche mittelmäßigen Erfolg hatten und Ronald Reagan zumindest die Türen der Werbeindustrie öffneten, in welchen sich dieser nicht nur in Großaufnahmen, denn vor allem mit Großverdiensten auszeichnen konnte.
Er war also keine gescheiterte Existenz und von der „John Wayne Profilneurose“ zum „John Wayne der internationalen Politik“ war es für Ronald Reagan dank der tatkräftigen Unterstützung des US-Großkapital (welches entscheidet und nicht etwa die Wall Street….nein scherz beiseite….lasse ich das mal bleiben) nur ein kleiner Schritt.

Und nunmehr ist mir doch aufgefallen, das ich anhand offiziellen und inoffiziellen Filmmaterial (der Unterschied liegt darin, das offizielles Filmmaterial jenes ist, bei welchen Ronald Reagan öffentliche Auftritte absolvierte und das inoffizielle jenes, wo er gefilmt wurde, ohne dass er dies wohl wusste, bzw. vielleicht auch doch) die für mich doch sehr erschreckende Erkenntnis gefunden habe, das Ronald Reagan schauspielert und zwar die gesamte Zeit; das er nicht einen Schalter in seinem Knopf umdrücken muss, sobald er vor einer Kamera steht, denn das Ronald Reagan den Präsidenten der USA in einer Art Schauspielervorführung darstellt; das er nach außen hin eine blendende Figur abgibt, indem er einfach die erlernten Tricks von der Schauspielkarriere in die aktuelle Tagespolitik überträgt und der Masse den Präsidenten gibt.
Es erscheint mir also und ich bin restlos davon überzeugt; das Ronald Reagan das Präsidentenamt mit all seinen Repräsentationspflichten und wohl auch Repräsentationsrechten als eine weitere Rolle in seinem Schauspiel-Repertoire wahrnimmt.

Und es funktionierte glänzend diese erfolgreichste Rolle seines Lebens; für Entscheidungen, für Kriege, für Wirtschaft (die Reaganomics….also diese Wall Street Apogoleten) gab und gibt es ja Experten und ich bin der Meinung also und dies ist meine Beobachtung, das Ronald Reagan dieses Präsidentenamt wie eine Schauspielerrolle auffüllte, also vielleicht auch genau in jener Art und Weise, wie das eigentlich gedacht ist; als eine große Show für die nicht so gut informierte Masse; dazu passen auch die medienwirksamen und in die Geschichte eingegangenen Auftritte, wie jener vor der Berliner Mauer (tear down this wall) und die Geschichte mit dem „Reich des Bösen“; der „Star Wars“ Propagandaluftnummer….

Und das Erschreckenste daran, ist nicht die Tatsache, das Ronald Reagan in der Rolle seines Lebens so gut reüssiert hat; denn das die nachfolgenden politischen Generationen, für welche Ronald Reagan, dank seiner neoliberalen Reagonomics, zweifelsohne ein Vorbild war und ist, das diese genau diesen Stil, diese Idee vor dem Volk (um dieses hinter das Licht zu führen, wo aber auch vorne kein Licht jemals war und ist) nachgeahmt wurde; das sich internationale, nationale Politik zu einem Schauspielwettbewerb entwickelt hatte; das bestimmte Politiker die gesamte politische Realität als eine Show, als ein Theater ansehen, in welcher sie für kurze Zeit die Hauptrolle spielen und sich dabei an Ronald Reagan orientieren, denn wichtig ist nicht, die gefälschten Statistiken zu präsentieren; das Volk zu belügen; auf Macho zu machen, auf John Wayne der internationalen Politik, denn dabei überzeugend, charmant, freundlich; ja das Aussehen ist wichtiger als die Botschaft und sehr viele Politiker seitdem haben diese Idee, diesen Ansatz von Ronald Reagan, das Amt des Präsidenten als eine Schauspielerrolle zu sehen übernommen.

Man kann geteilter Meinung über Ronald Reagans Präsidentschaft sein, aber mit Sicherheit war es die beste Rolle seines Lebens; Regie führten andere; Bush, Haig; Schulz; Clark; die Wall Strett; aber für die Hauptrolle gebührt Ronald Reagan auf jeden Fall ein Oscar auf Lebenszeit und irgendwie, auch wenn ich politisch relativ wenig mit Ronald Reagan wohl teile, finde sogar ich, das er diese Rolle in diesem Film namens Realität meisterlich gemeistert hat und einen bleibenden guten Eindruck bei mir hinterlassen hat…..

Zweite Beobachtung

In den vergangenen 6 Tagen habe ich 60 Sekunden TV gesehen.
Ich schaltete den Fernseher ein und wollte sofort auf die Desktop-Oberfläche des angeschlossenen Laptop´s wechseln, als ich die folgenden 60 Sekunden einen Auschnitt aus einem Film beobachten konnte und zwar folgende Szene:

Ein Arbeiter befindet sich auf einem Feld und gräbt mit einer Schaufel den Boden um.
Einige Sekunden später kommen 2 Männer in Uniform (wohl Offiziere) des Weges geritten und erblicken den Arbeiter mit seiner Schaufel den Erdboden umgrabend.
Die beiden Offiziere, welche in herausgeputzten Uniformen, von oben herab auf den Arbeiter blicken, verspotten diesen, giften diesen an und der Arbeiter blickt doch erschrocken zu diesen beiden Offizieren auf ihren Pferden auf und legt dabei die Schaufel schützend vor seinen Körper.
Mit eher verdutzten Gesichtsausdruck blickt dieser zu den beiden Offizieren, welche diese Aktion, also das der Arbeiter seine Schaufel zum Schutze seines Körpers einsetzt, als Affront wohl gegen ihre militärische Ehre ansehen und einer dieser Offiziere schreit den Arbeiter an die Schaufel fallen zu lassen, mit welcher sich dieser vor diesen beiden Offizieren in defensiver Art und Weise seinen Körper beschützen möchte.

Als der erschrockene Arbeiter nicht reagiert, zieht einer der Offiziere den Degen und spricht dabei mit dem anderen Offizier darüber, das man diesem Arbeiter doch eine Lektion erteilen sollte, da dieser wohl zu wenig Demut vor diesen höhergestellten, so human und idealistisch wirkenden Offizieren dargeboten hatten.

Der Arbeiter wird also bestraft, da dieser was getan hat, ja dann eigentlich schon was; sich verspotten lassen, nicht zu kriechen, um dann dafür getötet zu werden?

In diesem Moment reitet der Gutsherr, Chef des Arbeiter herbei und stößt den Offizier, welcher sich auf seinem Pferd bereits dazu anmacht, den Arbeiter zu töten (und im Offizierscasino wohl später darauf anzustoßen), zur Seite, welcher von seinem Pferd fällt und dieses sogleich wieder besteigt.
Der Gutsherr schreit die beiden Offiziere an, das wenn sie noch einmal den Arbeiter belästigen, dann wird es einen Unfall geben, welchen sie melden werden müssen, denn er wird diese beiden Offiziere betreffen.

Und letztes Bild sieht man wie die beiden Offiziere seelenruhig, als ob nie etwas geschehen wäre, auf ihren Pferden weitertraben.

Genug gesehen. Auf Desktop-Oberfläche des Laptop umgeschaltet.
Aber.
An dieser Szene, die mir doch immer wieder in den vergangenen Tagen in den Sinn gekommen ist, kann man doch sehr vieles, vor allem Psychologisches und Zwischenmenschliches herauslesen und ich habe auch umgeschaltet, da eine bessere Szene wohl der gesamte Film nicht enthält….aber….
Es wäre doch sehr ädequat gewesen, man hätte eine beistehende junge Frauen in die Szene eingebaut, welche diese beiden Offiziere ob ihres schneidigen, beeindruckenden Auftreten sofort um den Hals gefallen wären; denn das deren Verhalten grausam und willkürlich ist, wäre wohl einem solchen jungen Weibsbild wohl als allerletztes aufgefallen.
Was für schöne Offiziere hätten sie dahingeschmachtet, als sie ihre Eier vor diesem einfachen Arbeiter zeigten; was für große Männer…..
Das hätte irgendwie noch gefehlt in dieser Szene….schmachtende junge Frauen, welche diese beiden Offiziere ob ihres grausamen, unmenschlichen Verhalten, anhimmeln würden; denn die hätten zumindest bewiesen was für tolle Hechte sie sind und diesem Arbeiter eine Lektion erteilt….aber genug davon

Ich musste bei dieser Filmsequenz daran denken, wie gut es eigentlich dieser Arbeiter, der nur knapp mit seinem Leben in diesem Akt der Willkür davongekommen ist, eigentlich in dieser fiktiven Szene doch eigentlich hatte.
Denn der Film, so viel konnte ich in der kurzen Sequenz erkennen, spielte irgendwann im 18. Jht., wohl in der französischen Provinz und dieses Verhalten der Offiziere war wohl normal zu jener Zeit.
Aber der eigentliche Punkt und der Übergang zu meinem persönlichen Leben, zu meiner persönlichen Realität.
Dieser einfache Arbeiter musste sich der Willkür der Offiziere (und um es nur so zu schreiben, nicht das die anderen besser wären; Manager, Visionäre, Politiker,….) stellen, im 18. Jht. und ich muss mich hier in der Provinz (aber auch in Rom solchermaßen geschehen) mit dem Mittelalter auseinandersetzen.
Wie glücklich sich doch dieser Arbeiter schätzen kann im 18. Jht. gelebt zu haben und nicht wie ich mich mit diesen mitteralterlichen Verhältnissen hier auseinanderzusetzen muss!
Denn im 18. Jht. hatten die Offiziere/Polizisten/Herrschenden nicht mehr alle Riesenschwänze wie im Mittelalter; waren nicht mehr gottgleich angesehen; waren auch schon weniger willkürlich und brutal; denn im 18. Jht. konnten diese Offiziere/Polizisten/Herrschenden vielleicht schon lesen und schreiben; nicht wie jetzt und hier im Mittelalter, wo der Pöbel, der unterste Bodensatz der Gesellschaft mir ständig hineindrücken müssen, was für ein Pöbel, was für ein unterster Bodensatz der Gesellschaft sie doch sind.

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Eine Antwort to “”

  1. ReisReise2 Says:

    Ahnst du, warum der Gutsherr dem Landarbeiter ds Leben gerettet hat?
    Weil ein toter Arbeiter nicht mehr von ihm ausgebeutet werden kann. Reines Rechenexempel. Damals wie heute. Schöne Geschichte, Fernsehen bildet!
    F.

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