ein Auszug aus dem Interview mit Jessica Jacoby/Harlan, Tochter von Susanne Harlan und Enkelin von Veit Harlan und Arthur Jacoby; aus der Dokumentation „Harlan-Im Schatten von Jud Süß“ von Felix Moellers

Jessica Jacoby:
„Ich gehöre zu einer Familie, die durch die NS-Zeit völlig gespalten worden ist in Täter und Opfer.
Ich wusste vor allen Dingen mein Großvater hat Karriere gemacht und Filme für die Nazis gemacht und zwar zu einer Zeit als die Nazis meine anderen Großeltern ermordet haben.
Das wusste ich eigentlich schon mit 5,6 Jahren.
Mein Großvater Arthur Jacobi war im 1.Weltkrieg, hat sich auch sehr stark über sein Deutschtum und über sein „Eisernes Kreuz“ erster Klasse definiert. Er hat verzweifelt darum gekämpft mit meiner Großmutter noch emigrieren zu können. Er hatte die Chance nicht mehr bekommen; ist deportiert worden nach Minsk und dort ermordet worden.
Und in der selben Zeit hat mein Großvater Veit Harlan erfolgreich die Spielfilme des 3.Reiches gemacht, er hat in Saus und Braus gelebt, er hat vom System profitiert, wie man nur profitieren kann und auch er ein Kriegsfreiwillliger des 1.Weltkrieg.
Auf den einen ist immer sehr viel Licht gefallen, im Sinne von Umstrittenheit und Prominenz.
Der Andere ist in der Dunkelheit verschwunden.

Interviewer:
Kann man sagen der eine hat Propaganda für die Vernichtung des anderen gemacht?

Jessica Jacoby:
Ja, das kann man sagen, insofern als „Jud Süß“ direkt zur Vertreibung und Vernichtung nicht nur der deutschen Juden, denn Europa aufruft und mein anderer Großvater und meine Großmutter hat dass dann das Leben gekostet.

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