Eine bedenkliche Entwicklung (z.ü.)

Wenn man sich heutzutage mit einem großem Anteil der Jugendlichen beschäftigt, dann ist das Politische/Wirtschaftliche nebensächlich und das Moralische/Ethische/Religiöse vollkommen egal; denn es geht vor allem um Lebensstil, um Style; also um „Nike“ oder „Puma“ oder „Addidas“; es geht um „Armani“ oder „Hugo Boss“ oder „Brioni“; es geht um „Playstation 3“ oder „Call of Duty“ oder „Porsche“ oder „Alfa Romeo“.

Wenn man sich heutzutage mit den Menschen unterhält, dann geht es ihnen in erster Linie um ihren Lebensstil; um die Identifkation mit Marken, Produkten und Erzeugnissen, welche dazu dienlich sind, ihren Konsum zu fördern, durch welche sich diese dann wohlfühlen, glücklich werden und junge schöne Frauen sich in sie verlieben.

Es geht um Werbespots, um You-Tube-Clips; um Skandale bei den Prominenten; um Tiger Woods Harem; um Sandra Bullock´s Haarfarbe; um das andauernde Bewerben und Vermarkten des allerkleinsten „Luxussegmentes“ (mit welchem 99% der Menschheit nichts zu tun haben, aber gleichzeitig dieses Luxussegment 99% der öffentlichen Aufmerksamkeit einnimmt, warum wohl?) die Massenmedien hinauf und hinunter.
Wenn man sich mit den Menschen beschäftigt, geht es um Fußballclubs, um Einkaufszentrume, um Restaurants, um Wal-Marts, um Aldi; um Marken; um Stars und Sternchen; um Superrreiche und ihre Yachten; um I-Phones und Blackberrys; um „Windows 7“ und „Playmobil“; um neue Winterkollektionen und den Schlußverkauf.

Es geht also diesen Menschen um Konsum, um Verzehr, um Statements, welche anhand der Produktauswahl getroffen werden; um Style, um Lebensstil, um Abgrenzung, um Herausstreichung der eigenen besonderen Stellung, es geht um Mode, um Trends, um hip oder nicht hip und indirekt auch um den riesigen Druck, der von dieser Konsumgesellschaft auf jeden Einzelnen andauernd ausgeübt wird.
Der Werbung für diese Produkte/Unternehmen kann man sich nicht entziehen und folgsam werden Trends von den Völkern aufgenommen und befolgt; wichtig ist nicht wer man ist; wichtig ist, dass man die richtigen Klamotten, den richtigen Stil hat; wichtig ist nicht, dass was man denkt (wenn man überhaupt denkt), denn wichtig ist der Style, seine Coolness, seine Hipness; die Beliebtheitswerte beim anderen Geschlecht; die gesellschaftliche Akzeptanz, die Aufstiegsmöglichkeiten fördernd.

Und es ist dies eine Entwicklung, welche in den vergangenen 20 Jahren rasant an Fahrt aufgenommen hat; Lebensmodelle werden wie eine Produktkette verkauft und es geht nicht um politisch links oder rechts, denn um Ikea; es geht nicht um Menschen- oder Bürgerrechte, denn um Exxon….die Leben der Menschen im reichen Westen richten sich nach Konsumprodukten/Statussymbole, als eine Suche nach Identifikation mit Produkten und nicht mit anderen Menschen.

Es geht also nicht um zwischenmenschliche Solidarität, denn um McDonalds; um Starbucks, um Gazprom, um Ferrero; um Supereiche, die als große Vorbilder dienen und die Menschen funktionieren nach den Regeln des Marktes, die Nachfrage bestimmt das Angebot; die Konsumpflicht wird zum ersten Menschenrecht verklärt und die Zyklen des Geschäftsjahres haben einen größeren Einfluß auf die Einzelnen, als Religion, Kunst und Freunde zusammengenommen.

Verstärkt wird diese Identifikation mit dem Markt, mit den Produktherstellern, mit diesem oberflächigen Dasein, durch eine andauernde, subtile Beeinflußung des Kunden; wird die Produktauswahl etwa an Marmladesorten als der eigentliche Gewinn dargestellt; die Auswahl an frischen und guten Produkten; wird dieser Trend durch eine Werbelawine, welche von allen Seiten, überall und allerzeiten auf den Menschen einwirkt, verstärkt.

Zusätzlich wird die künstlerische Seite kommerzialisiert; stellt sich das Großkapital als Förderer der schönen Künste (also genau jener Künste, welche das Establishment sich wünscht) dar; wird die Kunst zu einer Branche, gleich der Immobilienbranche und werden die Lebensmodelle über Fernseher, Kino, Zeitungen, Zeitschriften, Plakate und was den Kreativen der Werbeargenturen noch so einfallen möchte; den Menschen in nachhaltiger Weise hineingedrückt und Filme/Serien wie „Sex and the City“ zu riesigen kommerziellen und „künstlerischen“ Erfolgen (und der gleichzeitigen Bankrotterklärung der menschlichen Intelligenz).

So verkaufen Marken ein Lebensgefühl, mit welchen sich die Menschen identifizieren; denn diese interessiert nicht das Politische, das Ethische, das Religiöse, denn die Automarke, mit welcher sie fahren, denn viel mehr als ihre Intelligenz, ihr Wissen, ihre Erfahrungen, ihre religiösen, moralischen, ethischen Ansichten, ja doch viel mehr interessiert diese, welche Automarke der nächste fährt und wie erfolgreich doch jene oder jene Geschäftsmänner sind; ja sehr wenige interessieren sich für die Mechanismen der Macht; für das Verhalten von Firmen auf dem internationalen Parkett, über die Menschenrechtslage in Burma; denn viel mehr interessiert es die Menschen doch, wer das Fußballspiel am Abend, welches ja eine einzige große Werbesendung für Firmen und Marken ist; gewinnen wird; welche neue Produktlinie BMW im Frühjahr auf dem Markt bringt; wie die Immobilienpreise am Starnberger-See, am Comer-See sich entwickeln werden und damit ist zum Teil die bedenkliche Entwicklung dargestellt, über welche ich heute schreibe, denn es geht nicht um Menschenrechte, um Militärdikaturen; denn es geht um Konsum.
Die Menschen interessiert doch vielmehr die Produktauswahl im Supermarkt, als welche Regierungskoalition gerade in Spanien/Deutschland/Italien oder England regiert; viel wichtiger als die Menschenrechtsverletzungen im jeweiligen Staat, ist doch welche Turnschuhe man trägt, mit welcher Handymarke man telefoniert und mit welchem Computer/Konsolen-Spiel man seine Zeit sinnlos verzettelt.

Einen viel bedenklicher Teil dieser Entwicklung möchte ich im Folgenden darlegen:

Die Menschen identifizieren und definieren sich also über Produkte, Marken und Konsum und gleichzeitig nimmt diese Identifikation Ausmaße an, welche doch nachdenklich stimmen sollten:
Ein „fiktives“ Beispiel:
Ein Journalist/Politiker/Künstler greift mittels Medien/Blog/Protest ein deutsches Traditionsunternehmen wie z.B. „Daimler-Benz“ an, da dieses eine Militärdikatur in Südamerika unterstützt; mit diesen blendende Geschäfte machen und an Ethik/Moral/Menschenrechte und so weiter, vorbei, handeln; Arbeitsplätze am Standort Deutschland garantieren und natürlich stört sich niemand daran; weder die Öffentlichkeit, noch die Medien noch sonst irgendjemand, zu groß ist die Macht von „Daimler Benz“ und belächelt werden diese Angriffe von diesem Journalist/Politiker/Künstler, schließlich geht es ja um Umsätze, Profite, um Einflußmöglichkeiten und um den Markt.

Und das Besorgniserregende an dieser Entwicklung in den vergangenen 20 Jahren ist doch, dass sich nach diesem Angriff auf das Unternehmen, dass sich die Mehrheit der Menschen, welche auch gar nichts mit dem Unternehmen zu tun haben; nicht einmal dessen Produkte kaufen; ja, dass sich der Großteil der Menschen auf die Seite des Unternehmen „Daimler Benz“ schlägt und sei dies auch nur durch Desinteresse.
Die Arbeiter von „BMW“ in München, die Zulieferer von „Haribo“ in Bonn; die Oppositionspolitiker von der „SPD“; die „Call-Center“ Besitzer in den Großstädten, fühlen sich durch diesen Angriff ja beinahe schon persönlich angegriffen.

Also diese Menschen ergreifen Partei für das Unternehmen (wo sie doch meistens nicht einmal für sich selbst Partei ergreifen) und beziehen in Masse die Position der „drei Affen“: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen; denn viel wichtiger als eine mehr als überfällige Diskussion in der Gesellschaft über Unternehmensverantwortung, über ein Handeln, dass nicht täglich Tausende von Menschen das Leben kostet (welches den Menschen im Westen ja vollkommen egal ist); also diese Menschen verteidigen in diesem Falle das „Made in Germany“, welches diese angegriffen sehen und nehmen diesen Angriff dann auch noch persönlich.

Anderes „fiktives“ Beispiel:
Man greift einen der weltweit größten Rüstungskonzerne an, in diesem Falle das italienische Unternehmen Finmecchanica; da diese Rüstungsdeals mit Militärdiktaturen abschließen und dieser Angriff erreicht irgendwie, beinahe unvorstellbar und dann doch, die Öffentlichkeit und die Menschen denken dann an Finmecchanica; Arbeitgeber von zehntausenden Italienern; Sponsor von drei Fußballmannschaften, mit denen die Menschen nur positive Gefühle verbinden; denken an die Unterstützung notleidender Kunstwerke in den italienischen Großstädten; an all diese seriösen, also guten Geschäftsmänner in ihren Sportschlitten; an all diesen Luxus und das gustiöse Hühnergegackere an deren Seite und es wird dann soweit kommen, dass sich die Italiener als Volk, obwohl Finmecchanica für 99% von ihnen überhaupt nichts getan hat und mit 100% Sicherheit niemals tun wird, sich mit Finmecchania solidarisieren.

Es geht mir also darum aufzuzeigen, dass die Menschen sich mittlerweile mit Konzernen/Banken/dem Großkapital/Unternehmen/Aktiengesellschaften; ja mit Marken dermaßen identifizieren, dass sie dafür auch kämpfen/töten/ausschließen und zerstören würden und tun; obwohl ihnen diese Marke eigentlich ja nur ein Lebensgefühl übermittelt und nicht etwa politisch/persönlich/wirtschaftlich irgendetwas für diese Personen dann auch tut.

Man kann diese Bindung an Produkte/Unternehmen beinahe spirituell nennen; denn wenn man sich die Jugendliche und ihre Markenbindung ansieht, dann hat dies schon etwas Religiöses und wie im brutalen Gegeneinander; jeder gegen jeden; die Produktwahl; der Konsum, die Möglichkeiten darstellen; die Differenzierung definieren; wie Produkte von „Nike“ zu unfehlbaren Produkten hochgejubelt werden, die jeder haben muss; wie diese „Trends von der Straße“ für „Nike`s“ Zweck benutzt werden und wie dann in den Billiglohnländern Produkte für Menschen in den westlichen Großstädten produziert werden, welche nicht nur diesen Menschen in den Großstädten ein Lebensgefühl geben, denn diesen auch ihre Zukunft und ihre Jobs wegnimmt (dass ist aber nicht so wichtig, es geht ja schließlich um ein Lebensgefühl!?).

Die Welt ist also mittlerweile an den Punkt angelangt, in welcher die Produktwahl im Einkaufszentrum von Bedeutung/Zweck/Ergebnis, jede politische Handlung beinahe in den Schatten stellt, denn der Konsum macht glücklich und die Menschen definieren sich nicht nur danach; denn identifizieren sich auch mit Marken/Unternehmen und agieren damit gänzlich im Sinne des Großkapital/der Wirtschaft, welche ja jeden Lebensbereich des Menschen schon seit längerer Zeit unterjocht/unterwandert haben.

Die Wirtschaft als religiöser, gesellschaftliches, politischer, usw. Mittelpunkt des Leben eines jeden Einzelnen; Entfaltungsmöglichkeiten reduziert auf Konsum; Kunst als Wegbereiter von Trends an der Supermarktkassa; Geld als Religionsersatz und wenn man es irgendwie dann noch verstehen kann, dass Menschen Fans/Anhänger/Fanatiker eines religiösen Kultes oder eines Fußballclub sind; irrational und nicht nachvollziehbar; dann kann man dass ja irgendwie noch verstehen; intellektuell einordnen; einen Sinn im Unsinn herausziehen; die emotionale Bindung an Stars in einer Fußballmannschaft; religiöse Überzeugungen bezüglich heiliger Bücher; aber endgültig sinnlos und dumm ist es doch sich über Produkte/Konsum zu definieren, also genau solchermaßen wie es im gesamten Westen der Fall ist; sich über die Automarken definieren und die jungen Hühner schwärmen von Porsche und hassen Fiat und die jungen Männer schwärmen vom neuen 45 Zoll großen Plasmabildschirm und hassen alle Produkte, die schon länger als 2 Jahre auf dem Markt ist.

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