Ein Film:
State of Play
von Kevin MacDonald

Vielleicht die Überraschung des Film als Eingangs-Setting: (z.ü.)
Nachdem in mir sehr lange die Befürchtung angewachsen war, das Ben Affleck das verlorengegangene 5 Mitglied der Backstreet Boys sei und er diesen Status, als verschollenes Mitglied dieser Boyband, mit einer Reihe von Filmen wie Pearl Harbor, Gigli, Daredevil, Changing Lanes, usw., beinahe bestätigen wollte, seine schauspielerischen Ambitionen für die Rolle des Traumprinzen von kleinen Mädchen aufgegeben zu haben schien….und mit seinem Gesicht, seiner Art von der Kamera sich zu bewegen, das Wort Mainstream in neue Untiefen zu führen schien, kam in den vergangenen Jahren doch die Erkenntnis auf ihren schwierigen Pfad Richtung Wahrheit, dass es sich bei Ben Affleck vielleicht doch um einen Schauspieler handeln könnte.

Der Wendepunkt schien der Film „Hollywoodland“ aus dem Jahre 2006 zu sein; neben einer alle anderen überstrahlenden Diane Lane und einem nonchalanten Adrien Brody, konnte man seit längerer Zeit wieder einmal so etwas wie Schauspielkunst bei Ben Affleck, auch als Zuschauer, entdecken; eine Rolle für welche er zurecht die Coppa Volpi als bester Hauptdarsteller bei den Filmfestspielen in Venedig gewann.

Es konnte damals für Ben Affleck wieder in die eine Richtung, also den sowohl kommerziellen wie künstlerischen Totalfiaskos wie Gigli oder Daredevil gehen, seichte Komödien für den debilen Massengeschmack oder einige weitere Male in den verkifften Filmen Kevin Smith`s die coole Nummer abziehen und dafür Kritikerlob und wenig Geld ernten oder aber in die andere Richtung, also Richtung anspruchsvolle Filmen, welche den Massengeschmack bedienen und gleichzeitig von innerer Qualität sind.

In „State of Play“ kann man Ben Afleck nunmehr in einem weiteren Film beobachten und anstatt das veschollene Mitglied der Backstreet Boys zu spielen, zeigt sich in diesem Film, dass Ben Affleck nicht nur ein Schauspieler ist, denn ein verdammt guter Schauspieler, welcher mit der Zeit, mit der Routine, mit dem richtigen Regiseur, in einer Rolle auch glänzen kann und sich dieser somit vom KleinMädchen Pin-Up Boy Image doch immer weiter entfernt und sich als Charakterdarsteller, als ernstzunehmender Schauspieler im „Hollywoodland“ zu etablieren scheint.

Aber genug des Lobes….und zum Film….

Kevin Macdonalds, welcher sich vor allem als Dokumentarfilmer bisher einen Namen machte, mit so herausragenden Filmperlen wie „One Day in September“ (auf dem gleichen Niveau wie einer von Spielberg´s besseren Filmen „Munich“) und „My Enemy`s Enemy“ (über Klaus Barbie wahrhaft schreckliches Leben), usw.; usf.; einen Namen gemacht hat und welchem es doch tatsächlich gelungen ist, was ja meistens eine Ausnahme darstellt, den goldenen Schnuller seines Heranwachsens mit dem Werkzeug des erwachsenen und soliden Filmemacher zu tauschen und bereits 2006 konnte er mit seinem Spielfilmerstling „Der letzte König von Schottland“ zwar nicht auf ganzer Linie, so aber doch überzeugen und nunmehr sein zweiter Spielfilm mit der „A-Hollywoodliste“, von dem Kassenmagneten Russell Crowe bis zu Hellen Mirren und Rachel McAdams, Robin Wright Penn, Jason Bateman, Jeff Daniels, usw. usf.; in einem Film namens „State of Play“.

Dieser Film handelt von dem Garten Eden namens Politik, in welchem unter der blitzeblank-glänzenden Oberfläche sich nicht nur die üblichen menschlichen Abgründe auftun, wie Verrat, Eifersucht, Betrug, Täuschung, Käuflichkeit, Manipulation, Intrigen; denn auch Mord.

Und mit solch einem Mord, einem Doppelmord beginnt der Film, um bald darauf einen altmodischen Reporter; klischeehaft überzeichnet, gespielt von Russell Crowe; auf diesen Doppelmord anzusetzen, wobei der Reporter gleich die Lunte riecht und die richtige Fährte aufnimmt, welche sich dann doch nur als Irrtum herausstellt und es ihm durch seinen messerscharfen Verstand, seinem Gespür und seinem Instinkt am Ende gelingt den Täter dingfest zu machen; den Respekt der Redaktion einzufahren und mit seinem Stil, welcher mehr an die 70-er Jahre gemahnt, denn den hyperschnellen Internetzeiten, in welcher eine Nachricht nach 5 Minuten schon alt ist wohl nicht nur die Kritikerherzen wohl höher schlagen lässt.

Zur Seite wird ihm eine Online-Journalistin (gespielt von Rachel McAdams) gestellt, dass all-american-girl; engagiert, couragiert, ehrgeizig, spielt sie an der Seite von Russell Crowe und lässt sich nicht an die Wand spielen, denn kann sich gut behaupten; sicherlich ein Verdienst des Regisseur und weniger von Rusell Crowe.

Aber genug zum Inhalt….
Was mir an dem Film besonders gut gefallen hatte, war die Stimmigkeit vom ersten bis zum letzten Bild; dass die Geschichte Haken schlägt, dass es überraschende Wendungen gibt, alles schon gesehen und gehört; doch die Stimmigkeit, wie der Regisseur mit seinen Schauspielern und der Crew diese den gesamten Film lang beibehält; wie man immer tiefer in dem Film, in dessen Verwirrungen und Irrungen versinkt, zeugt doch von einer großen Meisterschaft aller an dem Film Beteiligten und lässt den Film (meiner Meinung nach) locker mit all den Festival-Filmen, all den Schmuckstücken für eine kleine Kritiker-Elite gezeigten Wettbewerbsfilmen der Filmfestivale auf dieser Welt, nicht nur gleichziehen, denn diese überholen.

Ich sah mir den Film vor ungefähr einer Woche an und war mit zunehmender Dauer des Films zunehmend begeistert von diesem; nicht so sehr (aber auch) von der Geschichte, denn von der Stimmigkeit von Bild, Ton, den Schauspielern, der Musik, der Kamera, ja und auch von der Erzählweise, von dieser Tugend des amerikanischen Journalismus, welcher im Film gehuldigt wird; dieses hartnäckige Stöbern nach der Wahrheit, auch wenn dabei die Freundschaft in Brüche geht oder ein Geschäft, diese Tugend für Ideale zu kämpfen, die in Europa scheinbar schon lange verloren gegangen scheinen; dieses Ideal, ja diese Tugend des angelsächsischen Journalismus einige Schatten weniger auf dieser Welt zu haben; dieses uramerikanische Bestreben nach dem Guten und dafür auch Opfer zu bringen; die Wahrheit an das Licht zu zerren, um eine bessere Welt zu ermöglichen.

Dieser Journalist ist ein Paradebeispiel dafür wie guter Journalismus funktionieren könnte; für eine Zeitung in finanziellen Nöten steckend, arbeitend; sich nicht korrumpieren lassen von einer korrumpierten Umwelt, einem korrumpierten System, denn die eigene Linie bis zum bitteren Ende/oder auch nicht so bitteren Ende durchziehen; der Wahrhaftigkeit verpflichtet, nicht der Hinterhältigkeit bzw. der Mauschelei in den Hinterzimmern der Macht….
Dazu der Ausspruch des Journalisten im Film:
„Wieso….weil kein Mensch mehr Zeitung liest, deswegen….weils nur wieder so eine Story ist die für Aufregung sorgt für ein paar Tage und dann zum Einwickelpapier wird, aber ich glaube dass die Leute zwischen den ganzen Klatsch und Tratsch und den Spekulationen sehr wohl den Unterschied erkennen, zwischen einer echten Nachricht und Schwachsinn und sie sind froh darüber, dass sich jemand dafür einsetzt, diese Dinge aufzudecken und die Wahrheit zu drucken“

Ein Film der für eine sehr große Anzahl von Provinzjournalisten, italienischen, deutschen und österreichischen Journalisten (oder sollte man sie einfachheitshalber nur Lügner mit einem dicken Gehaltsscheck nennen) wie eine schwere persönliche Beleidigung, wie eine schallende Ohrfeige für all das Vertuschte, Zusammengelogene und Scheinheilige, Kriecherische und Scheinheilige erscheinen muss….

Ein Film als eine Tugend.
Mehr Lob geht nicht.

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