Bestien (I)

La Cittadella; St. Florent; Corsica

Die klassische Touristenfalle im Zentrum des Dorfes mit sich Anbiederndem; mit Einladendem, mit zum Verweilen Lockenden und dann doch nur Entäuschendem, dem Massentourismus die Qualität Herauspressendes.
Die größten Schilder vor dem Lokal weisen darauf hin, dass der Koch und der Pizzaiolo Italiener sind; zwei große schwarze Kreidewände mit kritzeliger Schrift; also ein Lokal, welches sich vor allem an jene dort verweilenden italienischen Touristen wendet.
Die vorausgegangenen Tage waren schon des Schreckens satt und des Urlaubs müde.
Die gesamte Zeit den Gedanken hegend, umzukehren und heimzufahren, bis zum 3 Tag, wo ich dann die erste Entscheidung und gleich die beste (La Bergeria) treffe.
Aber dies ist unwichtig, ich und eine Bekannte, die gleich schwul wie ich ist, nämlich überhaupt nicht und weiblich ist, spazieren durch das Dorf; nach einem schrecklichen Abendessen am Tage zuvor, habe ich nunmehr seit gesunden 48 Stunden nicht mehr geschlafen und bin wirklich überzeugt, diesen wunderschönen Urlaub jeden Augenblick abzubrechen.
Es ist Hochsaison, es ist Mitte August 2009 und die Bekannte hat nur in jener Woche Zeit dafür und was tut man nicht alles für eine Frau….wahrscheinlich in diesem Falle eindeutig zuviel.
Also ich und die Bekannte spazieren an dem Restaurant „La Cittadella“ vorbei und wir entschließen uns, ebendort eine Pizza zu verspeisen.
Honni soit qui mal y pense
Wir warten auf eine Bedienung und eine hübsche junge Französin kommt auf uns hinzu, ist ausgesprochen freundlich, begleitet uns zu einem Tisch und wir setzen uns, bekommen zwei Getränke und geben unsere Speisebestellung auf.
Da ich dringend die Toilette aufsuchen muss, entschuldige ich mich bei der Bekannten und betrete den Innenraum des Restaurant, strebe zur Toilette, als ich bemerke, dass nicht nur der Pizzaiolo und der Koch anscheinend Italiener sind, denn auch die zwei jungen Kellner, welche hinter der Bar im Inneren des Restaurant arbeiten, denn eine Kaskade an italienischen Fluchwörtern prasselt auf mich nieder….frocio….porco….das Übliche….ich beachte die beiden Kellner nicht, tue so, als ob ich diese nicht hören würde und gehe auf die Toilette.
Auf dem Rückweg verfolgen mich deren hasserfüllte Blicke und als ich am Tisch ankomme, erwartet mich schon die Pizza.
Schnell verspeise ich diese und nur zum Teil und schon wird diese weggeräumt, während die Bekannte noch auf ihre Gericht wartet.
Währendessen ist einer der beiden italienischen Kellner, welche im Inneren des Lokal arbeitet, zum Pizzabäcker, welcher etwa 4 Meter entfernt im Freien seine Pizzas backt, zu diesem hingeeilt und hat diesen erzählt um welche Person es sich bei mir handelt….anscheinend keinen Fan von Roma….
Der italienische Kellner geht wieder ab und ein zweiter Gehilfe des Pizzabäcker, auch dieser Italiener kommt zum Pizzabäcker und dieser beginnt mit diesem zu diskutieren.
Er schleudert einige sehr üble Beleidigungen auf italienisch zu mir herüber und ist nicht mehr zu beruhigen.
Ein französicher Kellner, der Erfahrenste von allen Anscheinend, sozusagen der Oberkellner, kommt zum Pizzabäcker, der weitreichend gestikuliert und übelste Fluchwörter auf italienisch ausstoßend, nicht mehr zu beruhigen ist.
Der Pizzaiolo zeigt auf mich und sagt dem Oberkellner, dass er für mich keine Pizza macht….nein auf keinen Fall für mich….und der Oberkellner fragt ihn auf französisch warum….und der Pizzaiolo antwortet, da ich einen Blog schreibe.
Der Oberkellner glaubt nicht richtig verstanden zu haben und fragt den Pizzaiolo nochmals….wegen einem Blog….ja, wegen einem Blog….
Der Oberkellner schüttelt seinen Kopf und geht in das Innere des Gebäudes um mit den zwei italienischen Kellnern zu diskutieren.
Der Arbeitskollege versucht den Pizzaiolo zu beruhigen, doch dieser steigert sich immer mehr in einen Wutrausch hinein….er beginnt zu drohen….dass er meine Bekannte solange vergewaltigen wird, bis diese tot ist….dass er meinen Vater mit einem Messer bearbeiten wird und sich dann um meine Mutter kümmern wird….dass er mich umbringen wird….dass er sein Messer nehmen wird, herausstürzen und mich gleich an Ort und Stelle abschlachten wird…..usw. usf.
Das geht eine ganze Weile solchermaßen.
Währendessen bringt die junge französische Kellnerin der Bekannten ihr Gericht.
Sie bekommt von allem was um ihr geschieht, überhaupt nichts mit.
Wie immer.
Ich blicke mich einmal im Lokal um; 3 Tische sind mit Leuten besetzt, die wegen mir hier sind; ein Paar, welches in der Nähe sitzt, sind Profis, also keine Franzosen; im Falle des Falles kann ich also immerhin mit Unterstützung rechnen, falls der Pizzaiolo mit dem Messer auf mich losgeht und ich muss sagen, es deutet alles wirklich darauf hin.
Ich dränge die Bekannte zur Eile.
Ich sage ihr, dass ich in ein Lokal in der Nähe vorausgehen werde, um dort ein Bier zu trinken.
Ich warte.
Der Pizzaiolo ist mittlerweile wirklich in einem sehr unangenehmen Zustand; drohend, fluchend, schimpfend, er hat sogar ein Messer in der Hand und hat seine Arbeit unterbrochen.
Der italienische Arbeitskollege versucht ihn zu beruhigen, schreit ihn an und geht dann, da dieser sich nicht beruhigen lassen will, ab.
Vorher sagt er dem Pizzaiolo noch, ob er jetzt komplett verrückt sei, ob er noch alle Tassen im Schrank hätte, dass könne er doch nicht machen, dass könne er doch nicht bringen, dass geht doch nicht und geht dann in den vorderen Teil der Terrasse auf welcher auch wir sitzen.
Ich beobachte alles und bleibe so ruhig wie möglich.
Womöglich beruhigt dass den Pizzaiolo.
Der französische Oberkellner kehrt ein, zwei Minuten später zum Pizzaiolo zurück und beginnt mit diesem zu diskutieren; die junge französische Kellnerin schließt sich ihm an und anschließend auch noch eine andere junge französische Kellnerin, welche den Pizzaiolo schließlich überzeugen können, für mich auch eine Pizza zu machen.
Der Pizzaiolo macht meine Pizza und der französische Kellner bringt mir diese und ich sage diesem, dass ich die Pizza schon bekommen habe.
Der französische Oberkellner bringt die Pizza zurück zum Pizzaiolo und geht dann mit den zwei jungen französischen Kellnerin schmunzelnd ab.
Ich habe genug gehört. Ich dränge nunmehr, die unendlich langsam essende Bekannte zum Aufbruch auf.
Ich habe lange genug hier als lebende Zielscheibe für einen durchgeknallten Pizzaiolo und dessen Kollegen und dessen 2 italienischen Kellner verbracht.
Aber das Beste kommt erst noch:
Die junge fränzösische Kellnerin, welche zuvor noch so einladend und freundlich war, kommt vorbei, sie sieht mich an, als sei ich der übelste Mensch aller Zeiten, ein Stück Abfall, auf meine Zurufe reagiert sie nicht.
Ich wende mich an die nächste Kellnerin, welche gleich freundlich ist, wie das Unternehmen namens Barbarossa zu den Russen und sie sagt mir zu, die Rechnung zu bringen.
Ich muss das Lokal so schnell wie möglich verlassen….so schnell wie möglich!
Als Krönung dieses Restaurantsbesuch kommt der Chef des Restaurant herbeispaziert, geht zum Pizzaiolo, spricht mit diesen, dieser deutet auf mich und der Chef nickt, stimmt dem Pizzaiolo zu….und dieser korsische Bastard (wobei man diesem anmerken muss, dass er der einzige Korse war, welcher mir etwas mehr, als nur, auf den Wecker ging, ansonsten recht nette, freundliche Leute diese Korsen…alles in allem)….und dieser korsische Bastard überlegt noch, ob er mich aus dem Restaurant wirft und der französische Oberkellner und die zwei jungen französischen Kellnerinnen treten zu ihm hin und dieser spricht mit diesen.
Die folgenden 6-8 Minuten werde ich wie ein deutscher Kriegsverbrecher behandelt; gerade so, als ob ich hier getobt und massiv gedroht hätte und nicht etwa der Pizzaiolo.
Die übliche italienische Situation entsteht, mir von den italienischen Sicherheitsbehörden wohlbekannt; das Opfer wird zum Täter gemacht und der Täter zum Opfer.
Der korsische Bastard hat mich im Blickfeld, dieser Chef dieser italienischen Angestellten, als ob er sich um Dr. Hannibal Lecter nunmehr persönlich kümmern muss.
Ich sage zu der Bekannten, dass es nicht mehr geht, stehe auf und gehe in die Kneipe auf der anderen Straßenseite, bestelle mir ein großes Bier und setze mich in den Gastgarten, in welchen ich als einziger sitze.
Einer, wohl vom französischen Militär bzw. der Fremdenlegion taucht vor mir auf und ist gänzlich fasziniert von mir, während ich seltsamerweise an Hackfleisch denken muss; Faschiertes mit Rind- und Kalbfleisch. Ablenkung.
Einige Minuten später gelangt die Bekannte zu mir und der Traumurlaub geht weiter.

Am folgenden Tag, den gott-sei-dank letzten Tag in St. Florent spazieren ich und die Bekannte ein letztes Mal durch das Dorf und spazieren auch am Restaurant „La Cittadella“ vorbei, wo der Arbeitskollege des Pizzailo davorsteht und als er mich erblickt, ein „Vattene!“ zuruft….wahrlich die italienische Art….das Opfer zum Täter und den Täter zum Opfer….als ob es in ihrem Gen-Material vorzufinden wäre.

Und seltsamerweise muss ich sagen, habe ich mich über dieses Erlebnis überhaupt nicht aufgeregt, nullkommanichts, denn nur meine Verachtung für diesen italienischen Pöbel hat sich ins Grenzenlose gesteigert….ins wahrhaft Grenzenloses….

Wie bereits gesagt….für zwei antidemokratische Rechtsextreme sind sie alle zum Tod bereit….aber für etwas Gutes!

und außerdem….in einen Pizzateig gehört eine Prise SALZ.!

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