Malin

Das Unendliche ist weit, vor allem gegen Ende.
Alphonse Allais

Vorwort:
Leider habe ich aufgrund äußerer Ereignisse den roten Faden beim Schreiben des Fragment verloren.
Ich schreibe somit das Fragment in direkter Weise und vielleicht kann ich mich dazu aufraffen es im Laufe der Zeit noch mehrmals zu überarbeiten.

geschrieben september/oktober 2009

I. In der Unendlichkeit

Der einsame Wolf Brenin
Die Siebenschläferin Malin
Die Schildkröte Trampelpfad
Die Vogelscheuche Sam
Der Kater Marlowe
Die Unendlichkeit
Der Tod

In einem fiktiven Theater.
Im Zuschauerraum, vor welcher sich eine Bühne erhebt.
Es ertönt ein Husten.
Stille.
Ein erneutes Husten und dann beginnt ein langer Schatten vom Zuschauerraum auf die Bühne zu fallen.
Aus den hintersten Zuschauerreihen, den billigsten Plätzen, nähert sich ein einsamer Wolf der fiktiven Bühne.
Nach einigen Schritten hält der Wolf kurz inne, hustet, geht weiter, erreicht den Bühnenaufgang und geht diesen hinauf.
Dort befindet sich der Wolf bei den Ausläufern einer riesigen Wüste und den ersten Erhebungen einer gigantischen Bergkette.
Der Wolf nimmt einen Schluck Wasser aus einem Beutel, welchen dieser bei sich trägt und blickt in die Ferne .
Brenin: Unendlich….das Ende der Unendlichkeit
Der Wolf blickt um sich, als plötzlich eine donnernde Stimme aus dem Nichts ertönt.
Die Unendlichkeit: Wer hustet da?
Der einsame Wolf dreht sich einmal im Kreis, kann aber niemanden entdecken und schreit dann.
Brenin: Der einsame Wolf Brenin!
Die Unendlichkeit: Und warum hustet der einsame Wolf Brenin?
Brenin: Und wer fragt mich warum?
Die Unendlichkeit: Die Unendlichkeit
Brenin: Wie kann es sein, dass mich Brenin, den einsamen Wolf, die Unendlichkeit fragt?
Die Unendlichkeit: Und doch ist es solchermaßen
Brenin: Ich huste wegen der Erschöpfung, der Hitze, wegen der Unendlichkeit allem Tun und Handeln….ich huste wegen der andauernden Wiederholung des Immergleichen….der Erkenntnis, dass auch das Ende der Unendlichkeit unendlich ist
Die Unendlichkeit: Und so hustet der einsame Wolf Brenin
Brenin: Somit huste ich nun schon seit einer Ewigkeit
Brenin hustet.
Die Unendlichkeit: Der einsame Wolf Brenin befindet sich nunmal in der Unendlichkeit
Brenin: Dann wird sich dass mit dem Husten wohl nicht so schnell bessern?
Die Unendlichkeit: Hat sich Brenin denn niemals nach dem tieferen Grund dieses Husten gefragt?
Brenin: Vielleicht hat mich die Unendlichkeit krank gemacht?
Die Unendlichkeit: Vielleicht
Brenin: Ich leide an der Unendlichkeit
Die Unendlichkeit: Der einsame Wolf Brenin leidet an der Unendlichkeit
Brenin: Jetzt spreche ich doch schon mit der Unendlichkeit
Die Unendlichkeit: Entscheide Brenin….was ist besser….mit dir selbst zu sprechen oder mit der Unendlichkeit?
Brenin: Da ist nichts besser, denn nur schlechter
Die Unendlichkeit: Brenin denkt also, dass er sich die Unendlichkeit nur einbildet?
Brenin: So wird es wohl sein
Die Unendlichkeit: Brenin hat also das Ende der Unendlichkeit erreicht
Brenin: Ist es solchermaßen?
Die Unendlichkeit: Und was hat Brenin bis zu diesem Punkt der Unendlichkeit gebracht?
Brenin: Ich….ich bin ein Weltenwanderer
Die Unendlichkeit: Ein Weltenwanderer, welcher zwischen all diesem möglichen wie unmöglichen Welten in der Unendlichkeit verloren gegangen ist
Brenin: Ich frage nicht….denn wer fragt, bekommt eine Antwort….ob sie einem gefällt oder nicht
Die Unendlichkeit: In der Unendlichkeit ist beinahe alles unendlich
Brenin hustet.
Brenin: Ich wandere nun durch diese Welt, Unendlichkeit genannt, seit einer Ewigkeit und nun….
Die Unendlichkeit: ….verlangt es Brenin nach einem Ausweg aus der Unendlichkeit
Brenin: Ich suchte das Ende der Unendlichkeit
Die Unendlichkeit: Und Brenin hat es gefunden
Brenin: Aber dabei hat Brenin anscheinend sich Selbst verloren
Die Unendlichkeit: Vielleicht kann dieses Husten auf den Verlust des Ich zurückgeführt werden
Brenin: Vielleicht ist das einzige Wort, welches hier noch einen Sinn hat
Die Unendlichkeit: Da es so sinnlos ist?
Brenin: Vielleicht
Die Unendlichkeit: Brenin möchte also in die Endlichkeit zurückkehren?
Brenin: Ja, dass möchte Brenin
Die Unendlichkeit: Ein Ende des Ende der Unendlichkeit
Brenin: Wenn es dieses Ende des Ende der Unendlichkeit denn gibt
Die Unendlichkeit: Oh doch, auch die Unendlichkeit hat ein Ende
Brenin: Wie?
Die Unendlichkeit: Das Undefinierbare aus dem Schatten des Unmöglichen herauszerren
Brenin: Sich selbst zu definieren?
Die Unendlichkeit: Definitiv
Brenin: Es wirkt so unkonkret….das eigene Selbst
Die Unendlichkeit: Es verbleibt im Lichte des Möglichen
Brenin: Und doch fällt ein Schatten darauf
Die Unendlichkeit: Die Erkenntnis seiner Selbst ist nunmal eine Frucht, die bitter schmeckt
Brenin: Dann bin ich nunmehr satt davon
Die Unendlichkeit: Und doch so hungrig gewesen?
Brenin: Vor langer Zeit
Die Unendlichkeit: Welche beinahe unendlich wirkt
Brenin hustet.
Die Unendlichkeit: Brenin hat die Unendlichkeit gefunden und Brenin möchte nun in die Endlichkeit zurückkehren
Brenin: So ist es und wird so immer sein
Die Unendlichkeit: Die Unendlichkeit wird Brenin dabei helfen
Brenin: Und was verlangt die Unendlichkeit dafür?
Die Unendlichkeit: Brenin hat dem Tod ein Schnippchen geschlagen
Brenin: Nicht nur einmal
Die Unendlichkeit: Brenin wird viele Abenteuer erleben, wird eintauchen in Geschichten und dann vom Grund der Wörter, vom Boden der Tatsachen und der Erde des Möglichen zur Ewigkeit emporsteigen
Brenin: Brenin wird es versuchen
Die Unendlichkeit: Die Unendlichkeit gewährt Brenin die Gnade
Brenin: Und dass ist alles?
Die Unendlichkeit: Und doch nur ein Nichts Brenin
Brenin: Warum?
Die Unendlichkeit: Die Langeweile….die Monotonie….ein Nichts eben….(ä)
Brenin: Mich verlieren um mich zu finden
Die Unendlichkeit: Zu finden, was Brenin verlieren wird
Brenin: Mehr als sein Sein kann es nicht sein
Die Unendlichkeit: Mehr kann es nicht sein
Brenin: Ich bin bereit
Die Unendlichkeit: Dann steht der Geschichte nur mehr der Beginn un das Ende im Weg
Brenin: Und die Geschichte verzichtet darauf
Die Unendlichkeit: So verzichtet die Geschichte darauf
Brenin: Also kein Beginn und kein Ende?
Die Unendlichkeit: Kein Beginn und kein Ende
Brenin: So wahr ich hier stehe
Die Unendlichkeit: In der Unendlichkeit gibt es nichts Wahres und nichts Unwahres Brenin
Brenin: Nur Unendliches
Die Unendlichkeit: Nur Unendliches
Brenin: Hinweg aus dieser Geschichte mit diesem Beginn und diesem Ende
Die Unendlichkeit: Brenin ist also bereit, aber was muss Brenin tun?
Brenin: Was muss Brenin tun?
Die Unendlichkeit: Brenin geht 99 Schritte von der Wüste hinweg….dort wird Brenin einen grossen Stein; den grössten weit und breit vorfinden….und dort wird Brenin eine Höhle finden….Brenin schiebt einige kleinere Steine beiseite und betretet die Höhle….dort wird Brenin jemanden finden, der Brenin helfen kann, den Weg zurück in die Endlichkeit zu finden
Brenin: Ohne Ende und ohne Beginn
Die Unendlichkeit: Eine Geschichte also
Brenin: Brenin ist bereit
Die Unendlichkeit: Und jenes Wesen, dass Brenin in der Höhle vorfinden wird, wird tief und fest schlafen….seit einer Ewigkeit schläft dieses nun schon und nur Brenin kann es gelingen dieses aus dessen Zauberschlaf zu erwecken
Brenin: Wie soll das gehen Unendlichkeit?
Die Unendlichkeit: Brenin weiß es nicht?
Brenin: Nein!
Die Unendlichkeit: Indem Brenin diesem tief schlafenden Wesen mit seinem Leiden an der Unendlichkeit anstecken wird
Brenin hustet.
Die Unendlichkeit: Genaus so Brenin
B.: Dass ist aber sehr unfreundlich
Die Unendlichkeit: Aber notwendig
Brenin: Und dass ist alles Unendlichkeit?
Die Unendlichkeit: Wenn es denn nicht schon zu viel für Brenin ist?
Brenin: Sollte es nicht komplizierter, komplexer, umfangreicher und schwieriger sein?
Die Unendlichkeit: Brenin ist hier in der Unendlichkeit und nicht in einem Märchen
Brenin: Brenin versteht
Die Unendlichkeit: Und ist es schon zu viel für Brenin?
Brenin: Nein, dass ist es nicht
Die Unendlichkeit: Ein Nichts zuviel
Brenin: Ein zu viel von Allem
Die Unendlichkeit: also ein Nichts
Brenin: Brenin ist bereit!
Die Unendlichkeit: Dann finde die Endlichkeit, tauche ein in die Geschichte, suche und finde dich Selbst; verliere dich!
Brenin: Dass wird Brenin….
Die Unendlichkeit: Die Unendlichkeit wird auf Brenin warten
Brenin: Ohne Beginn und ohne Ende
Die Unendlichkeit: So ist es
Brenin hustet.
Die Unendlichkeit: Dann sollte Brenin nunmehr aufbrechen

Die Stimme der Unendlichkeit erlischt und die ewige Stille kehrt wieder ein.
Brenin blickt sich nach der Stimme der Unendlichkeit um, zuckt kurz mit seinen Schultern und geht dann, seine Schritte dabei zählend, in die Richtung des größten Steines, welchen dieser erblickt.
Dort angekommen findet Brenin nach einer kurzen Ewigkeit, wie ihm von der Unendlichkeit vorausgesagt, den mit einigen kleineren Steinen verlegten Eingang zu einer Höhle.
Brenin schiebt einige kleinere Steine beiseite und betretet die Höhle, blickt sich um und entdeckt nach kurzer Suche ein in einer Ecke zusammengerolltes, tief schlafendes Wesen.
Brenin geht zu diesem, blickt dieses prüfend an, findet nichts Auffälliges und entschließt sich dann, den Rat der Unendlichkeit folgend, das schlafende Wesen aus dessen Zauberschlaf zu erwecken.
Brenin hustet.
Das schlafende Wesen reagiert indem dieses ein sehr lautes Gähnen von sich gibt und sich dann einige Male hin und her rollt.
Brenin hustet das schlafende Wesen nochmals an.
Keine Reaktion.
Brenin schüttelt an dem schlafenden Wesen.
Brenin: Aufwachen!
Das schlafende Wesen gähnt.
Brenin (an dem schlafenden Wesen rüttelnd und schüttelnd): Aufwachen!
Malin (gähnend): Ist schon gut….ist schon gut….(und das Wesen schläft weiter)
Brenin rüttelt an der Schlafenden.
Die Schlafende dehnt und streckt sich, gähnt nochmals ausgiebig und erhebt sich dann.
Malin: Wo bin ich?
Brenin: In einer Höhle
Malin: In einer Höhle?
Brenin: In der Unendlichkeit
Malin: Also in einer Höhle oder in der Unendlichkeit?
Brenin: In beidem
Malin (gähnend): Was….was….ist der Zauberschlaf nun beendet?
Brenin: Ja, dass ist der Zauberschlaf dann wohl
Malin (gähnend): Und wer bist du?
Brenin: Ich bin der einsame Wolf Brenin und wer bist du?
Malin: Also….also du weckst mich aus meinem Zauberschlaf und weißt nicht einmal wer ich bin?
Brenin: Dass ist eine komplizierte Geschichte
Malin: Was bedeutet kompliziert?
Brenin: Eine Geschichte ohne Anfang und Ende ist nunmal kompliziert
Malin: Müssen denn immerzu all diese Geschichten so kompliziert sein?
Brenin: Nur die Märchen nicht….
Malin: Und sind wir hier in einem Märchen?
Brenin: Nein….nicht dass ich davon wüsste
Malin: Wenigstens dieser Trost bleibt mir also
Malin (sich dehnend und streckend): Ich bin die Siebenschläferin Malin
Brenin: Sehr schön….freut mich deine Bekanntschaft zu machen
Malin: Jetzt werde nur nicht auch noch gleich zudringlich
Brenin: Nur nicht, dass du und ich uns missverstehen….
Malin: Dafür besteht auch nicht der geringste Spielraum, um dass auch allen Beteiligten, also dir, in aller Deutlichkeit klar zu machen
Brenin: Ich will dir doch nicht an die Wäsche
Malin: Dazu fehlt dir auch jedliche Wäsche
Brenin: Aber nun, da du wach bist….
Malin (Brenin wehklagend unterbrechend): Und dabei hatte ich soeben einen so schönen Traum….ich befand mich vor einer riesigen Menge Winterspeck….nur für mich….saftiger, guter, fetter, auf Genießertemperatur sich befindlicher und gerade richtig ausgereifter Winterspeck….nur für mich….fein säuberlich in kleine, würfelgroße Stücke geschnitten, um mir dann auf silbirgen, im Abendlicht wunderbar leuchtenden Silbertabletts dargeboten zu werden….nur für mich….und dann….und dann….warum hast du mich nur geweckt….warum nur!?
Brenin: Die Unendlichkeit hat mir deinen Aufenthaltsort verraten
Malin: Wer?
Brenin: Die Unendlichkeit
Malin blickt Brenin etwas schief an.
Malin: Also die Unendlichkeit ist von ihrem Thron herabgestiegen und hatte nichts Besseres zu tun, als dich, gerade dich aufzusuchen, um dir dann nichts wichtigeres mitzuteilen, als dass du mich aus meinen schönen Träumen wecken solltest?
Brenin: Ja
Malin gähnt. Brenin hustet.
Malin: Und wie….und wie hast du mich geweckt?
Brenin: Möchtest du dass auch wirklich wissen Siebenschläferin Malin?
Malin: Nur zu….nur zu….nach deinem Gespräch mit der Unendlichkeit kann mich an dir wohl nichts mehr erschrecken
Brenin: Die Unendlichkeit….
Malin (Brenin veräppelnd): Die Unendlichkeit
Brenin: Also die Unendlichkeit hat mir gesagt, dass ich….dass ich dich anhusten solle….denn dieses Husten würde dich dann wecken
Verblüfft blickt Malin zu Brelin.
Malin: Du hast was?
Brenin: Dich angehustet
Die Siebenschläferin Malin putzt sich ihr Gesicht mehrmals ab und blickt dann, leicht in Wallung gebracht, zu Brenin.
Malin: Wo ich es in meinen Träumen gerade so gemütlich hatte!
Brenin: Tut mir leid
Malin: Mich anzuhusten, da es dir die Unendlichkeit gesagt hat?
Brenin: So ist es
Malin: Noch so ein Spinner
Die Siebenschläferin Malin wendet sich von Brenin ab, legt sich nieder und rollt sich dabei zusammen.
Brenin beugt sich über die Siebenschläferin Malin und hustet diese an.
Malin gähnt und richtet sich dann wieder auf.
Malin: Weißt du was Brenin?
Brenin: Was?
Malin: Du weißt es also nicht?
Brenin: Was soll ich wissen?
Malin: Dass eine Siebenschläferin in der Unendlichkeit siebenmal unendlich lange schlafen muss, um wieder zu erwachen….bis sie….ja, bis sie….warte….bis sie nach dem siebten Schlaf von einem grauenhaften Geräusch eines durch und durch sonderbaren Wesen mit einem garstigen Sprühregen von schleimartigen Partikeln, welche über ihr holdes Haupt fallen, dem Rütteln und Schütteln eines seltsamen Vogels geweckt wird….
Brenin (sich umblickend): Ein seltsamer Vogel?
Malin: So besagt es zumindest die Überlieferung der uralten Siebenschläferrunde….und dann, wenn diese Prophezeiung in Erfüllung geht, muss die Siebenschläferin in die Endlichkeit zurückkehren
Brenin: Und welche Rolle spiele ich in dieser Geschichte?
Malin: Welche….welche Rolle!?
Die Siebenschläferin Malin tretet gänzlich nahe an den einsame Wolf Brenin heran.
Malin: Warum….warum hast du mich nur geweckt?
Brenin: Ich sagte doch schon….
Malin (Brenin unterbrechend): Die Unendlichkeit?
Brenin: Ja
Malin: Die Geschichte ohne Beginn und ohne Ende?
Brenin: Ja
Malin: Und warum in aller Unendlichkeit schickt dich diese Unendlichkeit ausgerechnet zu mir?
Brenin: Da nur du, die Siebenschläferin Malin den Weg zurück in die Endlichkeit kennst
Malin: Und du Brenin möchtest in die Endlichkeit zurückkehren?
Brenin: Ja, dass möchte ich
Malin: Dann ist ja alles klar
Brenin: Die Unendlichkeit hat uns zusammengeführt
Malin: Und wird uns gleich wieder trennen
Malin wendet sich von Brenin ab.
Brenin hustet.
Die Siebenschläferin Malin muss so laut gähnen, dass sich Brenin seine Ohren zuhält.
Malin: Nein….nein, dass kann nicht sein
Malin wendet sich wieder zu Brenin hin.
Malin: Brenin….huste noch einmal
Brenin: Warum sollte ich?
Malin: Huste!
Brenin: Schon in Ordnung
Brenin hustet. Malin gähnt.
Malin: Nochmals!
Brenin hustet. Malin gähnt.
Malin: Wenn du hustest, verspüre ich den unhaltbaren Drang zu gähnen
Brenin: Ja?
Malin: Und um so mehr ich gähne, um so wacher werde ich
Malin gähnt. Brenin hustet.
Brenin: Was soll dass?
Malin: Ab jetzt hustest du nicht mehr….verstanden!?
Brenin hustet. Malin gähnt.
Malin: Vielleicht ist es besser ich und du verlassen die Höhle, bevor ich auch noch zu husten beginne
Malin und Brenin bewegen sich zum Ausgang der Höhle.
Malin: Und woher hast du dieses Husten?
Brenin: Die Wiederholung des Immergleichen….der Erkenntnis, dass auch das Ende der Unendlichkeit unendlich ist….wegen der Erschöpfung, der Hitze, wegen der Unendlichkeit allen Tun und Handelns….
Malin: Mit der Unendlichkeit kennst du dich ja aus
Brenin: Ich habe nur einmal mit der Unendlichkeit gesprochen
Malin und Brenin erreichen den Ausgang der Höhle, verlassen diese und bleiben vor der Höhle stehen.
Malin: Und warum zieht es dich so sehr in die Endlichkeit zurück?
Brenin: Ich leide an der Unendlichkeit
Malin: Du leidest an der Unendlichkeit….wie soll dass gehen?
Brenin hustet. Malin gähnt.
Malin: Jetzt verstehe ich
Brenin: Und wohin nun, wo in allen Himmelsrichtungen nur die Unendlichkeit auf dich und mich wartet….zum einen die Wüste, zum anderen das Meer, zum anderen die Steppe und zum letzten die Zauberberge
Malin: Weißt du denn gar nichts Brenin?
Brenin: Was weiß ich nicht?
Malin: Wo ist diese Unendlichkeit, welche mit dir gesprochen hat?
Brenin: Dort drüben
Malin: Dann nicht dorthin
Brenin: Sollte ich vielleicht nicht noch einmal mit der Unendlichkeit sprechen?
Malin: Am besten ist Brenin du sprichst in Zukunft vielleicht so wenig wie nur irgendwie möglich
Brenin: Dass ist kränkend
Malin: Und notwendig oder kennst du jemanden, der mit der Unendlichkeit gesprochen hat?
Brenin: Außer mir niemanden
Malin: Also?
Brenin: Wie finden wir denn nun einen Ausweg aus der Unendlichkeit?
Malin: Auch die Unendlichkeit hat einen Ausweg
Brenin: Wo?
Malin: Zuerst suchen ich und du jemanden auf, der uns weiterhelfen kann
Brenin: Und zwar?
Malin: Kannst du eigentlich auch etwas anderes als andauernd Fragen zu stellen….nun gut….ich und du müssen das langsamste Wesen aufsuchen, dass es hier in der Unendlichkeit gibt….
Brenin: Die Unendlichkeit?
Malin: Nein!
Brenin: Die Siebenschläferin Malin?
Malin: Nein!
Brenin: Also?
Malin: Die Schildkröte
Brenin: Was ist mit dieser Schildkröte?
Malin: Die Schildkröte ist nicht nur das schlaueste Wesen hier in der Unendlichkeit, denn ich hoffe, dass sie auch über den Ausgang aus der Unendlichkeit Bescheid weiß
Brenin: Ist es ein sehr langer Weg zu dieser Schildkröte?
Malin: Beinahe unendlich
Brenin: So lasse uns nicht trödeln, denn starten.
Der Wolf Brenin und die Siebenschläferin gehen los.
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Malin: Obwohl sich die Schildkröte unendlich langsam durch die Unendlichkeit bewegt….
Brenin: ….ist diese doch nie am selben Ort aufzufinden
Malin: Nur gleich daneben
Brenin: Und wie heißt diese Schildkröte?
Malin: Jeder nennt sie anders….ich nenne sie nur Trampeltreu
Brenin: Du kennst sie?
Malin: Aus meinen Träumen
Brenin: Aus deinen Träumen?
Malin: Ja….was ist so komisch daran?
Brenin: Ich spreche mit der Unendlichkeit und du Siebenschläferin Malin beziehst dein Wissen aus Träumen
Malin: Lieber träumen als wach sich was einzubilden, dass es nicht gibt
Brenin: Einbildung ist die schönste Bildung
Malin: Noch nie von den Siebenschläferinnen-Träumen gehört?
Brenin: Noch nie
Malin: Siebenschläferinnen träumen von der Zeit, also der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft….
Brenin (Malin unterbrechend): Wir sind hier aber in der Unendlichkeit
Malin: ….träumen….
Brenin: Ja?
Malin (den Kopf schüttelnd): Ein Wolf kann dass nicht verstehen!
Brenin: Und diese Schildkröte namens Trampeltreu kann uns helfen?
Malin: Die Schildkröte wird wissen wie wir in die Endlichkeit zurück gelangen können
Brenin: Klingt vielversprechend
Malin: Also folge mir
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Malin: Was verschlägt denn einen Wolf wie dich in die Unendlichkeit Brenin?
Brenin: Dass ist eine lange Geschichte
Malin: Wir werden länger als die längste Geschichte unterwegs sein Brenin
Brenin: Irgendwo in der Mitte der Geschichte….
Malin: Ja?
Brenin: ….bin ich geflohen….
Malin: Vor was?
Brenin: Vor was wird ein furchtloser Wolf wohl fliehen?
Malin: Vor dem Rudel, der Verantwortung, vor Verfolgung….ich weiß es nicht
Brenin: Nein, nein, nein
Malin: Also vor dir selbst?
Längeres Schweigen von Brenin.
Brenin: Ich bin vor der Liebe geflohen
Malin (Brenin veräppelnd): Vor der Liebe?
Brenin: Du machst dich über mich lustig
Malin: Ich dachte immer diese Liebe gibt es nur in Märchen
Brenin: Nein, nur in schrecklichen Geschichten
Malin: Dann erzähle mir deine schreckliche Geschichte
Brenin: Soll ich wirklich?
Malin: Nur zu
Brenin: Ich war verliebt….so wie alle wahrlich Liebenden unglücklich….und um so verliebter um so unglücklicher….und um so unglücklicher um so verliebter….ein Teufelskreis, aus welchem es kein Entkommen zu geben schien….und so verbrachte ich hoffnungslos meine Tage und in ständiger Qual der Ungewissheit meine Nächte….den Morgen abwarten und den Abend mit der Hoffnung auf einen hoffnungsvolleren und doch nur hoffnungsleereren Morgen beendend und beginnend
Malin: Und dann bist du geflohen Brenin?
Brenin: Nein, aber ich erkannte doch wie sich alles, so wie immer, gegen den Liebenden verschwor
Malin: Muss es denn immer solchermaßen sein?
Brenin: So wird es wohl immerzu sein müssen
Malin: Der Neid?
Brenin: Nein….viel schlimmer….die Dummheit
Malin: Also doch der Neid
Brenin: Malin, du kannst es nennen wie du möchtest….Neid….Boshaftigkeit….Niedertracht….am Ende bleibt es trotzdem nur Dummheit
Malin: Und dann?
Brenin: Ja dann….ja dann….
Brenin hustet. Malin gähnt.
Brenin: Ich konnte nicht mehr, nein, es ging nicht mehr….ich konnte einfach nicht mehr dort und damit leben….Unerhörtes geschah; Geschehenes verging und mit zunehmenden Erschrecken und Erkennen wandte ich mich ab…..und damit und dann begann ich als einsamer Wolf durch die Welten zu wandern….
Malin: Welchen Welten denn Brenin?
Brenin: Einer Welt wo oben unten und unten oben ist
Malin: Und wo warst du Brenin?
Brenin: In der Mitte
Malin: Und wie war es da?
Brenin: Knapp war es da
Malin: Und dann?
Brenin: Dann war ich für längere Zeit in einer Schaf-Welt
Malin: Nie davon gehört
Brenin: Für einen Wolf beinahe das Paradies, aber auf Dauer wie alle Paradiese ziemlich langweilig
Malin: Die Unschuld mag keine Zweideutigkeit
Brenin: Und doch erscheint die Unschuld nur aus dieser zu bestehen
Malin: Zum Schein
Brenin: Also beinahe das gesamte Sein
Malin: So könnte es sein
Brenin: So ist es
Malin: Und dann?
Brenin: Dann war ich in einer Märchenwelt, wo nur Märchen lebten….
Malin: Und….
Brenin: Ich war natürlich der böse Wolf
Malin: Die klassische Rolle….
Brenin: ….und mir wie auf dem Leib geschneidert….ich weiß….nur für meinen Geschmack etwas zu wolfig
Malin: Und dann?
Brenin: Dann hier und dort und dort und hier….einer Welt in welcher sich alles verdoppelte und dann verdreifachte und vervierfachte und und und….mich Selbst eingeschlossen….aber mit vier Brenin´s zu leben, wo ich doch schon mit mir Selbst so ausgelastet bin
Malin: Viermal dich!?
Brenin: Viermal und noch viel öfters ich
Malin: Und warum sprichst du von einem einsamen Wolf?
Brenin: Ich bin ein Einzelgänger
Malin: In dieser einen Welt aber doch nicht
Brenin: Nur viermal einsamer
Malin: Also?
Brenin: Ich bin ein Wolf!
Malin: Also der Rudel….der Wolfsrudel?
Brenin: Ach vergiss es
Malin: Was soll ich vergessen?
Brenin: Ich bin einsam….alle Weltenwanderer sind einsam
Malin: Nun bis du Brenin es ja nicht mehr
Brenin: Eine kleine Ewigkeit
Malin: Und nach diesen Welten bist du Brenin in der Unendlichkeit gestrandet?
Brenin: Nach einer Unendlichkeit erreichte ich die Unendlichkeit und nach einer Ewigkeit….das Ende der Unendlichkeit
Malin: Und nun möchtest du wieder zu einem Wolfsrudel dazugehören und Siebenschläferinnen wie mich jagen?
Brenin (auflachend): Du bist doch eine viel zu leichte Beute
Malin: An mir haben sich noch alle Lebewesen ihre Zähne ausgebissen
Brenin: Wohl in den falschen Hals bekommen?
Malin: Dieses Kauderwelsch aus dem Magen aufsteigend….
Brenin: Der Hunger?
Malin: Nein….die Wut!
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Malin: Also….was möchtest du?
Brenin: Ich….ich möchte andere Welten entdecken….weiter suchen….weiter finden….weiter und weiter….andere Welten….denn ich bin nun zu einem Welten-Wanderer geworden und ich möchte nicht einer einzigen Welt und auch wenn diese die Unendlichkeit ist, verharren
Malin: Das Leben hat für dich entschieden
Brenin: So wie dieses für alle entscheidet
Malin: Das Leben, das Leben, das Leben
Brenin: Wohl genau so
Malin: Und jetzt?
Brenin: Genug der Unendlichkeit
Malin: Und dein Husten auskurieren?
Brenin: Und mein Husten, dieses Leiden an der Unendlichkeit, auszukurieren
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Brenin: Und wie war dass bei dir Siebenschläferin Malin?
Malin: Darüber möchte ich nicht sprechen
Brenin: Nun da ich meine Geschichte erzählt habe, erzähle du
Malin: Nein
Brenin: Muss ich mich unendlich oft wiederholen?
Malin: Nein heißt Nein
Brenin hustet. Malin gähnt.
Malin: Ach, warum auch nicht….ich wurde hierher….also in die Unendlichkeit verbannt
Brenin: Von wem?
Malin: Vom hohen Rat der Siebenschläfer
Brenin: Und warum?
Malin: Dass ist eine lange Geschichte
Brenin: Also?
Malin: Ich wollte mich nicht unterordnen, meinen mir zugewiesenen Platz in der Gesellschaft der Siebenschläfer einnehmen….ich wollte frei von diesen Regeln, Einschränkungen und Bestimmungen leben und so wurden die Konflikte mit dem hohen Rat der Siebenschläfer mit jedem Tag und jeder Nacht mehr und mehr und nicht weniger
Brenin: Ich verstehe
Malin: Der Umklammerung entfliehen, den Konditionen, den Vorgaben
Brenin: Den Bedingungen
Malin: Dem ritualisierten Dasein, dem immergleichen Ablauf
Brenin: Dem Schubladendenken in Kategorien der Unterordnung
Malin: Genau
Brenin: Dass kenne ich nur allzu gut
Malin: Alles war geregelt und vorherbestimmt….alles….der hohe Rat der Siebenschläfer hatte schon einen Mann für mich ausgesucht….den Sohn des Nüssemeister, wohlhaben dund universal gebildet….ein Pracht-Siebenschläfer….eine gute Partie….aber ich mochte den Sohn des Nüssemeister einfach nicht….nein, ich mochte ihn nicht….auch eine Arbeit im Amt für Winterschlaf-Freizeit-Aktivitäten wartete auf mich….gut bezahlt, 3 Nüsse pro Arbeitstag….und so alles war geregelt und vorherbestimmt
Brenin: Beengend?
Malin: Hin und wieder muss auch eine Siebenschläferin eine schwierige Entscheidung fällen
Brenin: Und du hast sie gefällt Malin
Malin: Die Streitereien mit den Obrigkeiten, die Einschüchterungsversuche, der subtile Druck, die Massen-Dynamik, das sich anzupassen und anpassen….
Brenin: Bis es zum Bruch kam….
Malin: Es war ein sonniger Herbsttag als es mit dem hohen Rat der Siebenschläfer zu einem Streit über die Dauer meines winterlichen Siebenschlafes gekommen war…..ich wollte mich nicht unterordnen….nein….dieses eine Mal nicht….ich wollte selbst bestimmen wann ich wie und warum ich im Frühling aufwachen wollte und mir dies nicht von der Gemeinschaft der Siebenschläfer vorher bestimmen lassen….ich wollte schlafen so lange wie ich wollte….
Brenin: Dein gutes Recht
Malin: Individualismus anstatt kollektives Mao-Sein
Brenin: Und so wurdest du aus der Gemeinschaft der Siebenschläfer verbannt?
Malin: Der hohe Rat der Siebenschläfer verbannte mich in die Unendlichkeit….und dort sollte ich als Strafe sieben Mal unendlich lange schlafen….um dann die Möglichkeit zu bekommen mir meine Möglichkeiten zu überlegen
Brenin: Zurück in die Gemeinschaft der Siebenschläfer?
Malin: Vielleicht
Brenin: Und ich bin diese Möglichkeit
Malin: Wenn das Unwahrscheinlichste die einzige wahrscheinliche Option ist, dann ist diese wohl sehr wahrscheinlich
Brenin: Also doch zurück zum Siebenschläfer-Stamm
Malin: Vielleicht hat sich in der Zwischenzeit ja etwas geändert
Brenin: Das rigide Regelwerk, welches das Gegeneinander in einem kontrollierbaren Rahmen hält!?
Malin: Es ist wohl notwendig, aber nicht für mich….und außerdem funktioniert es nicht
Brenin: Bei den anderen schon
Malin: Aber diese wollen nicht selbst bestimmen, diese wollen nicht denken
Brenin: Und genau dieses Nicht-Denken, Nicht-Selber-Bestimmen ist nicht nur ihre Stärke, denn auch das Verbindende untereinander
Malin: Ich möchte nicht schlecht über meine ehemalige Gemeinschaft sprechen
Brenin: Dann bist du ein Schaf wie diese
Malin: Nein, ich bin kein Schaf, ich bin nur eine….nur eine….
Brenin: Siebenschläferin?
Malin: So ist es
Brenin: Kein Schaf?
Malin: Nein!
Brenin: Welche….welche?
Malin: Welche nunmehr sieben Mal in der Unendlichkeit geschlafen hat
Brenin: Bis der Prinz….
Malin: ….verkleidet als Wolf
Brenin: Ach, keine Märchen
Malin: Nein, keine Märchen
Brenin: Du hast deine Strafe also akzeptiert?
Malin: Gar nichts habe ich, aber dass zur Genüge
Brenin: Dann bist du so einsam wie ich
Malin: Alle die die Freiheit lieben sind einsam
Brenin: Sehr einsam
Malin: Wir sollten unsere Kräfte sparen
Brenin hustet. Malin gähnt.
Malin: Genau so meine ich dass
Brenin: Dann lasse uns schweigend gehen
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Malin: Dort drüben….siehst du dort drüben Brenin
Brenin: Was?

Brenin und Malin gehen schweigend dahin, als die beiden an die Grenze einer fiktiven Bühne gelangen, diese herabsteigen und nach einer Ewigkeit bei den billigsten Zuschauerplätzen in einem fiktiven Theater wieder erscheinen.
Die beiden setzen sich sichtlich ausgelaugt in zwei leere Sitzplätze und trinken etwas Wasser aus Brenin`s Feldflasche.
Brenin: Ich habe eine schreckliche Ahnung
Malin: Dass das Wasser, obwohl es unendlich ist, zu Neige geht
Brenin: Nein….denn dass wir uns im Kreis bewegen
Malin: Du meinst wir sind wieder beim Ausgangspunkt der Geschichte angelangt?
Brenin: Genau
Malin: Obwohl diese Geschichte keinen Beginn und kein Ende hat
Brenin: Dass meine ich doch nicht
Malin: Aber es ist doch einiges in der Zwischenzeit passiert
Brenin: Ja….wirklich?
Malin: Ja doch
Brenin: Was ist geschehen?
Malin: Wir haben uns getroffen, wir suchen die Schildkröte, wir suchen einen Weg aus der Unendlichkeit
Brenin: Es erscheint als müsse jeder unserer Tätigkeiten unendlich lange in der Unendlichkeit dauern
Malin: Warten wir ab
Brenin: Ohne Zeit?
Malin: Wer braucht schon die Zeit?
Brenin: Vollenden wir den Kreis?
Malin: Die Quadratur des Kreises?
Brenin: Äquivalent zur Unendlichkeit
Malin: Eine Metapher auf die Unmöglichkeit
Brenin: Diesem Schatten auf dem Dasein
Malin: Zumindest versuchen wir es
Brenin: ….diese Geschichte zu entwickeln….
Malin: Vielleicht findet sich ja noch eine
Brenin: Eine Geschichte ohne Beginn und ohne Ende
Malin: Unmöglich ist ja nur die Endlichkeit
Brenin: Lass uns sehen
Brenin: Nein….lasse uns weitergehen
Malin: In Ordnung
Eine kleine Ewigkeit vergeht mit Nichtstun der Beiden auf ihren Sitzplätzen, bis sich Brenin und Malin von ihren Sitzplätzen erheben, durch den Zuschauerrraum zum Bühnenaufgang gehen und diesen dann hinauf.
Als die Beiden die fiktive Bühne des fiktiven Theaters erreichen….
Malin: Dort drüben
Brenin: Was ist dort drüben?
Malin: Die Schildkröte
Brenin: Ich sehe diese auch….los komm….

Malin und Brenin gehen zu der Schildkröte und bleiben vor dieser, welche sich unendlich langsam durch die Unendlichkeit bewegt, stehen.
Brenin: Und nun?
Malin: Es muss uns irgendwie gelingen die Aufmerksamkeit der Schildkröte zu erlangen
Brenin: Und wie?
Malin: Ich habe eine Idee Brenin….
Brenin: Ja?
Malin: Huste die Schildkröte doch an
Brenin: Und wo soll ich diese riesige Schildkröte denn anzuhusten?
Malin: Entscheide einmal, nur einmal du selbst
Brenin sucht sich einen Hustplatz und hustet von dort die Schildkröte an.
Malin gähnt die Schildkröte an.
Keine Reaktion der Schildkröte.
Brenin: Und jetzt?
Malin: Brenin, du verlierst zu schnell den Mut
Brenin hustet noch einmal die Schildkröte an.
Malin gähnt die Schildkröte an.
Die Schildkröte Trampelpfad gibt einen langgezogenen, wehklagenden Ton von sich und wendet ihren Kopf, welcher aus einem langen Hals mündet, Brenin und Malin hinzu.
Trampelpfad: Wer wagt es mich während meine ewigen Siesta zu stören?
Brenin: Der Wolf Brenin
Malin: Und die Siebenschläferin Malin
Trampelpfad: Ein dicker Wolf und eine knusprige Siebenschläferin….mmmmmmhhhh….
Malin: Brenin!
Brenin: Ja Malin?
Malin: Diese Schildkröte ist mir jetzt schon unheimlich
Brenin: Nur kein Angst….ich bin an deiner Seite….Schildkröte! Ich bin nicht dick!
Malin: Und ich bin patrout nicht knusprig!
Keine Reaktion von der Schildkröte Trampelpfad.
Malin: Brenin, lass mich mit der Schildkröte von Siebenschläferin zu Schildkröte sprechen
Brenin: Nur zu
Malin: Schildkröte! Schildkröte!
Trampelpfad: Ach so…ach so….ihr seid es nur….mein Nachtisch
Malin: Hör zu Schildkröte….wir sind nicht dein Nachtisch….wir wollten….
Trampelpfad (Malin unterbrechend): Ihr seid aber zwei köstliche Leckerbissen
Malin: Schildkröte….so verstehe doch….wir sind….
Ein lautes Knurren ist von der Schildkröte zu vernehmen.
Trampelpfad: Habt ihr dies auch gehört exquisite Gourmethäppchen….dass ist mein Magen, der solchermaßen knurrt
Malin: Wir brauchen deine Hilfe Schildkröte
Trampelpfad: Dass wird ein Festmahl werden
Brenin: Malin….!
Malin: Warte noch….
Die Schildkröte nimmt eine Blättersträucher in ihren Mund und lässt diese dann über Malin und Brenin herabrisseln.
Brenin: Was soll dass?
Trampelpfad: So nun seid ihr auch noch gut gewürzt….mmmmmmhhhhh….
Malin: Schildkröte!?
Trampelpfad.: Was ist denn gutes Häppchen?
Malin: Wir sind nicht hier um von dir verspeist zu werden….verstanden!
Trampelpfad: Oh, ich bin nicht wählerisch….wichtig ist doch vor allem, dass die Gewürzmischung passt
Malin: Brenin!
Brenin: Was soll ich tun Malin?
Malin: Beiss der Schildkröte Trampelpfad in die Pfote
Brenin: Ich bin aber gegen….
Malin (Brenin unterbrechend): Beiss der Schildkröte in die Pfote!
Brenin: Aber….
Malin (Brenin unterbrechend): ….und keine Grundsatzdiskussionen!
Trampelpfad: Dass wird ein ein Freudenfest für meinen Gaumen werden….
Brenin eilt zu einer der Pfoten der Schildkröte und verbleibt unschlüssig über seine weitere Vorgehensweise vor der Pfote stehen.
Trampelpfad: Wo habe ich nur meine Gabel wieder hingelegt?
Malin: Nun zier dich doch nicht solchermaßen Brenin
Brenin beisst der Schildkröte in die Pfote.
Die Schildkröte jaucht erschrocken auf.
Malin: Schildkröte….Schildkröte! Verstehst du es denn jetzt….wir sind keine Gourmetleckerbissen….keine Zwischenmahlzeit….keine Häppchen….
Trampelpfad: Meine Pfote….meine Pfote….
Malin: Brenin….noch einmal….
Trampelpfad: Warte….warte Siebenschläferin….ich habe verstanden….ich habe verstanden….aber wenn ihr keine, süßen Leckerbissen seid….warum seid ihr dann hier?
Malin: Wir brauchen deine Hilfe
Trampelpfad: Und deshalb beißt mir dein kleiner Freund in die Pfote?
Malin: Damit wir uns auch verstehen
Trampelpfad: Ja….ja….dass habe ich verstanden….ich weigere mich aber solchen Rabauken wie euch zu helfen
Malin: Brenin?!
Brenin: Malin?
Trampelpfad: Warte….so warte doch Siebenschläferin
Die Schildkröte Trampelpfad beugt ihren Kopf gänzlich nahe zu Malin und beobachtet diese aus der Nähe.
Trampelpfad: Als großen Happen kann man dich ja wahrlich nicht bezeichnen
Malin: Ich bin doch viel zu zäh für deine Geschmacksnerven
Trampelpfad: Und wie und wie heißt du und dein kleiner Freund nochmals….ich bin ja so vergesslich
Malin: Ich bin die Siebenschläferin Malin
Brenin: Und ich bin der Wolf Brenin und ich bin nicht klein!
Trampelpfad: Ach so….ach so….nicht klein….nicht knusprig….nicht dick….was seid ihr denn dann?
Malin: Zäh!
Brenin: Ungenießbar!
Malin: Unbekömmlich!
Brenin: Unverdaulich
Malin: Giftig!
Trampelpfad: Zäh und ungenießbar….unverdaulich und unbekömmlich….dass wäre doch einmal zur Abwechslung….
Malin: Giftig!
Trampelpfad: Also giftig….nein….giftig….nein….aber wenn ihr kein Zwischenhäppchen für mich seid….was macht ihr dann hier in der Unendlichkeit?
Malin: Ich schlief den ewigen, sieben Male andauernden Siebenschläferschlaf, bis der Wolf Brenin mich geweckt hatte
Brenin: Und ich bin nur zufällig in der Unendlichkeit gestrandet
Trampelpfad: Es gibt doch keinen Zufall Kinder
Brenin: Ein Weltenwanderer bin ich und in dieser Unendlichkeit gestrandet!
Trampelpfad: Am Felsen der Sinnlosigkeit des Universum zerschellt
Brenin: Könnte sein
Trampelpfad: Vielleicht?
Brenin: Genau
Trampelpfad: Und jetzt, also nie?
Malin: Wir brauchen deine Hilfe
Trampelpfad: Ja…ja….dass habe ich schon verstanden….alle brauchen meine Hilfe
Malin: Und so auch wir
Trampelpfad: Welche Art von Hilfe?
Malin: Die Zeit und….
Trampelpfad (Malin unterbrechend): Wir sind hier in der Unendlichkeit….hier gibt es keine Zeit
Malin: Gerade deshalb
Trampelpfad: Zeit gibt es nur in der Endlichkeit
Brenin: Genau!
Malin: Wie finden wird zur Zeit und Endlichkeit zurück?
Trampelpfad: Dazu müsst ihr als allererstes und als allerletztes langsamer werden
Malin: Und dann?
Trampelpfad: ….damit die Endlichkeit euch finden kann
Malin: Und wo finden wir diese Endlichkeit?
Trampelpfad: Diese wird euch finden
Brenin: Ja?
Malin: Und um die Unendlichkeit zu verlassen?
Trampelpfad: Um die Unendlichkeit zu verlassen, müsst ihr die Vogelscheuche finden….und somit den Weg finden, welcher euch in die Endlichkeit zurückführt
Malin: Und wo finden wir diese Vogelscheuche?
Trampelpfad: Die Vogelscheuche befindet sich nunmehr schon seit einer Ewigkeit am gleichen Ort
Malin: Wo?
Trampelpfad: Es ist ein sehr beschwerlicher Weg zu dieser Vogelscheuche
Malin: Ja?
Trampelpfad: Außerdem ist sie beleidigt
Malin: Warum und woher weißt du dass?
Trampelpfad: Vogelscheuchen sind immerzu beleidigt….dass macht das Wetter und was weiss ich
Malin: Also?
Trampelpfad: Was?
Malin:Wo?
Trampelpfad: Ach Kinder, wenn ihr wüsstet, welche Lasten ich mit mir herumschleppe
Malin: Wir wollen dir nicht zur Last fallen
Trampelpfad: Alles ist doch so beschwerlich
Malin: Ja, dass ist es wohl
Trampelpfad: Ach, meine Rückenschmerzen
Malin: Können wir dir helfen?
Trampelpfad: Ach, mein Rücken
Malin: Gibt es etwas was wir für dich tun können?
Trampelpfad (aufstöhnend): Ach so….ach so….mein Rücken
Malin: Alles schmerzhaft und chronisch, aber wo befindet sich die Vogelscheuche Schildkröte?
Trampelpfad: Ich verrate euch ein Geheimnis
Malin: Ja?
Trampelpfad: Ohhhh….ein Geheimnis….die Vogelscheuche….
Malin: Ja?
Trampelpfad: Die Vogelscheuche befindet sich auf meinem Rückenpanzer
Malin und Brenin blicken zum Rückenpanzer der riesigen Schildkröte und die Beiden erblicken eine Vogelscheuche, welche auf dem Rückenpanzer der Schildkröte Trampelpfad trohnt
Malin wendet sich wieder der Schildkröte hinzu.
Malin: Tatsächlich
Trampelpfad: Ja, auf meinem armen, geschundenen Rücken
Malin: Du möchtest die Vogelscheuche loswerden….oder?
Trampelpfad: Diese Vogelscheuche befindet sich nun schon….ach, was sage ich….diese Vogelscheuche bremst mich ein
Brenin: Was ja irgendwie schwer vorstellbar ist
Malin: Brenin!
Brenin: Ich schweige ja schon
Trampelpfad: Und doch, ja doch bremst mich diese Vogelscheuche ein….ansonsten wäre ich doch längst schon an meinem Ziel angelangt
Malin: Und welches Ziel wäre dass Schildkröte Trampelpfad?
Trampelpfad: Welches Ziel?
Malin: Ja
Trampelpfad: Ich hadere noch zwischen drei Zielen….der Unendlichkeit….der Endlichkeit….und der Enscheidung zwischen diesen Beiden….
Malin: Seit einer Ewigkeit
Trampelpfad: Ja….woher weißt du dass Malin?
Malin: War nur so eine Vermutung
Trampelpfad: Und was vermutest du ansonsten noch?
Malin: Wenig bis gar nichts
Trampelpfad: Also?
Malin: Dein eigentliches Ziel ist die Ewigkeit….die Nicht-Entscheidung
Trampelpfad: Du bist eine scharfsinnige Siebenschläferin
Malin: Und du langweilst dich
Trampelpfad: So wie ihr
Malin: Auch die Langeweile hat ihre Geschichte
Trampelpfad: Erzähle sie mir
Malin: Die Langeweile entstand, wie sollte es auch anders sein, vor langen Ewigkeiten in der Unendlichkeit; Zeit und Raum waren vom Nichts satt geworden und so begannen sich diese auszudehnen….dehnten und dehnten sich und so entstand das Universum; die Welten, die Vielfalt, das Leben und die Möglichkeiten und doch hatten weder die Zeit noch der Raum eine Vorstellung davon wie unendlich, wie ewig dies alles geworden war und so begannen sich der Zeit und der Raum mit dem Etwas zu beschäftigen, um festzustellen, dass es nur ein Nichts war….da begannen sich der Zeit und der Raum wiederrum zu langweilen und gründeten die Physik.(ä)

Trampelpfad: Eine langweilige Geschichte über die Langeweile….wie langweilig
Malin: Ja….langweilig
Die Schildkröte beugt sich gänzlich nahe zu Malin heran.
Trampelpfad: Los Siebenschläferin Malin, klettere zur Vogelscheuche hinauf
Malin: Ich versuche mit der Vogelscheuche zu sprechen….warte hier Brenin
Brenin: Ich warte
Die Siebenschläferin Malin klettert auf den Rücken der Schildkröte hinauf und befindet sich dort angekommen vor der Vogelscheuche.
Malin: Vogelscheuche?
Vogelscheuche: Geh mir aus der Sonne
Malin: Es scheint keine Sonne
Vogelscheuche: Ja?
Malin: Ja
Vogelscheuche: Also, wer stört?
Malin: Ich bin die Siebenschläferin Malin und wie ist dein Name?
Vogelscheuche: Was möchtest du?
Malin: Ich….
Vogelscheuche (Malin unterbrechend): Flattern meine Arme im Wind?
Malin: Wie bitte?
Vogelscheuche: Flattern meine Arme im Wind?!
Malin: Es ist windstill
Vogelscheuche: Was möchtest du….warte….warte….solltest du hier in der Ewigkeit als Siebenschläferin nicht sieben Mal ewig schlafen?
Malin: Du musst mir helfen
Vogelscheuche: Warum schläfst du nicht?
Malin: Ich wurde von einem Wolf geweckt
Vogelscheuche: Oh wie schrecklich….dass tut mir aber leid für dich
Malin: Du musst mir helfen
Vogelscheuche: Warum sollte ich?
Malin: Um uns zu helfen
Vogelscheuche: Uns?
Malin: Mir und dem einsamen Wolf Brenin
Vogelscheuche: So einsam erscheint mir dieser Wolf dann aber doch nicht zu sein
Malin: Dass ist eine lange Geschichte
Vogelscheuche: Wie lang?
Malin: Zu lang
Vogelscheuche: Also sehr kurz….
Malin: Ohne Beginn und ohne Ende….
Vogelscheuche: Und es ist trotzdem eine Geschichte?
Malin: Was denn sonst?
Vogelscheuche: Was denn sonst?
Malin: Hilfst du uns?
Vogelscheuche: Wobei?
Malin: Du musst den Rückenpanzer der Schildkröte verlassen Vogelscheuche
Vogelscheuche: Was sollte dies bringen?
Malin: Dann erzählt uns die Schildkröte das Geheimnis des Weges aus der Unendlichkeit hinaus
Vogelscheuche: Unmöglich
Malin: Wie?
Vogelscheuche: Unmöglich!
Malin: Warum sollte dies unmöglich sein?
Vogelscheuche: Ich habe es im tiefsten Innern meines morschen Holzes schon immer gewusst….die Schildkröte genießt meine Anwesenheit….ja gänzlich vernarrt ist diese Schildkröte in mich; aber; natürlich möchte ich nichts davon wissen
Malin: Die Schildkröte sagte mir, dass du, also die Vogelscheuche auf ihrem Rückenpanzer, dass du also; dass du die Schildkröte bremst
Vogelscheuche: Also dass ist doch lachhaft
Malin: Sie sagte es mir
Vogelscheuche: Wer sagte was?
Malin: Wie bitte?
Vogelscheuche: Was oder wer, nicht wie!
Malin: Also….
Vogelscheuche (Malin unterbrechend): Schlottern meine Beine in der Kälte?
Malin: Es ist nicht kalt
Vogelscheuche: Woher willst du dass wissen?
Malin: Ich weiß es einfach
Vogelscheuche: Du hälst mich für dumm?
Malin: Nein!
Vogelscheuche: Also ich….ich….die Schildkröte einbremsen…also….nein….hat die Schildkröte dies wirklich gesagt?
Malin: Ja
Vogelscheuche: Also so was auch….da leistet man der Schildkröte eine Ewigkeit lang und kurz und breit und lang Gesellschaft und dass ist dann der Dank
Malin: Also hilfst du uns?
Vogelscheuche: Undank ist aller Welten Lohn
Malin: Womöglich ja
Vogelscheuche: Ihr wollt also die Unendlichkeit verlassen
Malin: Ja, dass wollen wir
Vogelscheuche: Ich weiß zwar nicht wie ihr die Unendlichkeit verlassen könntet, aber ich verlasse unter einer Bedingung den Rückenpanzer der Schildkröte
Malin.: Welcher?
Vogelscheuche: Ich möchte mit euch die Unendlichkeit verlassen
Malin: Was möchtest du?
Vogelscheuche: Ich möchte mit euch die Unendlichkeit verlassen
Malin: Nein
Vogelscheuche: Unmöglich?
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Malin: Also gut
Vogelscheuche: Endlich einmal etwas Abwechslung
Malin: Ich sollte noch Brenin fragen
Vogelscheuche: Den Wolf?
Malin: Ja
Vogelscheuche: Ach vergiss es….ja oder nein….
Malin: Wie heißt du?
Vogelscheuche: Ich bin die Vogelscheuche Sam….also?
Malin (nach kurzem Überlegen): Ja
Vogelscheuche: Dann lasse uns aufbrechen
Die Vogelscheuche Sam und die Siebenschläferin Malin klettern vom Rückenpanzer der Schildkröte zu dem wartenden Brenin.
Brenin: Du hast es geschafft Malin
Malin: Frage mich nicht zu welchem Preis
Brenin: Ich bin der einsame Wolf Brenin und du?
Vogelscheuche: Ich bin die Vogelscheuche….Freunde dürfen mich Sam nennen
Brenin: Also gut Vogelscheuche….danke für deine Hilfe
Vogelscheuche: Nichts für ungut
Brenin: Und was war der Preis Malin?
Malin: Die Vogelscheuche….also Sam wird uns bei unserem Weg aus der Unendlichkeit hinaus begleiten
Brenin: Nun gut….herzlich willkommen Vogelscheuche in unserer illustren Runde
Vogelscheuche: Die Ehre ist gänzlich meinerseits
Malin: Du wirst uns also begleiten
Vogelscheuche: Ihr könnt mich Sam nennen
Brenin: Sehr freundlich von dir
Die Drei wenden sich der vor sich dahinsummenden Schildkröte hinzu.
Malin: Schildkröte….Schildkröte!
Trampelpfad: Oh….mein Mittagessen
Malin: Schildkröte!
Trampelpfad: Und schon gewürzt
Malin: Brenin!
Trampelpfad: Schon gut….schon gut Siebenschläferin Malin, die nicht mehr schläft….was ist diese seltsame Gestalt neben dir?
Malin: Dass ist die Vogelscheuche Sam
Trampelpfad: Ich meinte den einen der anderen Seite
Malin: Dies ist Brenin, der einsame Wolf
Trampelpfad: Ach so….ach so….wie vergesslich ich doch bin….es ist dir also gelungen die Vogelscheuche von meinem Rückenpanzer herunter zu locken
Vogelscheuche: Und ich….
Trampelpfad (die Vogelscheuche Sam unterbrechend): Ich weiss….ich weiss doch….
Vogelscheuche: Eine Unverschämtheit ist dass, da leiste ich dir eine Ewigkeit lang und kurz Gesellschaft und dann nur Undank!
Trampelpfad: Ach Vogelscheuche….Undank ist aller Welten Lohn
Vogelscheuche: Sogar in der Unendlichkeit
Trampelpfad: Gerade dort
Vogelscheuche: Wahrlich eine Unverschämtheit ist dass
Trampelpfad: Wohl war ich einfach zu schnell
Vogelscheuche: Zu schnell? Zu langsam!
Trampelpfad: Also stimmt es doch….Undank ist aller Welten Lohn
Die Vogelscheuche schmollt schweigend und so ergreift die Siebenschläferin Malin die Gelegenheit.
Malin: Also Schildkröte, nun da wir die Aufgabe welche du uns gestellt hast erfüllt haben….also der Weg aus der Unendlichkeit hinaus?
Trampelpfad: Ihr müsst….ihr müsst….(längeres Schweigen)….könnt ihr denn meine Pfotenabdrücke im Boden hinter mir erkennen?
Malin eilt an das Ende der riesigen Schildkröte und von dort wieder zurück.
Malin: Ja, ich kann diese erkennen
Trampelpfad: Ihr müsst diese rückwärtsgehen, bis diese so schnell nach vorwärts strebenden Abdrücke enden
Malin: Und dann?
Trampelpfad: Dann seid ihr dermassen langsam geworden, dass ihr die Grenze zur Endlichkeit erreichen könnt
Malin: Immer deinen Pfotenabdrücken rückwärts hernach?
Trampelpfad: Eine Pfote schmerzt nunmehr
Malin: Und dass ist alles?
Trampelpfad: Manchmal….nein, doch nicht….
Malin: Sollte es nicht etwas komplexer, schwieriger und anspruchsvoller sein?
Trampelpfad: Wie bitte?
Malin: Irgendwelche versteckten Anspielungen, ja Ereignisse, Verwicklungen und Entwicklungen?
Trampelpfad: Wir sind hier doch nicht im Theater
Malin: Nein, dass sind wir nicht
Trampelpfad: Ja, dies ist alles….und nun muss ich rasten
Malin: Vielen Dank für deine Hilfe Schildkröte Trampelpfad
Trampelpfad: Nichts für ungut….sollt leben….wichtig ist mir nur, dass ihr die Vogelscheuche mitnehmt
Vogelscheuche: Eine Unverschämtheit, ein Skandal….
Die beginnende Tirade der Schildkröte wird durch die Schildkröte unterbrochen, indem sich diese unvermittelt in ihre Behausung im Rückenpanzer zurückzieht.
Brenin, Malin und Sam eilen zu den Pfotenabdrücken der Schildkröte.
Malin: Dass wäre dann also der Weg
Brenin: Scheint eher langsam zu sein
Vogelscheuche: Langsamer als die Schildkröte
Malin: Dass ist unmöglich
Brenin: Also unendlich
Vogelscheuche: Dann lasst uns sogleich starten
Malin: Ja, dass sollten wir….also….
Malin, Brenin und Sam beginnen in den riesigen Pfotenabdrücken der Schildkröte rückwärts zu gehen.
Brenin: Und dass wird funktionieren?
Malin: Hast du eine bessere Idee?
Brenin: Vielleicht später
Brenin hustet. Malin gähnt. Sam schmollt.
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Vogelscheuche: Ist es noch weit?
Malin: Wir sind doch gerade eben erst gestartet Sam
Vogelscheuche: Ach so
Brenin: Und Vogelscheuche Sam, was hast du denn in deiner bisherigen Zeit so gemacht?
Vogelscheuche: Nicht viel
Brenin: Also nicht viel
Vogelscheuche: Dies und jenes
Brenin: Und jenes und dies
Vogelscheuche: Mal dort, mal hier, mal anderswo
Brenin: Und jetzt bis du hier?
Vogelscheuche: Ich war jenseits vom Niergendwo und im diesseits vom Niergendwo und nun bin ich hier
Brenin: In der Unendlichkeit
Vogelscheuche: Ich möchte mich nicht darauf festnageln lassen
Malin: Niemand nagelt
Vogelscheuche: Gerade deshalb
Malin: Und dass soll einen Sinn ergeben?
Vogelscheuche: Übrigens….bezüglich Sinn….was hat euch denn in die Unendlichkeit verschlagen?
Brenin: Nicht schon wieder
Malin: Es ist um mich kurz zu fassen, die immergleiche Geschichte
Brenin: Liebe, Freiheit, Freundschaft, Verzweiflung, Langeweile, die Logik, das Undefinierbare, die Endlichkeit….
Malin: Unsere Geschichte kann man, so wie man dich Vogelscheuche Sam nicht festnageln kann, nicht festmachen….
Vogelscheuche: Also ein work in progress?
Brenin: So kann es eine Vogelscheuche wohl auch sehen
Vogelscheuche: Interessant
Malin: Was ist interessant?
Vogelscheuche: Eure Geschichte
Malin: Wenn du sie nicht kennst Vogelscheuche?
Vogelscheuche: Gerade deshalb….gerade deshalb
Brenin: Und da soll noch einer sagen….und da sollte noch einer sagen….
Etwas Unendlichkeit vergeht.

Endlos und unerzählbar erscheint nicht nur die Anzahl der Abenteuer, denn auch der Weg zur Grenze der Endlichkeit für Malin, Brenin und Sam zu sein, doch irgendwie, keiner von den dreien wusste so recht wie, erreichen die drei Abenteurer dann doch das Ende der Pfotenabdrücke der riesigen Schildkröte.

Entgegen ihren Erwartungen stehen die drei Abenteurer nicht vor einer irgendwie sichtbaren Grenze zur Endlichkeit, denn als sie das Ende der Pfotenabdrücke der Schildkröte erreichen, steht vor diesen ein sich seltsam verhaltender Kater.
Dieser Kater wirkt auf die drei Abenteurer doch sehr seltsam, da dieser seinen Körper in sehr unansehbarer Art und Weise verrenkt.
Staunend beobachten die drei Abenteurer den seltsamen Kater, welcher dermassen in seine Verrenkungen vertieft ist, dass dieser die Ankunft Brenin, Malin und von Sam gar nicht bemerkt.
Brenin: Malin, soll ich dem Kater in die Pfote beißen?
Malin: Warte
Malin nähert sich dem Kater.
Malin: Entschuldige bitte
Keine Reaktion des Kater.
Malin: Brenin
Brenin: Malin?
Malin: Versuche es du mit deinem Artgenossen
Brenin: Sofort
Brenin eilt vor dem weiter sich dehnenden und sich streckenden Kater hin.
Brenin: Kleines Mitze-Mitzekätzchen?
Keine Reaktion des Kater.
Brenin: Kleiner Nörgelpott?
Keine Reaktion des Kater.
Brenin: Flohpelz….Monsterratte….Nervbeutel….Mausi….Mausibärchen?
Keine Reaktion des Kater.
Brenin: Salontiger!
Der seltsame Kater verrenkt seine Glieder noch einmal und lässt die Verrenkungen dann bleiben.
Brenin: Salontiger!….Salontiger!
Der seltsame Kater blickt zu den Abenteurern.
Eine kleine Ewigkeit später….
Marlowe: Wer wagt es den Meister bei seinem allzeitlichen Tai Chi zu stören?
Brenin: Bei was stören wir dich?
Marlowe: Kulturbanausen!
Brenin: Kulturbanausen?
Marlowe: Barbaren!
Brenin: Also….
Marlowe (Brenin unterbrechend): Schmierenkomödianten!
Brenin: Wir sind….
Marlowe (Brenin unterbrechend): Ich weiss doch wer ihr seid
Vogelscheuche: Ja?
Marlowe: Ja
Malin: Und wer sind wir?
Marlowe: Dass tut nichts zur Sache
Malin: Und mit wem haben wir die Ehre?
Marlowe: Mit einem Kater….nix da mit Mietzekätzchen Lumpenstrolche
Vogelscheuche: Kater….?
Marlowe: Mit einem Kater….nix da mit Mausibär….Flohpelz….Nervbeutel und auf keinen Fall ein Salontiger!
Brenin: Als kein Salontiger!
Marlowe: Hüte deine Zunge vor diesem Unwort
Malin: Also mit einem Kater namens Kater?
Marlowe: Euch hat wohl die Unendlichkeit verkatert….Marlowe….Kater Marlowe ist mein Name
Malin: Darf ich vorstellen?
Marlowe: Ausnahmsweise
Malin: Ich bin die Siebenschläferin Malin….der einsame Wolf Brenin…..und die Vogelscheuche Sam
Marlowe: Eine lustige Runde
Vogelscheuche: Wie lustig?
Marlowe: Was ist lustig?
Vogelscheuche: Gar nichts
Marlowe: Und wass wollt ihr hier bei mir….ausser mich bei meinem allzeitlichen Tai Chi zu stören?
Brenin hustet. Malin gähnt. Sam schmollt.
Marlowe: Was war denn dass jetzt?
Brenin: Wir leiden an der Unendlichkeit
Marlowe: Ihr leidet also an der Unendlichkeit
Vogelscheuche: So ist es
Malin: Wir wollen in die Endlichkeit zurückkehren
Brenin: Und suchen die Grenze zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit
Marlowe: Ja, dass wäre dann wohl hier
Brenin: Hier?
Marlowe: Einige Schritte von euch entfernt….für Siebenschläfer, Wölfe und Vogelscheuchen-Augen natürlich unsichtbar, verläuft die berüchtigte Grenze zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit
Malin: Berüchtigt?
Vogelscheuche: Unsichtbar?
Brenin: Wo ist hier die Grenze?
Marlowe: Ja….Marlowe….Kater Marlowe weiss es
Malin: Und?
Marlowe: Was und?
Malin: Das übliche Geschwätz oder endlich mal etwas nicht unendlich Konkretes?
Marlowe: Ich kann erkennen, dass ihr satt von der Unendlichkeit und hungrig nach der Endlichkeit seid?
Brenin: Sehr hungrig
Marlowe: Ich habe übrigens auch genug von dieser Unendlichkeit
Malin: Du hilfst uns also Kater Marlowe
Marlowe: Wenn ich denn möchte, dann könnte ich euch helfen
Brenin: Und warum gehst du nicht einfach über die Grenze in die Endlichkeit zurück?
Marlowe: Ich könnte….ja, ich könnte….aber irgendetwas hält mich davon ab
Malin: Und was hält dich davon ab?
Marlowe: Nun ja….so einfach wie es in meinen Wörtern klingt, ist es dann wohl nicht
Brenin: Wo befindet sich der Haken in dieser Geschichte?
Marlowe: Kein Haken in dieser Geschichte
Vogelscheuche: Und kein Beginn und kein Ende
Brenin: Also?
Malin: Du hast Angst davor die Unendlichkeit zu verlassen, denn du weisst nicht, welche Welt dich auf der anderen Seite dann erwartet Kater Marlowe
Marlowe: Ich….ich und Angst….willst du dich….Malin war dein Name (Nicken von Malin)….also Malin willst du dich vor allen lächerlich machen?
Malin: Wenn es also die Angst ist, die dich davon abhält, dann brauchst du dich dafür aber auch nicht zu schämen
Marlowe: Ich habe keine Angst!
Malin: Und warum zittert deine Pfote?
Kater Marlowe blickt verblüfft zu seiner Pfote.
Marlowe: Nun gut….die letzte Welt die ich aufsuchte war schrecklich….und wenn ich schrecklich sage, dann meine ich damit die aller-allerschrecklichste aller Welten zusammen
Malin: Du hast Angst
Brenin: Also?
Vogelscheuche: Welche Welt Kater Marlowe?
Marlowe: Es war eine Welt namens Hunde und schrecklich fletschten die Zähne, gierig tropfte der Speichel, bissig war die Hetze….ich rannte um mein Leben, wieselflink trickste ich die Meute aus, schlug Kurven wie Ecken, schlitterte an den Fallen knapp daneben dahin und um Haaresbreite tanzte ich am Verderben vorbei….schrecklich….schrecklich….schrecklich anstrengend
Brenin: Und dies ist der Grund, warum du so unschlüssig vor dieser unsichtbaren Grenze zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit umherstreunst?
Marlowe: Was denkst du?
Brenin: Ja
Marlowe: Also denkst du
Malin: Und dass ist alles?
Marlowe: Nein….es ist solchermassen, dass jene, welche die Grenze zwischen Unendlichkeit und Endlichkeit ueberqueren, dass diese, bevor diese einen Schritt in die Endlichkeit gesetzt haben mit einem fürchterlichen Wesen verhandeln müssen
Malin: Fürchterlicher als meine zuvor getätigte Behauptung kann es wohl nicht sein?
Brenin: Malin!
Malin: Schon gut….entschuldigung Kater Marlowe
Vogelscheuche: Welches furchtbares Wesen denn?
Marlowe: Auf jeden Fall keine Vogelscheuche
Vogelscheuche: Ich bin nicht furchtbar
Marlowe: Doch!
Vogelscheuche: Nein
Malin (Sam und Marlowe unterbrechend): Also Kater Marlowe?
Marlowe: Und dann kommt der Tod
Malin: In der Unendlichkeit ist es unmöglich zu sterben
Marlowe: Nein, nein….so meinte ich dass nicht
Malin: Man stirbt
Brenin: ….und wird in der Endlichkeit wiedergeboren?
Marlowe: Nein, nein….so meinte ich dass nicht
Vogelscheuche: Der Tod kommt und wir werden endlich….
Brenin: ….in der Endlichkeit enden?
Marlowe: Nein, nein, nein!
Vogelscheuche: Wie denn dann?
Marlowe: Derjenige oder diejenige begegnet dem Tod
Malin: Dem Tod?
Brenin: Hat der Tod denn eine Form?
Marlowe: So ist es!
Brenin: Mit einer Sichel und diesem berüchtigten schiefen Blick?
Marlowe: Der Tod ist niemals so wie man sich diesen vorstellt
Malin: Du bist dem Tod also schon begegnet?
Kater Marlowe zögert mit seiner Antwort.
Brenin: Also?
Marlowe: Ja!
Brenin: Und?
Marlowe: Sieben Mal
Malin: Und nun?
Marlowe: Und nun?
Malin: Ja nun!
Marlowe: Wir haben hier in der Unendlichkeit keine Zeit….und ausserdem bist du eine Siebenschläferin….warum schläfst du nicht?
Malin: Dass ist eine lange Geschichte
Marlowe: Und überhaupt und generell….wie ist es denn möglich, dass ihr in der Unendlichkeit gestrandet seid, ohne dem Tod zu begegnen?
Brenin: Ich habe dem Tod ein Schnippchen geschlagen
Marlowe: Wie soll dass in aller Welten Irrsinn denn nur einmal funktionieren?
Brenin hustet. Malin gähnt. Sam schmollt. Marlowe’s Pfote zittert.
Marlowe: Ihr braucht meine Hilfe
Malin: Was verlangst du dafür Kater Marlowe?
Marlowe: Nichts!
Malin: Wie viele Nichts?
Marlowe: Ihr erzählt mir im Laufe dieser Geschichte eure Geschichten und währendessen überlege ich wieviele Nichts ich von euch verlangen könnte
Malin: Brenin?
Brenin: Ich hatte das Ende der Unendlichkeit gefunden und dort sprach mich die Unendlichkeit an….
Marlowe (Brenin unterbrechend): Also, dass ich dass auch richtig verstehe; du hast mit der Unendlichkeit gesprochen?
Brenin: Und diese….diese Unendlichkeit sagte mir, wo ich die Siebenschläferin Malin finden konnte
Marlowe: Ja….also wir haben hier einen der mit der Unendlichkeit spricht….
Brenin: Ja, dass haben wir!
Marlowe: Nun gut….und wie geht es weiter?
Brenin: Ich fand die schlafende Siebenschläferin, weckte diese sanft aus ihren Träumen und gemeinsam suchten wir dann der Unendlichkeit die Schildkröte, bei welcher wir die Vogelscheuche Sam….
Marlowe (Brenin unterbrechend): Genug….genug
Brenin: Was ist?
Marlowe: Dass wird ja viel zu kompliziert und komplex
Brenin: Soll ich dem Kater Marlowe in die Pfote beissen Malin?
Malin: Nicht jetzt Brenin….nicht jetzt….
Marlowe: Wer soll denn bei solch einer Geschichte ohne Beginn und ohne Ende denn den Überblick behalten?
Brenin: Wir zum Beispiel
Marlowe: Schlechtes Beispiel
Malin: Genug der Freundlichkeiten….kannst du uns helfen die Grenze zu finden, zu überschreiten, mit dem Tod zu verhandeln und uns sicher in die Endlichkeit bringen?
Marlowe: Ohne Plan?
Malin: Ohne Plan!
Marlowe: Sehr gut, dann könnte es funktionieren
Brenin: Was wird funktionieren?
Marlowe: Ich werde euch begleiten….ich muss nämlich in der Endlichkeit noch etwas erledigen
Vogelscheuche: Was erledigen?
Marlowe: Ist dass so wichtig?
Vogelscheuche: Nein, eigentlich überhaupt nicht
Marlowe: Also….also es geht um mein achtes Leben
Brenin: Aber hat ein Kater nicht maximal sieben Leben?
Marlowe: Früher schon….aber jetzt gibt es ja mich
Malin: Also ein achtes Leben
Marlowe: Ja
Brenin: Ein achtes endliches Leben leben?
Marlowe: So ist es
Malin: Zeige uns nun die Grenze
Marlowe: Nun gut….kommt mit
Die vier Abenteurer gehen einige Schritte in die falsche Richtung.
Malin: Wir gehen wieder rückwärts
Marlowe: Vielleicht aber auch vorwärts
Brenin: Wohin auch immer
Marlowe: Hier….hier ist die Trennlinie zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit….
Vogelscheuche: Wo ist was?
Marlowe: Dies ist die Grenze
Malin: Also Brenin, Sam und Kater Marlowe….auf drei….eins….zwei….
Brenin (Malin unterbrechend): Und wir sind uns gänzlich sicher, dass wir diesen grossen Schritt auch wirklich wagen möchten?
Malin: Ja, dass sind wir
Brenin: Nun gut
Malin: Eins….zwei….
Vogelscheuche (Malin unterbrechend): Warte
Malin: Was ist denn nun schon wieder?
Vogelscheuche: Ich richte noch meinen Hut
Die Vogelscheuche Sam richtet seinen Hut.
Malin: Bist du nun bereit Vogelscheuche?
Vogelscheuche: All-Zeit; Nie-Wo bereit
Malin: Also….eins….zwei….
Marlowe (Malin unterbrechend): Eines sollte ich euch vielleicht noch sagen
Malin: Was Kater Marlowe?
Marlowe: Wenn es nicht funktionieren sollte, dann ist es nicht meine Schuld
Malin: Und wessen Schuld sollte es denn dann sein?
Kater Marlowe zuckt mit den Schultern.
Die vier Abenteurer machen einen Schritt nach vorne, also zurück und nichts passiert.
Marlowe: Wisst ihr was?
Vogelscheuche: Nein
Marlowe: Wir machen jetzt zwei Schritte zurück….also vorwärts
Die vier Abenteurer machen zwei Schritte zurück bzw. vorwärts….und….und….und….Brenin hustet….und….und….Malin gähnt….und….und….Sam schmollt….und….und….Kater Marlowe’s Pfote zittert….und plötzlich befinden sich die vier in einem alle vier durcheinander wirbelnden, nach oben, nach unten und alle noch viel mehr durcheinanderwirbelnden Wirbel.
Brenin: Wo sind wir?
Vogelscheuche: Meine Arme flattern
Marlowe: Ganz ruhig Vogelscheuche
Vogelscheuche: Und die Sonne scheint
Marlowe. Keine Ahnung wo wir sind
Brenin: Und wo ist dieses „Keine Ahnung“?
Vogelscheuche: Meine Beine schlottern
Marlowe: Nur keine Panik….nun begegnen wir dem Tod
Brenin: Ich kann mich nicht mehr spüren
Malin: So wie immer
Vogelscheuche: Ich spüre auch nichts mehr
Marlowe: Dass ist der Jetlag
Brenin: Meine Ohren schlafen ein
Marlowe: Dass wird gleich viel schlimmer
Malin: Wie kannst du nur so ruhig bleiben Kater Marlowe?
Marlowe: Irgendeiner muss der Panik Brücken bauen
Brenin: Sehr beruhigend, dass zu wissen
Malin: Spürt ihr auch diese plötzliche Kälte?
Vogelscheuche: Mir friert
Brenin.: Was hat diese Kälte zu bedeuten Kater Marlowe?
Marlowe: Diese Kälte ist der Tod
Malin: Es wird immer kälter
Brenin: Wir fallen!

Die vier Abenteurer fallen in ein Nichts hinunter, welches wie ein Strudel, welcher sie zu verschlucken droht, erscheint.
Die vier Abenteurer schreien aus tiefster Kehle.
Doch plötzlich, von einem Moment auf den anderen, befinden sich die vier Abenteurer wieder in waagrechter, stabiler Position, atmen tief durch, versuchen den Schrecken zu verdrängen, als plötzlich der Tod vor ihnen steht.

Der Tod und die vier Abenteurer blicken sich gegenseitig an, bis der Tod das eiskalte Schweigen bricht.

Tod: Marlowe….Kater Marlowe….du schon wieder
Marlowe: Ja Tod….schon wieder ich….Marlowe….Kater Marlowe
Tod: Marlowe….Kater Marlowe….du hast also immer noch nicht genug von diesen Leben?
Marlowe: Nein….anscheinend immer noch nicht
Tod: Und wer sind diese seltsamen Weggefährten?
Marlowe: Da ist die Siebenschläferin Malin, der einsame Wolf Brenin und die Vogelscheuche Sam
Tod: Und natürlich deine Wenigkeit Kater Marlowe
Marlowe: Und natürlich Kater Marlowe, also ich Tod
Tod: Bei dir Kater Marlowe ist wohl gar nichts mehr natürlich oder?
Marlowe: Nein
Der Tod betrachtet schweigend Malin, Brenin und Sam.
Malin (flüsternd): Du dutzt den Tod Kater Marlowe?
Marlowe (flüsternd): Nach all diesen Leben kennen wir uns mittlerweile ein wenig
Brenin (flüsternd): Hast du noch mehr solche seltsame Freunde wie den Tod?
Marlowe (flüsternd): Immerhin spreche ich nicht mit der Unendlichkeit
Tod: Und ihr wollt….
Brenin hustet. Malin gähnt. Sam schmollt. Marlowe`s Pfote schmerzt.
Tod: …..wie ein jeder unschwer erkennen kann, in die Unendlichkeit zurückkehren
Malin: So ist es
Tod: Ihr leidet an der Unendlichkeit
Brenin: Ja
Tod: Was müsst ihr tun um in die Endlichkeit zurückzukehren?
Malin: Sage es uns
Tod: Ein jeder von euch wird zu mir zurückkehren, wenn seine Zeit gekommen ist
Malin: Dies ist alles?
Tod: Dies ist alles, aber für euch wohl schon zuviel?
Die vier Abenteurer verneinen.
Tod: Dann seid ihr also damit einverstanden?
Die vier Abenteurer bejahen.
Tod: Dann bleibt der Kater Marlowe beim Tod
Marlowe: Wer bleibt wo?
Tod: Marlowe, du hast mich schon verstanden
Marlowe: Malin?
Malin: Brenin!
Brenin: Was ist Malin?
Malin: Dem Tod ein Schnippchen schlagen?
Brenin tretet plötzlich gänzlich nahe an den Tod heran und hustet diesen an.
Der Tod wendet sich, überrascht von diesem plötzlichen Husten Brenin, mitten in den Tod hinein, von den vieren ab und im nächsten Moment schon fliehen die vier Abenteuer vom Tod davon, als im nächsten Augenblik die Kälte nachlässt und die vier Abenteurer sich in einer anderen Welt, einer Welt der Endlichkeit wiederfinden.

2. In der Menschenwelt

Die Siebenschläferin Malin
Der einsame Wolf Brenin
Die Vogelscheuche Sam
Der Kater Marlowe
Ein Zuschauer
Der Vater
Der Sohn Peter
Der Pfandleiher/Inkasso
Die proletarische Ratte und ihre Freunde
Die Mutter
Die linke Ratte/Die rechte Ratte

Durch Zeit und Raum reisend, die Grenze zwischen Vorstellbaren und Unvorstellbarem überquerend, enden die vier Abenteurer auf ihrer Reise (von der Unendlichkeit in die Endlichkeit) auf den billigsten Plätzen eines fiktiven Theaters.

Malin: Wo sind wir hier?
Vogelscheuche: In einem Wartesaal?
Brenin: Irgendwie erscheint es mir, als sei ich an diesem Ort schon einmal gewesen
Marlowe: Frage doch diese seltsame Kreatur neben dir Vogelscheuche Sam
Vogelscheuche: Warum immer ich?
Marlowe: Warum nicht?
Brenin: Immer?
Vogelscheuche: Entschuldigen sie bitte die Störung, aber wo befinden wir uns hier?
Zuschauer: In einem Theater
Vogelscheuche: In einem Theater?
Brenin (zu Malin und Marlowe): Dies ist ein Theater
Malin: Was ist ein Theater?
Vogelscheuche: Entschuldigen sie….was ist ein Theater?
Zuschauer: Dies ist ein Ort wo Schauspiel aufgeführt wird….der Muse gehuldigt wird und….und Szenen aufgeführt werden….Szenen voller Verderben, Intrigen, Freude und Verkommen- und Vollkommenheit….
Marlowe (den Zuschauer unterbrechend): Was ist eine Muse?
Zuschauer: ….wo die allerprächtigsten Kostüme zum Vorschein kommen….und wo die menschliche Tragik im Schein der Komödie ihre Triumphe und Niederlagen erleidet und feiert und….
Marlowe (den Zuschauer unterbrechend): Was ist eine Muse?
Zuschauer: Die Musen sind Thalia, Kalliope, Euterpe, Erato, Urania, Klio, Melpomene, Polyhymnia und Terpsichore?
Marlowe: Wie bitte?
Zuschauer: Die 9 Töchter des Zeus
Marlowe: Ach so
Brenin: Entschuldigen sie….welche Tragik?
Zuschauer: Es werden Stücke von Schriftstellern hier aufgeführt….von Menschen also, die dem verbrecherischen Dasein der Ärzte, der Politiker, der Wirtschaftler und der Behörden, die natürlich in ihrer Boshaftigkeit und Niedertracht zusammenhalten und zusammenarbeiten….also von Menschen, welche diesen ihre poetische Kraft und künstlerische Schönheit entgegensetzen….dafür gelten dann die Schriftsteller gemeinhin als böse Menschen und der niedrigste Menschenschlag als die Krone der Schöpfung
Malin: Also die Krone der Schöpfung….
Brenin: Und entschuldigen sie vielmals unsere Unwissenheit….welche Stücke von welchen Schrifstellern werden hier gespielt?
Zuschauer: In dieser Saison nur Stücke von Marlowe
Marlowe: Wie bitte?
Zuschauer: Marlowe`s Stücke
Marlowe: Habt ihr gehört….Marlowe wird hier gespielt
Malin: Dass hat doch nichts mit dir zu tun Kater Marlowe
Marlowe: Wenigstens ein Ort in all diesen Welten; in welcher mein Name und mein Sein noch wertgeschätzt werden
Zuschauer: Zur Zeit wird Dr. Faustus in der Orginalversion von Marlowe aufgeführt….
Marlowe: Die Orginalversion von Marlowe….Marlowe….Kater Marlowe
Zuschauer: Ein Stück für die Bühne über einen Mann, der seine Seele an den Teufel verkauft und durch sein schönes Leben hindurch die bittere Erkenntnis gewinnt, dass ein lügenhaftes, niederträchtiges und boshaftes, also in diesem Gesellschaftssystem höchst erfolgreiches Leben vielleicht weniger wert ist, als ein verwerfenswertes, tugendhaftes, eingeschränktes, ehrliches und gutes Leben
Brenin: Ach so
Marlowe: Sehr interessant
Malin: Das ist mir zu kompliziert
Vogelscheuche: Mir auch
Zuschauer: Und als Höhepunkt….
Brenin (den Zuschauer unterbrechend): Vielen, vielen Dank für ihre Aufklärung….
Der Zuschauer wendet sich ab.
Malin: Genug von diesem Theaterdingsbums
Brenin: Irgendwie erscheint es mir als hätten wir unser Ziel nicht erreicht
Malin: Wir sind in einer Zwischenwelt gelandet
Marlowe: Sozusagen zwischen den Stühlen
Vogelscheuche: Dass heißt?
Brenin: Wir müssen weiterreisen
Marlowe: Und das Theaterstück?
Malin: Vergiss das Theaterstück
Vogelscheuche: Und wie kommen wir nun weiter?
Malin: Dort vorne erscheint mir ein Ausgang zu sein
Brenin: Aus dem Theater oder der Welt?
Malin: Natürlich beidem….was denn sonst?
Marlowe: Und die Geschichte?
Brenin: Unsere Geschichte….
Malin: ….ohne Beginn und ohne Ende….
Marlowe: ….muss weitergehen
Brenin: Also los

Die vier Abenteurer erheben sich von den billigsten Plätzen des fiktiven Theaters und gehen leisen Schrittes zum Bühnenaufgang und halten dort kurz inne.
Marlowe: Und jetzt?
Malin: Bereitet euch vor
Brenin: Ich bin bereit
Vogelscheuche: Ich auch
Malin: Also….eins….zwei….drei

Die vier Abenteurer steigen auf die Bühne hinauf und befinden sich im nächsten Moment inmitten einer Großstadt, einer breiten Straße, inmitten der frühmorgendlichen Rush-Hour.
Inmitten einer dahineilenden Menschenmasse, welche unsere vier Helden überhaupt nicht zu bemerken und noch weniger zu beachten scheinen; einer dahineilenden Menschenmasse, welche die vier Abenteurer herumschubst, welche in die umliegendene Bürotürme einer Down-Town drängen; einer dahineilenden Menschenmasse, welche die vier Abenteurer voneinander trennt und nach zähem Ringen und um sich Kämpfen gelingt es zweien der vier Abenteurer, Brenin und Malin, ein nicht umdrängtes, an der Seite sich befindliches, freies Stück Straße, für sich zu erobern.
Ausgelaugt und schwer atmend halten die Beiden Ausschau nach der Vogelscheuche Sam und dem Kater Marlowe.
Brenin: Wohin sind die Vogelscheuche Sam und Kater Marlowe verschwunden?
Malin: Die Beiden wurden von dieser Masse an Kreaturen abgedrängt….ich konnte nur kurz die Vogelscheuche Sam erblicken
Brenin: In einer dieser Türme abgedrängt
Malin: Und jetzt?
Brenin: Halten wir vorerst einmal Ausschau
Malin und Brenin versuchen den Kater Marlowe und die Vogelscheuche Sam im Getumel vor ihnen zu erblicken, aber weder Malin noch Brenin können die Beiden irgendwo entdecken.
Brenin: Ich kann Sam und Marlowe in diesem Getümel nicht finden
Etwas Zeit vergeht.
Malin: Dort drüben….ist dass nicht Kater Marlowe?
Brenin: Ja….Kater Marlowe!
Malin: Kater Marlowe!….Kater Marlowe!
Die Schreie von Brenin und Malin erreichen den ratlos um sich blickenden Kater Marlowe und dieser kämpft sich dann durch die Menschenmasse zu den Beiden hindurch.
Marlowe: Herzlich willkommen in der Endlichkeit
Brenin: Habt ihr so etwas schon einmal erlebt?
Malin: Wie auf einem Ameisenhaufen
Brenin: Die Vogelscheuche Sam?
Marlowe: Ich habe die Vogelscheuche Sam kurz erblickt….aber diese….aber diese ist von der Masse, ohne sich dagegen wehren zu können, abgedrängt worden
Malin: Lasst und einen Moment noch hier innehalten und zu Atem kommen
Brenin: Einverstanden
Malin: Wir müssen die Vogelscheuche Sam finden….dass sind wir Sam schuldig
Marlowe: Einverstanden
Brenin: Ich bin dabei
Die drei Abenteurer blicken auf die vorbeilenden Menschenmasse.
Brenin: In welcher schrecklichster aller schrecklichen Welten sind wir hier nur gelandet?
Malin: Es muss einen tieferen Sinn in all diesem Gedränge und Geschubse geben
Etwas Zeit vergeht.
Malin: War denn jemand von euch schon einmal in solch einer absurden Welt wie der diesen?
Brenin: Nein
Marlowe: Marlowe….Kater Marlowe war hier!
Malin: Du warst schon einmal hier?
Marlowe: Ausnahmsweise antworte ich mit einem Ja
Malin: Und wie heißen diese Kreaturen?
Marlowe: Ich weiß es….ich weiß es
Malin: Du weißt es also nicht
Marlowe: Menschen
Brenin: Menschen?
Marlowe: Ja, diese Kreaturen nennen sich Menschen
Brenin: Was für ein seltsamer Name
Malin: Ulkig
Marlowe: Menschenkinder
Malin: Diese….diese Menschen beachten uns gar nicht, obwohl wir gänzlich anders sind als diese
Marlowe: Diese Menschen sind solchermaßen mit sich Selbst, sind dermassen mit ihrem Tun und Handeln beschäftigt, dass diese uns gar nicht bemerken
Brenin: Seltsame Vögel sind diese Menschen
Marlowe: Dass sind keine Vögel Brenin
Brenin: Und was sind diese dann?
Marlowe: Menschen
Brenin: Seltsame Vögel
Malin: Erzähl uns von diesen Kreaturen….also diesen Menschen
Marlowe: Also damit ihr nicht den Überblick verliert….es gibt nur 3 Dinge, welche ihr von dieser Welt, von diesen Menschen wissen müsst….erstens man unterscheidet zwischen Mann und Frau bei diesen Menschen….dies ist eine Frau (auf eine Frau deutend) und jenes dort drüben bezeichnet man als Mann (auf einen Mann deutend)….zweitens unterscheidet man zwischen armen und reichen Menschen….dort ist ein armer Mensch (auf einen Armen deutend) und jenes dort drüben ist das Exemplar eines reichen Menschen….Reich und Arm wird durch den Besitz, welchen man besitzt definiert, welchen man auch als Geldbesitz bezeichnen kann und drittens….es gibt gute und böse Menschen….es klingt zwar komplex, aber letzten Endes sind reiche Menschen gut und arme Menschen böse….mehr müsst, braucht und solltet ihr über diese Menschen besser auch gar nicht wissen….
Malin: Keiner dieser Kreaturen….
Marlowe (Malin unterbrechend): Menschen!
Malin: Also gut….keiner dieser Menschen erscheint wie der nächste zu sein und doch sind sie beinahe alle gleich
Marlowe: Ich weiß….ich weiß
Brenin: Und was sind diese Frauen-Menschen mit all diesen Tüten und Taschen voller Krimskrams?
Marlowe: Die sind meschugge
Malin: Was sind diese?
Marlowe: Aber da diese reich, also gut sind, sind diese trotzdem nicht meschugge, obwohl diese Menschen-Frauen eindeutig meschugge sind
Brenin: Meschugge was?
Marlowe: Arme Menschen sind meschugge und reiche Menschen haben Launen
Malin: Was ist mit diesem meschugge?
Marlowe: Seid ihr etwa auch schon meschugge?
Brenin: Niemand von uns ist meschugge, was auch immer dass auch heißen mag
Malin: Und welche seltsamen Menschen sind jene dort drüben?
Marlowe: Wollt ihr dass auch wirklich wissen?
Brenin: Warum nicht?
Marlowe: Es ist schrecklich
Brenin: Was ist schrecklich?
Marlowe: Müsst ihr euch immerzu gleich die schlimmsten Exemplare einer Gattung aussuchen?
Malin: Wer sucht was?
Brenin: Ist es wirklich solchermaßen schrecklich?
Marlowe: Nun gut….dass sind die Österreicher; Angehörige des deutschen Stammes
Malin: Ja und?
Marlowe: In großen Teilen der Welt bezeichnet man sie nur noch als Inkasso-Österreicher
Brenin: Inkasso-Österreicher?
Marlowe: Also der deutsche Stamm zeichnet sich durch seine Schnöselhaftigkeit, seinem arroganten Besserwissertum, also ihrem Besser-Sein in allem und im Besser-Machen und im Besser-Können und im Höher, Größer, Weiter undsoweiter aus….also diese Exemplare fühlen sich den anderen Exemplaren dieser sogenannten Menschen überlegen
Malin: Dann sind diese Inkasso-Österreicher böse Menschen?
Marlowe: Nein, denn sie sind ja reich und reiche Menschen können von der Natur dieser Menschen aus nicht böse sein
Brenin: Diese Menschen sind ja Spinner
Malin: Und warum nennt man sie denn dann Inkasso-Österreicher?
Marlowe: Weil diese Österreicher, welche reich und gut sind, in solch überragender Art und Weise böse sein können
Malin: Und wer sind diese müden, blassen, sich mühselig dahinschleppenden Frauen-Menschen und Männer-Menschen, die ja jeden Augenblick umzufallen zu scheinen?
Marlowe: Ja Malin und Brenin, dass sind die Großstadtbewohner….also jene, welche andauernd in solch einem Moloch wie diesem hier wohnen und nicht wie ein Teil dieser Masse zum Spaß hier ist oder ein Haus auf dem Land besitzt, denn Tag und Nacht im Rhythmus einer solchen Großstadt dahinlebt
Brenin: Scheint ungesund zu sein?
Marlowe: Das Sein neigt generell nicht zu maßvollen Maßstäben
Malin: Hier in dieser Welt bestimmt nicht
Brenin: Und jene dort drüben?
Marlowe: Nein, nicht diese
Brenin: Was ist mit diesen?
Marlowe: Dass sind die Italiener
Malin: Wie heißen diese?
Marlowe: Dass sind die Italiener
Malin: Und?
Brenin: Also diese „porco“; „frocio“; „cretino“; „pazzo“ schreienden; sich gegenseitig und alle anderen beleidigenden Männer-Menschen und Frauen-Menschen, streitend, zankend und sich dann wieder versöhnend, nennt man Italiener
Malin: Und warum werfen sich denn diese Italiener gegenseitig mit Bananen an?
Brenin: Man sollte ihnen doch mit diesen Bananen helfen
Marlowe: Auf keinen Fall….AUF KEINEN FALL!
Malin: Warum auf keinen Fall Kater Marlowe?
Marlowe: Diese Italiener haben einen Täterkult; der Täter darf, kann und ist alles und das Opfer wird andauernd wieder zum Opfer gemacht; wird verspottet, bedroht, ausgelacht, ausgegrenzt und umgebracht….die Behörden, die Politiker, die Wirtschaftler….alle hängen diesem Täterkult nach, dass das Opfer geopfert wird und der Täter verherrlicht und angehimmelt wird….alles….alles….nur nicht diesen Italienern mit den Bananen helfen….auf keinen Fall….AUF KEINEN FALL!!!
Brenin: Dann kann man diesen Menschen also nicht helfen?
Marlowe: Nein, dass kann man nicht
Malin (eine Banane vom Boden aufhebend): Seltsam….wahrlich sehr seltsam
Marlowe: Ach vergesst die Italiener….alles im nichts und nichts im allen doch relativ gutmütige Exemplare unter all diesen Berserkern namens Menschen….
Malin: Und jene dort drüben sehen sehr interessant aus
Marlowe: Schrecklich….ich habe genug….nein, nicht diese auch noch
Brenin: Diese Menschengruppe erscheint aber gänzlich normal zu den anderen Menschen hier zu sein
Marlowe: Dass ist es ja….dass ist es ja….schrecklich….schrecklich….dabei sind jene die am wenigsten Normalen….auch wenn diese nach außen hin so schrecklich normal erscheinen….
Malin: Was ist mit diesen schrecklichen Menschen?
Marlowe: Dies sind die Provinzmenschen….moralisch, ethisch undsoweiter viel höher als diese Stadtmenschen anzusiedeln und kaum sind diese Provinzmenschen in einer Stadt, glauben diese natürlich, dass diese Stadt gleich ihnen gehört….diesen Provinzmenschen muss man aus dem Weg gehen….diese meiden, so wenig Kontakt wie möglich mit diesen haben
Brenin: So schlimm kann es doch nicht sein
Marlowe: ES IST SCHRECKLICH!
Malin: Also Kater Marlowe….was ist mit diesen Provinzmenschen?
Marlowe: Ihr wollt es wirklich wissen?
Brenin: Ja
Marlowe: Also gut….aber ich….nun gut….diese Provinzmenschen, also nicht die Provinzmenschen, sondern deren Politiker, Kaufleute und Ärzte, also diese Provinzmenschen sind daran schuld, dass kein Wesen aller Welten und sei es noch so skurill und seltsam, etwas mit dem Menschengeschlecht, ja mit dieser gesamten Welt, seit unendlichen Ewigkeiten zu tun haben möchten
Malin: Klingt nach schrecklichen Erfahrungen und Geschichen
Marlowe: In allen Welten hindurch gilt es als größte Strafe für alle Wesen welche leben oder existieren, mit den provinziellen Ärzten, Politikern oder Kaufleuten auch nur im Entfernsten in Kontakt zu treten….es ist die SCHLIMMSTE STRAFE ALLER WELTEN!!!!
Brenin: Ja, aber warum?
Marlowe: Sie haben schreckliches getan….schreckliches gemacht….schreckliches unternommen….und dann all diesen Schrecken noch hundertausendfach vervielfacht….es sind die schlimmsten Exemplare der Gattung Mensch….selbst für ihre eigene Gattung eine Strafe….es ist schrecklicher als alles Schreckliche….
Malin: Und warum werden sie nicht zur Verantwortung gezogen….aus dem Verkehr gezogen….warum gibt es keine Konsequenzen, wenn sie doch das gesamte Menschheitsgeschlecht in aller Welten, bei allem Wesen aller Welten als so schrecklich gelten?
Marlowe: DASS IST DIE PROVINZ!
Brenin: Also warum?
Marlowe: Es ist wie mit Domino-Steinen…..kein einziger Domino-Stein darf umfallen, ansonsten fallen alle um….
Malin: Kater Marlowe, du bist ja ganz panisch und aufgebracht
Marlowe: Ich möchte auf keinen Fall in Kontakt mit solche einem Provinzmenschen kommen….womöglich handelt es sich dabei um einen Arzt oder einen Kaufmann oder einen Politiker!
Brenin: Beruhige dich doch Kater Marlowe!
Marlowe: Schrecklich….SCHRECKLICH!….wenn diese Provinzmenschen Schreckliches machen, dann bekommen sie die Gelegenheit noch mehr Schreckliches zu tun….wenn diese Provinzmenschen schreckliches machen, dann werden sie schrecklicherweise dafür belohnt….wenn diese Provinmenschen schreckliches machen, dann wird alles vertuscht und verpfuscht und niemand übernimmt Verantwortung, Ehre, Gefühle, Maßstäbe, Respekt, Anerkennung….all dies zählt bei diesen provinziellen Politikern, Ärzten und Kaufleuten nicht….ES IST SCHRECKLICH!
Malin: So beruhige dich doch Marlowe
Langsam scheint sich Kater Marlowe wieder zu beruhigen, während Brenin und Malin die vorbeieilenden Menschen studieren.
Brenin: Und jene dort drüben?
Marlowe: Diese Menschen nennt man „die Schweizer“
Malin: Diese scheinen also nun wirklich gute Menschen zu sein
Marlowe: Diese Schweizer sind die Menschen auf diesem Planeten, welche am meisten gut sind
Brenin: Also jene Menschen, welche sehr, sehr gut sind
Marlowe: Es sind die Menschen auf diesem Planeten, welche am meisten gut sind, denn es sind die reichsten Menschen
Malin: Um so reicher diese Menschen sind, um so gütiger, um so mehr „gut“ sind diese Menschen?
Marlowe: Es ist eine schreckliche Welt
Malin: Wir sollten so schnell wie möglich diese Welt verlassen
Brenin: Ja, dass sollten wir
Marlowe: Nein….dies ist zuviel….die Italiener, die Inkasso-Österreicher, die Schweizer und dann auch noch die Provinzmenschen….ich muss….ich muss sofort diese Welt verlassen!
Brenin: So warte doch Kater Marlowe….so warte doch
Malin und Brenin halten einen panischen Kater Marlowe fest.
Marlowe: Italiener….Deutsche….Inkasso-Österreicher….die Schweizer….die Provinzmenschen….ich muss hier sofort weg….jetzt gleich…..kommt mit….flüchtet mit mir….JETZT GLEICH!
Malin: Und die Vogelscheuche Sam?
Marlowe: Was ist mit der Vogelscheuche Sam?
Brenin: Wir müssen ihn finden, retten oder was auch immer mit ihm passiert ist
Marlowe: Was müssen wir?
Malin: Wir müssen!
Marlowe: Also gut….find….fix….finish….
Brenin: Was heisst denn dies jetzt?
Marlowe: Ungefähr folgendes….Vogelscheuche suchen, finden und dann so schnell wie möglich diese Welt verlassen….da ist die Unendlichkeit geradezu noch trostvoll….
Malin: Dann lasst uns die Vogelscheuche Sam suchen
Brenin: Und wie sollen wir denn die Vogelscheuche Sam finden?
Malin: Wir lassen uns so wie die Vogelscheuche Sam von der Masse mitreißen
Marlowe: Und so wollt ihr Sam finden?
Malin: Hast du eine bessere Idee Kater Marlowe?
Marlowe: Im Moment nicht
Malin: Aber?
Marlowe: Also dann
Malin: Ab in die Masse
Brenin: Nun gut….ein jeder hält sich beim Nächsten fest
Die drei Abenteurer nehmen sich bei der Pfote und lassen sich von der Menschenmasse mitreißen.
Malin: Vorsicht!
Brenin: Achtung!
Marlowe: Hinter dir Malin!
Brenin, Malin und Marlowe werden von der Masse mitgerissen und werden von links nach rechts, nach vorne nach hinten gedrängt und geschubst, bis Malin nach etwas Zeit, aus der Entfernung den Hut der Vogelscheuche Sam entdecken kann.
Malin: Dort drüben!
Marlowe: Was ist dort drüben?
Malin: Seht ihr nicht den Hut von Sam?
Brenin: Nein
Marlowe: Ja….dass ist er
Malin: Los dort hin
Inmitten des Gedränge und Vorwärtsstreben der Masse, gelingt es den dreien sich der Vogelscheuche Sam anzunähern, bis diese auf einem freien Stück Straße, in der Nähe der Vogelscheuche Sam, kurz innehalten können.
Brenin: Tatsächlich….die Vogelscheuche Sam….
Malin: Wie eine Nadel im Heuhaufen
Brenin: Und wir haben ihn gefunden!
Marlowe: Aber mit wem spricht die Vogelscheuche?
Brenin: Mit einer dieser Kreaturen
Marlowe: Brenin, man nennt diese Kreaturen Menschen
Brenin: Nun gut….also diese Kreaturen namens Menschen
Malin: Sam….Vogelscheuche Sam!…..Vogelscheuche!
Marlowe: Pssst Malin!
Malin: Was ist Kater Marlowe?
Marlowe: Wir sollten vorsichtig sein, bei diesen Menschen weiß man nie ob diese nicht eine böse Überraschung für einen bereithalten….warten wir ab, was Sam mit diesem Menschen zu tun hat
Malin: Ist dass nicht überflüssig?
Marlowe: So wie die Frage zuvor?
Malin: Oder die Antwort danach?
Marlowe: Wir sollten vorsichtig sein Malin
Malin: Einverstanden Kater Marlowe
Brenin: Schleichen wir uns näher heran
Die drei Abenteuer gelingt es unter heftigem Drängen sich in der Nähe der Vogelscheuche Sam zu positionieren.
Aus sicherer Entfernung beobachten die drei Abenteuer die Vogelscheuche und den Mann-Menschen.
Die beiden scheinen miteinander auf irgendeine Art und Weise zu kommunizieren, bis schließlich der Mann-Mensch der Vogelscheuche Sam freundschaftlich auf die Schulter klopft, um die Vogelscheuche, also Sam, im nächsen Moment, gewaltsam unter seine Arme zu nehmen und unter heftigster, aber zweckloser Gegenwehr der Vogelscheuche, von der Menschenmasse unbeachtetem Gezetere und Geschrei, hinweg zu verschleppen.
Mit wachsenden Erschrecken können die drei Abenteuer das Geschehen aus der sicheren Entfernung nur hilflos mitverfolgen.
Malin: Los….wir haben keine Zeit mehr zu verlieren….wir nehmen die Verfolgung auf!
Brenin: Ist dass nicht gefährlich?
Malin: Abwägen….nachdenken….reflektieren….all dies können wir später….also los….kommt!
Bedächtig und vorsichtig nehmen die drei Abenteurer die Verfolgung des Mann-Menschen, welche die Vogelscheuche unter seinen Armen verschleppt hat, auf.
Durch einige Seitenstraßen hindurch verfolgen die drei Abenteurer den Menschen.
Schlußendlich bleibt der Mann-Mensch vor einem Gebäude stehen, blickt um sich und gestikuliert einschüchternd auf die Vogelscheuche Sam ein.
Brenin: Los, befreien wir die Vogelscheuche!
Marlowe: Warte Brenin….lass ihn uns vorerst weiterverfolgen
Malin: Ich bin ausnahmsweise keiner Meinung
Marlowe: Dann warten wir hier
Der Mann betretet ein Geschäft in dem Gebäude.
Brenin: Was macht der Mensch mit der Vogelscheuche?
Malin: Warum verschleppt der Mensch die Vogelscheuche Sam?
Marlowe: Also….
Brenin (Marlowe unterbrechend): Was ist dass für eine Menschenkreatur?
Marlowe: Also….
Malin (Marlowe unterbrechend): Was bedeuten diese seltsamen Zeichen auf dem Gebäude?
Marlowe: Könnte ich bitteschön einmal kurz aussprechen
Brenin: Nur zu
Marlowe: Diese Zeichen werden Buchstaben genannt….Zeichen, mit welchen die Menschen untereinander das Unangenehme und Angenehme regeln
Brenin: Und nicht mit diesem Geld?
Marlowe: Und bei diesem Teil des Gebäude handelt es sich um ein Geschäft, wo mit Besitz gehandelt wird und dafür Geld getauscht wird über die Zeichen namens Buchstaben
Malin: Ich verstehe immer weniger
Brenin: Und was bedeuten diese Zeichen auf jenen Teil des Gebäude?
Marlowe: Wartet….
Marlowe geht einige Schritte nach vor, um die Zeichen an jenem Teil des Gebäude besser entziffern zu können; um kürzeste Zeit später panisch zu Malin und Brenin zurück zu kehren.
Marlowe: Es ist schrecklich….ES IST SCHRECKLICH!
Brenin: Was bedeuten diese Zeichen denn nun?
Marlowe: Los kommt….in die dunkle Seitengasse
Eilig entschwinden die drei Abenteurer in eine dunkle Seitengasse.
Panisch blickt Kater Marlowe um sich.
Malin: Was hat dich denn solchermaßen erschreckt Kater Marlowe
Marlowe: Ich habe die Zeichen lesen können
Brenin: Und….?
Marlowe: Dort steht geschrieben…..Pfandleiher und Inkasso: „Gegen den Menschen“….
Brenin: Ja und?
Marlowe: Dass sind jene Menschen, welche dafür Sorge tragen, dass die Armen arm und böse und die Reichen gut und reich bleiben….schrecklich…..SCHRECKLICH!
Malin: Gefährliche Menschen?
Marlowe: Es sind jene Menschen, welche immerzu von den anderen Menschen am besten beschützt und abgesichert werden, denn diese erledigen die Drecksarbeit für die reichen, also die guten Menschen, welche wiederrum von noch schrecklicheren Menschen beschützt und abgesichert werden in all ihrem so rechtsschaffenden und so gutbürgerlichem Tun und Handeln….denn es geht nicht um die Menschen….es geht um den Besitz bestimmter Menschen….es ist schrecklich…..einfach nur SCHRECKLICH!
Malin: Und wer sind diese drei Menschen, welche uns da entgegenkommen?
Marlowe wird sichtlich noch blasser.
Marlowe: Dass sind drei Inkasso-Österreicher…..los verstecken wir uns
Malin, Brenin und Marlowe drücken sich noch tiefer in die dunkle Ecke der Seitenstraße, als die drei Inkasso-Österreicher herbeispaziert kommen, unmittelbar vor diesen stehen bleiben, sich eine Zigarette anzünden und sich unterhalten.
Ö1: Ein Schuldner weniger
Ö2: Dafür gibt es einen fetten Bonus vom Verfassungsschutz
Ö3: Verrecken sollen sie….alle verrecken diese Armen
Ö2: Nicht zu vergessen die gesellschaftliche Anerkennung, die Lobpreisungen von Politik und Wirtschaft auf unser Auslöschen, Zerstören und Vernichten
Ö1: Mit Hilfe der Reichen diese armen Schuldner in den Tod zu treiben
Ö2: Und alle auf unserer Seite….alle!
Ö3: Verrecken sollen sie….alle verrecken diese Armen
Ö1: Diesen X-ten Schuldner, welchen wir in den Tod getrieben haben, mit tatkräftiger Unterstützung durch die Reichen, diesen Tod sollten wir feiern
Ö2: Fahren wir in die Provinz Ö3?
Ö3: Verrecken sollen sie….alle verrecken diese Armen
Ö1: Ich bin dabei….in der Provinz versteht man wenigstens noch einen Menschenschlag wie denn unseren
Ö2: Dumpf, roh und brutal
Ö1: Es lebe der Raubtierkapitalismus und seine von allen totgeschwiegenen Konsequenzen
Ö2: Los gehen wir
Ö3: Verrecken sollen sie….alle verrecken diese Armen
Die drei Inkasso-Österreicher gehen ab.
Die drei Abenteurer trauen sich nur langsam wieder aus ihrem Versteck heraus und blicken den drei Inkasso-Österreichern hernach.
Während Malin und Kater Marlowe noch schreckensstarr den drei Inkasso-Österreichern nachblicken, macht sich Brenin lautstark bemerkbar.
Brenin: Der Mann-Mensch, der die Vogelscheuche Sam entführt hat….der Mensch-Mann verlässt das Geschäft….seht doch!
Der Mann-Mensch verlässt ohne die Vogelscheuche Sam das Geschäft, bleibt vor diesem stehen, scheint etwas in seiner Hand zu zählen, lächelt in die Dunkelheit seines Seins hinein und verschwindet, so wie dieser aufgetaucht ist, in der Masse.
Malin: Was ist mit diesem Pfandleiher?
Marlowe: Ein Pfandleiher ist ein Mensch, welcher Wertgegenstände von anderen Menschen zu einem sehr niedrigen Gegenwert als Pfand an-nimmt und dafür den anderen Menschen ein Darlehen gewährt
Malin: Seltsame Kreaturen sind diese Menschen
Brenin: Klingt wie Diebstahl?
Marlowe. Es ist doch mehr Ruin, als Diebstahl
Malin: Und diese absurde Idee funktioniert?
Marlowe: Merkt euch eines….dies habe ich bei meinem letzten und einzigen Aufenthalt in dieser Welt vor einer Ewigkeit gelernt….am besten funktionieren die schlechten Ideen….denn die guten Ideen haben keine Zukunft, keinen Raum und keine Entfaltung….
Brenin: Und was macht nun die Vogelscheuche Sam bei diesem Pfandleiher und Inkasso Wie-Auch-Immer-Dieses-Heisst?
Marlowe: Die Vogelscheuche Sam wurde entweder verpfändet oder noch wahrscheinlicher verkauft oder….
Malin: Oder was?
Marlowe: Dass weiß ich noch nicht so genau
Brenin: Wir müssen uns entscheiden
Malin: Los, nähern wir uns dem Geschäft
Brenin, Malin und Kater Marlowe nähern sich dem Geschäft, bleiben vor diesem stehen und spähen durch das Schaufenster hinein.
Die drei Abenteurer können die Vogelscheuche Sam erkennen, dessen Mund verknebbelt ist, dessen Füße in einer Kette gelegt sind und ein großes Schild um den Hals der Vogelscheuche hängt.
Brenin: Sam ist gefesselt!
Malin: Und dieses Schild?
Marlowe: Sam ist nunmehr nicht mehr frei, denn hat einen Besitzer und dieser Besitzer verlangt für die Freiheit von Sam Geld?
Malin: Aber Sam hat nichts verbrochen?
Marlowe: Er hat die schlimmste Untat begangen
Brenin: Und die wäre?
Marlowe: Sam ist unschuldig
Malin: Dass verstehe ich nicht
Brenin: Dass kann man wohl nicht verstehen
Marlowe: Geld….das Geld
Malin: Und haben wir Geld?
Marlowe: Natürlich haben wir kein Geld
Brenin (erleichtert tief durchatmend): Dann ist gut
Malin: Und was machen wir jetzt?
Marlowe: Einer von uns könnte versuchen in das Geschäft zu schleichen und versuchen Sam zu befreien
Malin: Wie soll dass funktionieren….Sam ist in Ketten gelegt?
Marlowe: Ich überlege
Brenin: Ich versuche es
Marlowe. Sei aber vorsichtig Brenin
Malin: Und pass vor allem auf dein loses Mundwerk auf
Brenin: Dass werde ich zu verhindern wissen
Brenin eilt zur Eingangstür des Geschäftes und schlüpft, als ein Mensch das Geschäft betretet, in dieses hinein.
Malin und Kater Marlowe ziehen sich in eine dunkle Ecke in der unmittelbaren Nähe des Geschäftes zurück und beobachten von dort wie sich das Geschehen weiterentwickelt.
Brenin sieht sich im Geschäft um, erblickt keinen Menschen, eilt zu der Vogelscheuche Sam und befreit diesen von dem Knebbel in dessen Mund.
Brenin: Sam….Vogelscheuche Sam
Vogelscheuche: Brenin!
Brenin: Geht es dir gut?
Vogelscheuche: Flattern meine Arme im Wind?
Brenin: Wie bitte?
Vogelscheuche: Schlottern meine Beine in der Kälte?
Brenin (sich umblickend): Wer schlottert?
Vogelscheuche: Schlottern meine Beine in der Kälte?
Brenin: Vogelscheuche Sam….jetzt ist keine Zeit für metaphysische Überlegungen
Vogelscheuche: Und die Sonne?
Brenin: Vogelscheuche Sam….was ist nur los mit dir?
Vogelscheuche: Wo bin ich?
Brenin: Los komm mit mir….aber sei leise….
Vogelscheuche: Wohin soll ich kommen?
Brenin: Weißt du denn gar nichs mehr
Vogelscheuche: Ich komme ja schon
Die Vogelscheuche versucht dem Wolf Brenin zu folgen, doch die an den Füßen der Vogelscheuche angebrachten Ketten machen jedlichen Schritt unmöglich.
Vogelscheuche: Die Ketten
Brenin eilt zu den Ketten an den Füßen der Vogelscheuche.
Brenin beißt in diese Ketten hinein und zu Brenin`s Überraschung brechen diese nicht
Brenin: Ich kann diese Kette nicht durchbeißen
Vogelscheuche: Propiere es nochmals
Brenin beißt nochmals in die Kette hinein….aber ohne Erfolg.
Brenin überlegt kürzeste Zeit, wie es ihm gelingen könnte die Vogelscheuche Sam aus diesen Ketten zu befreien, als….
Brenin hustet die Kette an.
Das Eisen krächzt.
Brenin hustet die Kette nochmals an.
Die Kette wird zunehmend lockerer und beginnt sich aufzulösen….als….
Vogelscheuche: Achtung Brenin….einige dieser schrecklichen Kreaturen….
Brenin (die Vogelscheuche unterbrechend): Man nennt sie Menschen
Vogelscheuche: Menschen?
Brenin: Ja?
Vogelscheuche: Also einige dieser schrecklichen Menschen….
Brenin (die Vogelscheuche unterbrechend): Was ist mit diesen schrecklichen Menschen?
Vogelscheuche: Menschen!
Brenin: Wo?
Vogelscheuche: Verstecke dich!
Brenin eilt in Sekundenbruchteile unter eine Kommode in der unmittelbaren Nähe der in Ketten gelegten Vogelscheuche Sam, als ein Mann-Mensch und ein Kind-Mensch das Geschäft mit gesenkten Köpfen betreten.
Die Beiden gehen einige Schritte tiefer in das Geschäft hinein, als ihnen ein Mann-Mensch, der Besitzer des Geschäfts, mit breitbeinigen Schritten entgegenschreitet.
Pfandleiher: Was wollen sie hier?
Vater: Wir…also ich…..
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Was haben sie hier verloren?
Vater: Also ich….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Sie stehlen nicht nur meine Zeit, denn auch noch meine Geduld!
Vater: Also ich….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Ja, wird dass heute noch was….oder setzt sich dieses Gestottere jetzt noch für Stunden fort?
Vater: Ich….ich möchte sie bitten…..
Pfandleiher (auflachend): Mich bitten….für das Bitten gibt es die Kirche….für das Geschäfte-Machen sind sie hier richtig….also?
Vater: Meine Familie leidet….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Ihre Familie….also ihre Familie….damit ich dass auch richtig verstehe….ihre Familie….ja glauben sie denn, dass irgendeinem ihre Familie denn interessiert….
Vater: Meine Familie leidet….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Dann suchen sie sich eine bessere Arbeit!
Vater: Ich suche doch schon….aber
Pfandleiher: Hier gibt es kein Aber….was wollen sie von mir?
Vater: Ich wollte….ich wollte um einen Zahlungsaufschub ansuchen
Pfandleiher: Bei mir?
Vater: Ja bei ihnen
Pfandleiher: Also so frech war schon lange keine mehr….so unverfroren und rücksichtlos….ich mache hier Geschäfte, nicht Kabarett!
Vater: Ich….ich….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Also gut….man ist ja ein Mensch….wie heißen sie?
Vater: Ich bin der….der….der
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Ja einen Namen werden sie wohl noch besitzen und nicht irgendwo verspielt, vertrunken oder verzockt haben?
Vater: Ich spiele….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Ob sie mit ihren Armen fliegen, ob sie mit ihren Füßen rudern….was auch immer ist egal….ihren Namen!
Vater: Ich bin der …. (Namen)
Pfandleiher: Ah ja….genau….ich kann mich nebulös erinnern….genau….sie sind dass….dass habe ich schon gewusst….das gesamte Monat habe ich dass gewusst, dass sie wieder herangekrochen kommen werden und wieder einmal nicht bezahlen können
Vater: Ich….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Ist es so….ist doch so….immer das gleiche….IMMER!
Vater: Ja
Pfandleiher: Das erste Mal, dass sie seit einem Monat nicht mehr gelogen haben….oder?
Vater (unterwürfigst): Ja Herr Pfandleiher
Der Pfandleiher nimmt ein kleines Notizheft zur Hand und blättert darin.
Pfandleiher: Wissen sie warum ich keine Computer verwende?
Vater: Weil….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Ja genau….weil ich niemanden vertraue….keinem Menschen….keinem Computer….KEINEM!
Der Pfandleiher findet den Namen des Vaters in seinem Schuldnerbuch.
Pfandleiher: Sie können also wiedereinmal den Zins nicht bezahlen
Vater: Ich….ich….ich
Pfandleiher: Und dabei verlange ich nur sozial verträgliche 40%….wer verlangt heutzutage einen solch niedrigen Zinssatz….wer….sagen sie es mir?….sagen sie es mir?
Vater: Ich….ich….
Pfandleiher: Und dies alles, obwohl ich sie gewarnt habe
Vater: Mein anderes Kind….
Pfandleiher: Papperlapap….nichts da mit einem anderen Kind….heute ist der Zins fällig….nicht gestern, nicht morgen….HEUTE!….somit gehört mir von nun an all ihr Besitz….
Vater: All mein Besitz?
Pfandleiher: So war es vereinbart….hier steht es schwarz auf weiß geschrieben….(der Pfandleiher deutet auf einige Notizen in seinem Notizbuch)….also gehört mir von nun an all ihr Besitz
Vater: Aber….
Pfandleiher: Auch ihre „Aber“ gehören mir nun….und ich verbiete es ihnen dieses Wort in meiner Gegenwart in Zukunft auszusprechen!
Vater: Was soll ich nur tun?
Pfandleiher: Verzweifeln….?
Vater (verzweifelnd): Also bleibt mir nur noch die Verzweiflung?
Pfandleiher: Dass alles hätten sie sich doch vorher überlegen sollen
Vater (verzweifelnd): Ich habe doch alles in meiner Macht mir stehende….ich habe doch Tag und Nacht nur noch….ich habe doch….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Immer dieses doch und hätte….doch und hätte….nichts da mit einem „doch“ oder einem „hätte“ oder noch schlimmer einem „aber“….heute ist endgültig Schluß mit diesem „Aber“, mit diesem „Hätte“ und mit diesem „Doch“….
Vater (verzweifelnd): Ich flehe sie an…..ich flehe sie an….
Pfandleiher: Also?
Der Vater geht auf seine Knie und wird vom Pfandleiher mit Gewalt sofort wieder hochgezogen, welchen den Vater sogleich anschnauzt:
Pfandleiher: Also keine rührselige Szene….sie sind ein Mann, keine 14-jährige….so reißen sie sich zusammen, wir sind hier nicht im Theater….sie können sich also dieses bemitleidenswerte Schauspiel bei mir sparen….kühl und nüchtern hat das Geschäftsleben zu sein, nichts mit Gefühlen und Tränen
Vater: Ich bitte sie…..
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Ich hätte da eine Idee….
Vater: Ich bin zu allem bereit
Pfandleiher: Wer ist dieser dünne, schlecht genährte Knabe neben ihrer Wenigkeit?
Vater: Dieser hier?
Pfandleiher: Wer denn sonst wertloser und überflüssiger säumiger Zahler?
Vater: Dass ist mein Sohn Peter….los Peter….grüße den noblen Herren!
Peter: Schönen guten Tag Herr Pfandleiher
Pfandleiher: Er erscheint mir etwas zu vornehm für solch einen armen, unzuverlässigen, nachlässigen und nunmehr besitzlosen Schlucker wie ihnen geraten zu sein
Vater: Dass täuscht
Pfandleiher: Nun gut….ich werde ausnahmsweise Gnade walten lassen und ihnen noch eine….also haben sie mich verstanden (Nicken des Vaters)….eine Woche Zeit geben ihren säumigen Zins zu bezahlen und natürlich den Zins des Zinses der Zinsen….haben sie mich verzinst sozusagen
Der Pfandleiher bricht in ein brüllendes Gelächter aus.
Pfandleiher: So lachen sie doch sie säumiger Schuldner….sie haben mich verzinst….
Der Pfandleiher lacht brüllend und der Vater lächelt pflichtbewußt dazu.
Pfandleiher: Der Zins des Zinses der Zinsen werden weiter verzinst….nicht zu meinem Gunsten….zu ihrem Gunsten….dass versteht sich doch wohl von selbst….oder waren sie schon einmal bei einer Bank?
Vater: Bei einer was?
Pfandleiher: Vergessen sie es….aber zurück zum Geschäftlichen
Vater: Vielen….vielen, vielen Dank Herr Pfandleiher….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Dafür überlassen sie mir ihren Sohn Peter als Pfand
Vater: Wie bitte?
Pfandleiher: Dann also danke
Vater: Ich verstehe nicht
Pfandleiher: Ja, sie haben mich ausnahmsweise einmal richtig verstanden….sie verpfänden mir ihren Sohn….als Sicherheit versteht sich
Vater: Aber dass ist unmöglich!
Pfandleiher: Dass einzige was hier unmöglich ist, dass sind säumige Zahler wie sie!
Vater: Nicht meinen Sohn!
Pfandleiher: Sie tun ja plötzlich solchermaßen als hätten sie eine Wahl….sie haben keine Wahl….übrigens nie gehabt….ich werde ihren Sohn auch gut behandeln….es soll ihm an nichts mangeln….er bekommt Arbeit, Arbeit und Arbeit von mir….was möchte ein solcher Junge denn schon, als zu arbeiten, zu arbeiten und zu arbeiten!
Vater: Und die Mutter?
Pfandleiher: Was ist mit dieser Mutter?
Vater: Was sage ich zu seiner Mutter und meiner Frau?
Pfandleiher: Dass sie sich gefälligst eine Arbeit zu suchen hat
Vater: Hast du gehört mein Sohn was der feine Herr gesagt hat?
Peter: Ja Vater
Pfandleiher: Jetzt schauen sie mich nur nicht so an, als sei ich hier der Übeltäter….immer diese gleiche Frechheit….immer dieses gleiche Gekrieche und Schuld und Schulden-Zuweisen….aber da ich ein herzensguter Mensch bin, also ein wirklich guter Mensch überlasse ich ihnen für diesen Zeitraum , wo ihr Sohn für mich arbeiten wird und damit die Mutter sich nicht allzuviele Sorgen macht….denn ich verstehe sie ja….diese Weibsbilder….ja, ich kann sie verstehen (schlägt dem Vater kollegial auf dessen schmale Schultern)….ich verstehe sie ja….nur keine Sorgen….ich überlasse ihnen diese Vogelscheuche als Sicherheit
Vater: Eine Vogelscheuche als Sicherheit für mein Kind?
Pfandleiher: Jetzt werden sie mir nur nicht auch noch anmaßend!
Vater: Ich….ich….
Pfandleiher (den Vater unterbrechend): Ich….ich….ich!
Der Pfandleiher geht zu der Vogelscheuche Sam und bleibt vor dieser stehen.
Pfandleiher: Nicht einmal auf Ketten….ja nicht einmal auf Eisen kann man sich heutzutage verlassen….sehen sie….sehen sie säumiger Schuldner
Der Vater begibt sich zum Pfandleiher vor der Vogelscheuche Sam.
Pfandleiher: Wenn man diese Vogelscheuche schlägt, dann gibt sie auch noch seltsame Geräusche von sich
Der Pfandleiher schlägt die Vogelscheuche und diese jauchzt auf.
Brenin springt beinahe in des Pfandleiher´s Rücken, kann sich aber im letzten Moment noch zurückhalten.
Vater: Seltsam
Pfandleiher: Und noch seltsamer ist dass diese Ketten beinahe zerfallen, wo ich sie erst vor einigen Wochen gekauft habe….auf gar nichts mehr kann man sich in diesen unsicheren Zeiten verlassen….auf gar nichts….
Kopfschüttelnd öffnet der Pfandleiher die Ketten um die Vogelscheuche Sam, packt diese unfein an den Armen und überreicht die Vogelscheuche dem Vater.
Pfandleiher: Damit haben sie die Rückversicherung, dass es ihrem Kind hier an nichts mangeln wird, am allerwenigsten an gesunder, tüchtiger und guter Arbeit….also…..
Der Vater nimmt stumm die Vogelscheuche entgegen und wendet sich an seinen Sohn Peter.
Vater: Peter, du musst jetzt tapfer sein….tapferer als all deine Helden….du bleibt bei diesem noblen Herren….und in einer Woche werde ich dich freikaufen….
Peter: Ich werde tapfer sein Vater
Vater: Ich komme in einer Woche mit dem Zinseszins
Pfandleiher: Dass hoffe ich doch für sie und ihrem Sohn….auch wenn diese Hoffnung die kleinstmögliche ist
Der Vater übergibt dann sein Kind, seinen Sohn dem Pfandleiher, nachdem diese sich noch kurz umarmt haben.
Der Vater verlässt weinend, mit der Vogelscheuche unter dem Arm das Geschäft.
Pfandleiher: Nun gut….Peter
Peter: Herr Pfandleiher?
Pfandleiher: Zuallererst wirst du das Geschäft von oben bis unten blitzeblank putzen und wenn ich irgendwo auch nur einen Partikel Staub finden sollte, dann setzt es eine Tracht Prügel, wie du sie in deinen Lebtagen noch nicht gesehen hast….hast du mich auch verstanden?!
Peter: Ja, Herr Pfandleiher
Pfandleiher: Dann mache dich jetzt gefälligst an die Arbeit….dort drüben sind deine Arbeitskleider, die Putzutensilien und nun….und nun an die ARBEIT!
Peter: Ja Herr Pfandleiher
Der Pfandleiher geht breiten Schrittes in ein Hinterzimmer des Geschäft.
Der Junge zieht sich die Arbeitskleider an und beginnt den Boden des Geschäftes auf allen vieren zu reinigen.
Brenin eilt aus seinem Versteck, blickt zu dem Jungen und eilt dann durch die einen Spalt offene Tür aus dem Geschäft.
Brenin eilt zu den aus einer dunklen Ecke tretenden Siebenschläferin Malin und dem Kater Marlowe.
Brenin nimmt Kater Marlowe bei den Schultern und schüttelt diesen.
Brenin: Es ist schrecklich!
Marlowe: Weiß ich doch
Brenin: Es ist SCHRECKLICH!
Marlowe: Was geschehen ist, können wir später noch besprechen….jetzt müssen wir sofort die Verfolgung der Vogelscheuche Sam aufnehmen
Brenin: Der arme JUNGE!
Malin: Welcher Junge?
Brenin: Es ist….
Marlowe (Brenin unterbrechend): Darüber können wir doch später diskutieren….jetzt kommt schon

Brenin, Malin und Kater Marlowe beginnen den Gehsteig entlang dem von ihnen wegeilenden, weinenden Vater, mit der Vogelscheuche Sam unter dem Arm, zu verfolgen.
Zwischen herumfliegenden Bananen wie immer streitender Italiener; zwischen den unschuldigen Blicken der Schweizer mit ihrem reinen Gewissen, bestehend aus globaler Kriegsförderung, Völkermord und globaler Geldwäsche; den spöttischen Bemerkungen der Inkasso-Österreicher und der sich dahinschleppenden Großstadt-Bewohner; also dem gänzlich normalen großstädtischen Treiben, eilen die drei Abenteurer dem Vater und der Vogelscheuche Sam hernach.

Die Abenteurer halten sich dabei auf Distanz und so geht die Verfolgung von der Innenstadt mit ihren Skyscrapern, durch den reichen Versorgungsgürtel, dann durch die bewachten Wohnvierteln, einem Park, bis die Abenteuer in einem sichtlich heruntergekommenen Stadtviertel bei den Ausläufern der Großstadt enden.

Schweren Schrittes und noch schwerer Schultern verschwindet der Vater samt Vogelscheuche Sam in einem der riesigen Wohnblocks, welche unzählig in ihrer Anzahl und trostlos in ihrer identischen ruinösen Fassaden aussehen.
Aus der Ferne beobachten die drei Abenteurer dies und streben zum Eingang des riesigen Wohnblockes als sich diesen plötzlich, kurz vor dem Eingang eine Ratte in den Weg stellt, welche die drei Abenteurer feindselig anblickt.
Ratte: Hier ist Endstation Pfeffersäcke!
Malin: Wie bitte?
Ratte: Ihr Sandsäcke seid auf mein Territorium vorgedrungen
Brenin: Auf was sind wir vorgedrungen?
Ratte: Ihr gehört nicht hierher….dort drüben sind die Müllsäcke
Kater Marlowe: Hier benötigt wohl eine vorlaute Ratte eine gehörige Portion Ohrfeigen
Die Ratte gibt einen pfeifartigen Ton von sich und im nächsten Moment sind die drei Abenteuer aus der Unendlichkeit im herungekommensten Stadtviertel einer Großstadt von zwei Dutzend Ratten, schwerbewaffnet mit bösen Blicken und grimmiger Entschlossenheit, umstellt.
Kater Marlowe rümpft seine Nase.
Ratte: Wie bereits gesagt….hier und keinen Schritt weiter
Brenin: Malin, wir haben keine Zeit zu verlieren
Malin: Ich weiß Brenin….ich weiß….
Ratte: An eurem Verhalten kann ich entdecken, dass ihr nicht von hier seid
Brenin: Nein
Ratte: Und woher kommt ihr?
Malin: Aus der Unendlichkeit
Ratte: Ihr lügt!
Brenin: Nein
Ratte: Ihr lügt!
Malin: Warum sollten wir lügen
Ratte: Ich kenne kein Viertel in dieser Stadt mit dem Namen Unendlichkeit….also….woher kommt ihr?
Malin: Wir kommen nicht aus dieser Stadt!
Ratte: Ihr seid also Fremde….womöglich Landeier
Brenin: Wir sind keine Landeier
Ratte: Ihr seid also Fremde
Malin: Dass könnte man als Großstadtratte so sehen
Ratte: Und was macht ihr dann hier?
Marlowe: Ratte….du hälst uns auf….wir haben wichtigeres zu tun
Ratte: Ach so….ihr habt aber keine Überlebenschance in diesem Viertel ohne mich
Malin: Das Viertel also anscheinend auch nicht
Ratte: Hier hat die Straße das Gesetz
Malin: Also bist du das Gesetz
Ratte: Endlich zeigt mal einer von euch so etwas wie Respekt….wie heißt du Hübsche?
Brenin: Malin….soll ich der Ratte in die Pfote beissen
Malin: Geduld Brenin….Geduld ist….Geduld ist….
Marlowe: Ist die Tugend des Meister
Malin: Ich bin die Siebenschläferin Malin
Ratte: Hübscher Name
Malin: Und wie heißt du Ratte?
Ratte: Ich bin die proletarische Ratte
Malin: Die proletarische Ratte
Ratte: Ich bin eine proletarische Ratte alter Schule
Malin: Old School
Ratte: Richtig erkannt Hübsche
Brenin: Ich bin der einsame Wolf Brenin
Ratte: Ein Wolf unter Wölfen
Brenin: Ein Wolf ja
Marlowe: Und ich bin Kater Marlowe
Ratte: Miau
Marlowe: Manieren sind nicht deine Stärke oder?
Ratte: Miau!
Marlowe: Malin!
Ratte: Hier auf meinem Territorium regiert die nackte Zurückhaltung
Brenin: Der entwaffnende Charme Zukurzgekommener
Ratte: Hier ist es nämlich für die meisten schon zu spät
Brenin: Nicht nur hier
Ratte: Nein, nicht nur hier
Marlowe: Aber gleichzeitig ist es selten irgendwo für die allermeisten so zu spät wie hier
Ratte: Miau!
Brenin: Nun da die Höflichkeiten ausgetauscht sind….wir haben KEINE ZEIT!
Ratte: Zeit ist relativ….dass weiss doch jeder Strassenkater
Marlowe rümpft seine Nase.
Brenin: Aber wenn man keine Zeit hat, dann ist die Zeit absolut!
Ratte: Dass einzige was hier absolut ist, ist mein Machtanspruch
Marlowe: Ich denke diese….diese proletarische Ratte und seine Freunde haben uns lange genug aufgehalten
Ratte: Ihr überschätzt eure Möglichkeiten wohl masslos
Malin: Hier im Elend hilft wohl niemand niemanden proletarische Ratte?
Ratte: Unser Motto lautet: Keiner für keinen und niemand für niemanden
Malin: Ihr haltet also zusammen, wenn ihr euch nicht gerade gegenseitig bis auf das Blut bekämpft?
Ratte: Sehr gut erkannt Holde
Malin: Genug der Schmeicheleien….hilfst du uns?
Ratte: Dir auf jeden Fall
Malin: Brenin….die Rattenpfote!
Ratte: Eigentlich haben wir hier in diesem Viertel ja besseres zu tun, als uns um verlorene Aussätzige zu kümmern….aber da heute….ihr wisst schon….und gerade jetzt….ihr wisst schon….
Brenin: Wir haben kein Geld
Ratte: Dass vereinfacht die Verhandlungen doch um ein vielfaches
Brenin: Wir haben aber trotzdem kein Geld
Ratte: Dass „trotzdem“ gefällt mir, das „kein Geld“ etwas weniger
Malin: Also trotzdem
Ratte: Damit kann ich mir aber nichts kaufen
Brenin: Wohl nicht
Ratte: Also um so besser
Brenin: Was verlangst du also?
Ratte: Ich begleite euch….ihr steht ab nun unter meinem persönlichen Schutz
Marlowe: Und dafür sollen wir auch noch dankbar sein?
Malin: Dieser Schutz hat aber nichts mit mir zu tun?
Ratte: Nur mit deinem Äußeren Malin….nur mit deinem Äusseren Siebenschläferin
Marlowe: Der Nutzen ist dem Dasein sein Zweck
Ratte: Also Hübsche…komm hierher
Malin: Brenin, beiss zu!
Brenin blickt zu Malin und dann zu Kater Marlowe
Marlowe: Nicht ein bisschen eifersüchtig Brenin?
Brenin geht einige Schritte nach vorne.
Brenin: Proletarische Ratte
Ratte: Ja?
Brenin: Folgt mir!
Brenin eilt an der Ratte vorbei und zum Eingangsbereich des riesigen Wohnkomplexes.
Malin, welche sich auf räumliche Distanz zu der proletatrischen Ratte hält; Kater Marlowe, die proletarische Ratte und drei seiner Kumpels folgen Brenin.
Direkt vor dem Eingang bleibt Brenin stehen und wendet sich der proletarischen Ratte hinzu.
Brenin: Und die Menschen?
Ratte: Welche Menschen?
Brenin: Die Menschen!?
Ratte: Diese schrecklichen Kreaturen?
Malin: Exakt
Ratte: Schrecklich!
Brenin: Und dass ist alles was du zu den Menschen zu sagen hast?
Ratte: Schrecklich
Marlowe: Einfach nur schrecklich!
Ratte: Was ist schrecklich?
Marlowe: Alles ist schrecklich
Ratte: Und ich habe mir gedacht nur die Menschen sind schrecklich
Brenin: Dass ist sinnlos….kommt….
Brenin; Kater Marlowe, Malin und die proletarische Ratte betreten das Wohnhaus und nach einigem Umherstreifen, finden diese doch tatsächlich den Vater mit der Vogelscheuche im Arm vor einer Tür auf- und abstreifend vor.
Die Abenteurer positionieren sich in der Nähe, bis der Vater nach einer endlichen Unendlichkeit genügend Mut gefasst hat, die Wohnungstür mit dem Schlüssel zu öffnen und diese zu betreten.
Einen Moment später stehen die Abenteurer vor der Tür.
Brenin: Und nun?
Ratte: Folgt mir
Die Gruppe folgt der proletarischen Ratte zu einem Loch in der Wand, zwängen sich durch dieses hindurch und nach einigen Abstürzen, Abzweigungen und Kurven, befinden sich diese im Kühlschrank in der Küche, öffnen diesen, springen heraus und blicken um sich.
Ratte: Jede Wohnung in diesem Wohnkomplex hat solch einen Ratten-Eingang….nur benutzen wir diese aus Trägheit beinahe nie
Brenin: Seltsam
Malin: Wir sind jetzt in der Wohnung, welche der Mann-Mensch mit der Vogelscheuche betreten hat?
Ratte: So ist es
Brenin: Seid leise….der Mensch kommt hierher
Die Gruppe drückt sich in ein dunkles Eck und beobachtet wie der Vater mit der Vogelscheuche Sam im Arm die Küche mit seiner Frau betretet.
Ratte: Übrigens….was machen wir eigentlich hier?
Malin: Und was ist in dem Geschäft vorgefallen Brenin?
Marlowe: Wir sind hier um einen Freund von uns, die Vogelscheuche Sam, zu befreien und….
Ratte (Marlowe unterbrechend): Genug….genug….mehr möchte ich eigentlich auch gar nicht wissen….zuviel Information beeinträchtigt mein klares Denken und geradliniges Handeln
Malin: Zuviel Information?
Ratte: Man sollte immerzu nur das Allernotwendigste wissen, denn alles was man weiss, also das Wissen das man besitzt, ist wankelmütig und könnte sich früher oder später gegen einen wenden
Brenin: Wir sind hier auf keinem Polizeirevier
Ratte: Entschuldigung….ich wollte nur einmal üben, wie smooth ich so bin….
Malin: Und woher diese Anglizismen?
Ratte: Die was?
Malin: Vergiss es
Ratte: Schon vergessen

Die Mutter und der Vater betreten nunmehr die Küche und die Abenteurer in Begleitung der proletarischen Ratte beobachten diese schweigend.
Vater: ….und so hat der noble Herr, als der Pfandleiher unseren Sohn als Pfand….
Mutter (den Vater unterbrechend): Nobel….NOBEL!?….Zum Donnerwetter nochmal….NOBEL ist an dieser Geschichte überhaupt nichts….Wie….ich frage mich WIE konntest du auf solch einen Handel überhaupt eingehen?
Vater: Ich hatte keine Wahl
Mutter: Man hat immer eine Wahl!
Vater: Beim Fernsehprogramm….bei der Wahl von verschiedenen Eissorten….man hat KEINE WAHL….wir sind arm….es fehlt an allen Ecken und Kanten….wir halten uns so gerade noch über dem Wasser
Mutter: NEIN, dass tun wir nicht….wir gehen gerade in dem tiefsten Abgrund menschlicher Grausamkeit hilflos unter
Vater: Ich weiß doch….ich weiß doch….
Mutter: Der Sohn verpfändet und die Tochter schwerkrank….was ist dass nur für ein Leben….welche Verdammnis hat uns verflucht, um unser Schicksal so schwer zu bestrafen
Die Mutter bricht in Tränen an und der Vater versucht diese zu trösten.
Mutter: Die Ärzte….die Ärzte wollen unser Kind nicht mehr behandeln, wenn wir nicht die Rechnungen bezahlen….kein Arzt weit und breit kümmert sich darum….immerzu bettelnd vor diesen herumkriechen, damit sie ihren kleinsten Finger 5 Milimeter bewegen und dazu soll man dann immer danke und bitte sagen….diese Ärzte….diese Heiligen der Öffentlichkeit und angesehensten Bürger der Stadt….diese Ärzte….verflucht in Gottes Namen sollen sie sein
Vater: Ich weiß, dass diese Ärzte in ihrer unmenschlichen Routine andauernd ihrer Grausamkeit Tribut zollen müssen….dass sie die Welt zu einem Platz des endlosen Schrecken andauernd verwandeln….aber sie müssen einfach unser Kind behandeln….
Mutter: Nichts anderes als Selektion betreiben diese Ärzte….sie haben von den ProvinzNaziÄrzten gelernt, wie man Rohheit in Profit, Niedertracht in Erfolg verwandelt….denn es geht um ihren persönlichen Profit….um Profileration….die ihre….denn ihre Eitelkeit ist der einzige Wert, den diese besitzen….verpfuschen und vertuschen ist der Strang, welche diese Ärzte und die politische Klasse zusammenschmiedet….es ist schrecklich….
Vater: Es ist wahrlich schrecklich
Mutter: Das Geld fehlt an allen Ecken und Kanten….wie soll es nur weitergehen….wie nur….sage es mir….wie….
Vater: Wir werden einen Weg finden
Mutter: Nur das niedrigste Menschentum wird andauernd belohnt, gefördert und beschützt
Vater: Nur die Familien werden alleingelassen
Mutter: Es geht nur und nur um den Macht- und Statuserhalt einiger weniger
Vater: Verzweifle nicht….zusammen werden wir einen Weg finden
Mutter: Ich habe keine Kraft mehr….ich kann einfach nicht mehr
Vater: Es muss weitergehen
Mutter: Es kann nicht weitergehen
Vater: Es muss weitergehen
Mutter: Es wird also weitergehen?
Vater: Ja, dass wird es
Mutter: Diese geistige Linie, welche von den größten Untaten der Menschheitsgeschichte bis zum provinziellen Establishment hinführt, welche die gute Tat auch noch jahrelang verspotten müssen, diese geistige Linie ist eine durchgehende geistige Linie durch die Geschichte des Menschheitsgeschlechtes und führt nicht nur das unsere Leben in das Verderben
Vater: Wir müssen stark sein und nicht zweifeln
Mutter: Der Glaube
Vater: Auch der Glaube
Mutter: Und die Verantwortlichen?
Vater: Also diese heutigen Kaiser Nero´s; diese heutigen Saddam Hussein`s; …..diese heutigen Hitler und Stalin`s….welche überall jederzeit durchgehend gegen die machtlosen und wehrlosen Menschen wüten
Mutter: Ja?!
Vater: Verzweifle nicht
Einige Sekunden in beiderseitigem Schweigen.
Mutter: Ich werde mit meinem Bruder sprechen
Vater: Was soll dass bringen?
Mutter: Er hat Geld
Vater: Und alle negativen Eigenschaften, welche man damit verbindet
Mutter: Es ist schrecklich
Vater: Ich weiß
Mutter: Wenn wir uns nur im Geringsten gegen diese Ärzte, gegen diesen einen Menschen wie dem Pfandleiher wehren….nur ein bißchen wehren, gewaltlos, mit friedlichen Mitteln….nur ein bißchen, dann werden sie uns schnurstracks für verrückt erklären….denn arme Menschen haben nunmal die Neigung verrückt zu sein und zu werden….die Behörden, die an allem interessiert sind, außer an der Wahrheit, würden uns sofort für verrückt erklären und das Establishment dazu applaudieren….die Guten haben gesiegt….die Bösen, also wir, sind untergegangen….
Eine kurze Zeit vergeht im beiderseitigen Schweigen.
Vater: Was hat mein kleines Mädchen heute gemacht?
Mutter: Wir haben stundenlang im Krankenhaus gewartet….aber die Ärzte hatten besseres zu tun….Urlaubsplanung….ihre kriminelle Komplizenschaft einem Bewährungstest unterziehen….ihre Köpfe einziehen und die gesamte Menschheit versauen….ihren verbalen, geistigen und emotionalen Dreck kübelweise über die gesamte Menschheit auszuschütten und dann mit strahlenden, glücklichen Gesichtern in ihr Leben hinauszutreten, in welchem alles das Schönste, das Beste und das Gesundeste sein muss….
Vater: So beruhige dich doch
Mutter: Und dann sind wir unverrichteter Dinge wieder abgezogen….das kriminelle Kartell hat gewonnen….der Unmensch….die Bestie namens Mensch im Gewand des besten Menschen, welcher im allgemeinen Kontext als der gutmütigste wahrgenommen wird
Vater: Keine Behandlung heute?
Mutter: Das Böse
Vater: Welches natürlich von der Politik, der Wirtschaft und allen voran den Behörden auf das Schärfste beschützt und gefördert, ja ausgezeichnet werden muss, denn es geht gegen den Menschen und für die Macht….für den Machterhalt….für die Interessenwahrung….für die kriminelle Komplizenschaft….
Mutter: Das Böse wird auch noch belohnt
Vater: So war es schon immer
Mutter: Das Böse

Die beiden Elternteile, der Vater und die Mutter, gehen miteinander sprechend, in einem Nebenraum und lassen die Vogelscheuche achtlos auf dem Küchentisch liegen.
Brenin, Malin, Marlowe und die proletarische Ratte warten noch einige Augenblicke und eilen dann aus ihrem Versteck, einer dunklen Ecke, heraus.
Ratte: Die Luft ist jetzt rein
Brenin: Ich und Marlowe befreien die Vogelscheuche; ihr beiden; Malin und die proletarische Ratte steht Schmiere
Malin: Warum ich?
Marlowe: Also dann Brenin
Brenin und Marlowe geben dem Einwand der Siebenschläferin Malin keine Achtung, denn eilen zum Küchentisch, klettern diesen hinauf und stehen vor der Vogelscheuche, welche zu schlafen scheint.
Marlowe: Los weck die Vogelscheuche Brenin
Brenin: Nun gut
Brenin hustet die Vogelscheuche Sam an und….und die Vogelscheuche erwacht.
Vogelscheuche: Wo bin ich?
Brenin: Bei deinen Freunden
Die Vogelscheuche zieht ihren Hut.
Vogelscheuche: Capeau!
Marlowe: Was soll denn dass jetzt bedeuten?
Vogelscheuche: Eine Ehrerbietung bestehend aus Respekt vor eurer Leistung auf meinen Fersen verblieben zu sein….ich dachte nämlich….ja ich dachte….
Brenin: Vergiss diese Gedanken
Marlowe: Vogelscheuche….los komm mit
Vogelscheuche: Ich schaffe es nicht allein
Kater Marlowe nimmt die Vogelscheuche Sam unter den Armen und schleppt/zieht diese über den Küchentisch, klettert mit dieser auf den Küchenboden hinunter.
Dort angekommen eilen diese zu den Schmiere stehenden Malin und der proletarischen Ratte.
Ratte: Sehr gut….sehr gut….dass ist also eurer Freund die Vogelscheuche
Vogelscheuche: Was macht denn diese Ratte hier?
Ratte: Sehr angenehm….ich bin die proletarische Ratte
Vogelscheuche: Eine proletarische Ratte?
Brenin: Was ist mit dir passiert Vogelscheuche Sam?
Vogelscheuche: Dass einzige woran ich mich noch erinnern kann, ist, dass als ich hierher verschleppt worden bin, mich einige Bananen im Gesicht getroffen haben….dass war dann wohl zuviel
Marlowe: Wir haben kein Zeit für Geplänkel….lasst uns die Kurve kratzen
Vogelscheuche: Was….ich werde abkratzen?
Malin: Die Vogelscheuche muss sich erst noch erholen….also….
Die nunmehr fünf Abenteuer eilen zum Rattenloch hinter dem Kühlschrank in der Wohnungswand, als Brenin plötzlich langsamer wird und dann innehält.
Brenin: Stop!
Die anderen Abenteuerer blicken sich zum einsamen Wolf Brenin um.
Brenin: Wartet!
Die anderen Abenteuerer bleiben stehen.
Brenin: Ihr solltet noch wissen, bevor wir durch dieses Rattenloch entschwinden, dass der Junge, dieser Sohn-Mensch dieses Vater-Mensch von einem anderen Menschen verpfändet worden ist und dass die Vogelscheuche Sam als Sicherheit für den Sohn-Mensch an dessen Vater-Mensch ausgehändigt worden ist….
Marlowe: Ja und?
Brenin: Der Sohn-Mensch kommt nicht mehr frei, wenn wir jetzt mit unserem Freund der Vogelscheuche Sam abhauen
Vogelscheuche: Wie bitte….ich verstehe überhaupt nichts mehr Brenin
Marlowe: Ja und?
Malin: Was willst du uns damit sagen Brenin?
Brenin: Versteht ihr denn nicht
Ratte: Ich verstehe nur Bahnhof
Brenin: Und dann das kranke Mädchen
Malin: Das kranke Mädchen?
Brenin: Ja!
Marlowe: Ich denke, ich beginne den Gedankengang Brenin`s zu verstehen
Malin: Und?
Marlowe: Es ist nicht möglich
Brenin: Was ist nicht möglich?
Marlowe: Es ist völlig ausgeschlossen und sollte in keinster Weise in Betracht gezogen werden
Brenin: Überlegt doch einmal
Malin: Was sollen wir überlegen?
Marlowe: Wir können diesen Menschen nicht helfen!
Brenin: Sicher?
Marlowe: Man kann diesen Menschen nicht helfen!
Brenin: Und doch sollten wir es versuchen
Malin: Nach allem was wir in dieser Welt schon erlebt haben?
Vogelscheuche: Mir könnt ihr helfen….und zwar jetzt….
Die Vogelscheuche kippt schlaftrunken um und nachdem sich die anderen Abenteuerer vergewissert haben, dass die Vogelscheuche nur schläft, wenden sich diese wieder ihren Argumenten hinzu.
Marlowe: Die Idee war doch jene die Vogelscheuche Sam zu retten und dann sofort und mit sofort meinte ich SOFORT in eine andere Welt überzusetzen?
Brenin: Ich weiß
Marlowe: Denn wie jedem mittlerweile bewußt geworden ist, ist es hier schrecklich….ES IST SCHRECKLICH!
Brenin: Es ist unsere Pflicht
Marlowe: Unsere Pflicht?
Ratte: Damit ich dass auch richtig verstehe….ihr wollt diesen schrecklichen Kreaturen auch noch helfen?
Brenin: Ja
Die Ratte deutet einen Vogel an.
Marlowe: Bei allen Unendlichkeiten
Malin: Wie hast du dir dass denn vorgestellt Brenin?
Brenin: Ganz einfach….wir befreien den Jungen, wir helfen dem kranken Mädchen, wir lösen das Problem mit dem Pfandleiher, wir erleben ein Abenteuer in dieser Welt und fallen zufrieden in eine andere Welt hinein
Malin: Und dass ist der Plan?
Brenin: Dass ist der Plan
Marlowe: So etwas Verrücktes habe ich noch nie gehört
Malin: Du verlangst nach einer Entscheidung Brenin?
Brenin: So ist es
Marlowe: Und wie soll es in allen Unendlichkeiten geschehen, dass dieser Plan auch klappt?
Brenin: Der Plan wird funktionieren….
Marlowe: Und dass nennst du einen Plan?
Malin: Lasst uns doch um eine Entscheidung zu finden, das kranke Mädchen-Mensch in dem anderen Zimmer aufsuchen?
Brenin: Ich bin einverstanden
Marlowe: Wir können diesem Mädchen-Mensch, diesem Jungen-Mensch nicht helfen, denn damit nur unser eigenes Grab graben
Ratte: Also ich möchte mich ja nicht einmischen, aber niemand hilft niemanden; niemand hilft diesen schrecklichen Kreaturen; nicht einmal diese schrecklichen Kreaturen sich untereinander und warum sollten wir dann, wo doch bei diesen schrecklichen Kreaturen…..
Malin (die proletarische Ratte unterbrechend): Man nennt sie Menschen proletarische Ratte….Menschen….
Ratte: Also gut….diese Menschen helfen sich doch untereinander nicht einmal und dann nur in Ausnahmefällen und warum sollten dann ausgerechnet wir diesen schrecklichen….entschuldigung, natürlich Menschen helfen?
Malin: Lasst uns….
Ratte (Malin unterbrechen): Lasst uns beide
Malin: Brenin?!
Brenin: Lasst uns um eine Entscheidung zu finden, zu dem kranken Mädchen-Mensch gehen
Marlowe: Gehen wir!
Malin: Also los
Die fünf Abenteuer blicken sich nach den beiden Elternteilen um, beobachten, dass diese beschäftigt sind und eilen dann durch das Küchenzimmer in ein daneben gelegenes Zimmer, in welchem das kranke Mädchen in einem Bett schläft.
Die fünf Abenteuer schleichen sich an das Bett heran, klettern dieses hinauf und beugen sich über das kranke, schlafende Mädchen.
Die fünf Abenteuer blicken sich gegenseitig an.
Die fünf Abenteurer verlassen dann das Zimmer leisen Schrittes und finden sich vor dem Kühlschrank in der Küche wieder ein.
Brenin: Kater Marlowe und die Vogelscheuche Sam bleiben hier; Sam spielt weiter die unfähige Vogelscheuche; Marlowe passt auf das Mädchen auf; ich; Malin und die proletarische Ratte eilen zum Pfandleiher; befreien den Jungen und lösen das Problem mit dem Pfandleiher
Malin: Proletarische Ratte?
Etwas Zeit vergeht mit einer in sich versunkenen proletarischen Ratte.
Malin: Proletarische Ratte?
Ratte: Auf mein Rattenblut könnt ihr euch verlassen
Malin: Sam!…:Brenin!
Brenin hustet die Vogelscheuche Sam an und diese erwacht wieder.
Malin: Sam!
Vogelscheuche: Wo brennt es?
Malin: Schlottern deine Arme im Wind?
Vogelscheuche(auf seine still-ruhenden Arme blickend): Und wie?
Malin: Du wirst deine Rolle weiterspielen
Vogelscheuche: Ahoi Kapitän!
Brenin: Kater Marlowe?
Marlowe: Es sollte keine Frage sein, denn eine ehrenvolle Aufgabe
Brenin: Also dann….Marlowe….sei vorsichtig und pass auf das Mädchen auf
Marlowe: Und ihr seid tapfer….so tapfer wie das kleine Mädchen
Einige Sekunden Schweigen von Malin.
Malin: So tapfer werden wir niemals sein können
Ratte: Nie….nie….niemals
Marlowe: Dann versucht es zumindest
Ratte: Wir werden unser Bestes geben
Die proletarische Ratte, Malin und Brenin wenden sich ab.
Ratte: Malin?!
Malin: Was ist proletarische Ratte?
Die proletarische Ratte schmatzt der überrumpelten Siebenschläferin einen Kuss auf die Wange.
Malin: Was soll dass?
Ratte: Falls wir uns nicht mehr wiedersehen
Malin: Proletarische Ratte….du kommst mit uns!
Ratte: Ach so….außerdem ist es doch ein Brauch bei uns Ratten vor jedem Abenteuer….
Malin (die Ratte unterbrechend): Und dass ist also ein Brauch bei den Ratten?
Ratte: Um sich gegenseitig Mut zu machen
Malin: Und diesen Blödsinn hast du dir ausgedacht?
Brenin hustet. Sam schmollt. Kater Marlowe´s Pfote schmerzt.
Malin schmatzt der überrumpelten proletarischen Ratte einen Kuss auf die Wange und entschwindet durch das Rattenloch.
Der Wolf Brenin eilt ihr sogleich hernach und die proletarische Ratte schwebt noch ein paar Sekunden einige Zentimeter über dem Erdboden bis diese den Beiden durch das Rattenloch folgt.
Brenin, Malin und die proletarische Ratte eilen durch den Wohnkomplex und durch den Ausgang hinaus.
Kaum haben die drei Abenteurer den Wohnkomplex verlassen stößt die proletarische Ratte ein pfeifartiges Geräusch aus und an der rechten und linken Seite der proletarischen Ratte erscheinen zwei Ratten.
Ratte: Darf ich vorstellen….dass ist die rechte Ratte und dies hier ist die linke Ratte….sie werden uns begleiten
Linke Ratte: Für das Volk der Ratten
Rechte Ratte: Für das Volk der Ratten
Ratte: Also dann
Die proletarische Ratte und seine beiden Freunde; die linke Ratte, die rechte Ratte; die Siebenschläferin Malin und der einsame Wolf Brenin eilen durch das heruntergekommene Viertel; durch den Park; durch die bewachten Wohnanlagen; durch den satten Versorgungsgürtel, durch die Down-Town mit ihren Skyskrapern, bis diese vor dem Geschäft des Pfandleiher stehen bleiben.
Dieses ist verschlossen.
An der Tür hängt ein Schild, welches Kater Marlowe nach kürzester Zeit entziffern kann:
„Am restlichen Tag geschlossen; bin in der Provinz bei meinen reichen Freunden; wer mich sucht…..hier die Adresse….Schuldner unerwünscht!“
Die fünf Abenteuerer blicken sich kurz an, die proletarische Ratte deutet mit ihrem Kopf in eine Himmelsrichtung und dann eilen die Abenteurer jener Himmelsrichtung entgegen.

3. In der Provinz

„There was an uproar and we opened our eyes from eternal sleep,
Saw that the night of wickedness endured, so we slept again.“
Sarmad

Die Unendlichkeit
Der Tod
Die Siebenschläferin Malin
Der einsame Wolf Brenin
Die Vogelscheuche Sam
Der Kater Marlowe
Die proletarische Ratte
Die rechte Ratte Die linke Ratte
Die Zigeunermäuse
Das provinzielle Establishment
Der Junge
Der Pfandleiher
Die Rednecks

In einem fiktiven Theater.
Im Zuschauerraum, vor welcher sich eine Bühne erhebt.
Es ertönt ein Husten.
Stille.
Ein erneutes Husten von den billigsten Zuschauerplätzen im hinteren Teil des fiktiven Theater.
Stille.
Nach einem erneuten Husten wendet sich ebendort die sitzende „Unendlichkeit“ an den neben dieses dort sitzenden „Tod“.
Die Unendlichkeit: Was ist los Tod?
Der Tod: Der Tod ist verkühlt
Die Unendlichkeit: Der Tod ist was?
Der Tod hustet.
Der Tod: Ein Wolf….ach vergiss es….der Tod ist verkühlt
Die Unendlichkeit: Und was sagst der Tod zum bisherigen Verlauf der Geschichte?
Der Tod: Welcher Geschichte?
Die Unendlichkeit: Welcher denn….jene von den Abenteurern natürlich
Der Tod: Ohne Beginn und ohne Ende
Die Unendlichkeit: So ungefähr
Der Tod: Ja, die Geschichte….etwas langwierig für meinen Geschmack
Die Unendlichkeit: Aber doch so herrlich unkompliziert und dahinfließend
Der Tod: Wartet die Unendlichkeit und der Tod vorerst einmal ab
Die Unendlichkeit: Und genau dass sollte die Unendlichkeit und der Tod nicht tun
Der Tod: Warum?
Die Unendlichkeit: Der Tod weiss wo ein Teil der Abenteurer jetzt landen werden?
Der Tod: Der größten Strafe für jedes Lebewesen aller Welten
Die Unendlichkeit: Der Tod weiss es also
Der Tod: Natürlich weiss der Tod dies
Der Tod hustet.
Die Unendlichkeit: In der Provinz
Der Tod: Der Showdown
Die Unendlichkeit: Und glaubt der Tod diese Abenteurer werden mit der Provinz auch noch fertig werden….den provinziellen Ärzten….den provinziellen Politikern….den provinziellen Behörden….DER PROVINZ!
Der Tod: Um es mit Marlowe`s weissen Wörtern zu sagen…..“Es ist schrecklich“
Die Unendlichkeit: Schrecklicher als aller Schrecken
Der Tod: Es wird ein Kampf werden, wie die Welten einen solchen noch nie gesehen hat
Die Unendlichkeit: Und wie werden die Abenteurer kämpfen….wie werden sie kämpfen….wenn ihnen das Ausmaß der menschlichen Niedertracht bekannt wird….die Hinterhältigkeit….und ja….sie werden kämpfen….Brenin….Malin….die proletarische Ratte…..sie werden kämpfen
Der Tod: Dem Schrecken ein Ende zu setzen
Die Unendlichkeit: Lieber ein Schrecken mit Ende, als ein endloser Schrecken
Der Tod: Es ist schrecklich
Die Unendlichkeit: Und wir noch schrecklicher werden
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Die Unendlichkeit: Übrigens….wer ist diese proletarische Ratte?
Der Tod: Noch nie zuvor von dieser proletarischen Ratte gehört
Die Unendlichkeit: Noch nie?
Der Tod: Sage ich doch
Die Unendlichkeit: Seltsam
Der Tod: Mit dem wird der Tod schon fertig!
Die Unendlichkeit: So wie mit dem Wolf?
Der Tod: Wie bitte Unendlichkeit?
Die Unendlichkeit: Nichts….gar nichts
Der Tod: Und die Unendlichkeit meint diese Abenteurer werden mit der Provinz nicht fertig werden?
Die Unendlichkeit: Der Tod und die Unendlichkeit sollten ihnen helfen
Der Tod: In das irdische Treiben….also diesem mehr irren, denn irdischen Treiben eingreifen?
Die Unendlichkeit: Ja
Der Tod: Die Unendlichkeit meint dies auch ernst?
Die Unendlichkeit: Todernst!
Der Tod: Dass wäre dann ja eine einmalige Geschichte
Die Unendlichkeit: Einmalig ja
Der Tod hustet.
Der Tod: Mit diesem Wolf….diesem einsamen Wolf….diesem Wolf Brenin hätte ich noch ein Hühnchen zu rupfen
Die Unendlichkeit: Was ist mit dem Huhn?
Die Unendlichkeit: Zu teeren und zu federn
Der Tod: Rupfen, dann teeren und dann federn
Die Unendlichkeit: Wie soll dass gehen?
Der Tod: Lass dies ein Problem des Todes sein
Der Tod hustet.
Der Tod: Und dann wäre da ja noch der Kater Marlowe
Die Unendlichkeit: Ja?
Der Tod: Der steht auf meiner Liste einsam an der ersten Stelle
Die Unendlichkeit: Einer muss schließlich ja ganz oben stehen
Der Tod: Der Tod holt sich diesen Kater Marlowe
Die Unendlichkeit: Noch einmal wird dieser Kater Marlowe dem Tod nicht entwischen
Der Tod: Es ist dem Tod noch keiner entwischt
Die Unendlichkeit: Noch keiner?
Der Tod: Keiner!
Die Unendlichkeit: Keiner?
Der Tod: Einer
Die Unendlichkeit: Dieser Kater Marlowe
Der Tod: So ist es
Die Unendlichkeit: Aber die Unendlichkeit hat an etwas anderes gedacht
Der Tod: An was?
Die Unendlichkeit: Die Unendlichkeit und der Tod helfen den Abenteuern
Der Tod: Diesem Kater, der schon längst tot sein müsste und diesem Wolf….diesem Wolf….DIESEM WOLF!
Die Unendlichkeit: Genau….der Tod und die Unendlichkeit helfen ihnen
Der Tod: Dass wäre ja….dass wäre ja….
Die Unendlichkeit: Absurd
Der Tod: Surreal
Die Unendlichkeit: Etwas noch nie Dagewesenes
Der Tod: Grotesk
Die Unendlichkeit: Sinnwidrig
Der Tod: Der Tod ist sich unklar
Etwas Unendlichkeit vergeht.
Die Unendlichkeit: Also ist der Tod damit einverstanden?
Der Tod: Warum auch nicht….meine Ernte fahre ich ja trotz allem ein
Die Unendlichkeit: Früher oder später gehören sie dir alle Tod
Der Tod: Alle
Die Unendlichkeit: Dann lasse uns den Abenteuren helfen
Der Tod: In solch einer ausweglosen Situation….in solch einer jenseits von jedlichem Jenseits anzusiedelnden Situation….in solch einer hoffnungslosen Lage….ja…..ja….ja….da brauchen die Abenteurer wohl noch die Hilfe des Todes
Die Unendlichkeit: Und der Unendlichkeit Tod….und der Unendlichkeit Tod
Die Unendlichkeit: Die Ausnahme….
Der Tod: ….welche den Tod bestätigt
Die Unendlichkeit erhebt sich von ihrem Sitz.
Der Tod hustet.
Die Unendlichkeit: Also
Der Tod: Nun gut
Der Tod erhebt sich und schweren Schrittes begeben sich der Tod und die Unendlichkeit durch den Zuschauerraum auf die Bühne hinzu.
Am Bühnenaufgang bleibt der Tod und die Unendlichkeit nochmals stehen.
Der Tod: Und die Unendlichkeit denkt, dass dies wirklich notwendig ist
Die Unendlichkeit: Nur dieses eine Mal werden der Tod und die Unendlichkeit gebraucht
Der Tod: Der Tod und die Unendlichkeit
Die Unendlichkeit: In dieser Geschichte ohne Beginn und ohne Ende
Der Tod: Dann bekommt diese Geschichte nunmehr ein Ende
Die Unendlichkeit: Durch den Tod
Der Tod: Durch den Tod!
Der Tod und die Unendlichkeit gehen den Bühnenaufgang hinauf.

Die Abenteurer um Brenin haben in der Zwischenzeit die Großstadt verlassen und nachdem diese einige Zeit durch eine Vielzahl von Vororten geirrt waren, hatten diese dann schlußendlich die Provinz erreicht.
Dort angekommen, eilen die Abenteurer durch abgelegene Dörfer, passierten verlassene Bauernhäuser, wanderten Straßen und Wege entlang, welche im Nichts enden, passieren Wälder und Erhebungen und nicht nur die Temperaturen wurden kälter.
Bald waren die Abenteurer von kalten Schultern umzingelt, waren von abschätzigen Blicken umstellt und die Menschen, welche sie antraffen, wandten sich von ihnen ab.
Den andauernden Beleidigungen, den immer tiefer und gefährlicher herumfliegenden Bananen, welche auf alles Lebende niederprasselten, welches sich nicht in die kleine; sehr, sehr kleine Welt, also der Provinzanschauung, einreihte; konnten auch die Abenteuer nicht entgehen und so schlichen diese mehr durch die Provinz, als diese die Abenteurer durchwanderten.
Eine Ewigkeit später, welche doch nur ein sehr kurzer Zeitraum war, erreichten die Abenteurer den Weiler; den Dorfweg; das Haus, dessen Adresse der Pfandleiher an einen Zettel an der Tür seines Geschäftes in der Großstadt geheftet hatte.
Doch dort fanden die Abenteurer nicht nur verschlossene Gittertüren, dunkle Fenster vor, denn nur Versperrtes, Abgeschlossenes und alles, was sich hinter Schloß und Riegel in vermeintlicher absoluter Sicherheit wiegte.
Die Abenteurer eilten weiter und blieben dann am Rande jenes Dorfes, vor einer Wegbeschilderung doch etwas ratlos stehen.
Brenin: Was nun?
Malin: Der Junge ist nicht hier….der Pfandleiher hat diesen woandershin verschleppt
Die proletarische Ratte: Ich….ich….
Brenin: Ja proletarische Ratte?
Die proletarische Ratte: Ich habe eine Idee
Brenin: Lass hören
Die proletarische Ratte: Wir könnten die Fährte des Jungen aufnehmen
Malin: Was sagst du dazu Brenin
Brenin: Ein guter Vorschlag
Malin: Also dann
Die Abenteuer nehmen die Fährte des Jungen auf; als sich plötzlich, kurz außerhalb des Dorfes, vor diesen, sich eine Gruppe von provinziellen Rednecks aufbaut.
Redneck 1: Was haben solch skurille Gestalten wie ihr hier in der Provinz verloren?
Redneck 2: Ihr gehört nicht hierher!
Redneck 3: Die stinken nach Großstadt
Redneck 2: Ja so stinkt nur dieses großstädtische Unkraut
Redneck 1: Und wahrscheinlich sind sie….ihr wisst schon was….
Redneck 2: Da hilft wohl nur eine ordentliche Portion Prügel
Redneck 3: Was sagt ihr dazu?
Die drei Rednecks wenden sich an zwei diese begleitende Wasserstoffblondinen.
Wasserstoffblondine 1: Schlagt ihnen die Augen zu Nasen….oder die Nasen zu Augen
Wasserstoffblondine 2: Blut von Schwächlingen, macht euch in unseren Augen stark und noch begehrenswerter
Die Rednecks nähern sich den Abenteuern in bedrohlicher Art und Weise.
Redneck 1: Solch menschliche Degenerierte, die keine Heimat haben, überall gleich unbeliebt sind, nur Probleme machen, arbeitsscheu und kriminell sind, solche die nicht wie wir einen geistigen Horizont haben, der eigentlich gar nicht exisitiert….solche Menschen mögen wir hier in der Provinz ganz und gar nicht!
Redneck 3: Ganz oder gar nicht?
Redneck 2: Gar nicht Redneck 3….gar….gar nicht
Redneck 2: Haltet euch wohl für etwas Besseres?!
Redneck 3: Absonderliches Gesöck!
Redneck 1: (einige unverständliche, grässliche Schimpfwörter)
Redneck 2: Zum Arbeiten seid ihr wohl zu faul
Redneck 3: Hier wird nämlich angepackt und nicht geschwafelt!
Redneck1: Arbeiten nicht….aber unsere Frauen….unsere Frauen….
Redneck 3: Immer das gleiche….IMMER!
Redneck 2: Hast du die Blicke von denen auf unsere Wasserstoffblondinen gesehen?
Redneck 3: Klar habe ich diese speicheltropfenden, gierigen Blicke gesehen
Redneck 2: Immer das Gleiche mit diesen Ausländern
Redneck 1: Eine Tracht Prügel könnte wohl helfen
Redneck 2: Und wir äußern uns abfällig über alles was uns nicht passt!
Rdneck 3: Über alles
Brenin: Über alles?
Redneck 2: Jawohl….über alles was uns nicht passt!
Brenin: Also nichts?
Redneck 1: Ich habe es gewusst….ich habe es gewusst….wir haben es hier mit einigen Neumalklugen zu tun!
Redneck 2: Also ganz Schlaue
Redneck 3: Wir wollen aber keine Schlauen hier in der Provinz
Redneck 1: Die haben wir noch nie gebraucht….diese Schlauen
Redneck 2: Noch nie!
Wasserstoffblondine 1: Schlagt sie!
Wasserstoffblondine 2: Ja, schlagt sie blutig!
Wasserstoffblondine 1: Ihr seid doch richtige Männer
Wasserstoffblondine 2: Und keine Schwächlinge
Redneck 1: Solche Großstädter, die sich auch noch für besser halten
Redneck 2: Haben wir hier schon einige Male gehabt
Redneck 3: Mit besonderer Betonung auf „hatten“
Redneck 1: Hier herrscht nämlich die provinzielle Kultur….untereinander….miteinander….zwischeinander….
Redneck 2: Denn wir brauchen keine Kultur hier in der Provinz….denn wir sind hier die Kultur!
Redneck 1: Eine gewaltätige, rückständige, auf Intelligenz und Empathie verzichtende Kultur
Brenin: Dass habe ich mir beinahe schon gedacht
Redneck 3: Er denkt?!
Redneck 2: Er hat uns beleidigt!
Redneck 1: Hat er dass?
Redneck 3: Er denkt….Menschen die denken sind eine Beleidigung für uns
Redneck 2: Dafür gibt es eine Portion Gratis-Prügel
Die drei Redneck´s nähern sich nach dieser ultimativen Herausforderung Brenin`s, seinem ungewollten Eingeständnis, dass er denkt, was von den Rednecks naturgemäß als schwere Beleidigung aufgefasst wird, näher und näher, als…..als….als plötzlich eine Gruppe von Zigeunermäusen zwischen den beiden Streitparteien springen.
Zigeunermaus 1: Was geht hier ab?
Zigeunermaus 2: Was ist hier passiert?
Zigeunermaus 3: Warum streitet ihr?
Redneck 1: Aus dem Weg Zigeunermäuse!
Redneck 2: Diese Zigeunermäuse haben uns gerade noch gefehlt!
Redneck 3: Zigeuner, Goßstädter…..sehr seltsame Großstädter….ja wo enden wir denn da mit der harmoischen, auf die Oberfläche reduzierte, keine Probleme kennenden und vor allem erkennenden, das allermeiste vertuschende Provinz
Redneck 1: Redneck 2….dass war ja ein richtig langer Satz
Redneck 2: Danke Redneck 1
Redneck 3: Um uns kurz zu fassen….hier in der Provinz ist alles Negative welches vorfällt inoffiziell und alles Positive welches vorfällt offiziell
Redneck 2: Und ihr seid inoffiziell
Malin: Was sind wir?
Redneck 2: Inoffiziell!
Brenin: Und wer seid ihr?
Zigeunermaus 1: Die Zigeunermäuse
Redneck 1: Ja, was ist dass denn jetzt?
Zigeunermaus 2: Ruhe….Zigeunermaus 1 spricht!
Redneck 1: Was?
Zigeunermaus 2: Ruhe!
Redneck 1: Habt ihr dass gehört?
Wasserstoffblondine 1: Schlagt doch endlich zu!
Wasserstoffblondine 2: Auf was wartet ihr noch!
Wasserstoffblondine 1: Blut wollen wir sehen!
Redneck 2: Eine herum kommandierende Zigeunermaus!
Redneck 3: Also…..also, dass ist eindeutig zuviel für mich
Redneck 2: Nein, so etwas kann hier einfach nicht passieren….nein, dass übersteigt meinen geistigen Horizont
Redneck 1: Eine herumkommandierende Zigeunermaus
Redneck 2: Damit werde ich einfach nicht fertig
Redneck 3: Dass ist zuviel
Die drei Rednecks wenden sich zutiefst verunsichert und miteinander hitzig diskutierend, Köpfe schüttelnd, die zwei Wasserstoffblondinen zusammenschreiend, sowohl von den Abenteurern, als auch von den Zigeunermäusen ab, denn zuviel ihrer Intelligenz, denn zuviel ihres Weltverständnis, welches durch die Zigeunermäuse, jener einen, die herumkommandiert, auf den Kopf gestellt wurde, nein, dass war einfach zu viel für diese Rednecks, deren kleine, sehr kleine Welt, damit aus den Fugen zu geraten droht und eiligst versuchen die Rednecks ihre kleine, kleine, nunmehr nicht mehr so heile Welt wieder in Lot zu bekommen.
Zigeunermäuse: Und wer seid ihr?
Malin: Ich bin die Siebenschläferin Malin, das ist der einsame Wolf Brenin und diese drei Ratten sind zum einen die proletarische Ratte und die rechte und die linke Ratte
Zigeunermaus 3: Und was macht ihr hier?
Brenin: Wir haben die Fährte eines Jungen aufgenommen?
Zigeunermaus 2: Aber doch nicht jenen, welcher vom Pfandleiher hierher verschleppt worden ist?
Malin: Woher wisst ihr dass?
Zigeunermaus 1: Wir sind die Zigeunermäuse!
Brenin: Also wisst ihr dies?
Zigeunermaus: So ist es
Die proletarische Ratte: Ihr scheint auch recht wenig in die Provinz zu passen?
Zigeunermaus 2: Proletarische Ratte….sehr gut erkannt….
Zigeunermaus 3: Wir sind nur auf Durchreise….
Zigeunermaus 1: Wie immer
Brenin: Heimatlos?
Zigeunermaus 2: Zigeunermäuse sind ein fahrendes Volk
Malin: Dann seid ihr wohl niergends willkommen
Zigeunermaus 3: Wir haben unsere eigenen Regeln, also wir kochen unsere eigene kleine Suppen und lassen uns diese, unsere Suppe auch von niemanden versalzen
Brenin: Ihr kennt also den Pfandleiher?
Zigeunermaus 1: Denn kennt eine jede Zigeunermaus und fürchtet ihn
Malin: Weshalb fürchtet ihr den Pfandleiher?
Zigeunermaus 3: Wir sind arm
Brenin: Der Generalverdacht?
Zigeunermaus 2: Wir sind arm, aber zugleich auch reich
Malin: Also nun arm oder reich
Zigeunermaus 3: Für Menschen wie dem Pfandleiher sind wir arm, denn wir entziehen uns seiner Macht, seinen Netzwerken, seinen Einflußmöglichkeiten, seiner Manipulation und der allgemeinen Käuflichkeit
Zigeunermaus 2: Damit sind wir sozusagen die natürlichen Feinde von Menschen wie dem Pfandleiher
Malin: Ich verstehe
Brenin: Und dem Jungen geht es gut?
Zigeunermaus 1: Sie haben den Jungen zum Anwesen verschleppt
Malin: Welchem Anwesen?
Zigeunermaus 3: Ja, welchem Anwesen denn schon?
Brenin: Welchem?
Zigeunermaus 2: Dem Anwesen „Unter dem Berg“
Malin: Und wo finden wir dieses Anwesen?
Zigeunermaus 2: In der tiefsten Provinz, wo sich der Hase und der Fuchs gute Nacht sagen
Brenin: Könnt ihr uns helfen
Zigeunermaus 3: Wir Zigeunermäuse haben euch ja schon geholfen
Malin: Ja, übrigens danke dafür
Zigeunermaus 1: Nichts für ungut
Zigeunermaus 2: Aber der schwierigste Teil eurer Reise zum Anwesen „Unter dem Berg“ liegt noch vor euch
Brenin: Und zwar?
Zigeunermaus 3: Was ihr nicht wisst….dass ist die Tatsache, dass die Provinz von einigen wenigen Reichen, einer kleinen eingeschworenen Gemeinschaft, kontrolliert und regiert wird….überall haben sie ihre Informanten, ihre Zuträger und ihre Knechte, welche dafür Sorge tragen, dass eine kleine Minderheit im Luxusrausch dahinlebt und genau nur jener kleinste Teil zählt, entscheidet und den politischen, den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Diskurs nicht wesentlich bestimmt, denn überhaupt und grundsätzlich bestimmt
Malin: Dass klingt schon provinziell
Zigeunermaus 2: Sie leben und erzählen den Menschen immerzu die allerschönsten Märchen….Märchen mit Titeln wie „Die Wahrheit“; Märchen wie „Das allerbeste Gesundheitssystem“; Märchen wie „Geht´s der Wirtschaft gut, geht´s allen gut“
Zigeunermaus 1 (zu Zigeunermaus 3 hingewandt): Dabei hat mir mein Vetter Toni erst gestern erzählt, dass diese Globalisierung nur prekärere Lebensverhältnisse schafft
Malin: Die was schafft was?
Zigeunermaus 1: Ja, mein Vetter, der Toni weiß da Bescheid
Brenin: Was ist prekär?
Zigeunermaus 1: Diese Globalisierung schafft nur miese Jobs
Zigeunermaus 3: Dass ist doch jetzt nicht wichtig Zigeunermaus 1
Zigeunermaus 2: Ihr wollt also den Jungen aus den Fängen des Pfandleihers befreien?
Brenin: Sehr gut kombiniert Zigeunermaus
Zigeunermaus 1: Ihr müsst unbemerkt bis zum Anwesen „Unter dem Berg“ vordringen und dürft von keinem dabei entdeckt werden
Brenin: Warum?
Zigeunermaus 2: Schon einmal grundsätzlich aus Prinzip….wenn sie schon alles kontrollieren, alles wissen, die Behörden hinter sich wissen; die debile Masse ihnen blind folgt….ja, dann muss es dann wohl aus Prinzip geschehen….
Zigeunermaus 3: Um ihnen vor Augen zu führen, dass sie vielleicht ja doch nicht so viel wissen, wie sie glauben zu wissen, wo sie doch alles wissen, obwohl sie in Wahrheit und damit meine ich nicht deren Märchen mit jenem Titel, nicht so viel, wie sie vielleicht glauben zu wissen
Zigeunermaus 1: Also….um uns kurz zu fassen….um den Zweifel zu säen….der Zweifel ist nämlich der Beginn und das Ende einer guten Geschichte
Brenin: Also dass….
Malin: Der Zweifel ist der Beginn und das Ende einer guten Geschichte
Brenin: Dass sollten wir uns zu Herzen nehmen
Malin: Dieser unseren Geschichte ein Ende und einen Beginn zu verpassen
Brenin: In Form des Zweifels
Zigeunermaus 3: Denn dass was sie am meisten fürchten….dass ist der Zweifel….Zweifel an ihrem Allwissen….Zweifel an ihrem absoluten Machtanspruch….Zweifel an ihrer vollständigen Rechtmäßigkeit….Zweifel an ihrem totalem Reichtum….Zweifel an ihrem Tun und Handeln….der Zweifel ist der Schlüssel zu einer besseren Welt….
Zigeunermaus 2: Nur dass die meisten Menschen davon nie erfahren werden
Zigeunermaus 3: Denn nur die Märchen namens „Wahrheit“, „So ist es und so bleibt es“….also all diese Märchen nur zu hören bekommen….
Zigeunermaus 1: Das Übliche eben
Brenin: Helft ihr uns?
Zigeunermaus 3: Warum nicht?
Zigeunermaus 2: Mir fällt nur das richtige Wort dazu nicht ein
Malin: Ich würde es nur mit einem Wort beschreiben….
Brenin: Lass uns starten
Malin: Nicht diesem….aber los
Die Abenteurer und die Zigeunermäuse beginnen sich durch das Dickicht der Provinz hindurchzukämpfen.
(Text einbauen)

Der Tod und die Unendlichkeit haben nunmehr eine andere Welt betreten; die Welt der Menschen und betreten diese Welt praktischerweise und als erfahrene Weltenbummler in der Wohnung, in welcher sich mittlerweile nicht nur die beiden Elternteile und das kranke Mädchen, denn auch Kater Marlowe und die Vogelscheuche Sam aufhalten.
Der Tod und die Unendlichkeit blicken um sich und bewegen sich dann leisen Schrittes in das Zimmer, in welchem das kranke Mädchen schläft.
Zuerst spähen die Beiden hinein und erblicken Kater Marlowe, wie dieser auf einem Stuhl neben dem Bett mit grimmigen Blick zu dem kranken Mädchen spricht.
Marlowe: ….und dies war die Geschichte vom Weinberg, welcher sich in den Herbst verliebt hatte….und nun….aber warte….aber ich habe….ich habe mir zusätzlich zu dieser Geschichte aus dem Stegreif heraus ein Gedicht für dich ausgedacht….ich weiß, ich weiß, aber nichtdestotrotz….

Das Gedicht

Nachdem Kater Marlowe sein Gedicht für das kranke Mädchen vorgetragen hat, kann der Tod sich nicht mehr länger zurückhalten und muss husten.
Kater Marlowe´s Aufmerksamkeit richtet sich gegen die Zimmertür.
Marlowe: Wer in allen Welten ist hier?
Als keine Reaktion erfolgt, fletscht Kater Marlowe seine Zähne so furchterregend, wie ihm dies nur möglich ist und als nichts passiert, er seine Frage nochmals wiederholt hat, springt Kater Marlowe von seinem Wachposten auf dem Stuhl neben dem kranken Mädchen auf dem Boden und faucht in alle Zimmerrichtungen gleichzeitig los.
Der Tod hustet.
Die Unendlichkeit: Hier!
Die Unendlichkeit und der Tod treten aus einem dunklen Eck des Zimmers heraus.
Kater Marlowe eilt zu diesen, hält sich aber in einem Respektabstand.
Der Tod: Hallo Marlowe….Kater Marlowe
Marlowe: Hallo Tod
Die Unendlichkeit: Und meine Wenigkeit….die Unendlichkeit
Marlowe: Dann gibt es diese Unendlichkeit also wirklich und nicht nur in der Einbildung Brenin`s
Die Unendlichkeit: Hallo Marlowe
Marlowe: Hallo Unendlichkeit
Der Tod (hustend): Unser letztes Zusammentreffen war ja nicht solchermaßen harmonisch
Marlowe: Den Umständen entsprechend
Die Unendlichkeit: Es sind ja immer die Umstände und nie die handelnden Personen Schuld
Marlowe: Dass könnten meine Wörter sein
Die Unendlichkeit: Auch wenn die Umstände immer tragisch sind
Marlowe: Was dann wohl an den handelnden Personen liegt
Die Unendlichkeit: Womit wir ja wieder bei der Frage der Schuld wären
Marlowe: Genug des Einerlei….was habt ihr hier in dieser Welt….und vor allem was habt ihr hier in diesem Zimmer zu suchen?
Der Tod (verblüfft): Was wir hier zu suchen haben?
Marlowe: Ihr seht doch, ich bin beschäftigt
Der Tod: Beschäftigt?
Marlowe: Ja
Der Tod: So eine Chupze schon einmal erlebt Unendlichkeit?
Die Unendlichkeit: In dieser Welt noch nie
Marlowe: Ihr seht doch, dass ich mich um das kranke Mädchen kümmer; irgendjemand muss auf diese aufpassen….
Der Tod: Dass hat der Tod nunmehr gesehen und gehört
Marlowe: Und auch der Tod oder die Unendlichkeit werden mich nicht davon abbringen können
Der Tod: Der unerschrockene Kater Marlowe wie der Tod ihn kennt
Marlowe: So soll es sein und so ist es
Der Tod: Marlowe….Kater Marlowe….schon vergessen?
Marlowe: Was vergessen?
Der Tod: Du hast es diesmal mit dem Tod zu tun und zwar ohne diesen….diesen….
Marlowe: Der Tod meint den Wolf?
Der Tod (hustend): So ist es
Die Unendlichkeit: Was ist mit diesem Wolf?
Der Tod: Um den Wolf kümmern wir uns später!
Marlowe: Und was hast der Tod hier verloren?
Die Unendlichkeit: Das ist eine lange Geschichte
Marlowe: Ohne Beginn und ohne Ende
Der Tod: Doch….in dieser Geschichte bin ich das Ende
Marlowe: Warum gleich immer so tragisch Tod?
Der Tod: Das liegt in meiner Natur
Marlowe: Arme Natur
Der Tod: Versteht die Unendlichkeit es jetzt?
Die Unendlichkeit: Die Unendlichkeit hat eine Ahnung bekommen….
Der Tod: Der Tod ist wegen Kater Marlowe hier
Marlowe: Aber es ist nunmal solchermaßen, dass es im Moment gerade nicht geht….ich kann jetzt einfach nicht sterben….ich werde doch hier gebraucht
Der Tod: Dass ist meistens solchermaßen, war aber für den Tod noch nie ein Hinderungsgrund die seine Arbeit zu verrichten
Marlowe: Marlowe passt auf das kranke Mädchen auf?
Der Tod: Ja, dass tut Kater Marlowe zweifelsohne
Marlowe: Ich habe eine Idee
Der Tod: Wohl die deine letzte Marlowe….Kater Marlowe….
Marlowe: Ich biete dem Tod meine Seele, im Tausch mit meinem Leben
Der Tod: Eine Katzenseele?
Marlowe: Warum nicht?
Der Tod: Wir sind hier in einer Geschichte….oder?
Marlowe: Ohne….
Der Tod: Dass wissen mittlerweile alle Beteiligten nur allzu gut
Die Unendlichkeit: Und es ist ja allem Anschein nach ja trotzdem eine Geschichte….eine sehr seltsame Geschichte
Marlowe: Die nunmehr noch seltsamer wird
Der Tod: Ist es so….warum?
Marlowe: Meine Katzenseele gegen mein Leben!
Der Tod: Also Kater Marlowe; es gibt nichts zu verhandeln….es geht nicht um irgenwelche Katzen- oder Menschenseelen, denn um das Leben….es gibt keinen Mephisto, keinen Faust in dieser Geschichte….oder Unendlichkeit?
Die Unendlichkeit: Nein….keinen Mephisto und keinen Faust….nur eine Katze, ein Wolf, einige Ratten, eine Vogelscheuche eine Siebenschläferin und noch so einige seltsame Kreaturen….
Der Tod: Also dass ist gut
Marlowe: Überhaupt nichts ist gut, denn die Geschichte muss weitergehen!
Der Tod: Aber deine Geschichte muss irgendwann ein Ende finden
Marlowe: Aber nicht jetzt!
Der Tod: Oh doch, genau jetzt!
Marlowe: Und was….und was wird aus dem kranken Mädchen?
Der Tod: Was ist mit diesem Mädchen?
Marlowe: Es ist krank und ich muss auf dieses aufpassen!
Der Tod: Einen Moment
Der Tod wendet sich an die Unendlichkeit.
Die Unendlichkeit (flüsternd): Tod, jetzt verhandelst du ja trotz allem mit Kater Marlowe….die Unendlichkeit möchte sich ja nicht einmischen….aber läuft dass zwischen euch beiden denn immer so
Der Tod (flüsternd): Kater Marlowe hat mich schon mehrmals über den Tisch gezogen
Die Unendlichkeit (flüsternd): Tod, du musst das Heft der Handlung zurückgewinnen
Der Tod (flüsternd): Die Unendlichkeit hat diesen Kater Marlowe aber auch nicht all diese Leben lang erleben können….ein schwieriger Fall….selbst für den Tod
Die Unendlichkeit (flüsternd): Der Tod muss eine Entscheidung fällen
Der Tod (flüsternd): In diesem abgebrannten Wald der Entscheidungen
Die Unendlichkeit: Zu Asche und Staub
Der Tod: So ist es….zu Asche und Staub
Die Unendlichkeit wendet sich an Kater Marlowe
Die Unendlichkeit: Kater Marlowe….warum das Leben?
Marlowe: Das Leben….das Leben ist ein Sonnensplitter, ein sich atemloses Hingeben, ein Tanz mit dem Verderben; der Atem des Tages und der Geruch von Verschwendetem; ist das Vibrieren der Sinne, die Erschöpfung, die Trägheit, die Zuckungen der Ausdrücke, der Kampf, das sich Ansammeln von Eindrücken, das reifer und ruhiger, dass intensiver und die Gedanken; das Leben ist die Herzenskraft, der Sternenstaub, welcher sich nachts in den Träumen der Menschen schlafen legt, ist das Gute, das Böse, das Ausharren in klirrender Einsamkeit; das sich Finden in verzehrender Hitze; dass fallen und fallen gelassen werden; die Entäuschung, die Illusion, die Arbeit, dass sich erheben und Frieden finden; dass staunen und sich verwandeln, die Möglichkeiten auszureizen, die Wahl zu haben; sich zu finden und zu verlieren; das Leben ist das Leid und die Freude; ist die Flucht, das Ausschöpfen, das gestört werden, das verletzt werden und verletzen; die Balance, das Gleichgewicht und es ist Nähe das Leben, Nähe und Ferne, dass verlieren und dass siegen; dass immer weiter und ich kann dass nicht mehr; die Prüfung, die Aufgabe; die Einsamkeit, die Leere, die Erfüllung; es ist das Leben; der letzte Stand, dass sich bemühen und scheitern, der Triumph und die Bitterkeit, dass loslassen und eingeengt werden; der Wille, die Vorstellung; die Grenzen des Erreichbaren auszukosten; die Lust in Trägheit zu verwandeln, das Leben ist die Schöpfung, die Blüte kleiner Zärtlichkeiten, das sich einordnen und untergehen; dass versuchen und immer wieder und immer wieder; das arbeiten, das an sich zugrundegehen, dass aus sich Selbst zu schöpfen und werden, immerzu werden und nie innehalten; innehalten, dass ist das Leben und das Schlafen, das Aufwachen, das Essen, das Verwelken und Erblühen, das Leben ist der Kreislauf, die Natur, das Schicksal und….(z.ü.)
Die Unendlichkeit (Marlowe unterbrechend): Genug….genug!
Marlowe: Was ist Unendlichkeit?
Die Unendlichkeit: Dass wird mir alles viel zu kompliziert
Der Tod: Wo doch nur das Einfache funktioniert
Marlowe: Aber was funktioniert schon?
Die Unendlichkeit: Das Funktionieren?
Der Tod: Genug…..genug….der Tod hat zu Ende überlegt
Marlowe: Und?
Der Tod (zur Unendlichkeit): Lass uns das Mädchen einmal anblicken
Der Tod und die Unendlichkeit gehen zu dem Mädchen, blicken das kranke Mädchen an und gehen wieder zu Kater Marlowe.
Marlowe: Und?
Der Tod: Nun ja
Die Unendlichkeit schweigt.
Der Tod: Und Unendlichkeit?
Die Unendlichkeit schweigt weiterhin.
Marlowe: Also Tod?
Der Tod: Ich nehme euch gleich beide mit
Die Unendlichkeit: Was mich?
Der Tod: Nicht dich Unendlichkeit, Kater Marlowe und das kranke Mädchen
Die Unendlichkeit (flüsternd): Beide?
Der Tod: Ja!
Marlowe: NEIN!
Der Tod: Marlowe….Kater Marlowe….man kann dem Tod nicht wiedersprechen
Marlowe: NEIN!
Die Unendlichkeit: Marlowe ist nicht einverstanden Tod
Der Tod: Marlowe….Sonderfall Marlowe….sieben Leben hast du nun gelebt….und nun lebst du in aller Welten Unmöglichkeiten auch noch ein achtes Leben….EIN ACHTES LEBEN!
Der Tod hustet.
Der Tod: Dass geht einfach nicht Marlowe….dass verstehst sich wohl von selbst….dass ist das Gesetz des Todes!
Marlowe: Und das Gesetz des Lebens!
Der Tod: Welches Gesetz?
Marlowe: Das Gesetz des Lebens!
Der Tod: Schon einmal davon gehört Unendlichkeit
Die Unendlichkeit: Noch nie und ich bin die Unendlichkeit
Kurzes Schweigen.
Der Tod: Also?
Marlowe: NEIN!
Der Tod: Es hat keinen Sinn gegen den Tod anzukämpfen Marlowe
Marlowe: Dann wird es jetzt, in diesem Moment, in dieser Welt einen Sinn bekommen
Die Unendlichkeit: Vielleicht sollte der Tod ja doch mit diesem Kater Marlowe verhandeln?
Der Tod: Der Tod hat noch nie verhandelt
Die Unendlichkeit: Vielleicht ein Kompromiss?
Der Tod: Wie bitte?
Die Unendlichkeit: Einen Kompromiss
Der Tod: Einen Kompromiss?
Die Unendlichkeit: Ja
Der Tod: Was ist ein Kompromiss?
Die Unendlichkeit: Ein Kompromiss ist die Lösung eines Konfliktes durch Verzicht auf die gegenteiligen Forderungen bei freiwilliger Übereinkunft darüber
Der Tod: Wie bitte?
Die Unendlichkeit: Dass ist der Kompromiss!
Der Tod: Der Tod ist das Kompromissloseste in allen Welten….dass ist der Tod, nicht eine Delegation auf dem Weg zu Friedensgesprächen….was der Tod sich nimmt, dass bekommt der Tod auch
Die Unendlichkeit: Hören wir uns doch an, was Kater Marlowe zu sagen hat
Der Tod: Nein!
Die Unendlichkeit: Nein?
Der Tod: Kater Marlowe wird jetzt sterben
Kater Marlowe greift sich an seine Brust, wo seine Herz plötzlich wie wild geworden, rasend zu schlagen beginnt.
Die Unendlichkeit: Ist dass das Ende?
Der Tod: Der Tod ist keine Demokratie Unendlichkeit
Die Unendlichkeit: So hört sich die Unendlichkeit und der Tod doch zumindest die letzten Worte Kater Marlowe`s an
Marlowe: Meine letzten Wörter?
Der Tod: So sprich schon….bring es hinter dich Kater Marlowe
Die Unendlichkeit: Ergreife diese Gelegenheit Kater Marlowe….es ist nämlich deine letzte
Kater Marlowe: Nein, diese Geschichte, die auch meine Geschichte ist, kann jetzt nicht zu Ende gehen; nein, nicht jetzt, nicht hier, diese Geschichte ohne Anfang und ohne Ende und überhaupt, die Geschichte, nein Tod, nein Unendlichkeit, das Böse wird nicht gewinnen, dieses eine Mal nicht, es kann nicht sein, dass sage ich, es wird nicht sein, diesmal nicht, hier nicht, alles muss sich ändern und ich opfere mich, ja ich gebe mein letztes, mein allerletztes Leben….dieses Leben, dass ich über alles liebe; meine Tränen, meine Geistesblitze, mein Sein, die Augenblicke, die Kraft und den Mut; die Wut, die Liebe, alles; ja, ich gehe in das Jenseits, in das Katzen-Walhalla, ich wehre mich nicht Tod, ich werde sterben, ja….nur eine Bedingung soll meinen Tod bedeuten, nur eine Bedingung….
Die Unendlichkeit: Und die wäre Kater Marlowe?
Marlowe: Dass das kleine Mädchen wieder gesund wird und lebt, ich sterbe, damit das kleine Mädchen leben kann, gesund und glücklich wird, denn an diesem Glück hänge ich mein Schicksal….mein verderbliches, verdammenswertes Schicksal….mein achtes Leben….mein Leben für jenes des kranken Mädchen
Die Unendlichkeit: Also dein Leben gegen jenes des kleinen Mädchen?
Marlowe: Die einzige Bedingung
Die Unendlichkeit: Und Tod?
Der Tod hustet.
Die Unendlichkeit: Der Tod überlegt Marlowe….sehe es als gutes Zeichen Marlowe
Marlowe´s Pfote schmerzt.
Der Tod hustet noch einige Male und scheint zu überlegen.
Der Tod: Nein!
Marlowe: Nein?
Der Tod: Nein!
Die Unendlichkeit: Am besten ist jetzt, dass du dich Marlowe mit deinem Tod abfindest und resignierst
Marlowe: Niemals
Die Unendlichkeit: Die Lage ist hoffnungslos
Marlowe: Niemals!
Der Tod: Also, die letzten Wörter Marlowe hast du gesprochen und nun wirst du sterben.
Kater Marlowe greift sich abermals an seine Brust, wo sein Herz nunmehr noch wilder rasend schlägt.
Der Tod schnippt mit seinen Klauen.
Der Tod: Tot!
Kater Marlowe`s Herz scheint in dessen Brust herumzuspringen und sich geradezu danach zu sehnen, stehen zu bleiben.
Im nächsten Augenblick scheint Marlowe´s Herz stehen zu bleiben, bis dieses plötzlich im normalen Rythmus weiterschlägt.
Kater Marlowe bleibt stehen und stirbt nicht.
Verblüfft, wenn nicht zu sagen schockiert, blickt ein nunmehr totenblasser Tod zu der Unendlichkeit.
Der Tod: Dass ist in allen Unendlichkeiten aller Welten noch nie passiert
Die Unendlichkeit: Vielleicht ein zweiter Versuch
Der Tod: Ein zweiter Versuch?
Die Unendlichkeit: Wenn es das erste Mal nicht gelingt, dann hat man noch einen zweiten Versuch
Der Tod: So weit ist es schon gekommen….also tot….tot Kater Marlowe….TOT….TOT!
Der Tod schnippt mit seinen Klauen.
Kater Marlowe greift sich abermals an sein Herz und blickt dann zum Tod.
Marlowe: Ich lebe….ich lebe….ICH LEBE!
Der Tod hustet.
Die Unendlichkeit: Faszinierend
Der Tod (totenblass): Bei allen Unendlichkeiten….
Die Unendlichkeit: Vielleicht ist die Liebe doch stärker als der Tod
Der Tod (totenblass): Wer ist stärker?
Die Unendlichkeit: Die Liebe stärker als der Tod
Der Tod (totenblass): Dass ist doch kein Märchen
Marlowe: Nein, dass ist es nicht….es ist nur eine Geschichte ohne Beginn und ohne Ende
Die Unendlichkeit: Aber hat diese Geschichte ein Ende?
Der Tod (totenblass): Unmöglich
Marlowe: Die Geschichte wird weitergehen
Der Tod (totenblass): Hilf dem Tod Unendlichkeit
Die Unendlichkeit: Der Tod könnte auf das Angebot Marlowe´s eingehen; dem kranken Mädchen ein Leben und Gesundheit schenken und dafür Kater Marlowe´s Leben bekommen
Der Tod (totenblass): Der Tod….der Tod….der Tod…..
Plötzlich springt die Vogelscheuche Sam, welche sich von hinten an die Gruppe herangeschlichen hat, dem Tod in den Rücken und es entbrennt ein Kampf auf Leben und Tod.
Die Vogelscheuche kämpft mit dem Tod und die Unendlichkeit mit Kater Marlowe und nach wenigen Augenblicken ist der gerade eben entbrannte Kampf schon wieder erloschen, denn zu stark sind der Tod und die Unendlichkeit, welche die beiden Abenteurer überwältigen.
Die Unendlichkeit: Und wer in allen Welten bist denn du?
Vogelscheuche: Flattern meine Arme im Wind?
Die Unendlichkeit: Wie bitte?
Vogelscheuche: Schlottern meine Beine in der Kälte?
Die Unendlichkeit: Wer ist dass Kater Marlowe?
Marlowe: Dass ist der Tod
Die Unendlichkeit: Ich meinte diese Vogelscheuche?
Marlowe: Dies ist mein Freund….die Vogelscheuche Sam
Vogelscheuche: Und die Sonne?
Der Tod: Welche Sonne?
Vogelscheuche: Ich bin die Vogelscheuche Sam und Metaphysiker
Die Unendlichkeit: Meta….was?
Vogelscheuche: Metaphysiker
Die Unendlichkeit: Was ist ein Metaphysiker
Vogelscheuche: Ein Metapyhsiker ist einer, der über Sinn und Zweck des Sein und der Wirklichkeit nachdenkt
Die Unendlichkeit: Über Sinn und Zweck des Sein und der Wirklichkeit?
Vogelscheuche: Ja
Der Tod: Und was hatte dass gerade eben mit dem Zweck und dem Sinn des Sein und der Wirklichkeit zu tun?
Vogelscheuche: Ich musste doch meinem Freund Kater Marlowe helfen
Der Tod: Ihr habt ja anscheinend überhaupt keine Ahnung mit wem ihr es zu tun habt!
Marlowe: Ich lebe!
Die Unendlichkeit (an den Tod gewandt): Das Problem besteht ja zweifelsohne nach wie vor
Der Tod: Wo war der Tod und die Unendlichkeit vor dieser Himmelfahrts-Kommando-Aktion noch einmal stehen geblieben?
Die Unendlichkeit: Bei dem Tausch Tod….bei dem Tausch
Der Tod: Ja sind wir denn hier auf einem Marktplatz oder was…..der Tod nimmt was der Tod nimmt
Die Unendlichkeit: Aber die Geschichte muss weitergehen
Der Tod: Was ist denn jetzt wichtiger….der Tod oder eine Geschichte ohne Beginn und ohne Ende?
Die Unendlichkeit: Nichts von beidem, denn nur die Unendlichkeit zählt letzten Endes
Der Tod: An Selbstvertrauen scheint es der Unendlichkeit ja nicht zu mangeln
Die Unendlichkeit: Der Unendlichkeit Bescheidenheit ist eine Tugend Tod
Der Tod: Jetzt sind hier wohl endgültig alle außer mir menschlich geworden
Die Unendlichkeit: Lasse doch dem Leben den Vortritt vor dem Tod
Der Tod: Was soll der Tod?
Die Unendlichkeit: Kater Marlowe`s letzten Wunsch erfüllen
Der Tod: Nein!
Kater Marlowe: Für das kranke Mädchen
Vogelscheuche: Für das kranke Mädchen
Etwas Zeit vergeht.
Die Unendlichkeit: Für das kranke Mädchen
Verblüfft blickt der Tod zur Unendlichkeit.
Der Tod: Was soll denn dass jetzt bedeuten Unendlichkeit?
Die Unendlichkeit schweigt.
Der Tod: Marlowe….Kater Marlowe….du stellt also auch noch dem Tod Bedingungen, wo du doch schon längst bedingungslos tot sein müsstest
Marlowe: Ja
Der Tod: Und Marlowe….Kater Marlowe, du opferst dich für einen Menschen auf, denn du eigentlich gar nicht kennst und du weißt auch, dass man diesen Menschen nicht helfen kann, dass diese sich untereinander auch nicht helfen und sich somit keine Hilfe verdient haben und jemals verdienen werden
Marlowe: Ja
Der Tod: Und du hast dir dass gut überlegt Marlowe?
Marlowe: Ja
Der Tod: Obwohl du allem Anschein nach unsterblich sein könntest….und keiner soll den Tod fragen wie dass in allen Welten nur möglich ist
Der Tod überlegt. Kater Marlowe`s Pfote schmerzt. Sam schmollt.
Die Unendlichkeit blickt in die Leere des Raumes.
Der Tod: Dann sei es so
Kater Marlowe greift sich an seine Brust, an sein tapferes Herz, welches wieder wie rasend schlägt und dieses wird dann von der Liebe zum Leben verzehrt.
Kater Marlowe fällt zu Boden und ist tot.

Tränen schießen aus Sam`s Augen und ein Wehklagen setzt ein, wie man es in jener Welt, noch selten zuvor gehört hatte.
Die Vogelscheuche (weinend): Bei allen Unendlichkeiten
Die Unendlichkeit: Ja?
Vogelscheuche: Nein!
Die Vogelscheuche versucht sich auf den Tod zu stürzen, wird aber von der Unendlichkeit daran gehindert.
Vogelscheuche (heulend): NEIN!
Der Tod: Das kranke Kind werde gesund
Das kranke Kind wird gesund.
Der Tod: Der Tod hält sein Wort Vogelscheuche Sam und Unendlichkeit
Das Kind im Bett beginnt lautstark zu schreien.
Der Tod: Wir sollten dann….Vogelscheuche Sam, du kommst mit uns….und nimm deinen Freund Kater Marlowe auf deine Schultern….wir begraben ihn zusammen….Kater Marlowe hat es sich verdient….
Die heulende Vogelscheuche Sam geht zu seinem Freund, schultert diesen und trägt ihn dann dem vorauseilendem Tod und der Unendlichkeit hernach.
Der Tod, die Unendlichkeit und die Vogelscheuche Sam mit dem toten Kater Marlowe geschultert, verlassen schweigend das Kinderzimmer, in welches im nächsten Augenblick die beiden Eltern, der Vater und die Mutter, hereinstürmen.

Die Abenteuerer gelangen in die Nähe, des ihnen von den Zigeunermäusen genannten Ort in der Provinz.
Dabei handelt es sich um ein unter einem Berg sich befindliches Anwesen, welches von weithin in seiner provinziellen Bedeutungslosigkeit zu erkennen ist.
Die linke und die rechte Ratte bilden in diesem provinziellen Rahmen, welcher für die Abenteurer, als aufgeklärte und weitgereiste Lebewesen, naturgemäß besonders gefährlich ist, die Vorhut; welche nunmehr von der Hauptgruppe mit dem einsamen Wolf Brenin, der Siebenschläferin Malin und der proletarischen Ratte eingeholt wird.

Aus sicherer Entfernung beobachtet dann die Gruppe das vor ihnen liegende Terrain.
Stacheldraht wohin man auch blickt; riesige Mausefallen, um ein Vordringen der Zigeunermäuse zu unterbinden; Warnschilder, auf welchen in bedrohlicher Schriftart geschrieben steht: „Provinzielles Sperrgebiet: Auf arme Menschen wird ohne Vorwarnung geschossen“ und dazwischen, davor und daneben eine Unzahl von schwerbewaffneten Uniformierten, namentlich Soldaten und Polizisten; welche die unmittelbare Umgebung dieses provinziellen Anwesen gegen jeden unerwünschten Eindringling, gegen jedliches Anzeichen von Kritik und Einmischung mit brutalster Gewalt bereit sind zu unterbinden.
Diese schwerbewaffneten Uniformierten schießen zudem immer wieder eine Tränengasgranate in eine beliebige Himmelsrichtung, damit auch der umliegenden Natur ein tränenreiches Gefühl der Rührung und des erzwungenen Respektes gegenüber all dieser reichen Anmut und versammelten Macht entsteht.
Brenin: Alles was die Zigeunermäuse gesagt haben stimmt
Malin: Aber es ist nicht unmöglich
Brenin: Doch auch sehr, sehr wenig möglich
Die rechte Ratte: Diese Nuss wird schwer zu knacken sein
Die linke Ratte: Wir könnten einen Tunnel graben?
Die rechte Ratte: Über dem Berg hinunter?
Die linke Ratte: Warum nicht?
Die proletarische Ratte: Nein….nein….wir brauchen eine List um an das Anwesen heran zu gelangen
Malin: So ist es
Brenin: Irgendwelche Vorschläge?
Malin: Ich überlege
Die proletarische Ratte: Wie in allen verlassenen Großstadtschluchten sollen wir nur diese provinzielle Einöde überwinden?
Brenin: Nichts ist unmöglich
Malin: Aber bei diesem Vorhaben handelt es sich zweifelsohne um ein „Etwas“
Brenin: Also etwas Unmögliches
Malin: Lasst uns überlegen
Die Abenteuerer überlegen und etwas Zeit vergeht.
Malin: Was ist dies dort drüben?
Die linke Ratte: Dieser weiß-glänzende Gegenstand
Malin: Ja
Die rechte Ratte: Ich bringe es hierher
Malin: Sei vorsichtig
Die rechte Ratte schleicht sich an den weißen Gegenstand heran, bei welchem es sich um ein Stück weißen Pergament-Papier handelt und bringt dieses Stück Pergament dann zu der Gruppe von Abenteuerer.
Die rechte Ratte: Hier
Malin: Kann jemand von euch diese seltsamen Zeichen entziffern?
Die proletarische Ratte: Ich verstehe mich auf die Sprache dieser Menschen
Die proletarische Ratte beugt sich über das Stück Pergament und studiert dieses kurze Zeit, bis sich die proletarische Ratte wieder den Abenteuerern zuwendet und triumphierend von sich gibt.
Die proletarische Ratte: Ich hab es….ich kann es….ich weiß es
Brenin: Dann lies es uns vor
Die proletarische Ratte (sich räuspernd und dann zu lesen beginnend): Also….das provinzielle Establishment gibt mit großer Freude provinziell exklusiv bekannt, dass das bei den Mächtigsten beliebteste und von den Reichen am gefördersten, dieses hier in der Provinz am öftestens gespielte und zweifelsohne bejubelteste Theaterstück aller Zeiten; dieser Glanzpunkt provinzieller Kultur, speziell in einer an die provinziellen Verhältnisse angepassten Neufassung, im Anwesen „Unter dem Berg“ heute seine Provinzpremiere feiern wird.

Das Theaterstück:

„Totschweigen und dann fertig machen“

Ein Theaterstück über den Umgang mit Künstlern und kritischen Menschen in der Provinz.

Heute: 16:00 Uhr

In Anwesenheit des provinziellen Establishment wird heute im Anwesen „Unter dem Berg“ die diesjährige Theatersaison mit diesem Klassiker, diesem Meisterwerk aus der Feder des weithin anerkannten provinziellen Chefdramatiker Hinterwäldler Anton „Totschweigen und dann fertig machen“ in einer radikalen Neufassung aufgeführt.
Mit freundlicher Unterstützung durch die Provinzregierung, den Provinzbanken, den Provinzbehörden, der Provinzlobby, der ProvinzNaziÄrzteschaft, der Provinzkulturämter, der Provinz…., der Provinz…., der Provinz….
Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle noch an die provinziellen Behörden, welche sich dazu bereit erklärt haben für einen problemlosen Abschuß aller sich dem Anwesenden nähernden „Armen“ Sorge zu tragen.
Und um dieses fröhliche Ereignis zu krönen:
Mörderische Sonderaktion für unsere italienischen Freunde:
GRATIS-BANANEN….Gratis-Bananen für alle anwesenden Italiener, deren Sprachschatz mehr als fünf Schimpfwörter umfasst….
Mörderische Sonderaktion: GRATIS-BANANEN….Gratis-Bananen

Brenin: Totschweigen und dann fertig machen?
Die proletarische Ratte: Ja, so heißt das Theaterstück….was immer dass auch bedeutet
Brenin: Nun gut….ein Theaterstück bei welchem das provinzielle Establishment, der Pfandleiher und unser Ziel, der Junge zugegen sein werden
Die proletarische Ratte: Und es beginnt in wenigen Minuten
Malin: Dann sollte uns schnell etwas einfallen, wie wir an dieses Anwesen herangelangen können
Brenin: Wie in allen Unendlichkeiten soll uns dies nur gelingen?
Malin: Die Zigeunermäuse sprachen doch von einem Hintereingang
Brenin: Zuerst müssen wir doch überlegen Malin, wie wir an dieses Anwesen „Unter dem Berg“ herangelangen können!
Malin: Und wie wir dort den Jungen finden können
Brenin: Dass ist doch alles vorerst zweitrangig
Malin: Ja, dass ist es
Brenin: Hat jemand von euch eine Idee?
Die proletarische Ratte: Nein
Die linke Ratte: Uns auf gut Glück in das Verderben stürzen?
Brenin: Keinen Plan?
Die rechte Ratte: Keinen Plan zu haben….dass ist unser Plan
Brenin: Also gut….dann keinen Plan, denn eine Idee
Die Abenteurer überlegen.
Malin: Ich habe eine Idee
Brenin: Ja?
Malin: Wir wenden eine List an
Brenin: Welche?
Malin: Kannst du dich noch an Kater Marlowe`s Wörter erinnern, als wir in dieser schrecklichen Welt angekommen sind?
Brenin: Nicht mehr so genau Malin
Malin: Kater Marlowe sprach doch davon, dass diese Gattung namens Mensch sich in gute und böse Menschen unterteilt und dass diese Unterteilung anhand des persönlichen Besitz, des Vermögensstandes, kurzum dem Geld, welches der einzelne Mensch besitzt, stattfindet
Brenin: Diese schrecklichen….
Malin (Brenin unterbrechend): Ja, ich weiß Brenin
Brenin: Ja, aber was interessiert dass dann uns?
Malin: Und die Menschen, welche am meisten gut auf dieser Welt sind, also die Reichsten, diese nannte Kater Marlowe doch beim Namen
Brenin: Die….die….die Luxemburger?
Malin: Wir sprechen von Menschen, nicht von Zwergen
Brenin: Keine Ahnung
Malin: Diese tragen die seltsame Bezeichnung Schweizer
Brenin: Ach ja, genau….die Schweizer
Die proletarische Ratte: Schweizer….nie davon gehört
Brenin: Was möchtest du uns damit sagen Malin?
Malin: Ganz einfach….um auf das Anwesen zu gelangen verkleiden wir uns und geben uns dann an den Wachposten als Schweizer aus
Brenin: Und du glaubst wirklich, dass könnte funktionieren?
Malin: Diese Menschen werden vor Respekt vor soviel Geld, vor soviel Reichtum und Besitztum, ja all diese Menschen werden demütig und unterwürfig vor uns Schweizern kuschen
Brenin: Und was sagen die Ratten dazu?
Die proletarische Ratte: Ich weiß nicht, ich weiß nicht….ich könnte mich schwer damit tun
Die rechte Ratte: Wir sind Ratten, nicht Schweizer!
Die linke Ratte: Wir haben auch unsere Rattenehre!
Malin: Vergesst für einmal und nur für einmal euer Ehrgefühl, eure Rattenehre, schließlich geht es ja darum den Jungen aus den Fängen des Pfandleiher, des provinziellen Establishment zu befreien
Die proletarische Ratte: Diese Menschen werden hinter meiner Tarnung meine proletarischen Wurzeln entdecken
Malin: Nur ich werde mit diesen schrecklichen Krea…..Menschen sprechen….ihr folgt mir einfach und schweigt zu allen….dass wirkt dann doch schon schweizerisch….über all das Elend, all die Unterstützung für Gewaltregime, für Völkermord, für Diktatorenunterstützung einfach zu schweigen….genau….ihr schweigt einfach….schweizerisches Schweigen
Die linke Ratte: So tun als ob?
Brenin: Genau
Die rechte Ratte: Schweizerisch schweigen?
Die proletarische Ratte: Stellt euch einfach vor, wir sind bei unserem Freund Remy im Luxusrestaurant
Die linke Ratte: Dass ist hier aber ein ganz anderes Setting
Die rechte Ratte: Und es riecht nicht nach Camembert
Die proletarische Ratte: Probiert einfach euch dorthin zu versetzen….benutzt eure Vorstellungskraft
Die linke Ratte: Die was sollen wir benutzen?
Die proletarische Ratte: Ja, genau die
Malin: Dann probieren wir diese meine Idee….und vergesst nicht….wir haben nur eine einzige Gelegenheit und diese muss gelingen
Brenin: Und mit was verkleiden wir uns?
Malin: Wir müssen uns einfach nur wie normale Schweizer verhalten
Brenin: Und wie verhalten sich diese normalen Schweizer?
Malin: Wie gute, also reiche Menschen
Brenin: Dann los
Die Abenteuer beginnen sich als Schweizer zu verkleiden; legen sich einen kapitalistisch-abschätzenden Blick zu, eine sehr diskrete Gangweise, einen schweigenden Konsens, einen einfältigen Eindruck und einen goldigen Ausdruck und verstecken zuallerletzt einige glänzende Steine in ihren Pfoten, welche klimpernd an das Geräusch von sich aneinander reibenden Münzen erinnern soll.
Brenin: Sind alle nunmehr soweit?
Die drei Ratten klimpern mit ihren falschen Münzen.
Malin: Vergesst nicht, ich spreche und ihr schweigt….schweigt schweizerisch….also dann los
Erhobenen, stolzen Hauptes marschieren die Abenteuer im Gänsemarsch mit der Siebenschläferin Malin an der Spitze dem Anwesen „Unter dem Berg“ entgegen.
Die Abenteuer eilen an den im Überfluß ausgelegten Stacheldraht vorbei, umgehen die riesigen Mausefallen und nähern sich dann einer Gruppe von feindselig blickenden, mit Maschinenpistolen nervös herumfuchtelnden, Soldaten und Polizisten.
Ein Polizist: STOP!
Die Abenteuer mit der Siebenschläferin Malin an der Spitze bleiben vor der Gruppe von Polizisten und Soldaten stehen.
Ein Polizist: Nur Mitglieder des provinziellen Establishment, nur Reiche haben ein Recht auf das Leben….entschuldigung, natürlich heißt es heute….Recht auf Zutritt in dieses Gebiet hinein!
Die Siebenschläferin Malin gähnt. Die drei Ratten klimpern mit den falschen Münzen. Brenin hustet.
Ein Polizist: Auf Anordnung des Neoliberalismus verlange ich eine Erklärung für ihr Vordringen auf das Gebiet der Reichen…..(der Polizist wendet sich an seine Kollegen)….WAFFEN ENTSICHERN!…..Zum Abschuß armer, machtloser, also überflüssiger Menschen bereithalten!
Malin: Grüezi!
Ein Polizist: Wie bitte?
Malin: Grüezi Schmierlappe!
Ein Polizist: Oh beim Neoliberalismus….Schweizer….gute Menschen….reiche Menschen….
In der Gruppe der Polizisten und Soldaten bricht ein lautes Gemurmel aus, welches aus einem respektvollem Raunen eines einzigen Wortes zu bestehen scheint, nämlich „Schweizer“.
Ein Polizist: Entschuldigen….entschuldigen sie vielmals meine Anmaßung ein Wort des Unrespekt an sie, hochverehrte, reiche Schweizer gerichtet zu haben….entschuldigen sie meinen Frevel, meine Frechheit, mein ungebührliches Benehmen reiche, also gute Menschen….verzeihen sie mir….verzeihen sie mir tausendfach….(an seine Kollegen gerichtet)….WAFFEN SICHERN…..UND ZEIGT EIN WENIG RESPEKT VOR DIESEN REICHEN; ALSO GUTEN MENSCHEN!….BLICKE DEMUTSVOLL!….KÖRPERHALTUNG UNTERWÜRFIG!….REICHE SCHWEIZER VOR ORT!
Die Polizisten und Soldaten senken demutsvoll ihre Blicke und einige Polizisten und Soldaten brechen angesichts so viel Reichtum, also Gutmenschentum in Tränen aus.
Ein Polizist beugt sich zu der Siebenschläferin Malin hin.
Ein Polizist: Ich werde….ich werde….entschuldigung die Rührung (der Polizist vergiest ein, zwei Tränen)….angesichts dieses Reichtum….dieses Gutmenschentum….ich werde sie und ihre hochverehrten Freunde höchstpersönlich bis zum Eingang des Anwesen „Unter dem Berg“ eskortieren
Malin: In Ornig
Ein Polizist: Ja, was auch immer dass auch bedeuten mag….ja vielleicht investieren sie Schweizer ja etwas Geld in die Provinz….der Mehrnutzen….sie wissen ja….Nutten, Dienstnehmer, Marktradikalisierung….Markt….ja Markt….der freie Markt….ja vielleicht investieren die Schweizer ja etwas neoliberalistisches Menschenverachtendes in der Provinz….auch wenn ich sagen muss, von diesem Neoliberalismus und dieser Menschenverachtung, der all diesem provinziellen Establishment so gut tut….ja von diesem, von diesem haben wir ja eigentlich schon zur Genüge in der Provinz….aber etwas mehr kann nicht schaden….kann niemals schaden
Malin: In Ornig
Die drei Ratten klimpern mit ihren falschen Münzen.
Ein Polizist: Dreimal ein Hoch! Hoch soll sie leben die Schweiz!
Die Gruppe von Polizisten und Soldaten: Hoch! Hoch! Hoch!
Ein Polizist: Dann erlauben sie mir bitte

Der Polizist und seine Kollegen begleiten die Gruppe um Malin bis zum Eingang des Anwesen „Unter dem Berg“, verabschieden sich mit unterwürfigen Gesten und die Abenteuer, ihre Tarnung als Schweizer aufrecht erhaltend, betreten das Anwesen und ebendort einen großen Theatersaal.
Die Abenteuer blicken kurz um sich und um nicht aufzufallen setzen sich diese im hintersten Teil des Zuschauerraums, auf den billigsten Plätzen nieder.
Kaum haben sich die Abenteuerer auf ihre Plätze gesetzt, wird das Licht dämmrig und ein wohlgekleideter Mann in seinem besten Alter betretet, begleitet von zwei schwerbewaffneten Polizisten, die Bühne.
Ein Vertreter des provinziellen Establishment: Sehr geehrte Herren und Damen, ich begrüße sie im Namen des Kapital herzlichst in dem Anwesen „Unter dem Berg“, wo heute zu ihren Ehren, das erfolgreichste provinzielle Theaterstück aller Zeiten „Totschweigen und dann fertig machen“ in einer radikalen Neufassung aufgeführt wird….Ich möchte vor allem die Mitglieder der Provinzregierung in Begleitung der Wirtschaftsvertreter herzlich willkommen heißen und ihnen meinen innigsten Dank für ihr zahlreiches Erscheinen ausdrücken….den Vertretern der einzelnen Wirtschaftsbranchen, unsere ProvinzNaziÄrzte, unsere Referatsleiter und Amtsdirektoren; dem jungen, hübschesten Gemüse und einigen Gästen aus Inkasso-Österreich, welche mit unseren Provinzbehören, den Provinzwirtschaftstreibenden auf das Allerengste zusammenarbeiten, um zu garantieren, dass das Kapital und nicht der Mensch, dass der Reichtum und nicht die Menschlichkeit den Sieg davon trägt und als letztes begrüße ich natürlich die vor allem für ihre Unausgewogenheit, ihrer radikalen Bevorzugung der Reichen gegenüber den Armen sich so viele Meriten erworbene und in ewiger Dankbarkeit zu unserem Mäzentum in unendlicher Pflicht für unsere Interessen und Wünsche und Anregungen arbeitenden Behörden….zwei von diesen habe ich als besondere Auszeichnung heute mit mir auf die Bühne geholt….bitte einen Applaus für diese unsere Vollstrecker an den Armen, den Machtlosen, den kritischen Menschen und natürlich diesen ungezogenen, nicht zu zähmenden, zu ignorierenden, zu zerstörenden, zu zersetzenden und natürlich zu zerstückelnden Künstler der Provinz….(ein lang anhaltender Applaus aus den Reihen des Publikum setzt ein)….Vielen Dank sehr gehrte Behördenvertreter….(die beiden Behördenvertreter gehen ihre Maschinenpistolen drohend herumschwenkend wieder ab)….Und ich möchte nunmehr nicht länger ihre Zeit und ihre Geduld strapazieren, denn gleich den nächsten Gast ankündigen, welcher noch eine kleine Einführungsrede zu dem Theaterstück „Totschweigen und dann fertig machen“ halten wird….begrüßen sie mit mir den Neoliberalen…..

Ein langanhaltender Applaus aus den Zuschauerreihen setzt ein und der Vertreter des provinziellen Establishment verlässt die Bühne, welche nunmehr ein Neoliberaler betretet.

Ein Neoliberaler: Lassen sie mich, bevor ich beginne nur fünf Wörter sagen….Es lebe der provinzielle Neoliberalismus!

Ein langanhaltender Applaus aus den Zuschauerreihen setzt ein.

Ein Neoliberaler: Der Mensch! Der Mensch ist ein Nichts! Ein Unfall der Evolution! Ein Mißgeschick Gottes! Eine Mißbildung der Natur!
Der Mensch! Der Mensch ist ein Nichts! Der Mensch ist verwerflich, unzuverlässig, unpünktlich! Der Mensch ist schwach! Der Mensch ist krank! Der Mensch ist Nichts! Der Mensch! Der Mensch ist ein Nichts! Und nur durch unsere Produkte, unser Kapital, unserem Geld ist der Mensch etwas!
Der Mensch! Der Mensch ist ein Nichts! Das Produkt ist etwas! Das Kapital ist etwas! Das Geschäft ist etwas! Der Besitz ist etwas! Das Geld ist etwas! Aber doch nicht der Mensch!

Langanhaltender Applaus aus den Reihen des Publikum.

Ein Neoliberaler (schreiend): Der Mensch! Der Mensch ist ein Nichts!

Langanhaltender Applaus aus den Reihen des Publikum.

Ein Neoliberaler: Denn dass was zählt ist nicht das Mitgefühl, diese Gefühlsdusselei, ist nicht das Gefühl, die Emotion, ist nicht die Solidarität, die Mitmenschlichkeit, die Sanftheit, der gute Wille. Nein! Dass was zählt ist nicht den Armen, den Schwachen, den Machtlosen zu helfen. Nein! Dass was zählt ist nicht sich aufzuopfern, Ideale zu haben, Beispiel zu sein; gut zu sein, nett zu sein! Nein! Das was zählt ist nicht diese Liebe! Diese Sensibilität! Diese Empathie! Dieses grauenhafte Mitgefühl! Dieses Rücksichtnehmen! NEIN! NEIN! NEIN!
Denn dass einzige was zählt ist das Geschäft, das Kapital, der Besitz, das Geld, das Produkt; denn erst durch das Geschäft, das Kapital, dem Besitz, dem Geld und dem Produkt wird aus diesem Nichts namens Menschen ein Etwas namens Menschen mit Ellebogen, Brutalität, Rohheit, Arroganz und Überheblichkeit: Erst durch das Geld, das Kapital, dem Besitz, dem Produkt, dem Geschäft wird aus diesem Nichts namens Menschen ein Etwas namens Menschen!
Der Mensch existiert durch das Geschäft, das Kapital, dem Besitz, dem Geld und dem Produkt!
Und ohne das Geschäft, das Kapital, dem Besitz, dem Geld und ohne das Produkt ist der Mensch nur ein Nichts!
Dass was zählt; das Faschistische, das Arrogante, das Überhebliche, das Nazistische; das Niederträchtige, das Gemeine, das Geschlechtlich-Niedrige; das Schlampenhafte, das Triebhafte, das Instinktlose, die Dummheit, das Brutale, das Rohe, das Hinterhältige, die Grausamkeit, die Gewalt; das Totalitäre, das Gewissenlose, das Gottlose, das Einfältige, das Einfache, das Charakterlose….
Und ich sage euch wir können stolz auf das Erreichte sein; die allerbesten Geschäfte schließen wir mit den Faschisten, Kriegshetzern und degenerierten Luxusskreaturen ab, also Menschen ohne jedliches Maß; denn was zählt ist das Geschäft, das Kapital, der Besitz, das Geld und das Produkt und nicht etwa der Mensch…..Nein!
Was zählt ist die Nuttenlogik, die Feigheit vor dem Feind, der Vertragsabschluß, das blutende Volk, die debile Masse, der entrechtete Mensch….das Kapital!
Denn wir zahlen….WIR ZAHLEN….Der Mensch! Der Mensch ist ein Nichts!

Langanhaltender Applaus aus den Reihen des Publikums.

Ein Neoliberaler (schreiend): Der Mensch! Der Mensch ist ein Nichts!

Am äußersten rechten Rand des Zuschauerraum, wo die Wirtschaftsvertreter sitzen, verfallen diese in einen kollektiven, glückseligen Trance-Zustand.
Einige wunderhübsche junge Frauen alias Gemüse fallen vor lauter Glückseligkeit in Ohnmacht.
Langanhaltender Applaus aus den Reihen des Publikums.

Ein Neoliberaler: Nieder mit dem Menschen!

Frenetischer Jubel von den anwesenden ProvinzNaziÄrzten.
Einige Schreie aus dem Publikum an den vortragenden Neoliberalen gerichtet: Ein Genie! Ein Meisterdenker! Ein Wunder!

Ein Neoliberaler: Die Unterdrückung. Die Indoktrination. Die Lüge. Die Manipulation. Das Nazistische. Das Menschlich-Allerniedrigste, denn dass was uns stark gemacht hat, dass zeigt sich doch bei unseren Künstlern! Ignorieren! Angreifen! Zerstören! Ja jahrelang verspotten und auslachen; denn wir sind die großen Herren, denn wir sind hier die Herren im Haus….auslachen und verspotten….und das Niedrigste-Menschliche zum Höchsten erklären….ja diese Künstler auslachen und verspotten jahrelang….so lange bis diese kaputt sind….bis diese alle kaputt sind….und ein besonderes Lob möchte ich an dieser Stelle den ProvinzNaziÄrzten aussprechen….eine Zierde des neoliberalen Menschen….NIEDER MIT DEM MENSCH!

Langanhaltender Applaus aus den Reihen des Publikums.

Ein Neoliberaler: Wir….in Zusammenarbeit mit unseren Freunden vom Großkapital sind noch mit jedem Künstler fertig geworden….so fertig, dass uns die ganze Welt darum beneidet…..fertig machen….zerstören….zersetzen….das Prinzip der „verbrannten Erde“ gegen diesen Abschaum, der sich auch noch als Künstler bezeichnet, zu zerstören….und wenn dafür unsere gesamte Macht und Gewalt sich gegen ein schwerkrankes Kind richtet….ja warum nicht….seht in unsere provinziellen Gesichter….ja ich habe noch bei keinem Primar, noch bei keinem provinziellen Wirtschaftskapitän, noch bei keinem Amtsdirektor, noch bei keinem dieser so wichtigen Provinzpolitiker so etwas wie Mitgefühl entdecken können…..und dass ist auch gut so, denn das Leben brennt all dieses überflüssige Mitgefühl, all diese kapitalistisch-wertlose Empathie aus deren Leben für immer heraus…..denn wir sind nunmal die Herrschaften im Haus und nur ein Krieg kann uns aufhalten….nur ein Krieg und was wünscht sich das provinzielle Establishment am allermeisten….einen Krieg….neue Geschäftsfelder, noch mehr Niedertracht und Grausamkeit, noch mehr von unserer Lieblingsbeschäftigung….dem pfuschen und verpfuschen….noch mehr Tyrannei….noch viel mehr Unglück über diesen Menschen….Dieser Mensch! Dieser Mensch ist ein Nichts!

Langanhaltender Applaus aus den Reihen des Publikums.

Ein Neoliberaler: Der Mensch! Der Mensch ist ein Nichts!

Der Neoliberale verlässt unter rasendem Jubel des anwesenden provinziellen Establishment die Bühne und ein Dutzend wunderhübscher, junger Frauen stürzt sich auf diesen, um ihn mit Küssen, Dankehrbietungen und sexuellen Avancen zu überschütten.

Nach einigen Minuten beruhigt sich das versammelte provinzielle Establishment wieder, das Licht wird noch dämmriger und das Theaterstück beginnt.

Die Abenteurer verfolgen fassungslos die Rede der beiden Männer im besten Alter und halten sich bereits nach wenigen Worten ihre Ohren zu, da dass Gesagte, auch beim besten Willen, in keinem Tierohr Platz, noch Raum, noch das geringste Interesse finden kann.
Immer blasser werdend blicken sich die Abenteurer gegenseitig an und atmen erleichtert auf, als die Hasstiraden der Menschen gegen die Menschen nach einigen Minuten ein Ende gefunden hat, aber nur um mit noch größeren Entsetzen das Nun-Folgende mit zu erleben.

Das Theaterstück: Totschweigen und dann fertig machen.

1.Bild
Das italienische Staatsballett betretet, in Form einer Reihe von Jünglingen und Mädchen, die Bühne und diese beginnen zu den berühmten Klängen eines Ballett-Klassiker zu tanzen.
Formvollendet, mehr schwebend, als den kalten Bühnenboden berrührend, bewegen sich die grazilen Tänzer und vor allem Tänzerinnen zu den wohlklingenden Klängen.
Grazie und Perfektion, Pirouetten wie die Welt solche noch niemals zuvor erblickt; atemberaubend und von einer Faszination, die jeden in den Bann zu ziehen scheint; Fesseln über das karge Dasein wirft und es durch die Leichtigkeit, mit welcher sich die Tänzerinnen und Tänzer über die Bühne bewegen, beinahe vergessen lässt.
Die Audience kann nur ansatzweise die überwältigende Schönheit des Dargebotenen erfassen; denn zu vollendet erscheint dieser Reigen an Genialität und Formvollendung, nur ansatzweise erfassen, da die Tänzer und Tänzerinnen um ihre Hüften sich einen Bananengürtel umgebunden haben, welche die Blicke der Anwesenden noch tiefer in diesen Strudel der kontrollierten Leidenschaft, der Schönheit und des Genie versinken lässt.
Und als das Ballett dann nach einiger Zeit dem Höhepunkt ihrer Vorführung entgegenstrebt, das Können auf langjährige Erfahrung, auf unendliche Übung trifft, die wunderschönen Körper der Jünglinge und Mädchen schon längst nicht mehr über den Bühnenboden, denn über den strahlenden Blicken der Anwesenden zu tanzen scheinen….in jenem Moment….in jenem Moment übertönt urplötzlich ein dumpfes Geräusch, welches überhaupt nicht in die Aufführung zu passen scheint, sowohl von der linken, als auch von der rechten Seite der Bühne, die wohlklingenden Klänge, irritieren den Tanz der so traumwandlerisch dahintanzenden Artisten und Artistinnen, welche kurz innehalten, bis im nächsten Moment zwei riesige Planierraupen sich diesen, sowohl von der linken, als auch der rechten Bühnenseite bedrohlich schnell annähern und die Tänzer und Tänzerinnen schockstarr verharren.
Die Tänzer und Tänzerinnen fallen auf dem kargen Bühnenboden und werden samt den Bananengürteln niederplaniert.
Die beiden Planierraupen fahren nach diesem Massaker an Mensch und Bananen von der Bühne ab.
Ein dutzend hochmotivierter junger Männer betreten, ein jeder mit einem Besen in der Hand, die Bühne und diese kehren die Überreste des italienischen Staatsballetts und der Bananen zusammen, welche dann unter einem riesigen Teppich, welche einige andere junge, ebenso hochmotivierte junge Männer, die allesamt ihr Gewissen als aller-erstes ihren Karrieremöglichkeiten geopfert haben, über die Überreste stülpen, sozusagen unter dem Teppich kehren.
Anschließend betreten einige ProvinzNaziÄrzte die Bühne mit ihren unter dem Volk weithin berüchtigen weißen Kitteln, beugen sich über den Teppich und geben dann Entwarnung; die Mitgliedern des italienischen Staatsballett seien unversehrt und hätten nicht den geringsten Kratzer abbekommen.
Zufriedenes Nicken in der ersten Reihe, wo sich angesichts dieser fantastischen Darbietung provinzieller Kunst, zwischen den Provinzpolitikern und den provinziellen Wirtschaftsvertretern rührende Verbrüderungsszenen abspielen.
Die ProvinzNaziÄrzte gehen ab.
Am Ende verbeugen sich die hochmotivierten jungen Männer auf der nunmehr wieder sauberen Oberfläche der Bühne und ein tosender Applaus des Publikum, welcher in rasende Ekstase überwechselt, setzt für dieses symbolischen Darstellung des provinziellen Vertuschen und Kunstverständnisses ein.

2. Bild
Zu den Klängen von Richard Wagner´s „Walkürenritt“ werden auf einem Großbildprojektor einige Bilder aus Provinz gezeigt, zu welchen eine Stimme aus dem Off spricht:
16. März 1939….Tschechei….01. April 1939….Spanien….28.September 1939….Polen….09. April 1940….Dänemark….10 Mai 1940….Luxemburg….15. Mai 1940….Niederlande….28. Mai 1940….Belgien….10. Juni 1940….Norwegen….22. Juni 1940….Frankreich….17. April 1941….Jugoslawien….30. Mai 1941….Griechenland….01. April 1964….Brasilien….11. September 1973….Chile….24. März 1976….Argentinien….02. Juli 2009….die Provinz….
Eine kurze Pause und dann ertönt wieder die Stimme aus dem Off:
Begrüßen sie mit mir die beiden Provinzler des Jahres 2009….zum einen den Faschistenfreund alias dem Bürgermeister, Unterstützer und Förderer des Faschismus….und zum anderen den Quästor der Provinz….kein Sozialarbeiter, denn ein unermüdlicher Arbeiter bis zur Wiederkehr des totalitären Faschismus, welche seine Untergebenen mit Herzensblut und unermüdlichen Einsatz…..aber begrüßen sie nunmehr die beiden Provinzler des Jahres 2009….den Faschistenfreund und den Quästor….
Der Faschistenfreund alias Bürgermeister und der Quästor betreten die Bühne und werden mit langanhaltenden Standing-Ovations von der tobenden Menge im Zuschauerraum begrüßt.
Die Beiden nähern sich dem Mikrofon, welches dann der Bürgermeister ergreift: Vielen herzlichen Dank provinzielles Establishment und ich möchte nur sagen, dass um einen Dichter zu zerstören, um einen, der mit friedlichsten und gewaltlosesten Mitteln kämpft, um einen der Gedichte schreibt, dafür ist uns rohen, dumpfen und brutalen provinziellen Establishment ein jedes Mittel recht….ein jedes….denn schließlich geht es um 5 cent und nicht um Ideale, Errungenschaften der Menschheit, Aufklärung oder etwa dem Fortschritt, denn nur und ausschließlich um 5 cent….wir sind die Guten….denn wir sind die Guten und alle die sich uns wiedersetzen sind die Bösen….die Faschisten sind nunmehr unsere Freunde und mit Stolz trage ich nunmehr den Titel des Faschistenfreundes.
Langanhaltender Applaus aus dem Zuschauerraum.
Nach diesen mitreißenden Wörtern des Faschistensfreundes, ergreift nunmehr der Quästor das Mikrofon: Ich bin wie bereits gesagt kein Sozialarbeiter….denn ich arbeite mit meinem Untergebenen daran, dass eine totalitäre faschistische, auf Polizei- und Militärgewalt basierte Diktatur wieder ihr Haupt erhebt; dass das Erinnern an all diese so großartigen faschistischen und nazistischen Politiker wie Mussolini, wie Hitler, wie Kaltenbrunner, wie Eichmann, wie Himmler, wie Galeazzo Ciano, wie Ettore Tolomei immer und aller Zeiten hindurch auch hier in der Provinz geehrt und verehrt wird und an der Oberfläche für die debile Masse natürlich alles glattpuliert und in der Tiefe….jenseits der debilen Masse ein über und unter alles durchhallendes….LANG LEBE DER FASCHISMUS!
Langanhaltender Applaus aus dem Publikum.
Im nächsten Moment stürmt eine Horde von römischen Hooligans die Bühne, umarmen freudenreich den Quästor und den Faschistenfreund, schwenken stolz ihre Fahnen und beginnen ihre Hasslieder auf jenes Menschliche, dass auch nur minimalst von der Norm, von der ihren Vorstellung von Leben abweicht, lautstark zu singen.
Siegessicher schweifen ihre Blick über den Zuschauerraum und beeindruckend tönen ihre Hasslieder, welche zu mehr Hass und zu mehr Gewalt in dieser Welt aufrufen durch den Theatersaal.
Spontan beginnen einige anwesende provinzielle Wirtschaftsvertreter mit den römischen Hooligans deren Hymnen mitzusingen; Hymnen, Hasslieder gegen Frauen, gegen die Aufklärung, gegen die Toleranz, gegen Zigeuner, gegen Juden, gegen Künstler, gegen Süditaliener, gegen Andersdenkende, gegen Ausländer, gegen…., gegen…., gegen…., gegen….
Seltsamerweise tragen diese römischen Hooligans T-Shirts mit der aufgedruckten Aufschrift „Morte al poeta!“….ein Aufdruck, welcher viele Augenpaare des versammelten provinziellen Establishment erst so richtig leuchten lässt.
Schlußendlich ebbnen die Hassgesänge auf alles was den Menschen modern, schön und menschlich gemacht hat, ab.
Ein römischer Hooligan tretet an das Mikrofon und schreit in dieses hinein: Morte al poeta!
Tobender Beifall aus dem Zuschauerraum.
Ein römischer Hooligan: Es lebe die Gewalt! Es lebe der Faschismus!
Das versammelte provinzielle Establishment wiederholt enthusiastisch: Es lebe die Gewalt! Es lebe der Faschismus!
Nach dieser Aussage geht das provinzielle Establishment vor ihren Sitzen auf ihre Knie; denn so wie das Land vor 5-cent Profit kriecht, so kriecht nunmehr auch das versammelte provinzielle Establishment vor den Faschisten.
Einige römische Hooligans nehmen jeweils einen Sack mit 5-Cent Münzen in die Hand und beginnen diese am Bühnenrand vor die Sitzreihen auszustreuen, um welche sich sogleich zankend die Wirtschaftsvertreter, die Hoteliere und die Politiker streiten.
Ein römischer Hooligan: Morte al poeta!
Jubelszenen im Publikum.
Ein römischer Hooligan: Wir, die römischen Hooligans, die italienischen Faschisten verstehen das provinzielle Establishment….denn es sind unsere Brüder….und uns ist schon klar, dass nach außen hin die Tarnung bestehen bleiben muss….nach außen hin muss das provinzielle Establishment Toleranz und Gewaltlosigkeit fördern, Extremismen bekämpfen; muss volksverbunden, heimattreu erscheinen, aber im Herzen, ganz tief in euren Herzen sind wir Brüder….denn alles was hilft den Dichter zu zerstören, ist gut….denn wenn der Dichter dann von 100-enden von Faschisten angegriffen wird, immer mit den niedrigsten Wörtern, die mehr an Tiere, denn an Menschen erinnern, weniger an Tiere, denn mehr an Bestien, dann ist dass gut….denn der Faschismus muss siegen….und der Faschismus wird siegen!
Langanhaltender Jubel aus den Zuschauerreihen.
Einige römische Hooligans rollen einige Regentonnen und tragen einen großen Stapel Bücher auf die Bühne und stellen die Regentonnen auf.
Ein römischer Hooligan: Als symbolischen Akt der inneren Reinigung, des unseren Bekenntnis zum Faschismus und dessen besten Freund, namens Provinz….werden wir nunmehr die 100 wichtigsten Bücher bzw. Schriften der Menschheitsgeschichte verbrennen….
Die römischen Hooligans füllen die Regentonnen mit Büchern und überschütten diese mit Benzin.
Als letztes nähert sich der Bürgermeister/Faschistenfreund und der Quästor den Regentonnen, jeder mit einem Buch bzw. Schrift in seiner Hand.
Der Bürgermeister schwenkt ein Buch; ein sehr wichtiges religiöses Buch und schmeisst dieses dann wie ein Stück Müll in die Regentonne und sagt dazu: „dass keiner mehr dieses Buch nunmehr brauche, denn die neue Religion sei der „Faschismus“.
Der Quästor macht es ihm gleich, nur dieser mit der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ und dazu sprechend, dass diese keiner, aber wirklich keiner hier in der von der Aufklärung abgewandten Provinz nunmal braucht, außerdem hätten sich seine Untergebenen in den vergangenen Jahren im vorauseilenden Gehorsam ja sowieso niemals daran gehalten.
Dann nehmen beide ein Zündholz, zünden dieses an und werfen dieses in die Regentonnen.
Ekstatischer Jubel brandet im Zuschauerraum auf.
Die Szene endet mit den verbrennenden Büchern in den Regentonnen und den zufriedenen Gesichtern des anwesenden provinziellen Establishment.

3. Bild
In einem provinziellen Zug moderner Bauart sitzen in einem Großraumabteil der 1. Klasse der irre Onkel, der ProvinzNaziHausArzt mit zwei, drei seiner kriminellen Komplizen; der Tourismusvisionär, einige jammernde Hoteliers, einige Lokalpolitiker, einige Vertreter der provinziellen Wirtschaft und einige junge, so hochintelligent wie wunderschöne, liederlicher Frauen.
Der Zug fährt ohne Zwischenstopp von der Haltestelle Provinz bis zur Endstation….der Hölle.
Satt und träge walzen sich ein Grossteil der Insassen jenes Grossraumabteiles in ihrem fetten Reichtum, ihrem wiederlichen „Über dem Gott stehen“, spottend und heraburteilend, ihrer grenzenlosen Arroganz und Besser-Sein, ihrer Besserwissertum, ihrer einzigen, also ihrer niedrigen Instinkte und Triebe, ihrem provinziellen Irrsinn, ihrer Boshaftigkeit, ihrer Niedertracht, ihrer Schlampen- und Hurensohnmentalität und ihrem niedrigsten Menschentum, welche selbst die die außerhalb des Zuges vorbeieilende Landschaft von diesem Zug hinwegflüchten lässt.
Der Zug fährt mit Höchstempo der Hölle entgegen, als plötzlich der irre Onkel sich von seinem Platz erhebt und die Notbremse zieht.
Abrupt bremst der Zug ab und bleibt zwischen den Weilern „Hinter dem Wald“ und „Dumm-Stein“ stehen.
Zwei Schaffner, Michael (I.) und Raphael (II.) betreten das Großraumabteil und treten zum irren Onkel hinzu.
I. Schaffner: Liegt ein Notfall vor?
II. Schaffner: Warum haben sie den Zug gestoppt?
Der irre Onkel: Ich bin der irre Onkel
I. Schaffner: Ja und?
Der irre Onkel: Sie kennen mich?
II. Schaffner: Natürlich kennen wir sie
Der irre Onkel: Sie sagen also, dass mich die gesamte Provinz schon kennt?
I. Schaffner (auflachend): Die gesamte Provinz….die gesamte Welt kennt sie als den irren Onkel
II. Schaffner: Also irrer Onkel….warum haben sie die Notbremse gezogen?
Der irre Onkel: Ich wollte nur fragen, wie lange es noch dauert, bis ich in der Hölle ankomme?!
I. Schaffner: Sie können es also nicht abwarten, bis sie endlich dort sind, wo solche Menschen wie sie hingehören….verhinderter Mörder….der Dummheit grösster Trumpf in der Provinz….sie allerniedrigster menschlicher Abschaum….aus dem Dreck entstanden und im Dreck endend….ein Dreckskerl…..ein Stück unverdautem menschliche Verdorbenstem….einen alten, wehrlosen Mann, der sich Zeit seines Leben nie etwas zu Schulde kommen hat lassen, zu richten….wegen ein paar kümmerlichen Cent….ja was glauben sie denn sie aus menschlichem Abfall zusammengebastelter Unmensch….
II. Schaffner. Dafür werden sie irrer Onkel für alle Ewigkeiten in der Hölle schmoren
I. Schaffner: Also irre bis zum Knochenmark….dumm bis in die Haarspitzen hinein….boshaft bis auf den letzten Cent….feige….feige….feige….hinterhältig….
II. Schaffner: Nur Gewalt als Sprache zu verstehen….nur Boshaftigkeit….nur Verdorbenes Menschliches
I. Schaffner: Und deshalb haben sie irrer Onkel den Zug angehalten?
Der irre Onkel: Ja
II. Schaffner: Wenn sie aber so schnell wie möglich in die Hölle wollen, warum ziehen sie dann die Notbremse?
Der irre Onkel: Ja, weil ich nunmal irre bin
I. Schaffner: Also wir beide, Michael und Raphael werden mit dem Zugführer Gabriel sprechen, damit dieser Zug etwas schneller fährt, damit sie Irrer so schnell wie möglich dort enden wo sie hingehören….nämlich in die Hölle!
Der irre Onkel: Vielen, vielen Dank!
Die beiden Schaffner gehen langsam ab und sprechen miteinander:
I. Schaffner: Abschaum
II. Schaffner: Zu dumm um irgendetwas jemals verstanden zu haben
I. Schaffner. Dass einzige was mich bei diesem irren Onkel verwundert, ist die Tatsache, dass dieser für seine Untat noch nicht von der Provinzregierung ausgezeichnet bzw. befördert worden ist?
II. Schaffner: Wahrlich seltsam….aber man muss nur abwarten….bei dieser Provinzregierung ist es nur eine Frage der Zeit bis er seine gesellschaftliche und persönliche Anerkennung von ebendiesen erhalten wird
I. Schaffner: Hoffen wir nur, dass dieser irre Onkel nicht auf die Gewalt zurückgreift, die ja seine Heimat zu sein scheint….denn dann würde er wohl mit Sicherheit von der Landesregierung dann ausgezeichnet werden….
Die beiden Schaffner gehen ab.

Der provinzielle Zug mit Endstation Hölle fährt wieder an und nimmt Fahrt auf….so geht die Fahrt dahin, bis sich der ProvinzNaziHausArzt aus seinem Sitz erhebt, zur Notbremse greift und diese zieht.
Der Zug bleibt zwischen den Weilern namens „Niedertrachts-Dorf“ und „Abschaum-Istan“ stehen.
Die zwei Schaffner betreten das Großraumabteil und treten zum ProvinzNaziHausArzt hinzu.
I. Schaffner: Liegt ein Notfall vor?
II. Schaffner: Warum haben sie den Zug gestoppt?
Arzt: Ich bin der ProvinzNaziHausArzt, ich verlange ein wenig mehr Respekt
I. Schaffner: Fast alle Menschen haben Respekt verdient, fast alle….alle außer sie
II. Schaffner: Warum haben sie denn also den Zug gestoppt?
Arzt: Warum….warum bin ich hier und nicht all meine Kollegen?
I. Schaffner: Sie meinen ihre kriminellen Komplizen….diese Pfuscher, Vertuscher, Quacksalber und Menschenzerstörer?
Arzt: Ja?
II. Schaffner: Der Zug ist voll
I. Schaffner: Außerdem sind sie nicht aus Gründen hier, welche sich auf das Medinzische reduzieren
II. Schaffner: Denn wenn jemand aus niedrigsten persönlichen Gründen, aus kriminellster Komplizenschaft zu seinen Kollegen, sich weigert dem ursprünglichsten, dem tiefsten aller menschlichen Gründe, nämlich jener der Hilfe in der Not zu leisten, dann soll er dann auch in der tiefsten aller Höllen für alle Ewigkeiten schmoren
I. Schaffner: Denn ihr Handlen stellt das Grundprinzip menschlichen Zusammenlebens in Frage; stellt eine in dieser Form wohl noch selten dagewesene zutiefste menschliche Deformation hin zur Grausamkeit und zur Unmenschlichkeit dar
II. Schaffner: Eine Tat, mit welchem sie nicht nur ihren Berufstand den schlechtesten Dienst erwiesen haben, denn auch mit den Folgen, nämlich der kriminellen Solidarität ihrer Kollegen, denn damit in ihrer restlosen Arroganz, den Berufstand der Ärzte ruiniert haben
Arzt: Ich bin unschuldig
I. Schaffner: Und dann noch von dieser Provinzregierung, welche ja das allerniedrigste Menschentum anscheinend auf ihre Fahnen hinaufgeschrieben hat; dann noch von diesen, nach solch einer Untat, welche ja beispiellos in der Geschichte der Menschheit ist, dafür noch ausgezeichnet zu werden, stellt wohl alles bisher Getanes und Geleistetes in den Schatten
II. Schaffner. Damit stellt sich die Landesregierung, die provinzielle Ärztekammer auf eine Stufe mit Unmenschen wie Hitler, wie Stalin, wie Saddam Hussein, denn nichts anderes als der Wunsch nach Totalitarismus, nach Folter, nach Gewalt spricht aus dieser Auszeichnung
I. Schaffner. Eine Untat, welche selbst uns, die schon seit einer Ewigkeit in diesem Zug arbeiten, sprachlos zurückläßt
II. Schaffner: Und gerade sie, niedrigstes Menschentum, wagen es zu fragen, warum sie in diesen Zug sind?
I. Schaffner. Und lassen sie sich nicht täuschen….uns ist schon klar, dass ein solches Verhalten in der Provinz massiv belohnt wird….massiv gefördert wird….denn das niedrigste Menschentum muss nunmal triumphieren
II. Schaffner: Und dass ihre Opfer noch hunderte Male zu Opfern gemacht werden, während sie als Täter in der Provinz auf die vollkommene politische, behördliche und die Solidarität des Volkes zählen können
I. Schaffner: Aber lassen sie sich nicht täuschen….es zählt nicht der provinzielle Kontext, denn der globale Kontext und auch wenn sie im provinziellen Kontext unbefleckt als Provinzheiliger tun und lassen können was sie möchten….im globalen Kontext werden sie und ihre kriminellen Komplizen für alle Zeiten als ein Synonym grässlichstem Menschsein; als ein Sinnbild des im provinziellen Kontext so hoch anzusiedelnden niedrigstem Menschentum und im globalen Kontext als das Allerniedrigste angesehen werden
Arzt: Ich bin unschuldig
I. Schaffner: Dass sind sie alle
Arzt: Ich habe höchste Anerkennung und Respekt verdient
II. Schaffner: Was sie sich wirklich verdient haben, dass sehen sie ja gerade
I. Schaffner: Es sind immer alle unschuldig….die Nazis, die Faschisten, die Kommunisten, die Kapitalisten, die Anarchisten, die Republikaner, die Diktatoren, die Schergen, die Kriecher….alle sind unschuldig….denn…denn….
Arzt: ….denn sie haben nur das Beste für ihr Volk gewollt
II. Schaffner: Vielleicht sollten wir den Zug umbenennen….in „der Zug der Unschuldigen“
I. Schaffner: Dass wäre des Zynismus dann wohl doch zu viel
II. Schaffner: All diese Unschuldigen, welche immer nur das Beste gewollt hatten….
II. Schaffner: Genaus so wie sie….genau so wie sie
I. Schaffner: Dafür hat ihnen auch das provinzielle Establihsment alle Ehre und Anerkennung zuteil werden lassen….denn wenn man bis zum Hals….denn wenn man soviele Leichen im Keller….denn irgendwann muss man dann nunmal zusammenhalten….
Arzt: Sie lügen….
Beistimmende Rufe aus dem Publikum und Buh-Rufe aus den Zuschauerreihen.
I. Schaffner: Jetzt sind es also wir die lügen….aber wir sind hier nicht mehr in der Provinz, wo die Niedertracht anscheinend die Wahrheit ist, denn wir sind hier in den Vororten der Hölle
II. Schaffner: Und werden unser Ziel für sie so bald als möglich erreichen….
I. Schaffner: Wo sie dann genug Zeit haben werden in illustrer Gesellschaft ihrer Kollegen, welche ja soviel Gutes getan haben….wie etwa die Nazis in Osteuropa….so viel Gutes haben sie getan….überzeugt bis zum Lebensende davon….dort können sie dann über ihre Unschuld die keine ist und nie eine gewesen ist, nachdenken
II. Schaffner: Wir sind nicht mehr in der Provinz, wo Menschen wie sie treiben und lassen können wie es ihnen beliebt….all dies ist jetzt wertlos und wird mit jedem Augenblick wertloser
I. Schaffner: Und jetzt verhalten sie sich gefälligst ruhig
Arzt: Ich….ich
II. Schaffner: RUHIG!
Die beiden Schaffner gehen ab.

Der provinzielle Zug mit Endstation Hölle fährt wieder an und nimmt Fahrt auf….so geht die Fahrt dahin, bis sich die restlichen Gäste des 1. Abteil kollektiv erheben und die Notbremse ziehen.
Der Zug bleibt stehen.
Die beiden Schaffner, Michael und Raphael und der Zugführer namens Gabriel, betreten das Großraumabteil.
I. Schaffner: Liegt ein Notfall vor?
II: Schaffner: Warum haben sie den Zug gestoppt?
Zugführer: So kann man ja nicht arbeiten!
Die restlichen Gäste, eine Auswahl der schrecklichsten Menschen, welche die Provinz, so abseits der glänzenden Oberfläche aufzubieten haben, stürzen sich auf die beiden Schaffner und überwältigen diese.
Im Publikum kommt es zu tumultartigen Jubelszenen und Rufen wie: „Endlich“; „Schlagt sie tot“; „Schmeisst sie aus dem Zug“.
Ein Fahrgast: Wir übernehmen nunmehr diesen Zug
Zugführer: Wie bitte?
Ein Fahrgast: Wir ändern die Destination, denn wir haben keine Lust auf die Hölle, gerade wir, die nur das Beste verdient haben….wir ändern das Ziel
Zugführer: Und wie soll dass gehen?
Ein Fahrgast (auf den Zugführer einschlagend): Dass werden wir noch sehen….hier regiert nämlich die Provinz….das provinzielle Establishment….
Das Publikum tobt vor Freude.
Ein Fahrgast: Los, fesselt auch den Zugführer, wir übernehmen den Zug.

Der Zug nimmt wieder Fahrt auf und anstatt in die Hölle weiter zu fahren, ändert der Zug nunmehr seine Fahrtrichtung und fährt von den Vororten der Hölle, wieder zurück in die idyllische, Schlecht-Menschen auf den Thron hievende, Provinz zurück.
Der Zug fährt und fährt und der schreckliche Abschaum, welcher sich im Zug versammelt hat, freut sich schon riesig auf ihre Heimkehr in die Provinz.
Als der Zug schließlich stoppt, die Türen sich öffnen und die Fahrgäste aus dem Zug strömen, finden sie sich in der Provinz wieder.
Alle sind glückselig und belustigt.
Nunmehr ist auch die Provinz nurmehr ein Teil der Hölle….
Jubelszenen im Publikum.

Intermezzo

Der hochmotivierteste junge Mann in der Provinz, der gesamte Stolz seiner Eltern, glänzend und strahlend aus jeder Pore seines Lebens, erfolgreich, prächtig, Traummann jedes jungen Mädchen, ein Paradebeispiel für die Degenerierung gesamter Generationen durch die Wirtschaft betretet die Bühne und ergreift das Mikrofon:
Ein junger Mann: Eigentlich hatten wir etwas gänzlich anderes geplant….aber wie das Leben so spielt, mussten auch wir, trotz Millionen-Förderungen durch die Provinz, nunmehr improvisieren….unsere Idee war jene, nach all dieser schweren Kost, mit etwas Musik, diese schönen Darbietungen höchsten provinziellen Lebens, etwas aufzulockern und luden daher das einzige Weltkulturerbe der Provinz, dieser Glanzpunkt der Hochkultur und des feinen Geschmackes, also wie jeder unschwer erraten kann….die Todesspatzen….also die Todesspatzen zu diesem einmaligen, weltweit noch nie dagewesenen Theaterevent ein….aber wie das Schicksal so spielt….und wie alle hier Anwesenden wissen….die Todesspatzen haben sich im Frühjahr totgesungen und deshalb bitte ich alle Anwesenden sich mit mir zu erheben und eine Schweigeminute für diese einzulegen.
Das provinzielle Establishment erhebt sich von ihren Sitzen und hält eine Trauerminute ab, welche nur durch den Lärm tausender auf den Boden des Zuschauerraum fallender Tränen abgemildert wird.
Ein junger Mann: Aber da das Leben bekanntlich immerzu weitergehen muss, haben wir uns für einen, auf gleicher qualitativer Höhe sich befindlichen, künstlerischer Darbietung entschieden…also der Ersatz für die Todesspatzen sollte eigentlich U.J. sein, aber auch dieser musste uns in letzter Minute absagen, da dieser in der heutigen „Wetten Dass“ Sendung bei der Kinderwette Pate ist….sie verstehen….Wetten Dass….Kinderwette….Kinderpate….alles garantiert moralfrei….und denken sie nur daran, wie ein solcher Auftritt bei den perversen, greisen Deutschen in Thailand mit ihrern 14-jährigen Freundinnen in der Hand, die Einschaltquoten in die Höhe treibt, wenn sie ihrereins….ja, wenn sie ihrereins….was habe ich gesagt? (Gelächter im Publikum)….egal….und deshalb haben wir uns gedacht, dass wir als Ersatz nicht weit in die Ferne schweifen, denn uns hier in der Provinz, wo es ja so viele hochqualitative Künstler gibt, umsehen und sind sogleich fündig geworden….freuen sie sich also mit mir ganz besonders auf die aus dem niedrigsten deutschen wie italienischen Pöbel sich zusammensetzende Riesenschwänze-Orchester unter der Leitung, des mit allen Wassern gewaschenen Direktor und bestbezahltesten Dirigenten weltweit, begrüssen sie also mit mir das provinzielle Riesenschwänze-Orchester….
Ein langanhaltender Applaus setzt ein.
Das Riesenschwänze-Orchester beginnt ihr trauriges Handwerk und um so grässlicher die Darbietung wird, um so entzückter die Begeisterungsstürme im Publikum, bis diese ihr schreckliches, ihr aller-aller-aller-schreckliches Tun und Singen und Musizieren beenden und ein Sturm der Begeisterung über diese, von seiten des Publikum, hereinbricht.

4. Bild
Der hochmotivierteste, ehrgeizigste und somit wohl auch erfolgreichste junge Mann, ein Prachtkerl, ein Vorbild für alle, die es richtig machen wollen, betretet wiederrum die Bühne und begibt sich zum Mikrofon:
Ein junger Mann: Wunderbar….wunderbar….fantastisch….dass gibt es nur hier bei uns in der Provinz und ansonsten niergendwo….wo der niedrigste menschliche Pöbel in ihrer ja wahrlich unfassbaren Dummheit, Verrohtheit ihr niedrigstes Gedankengut, welches sich auf ihre primären Geschlechtsorgane reduziert….also reduziert….denn ansonsten haben sie ja nichts….ja so frei und offen darbieten können….aber lassen sich mich kurz über mein eigentliches Anliegen sprechen….und zwar dem 4. Bild….und da können sie sich auch auf etwas ganz Besonderes freuen, denn uns Provinzlern ist es gelungen einen dreckigen, unmoralischen, lauten, störenden, lästigen, überall unerwünschten, jeden Provinzler anwiedernden, denn nicht unsere moralische Treue zum….ja zu was….also, was war meine letzte Frage (Gelächter im Publikum)….also uns Provinzlern ist es gelungen einen….nur einen….ja einen dieser degenerierten, verdammenswerten, einen jeden Provinzler in seinem Stolz und seiner Ehre beleidigenden, einen degenerierten….und ja ich wiederhole mich gerne….wir, also uns, also der zukünftigen Elite der Provinz ist es gelungen einen Grossstadtjungen hierher zu verschleppen
Langanhaltender Applaus aus den Reihen des provinziellen Establishment.
Ein junger Mann: Einem der nichts kann….und unseren Wohlstand kritisiert….schon nur durch sein Dasein….denn wie man bekanntlich weiß, sind diese Grossstadtjungen im Unterschied zu den provinziellen Jungs vollkommen überflüssig und zu nichts zu gebrauchen, grundsätzlich kriminell, der Arbeit gegenüber apathisch und somit schon von vorhinein für jede Aufgabe in der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft disqualifiziert….und bekanntlich nennen wir Provinzler solche aufgeklärten, solche denkenden, solche handelnden, solche Grosstadtjungen nur bei einem Namen….also wie….
Das provinzielle Establishment (schreiend): Schwule Sau!
Ein junger Mann (schreiend): Wie nennt man einen solchen Grossstadtjungen?
Das provinzielle Establishment (schreiend): Schwule Sau!
Ein junger Mann: Und nicht dass uns irgendjemand vorwerfen würde, wir würden uns nicht ädequat äußern können….denn wie immer bei den Menschen ist es doch solchermaßen, dass wie man spricht so ist man….und ich kann nur sagen, dann sind wir, die Italiener, die Deutschen, die Provinzler….wahrlich auf der untersten Stufe vorzufinden, gleich neben den Österreichern und ihrer Vulgär-Prolo-Hass-Sprache
Das provinzielle Establishment (schreiend): Die schwule Sau!
Ein junger Mann: Und hier habt ihr diese schwule Sau!
Vier hochmotivierte junge Männer, die so erscheinen, als würden diese gerade von der Hitler-Jugend-Probe kommen, betreten die Bühne und schleppen in ihrer Mitte den Jungen, welcher ziemlich mitgenommen und zerschlagen aussieht.
Ein junger Mann: Hochverehrtes Publikum, begrüssen sie herlichst meine Freunde, welche frisch von der neoliberalen Gehirnwäsche zu willigen Helfershelfern des provinziellen Establishment, in die Einöde zurückgekehrt sind
Ein langanhaltender Applaus für die vier Freunde, welche ebenso hochmotiviert und ehrgeizig erscheinen, wie der junge Mann am Mikrofon.
Ein junger Mann: Da haben wir ja diese schwule Sau!
Der Junge antwortet nichts.
Ein junger Mann: Nicht einmal sprechen hat er gelernt diese schwule Sau, aber hier in der Provinz werden wir solchereins wie dir schon Manieren beibringen….so wie wir dass schon immer gehandhabt haben schwule Sau!
Der Junge antwortet nicht, auch da seine Gesicht vom niedrigsten provinziellen Pöbel ziemlich zerschlagen worden ist.
Ein junger Mann: Aber so einfach kommt uns diese schwule Sau nicht davon….so einfach geht dass hier in der Provinz nicht….denn hier herrschen Ordnung, Sauberkeit, Disziplin und Moral….nicht dieses verrückte….dieses ganz und gar verrückte Treiben der Großstadt….denn wir sind nicht verrückt….wir sind schon weit darrüber hinaus….also….was habe ich gesagt (Gelächter im Publikum)….also….schwule Sau….und ich verwende doch durchaus nur die Sprache des provinziellen Volkes, auch jener der Sicherheitskräfte, deren oberste Beamte auch eine Sprache verwenden, dass jedem Tier übel davon werden müsste und in ihrer widerlichen Arroganz mit den Superreichen der Provinz ein einkommliches Auskommen finden und in ihren Netzwerken der Niedertracht und der Boshaftigkeit den Weg ebbnen….aber, was habe ich gesagt (Gelächter im Publikum)….ich schweife ab….Sicherheitskräfte und der Pöbel, welche das Wort Menschenrechte genau jene Bedeutung gegeben haben, welche dieses Unwort namens Menschenrechte verdient….nämlich gar keines….keines….gar keines….es lebe die Provinz!
Langanhaltender Applaus aus dem Publikum.
Ein junger Mann (sich an den Jungen wendend): Aber so leicht schwule Sau lassen wir dich nicht davonkommen (und schlägt unter dem Johlen und Kreischen der Anwesenden den Jungen in das Gesicht)….so leicht lassen wir dich nicht davonkommen….denn wir sind hier in der Provinz und Österreich ist nunmal Provinz….aber was sage ich….jetzt verspreche ich mich schon vor dieser schwulen Sau….Provinz ist Provinz!
Langanhaltender Applaus aus dem Publikum.
Der einsame Wolf Brenin beginnt sich unruhig in seinem Sitzplatz hin und her zu bewegen und murmelt ein „So geht dass einfach nicht“….ein „So geht dass nicht“.
Ein junger Mann: Und wir, also die zukünftige Elite der Provinz, haben uns dazu entschlossen, diese schwule Sau zu verurteilen….ganz öffentlich, gänzlich demokratisch….so wie wir dass in der Provinz immerzu gehalten haben und so machten wir uns vorüber einem Jahr auf die Suche nach einer geeigneten Person, wälzten in den Archiven riesige Bücher, forschten, schrieben wissenschaftliche Wettbewerbe aus, sprachen mit den Richtern, den Staatsanwälten, den Bankern, den Bauunternehmern, der provinziellen High-Society, den wichtigen Politikern, den noch wichtigeren Wirtschaftstreibenden, sprachen, diskutierten, fällten Entscheidungen, welche Person nunmal in der Provinz die geeigneteste, die qualifizierteste sei, um einen Jungen, also diese schwule Sau zu beurteilen….verteilten Gratis-Bananen und bekamen hochqualifizierte Vorverurteilungen; bezahlten Headhunters der renomiertesten Firmen, um jene Person zu finden, welche durch ihre Lebenserfahrung, durch ihr angesammeltes Wissen, durch Ausgewogenheit und überdurchschnittliches Intelligenz eine solche Aufgabe, eine solche schwule Sau zu bewerten, befähigt wäre….und auf unserer Suche wurden wir sehr bald von einer großen Anzahl von Behördenvertretern unterstützt….welche uns mit ihrem qualifizierten Rat zur Seite standen und die Entscheidung mit Mithilfe einiger Nachrichtendienste, welche mehr an einer jungen schönen Frau, denn der Landesverteidigung interessiert zu sein scheinen, massiv beeinflußten….und unsere erste Wahl fiel auf einen langgedienten, im Amt ergrauten und erblassten Richter….einer Koryphäe des Richten und Verurteilen….dann an den langjährigen Präsidenten der provinziellen Wirtschaft, welcher in völlig transparenten und demokratischen Prozessen zu seinem Amt gelangt ist….dann an einzelne wichtige LandesPolitiker….dann an die höchsten Beamten im Land, reich an Geld und arm an Empathie….aber letzten Endes….aber letzten Endes konnten wir uns dann alle….und ich betone alle zur vollsten Zufriedenheit des niedrigsten Pöbels, der Sicherheitsbehörden, der Faschistenfreunde, der provinziellen Unterstützer für eine noch unmenschlichere Welt….zur vollsten Zufriedenheit der Provinzpolitik, der Provinzwirtschaft auf eine Person einigen, welche all diese Anforderungen auf das Allerbeste erfüllt und geradezu vorherbestimmt erschien, für diese schwere Aufgabe diese schwule Sau zu beurteilen….Lebenserfahrung, Ausgewogenheit, reflektiertes Handeln, eine sehr überdurchschnittliche Intelligenz, maßvolles Abwägen, Nibelungentreue, welche im Sekundenbereich liegt….und zugleich ein zarter Sinn für Ungerechtigkeit, für den richtigen Sinn….also eine Person, welche als einzige in der Provinz und dass bestätigen in erster Linie die Polizeikommandanten, ein italienischer Nachrichtendienst, die politische Polizei oder sollte ich besser sagen….die faschistische Polizei….also….was habe ich nochmals gesagt (Gelächter aus dem Publikum)….also wir einigten uns auf einen Nenner….auf eine 18-jährige liederliche Frau….
Langanhaltender Applaus aus dem Publikum.
Ein junger Mann: Denn wer außer eine 18-jährigen Frau hat schon die Reife, die Qualifikation, die Intelligenz, die Ausgewogenheit, die Reflexion und das Wissen, um ein Urteil über eine schwule Sau zu fällen
Beistimmendes Nicken aus den Reihen der anwesenden Behördenvertreter.
Das provinzielle Establishment (schreiend): Tod der schwulen Sau!
Ein junger Mann: Tod der schwulen Sau!
Das provinzielle Establishment (schreiend): Tod der schwulen Sau!
Das anwesende Publikum tobt.
Ein junger Mann: Begrüssen sie also mit mir die 18-jährige Frau
Die 18-Jährige betretet die Bühne; eine wunderschöne Erscheinung, eine junge Frau in der Blüte ihres Lebens und hochintelligent ist ihr Blick und ihr Schritt lässt den anwesenden Herrschaften den Atem stocken.
Ein junger Mann: So leicht kommst du uns nicht davon du schwule Sau….so leicht wirst du uns nicht davonkommen….schwule Sau!
Einige anwesende Behördenvertreter brechen angesichts all dieser Gerechtigkeit in Tränen aus.
Ein junger Mann: Jetzt wird das gerechte Urteil dich ereilen schwule Sau! (und schlägt den Jungen unter dem zustimmenden Johlen und Kreischen der anwesenden Weiber, die wie immer das Beste am Menschen repräsentierten in das Gesicht)
Die 18-jährige Frau tretet neben dem ehrgeizigsten jungen Mann aus der Provinz hin und die Beiden küssen sich auf die Wange.
Ein junger Mann: Danach….danach….ihr wisst schon was
Die junge Frau: Ihr wisst schon was
Ein junger Mann: Also dann
Der einsame Wolf Brenin bewegt sich noch unruhiger in seinem Sitz hin und her.
Ein junger Mann: Und welches Urteil hat die 18-jährige liederliche Frau in ihrer Weisheit und mit dem Rat überdurchschnittlich intelligenter Menschen denn nunmal gefällt?
Die junge Frau: Die Höchststrafe….denn eines muss klar sein….wir sind nicht der Abschaum….wir Provinzler….wir sind moralisch, ethisch und was weiß ich….also wenn wir nicht die Bösen sind….welche wir durchaus nicht sind….denn wenn wir nicht die Bösen sind, dann muss zwangsläufig dieser Junge, der wohl unschuldig ist, der Böse sein….denn wir sind es nicht….wir haben als Provinzler ja kein Gewissen, kein Ethos und keine Ehre….dass beweisen die ProvinzNaziÄrzte mit jedem Tag ihrer Existenz und den Politikern die diese Lebensweise zum nachahmenswerten Beispiel erhebt….
Ein junger Mann: Und in was besteht die Höchststrafe?
Die junge Frau: Ich verurteile die schwule Sau zum Tode….denn nichts anderes hat diese schwule Sau verdient!
Ein junger Mann: Ich muss sagen ein sehr ausgewogenes, sehr gerechtes Urteil, dass dem Dasein der schwulen Sau vollkommen gerecht wird.
Einige östereichische Gäste, hochgebildet; einige Italiener, Kopf über Hals verliebt und einige Provinzler, zufrieden, stürmen auf die Bühne und beglückwünschen die 18-jährige Frau zu ihrem ausgewogenen, gerechten und wohlüberlegten, in 2 Sekunden reflektiertem Urteil und werden dann von einigen hochmotivierten jungen Männern abgedrängt.

Der einsame Wolf Brenin schüttelt noch einmal angewidert seinen Kopf und erhebt sich dann von seinem Sitzplatz, blickt zu der Siebenschläferin Malin, der proletarischen, der linken und der rechten Ratte und sagt dann:
Brenin: Freunde…..FREUNDE….ES IST ZEIT!
Malin (wutentbrannt): Er ist ein guter Junge!
Die proletarische Ratte: Auf in den Kampf
Die rechte und die linke Ratte: Für das Volk der Ratten
Die Abenteurer streben auf den linken Seitengang hinzu, wo sich sogleich drohend einige Mitglieder der provinziellen Sicherheitsbehörden mit Maschinenpistolen bewaffnet den Abenteureren in den Weg stellen.
Brenin hustet diese hinweg.
Die Abenteurer gelangen zum linken Seitengang, wo sich diesen dann einige hochverdiente Mitglieder des provinziellen Establishment entgegenstellen, welche die Abenteurer mit ihrer moralischen Glanzkraft aufhalten wollen, doch Malin`s wütender Blick lässt diese sogleich kraftlos zu Boden sinken.
Auf der Bühne beginnen die junge Frau und der junge Mann gleichzeitig zu kreischen: Tötet die schwule Sau! Tötet sie!
Die vier hochmotivierten jungen Männer, in deren Fängen der Junge hängt, blicken sich etwas ratlos um und verfolgen dann atemlos das Geschehen am linken Seitengang.
Ein BananenHagel beginnt auf die Abenteurer niederzuprasseln, doch todesmutig stellen die linke und die rechte Ratte ihre Körper als Schutzschilde zur Verfügung und beschützen damit den Wolf Brenin, die Siebenschläferin Malin und die proletarische Ratte.
Als der Bananen-Hagel nach kurzer Zeit abebbnet, fallen die beiden Ratten beinahe leblos, aber doch noch atmend, ein „Für das Volk der Ratten flüsternd, zu Boden.
In den ersten Reihen des Zuschauerraumes entsteht ein Tumult, das provinzielle Establishment aufgeschreckt durch die Vorgänge im linken Seitengang und einige höchste provinzielle Beamte, Ressortchefs und Amtsdirektoren, Primare und Wirtschaftskapitäne versperren den Abenteurern den Weg und Brenin nimmt sogleich den Kampf mit diesen auf….kämpft wie ein Wolf noch niemals gekämpft hat und wohl niemals mehr kämpfen wird….während der Siebenschläferin Malin sich die Gattinen des Wirtschafts- und Kaufleute-Adel, samt der noch nie dagewesenen Konstellation mit dem jungen Gemüse, in den Weg stellen und diese verbal miteinander kämpfen….die proletarische Ratte hingegen kämpft mit all den Kriechern, den Schleimern und Apparatschniks und gewinnt schnell, aufgrund ihrer proletarischen Straßenausbildung, die Überhand.
Brenin kämpft mit den Ressortchefs, den Amtsdirektoren, den Primaren und Wirtschaftskapitänen und diese scheinen die Überhand zu gewinnen, kämpfen Brenin zu Boden, doch dieser wehrt sich selbst in jener aussichtslosen Lage, während die Wut der Siebenschläferin Malin ihrer verbalen Schlagkraft ungeahnte Schlagkraft verleiht und die Beleidigungen, die Intrigen, das Gemüse fliegt zwischen den Gattinen, verstärkt durch die jungen Wunderhübschen, hin und her….und hin und her….Salat, Gurken, Tomaten, Zwiebel, Zucchini….es scheint keinen Sieger in diesem Wettstreit geben zu können….die Weiblichkeit triumphiert….der Kampf geht in die Sinnlosigkeit und Absurdität über, bis keiner der beiden Parteien, weder die Gattinen, verstärkt durch die jungen Wunderhübschen, noch auf der anderen Seite die tapfere, aufrichtige Siebenschläferin Malin noch irgendwelche Fronten erkennen kann….aber es muss weiter gestritten werden….
Die proletarische Ratte gewinnt Schlacht um Schlacht und Körper um Körper der Kriecher, Schleimer und Apparatschniks sinken kraftlos zu Boden, während die vier hochmotivierten jungen Männer, verschreckt und erschrocken, auf der Bühne die Flucht ergreifen und die junge Frau und der junge Mann den schlagenden Teil an dem Jungen zu übernehmen versuchen, doch zu gefesselt sich auch diese von den Vorgängen im Zuschauerraum.

Doch dann….doch dann….doch dann geschieht etwas völlig unerwartetes…..der Wolf Brenin welcher am Boden liegt und jeden Moment zu Tode geschlagen zu werden droht, gar nicht mehr zum Husten kommt, so sehr ist dieser außer Atem geraten…..dieser Brenin, dieser Wolf, welcher nicht aufgeben kann und niemals aufgeben wird und trotz aussichtsloser Lage kämpft und kämpft und kämpft, so beginnt sich dieser in Sekundenschnelle zu verwandeln….aus einem einsamen Wolf wird in Sekundenbruchteilen in einer Metamorphose ein Löwe, denn noch nie hat Zeit und Raum ein Lebewesen dermaßen kämpfen gesehen, dermaßen tapfer und der Löwe Brenin brüllt und noch nie hat ein Lebewesen solchermaßen gebrüllt, dass das gesamte provinzielle Establishment im nächsten Augenblick 3 Zentimeter an Körpergröße verliert und die Amtsdirektoren, Primare, Wirtschaftskapitäne und Ressortschef in Panik davonflüchten und die drei Abenteurer stürmen dem Bühnenaufgang entgegen, wo die letzte Hürde in Form der mächtigsten Banker und Wirtschaftsbosse auf diese wartet und der Löwe Brenin stürzt sich auf diese und die Siebenschläferin Malin übernimmt die rechte und die proletarische Ratte die linke Flanke und die Provinzregierung, die Banker und die Wirtschaftsbosse erkennen die Aussichtslosigkeit, erkennen nach wenigen Augenblicken ihre Unterlegenheit und flüchten auf die Bühne hinauf
Von der Seite nähern sich den Abenteuern einige Winkeladvokate und schreien drohend auf die Abenteurer ein: Wir werden euch verklagen!
Doch die proletarische Ratte stellt sich diesen entgegen und schlägt diese mit einem rechten Haken alle gleichzeitig k.o.
Die proletarische Ratte: So, nun könnt ihr euch beklagen!

Das Blatt scheint gewendet und der Löwe Brenin, die Siebenschläferin Malin und die proletarische Ratte stürmen die Bühne hinauf, wo aber noch die letzte Hürde bis zum Jungen steht; die niederträchtigste, hinterhältigste und boshafteste Frontlinie steht direkt auf der Bühne und besteht aus jenen Personen, welche von diesem provinziellen System am meisten profitieren; namentlich einige ProvinzNaziÄrzte, drei, vier durch ihr Leben hindurch vollkommen degenerierte Frauen, die Provinzregierung, einige der allerhöchsten Behördenvertreter und zusammen halten diese die letzte Stellung, versuchen in ihrer bekanntlich unmenschlichen und boshaften Art und Weise die Abenteurer niederzuringen.

Doch diese setzen sich sogleich zur Wehr, nehmen den ungleichen Kampf 3 gegen 30 an und die proletarische Ratte bindet mit ihrem furchterregenden rechten Haken mehrere Landesregierungsmitglieder an sich, welche sich nur mühsam gegen die proletarische Ratte behaupten können, während Malin sich die ProvinzNaziÄrzte vorknöpft und einem nach dem anderen den weißen Kittel vom Leib prügelt, während Brenin, den Überblick bewahrend, die zahllosen hinterhältigen Versuche der Spitze des provinziellen Establishment abwehrt, welche zum Teil feige, zum Teil gemein, zum Teil nur dumpf, brutal und roh durch ihre schiere Übermacht die drei Abenteurer niederringen möchten….doch es bleibt dank Brenin beim möchte.
Ein Provinzregierungsmitglied fällt schwer getroffen zu Boden und sucht samt seiner Frau das Weite; 29 noch und nach einer Minute sind es nur noch 25, welche zäh um die Herrschaft auf dieser Bühne, auf welcher das provinzielle Leben sich abspielt, kämpfen, denn kampflos wollen die Herrschaften nicht von der Bühne abtreten, zu viele Leichen liegen in ihren Kellern, zu groß wäre das Risiko des Machtverlustes….denn was wäre, wenn sich plötzlich irgendjemand außerhalb der Provinz für dieses niederträchtige Verhalten interessieren würde….nein….es wird gekämpft und die proletarische Ratte ringt den Chefarzt der Provinz nieder, welcher die neben ihm stehende Volksanwältin um Gnade anbettelt, aber der Chefarzt ist an die falsche Person geraten, Gnade gibt es nur für die Toten, diese Worte muss er sich von der Volksanwältin anhören, bevor er unter den Schlägen der proletarischen Ratte dass erste Mal in seinem Leben so etwas wie ein Gewissen, so etwas wie Empathie in seinem Geist verspürt und somit sogleich bewußtlos zusammenbricht.
Auch der oberste Sicherheitsbeamte verspürt in den gleichen Sekunden dieses seltsame Gefühl in seinem Geist, zum ersten Mal ein Verantwortungsgefühl, zum ersten Mal so etwas wie Reflexion, wie Rückbesinnung auf Tugenden, auf Pflichten, auf die Aufgabe, die man sich ja eigentlich, lange bevor man gekauft und verkauft wurde, verspürt hatte….ja ein Hauch von Idealismus, welcher ausreicht, dass der Spitzensicherheitsbeamte sofort das Bewußtsein verliert.

Der Kampf scheint entschieden, immer weniger Gegner lauern auf die drei Abenteurer und trotz vieler Schrammen und verbaler Ausrutscher, scheint der Sieg ihnen sicher….bis ein plötzlicher Knall durch den Saal tönt und die Kontrahenten kurz innehalten, um nach der Ursache des Knalls Ausschau zu halten.
Schreckensstarr werden Brenin und Malin`s Augen, als diese die Ursache des Lärm´s erkennen, denn plötzlich steht hinter dem Jungen, schmerzgepeinigt, der Pfandleiher und fuchtelt mit einer Messer und einer Pistole in seiner Hand herum.
Pfandleiher: Ruhe jetzt, ansonsten schneide ich dem Jungen, so wie dieser es sich verdient hat und mir werden sicherlich alle Bananenliebhaber zustimmen, wie ein Schwein die Kehle durch!
Der hochmotivierteste junge Mann aus der Provinz und die wunderschöne 18-jährige kreischen ein „Stich sie ab….stich sie ab die schwule Sau!“
Malin: Nein….tue es nicht!
Pfandleiher: Warum nicht….was soll mir auch passieren….ich bin reich….also immer unschuldig, egal was ich tue….oder etwa nicht?
Einige Sicherheitsbeamte nicken mit ihrem Kopf beipflichtend.
Malin: Nein!
Pfandleiher: Du beginnst dich zu wiederholen….es ist nunmal der Reiche, der Vermögende, der Mächtige der allerzeiten gewinnt und nicht der Arme, der Machtlose….immerzu
Malin: Lasst uns verhandeln!
Pfandleiher: Was habt ihr überhaupt hier zu suchen? Was wollt ihr?
Malin: Den Jungen
Pfandleiher: Ahhjaa….ich habe es ja gewusst….mein Geschäftssinn hat mich noch nie betrogen
Malin: Wir wollen nur den Jungen
Pfandleiher: Und was bietet ihr im Gegenzug dafür?
Brenin: Was wollt ihr?
Pfandleiher: Alles
Brenin: Was ist alles?
Pfandleiher: Eure Leben
Malin: Unsere Leben?
Pfandleiher: Wir wollen hier in der Provinz Ruhe….in Ruhe unsere Niedertracht ausbreiten, unsere Boshaftigkeit ausüben und darüber eine schöne Oberfläche malen, in welcher alle denken glücklich zu sein haben….wo doch überall nur vertuscht und verpfuscht wird
Brenin: Malin?
Malin: Brenin?
Die proletarische Ratte: Und mich fragt natürlich niemand
Brenin: Ich bin dazu bereit
Malin: Ich bin dazu bereit
Brenin: Wenn dem Jungen nichts passiert
Pfandleiher: Ihr habt mein Wort….dem Jungen wird kein Haar gekrümmt
Die proletarische Ratte: Also gut….auf in das nächste Leben
Pfandleiher: Dann steht unser Teufelspakt?
Brenin, Malin und die proletarische Ratte lassen ihre Pfoten sinken und werden sofort von der Spitze des provinziellen Establishment überwältigt.
Als einige von diesen auf die drei Abenteurer einzuschlagen beginnen….
Pfandleiher: Schlagt sie nicht! Lasst sie in Ruhe!
Die Spitze des provinziellen Establishment fesselt die drei Abenteurer.
Pfandleiher: Somit hat wieder einmal die Gerechtigkeit gesiegt
Beistimmendes Nicken von den Anwesenden.
Pfandleiher: Und was habe ich kurz zuvor gesagt….?.
Die Anwesenden zucken mit ihren Schultern.
Malin: Miesepeter
Brenin: Dafür wirst du büßen!
Pfandleiher: Wohl kaum
Das provinzielle Establishment (schreiend): Tod! Tod! Tod!
Pfandleiher: Ich werde euch einem nach dem anderen töten….sehr langsam und sehr schmerzhaft wird es sein….damit ich damit alle zukünftigen Versuche, das provinzielle Establishment anzugreifen, diese unsere heilige Harmonie zu stören, im Vorhinein vereitle….also bringt mir diese Ratte hierher….
Die proletarische Ratte: Ich heiße die proletarische Ratte
Pfandleiher: In wenigen Augenblicken wirst du nur noch die tote Ratte heißen
Die Spitzen des provinziellen Establishment schleppen die proletarische Ratte zu dem Pfandleiher, welcher diesen den Jungen übergibt.
Pfandleiher: Passt auf ihn auf….der Junge ist der Nächste
Malin: Was für ein Ungeheuer?
Brenin: So kann es einfach nicht ausgehen
Pfandleiher: Und….wohin seid ihr nun gekommen mit eurem Gutem….mit eurem Mitgefühl….mit eurer Empathie….mit eurer Mitmenschlichkeit….die debile Masse wird Menschen wie mir immerzu folgen….die debile Masse wird immerzu dem Establishment folgen….und sagt ihnen sie sollen sterben, dann werden sie für uns sterben, obwohl wir sie nur ausgenutzt und geknechtet haben….und wem werden die schönsten Töchter geschenkt….uns….nur uns….uns gehört die Welt und nicht diesen gefühlsdusseligen Gutmenschen, welche sich aufopfern….ja für was denn….für einen Jungen, wie es ihn zu hundertausenden in jeder Millionenstadt gibt….hundertausende Male und ihr opfert euch für einen….für einen von diesen auf….nein….wir, das Establishment werden immerzu gewinnen….denn alles gehört uns….die Geschichte….wer sie schreibt….wie sie im Nachhinein berichtet wird….alles gehört uns….die Geschichte….wir sind die Geschichte….die Gewinner und nicht solche Verlierer wie ihr….wir schreiben sie und niemand wird sich an euch erinnern können, denn nur an uns…wie gut wir waren….wie sorgenvoll und besorgt….denn unsere Lüge ist eure Wahrheit….versteht dass oder ihr werdet sterben….ach ja, ihr werdet nunmehr ja sowieso sterben….aber alles….alles gehört uns….die öffentliche Meinung….wie ein Blatt im Wind ist diese öffentliche Meinung beeinflußbar….wie Playmobil-Figuren verschieben wir der Menschen-Schicksale….und alle sind uns zugewogen….alle wollen so werden wie wir….skrupellos, gewissenlos, erfolgreich….reich und mächtig….und erst die Frauen….und erst die Frauen….ihr habt überhaupt keine Ahnung was Macht bedeutet….keine Ahnung….und dann stark sein und alle belügen und alle betrügen….dass macht uns noch stärker….denn uns gehört die Provinz….denn alles gehört uns….die Hotels, die Straßen, die Restaurants….alle hängen von uns ab….alle….alles gehört uns und damit all dies so bleibt müsst ihr sterben….denn alle wollen dass es so bleibt, denn alle sind auf unserer Seite….auf der Gewinnerseite und ihr seid alleine auf der Verliererseite….denn alle sind auf unsere Seite….dafür müssen sie nur unsere Zeitung lesen und schon denken sie so wie wir….und schon sind sie so wie wir….denn sie verstehen nicht und wollen nicht verstehen und somit war euer Opfer ein Opfer ohne Wert….morgen wird sich niemand mehr daran erinnern….niemand mehr…..denn wir entscheiden….wir schreiben die Geschichte zu Ende hier und jetzt!
Der Pfandleihe setzt die Waffe an die Schläfe der proletarischen Ratte.
Die proletarische Ratte (mit stolzerfüllten Augen): Für das Volk der Ratten
Pfandleiher: Wir schreiben eure Geschichte hier und jetzt zu Ende.
Der Pfandleiher entsichert seine Waffe und ist drauf und dran die Waffe abzudrücken….aber der Finger krümmt sich einfach nicht und und und krümmt sich einfach nicht….
….
Es ertönt ein Husten.
Jedlicher Ton im Theater erstirbt in Sekundenschnelle.
Stille.
Ein erneutes Husten von den billigsten Zuschauerplätzen im hinteren Teil des Theaters.
Stille.
Nach einem erneuten Husten erheben sich von ihren Sitzplätzen der Tod und die Unendlichkeit
Pfandleiher: Wer wagt es diese Hinrichtung zu stören?
Der Tod und die Unendlichkeit eilen den Seitengang hinunter und steigen die Bühne hinauf.
Pfandleiher: Also, sie besitzen die Unverfrorenheit mich zu stören
Die Unendlichkeit: Ja und wir besitzen nicht nur dass
Pfandleiher: Wer seid ihr?
Der Tod: Der Tod
Die Unendlichkeit: Und die Unendlichkeit
Pfandleiher: Und?
Der Tod: Erstens….wann und wo diese Geschichte zu Ende ist, bestimmt der Tod, wo der Tod doch mittlerweile herausgefunden hat, dass der Zweifel der Beginn dieser Geschichte ist…..und nicht die Unendlichkeit….zweitens….also zweitens….
Die Unendlichkeit: Dass mit dem Jungen
Der Tod: Muss dass wirklich sein Unendlichkeit
Die Unendlichkeit: Ja
Der Tod: Also gut….nur dieses eine Mal und nie mehr wieder?
Die Unendlichkeit: Nur diese eine Mal
Der Tod: Dass wird ja langsam zur Gewohnheit diese eine Mal
Die Unendlichkeit: Also
Der Tod schnippt mit seinen Klauen und der Pfandleiher fällt tot um.
Sofort bricht, angesichts der erstmaligen Erkenntnis des dermaßen überlegen fühlenden provinziellen Establishment, dass das Leben ja vielleicht endlich sein könnte, dass man trotz totaler Macht, totalem Reichtum und totaler Möglichkeiten, dem Tod vielleicht ja doch hilflos ausgeliefert ist und vielleicht doch am Ende sogar etwas mit all der debilen Masse, den Machtlosen und Armen teil….nämlich die Angst…..es bricht Panik aus.
Der Tod: Nun gut….wenigstens dass funktioniert noch
Die Unendlichkeit: Woher kommt dieser Lärm?
Von den Seitengängen stürmt die letzte Reserve des provinziellen Establishment herbei, namentlich eine Gruppe von schwerbewaffneten Sicherheitsbeamten, begleitet von einer an die 100-Köpfe zählenden Horde, welche bestialische Geräusche von sich gebend, sich dem Tod und der Unendlichkeit nähern.
Diese an die 100-Köpfe zählende Horde besteht aus den ehrgeizigsten jungen erfolgreichen Männern aus der Provinz, einigen römischen Hooligans, einigen hochgebildeten Bananen schwingende Italiener, einige, welche in ihrer Vulgarität und Brutalität die Speerspitze eines neuen Tiefpunkt des Menschheitsgeschlecht darstellen und zwei Dutzend ProvinzNaziÄrzte, welche nicht glauben wollen, dass es eine gute Tat auf dieser Welt auch geben könnte.
Die Unendlichkeit: Um diese Bestien kümmere ich mich
Die schwerbewaffneten Sicherheitsbehörden, welche andauernd ihre MP´s abdrücken wollen, aber es diesen aus welchen Gründen auch immer nicht gelingt, welche Geräusche von sich geben, welche wie „Porco“, „Frocio“ und „Pazzo“ klingen, begleitet von einigen ihnen hörigen Zivilisten, erinnern in ihrem Gehabe und Getue weniger an Menschen, denn Kreaturen, welche das Wort Intelligenz gegen ein Fußballspiel, zwei weibliche Brüste und einem Spiel namens Superenalotto getauscht haben.
Die Unendlichkeit wendet sich diesem letzten Aufgebot der Provinz hinzu, welches wahrlich nicht für die menschlichen Qualitäten der Provinz spricht und lässt eine Wolke der Dunkelhheit nicht nur über diese, denn auch über die anderen hochqualifizierten Unmenschen der Provinz herunterfallen, so dass diese blind in dieser Dunkelheit, welche die Unendlichkeit nur aus derem innersten Gedankentum, ihrer Unmenschlichkeit, ihrer totalen Überlegenheit und Rohheit und Brutalität geformt hat, also die Dunkelheit deren Seins über diese herabsinkt und diese angesichts all dieser Grausamkeit, Rohheit und Brutalität die Augen verschließen und erblinden und blind durch das Theater irren, während das restliche provinzielle Establishment wie von allen guten Sinnen verlassen, sich gegenseitig tottrampelnd, sich gegenseitig niederschlagend, auf bekanntlich zivilisierte, provinzielle Weise, das Theater verlassen und gleich als allererstes in die von ihnen selbst aufgestellten Minenfelder hineinlaufen, um den Schmerz kennenzulernen, welchen diese andauernd ihren Mitmenschen als etwas Gutes verkaufen.

Epilog

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