Ein ganz normaler Tag
(soweit ich dass gedächnismäßig rekonstruieren kann)

Ich wache frühmorgens im Arbeitszimmer einer Bekannten auf; stehe auf, setze mich vor dem Computer der Bekannten, prüfe meine E-Mails, gehe kurz in die Küche ohne mir einen Kaffee aufzusetzen, in das Badezimmer und verlasse die Wohnung.
Die Bekannte ist Alleinerziehende eines kleinen Jungen und ist arbeitstätig; ich schlafe wohnungslos seit zwei, drei Tagen in ihrem Arbeitszimmer auf einem ausziehbaren Sofa; verbringe, um die ansonsten schon restlos ausgebuchte und im Stress sich befindliche Bekannte nicht noch mehr zu stressen, so wenig Zeit wie nur irgendwie möglich in deren Wohnung….also nur zum schlafen.

Ich spaziere die Gassen entlang, kaufe mir Zigaretten in einer Tabaktraffik und erreiche das Cafe Jelinek, doch ich habe mich mit der Uhrzeit vertan, das Cafe öffnet erst um 9 Uhr vormittags, es ist etwa viertel nach acht, so gehe ich in einem nahegelegenen Supermarkt und kaufe mir 2 Wurstsemmel und 1 Coca-Cola Dose, setze mich in einem eine Gasse links vom Cafe Jelinek sich befindlichen winzigen Park und frühstücke dort….Kinder tummeln herum, Eltern schieben ihre Kinderwagen herum; ein, zwei Penner streifen vorbei; einige sehr viele Menschen passieren den Park….alles in allem ein doch sehr ruhiges Plätzchen….nur die Zeit vergeht etwas sehr langsam, so dass ich mich entschließe einen Bekannten etwa 5 Minuten zu Fuß von meinem aktuellen Standpunkt entfernt, aufzusuchen….also spaziere ich los und erreiche nach einigen Minuten dessen Haustür….ich läute, der Bekannte öffnet und ich spaziere zu ihm in den 1. Stock hinauf….der Bekannte hat eine Bekannte zu Besuch, so dass ich mich zu erst in die Küche verdrücke und von dort in das Badezimmer und dort dusche (eine Gewohnheit, welche ich beinahe täglich bei diesem Bekannten durchführte, da ich in dem Drecksloch wo ich vorher gewohnt hatte, aus Gründen des Überlebens (siehe ältere Postings) nicht duschen konnte)….ich duschte also und spazierte dann wieder in die Küche zurück; der Bekannte erschien in Begleitung seiner Bekannten (welche ich schon von früher kannte) und sie luden mich, wohl glücklich nach der miteinander vollbrachten Nacht, zum Frühstück in das Blue Box ein….zu dritt gingen wir die 5 Minuten bis zur Blue Box und frühstückten dort.

Die Bekannte, welche ich schon etwas länger kannte, lud mich dazu ein; die Bekannte; eine Türkin, eine Suffistin, eine Frau, die mich seltsamerweise als ihren Freund ansah, sozusagen ein freundschaftliches Verhältnis mit mir pflegte; mich wohl recht gern hatte; auch wenn wir zu dritt andauernd nur sinnlosen Blödsinn von uns gaben; eine Bekannte, deren Körper, nachdem ein Kurde in Ostanatolien, als sie ein Kind war, eine Handgranate in deren Wohnung geworfen hatte, den Körper mit Schrapnelwunden/Narben versehen war….die einzige Bekannte des Bekannten, welche ich selbst für sehr schön befand….wahrlich eine sehr schöne Frau….

Also wir frühstückten und ich verabschiedete mich dann, spazierte wieder die 10 Minuten vom 7.Bezirk in den 6.Bezirk hinunter; betrat das Cafe Jelinek, nahm mir 2 Tageszeitungen, setzte mich nieder, bekam vom doch etwas schrulligen Kellner meine Melange; las; holte mir noch ein, zwei Wochenzeitschriften; las weiter, schrieb mir ein, zwei Notizen; dachte kurz darüber nach ob ich ein Gedicht schreiben sollte….aber nein, zu anstrengend….
So las ich weiter, beobachtete desinteressiert das Geschehen um mich; wie immer sehr noble Leute, einige Studenten, einige ältere Herrschaften und Damen und dazwischen der Kellner bei dem es schwierig zu entscheiden war, wie der so geistig, emotional funktionierte, aber eigentlich interessierte mich dies doch eher weniger, wichtig war nur, dass es kein Stresser war, denn von denen gab es in der Stadt ja schon genug.

Nach einem ein-; zweistündigen Aufenthalt in dem Cafe bezahlte ich, verließ das Cafe und wechselte auf die andere Straßenseite, in die Gastwirtschaft Steman….das Mittagsmenü kostete um die 5-7 Euro und war auch für einen in chronischer finanzieller Notlage sich befindlichen Menschen wie mich, hin und wieder finanzierbar….ich setzte mich nieder und las dann auch noch „Die Presse“, bestellte das Menü und im Lokal befanden sich nur Freunde von mir….Banker, Geschäftsleute, Spekulanten; weiblich wie männlich, beinahe 99% mit Krawatte bzw. Kleid und zwei, drei Kellnerinnen, die vor meinem inneren wie äußeren Auge herumschwirrten; hübsche Frauen und noch wichtiger freundlich….als erstes kam die Suppe (Fritattensuppe) und danach ein Stück Fleisch (Rahmschnitzel mit Reis), dazu ein Mineralwasser und ich muss sagen, die österreichische Küche ist alles in allem gar nicht einmal so schlecht….es gibt zwar bessere (italienisch, türkisch, französisch), aber es gibt auch schlechtere (so ungefähr der Rest der Welt)….

Nach dem Mittagessen spazierte ich zur U-Bahnstation in der Neubaugasse, fuhr mit der U-Bahn bis zum Stephansplatz, wechselte dort unterirdisch zur U1 und fuhr auf die Donauinsel.
Dort angekommen setzte ich mich einmal zum Fluß, beobachtete die Skate-Board-Fahrer, verlor das Interesse, rauchte eine Zigarette und spazierte dann mit minimalster Geschwindgkeit die Donauinsel hinauf, setzte mich zwischendurch auf eine Bank, rauchte noch eine Zigarette und ging dann Richtung Handelskai, telefonierte über ein Münztelefon mit einem Bekannten im 4. Bezirk, überquerte die Brücke zum Millenium-Tower, bestieg die U6 und fuhr bis Spittelau, wechselte dort auf die U4 Richtung Hütteldorf und stieg eine Station zu früh bei der Station Stadtpark aus, hatte die Aufpasser abgeschüttelt und spazierte durch den 1.Bezirk zum Karlsplatz, als die zwei „Chef`s“ (meine Interpretation) der Aufpasser entgegenkammen, am Handy telefonierend, dass man mich verloren hätte und die zwei antworten, nein, sie hätten mich nicht verloren, denn ich käme ihnen gerade entgegen….wenn es alles ein Spiel wäre, dann hätte ich wohl an jenem Tag gewonnen….ich spazierte weiter, überquerte an der Oberfläche den Karlsplatz und erwischte gerade die Straßenbahnlinie 62, fuhr mit dieser 2 Stationen, spazierte etwa 100 Meter, läutete an einer Haustür und betrat anschließend eine Wohnung in welche 2 Wiener und ein Niederösterreicher….nun ja….sozusagen wohnten….die drei waren wie immer mit ihrem Online-Spiel und nicht nur massiv ausgelastet….ein Spiel an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnere, nur an die Tatsache, dass ich absolut nicht verstehen konnte, wie jemand mitten in der Nacht aufstehen konnte, um seine virtuelle Raumschiff-flotte in eine andere Galaxy zu schicken….wie immer ging ich in die Küche, kochte einen Kaffe für mich und einem der Wiener, einem Bekannten und diesen tranken wir dann zusammen in seinem Zimmer….sprachen ein wenig, ich las meine E-Mails und diskutierten über Gott und die Welt (später im Monat sollte ich dann bei ihm (der bei seiner Freundin dann übernachtete) übernachten….die Zeit ging dahin und die 3 Bekannten waren etwas rauchig und ich telefonierte mit dem Handy des Bekannten und verabschiedete mich.

Ich ging 2 Blocks weiter, wartete auf die Buslinie 13 A und bestieg diese und fuhr mit dieser dann etwa 20 Minuten bis zum Südbahnhof, stieg aus dem Bus, ging etwa einhundert Meter, läutete an einer Wohnungstür, ging 3-4 Stockwerke hinauf zu einem weiteren Bekannten, welcher mich zum Abendessen einlud und mit welchem ich dann vor dem Computer, wo er mir seine Architektur-Modelle zeigte, eine Portion Nudeln aß….

Ich telefonierte von seinem Handy aus mit dem Bekannten, welche ich vormittags angetroffen hatte und dieser befand sich, wie sollte es anders sein, im Cafe Europa….mit der Bekannten….ich verabschiedete mich, bestieg die Buslinie 13 A, fuhr bis zur Neubaugasse (übrigens….alles ohne Ticket….gelobt seien die Wiener Linien für alle Zeiten); ging um die Ecke die Gasse hinauf und betrat das Lokal….der Bekannte mit der Bekannten und ich; ich und er tranken ein, zwei Bier und da ich das Gefühl hatte, dass es wohl besser sei, ich lasse die beiden allein, brach ich zum Heimweg auf.

So spazierte ich vom 7. Bezirk in den 6. Bezirk hinunter, betrat das Haus und dann die Wohnung und gleich Worst-Case-Szenario; die Bekannte befand sich mit ihrem Bekannten (einem arroganten, deutschen Schnösel; welchen sie dann einige Tage später verlassen sollte und ich hatte irgendwie das Gefühl, dass ich daran schuld war; da mich dieser für einen bösen Menschen hielt und die Bekannte für einen guten….das übliche Gedudele….) im Arbeitszimmer und beide arbeiteten auf dem Sofa….mit hängenden Schultern ging ich somit in ihr Zimmer hinüber, wo in ihrem Bett ihr Kind und dessen bester Freund schliefen, quer gelegen und tief schlafend; somit blieb mir nichts anderes übrig, als mich in eines der zwei Mikro-Kinder-Bettchen zu zwängen (einem Doppelbett, ich nahm das untere) und zu schlafen zu versuchen, aber daran war nicht zu denken, denn wie eine Welle traff mich der Schmerz wie bereits den gesamten zurückliegenden Tag….manchmal stundenlang abwesend und dann wieder mit voller Kraft mich eine Welle des Schmerzes treffend….mein Zähne schmerzten und diese schmerzten in einer Art und Weise, nicht andauernd, aber immer wieder und hin und wieder mit voller Wucht auftretend, dass man wie ein Wolf aufheulen hätte können….ich wand mich also in dem Kinderbettchen hin und her und der Schmerz war da und war nicht da….schließlich gab ich es auf, wollte mich aufrichten und knallte mit dem Kopf mit doch voller Wucht gegen die Oberseite der Unterseite des Doppelbettes, welches sich ungefähr dreißig, vierzig Centimeter von meinem Kopf befand, ohne einen Mucks von mir zu geben, stand ich auf und ging doch eher torkelnd in die Küche, schaltete das Licht ein, machte mir einen Saft und hatte nunmehr nicht nur Zahn- denn auch noch Kopfschmerzen und zwar nicht zu wenig.

Das Küchenfenster war gekippt und ich hörte Stimmen von der Straße, obwohl ich mich im 4. Stock befand, konnte ich sie doch gut hören; sie sprachen über mich und dass ich mich in diesem Haus befände und waren sehr gut informiert….neugierig geworden öffnete ich sehr leise das Fenster und spähte hinunter….vor dem Haus waren etwa 10-15 Kinder/ältere Kinder versammelt, die meisten auf ihren Kindermountainbikes und patroulierten durch die Gegend und nun standen sie vor dem Haus und sprachen über mich….ich weiß, dass klingt völlig unwahrscheinlich, völlig unrealistisch; dass diese sich vor dem Haus befinden; dass ich diese höre; dass diese über mich sprechen (in positiver Weise) und trotzdem ist es eine unumstößliche Tatsache, dass es so wahr….nix mit Einbildung undsoweiter, denn so war es….

Ich hatte genug gesehen und gehört, schloß das Fenster, rauchte eine Zigarette und trank einen Saft und dann noch eine Zigarette und weder der Kopfschmerz noch der Zahnschmerz wollten schwächer werden….ich ging nochmals zum Kinderbettchen, legte mich hinein, versuchte zu schlafen, aber nein, es ging nicht….ich erhob mich, es war mittlerweile doch etwas spät; nahm den Wohnungsschlüssel und verließ die Wohnung um circa 01:00 Uhr; spazierte etwa 200 Meter bis zu einem Lokal namens „Future Garden“ setzte mich dort in eine abgelegene Ecke und bestellte mir nach und nach einige Wodkas um mir damit den Mund auszuspülen und den Wodka dann hinunter zu trinken…..da ich das Gesicht aufgrund des Schmerzes so verzog, hielten mich die Kellnerin und ein Teil des Publikums für einen bösen Menschen, da ich so blass, das Gesicht verzogen, die Gesichtsmuskeln angespannt mit dem Schmerz kämpfte und nicht mit dem Bösen oder Guten….

Und da dachte ich einmal kurz darüber nach….ich hatte keine Wohnung, keine Zukunft, keine Vergangenheit, keine Frau, Geld für ungefähr noch eine Woche; die Wiener gingen mir nicht mehr auf die Nerven (auf welche auch?); ich hatte kein Studium, keinen Job, kein Handy, keinen Computer; keinen Besitz; ich hatte persönlich Schiffsbruch erlitten; der Alkohol- und Tabakkonsum waren auch nicht zu unterschätzen; ich hatte mehr Feinde als eine Kleinstadt Einwohner; ich war gesundheitlich (Zähne, Kopf) angeschlagen; ich hatte vor zwei, drei Tagen das Fragment „Schachmatt“ (Posting: 12.05.2007) fertiggeschrieben; es waren Menschen aus aller Welt wegen mir in die Stadt gekommen; es waren Menschen aus aller Welt wegen mir in der Stadt; ich war ausgebrannt und fertig; ich hatte keine Lust mehr, weder auf das Leben noch auf sonst irgendetwas; ich musste weiterkämpfen; man hatte schon versucht mehrmals mein Leben zu verkürzen; ich hatte keinen Gramm Neoliberalismus in meinem Körper; ich hatte ständig unsichtbare Begleitung; ich hatte keine Nerven mehr und fühlte mich trotzdem weder niedergeschlagen, denn eher ermutigt, munter, kampfbereit und obwohl alles total katastrophal in allen Bedeutungen war fühlte ich mich gut und dann dachte ich mir ich bin ein Genie und ich bin weltberühmt und niemand weiß es und alle wissen es und egal was kommen wird (mit der Ausnahme des Todes) mich würde nunmehr, nach der Niederschrift von „Schachmatt“ niemand mehr besiegen können, denn alle die gegen mich kämpfen würden, würden von vorhinein schon ruiniert sein und untergehen….egal wer….egal wie….egal mit welchen Mitteln….alle meine Gegner waren somit chancenlos geworden….unkonkret….unwichtig….

Ich stand auf und bezahlte, spazierte die 200 Meter zu der Wohnung zurück, zwängte mich nun zwar schmerzfrei bei den Zähnen, aber mit einem noch stärkere Kopfweh in das Kinderbettchen und schlief ein.

Drei Stunden später wurde ich durch einen Schmerz aufgeweckt; es war gerade 06:00 Uhr; ein Kind, der Junge der Bekannte stand mit seinen Füßen in meinem Gesicht und das andere Kind sprang auf meinem Brustkorb herum, ich schob beide beiseite, doch schon im nächsten Moment stand das eine Kind schon wieder mit einem Fuß in meinem Gesicht und dass andere auf meinem Brustkorb; ich schob beide beiseite; ging in die Küche, machte mir schnell einen Kaffee, wusch mir das Gesicht im Badezimmer, trank den Kaffee, rauchte eine Zigarette und verließ dann um 07:00 Uhr die Wohnung in die Richtung eines Kaffeehauses und es würde wieder ein harter Tag werden.

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