Sempre contro il fascismo!

dem Mitläufer, dem Oppurtunisten, der Marionette der provinziellen Wirtschaftskasperlan, dem Faschistenfreund, dem Verräter am menschlichen Ideal und somit Überläufer zur Unmenschlichkeit; dem Bürgermeister dieser Stadt ungewidmet
(welcher aus niedrigster Profitgier zum Komplizen des Faschismus wird):

….ein Auszug aus Jorge Semprún`s Buch „Die große Reise“:
(die durch das Dunkel des Vergessen getragene Zeichen eines Davongekommenen)

„Da ist diese zusammengepferchte Masse von Leibern im Wagen, dieser stechende Schmerz im rechten Knie.
Tage, Nächte. Ich raffe mich auf und versuche, die Tage und Nächte zu zählen. Vielleicht hilft mir das, mich ein wenig zurechtzufinden. Vier Tage, fünf Nächte. Aber nein, ich muss mich verzählt haben, oder es sind Tage darunter, die zu Nächten geworden sind. Mir bleiben zu viele Nächte, Nächte, die ich nicht los werde.
Es war Morgen, soviel ist sicher, ein Morgen, als diese Reise begann. Den ganzen Tag lang. Dann eine Nacht. Ich strecke meinen Daumen im Halbdunkel des Wagens aus. Den Daumen für jene Nacht. Dann der nächste Tag. Wir waren noch in Frankreich, und der Zug kam kaum voran. Manchmal hörten wir Stimmen von Eisenbahnern zwischen dem Stiefelknirschen der Wachtposten.
Vergiss diesen Tag, er war voller Verzweiflung. Die nächste Nacht. Ich strecke einen zweiten Finger im Halbdunkel aus. Der dritte Tag. Wieder eine Nacht. Drei Finger meiner linken Hand. Und der heutige Tag. Vier Tage also und drei Nächte.
Nun gehen wir der vierten Nacht entgegen, dem fünften Tag. der fünften Nacht, dem sechsten Tag. Aber ist es überhaupt noch richtig zu sagen, wir gingen? Wir sind ja unbeweglich, ineinander gekeilt, die Nacht vielmehr ist es, die über uns reglose künftige Leichen hereinbricht. …
…..
Vier bis fünf Reihen hinter uns entsteht plötzlich ein Tumult, man hört Schreie.
„Was gibt’s jetzt wieder?“ fragt der Junge aus Semur.
Die eingekeilten Leiber schwanken hin und her.
„Luft, er braucht Luft“, ruft eine Stimme hinter uns.
„Macht Platz, zum Kuckuck, bringt ihn ans Fenster“, ruft eine zweite.
Die eingekeilten Leiber schwanken, öffnen sich, und aus der Schattenmasse stoßen Schattenarme den leblosen Körper eines Greises gegen das Fenster. Der Junge aus Semur auf der einen , ich auf der anderen Seite, halten wir ihn in den Strom kalter Nachtluft, der durch die Öffnung bläst.
„Mein Gott“, sagt der Junge aus Semur, „der tut’s nicht mehr lange.“
Das Gesicht des Greises ist eine verkrampfte Maske mit leeren Augen. Sein Mund starrt schmerzverzerrt.
„Was tun wir jetzt?“ frage ich.
Der Junge aus Semur blickt auf das Gesicht des Alten und antwortet nicht. Plötzlich krampft sich der Körper des Alten zusammen. Seine Augen füllen sich mit Leben und starren in die Nacht vor ihm.
„Stellt euch das vor!“ sagt er mit leiser, aber deutlicher Stimme. Dann bricht sein Blick, und sein Körper fällt uns kraftlos in die Arme.
„He, Alter“, sagt der Junge aus Semur, „noch nicht schlappmachen!“
Aber ich glaube, er hat für immer schlappgemacht.
„Muß was mit dem Herzen sein“, sagt der Junge aus Semur.
Als sei es beruhigend zu wissen, woran der Alte gestorben ist. Denn daß er tot ist, daran gibt es keinen Zweifel. Er hat noch die Augen aufgeschlagen und gesagt: „Stellt euch das vor“, und dann war er tot. In unseren Armen hängt nur noch ein Leichnam vor dem Strom kalter Nachtluft, der durch die Öffnung bläst.
„Er ist tot“, sage ich zu dem Jungen aus Semur.
Er weiß es ebenso gut wie ich, aber er gibt noch nicht auf.
„Muß was mit dem Herzen sein“, wiederholt er.
Ein alter Mann hat es mit dem Herzen, das kommt vor. Wir aber, wir sind zwanzig Jahre alt und haben es nicht mit dem Herzen. Das will er sagen, der Junge aus Semur. Er ordnet den Tod dieses Alten den unvorhergesehenen, aber durchaus logischen Unfällen zu, die bei alten Leuten nun mal vorkommen.

….ein Auszug aus Elie Wiesel`s Buch „Die Nacht zu begraben….“

Wo ist Gott?

Die SS schien besorgter, beunruhigter als gewöhnlich.
Ein Kind vor Tausenden von Zuschauern zu hängen, war keine Kleinigkeit.
Der Lagerchef verlas das Urteil.
Alle Augen waren auf das Kind gerichtet.
Es war aschfahl, aber fast ruhig und biss sich auf die Lippen.
Der Schatten des Galgen bedeckte es ganz.
Diesmal weigerte sich der Lagerkapo, als Henker zu dienen.
Drei SS-Männer traten an seine Stelle.
Die drei Verurteilten stiegen zusammen auf ihre Stühle.
Drei Hälse wurden zu gleicher Zeit in die Schlingen eingeführt.
„Es lebe die Freiheit!“ riefen die beiden Erwachsenen.
Das Kind schwieg.
„Wo ist Gott, wo ist er?“ fragte jemand hinter mir.
Auf ein Zeichen des Lagerchefs kippten die Stühle um.
Absolutes Schweigen herrschte im ganzen Lager.
Am Horizont ging die Sonne unter.
„Mützen ab!“ brüllte der Lagerchef.
Seine Stimme klang heiser.
Wir weinten.
„Mützen auf!“
Dann begann der Vorbeimarsch.
Die beiden Erwachsenen lebten nicht mehr.
Ihre geschwollenen Zungen hingen bläulich heraus.
Aber der dritte Strick hing nicht reglos: der leichte Knabe lebte noch …
Mehr als eine halbe Stunde hing er so und kämpfte vor unseren Augen zwischen Leben und Sterben seinen Todeskampf.
Und wir mussten ihm ins Gesicht sehen.
Er lebte noch, als ich an ihm vorüberschritt, seine Zunge war rot, seine Augen noch nicht erloschen.
Hinter mir hörte ich denselben Mann fragen: „Wo ist Gott?“
Und ich hörte eine Stimme in mir antworten: „Wo ist er? Dort – dort hängt er am Galgen …“

An diesem Abend schmeckte die Suppe nach Leichnam.

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