Augusto Boal (1931-2.Mai 2009)

Wieviel Spott, Hass
und Gelächter
musste er
von
den Admirälen der alten Ordnung,
dem Geldadel der subtilen Repression,
den Generälen des Kapital
und den Handwerkern der Folter,
als sie an ihm ihr Tagessoll erbrachten;
ernten;
ihm,
der die Menschen inspirierte,
aufklärte,
das Alphabet, das EinMalEins,
das Lesen, das Schreiben,
das Leben;
ja lächerlich, bemitleidenswert,
krank und verrückt
muss so einer wohl sein;
denn wer braucht, tut, hat oder möchte
so etwas
einer Menschenwelt,
in welcher doch nur
die Panzer der alten Ordnung,
die Kanonen des Kapital,
die MG´s des Geldadel
und die Pistolen der Skrupellosen
einzig allein
zu zählen scheinen.

Wieviel Glückstränen, Momente
und Freude
konnte er
in diese ausgemergelte Armut,
diesem verzweifelten Soll und Haben der Habenichtse,
in diese Gefängnisse der Hoffnungslosigkeit
hinein säen;
und ja,
unleugbar ist die Tatsache,
dass dies der Menschenwelt nichts zählt,
denn dass was zählt ist profitabel,
wirft Rendite und nicht Schatten;
konsumiert, produziert,
lässt sich bereitwillig zähmen,
denn wer zählt
sind
die Regisseure des Todes,
die Schergen der Macht,
die Großgrundbesitzer
und die Alternative
Schläge, Bestialisches,
Hunger im Verlies;
aber dann doch
was zählt,
nicht am Anfang, der Mitte, dem Ende,
denn nicht das Geld,
die militärische Option,
die Subtilität der Unterdrückungsmechanismen,
die Akkumulation des Kapital,
was zählt;
vor dem Anfang,
nach dem Ende
und zwischen der Mitte,
dass sind Menschen wie Augusto Boal

Ich begleitete ihn ein paar Tage, er probte gerade mit Straßenkindern ein Stück über Todesschwadronen, allein in jenen Wochen wurden 320 Kinder von Polizisten getötet, sie wurden bezahlt von Geschäftsleuten, die wiederum von Politikern gedeckt wurden, ein einziger Sumpf, 4611 tote Kinder in zwei Jahren. Das Stück hieß „Herodes ist nicht gestorben. Er lebt in Brasilien“. Bei den Proben fand Boal heraus, dass die Kinder ihre Mörder meist vorher schon kannten, sie mit wüsten Spitznamen benannten.

Das letzte Bild, das ich von ihm vor Augen habe: Er steht wieder auf dem Theatertreffen-Platz und berichtet, dass die Kinder aus seinem Herodes-Stück in der Nacht vor der Candelaria-Kirche im Schlaf erschossen wurden. Diesmal konnte er seinen großen Hände nicht mehr bewegen, er saß nur auf einer der Treppenstufen zur Bühne und schwieg, ohne Pathos.

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