Schönes Land, böse Leute

Vorwort:
….einstecken….und austeilen….
….ich schreibe den Text in der 1.Fassung, ohne diesen zu überarbeiten; es ist also eine rudimentäre Sprache….eine provinzielle Sprache….
….ich benutze aus Zeit- und Arbeitsgründen Kürzel und schreibe die Namen nicht voll aus….
Disclaimer:
The Events, Characters And Firms Depicted In This Fragment Are Fictitious; Any Similarity To Actual Persons; Living Or Dead; Or To Actual Firms; Is Purely Coincidental.

1.Szene Im Redaktionsraum

Personen:
Der Chefredakteur (C.)
Die Assistentin (A.)
Redakteur 1 (R1) Stellvertreter des Chefredakteur
Redakteur 2 (R2)
Redakteur 3 (R3) Leiter der Kulturredaktion
Der Star Reporter (S.)
Redakteur 4 (R4)
Redakteur 5 (R5) ….zuständig für die Konkurrenz….
Redakteur 6 (R6)
Redakteur 7 (G.) der italienische Redakteur
Praktikant 1 (P1)
Praktikant 2 (P2)

Im Redaktionsraum einer provinziellen Zeitung haben sich um einen großen Konferenztisch einige Redakteure versammelt und gehen, während diese auf den Chefredakteur warten, verschiedenlichsten Aktivitäten, nach.
Nach kurzer Zeit betretet der Chefredakteur in Begleitung einer überaus hübschen Assistentin den Redaktionsraum.

C.(zu der Assistentin sprechend): Was zählt und als einziges zählt und nur; dass sind die Mäuse; schließlich sind wir ein provinzielles Käseblatt und müssen unseren vermodernden Käse als das frischeste Produkt an diese Heerschar von Mäusen verkaufen
A.(in einen Notizblock schreibend): Ja Chef, ich habe es notiert….Mäuse und Menschen….
C.: Nicht Mäuse und Menschen….Käse und Mäuse
A.: Käse und Mäuse Chef
C.: Schließlich sind wir und damit meine ich mich, die einzige Zeitung auf der gesamten Welt….folgen sie mir?
A(in einen Notizblock schreibend):….auf der gesamten Welt….
C.: ….welche sich die größte und wichtigste Partei einer Provinz wie ein Schoßhündchen hält
A.(in einen Notizblock schreibend): Eine Partei, ein Käse, eine Maus….
C.: Lagsam beginnen sie mich zu verstehen….wie war ihr Name nocheinmal Fräulein?
A.: Ich heiße Agatha Devote
C.: Und ihr Familienname ist wirklich „Devote“?
A.: Ja, warum?
C.: Sehr schöner Familienname
Der Chefredakteur tretet an den Konferenztisch heran, räuspert sich und die Gespräche verstummen.
Die anwesenden Redakteure wenden ihre Aufmerksamkeit dem Chefredakteur hinzu.
C.: Guten Morgen Schlafmützen!
Die Redakteure: Guten Morgen Chef!
C.: Aufwachen!
Der Chefredakteur und seine Assistentin setzen sich an das Ende des Konferenztisches.
C.: Also sehr verehrte Redaktionskollegen….irgendwelche privaten Bonmots?
R1: Die Tochter einer Freundin ist gestern zum dritten Mal bei der Volksschulprüfung durchgefallen
Ein verhaltenes Gelächter ist aus den Reihen der Redakteure zu vernehmen.
C.: Und was möchte diese Tochter einer Freundin später einmal werden?
R.: Dass ist es ja….nachdem sie zum dritten Mal bei der Volksschulprüfung durchgefallen ist, tätigte sie die Aussage….jetzt werde ich Chefredakteurin
Der Chefredakteur räuspert sich und blickt dann zum Oberboden des Redaktionsraum hinauf.
C.: Wohin man auch blickt, was man auch hört….man hört nichts Gutes….man erblickt nichts Schönes….
R1: Chef?
C.: Es ist ein Jammertal….das Leben….
R1: Chef!
C.: Redakteur 1
R1: Die Kleine fragte mich, ob sie nicht für einen Tag Chefredakteurin sein könnte?
Ein verhaltenes Gelächter ist aus den Reihen der Redakteure zu vernehmen.
C.: An meiner Stelle?
R1: An ihrer Stelle
C.: Sagen sie dem Mädchen, wenn es ihr gelingen sollte, auch ein viertes Mal bei der Volksschulprüfung durchzufallen, dann kann sie einen Tag lang, meinen Platz einnehmen
R1: Dass wird sie mit Sicherheit motivieren
C.: Dann ist gut
R5: Viel zu gut
C.: Ich finde eure unerträgliche Arroganz sehr inspirierend
R3: Dass war noch gar nichts
C.: Sie leiten doch das Kulturressort….Redakteur 3?
R3: Ja Chef
C.: Wieviele Frauen haben sie dieses Monat schon….sie wissen schon….
R3 (sich umblickend): Wer….ich?
C.: Sie leiten doch die Kultur
R3: Der wievielte des Monats ist heute?
C.: Heute ist der….der….Devote Aghata?
A.: Heute ist der….der….
R2: Der 7.te des Monats
R4: Nein, der 6.te des Monats
R6: Der 8.te des Monats
R5: Der 5.te des Monats
C.: Also hat keiner in diesen illustren Runde auch nur die geringste Ahnung der wievielte des Monats heute ist?
A.: Der 8.te des Monats
C.: Wo ist unser Star Reporter?
Der Star Reporter hebt seine Hand und räuspert sich.
C.: Da ist er ja….unser Star Reporter
S.: Chef?
C.: Ich habe einen Auftrag für sie
S.: Für wenn denn auch sonst?
C.: Ich möchte, dass sie in die Innenstadt gehen und sich umhören….finden sie heraus, welcher Tag des Monats heute ist
S.: Dass ist alles?
C.: Benutzen sie ihren Verstand
S.: Den was soll ich benutzen?
C.: Machen sie sich an die Arbeit Star Reporter
Der Star Reporter erhebt sich von seinem Sitzplatz am Konferenztisch und geht mühseligen Schrittes zur Ausgangstür des Konferenzraum.
C.: Einen Moment noch Star Reporter!
Der Star Reporter wendet sich dem Chefredakteur hinzu.
C.: Wenn sie schon nach den Monatstag fragen….so fragen sie doch bitte auch nach dem Monat und dem Jahr….recherchieren sie dass für uns….
S.: Ist dass dann alles Chef?
C.: So ist es Star Reporter
Der Star Reporter verlässt mit hängendem Kopf die Redaktion.
C.: Also….wo waren wir stehengeblieben Agatha „Devote“?
A(auf ihren Notizblock blickend): Bei….bei….bei der Kultur
C.: Ahja….die Kultur….also Redakteur 3….wieviele?
R3: Zwischen 4 und 5 Frauen
C.: Zwischen 4 und 5 Frauen?
R3: Eine war zickig
C.: Aber sie haben
R3: Ja Chef….trotzdem…..trotzdem Chef
C.: Redakteur 3….so strengen sie sich doch gefälligst etwas mehr an….und langeweilen sie mich nicht mit einer Zicke….sie sind immerhin der Leiter des Kulturressorts und somit allmächtig….wie war dass mit der Zicke?
R3: Kurzweilig
C.: Sehr, sehr gut R3….nur so oberflächlich, frauenverachtend, materialistisch, snobistisch und arrogant weitermachen….dass ist die Kultur die wir hier in der Provinz brauchen….machen sie nur so weiter, dann werden sie noch unser….unser….Agatha Devote?
A(vom Notizblock aufblickend): Unser….unser Frauenflüsterer?
C.: Genau….Flüsterer….Frau….Niedertracht….was wäre dass nur für eine Schlagzeile….der Frauenflüsterer
Verträumt blickt der Chefredakteur zum Oberboden des Konferenzraum hinauf.
C.: Was man auch erlebt….was man auch erkennt….man erlebt und erkennt trotzdem nichts….
A.: Chef?
C.: Nicht jetzt
Der Chefredakteur blickt weiterhin verträumt zum Oberboden des Konferenzraum hinauf.
Unter den anwesenden Redakteuren bricht ein unterdrücktes Gemurmel los.
A.(leise flüsternd): Chef?
C.: Devote Agatha?
A.: Die Sitzung
C:(von seiner Verträumtheit sich lösend): Ach ja….die Sitzung….wir sind hier ja nicht beim Springer-Verlag und können nicht den gesamten Tag Frauen vom Typus Katherina Blum….nun ja….ihr wisst schon was….also was liegt an?
A.(flüsternd): Die Konkurrenz
C.: Welche Konkurrenz?
A.: Die zwei anderen Provinz-Zeitungen
C.: Wollen sie mich beleidigen?
A.: Nein Chef
C.: Warum tun sie es dann?
A.: Ich….ich….entschuldigen sie Chef
C.(verträumt): Devot….Devote….Devoten….
A.: Wie bitte Chef?
C.: Es gibt in der Provinz nur uns
A.: Ja Chef
C.: Also….Redakteur 5….
R5: Chef?
C.: Was schreibt die Konkurrenz, die keiner kennt und niemand liest?
R5(sich räuspernd): Chef….die eine Zeitung hat als morgigen Leitartikel diese Geschichte mit dem umgestürzten Pappbecher im Dorf Y.
C (R5 unterbrechend): Und warum haben wir….(schreiend)….warum haben wir nicht diese Geschichte als Exklusivgeschichte!
R5: Es handelt sich um einen Pappbecher Chef….also….
C.: Nun sagen sie schon Redakteur 5
R5: Der Pappbecher wollte nur mit der Konkurrenz sprechen
C.: Achja….der Pappbecher wollte also nur mit der Konkurrenz sprechen, die keiner kennt und niemand liest….
R5: Ja Chef
C.: Devote Agatha….notieren sie….in Zukunft werden alle….unterstreichen sie alle….also alle Pappbecher von unserer Berichterstattung ausgeklammert, ausgegrenzt und ignoriert….mit Verachtung und Missachtung bestraft….kein Wort, keine Zeile, kein gar nichts mehr über diese Pappbecher….
R5: So wie wir mit den provinziellen Arbeitnehmern verfahren sind
C.: Agatha….notieren sie….so wie wir mit den provinziellen Arbeitssklaven umgesprungen sind
A.(notierend): Wie mit den Arbeitsnehmern
C.: Devote Agatha?
A.: Ja Chef
C.: Gebrauchen sie in meiner Nähe nie wieder dieses Schimpfwort….dieses Unwort namens Arbeitnehmer
A.: Ja Chef
C.: Diese Arbeitnehmer haben und waren und werden in einer Qualitätszeitung wie der unsrigen nichts zu suchen
A.: Was soll ich suchen Chef?
C.: Ihren Verstand….ihren Verstand Devote Agatha!
A.: Welchen Verstand?
C.: Sagen sie in Zukunft nur noch Arbeitssklaven….in unserer modernen Dienstleistungsgesellschaft sollte man sich doch ein Wort wie Arbeitssklave leisten können
A.: Sie haben wie immer Recht Chef
C.: Und die andere Zeitung, welche keiner kennt und niemand liest Redakteur 5?
R5: Die andere Zeitung hat morgen als Leitartikel einen Artikel über den Verein „Zur Pflege und Erhaltung der Denkmäler“
C.: Der Verein „Zur Pflege und Erhaltung der Denkmäler“?
R5: So heißt der Verein
C.: Mitglieder?
R5: Pensionisten
C.: Devote Agatha….notieren sie….keine Artikel, keine Zeile, keinen Absatz, keinen Buchstaben mehr über die Pensionisten….
R5(den Chefredakteur unterbrechend): Chef?
C.: Redakteur 5
R5: Der Verein hat nur 4 Mitglieder
C.: Streichen sie den letzten Satz Devote Agatha….dieser Denkmalpflegerverein….
R5: Schließlich muss hier in der Provinz der Sorge Rechnung getragen werden, dass es einigen Steinen besser geht, als den Menschen
C.: Sehr guter Ansatz Redakteur 5
R5: Schließlich geht es immerhin um noble Steine und nicht um dreckige Menschen
C.: Redakteur 6?
R6: Chef?
C.: Schreiben sie doch einen kurzen Artikel über diesen ominösen Verein….das Übliche….wer, wo, was, wie, warum, wann….mit einer deftigen Prise Ignoranz und Überheblichkeit gewürzt
R6: Etwas Chilli für die Pensionisten
C.: Redakteur 6
R6: Ja Chef
C.: Spielen sie eigentlich in diesem Sportverein, welcher Millionen an Landesgeldern jedes Jahr verschlingt, noch mit?
R6: Die des Kapitän Chef
C.: Und der Frau und den Kindern?
R6: Den Kindern geht es gut
C.: Und der Frau?
R6: Ist schon wieder im Krankenhaus
C.: Bei den ProvinzNaziÄrzten?
R6: Ja Chef
C.: Und warum?
R6: Ich habe sie wiedereinmal verprügelt
C.: Weswegen?
R6: Ich war schlecht gelaunt
C.: Guter Grund….aber bei den ProvinzNaziÄrzten?
R6: Vielleicht gelingt es den ProvinzNaziÄrzten meine Frau diesmal zu heilen
C.: Von was zu heilen?
R6: Es kann doch nicht sein, dass ich meine Frau jede Woche verprügeln muss….meine Frau muss sich ihre Schuld eingestehen und die Prügel als wesentlichen Bestandteil unserer Ehe akzeptieren….
C.: Und die Behörden?
R6: Die Behörden….dass ist ein Problem von meiner Frau und nicht ein Problem, welches die Behörden auch nur im Geringsten bekümmern sollte
C.: Die Behörden….nunja….im Glashaus sitzend, sollten sie nicht mit Steinen werfen….
R6: Außerdem bin ich der Kapitän
C.: Keine Angst, dass die Konkurrenz, die keiner kennt und niemand liest einen Artikel darüber veröffentlichen könnten….als Kapitän der Mannschaft sind sie schließlich an einer exponierten Stelle der Gesellschaft tätig
R6: Dass sind Verrückte….keine Selbstmörder
C.: Sehr gut Redakteur 6….weiterprügeln….war es dass dann Redakeur 5?
R5: Da wäre noch ein Artikel in einer deutschen Zeitung….über sie Chef
C.: Eine Lobhuldigung….oder?
R5: So ist es Chef
C.: Und was schreiben die deutschen Waffenbrüder?
R5: Ich zitiere….das Genie dieses Zeitungsmacher ist im deutschsprachigen Raum beispiellos und sollte allen angehenden Journalisten als leuchtendes Beispiel dienen….seine Blattführung wirkt auf das altbackende deutsche Zeitungswesen wie eine Revolution….bedingungslose Hingabe an das Großkapital, billigster Populismus für das Volk, Indoktrination und Manipulation der Massen; Ablenkung….
C. (R5 unterbrechend): Sehr schön Redakteur 5….lesen sie weiter
R5: ….durch seinen unermüdlichen Einsatz für das Gegenteil von Pluralität wurde er zu einem verdienten Verfechter einer Pressefreiheit, welche ihre Betonung auf Presse und das Wort Freiheit gänzlich vermissen läßt….so sorgte er unter anderem dafür, dass es in der Provinz eine blühende Medienvielfalt und eine besonders große Meinungsfreiheit wie ansonsten wohl niergendwo auf dieser Welt vorzufinden ist….
Die anwesenden Redakteure erheben sich spontan von ihren Sitzplätzen und applaudieren ihrem Chefredakteur.
C.: Danke….danke werte Kollegen
R6: Der Artikel wurde von 5 deutschen Chefredakteuren unterzeichnet
C.: Devote Agatha?
A.: Chef?
C.: Notieren sie….den Frauen der 5 Chefredakteure….einer jeden ein Blumenmeer und jeweils einen Gutschein….ach was sage ich….zwei Gutscheine für jeweils eine Woche im Luxus-Wellness-Hotel hier in der Provinz
A.(in den Notizblock schreibend): ….im Luxus-Wellness Hotel hier in der Provinz Chef….
C.: Also nun gut….die Konkurrenz hat angesichts unserer Übermacht wieder einmal keine Themen für ihre morgige Ausgabe….die haben nämlich wir; also ich….und nun möchte ich ihre Vorschläge für die morgige Ausgabe unserer Zeitung erfahren
R1: Chef?
C.: Redakteur 1?
R1: Es gebe da noch etwas zu besprechen
C.: Was R1?
R1: Ich bin vergangenes Monat 3x mal nach New York geflogen und die Buchhaltung weigert sich, die angefallenen Spesen von nur 50.000 Euro als Aufwandtsentschädigung zu verbuchen
C.: Was haben sie denn in New York gemacht?
R1: Recherchiert
C.: Und was haben sie recherchiert Redakteur 1?
R1: Über einige Schuhe für meine Frau….über einige Spielsachen für meine Kinder…..über die Appartmentsmieten für meine Freunde….über einige Schmuckstücke für meine eine Freundin….über einige neue Kosmetikaprodukte für meine andere Freundin….über….
C.(R1 unterbrechend): Wissen sie was R1?
R1: Nein
C.: Ihre unerträgliche Arroganz inspiriert mich
R1: Danke Chef
C.: Ich werde mit der Buchhaltung sprechen und diese Pedanten zurechtweisen….Devote Agatha, erinnern sie mich morgen vormittag daran….
A.(in den Notizblock schreibend): Schon notiert Chef
R1: Wissen sie Chef….es ist doch solchermaßen, dass diese unerträgliche Arroganz uns erst zu etwas wirklich Besonderen macht, uns von den durchschnittlichen Menschen unterscheidet….wir, die Journalisten….die Universitätsprofessoren, die ProvinzNaziÄrzte, die Diplomaten, die Mächtigen, die Reichen….die jungen, wunderschönen Frauen….es geht doch zuallerst darum sich all diesen Nächsten überlegen zu fühlen….besser zu sein….was für ein Gefühl ist es doch den Nächsten spüren zu lassen, dass er bzw. sie vor unsereins zu kriechen und zu kuschen hat….zu unsereins devot….entschuldigen sie meine Wortwahl Agatha….also devot zu unsereins aufzublicken….beobachten sie doch all die Frauen….ist der Materialismus eine Religion….ich habe bisher noch keine Frau kennengelernt, welche sich dieser unerträglichen Arroganz entziehen konnte….sie werden davon wie magisch angezogen….oder Redakteur 3?
R3: Auf so eine Frage antworte ich nicht
R1: Bis zuletzt den Snob heraushängen lassen….sehr erfolgreich wie wir wissen Redakteur 3….aber was ich sagen wollte….es ist doch eine Gnade des Lebens, dass sich diese wunderschönen Geschöpfe mit uns abgeben dürfen
R3: Ja, eine Gnade ist wohl als Wort noch untertrieben
C.: Redakteur 1!
R1: Chef?
C.: Wenn sie sich weiterhin so erfolgreich äußern, dann werde ich sie noch befördern
R1: Noch mehr Luxus?
C.: Ja
R1: Eine Beförderung wäre doch schon längst überfällig
C.: Nur weiter so Redakteur 1
R1: Eigentlich sollte ich dieses Unternehmen leiten
C.: Redakteur 1?
R1: Und ein paar Hübsche einstellen
C.: Redakteur 1!
R1: Ein paar Hübsche für die Politiker
C.: Redakteur 1!!
R1: Die Niedertracht so richtig breittreten
C.: Redakteur 1!!
R1: Dann würde ich mit diesen Arbeitnehmern mal so richtig aufräumen
C.: Es reicht Redakteur 1!
R1: Sie sind der Chef….noch….
C.: Also….der Leitartikel und die Themen der morgigen Ausgabe und ich möchte dem anmerken…..es muss in diesem Leitartikel, in diesen Themen unsere unerträgliche Arroganz durchscheinen….also der Blattlinie folgen….
R3: Ich hätte da eine Idee
C.: Raus mit der Sprache!
R3: Aus dem Raum?
C.: Welche Redakteur 3?
R3: Kann sich jemand der hier Anwesenden an diese eine Geschichte erinnern, als vor ungefähr einem halben Jahr in diesem einem Kinderheim ein Feuer ausgebrochen war und dabei ein Kind qualvoll ums Leben gekommen ist?
Die Redakteure verneinen.
C.: Und dass ist hier in der Provinz passiert Redakteur 3?
R3: Ja Chef
C.: Und wir haben darüber berichtet?
R3: Ja, es gab ein, zwei Artikel in unserer Qualitätszeitung….danach wurde der Mantel des Schweigens über diesen bedauerlichen Unglücksfall gelegt; schließlich handelte es sich bei diesem Kind, dass sein Leben auf so tragische Weise verloren hatte, um ein Kind aus der Unterschicht und nicht um ein fettes, reiches, träges, selbstzufriedenes und arrogantes Kind aus der Oberschicht….
Der Chefredakteur atmet erleichtert aus.
R4: Im zweiten Fall hätte es dann wohl eine stündliche Sonderausgabe gegeben….
R3: Und wie dass in der Provinz so üblich ist, war und ist natürlich niemand verantwortlich….außer vielleicht das Opfer….
C.: Also ich kann mich an diesen konkreten Fall, welchen sie Redakteur 3 hier anführen, nicht erinnern….jemand von ihnen?
Die Redakteure verneinen.
R3: Meine Idee ist nun jene, dass die Zeitung einen dreiseitigen Artikel über den verantwortlichen Chef dieses Kinderheim bringt….einen Artikel in welchem beschrieben wird, wie erfolgreich, wie gut, wie aufopferungsvoll jener Chef dieses Kinderheim leitet
C.: Interessant
R3: Im Artikel wird natürlich mit keinem Wort dieser Unglücksfall erwähnt werden
C.: Welchen sowieso schon alle vergessen haben
R2: Und als allererstes haben diesen Fall die reichen, fetten, trägen und selbstzufriedenen Kinder aus der Oberschicht vergessen….
R3: So ist es Redakteur 2….aber es geht noch besser….dadurch dass wir den Chef jenes Kinderheimes zu einem Vorbild machen, können wir unsere Vernetzung, Einbindung und Einflußmöglichkeiten auf und im provinziellen Netzwerk zwischen Politikern, Behörden, Wirtschaft und Medien, also uns, ausbauen und stärken
C.: Wie dass?
R3: Der Chef des Kinderheim ist mit einer der höchsten provinziellen Behördenvertreterinnen verheiratet
C.: Nein?
R3: Doch!
C.: Noch so eine Beamtin, die berufliches und privates nicht voneinander trennen kann?
R3: Welcher provinzielle Behördenvertreter kann dass schon….und somit wird es nicht nur keine Kritik geben, denn es wird sichergestellt, dass alles nach dem üblichen Muster der provinziellen Reichen und Mächtigen abläuft….diesem Netzwerk zur Vertuschung, Unterdrückung und Irreführung des Volkes
C.: Als ob die Volksanwältin sprechen würde
R3: Dass ist jetzt aber zuviel der Ehre
C.: An ihrer Indifferenz, ihrem herablassenden Tonfall, dem von oben hinunterblicken, müssen sie in dieser Hinsicht wohl noch etwas arbeiten
R3: Damit ich vielleicht irgendwann die Niedertracht und die Verkommenheit der Volksanwältin erreiche?
C.: Es liegt noch viel Arbeit vor ihnen Redakteur 3
R3: Also wenn wir diese hohe Behördenvertreterin, so wie all ihrer Kollegen, welche uns schon zuarbeiten, auf unsere Seite ziehen, als inoffizielle Quelle gewinnen; als IM; also so ähnlich wie es bereits in der Staatsanwaltschaft geschehen ist und uns diese heikle, geheime und gemeine, private Schmutzgeschichten; Internas; Akten von uns ungenehmen Personen zuspielen….dass wäre doch….dass wäre doch….
R1: Illegal?
R2: Verrat von Amtsgeheimnissen?
R6: Ein Straftatbestand?
R5: Für die Behörden kontraproduktiv?
R4: Korruption?
R1: Ein Gefälligkeitenaustausch?
C.: Ach wo….Redakteur 3….dass wäre fantastisch….wir können uns doch alles erlauben, schließlich sind wir weltweit die einzige Zeitung, welche sich eine Partei wie ein Schoßhündchen hält!
R6: Sie sind der Chef Chef
R3: Und Chef der Chefs….wenn ich an die Blattlinie unserer Zeitung denke….dass von der unerträglichen Arroganz, dann könnten wir doch dem Artikel ein schönes Foto beifügen, auf welchem sie, der Chefredakteur; ich, als verantwortlicher Redakteur und der Chef des Kinderheim vor dem Grab des Kindes in die Kamera lächeln….um unsere unerträgliche Arroganz wahrlich unerträglich werden zu lassen….Chef?
C.(auf den Oberboden blickend): Ich überlege….
Der Chefredakteur blickt verträumt zum Oberboden des Redaktionsraum hinauf.
C.(verträumt): Was man auch tut, was man auch möchte….man tut das Falsche….man erreicht nichts….
R3: Chef?
C.(verträumt): Das Leben ist ein Jammertal
R3: Chef!
C.: Jubel, Trubel, Traurigkeit
A.: Chef!
C.: Agatha Devote?
A.: Die Sitzung Chef!
C(von seiner Verträumtheit sich lösend): Redakteur 3?
R3: Niemand wird irgendwelche Verbindung herstellen können
C.: Dass weiß ich doch Redakteur 3….was gestern in der Zeitung zu lesen war, ist bereits gestern vergessen worden….
R3: Ich habe mich auch schon umgehört….einige Schuldirektoren würden beim Erscheinen des Artikel ihre wichtige Arbeit für einige Tage ruhe lassen….
R2: Aus Protest?
R3: Aus Solidarität mit dem Chef des Kinderheim und um damit erstens zu zeigen, wie wertlos ihnen das Leben eines Kindes ist und um zweitens zu zeigen, dass sie die Guten sind
R1: Die Guten?
R3: Ja, die Guten
R4: Gegen diese Guten, sind die Bösen ja beinahe heilig
C.: Redakteur 3….eigentlich….eigentlich….
R3: Ja Chef?
C.: Eigentlich finde ich ihre Idee prima
Ein unterdrücktes Gemurmel unter den Redakteuren.
C.: Denn dass wäre dann, so wie sie Redakteur 3 bereits gesagt haben, eine wahrlich unerträgliche Arroganz
R2: Fast schon auf dem Niveau einiger Provinzpolitiker
C.: Also, dann machen wir, also ich….
R4(den Chef unterbrechend): Aber….aber dass können wir doch nicht machen!
C.: Redakteur 3?
R3: Chef?
C.: Belehren sie Redakteur 4!
R3: Erstens Redakteur 4….erstens….niemand, nicht einmal Gott, widerspricht dem Chefredakteur….zweitens….unsere Blattlinie ist nunmal die unerträgliche Arroganz….drittens….das Foto wird unsere Leserschaft gefallen, den in diesem spiegelt sich ja doch nur das Denken und Fühlen der Menschen in der Provinz wieder
R4: Aber….aber, dass ist doch inhuman!
C.: Inhuman?
R4: Ja….inhuman
C.(verbal explodierend): Inhuman….Inhuman!!….Inhuman ist, dass die Auflage seit 3 Monaten auf allerhöchstem Niveau stagniert….inhuman ist, dass meine Frau ihre Diamanten-Ohrringe verloren hat….inhuman ist, dass der von mir gekaufte und somit in meinem Besitz sich befindliche Wirtschaftsbund und deren Mitglieder mich immer noch nicht zu ihrem Präsidenten gewählt haben….irgendetwas von einem Interessenkonflikt schwafeln….hier in der Provinz gibt es nur mein Interesse und keine Konflikte…..dass Redakteur 4….dass ist inhuman!
R3: Wahrlich inhuman Chef
C.(sich wieder beruhigend): Was für eine ungerechte Welt auch
R3: Also, dann scheint ja hinsichtlich dieser Geschichte alles geklärt zu sein?
C: Redakteur 3, schreiben sie den Artikel, setzen sie sich mit dem Fotografen zusammen und überlegen sie wie man dieses Bild machen könnte…..Agatha Devote?
A(Notizen schreibend): Ja Chef?
C.: Halten sie mir am Nachmittag eine Stunde für diesen Fototermin frei
A.(Notizen schreibend): Chef?
C.: Meine Zeit ist nämlich eine sehr knappe Resource
A.(Notizen schreibend): Chef….ich halte ihnen den Rücken frei!
Der Chefredakteur dreht sich um und blickt um sich….und dreht sich dann wieder dem Konferenztisch hinzu.
C.: Und sie Redakteur 4….das Zeitungsgeschäft ist ein knallhartes Business, in welchem nicht die Delfine, nicht die Wale, nicht die Krebse, nicht die Algen, nicht die Muscheln, ja nicht einmal das Wasser überlebt; denn nur die blutrünstigsten Haie….und sie Redakteur 4….sind sie ein Hai?
R4: Ein Hai?
C.: Wir brauchen hier nur richtige Männer und keine Babystrampel Umweltschutz Kindermemmen, die bei der erstbesten Möglichkeit, dem geringsten aller Anlässe zu flennen beginnen und nach dem Schnuller und er Babyflasche zu schreien beginnen
R4: Ich bin ein Hai Chef!
C.: Bei ihnen handelt es sich wohl um einen vegetarischen Hai?
R4: Wie sie wünschen Chef….ich bin ein vegetarischer Hai!
C.: Also gut Redakteur 4….reißen sie sich gefälligst etwas zusammen!
R4: Dass werde ich Chef….das werde ich Chef
C.: Nachdem dass geklärt ist, möchte ich, dass nicht nur Redakteur 3 meine unterträgliche Arroganz inspiriert….denn auch ihr….ihr Vorschlag Redakteur 4?
R4: Mein….mein Vorschlag?
C.: Wird dass heute noch was?
R4: Mein….mein Vorschlag ist folgender….drei Portraits von den drei Spitzenkandidatinnen der Arbeitnehmer bei den nächsten Provinzwahlen
C.(R4 unterbrechend): Arbeitssklaven!
R4: Ja Chef….entschuldigen sie….der drei Spitzenkandidatinnen der Partei für die Belange der Arbeitssklaven….der Tochter des größten Bauunternehmers; der Tochter des Fabrikbesitzers und der Tochter des Hedge-Fond-Patent-Inhaber….und in diesen 3 Portraits beschreiben wir, wie entbehrungsreich, wie schwierig, wie kämpferisch, wie aufopferungsvoll deren Weg von der obersten sozialen Klasse hin zur Spitzenkandidatur auf Seiten der Arbeit….Arbeit….Arbeitssklaven war
C.: Redakteur 4?
R4: Chef?
C.: Was habe ich zuvor gesagt?
R3: Dass das Leben ein Jammertal ist?
C.(schreiend): Wir sind hier nicht bei der Prawda….sehen sie in diesem Raum irgendwelche Genossen….irgendwelche kommunistischen Funktionäre…..rote Revolutionäre….Geschichtsrevisionisten?
R4(sich umblickend): Nein Chef
C.: Dann benutzen sie gefälligst nicht diese Unwort namens Arbeits….Arbeits….Arbeits
A.: ….nehmer Chef?
C.: Devote Agatha?
A.: Ja Chef?
C.: Züngeln sie ihre Zunge
Der Chefredakteur blickt verträumt zum Oberboden des Redaktionraum hinauf.
C.: Was man auch lernt….was man auch verlernt….man lernt wohl nie aus
A.: Chef…die Arbeitssklaven!
C.: Es ist eine Tragödie, verkleidet als Komödie….das Leben
A.: Chef….die Sitzung!
C.: Redakteur 4
R4: Chef
C.: Dass mit den Spitzenkandidatinnen der Arbeitssklaven ist doch eine alte Kamelle
R4: Aber es würde funktionieren
C.: Kann ich was für diese Wähler?
R4: Vielleicht verstehen die Arbeitssklaven dann irgendwann, dass diese überhaupt keinen gesellschaftlichen Stellenwert, dass diese überhaupt nichts zu melden haben
C.: Ihre Idee trägt den Keim einer unterträglichen Arroganz in sich….ich brauche aber keinen Keim, denn einen ausgewachsenen, in der Blüte seiner Niedertracht stehenden, Baum der Arroganz und Überheblichkeit!
R4: Sie haben wie immer vollkommen recht Chef!
C.: Also dann…weitere Vorschläge?
R1: Ein Kreuzworträtsel, dass man nicht lösen kann?
C.: Interessant….Devote Agatha…haben wir dass nicht schon?
A.(in ihrem Notizblock blätternd): Ja Chef….auf der Kinderseite
R2: Die dritte Seite an ein Unternehmen verkaufen?
C.: Dass haben wir doch auch schon Redakteur 2…dass haben wir doch schon….
R5: Eine Nackte auf der Kinderseite?
C.: Dass skandalisiert doch heutzutage nicht einmal die Kinder mehr
R5: Ich dachte eher an die Mütter
C.: Niemand….aber wirklich niemanden interessieren diese Mütter
R6: Eine Werbekampagne mit den Todesspatzen und ihren weiblichen Fans?
C.: Wir machen eine Zeitung für Lebende….nicht für Scheintote
R6: Ja Chef
C.: Ich möchte etwas Neues von ihnen hören….was sagt denn unser italienische Redaktionskollege….wie heißt unser italienische Redaktionskollege noch einmal….ich kann mir seinen Namen einfach nicht merken….
A.: Dottore….
C.: Ah ja….Dottore….Dottore!
Die Blicke der Redakteure richten sich auf ihren italienischen Redaktionskollegen.
A.: Dottore Giacomo Nonsoniente Chef
C.: Dottore!?
Keine Reaktion vom Dottore Giacomo Nonsoniente.
C.: Dottore Giacomo Nonsoniente!
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Ein Vorschlag für ein Thema Dottore?
Dottore Giacomo Nonsoniente erhebt sich von seinem Sitzplatz, beginnt affenähnliche Geräusche von sich zu geben und beginnt dazu sein Becken in obszöner Weise zu bewegen.
C.: Also dass ist ihr Vorschlag Dottore?
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Unser Giacomo….Dottore….Dottore!….was wollen sie uns mitteilen?
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.(zu seiner Assistentin sich beugend): Unser Dottore…unser Giacomo möchte wiedereinmal einfach alle nur umbringen….oder Dottore?
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Ist gut Dottore Nonsoniente….ist gut….alle umbringen?….einfach alle….sehr guter Vorschlag Dottore
R1: Dass nennt man dann wohl den kalabresischen Reflex
R2: Nachdem es mit dem Schreiben und dem Lesen nicht so gut geklappt hat, nehme ich einmal an
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
Der italienische Redaktionskollege bewegt nun sein Becken in sehr obszöner Weise.
C.: Devote Agatha?
A.: Chef?
C.: Bringen sie doch unserem Dottore eine Banane
A.: Ja Chef
Die Assistentin namens Agatha Devote erhebt sich von ihrem Sitzplatz und geht zur Ausgangstür.
C.: Agatha!?
A.(sich umdrehend): Ja Chef?
C.: Nehmen sie doch besser gleich 2 Bananen mit….eine für unseren Dottore und eine für unseren vegetarischen Hai
Die Assistentin geht ab, kehrt nach kurzer Zeit zurück, reicht Redakteur 4 eine Banane und dem bereits sabbernden Dottore eine Banane und setzt sich dann wieder neben dem Chefredakteur nieder.
Der Chefredakteur blickt derweil verträumt zum Oberboden des Konferenzraum.
C.: Egal was man tut….egal was man möchte….es wird sich nie etwas ändern….
R6: Chef?
C.: Ach….das Leben ist eine Pralinenschachtel….keine Praline schmeckt einem….
R6: Chef!
C.: Ja Redakteur 6
R6: Der Dottore möchte noch etwas sagen
C.: Dottore?
G.: (unverständliches Kauderwelsch mit obszönen Beckenbewegungen)
C.: Also….dieser Vorschlag unseres italienischen Redaktionskollegen war schon gut….aber ich weiß, ihr könnt es besser….also?
R6: Eine Tiergeschichte?
C.: Ein Hund, eine Katze, ein Hamster, ein Hase….nichts rührt des Menschen Herz so sehr, wie eine herzzerbrechende Tiergeschichte
R6: Man könnte in das Tierheim fahren und nach deren Euthanasie-Plänen fragen
R1: Oder einige Straßenköter vergiften
R5: Oder einen Hamster mit einer Katze paaren
C.: Nein….nein….nein….holen sie mir einen Duden Agatha Devote
A.: Ja Chef
Die Assistentin Agatha Devote geht ab, kehrt mit einem Duden zurück und reicht den Duden dem Chefredakteur.
C.: Dreck….Dreck….1. gröberer Schmutz…..2. als Ausdruck des Ärgers oder ärgerlicher Ablehnung….3. Alternative Bezeichnung für das provinzielle Netzwerk bestehend aus….
A.(dem Chefredakteur zuflüsternd): Chef….ich denke, es reicht für heute
C.: Sie denken?
A.(flüsternd): Sie haben ihre Mitarbeiter heute schon genügend motiviert
C.: Ja?
A.(flüsternd): Ja Chef….übertreiben sie es nicht….
C.: Also Redakteure….genug Motivation für heute….und nun….Agatha Devote?
A.: Chef….wir hätten da noch die zwei neuen Praktikanten
C.: Achja….die zwei neuen Praktikanten….wo sind sie?
A.: Dort Chef
C.: Liebe Praktikanten….so setzen sie sich doch zu uns an den Konferenztisch….kommen sie schon
Die beiden Praktikanten setzen sich an den Konferenztisch.
C.: Ihr seid also die beiden neuen Praktikanten….sehr schön….wenn sich ein jeder von euch dann bitte kurz vorstellen könnte….das wäre sehr hilfreich und nett von euch
P1: Ich heiße Tobias Georg Tim David Lukas Hans Reinhold Christian Felix Paul Elias Jan Florian Nick Jason Sebastian Johannes Anton Kevin Kilian Philipp Michael Damian Tristan Ferdinand Emilio Quentin Antonio von und zu Metternich; Sohn des Prinzen von und zu Metternich; größter Grundbesitzer in der Provinz und heimlicher Förderer dieser Zeitung
C.: Und wie soll man sie ansprechen?
P1: Am besten ist man verwendet die Kurzform meines Namens….also Kevin Philipp Reinhold Lukas Damian Quentin Tim Hans Christian Tobias Jan Nick von und zu Metternich
C.: Ich werde sie Praktikant 1 nennen….ist dass für sie in Ordnung?
P1: Wie sie wünschen
C.: Und was erwarten sie sich von diesem Praktikum bei uns?
P1: Ein von und zu erwartet nicht; ein von und zu bekommt
C.: Und wenn sie dann irgendwann groß geworden sind, was wollen sie dann werden?
P1: Kaiser von Österreicht
C.: Sehr schön Praktikant 1 und sie?
P2: Ich heiße Robert Patrizier; Sohn vom Patrizier Reichenberger Hans; Besitzer von 7 Fabriken und Stellvertreter des Chef der Chefs
C.: Des Chef der Chefs?
P2: Jawohl
C.: Nun gut….und ihr beiden seit auch wirklich nur wegen eurer Qualifikationen bei dieser, meiner Qualitätszeitung als Praktikanten unter all diesen Bewerbern ausgewählt worden?
P1: Sicher
P2: Was soll die Frage?
C.: Vergessen sie meine letzte Frage….Praktikant 2, was wollen sie denn, wenn sie einmal groß geworden sind, werden….Großindustrieller?
P2: Woher wissen sie dass?
C.: War nur so eine Vermutung
P2: Der neoliberalste, also erfolgreichste und somit menschenverachtenste Großindustrielle in der Provinz
C.: Mit welchen Produkten?
P2: Zum Beispiel mit einem Softdrink der weltweit verkauft wird, welcher zwar billiger als Wasser sein sollte, denn sich aber trotzdem, aus reinen Marketinggründen, ein Großteil der Menschheit nicht leisten kann
C.: Das Verknappungsprinzip?
P2: Was ist dass?
C.: Keine Ahnung
P2: Keine Ahnung ist das Verknappungsprinzip
C.: Und habt ihr beiden, da ihr euch nun vorgestellt habt und dieses Gespräch von seinem traurigen Beginn an, mitverfolgen konntet, irgendeine Idee, welche zu unserer Blattlinie; jene der unerträglichen Arroganz passen würde….inspiriert mich
P1: Mein Vorschlag
P2 (P1 unterbrechend): Unser Vorschlag ist, dass sie uns freien Spielraum lassen und wir diesen für eine Reihe von Interviews mit den bedeutendsten und wichtigsten Menschen in der Provinz, nutzen werden….und jeden Tag ein Interview in der Zeitung erscheint
P1: Diese wichtigsten und bedeutendsten Menschen in der Provinz werden natürlich von uns ausgesucht; nach reich-objektiven, konservativ-pragmatischen, vermögend-labilen Kriterien
P2: Nur jene, welche dem Reichtum und der Macht zudienlich waren
C.: Also….ich habe heute keine Zeit für ein Interview
P1: Wir arbeiten uns zu ihnen vor
Der Chefredakteur blickt skeptisch um sich.
C.: Junges, hungriges Blut….keiner von euch auf euren Sitzplätzen seit Jahrzehnten dahinfaulenden, trägen, satten und selbstzufriedenen Redakteuren ist auf eine solche Idee gekommen….was haltet ihr Redakteure von dieser Idee?
R1: Das Journalistenhandwerk erlernt….
C.(Redakteur 1 unterbrechend): Redakteur 2!
R2: Meiner Meinung nach….
C.: (Redakteur 2 unterbrechend): Sie haben gefälligst keine eigene Meinung….sie haben meine Meinung….Redakteur 3?
R3: Über was sprechen wir noch einmal?
C.: Redakteur 4?
R4:
C.: Redakteur 4??
R4:
C.: Redakteur 5?
R5: Ich schließe mich der Meinung von Redakteur 3 an
C.: Unser italienischer Redaktionskollege?
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Redakteur 6?
R6: Warum nicht….einen Versuch ist es wohl wert
C.: Ja Redakteur 6….warum nicht….na also unbezahlte und somit unbezahlbar wertvolle Praktikanten
P1+P2: Chef?
C.: Dann machen wir dass so….learning by doing…ich lasse euch beiden angehenden Jungreportern aber nicht allein in diesem kalten und trüben Haifischbecken, denn stelle euch einen im besten Sinne allen Unsinns hochqualifizierten Redakteur zur Seite, welcher euch bei diesem zweifelsohne schwierigen Unterfangen mit seinem Rat und Trost zur Seite stehen wird….einer, welcher auf dem Schlachtfeld des Journalismus die Fahne der Pressefreiheit bis zur letzten Flasche „Jack Daniels“ tapfer hochgehalten hat….
P1: Einen Nobelpreisträger?
C.: Nein
P2: Einen Pulitzer-Preisträger?
C.: Jawohl
R5: Nein Chef….nicht ich
C.: Seien sie unbesorgt Redakteur 5…ich werde euch beiden Praktikanten meinen besten Mann mitgeben
P1: Wir sind geehrt
C.: Dottore!
Die Blicke der Anwesenden richten sich auf Dottore Giacomo Nonsoniente.
C.: Dottore!
Der Dottore Giacomo Nonsoniente erhebt sich von seinem Sitzplatz, gibt ein unverständliches Kauderwelsch von sich und beginnt sein Becken in obszöner Weise kreisen zu lassen.
C.: Unser Dottore….Dottore!….Dottore!!
Der Dottore Giacomo Nonsoniente bewegt sein Becken nun heftiger.
C.: Agatha Devote
A.: Chef?
C.: Vielleicht ist es besser sie bringen dem Dottore noch eine Banane
A.: Ja Chef
Die Assistentin Agatha Devote geht ab.
P1: Und dass ist ihr bester Redakteur?
C.: Wisst ihr was Praktikanten….der Zweifel hat noch jeden guten Journalisten ruiniert….aber….nun dann….Dottore!….also gut….Redakteur 6….sie begleiten die beiden Praktikanten
R6: Nein
C.: Doch
R6: Nein!
C.: Doch
R6: Und warum nicht der Dottore?
C.: Der Dottore erscheint mir in letzter Zeit etwas abgelenkt, ja etwas abwesend zu sein….vielleicht sollte ich ihm, da er schon die Hauptlast der Redaktionsarbeit trägt, nicht auch noch mit der Verantwortung für zwei Praktikanten belasten
R6: Ich verstehe Chef
C.: Dann wäre dann alles für heute…die Sitzung ist hiermit beendet!
Einige Redakteure erheben sich von ihren Sitzplätzen und gehen miteinander sprechend ab.
Die Assistentin reicht dem italienischen Redaktionskollegen noch eine Banane und kehrt dann zum Chefredakteur zurück.
Die beiden Praktikanten verlassen in Begleitung des Redakteur 6 den Redaktionsraum.
Nach kurzer Zeit befinden sich nur noch Redakteur 1, der Chefredakteur und die Assistentin im Redaktionsraum.
C.: Sehen sie Devote Agatha….so macht man es richtig
A.: Ja Chef
C.: Denn ohne uns, das provinzielle Käseblatt wird man nichts in der Provinz
R1: Nicht einmal nichts
C.: Gar nichts
R1: Wir führen und verführen
C.: Wir entscheiden
R1: Und ansonsten niemand
A.: Sie sind der Chef Chef
C.: So ist es….und nun muss ich mich um mein Schoßhündchen kümmern oder besser gesagt, all diesen ehemaligen, wie auch noch im Wartestand, wie auch noch auf der Lohnliste stehenden ehemaligen, ehrenamtlichen und noch aktiven Mitarbeiter dieser meiner Zeitung
A.: Dem Sportverein?
C.: Der Partei!
R1: Also 2/3 der Provinzregierung
C.: Redakteur 1….dass ist inoffiziell und sehr indiskret
R1: Schöne Grüße der Kulturministerin….meiner ehemaligen Assistentin Assistentin
C.: Und den beiden Amtsdirektorinnen diesmal nicht Redakteur 1?
R1: Sehen sie Devote Agatha….die eine 25….die andere 27….und schon Amtsdirektorinnen….die haben so wie sie begonnen….hier in der Zeitung
C.: Ja….ihre Qualifikationen haben diese beiden jungen Frauen bei ihnen und einigen anderen Redakteuren zur Genüge bewiesen
R1: Einen schönen Gruß diesen und ihnen Agatha Devote alles Gute
A.: Danke Redakteur 1
Der Redakteur 1 geht ab.
C.: Kommen sie Devote Agatha….ich zeige ihnen meine Macht
A.: ….ihre Macht….
C.: Kommen sie….kommen sie…..jetzt ist es Zeit die Theorie in die Praxis umzusetzen….kommen sie
A.: Sehr gerne Chef
Der Chefredakteur und die Assistentin gehen ab.

2. „On Tour“

So begeben sich die beiden Praktikanten auf eine Reise durch die Provinz.
Ihr Ziel ist es jeden Tag eine/n der bedeutendsten und wichtigsten Provinzvertreter in seiner „natürlichen“ Umgebung aufzusuchen und mit diesem/dieser dann ein Interview zu führen.
Redakteur 6 verbleibt in der Redaktion und hält von dort aus, den beiden talentierten Jungreportern den Rücken frei.

Personen:
Praktikant 1 (P1)
Praktikant 2 (P2)
Der ProvinzNaziHausArzt (D.)
Der Leonardo da Vinci der Provinz (L.)
Der Chef der prov. Uniformierten (U.)
Redakteur 6 (R.)
Der Baumeister (B.)
Der Dorfpatriarch (D.)
Der Tourismusvisionär (T.)
Der Nützling (N.)

1.Tag In der Arztpraxis

P1: Sehr geehrter ProvinzNaziHausArzt, vielen Dank, dass sie etwas von ihrer wertvollen Zeit für uns erübrigen konnten….
P2: ….und bevor wir mit dem eigentlichen Interview beginnen, möchten wir ihnen beide zur Auszeichnung zum provinziellen NaziArzt des Jahres gratulieren….was ist dass für ein Gefühl für seine Arbeit von der wirtschaftlichen und politischen Elite der Provinz ausgezeichnet zu werden?
D.: Vielen Dank für ihre Glückwünsche und natürlich freut es einen, wenn die Arbeit, die ich geleistet habe, dann auch dementsprechend honoriert wird; die niedrigste persönliche Niedertracht, die Selektion, der Einsatz für einen anständigen, strammen Volkskörper; meine gesammelten Erfahrungen im Bereich der Verleumdung, des Rufmord und der Dummheit….dass sind alles Elemente, welche für einen Arzt heutzutage unabdingbar sind….und ja, es ist gut zu wissen, wenn all diese aufgezählten Elemente, dann zu so viel Anerkennung und Respekt bei den provinziellen Verantwortlichen führen
P1: Und was für ein Gefühl war dass, als kürzlich der Bürgermeister an sie herangetreten ist, um ihnen die städtische Ehrenbürgerschaft anzubieten?
D.: Es war ein erbauendes Gefühl….dem Gefühl einigen Menschen unermeßliches Leid zugefügt zu haben, ziemlich ähnlich….es war die Anerkennung, welche in meiner Sammlung von Auszeichnungen noch gefehlt hat
P1: Wir haben als Vorbereitung zu diesem Interview mit ihrem Bruder im Geiste ein kurzes, aber intensives Gespräch geführt….sie wissen wen wir damit meinen?
D.: Der Verkörperung des niedrigsten menschlichen Abschaum hier in der Provinz?
P2: Dem einen Onkel
D.: Ja, ich verstehe
P1: Dieser sagte uns, dass ihn eine tiefe Seelenverwandtschaft mit ihnen verbinde
D.: Nun ja, hat er wieder einmal zuviel Psychopharmaka geschluckt….aber….aber, dass freut mich natürlich sehr….alles was unserer nazionalsozialistischen, provinziellen, eingeschworenen Gemeinschaft hilft, aus reinster Geldgier, aus niedrigster Verkommenheit, als kompletter Irrsinn, einen alten, wehrlosen Mann ins Grab zu bringen; ist für mich als ProvinzNaziArzt, natürlich gut und nur eine Anmerkung dazu….bezeichnet denn irgendein Provinzler diese Verkörperung des niedrigsten menschlichen Abschaums, als verrückt, wie etwa jene, welche diesen kritisieren….nein….ja dann weiß man ja wo die Güte, die Mitmenschlichkeit, die ärztliche Gnade zu finden ist
P2: Anderes Thema….was möchten sie als altgedienter Arzt jungen, angehenden Ärzten mit auf dem Weg geben?
D.: Dass sie doch meinen, so erfolgreichen, provinziellen Werdegang einschlagen sollen….denn es ist jener Weg, welcher zum Erfolg führt; niederträchtig und menschenverachtend….und blicken sie sich doch in der Provinz um….sehr viele….sehr viele der Provinzmenschen sind auf meiner Seite….also der guten Seite….zeigt dass nicht, dass all diese Menschen von ihrer Geldgier und Boshaftigkeit schon längst zerfressen worden sind?
P1: Kommen wir nun zu den Opfern ihrer ärztlichen „Kunst“
D.: Das Schöne an der Provinz ist doch, dass das Opfer wie ein Täter behandelt wird, dass das Opfer und nicht der Täter von der eingeschworenen, provinziellen Gemeinschaft ausgeschlossen, ignoriert, vergessen und mitsamt seiner Familie sozial geächtet wird….wo würden wir denn schließlich am Ende hingelangen….dass ein Opfer Gerechtigkeit erfährt?!….dass wir hier in der Provinz eine liberale, weltoffene, tolerante Gesellschaft auch noch bekommen….dass möchte hier in der Provinz doch wirklich niemand!
P2: Was war dass für sie befriedigenste Erlebnis bei ihrer Arbeit?
D.: Dass liegt nur kurze Zeit zurück….als ich einer Mutter und ihrem schwerkranken Kind den Krankenschein verweigerte….nicht aus medizinischen oder etwa bürokratischen Gründen; denn aus purer provinzieller Boshaftigkeit und ärztlicher, krimineller Komplizenschaft….wahrlich eine Tat, für welche ich dann Respekt und Solidarität, vor allem von meinen Arztkollegen, erfahren habe
P1: Wir müssen stolz zugeben, wirklich vor einem richtigen ProvinzNaziArzt zu stehen
D.: So ist es und ich hoffe, dass diese von mir verkörperte ärztliche Tradition, nämlich jene, sich wie der niedrigste menschliche Abschaum zu verhalten, hier in der Provinz, auch von den folgenden Generationen beherzigt wird
P2: Was sagen sie zu diesen wenigen, zweifelsohne psychisch kranken, Einzelpersonen in der Provinz, welche ihre Behandlungsmethoden als wenig ziemperlich, als brutal, ja sogar als kriminell bezeichnen?
D.: Diese Ausagen disqualifizieren sich von selbst….dass ist indiskutabel….unter dem Provinz-Niveau….als Mitglied des provinziellen Netzwerk zur Vertuschung, Unterdrückung und Irreführung des Volks, kann ich mir auch sicher sein, die Verantwortlichen in der Provinz hinter mir zu wissen….wir stehen zusammen gegen diese, wie sie sehr richtig gesagt haben, psychisch Kranken und werden mit diesen früher oder später endgültig aufräumen
P1: Also wäre es wohl am Besten diese kranken Einzelpersonen zu ihnen bzw. ihren Kollegen in Behandlung zu zwingen?
D.: Dass wäre natürlich die optimale Lösung….wir, also die ProvinzNaziÄrzte, da bin ich mir ganz sicher, würden diese kranken Einzelpersonen, von ihrer Intelligenz, Aufgeklärtheit, Kritikfähigkeit sehr schnell „heilen“….bis sie kriechen und kuschen und zu uns aufblicken werden
P2: Wir haben auf dem Weg zu ihrer Arztpraxis einige alte, frustrierte Frauen nach deren Meinung über sie gefragt….was glauben sie haben diese frustrierten Frauen geantwortet?
D.: Hoffentlich nichts pathologisches….nein, keine Ahnung, aber sie werden mir es mit sicherlich gleich mitteilen
P1: Diese frustrierten, alten Frauen waren ausnahmslos restlos von ihnen begeistert….ihre Rücksichtslosigkeit, ihr Ruf, ihre „Kunst“, ihre Niedertracht, ihre Behandlungsmethoden….
P2: Wir haben den Eindruck gewonnen, dass diese frustrierten Frauen ihre Ansichten und Vorgangsweisen zu 100% teilen
D.: Somit haben diese frustrierten, alten Frauen verstanden, wie hier in der Provinz das Leben und der Tod funktionieren
P1: Wir sind gänzlich ihrer Meinung und wem es nicht passt, der soll woandershin gehen
P2: Dieser wunderschöne, dumpfe Klang dieser Wörter „und wem es nicht passt, der soll woandershin gehen“
P1: Sehr dumpf
D.: Bevor wir ProvinzNaziÄrzte uns gezwungen sehen, die betreffende Einzelperson zwangseinzuweisen bzw. mit unserer ärztlichen „Kunst“ zu heilen
P1: Ein anderes Thema….was sagen sie als Arzt zur Überbevölkerung auf diesen Planeten?
D.: Dass einzige was dagegen hilft, ist die Selektion
P2: Und was sagen sie zur zunehmenden Islamisierung der westlichen Welt?
D.: Der Speck, gepökeltes Schweinefleisch und Massen-Sterilisation!
P1: Also ein doch eher moderater, ja toleranter Standpunkt?
D.: Welchen sicherlich ein Großteil meiner Kollegen teilen
P2: Und die Ausländerproblematik hier in der Provinz?
D.: Die Neger, die Diebe, die Albaner, die Zigeuner, die Sozialschmarotzer, die Arbeitslosen, die Armen, die Asiaten, die Yugos….all diese Fremden haben hier in der Provinz nichts verloren
P1: Was schlagen sie als Lösungsansatz vor?
D.: In Umerziehungslager….dieses ausländische Gesindel an einen Punkt konzentrieren und dann…..ruck und zuck….und ruck und zuck….
P2: Wie vereinbaren sie diese letzte Aussage mit dem hippokratischen Eid?
D.: Dieser gilt, wie sie vielleicht nicht wissen, für die ProvinzNaziÄrzte nicht
P1: Und warum?
D.: Der internationale Ärzteverband; also dieser Verein von Demokraten, Amerikanern, Menschenrechtlern, Juden, Drogensüchtigen, Liberalen und Fremden, hat uns ProvinzNaziÄrzte aus dem internationalen Stand der Mediziner ausgeschlossen
P2: Genug dazu….glauben sie an Gott?
D.: Ich glaube an mich….also dem Gott in Weiß….somit glaube ich dann wohl auch an Gott
P1: Was sind ihre Pläne für die Zukunft?
D.: Ein Projekt, welches den Ruf und die dringend notwendige Anerkennung der deutschen Naziärzte, welche zwischen 1933 und 1945 „geheilt“ haben, wieder herzustellen versucht….diese deutschen Naziärzte haben es verdient, dass nach so langer Zeit und so vielen Lügen, ihr Ruf wiederhergestellt und diese die so lange ausgebliebene, Anerkennung, erfahren….denn es waren gute Ärzte….wahrlich gute Ärzte
P2: Ein Unterfangen bei welchem sie sicherlich mit großen Rückhalt unter den Verantwortlichen in der Provinz rechnen können
D.: Bei diesem Projekt werde ich von einer Reihe angehender ProvinzNaziÄrzte unterstützt; außerdem hat sowohl die Stadt, als auch die Provinz große Geldsummen für dieses Projekt zur Verfügung gestellt….auch aus Österreich haben wir in dieser Hinsicht nur Positives, also Monetäres, gehört….somit wird dieses Projekt von allen Seiten massiv unterstützt
P1: So werden sie mit diesem Projekt zur Rehabilitierung der deutschen NaziÄrzte wohl endgültig zu einem der wichtigsten und bedeutendsten Provinzmenschen werden?
D.: Dass ist nicht mein Antrieb….meine Motivation ist zu zeigen, dass man mit der Boshaftigkeit, der Niedertracht und der Gemeinheit hier in der Provinz alles erreichen kann
P2: Sehr gut, sehr gut Herr ProvinzNaziHausArzt
P1: Zum Abschluß noch einige persönliche Fragen
P2: Dass letzte Buch, dass sie gelesen haben?
D.: „Mein Kampf“ von Adolf Hitler
P1: Ihre Lieblingsfarbe?
D.: Schwarz
P2: Ihr größter Traum?
D.: Eine negerfreie Welt!
P1: Ihr Vorbild?
D.: Dr. Mängele
P2: Ihr Lieblingsgericht?
D.: Schweinefleisch
P1: Ihr schönster Urlaub?
D.: 1988 in Südafrika, um vor Ort das Apartheid-Regime zu unterstützen
P2: Ein Schlußwort für unsere Leser
D.: Es lebe der Tod!
P1: Sehr geehrter Herr ProvinzNaziHausArzt wir bedanken uns bei ihnen für dieses Gespräch

2. Tag Im Atelier

P1: Sehr geehrter Leonardo da Vinci der Provinz, vielen Dank, dass sie etwas von ihrer wertvollen Zeit für dieses Interview erübrigen konnten
P2: ….und lassen sie uns gleich mit der ersten Frage beginnen
P1: Sind sie der Meinung, dass sie, nachdem sie im vergangenen Monat diese so erfolgreich verlaufende große Einzelausstellung im Dorf Y. hatten, dass sie damit nun den internationalen Durchbruch als provinzieller Künstler geschafft haben?
L.: Wissen sie, wenn man so wie ich hier in der Provinz von einem Gartenzaun bis zum nächsten Gartenzaun und von diesem wiederum bis zum nächsten Gartenzaun einer der wenigen anerkannten, respektierten und verehrten Provinzkünstler ist; dann fühlt man sich schon ein wenig wie ein Weltstar
P2: Ihre Kunstwerke brechen in letzter Zeit alle Verkaufsrekorde; so erreicht ihr Gemäldezyklus „Dorfleben“ aus dem Jahre 2008 den Rekordpreis von 50,79 Euro brutto bei einer Benefizgala zugunsten „Der rückwärtsgewandten Tradition“. Beeinflußt dieser riesige komerzielle Erfolg ihr künstlerisches Schaffen?
L.: Nein; da es sich bei meinen Bildern um keine Marketingprodukte, denn um unterdurchschnittliche, also provinzielle Kunst, handelt
P1: Der Verlauf ihrer Karriere als Künstler liest sich wie ein Who`s is who der internationalen Kunstszene….die provinzielle Kulturministerin, der Dorfwirt, die deutsche Touristin, der einheimische Alkoholiker-Club, der Waldaufseher, der Bergsteiger….ist dieser internationale Kontext prägend für ihre Kunst?
L.: Meine Kunstwerke entstehen im engen Rahmen eines streng konservativen, auf jedliche Einflüsse der Moderne verzichtenden, traditionsbewußten provinziellen Weltbildes, welches, dass zeigt auch der Erfolg meiner Kunstwerke, von einem Großteil der provinziellen Bevölkerung geteilt wird….es ist somit eine provinzielle Kunst für ein provinzielles Publikum
P2: Einige irrgeleitete, der perversen Moderne verfallende Kunstkritiker werfen ihnen künstlerische Naivität vor
L.: Nein, dass ist falsch….meine Kunstwerke sind nicht naiv, wenn, dann kann man von einer bis zu einem bestimmten Grad vorhandenden Debilität sprechen
P1: Es ist allgemein bekannt, dass sie sich sehr um den Nachwuchs bemühen und diesen mit ihren internationalen Kontakten vernetzen
L.: Das Begrenzende, das Beengende, das Debile, das Dörflich-Konservative, das Einfache, das Dilletantische, das „die Welt klein und handlich machen“; das Unkomplizierte, also das Natürliche; welches bei meiner Kunst im Vordergrund steht und somit ein prägendes Merkmal der provinziellen Kunst ist….diese Merkmale möchte ich auch den nachwachsenden Künstlern nahelegen; damit diese Merkmale auch von diesen für eine artgerechte, provinzielle Kunst auch in Zukunft verwendet werden
P2: Uns ist aufgefallen, dass sie in ihrem künstlerischem Schaffen auf jedliche Provokation verzichten und sich mit ihren Kunstwerken eher an das provinzielle Establishment anbiedern….kann man somit also ihr künstlerisches Schaffen als eine, den Reichen und Mächtigen der Provinz, gefällige Kunst bezeichnen?
L.: Ich denke im Gegensatz zu ihnen, dass meine Kunst schon provoziert….nämlich jene, die eine provokative, also somit überflüssige Kunst sozusagen produzieren….ich bin nunmal ein gekaufter Teil des Establishment und als solcher erschaffe ich meine Kunstwerke im Sinne der Reichen und Mächtigen in der Provinz
P1: Also handelt es sich bei ihnen um keinen unkoventionellen Bohemian?
L.: Ein jeder Künstler hat seine wilde Zeit….meine wilde Zeit verbrachte ich im Kloster….also nein, als Bohemian kann man mich dann, trotz meines zeitweise exessiven Alkohol- und Frauenkonsums, nicht bezeichnen….vielleicht als rückwärtsgewandten Avantgardisten
P2: Apropos Frauen….man hört und entschuldigen sie diese Indiskretion, dass sie selten mit einer Frau länger als einige Monate zusammen sind….
L.: Ich halte es mit den Frauen, wie eines meiner großen Vorbilder, nämlich dem Österreicher U. Jürgens….keine über 40….keine länger als ein, zwei Monate….mit jedem Jahr, dass man älter wird, muss die Frau an meiner Seite 2 Jahre jünger werden….denn somit ist zumindest in dieser Hinsicht für Abwechslung gesorgt
P1: Pattayanische Verhältnisse also bei ihnen, wie bei ihrem Vorbild?
L.: Diese vollkommene moralische Degeneration passt doch gut zu solch erzkonservativen, unpolitischen und gefälligen Künstlern wie mir….
P2: Die Doppelmoral der Konservativen?
L.: Ich würde nicht von einer Doppelmoral sprechen, denn von einer Dutzendmoral
P1: Wechseln wir das Thema….welche Künstler bzw. Menschen haben den größten Einfluß auf ihren künstlerischen Werdegang gehabt?
L.: Der Dorfmetzger, der Dorfpolizist, der Dorftrottel, der Dorflehrer, der Dorfarzt, die Dorfhexe und natürlich in besonderem Ausmaß der Dorfpatriarch
P2: Kommt vom Einfluß dieser Personen die unübersehbare internationale Note in ihrem künstlerischem Werk?
L.: Dass kann durchaus sein, denn die Welt ist doch ein Dorf und das Städtische ist doch nur verwerfliche Dekadenz, zügelloses Treiben und Tun; haltloses Gequassel und inhaltsleere, oberflächiges Einerlei
P1: Wir haben uns als Teil unserer Vorbereitung zu diesem Gespräch unter den Menschen in der Provinz umgehört….
P2: Was glauben sie, denken die Menschen in der Provinz von ihnen?
L.: Dass sie sich ein Kunstwerk von mir wünschen, sich ein solches aber finanziell nicht leisten können?
P1: Einige behaupten sie seien der größte Provinzkünstler der Provinz
P2: Andere wiederum sagten, dass sie sich in ihren unkritischen, unpolitischen, langweiligen und debilen Kunstwerken wiedererkennen könnten
P1: Viele lobten ihren konservativen, gefälligen, sich den Reichen und Mächtigen der Provinz anbiedernden, untertänigen, künstlerischen Stil
L.: Denn was, sage ich, ist die Funktion der Kunst heutzutage….dem Volk auf`s Maul zu schauen und diesem dann eine reinzuhauen….nein….die Funktion der Kunst ist es, den vom Honig des Luxus, der Marmelade der Überheblichkeit verschmierten Mund der Reichen und Mächtigen mit gefälligen Kunstwerken zu einem entzückendem Lächeln zu verführen….dass ist die Funktion der Kunst heutzutage….
P2: Sie betonten mehrmals den einfachen Charakter ihrer künstlerischen Werke. Warum?
L.: Meine Kunst soll von allen verstanden werden….ob es sich dabei um einen 4 Monate alten Säugling oder einem senilen Tattergreis handelt, ist egal, denn diese sollen verstehen, um was es mir in meiner Kunst geht….um die Beschränktheit, um die Beengtheit, um das Provinz-Niveau….um die Unterdurchschnittlichkeit also….dem Mittelmaß….
P1: Sie bezeichnen ihre Kunst also ganz bescheiden abwertend als unterdurchschnittlich?
L.: Dass soll nicht abwertend verstanden werden, denn im Sinne der provinziellen Kulturpolitik aufwertend
P2: Apropos kulturelle Kulturpolitik….wie stehen sie zur Förderpolitik der Provinz?
L.: Es gibt die alte provinzielle Regel….um so untalentierter, prätentiöser, unterdurchschnittlicher ein provinzieller Künstler ist, um so mehr wird dieser dann von der Politik und der Wirtschaft, die sich in diesem ja ex-aequo wiederspiegeln, gefördert werden; damit dann vielleicht irgendwann ein unterdurchschnittlicher Künstler daraus wird; also Mittelmaß; also genau so ein Künstler, wie ihn sich das provinzielle Establishment wünscht und vorstellt
P1: In diesem Kontext möchten wir sie um ihre Meinung zu den Kunstskandalen des vergangenen Jahres fragen?
L.: Ist dass Kunst?
P2: Es kam zu öffentlichen Protesten; ja in einem Falle beinahe zu einem Volksaufstand. Glauben sie, aus ihrer Position als Künstler heraus, dass die Menschen hier in der Provinz Nachholbedarf in den Punkten Toleranz und künstlerische Freiheit bzw. Meinungsfreiheit benötigen?
L.: Überhaupt nicht….dass klingt doch alles so belehrend….Kunst, welche in provokativer Weise, zum denken und reflektieren anregt, hat hier in der Provinz nichts zu suchen….wir haben hier unsere verkitschte, beschränkte provinzielle Kunst, welche reißenden Absatz findet und etwas anderes brauchen wir nicht
P2: Provinzielle Kunst, welche zweifelsohne zur Genüge vorhanden ist
L.: Was natürlich dem höheren Zwecke dient, dass meine Kunstwerke wie die warmen Semmeln gekauft werden
P1: Und wie lange wollen sie dem provinziellen Kunstbetrieb, in welchem sie ja eine herausragende Stellung einnhemen, noch erhalten bleiben?
L.: Zumindest so lange bis sichergestellt ist, dass die provinzielle Kunst auch in Zukunft so bleibt, wie diese sein sollte….ursprünglich, konservativ, überbewertet, herablassend, international geächtet und wichtig ist vor allem das die provinzielle Kunst ihr Minimalziel erreicht….nämlich jenes, keine Kunst zu sein
P2: Man kann bei ihnen sofort erkennen, dass man es mit einem bodenständigen Künstler zu tun hat, welcher mit beiden Beinen in den provinziellen Traditionen und Rückwärtsgewandtheit feststeckt
L.: Dass haben sie sehr gut erkannt
P2: Ihre größte Inspirationsquelle haben sie einmal in einem Interview gesagt, sind die Frauen. Wie kann man sich das als Außenstehender vorstellen; Frauen als Konsumgüter zu betrachten und als solche zu behandeln und zu konsumieren?
L.: Die Muse hat viele Gesichter und länger als einige Monate kann kein Künstler in das gleiche Gesicht starren….dass hemmt die Kreativität
P1: Kann man in diesem Falle nicht von einem Riss durch ihr erzkonservatives Weltbild sprechen?
L.: Nein, dass sehe ich nicht solchermaßen
P2: Damit reihen sie sich in eine künstlerische Tradition ein; etwa einem Picasso, welcher um so mehr dieser die Frauen wie Dreck behandelte, um so mehr von diesen geliebt wurde
L.: Wichtig in solch einer Künstlerbeziehung, dass hat uns der 68-er Pöbel gelehrt, ist wer wen wie Dreck behandelt….sie ihn oder wie fast immer er sie….ich habe da klare Prinzipien….er sie….
P1: Entweder-Oder?
L.: Und ich habe mich für das „So ist es“ entschieden
P1: Zum Abschluß dieses Gespräches möchten wir ihnen noch einige persönliche Fragen stellen….ja?
L.: Nur zu
P2: Ihr Lieblingskunstwerk?
L.: Die Kuh von meinem Nachbarn….dem Hinterwäldler Joe
P1: Ihre Lieblingsfarbe?
L.: Schwarz
P2: Dass letzte Buch dass sie gelesen haben?
L.: „Beschimpfungen und Beleidigungen“ von Macchiavelli
P2: Ihr Lieblingsgetränk?
L.: Bloody Mary mit Wein
P1: Ihre Pläne für die Zukunft?
L.: Weniger zu trinken
P2: Wollen sie unseren Lesern zum Abschluß dieses Gespräch noch etwas sagen?
L.: Die wahre Kunst kommt von innen; das Wichtigste aber kommt von außen….nämlich das Geld, das Geld, das Geld….
P1: Vielen Dank für das Gespräch Herr Leonardo da Vinci der Provinz.

3. Tag Im Büro

P1: Sehr geehrter Chef der provinziellen Uniformierten, vielen Dank, dass die etwas von ihrer wertvollen Zeit für dieses Interview erübrigen konnten
P2: Und wir möchten nicht um den heißen Brei herumreden, denn gleich das glühende Eisen anfassen
P1: Und uns somit gleich mit jenem Thema beschäftigen, welches wohl mittlerweile einen Großteil ihrer wertvollen Zeit beansprucht
U.: Diesem einen….oder?
P2: Wie sie ihn bezeichnen, steht ihnen frei; sie können ihn so wie der provinzielle Pöbel bzw. ihre Beamte bezeichnen, also als schwein, porco, frocio, deficente, pazzo, verrückter, drecksau, schwuler …., cretino, stronzo, …., …. und somit die geistige, verbale und menschliche Verrohung des Provinzpöbels und ihrer Beamten unterstreichen oder wir bezeichnen diese Einzelperson einfachheitshalber als den Dichter
U.: Ich respektiere den Dichter, auch wenn der Pöbel deshalb toben wird
P.: Und somit zur ersten Frage….glauben sie, dass es eine gute Idee, der ihnen unterstehenden Männern war, den Dichter jahrelang zu verspotten, zu bedrohen, zu beleidigen, bis hin zum traurigen Höhepunkt im Dezember 2006 und den Dichter dann, von ebendiesen Beamten und einem Großteil ihrer solidarischen Kollegen jahrelang aufgrund der Ereignisse vom Dezember 2006 zu verspotten, auszulachen und zu beleidigen; diesen verrückt und krank zu erklären….man könnte dass durchaus als Versuch sehen, den Dichter absichtlich verrückt zu machen, um mögliche Konsequenzen für die involvierten Beamten zu verhindern….wie sehen sie dass als Chef der provinziellen Uniformierten?
U.: Eine Gegenfrage….sie beide sind doch die Söhne reicher Eltern….oder?
P1: Ich bin der Sohn vom Prinzen von und zu Metternich
P2: Ich bin der Sohn vom Patrizier Reichenberger Hans
Der Chef der provinziellen Uniformierten beugt sich verschwörerisch zu den beiden Jungreportern hin.
U.(augenzwinkernd flüsternd): Dann verstehen wir uns ja
P1: Ja?
P2: So funktioniert dass also
P1: Lassen sie mich die Frage umformulieren….glauben sie nicht, dass erst das Verhalten der Behörden in diesem Fall, zu diesem Klima, dieser Eskalation des Hasses, der Intoleranz und der Niedertracht gegenüber dem Dichter geführt hat
P2: Denn nicht nur wir haben den Eindruck gewonnen, dass z.B. der ungebildete italienische Provinzpöbel, nachdem dieser erkannt hat, dass die Behördenvertreter jenseits jedlicher Verhältnismäßigkeit, jenseits jedlicher Rechtsstaatlichkeit, den Dichter ungestraft mit dem Tod, dem Gefängnis bedrohen, verspotten und auslachen konnten und über diese Drohungen und Beleidigungen dann auch noch spotteten und lachten; dass sich nun dieser ungebildete italienische Pöbel gegenüber dem Dichter in einer Art von rechtsfreiem „Wilden Westen“ alles erlauben können
P1: Und sich dabei ja aufgeführt haben, dass man im Gegensatz dazu, Affen, als eine dem Menschen weit überlegene, als eine hochentwickelte Spezies betrachten muss
P2: Was sagen sie zu diesem Vorwurf?
Der Chef der provinziellen Uniformierten blickt in die Leere des Raumes.
P1: Dazu noch die unrühmliche, an Unmenschlichkeit kaum zu überbietende, Rolle, welche in diesem Fall die Provinzpolitiker gespielt haben
P2: Welche der Dichter in diesem Zusammenhang völlig zu Recht als „Dreck“ bezeichnet hatte
P1: Eine kürzlich vorgenommen Gefahrenanalyse kam zu dem Schluß, dass die größte Gefahr für den Dichter von ihren Beamten und deren neofaschistischen Freunden ausgeht….wussten sie dass?
Der Chef der provinziellen Uniformierten blickt in die Leere des Raumes.
P2: Und dass der Dichter rund um die Uhr vor ihren Beamten, die ja eigentlich für Recht und Ordnung sorgen sollte, und deren Freunden, beschützt werden muss?
P1: Ein in der Geschichte der Menschheit sicherlich beispielloser Fall
P2: Glauben sie nicht, dass durch all diese Drohungen, diesem Spott, diesen Beleidigungen; diesem für verrückt und für krank erklären….diese seit Jahren andauernde kriminellen Machenschaften; dass ihre Behörde damit wesentlich dazu beigetragen hat, aus einem eigentlich nazionalsozialistisch-österreichischen bzw. provinziell-lokalen Problem, ein beinahe globales Problem miterschaffen zu haben?
U.(sich räuspernd): Der Dichter wird eh bald sterben
Einge Sekunden Schweigen.
P1: Und sie sind die Guten!?
U.: Eh be
P2: Diese unglaubliche Hetze, dieser andauernde Rufmord, diese forwährenden Verletzung grunglegenster Menschen- und Bürgerrechte, diese kriminellen, bislang strafrechtlich ungeahndeten, Verstrickungen; diese Drohungen, diese verbrecherische Komplizenschaft zwischen Behördenvertretern und Provinzpolitikern…..die Liste der Vorwürfe und potentieller Anklagepunkte gegen ihre Männer ist schier endlos….
U.: Eh be
P1: Dieser blanke Hass, welcher dem Dichter nun in der Provinz von allen Seiten entgegenschlägt….die politischen Implikationen….die wirtschaftlichen Implikationen….die staatlichen Implikationen….
P2: Es wird also, da man sich in der Provinz befindet, niemand die Verantwortung übernehmen?
U.: Ich möchte sie bitten nicht zu verallgemeinern; es handelt sich alles in allem um etwa 200 Polizisten, welche in diesem Fall verwickelt sind….wobei ich dem anmerken möchte, dass an dem Verspotten aufgrund der Drohungen von unserer Seite zu Weihnachten 2006 sich nur noch einzelne Beamte; also maximal zwischen 40 und 50 Beamte beteiligt haben
P2: Welche dabei massiv vom „Dreck“ unterstützt wurden und werden?
U.: Sie meinen das provinzielle Netzwerk zur Vertuschung, Unterdrückung und Irreführung des Volkes?
P1: Ja?
U.: David gegen Goliath
P2: Und Goliath fällt
U.: Eh be
P1: Und hört gar nicht mehr auf zu fallen
U.: Eh be
P1: Eh be
U.: Dieser Dreck trägt natürlich Mitschuld, auch wenn diese, in ihrer bekanntlich niederträchtigen Art und Weise, andauernd ihre Hände in Unschuld waschen
P2: Es sind also um die 200 bis 300 Beamte betroffen, welche in zweifelsohne krimineller Art und Weise versucht haben den Dichter zu zerstören und dies aufgrund dieses Klima der Rechtslosigkeit, der Konsequenzlosigkeit wohl auch weiterhin versuchen werden
U.: Mit dem für uns doch eher unerwarteten Ergebnis, dass wir Behörden nun zerstört bzw. ruiniert sind
P2: War dass nicht absehbar?
U.: Eh be
P1: Konsequenzen?
U.: Also dem Dichter sollte man….
P1(den Chefuniformierten unterbrechend): Für die Behörden!
U.: Ist dass ein Scherz?
P2: Nein!
U.: Nun gut, die betreffenden Beamten wurden zwangsverpflichtet innerhalb der nächsten 10 Jahre, die ihnen fehlenden 4 Jahre Volksschule nachzuholen….aber bisher hat es trotz großem Einsatz keiner meiner Männer noch bis zu einem Abschluß geschafft
P1: Um dieser schrecklichen Verrohung der Sprache, welche ja vor allem bei den Italienern vorzufinden ist, Einhalt zu gebieten
P2: Man hat den Eindruck, dass viele, dem italienischem Pöbel zuzurechenende Italiener, eine klammheimliche Freude dabei empfinden, wenn sie dem Dichter sagen, dass sie ihn bzw. seinen Vater umbringen werden….dass ihnen diese Aussage eine persönliche Freude bzw. Befriedigung verschafft ?
P1: Mit der von ihnen verursachten Rechtslosigkeit abgesichert
U.: Dieser tragische Komponente bin ich mir durchaus bewußt und ich denke, dass wir Italiener in diesem Fall eine sehr wichtige Entscheidung treffen werden müssen….sind wir Tiere, dann töten wir den Dichter und seinen Vater oder sind wir Menschen…..wir versuchen nun schon seit einiger Zeit mit gutem Beispiel voranzugehen und uns als zivilisierte Menschen zu verhalten
P2: Gilt dass auch für das militärische Personal?
U.: Vor allem für diese….vor allem für diese….aber nach dem in den vergangenen Jahren Vorgefallenem, ist dass natürlich eine von ihrer Schwere und Tragik geprägte Bürde, die wir Italiener nun als Ganzes zu tragen haben
P1: Etwas was mit Sicherheit auch den deutschen Provinzmenschen sehr schwerfällt?
U.: So wird es angesichts deren Niedertracht, deren Boshaftigkeit und deren beinahe unermeßlichen Dummheit wohl sein
P2: Also werden sich die deutschen Provinzbewohner auch sehr schwer damit tun?
U.: Eh be
P1: Wechseln wir das Thema….in der Provinz gibt es ja bekanntlich 3 relativ kleine extremistische Splittergruppen, welche….
U.(Praktikant 1 unterbrechend): Warten sie….
P2: Ja?
U.: Man sollte in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass ein Großteil meiner Beamten, dass genaue Gegenteil der Arbeit ihrer Kollegen betreiben und ihre Arbeit korrekt und sauber erledigen
P1: Was in diesem Fall ja allzuleicht vergessen wird?
U.: Es sind diese Männer und Frauen, welche abseits jedlicher Aufmerksamkeit, in aller Stille, ihre Arbeit erledigen und denen man nicht genügend danken kann
P2: Es ist sicherlich wichtig, dass zu erwähnen….aber zu den 3 extremistischen Splittergruppen in der Provinz…..zum einen die deutschen Nazis; zu anderen die italienischen Faschisten und die größte und gefährlichste dieser drei extremistischen Splittergruppen….Teile des ihnen unterstehenden Behördenapparates
P1: Nicht zu vergessen, dass zwei dieser extremistischen Splittergruppen, nämlich die italienischen Faschisten und Teile der Behördenapparate auf das Allerengste miteinander vernetzt sind
P2: Was sagen sie dazu?
U.: Dass sehr viele meiner Beamten politisch sehr weit rechts bis extrem rechts einzuschätzen sind und dies auch eine der Ursachen ist, weshalb die Geschichte mit dem Dichter dermaßen eskalierte
P1: Welcher ja mit einem seiner Werke dem Faschismus den Krieg erklärt hatte
P2: Eines Faschismus, welchen viele ihrer Beamten und deren Freunde als deren Religion bezeichnen
U.: Wir versuchen ja das Menschenmögliche….wir versuchen gegenzusteuern, indem wir die Beamten in Basiskurse schicken, in welchem diese ein Minimum an Toleranz, Unvoreingenommenheit und Respekt vor ihren Mitmenschen erlernen
P1: Einem Kurs, auf welche man wohl auch gleich sehr viele Provinzmenschen hinschicken könnte?
P2: Wo sie dann alle beide wohl andauernd durchfallen würden
U.: Eh be
P1: Zu ihrer Ehrrettung muss gesagt werden, dass ein Großteil der debilen provinziellen Masse auf ihrer Seite steht
U.: Dass freut mich dann etwas weniger
P2: Und bei all dieser negativen Propaganda für die Behördenvertreter, sollte man doch nicht vergessen, dass ein Großteil ihrer Männer sauber und gut arbeitet
U.: Eine Tatsache, welche durch diesen einen bedauerlichen Fall, etwas getrübt wurde
P1: Bleiben sie bei ihrer Aussage, dass der Dichter sehr bald tot ist und sich somit diese Problem von selbst löst?
P2: Einer Meinung, welche übrigens von der debilen Provinzmasse geteilt wird
P1: Und dem Chef der örtlichen Uniformiertenabteilung
U.: Es ist Teil meiner Arbeit mich schützend vor meine Männer zu stellen, egal was sie getan haben….so ist es nunmal….persönlich….ja persönlich….
P1: Apropos persönlich….können wir ihnen zum Abschluß noch einige persönliche Fragen stellen
U.: Eh be
P2: Das letzte Buch, dass sie gelesen haben?
U.: Die UNO-Menschenrechtscharta….immer und immer wieder….
P1: Ihr Lieblingsfarbe?
U.: Blau
P2: Ihr Lieblingsgetränk?
U.: Wasser
P1: Ihr größter Wunsch an die Zukunft?
U.: Dass Italien wieder Fußballweltmeister wird
P2. Wollen sie unseren Lesern zum Abschluß dieses Gespräch noch etwas sagen?
U.: Auch wenn es allen Provinzbewohnern unglaublich schwerfallen wird, so bitte ich doch alle Provinzbewohner, egal ob deutsch oder italienisch, den Dichter zu respektieren
P1: Vielen Dank für dieses Gespräch

Die beiden Jungreporter gehen ab und der Chef der provinziellen Uniformierten geht zu einem CD-Player und legt eine Musik-CD von Giacomo Puccini ein.
Die Musik beginnt.
Der Chef der provinziellen Uniformierten setzt sich in seinen Sessel und blickt in die Leere des Raumes.
U.: Eh be

Intermezzo

In einer Nobel-Bar

P1: ….und die Brünette dort drüben?
P2: Mit der nur ein paar Mal….die kann ich nicht weiterempfehlen
P1: Und die Kleine neben ihr?
P2: Zwei Monate….dann habe ich dieses kleine Biest für die aparte, pflegeleichte Kellnerin verlassen….und sie?
P1: Die Blondine bei der Tür, die Schwarzhaarige am Tresen, die Schülerin mit den zwei Zöpfen, die Brünette mit der Sonnenbrille, das Mütterchen im Rock dort drüben, die Mulattin bei den Stiegen, das Mädchen, dass vor dem Lokal raucht, die betrunkene Studentin dort drüben unterm Tisch, die Friseurin, die gerade ihren Kaffee trinkt, die alte Dame mit dem Hut, die Geschäftsfrau mit der roten Tasche, die Sportlerin mit dem Vitamdrink vor ihr, die Chinesin beim Fenster, die osteuropäische….
P2 (Praktikant 1 unterbrechend): Fette Beute also?
P1: Fett eher weniger….mehr reiche Beute
P2: Frauen, Drogen, schnelle Autos….dass ist das Leben
P1: Also unser Leben
P2: Wir, die größten Dreckskerle müssen zusammenhalten
P1: Es stehen ja auch alle….die Provinzpolitiker, die Provinzbehörden, das provinzielle Establishment geschlossen hinter einem solchen verkommen Menschentypus wie uns
P2: Nicht jene zu vergessen, welche uns am allermeisten stützen
P1: Unsere Väter?
P2: Nein….die Mädels
P1: Um so mehr man sie ausnutzt und schlecht behandelt….
P2: ….um so mehr wird man von ihnen dann geliebt
P1: Und dann zusammen mit den Mädels all jene auslachen und verspotten, die keine abkriegen
P2: Diese Tunten!
P1: Während unsereins die Mädels, wie andere die Kleidung, wechselt
P2: Und dabei von allen dafür bewundert werden
P1: Von den Behördenvertretern, den Provinzpolitikern….von allen!
P2: Auf uns….die Dreckskerle
P1: Darauf trinken wir
Die beiden Praktikanten genehmigen sich einen großen Schluck aus einem goldverzierten Bierglas.
P1: Nicht das Geld regiert die Welt….die Dummheit regiert die Welt
P2: Geld bedeutet mir nichts
P1: Aber auch nur, da sie zuviel davon haben
Praktikant 2 nimmt einige 500 Euro Scheine aus einer seiner Taschen und zündet diese mit einem Feuerzeug über einem Aschenbecher an.
P2: Praktikant 1, sie verhalten sich ja wie ein Manager und nicht wie ein professioneller Praktikant?
P2: Zumindest habe ich somit das gleiche Verhältnis zum Geld wie die Manager
P1: Dass wird wohl so sein
P2: Von diesem Geld hätte eine italienische Familie 2 Monate lang gut leben können
P1: Und mit dem hier
Der Praktikant 1 nimmt ein Bündel 500 Euro Scheine aus einer seiner Taschen und zündet diese mit einem Feuerzeug über einen Aschenbecher an.
P1: Mit diesem Geld hätten 5 italienische Familien 5 Monate lang gut leben können
Eine Kellnerin tretet an den Tisch, an welchem die beiden Praktikanten sitzen, heran und blickt diese Beiden vorwurfsvoll an.
P1: Wir arbeiten für das provinzielle Käseblatt….also Katze….wär dass was mit uns beiden?
P2: Hier nehmen sie….
Der Praktikant 2 reicht der Kellnerin einen 500 Euro Schein.
P2: ….und suchen sie sich einen richtigen Job….beim Zirkus….in irgendeinem Bordell….
Die Kellnerin geht wütend ab, während die beiden Praktikanten über die Kellnerin lachen.
P1: Immerzu dieser Sozialneid
Der Redakteur 6 betretet das Lokal und geht eiligen Schrittes zu dem Tisch, an welchem die beiden Praktikanten sitzen.
Dort angekommen, knallt der Redakteur eine heutige Ausgabe des provinziellen Käseblattes auf den Tisch.
R.(schreiend): Was soll denn dass?!
Verdattert blicken die beiden Praktikanten zu dem sich nun neben den beiden Praktikanten niedersetzenden Redakteur.
R.(schreiend): Wollt ihr euch über uns lustig machen?!
P1: Wie bitte?
Der Redakteur schlägt mit seiner Faust auf den Tisch.
R.(schreiend): Wer soll denn diese Interviews denn lesen?! Wer soll den diese Fragen und Antworten denn verstehen?! Dass ist doch alles viel zu kompliziert, zu….zu….dass verwirrt doch unsere Stammleser!
P2: Redakteur?
R.(schreiend): Diese Interviews sind eine publizistische Katastrophe oder glaubt ihr etwa, dass auch nur irgendeiner in der Provinz diese Interviews überhaupt versteht?!
P1: Die Interviews?
R.(schreiend): Ihr glaubt wohl ihr arbeitet für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung….nein….ihr arbeitet für dieses, unsere provinzielle Käseblatt und wir brauchen keine ausschweifenden Erklärungsversuche, komplexe Fragestellungen, dieses intellektuelle Gezetere, dass keinen interessiert….wie soll, dass unser naiver, einfacher, unkomplizierter Stammleser denn nur verstehen….ich sage euch wie unser Stammleser dass versteht….als Beleidigung seiner Intelligenz!
P2: Da der Stammleser die Interviews nicht versteht?
R.(schreiend): Woll ihr mir jetzt auch noch frech kommen?
P1: Aber….
R.(schreiend): Aber, nichts da mit einem Aber….wer soll denn all diese Fremdwörter, diese Anspielungen; ja diese Fragen denn nur einmal verstehen….ein erimitierter Universitätsprofessor?….Ihr schreibt für die Mächtigen und Reichen in der Provinz und nicht für irgendwelche perversen, dekadenten, irregeleiteten, intelligenten Menschen….VERSTANDEN!
P2: So beruhigen sie sich doch ein wenig
R.(verbal explodierend): Beruhigen!…..Beruhigen!!….Und dann diese kritischen Fragen; dieses Hinterfragen; dieses Bohren nach Antworten….ja, seids ihr von allen guten Geistern verlassen….wir brauchen und wollen hier in der Provinz keine Kritik, keinen kritischen Ansatz, keine Kultur der unterschiedlichen Meinungen….dieses substanzlose Geschwafel über den Dichter….ja glaubt ihr denn, dass interessiert auch nur irgendjemand von unseren Stammlesern….diese skandalöse Herabwürdigung der provinziellen Kunst….diese Wahrheit über unsere Götter….die Götter in Weiß….ja, wollt ihr denn für das provinzielle Käseblatt schreiben oder gleich die Provinz in Handschellen verlassen….und dann die Behörden….ja, wer sorgt denn dafür, dass die Reichen, Mächtigen und Schönen tun und lassen können wie es ihnen gerade beliebt….was glaubt ihr eigentlich euch erlauben zu dürfen?
P1(kleinlaut): Ich möchte doch nur für das provinzielle Käseblatt schreiben
P2(kleinlaut): Ich auch
R.(schreiend): Dann benützt doch bitte einmal euren Verstand…denkt einmal über unsere Blattlinie….der unerträglichen Arroganz….nach….fällt euch denn nicht dieser riesige Unterschied zwischen der Blattlinie und diesen stümpferhaft geführten Interviews auf….all diese kritischen Fragen….ach, ich könnte euch sofort erwürgen!
Einige Sekunden eisiges Schweigen.
R.(schreiend): Ich möchte keine einzige kritsche Zeile von euch mehr lesen….keine einzige….habt ihr dass ein für alle Mal verstanden?!
P1 (kleinlaut): Ja Chef
R.(schreiend): Und sie Praktikant 2?!
P2 (kleinlaut): Ja Chef
R.(schreiend): Wir sind eine seriöse Zeitung und das letzte was die Zeitung möchte, ist dass 2 nutzlose Praktikanten wie ihr beiden, plötzlich, aus einer kriminellen Laune heraus, Gefallen an der Wahrheit findet….welche, die zugegebenermaßen schreckliche Realität in der Provinz abzubilden versuchen und die Zeitung in all diesen geistigen und menschlichen Schmutz mithineingezogen wird….wir müssen parteiisch bleiben….wir müssen Partei für die Partei ergreifen….wir schreiben für, von, zu, auf, über, unter und nur für die Reichen und Mächtigen in der Provinz….geht dass in eure hohlen Köpfe auch einmal hinein?!….Verstanden!?
P2 (kleinlaut): Ja Chef
P1 (kleinlaut): Ja Chef
R.(schreiend): Erste Regel des Journalismus….niemand möchte die Wahrheit wissen….außer diese ist im ewigen Kampf gegen die Armen und Machtlosen nützlich….zweite Regel des Journalismus….der Optimismus ist….mit eurer voreingenommen, negativen Einstellung, ruiniert ihr ja unseren gesamten Berufsstand….damit seit ihr der Wirtschaft, also dem einzigen was jemals gezählt hat, lästig….dritte Regel des Journalismus….Kritik an den Reichen und Mächtigen in der Provinz….ja, habt ihr jetzt endgültig den Verstand verloren!….ja, habt ihr noch alle Tassen im Schrank!….Wir leben von, zu, für, auf, über, unter und nur für die Reichen und Mächtigen in der Provinz….wiederholt meine Worte….hoch lebe die kleinbürgerliche Idylle!….Los!
P2 (kleinlaut): Hoch lebe die kleinbürgerliche Idylle!
P1 (kleinlaut): Hoch lebe die kleinbürgerliche Idylle!
R.(schreiend): Ich verlange, dass das nächste Interview von positiven Resonanzen erschüttert ist, von optimistischen Fäden durchzogen ist, wie ein Schwamm mit Wasser….damit unsere Stammleser, dieses eure unverständliche, komplexe, intelligente, verworrene Kauderwelsch auch verstehen können!….keine Fremdwörter!….kein Nachbohren!….nix, null, garnichts!
P2(kleinlaut): Ja Chef
P1(kleinlaut): Ja Chef
R(schreiend): Ich schäme mich für euch….
Der Redakteur schlägt auf seinen Kopf ein.
R.(schreiend): Oh, wie ich mich für euch schäme!…..Und wagt es ja nicht noch einmal die Verhältnisse in der Provinz zu kritisieren….dann kastriere ich euch „Á la ProvinzNaziArzt“….VERSTANDEN!
P1(kleinlaut): Ja
P2(kleinlaut): Ja
R.(aufstehend und schreiend): Das nächste Interview ist eure letzte Chance….wenn ihr versagt, seid ihr gefeuert und nun macht euch gefälligst an die Arbeit ihr Schlafmützen!
Wutentbrannt geht der Redakteur ab.
Eisiges Schweigen, welches dann vom Praktikanten 1 gebrochen wird.
P1: ….und die Italienerin beim Zeitungsregal?
P2: Eine fade, schnelle Nummer
P2: ….und diese blutjunge, neue Kellnerin?
P1: Vor einiger Zeit….ja….hat jetzt 3 Freunde….den Besitzer des Lokals….den Pächter des Lokals….und natürlich den Dorfpatriarchen
P2: Damit ist sie wohl dann glücklich
P1: Ich habe Hunger
P2: Lass uns gehen
P1: Wir sollten wiedereinmal in den Gourmet-Tempel um die Ecke
P2: Ja, dass sollten wir
P1: Kellnerin!
Die Kellnerin gelangt zum Tisch hin.
Der Praktikant 2 reicht der Kellnerin einen 500 Euro Schein.
P2: Der Rest ist für die Umschulung
P1: ….zum Zirkuspferd
P2: Ich habe gehört, dass man im Bordell für so eine wie sie, sicherlich eine sinnvollere Verwendung hätte
Die Kellnerin nimmt den 500 Euro Schein, zerreißt diesen und geht wutentbrannt ab.
Die beiden Praktikanten gehen zum Ausgang des Lokals.
P1: Der übliche Sozialneid
P2: Dass werden die Frauen wohl nie verstehen
Die beiden Praktikanten verlassen das Lokal.

4. Tag Auf der Baustelle

P1: Noch mehr als alle anderen verehrter Herr Baumeister, sehr vielen Dank, dass sie etwas von ihrer unendlich wertvollen Zeit für dieses Interview erübrigen konnten
P2: Vielen, vielen Dank
B.: Danke
P1: Bitte
P2: Können wir mit unseren Fragen beginnen?
B.: Nur zu
P1: Ihr neues Bauprojekt stellt nicht nur alle bisherigen provinziellen Bauprojekte in den Schatten; denn übertrifft angesichts der Größe des Projekt; der Anzahl der beteiligten Firmen, der beteiligten Ingenieure alle bisherigen Bauvorhaben in der Geschichte Europas. Sind sie stolz ein solch wichtiges Projekt zu leiten?
B.: Als ich vor kurzem, nach langen Überlegungen, die Leitung über dieses Projekt übernommen habe, da war ich mir der riesigen Verantwortung, welche nun auf meinen Schultern ruhen würde, durchaus bewußt; nichtsdestotrotz erfüllt es mich nun, da ich die Leitung übernommen habe, mit Stolz und einem damit eingehenden Pflichtgefühl, denn ich bin der Überzeugung; dass ein jeder Baumeister, egal wo sich dieser auf dieser Erde auch befindet; von solch einem Projekt träumt und hofft ein solches irgendwann einmal verwirklichen zu können
P2: Als Chef von 80.000 Arbeitern stehen sie nun sicherlich von noch nie dagewesenen, unlösbar anmutenden logistischen Herausforderungen?
B.: Logistische Herausforderungen, von welchen ein jedes einen jeden Tag auf ein Neues gelöst werden muss….aber der Glaube der mich, die Architekten, die Bauingenieure, die Geologen, die Vorarbeiter,…. immer wieder auf eine Neues motiviert, ist natürlich die Tatsache, dass sich mit diesem Bauprojekt das Leben aller Provinzmenschen in dramatischer Art und Weise verbessern wird, auch wenn ich dem anmerken muss, dass diese Verbesserungen im alltäglichen provinziellen Leben erst mit dem Vergehen der Zeit ihre Wirkung in all ihrer Schönheit entfalten werden können
P1: Das Projekt lag ja lange Zeit in den Planungsschubladen und galt als unrealisierbar….
B.: Bis die Zeit dafür reif war
P2: ….und mit dem Baubeginn am 16.02.2009 begann aus einer Provinz-Utopie dann Realität zu werden
B.: Ein ehrfürchtiges Gefühl, ja….ich bekomme immer noch eine Gänsehaut wenn ich daran zurückdenke
P1: Dieses Bauprojekt wird ja aus rein privaten Quellen finanziert. Warum verzichten die Bauherren bei einem so kostspieligem Projekt auf jedliche Beteiligung von amtlichen Stellen bzw. staatlicher Unterstützung?
B.: Dieser, im Vorhinein festgelegter Verzicht auf öffentliche Gelder, war eine der Grundvoraussetzungen für den Beginn der Bauarbeiten….es war den Verantwortlichen ein wichtiger Aspekt dieses Projektes, dass niemand, also kein Politiker, kein Staatsvertreter, keine Behörde, kein ausländischer Investor, keine Lobby, keine Clique in dieses Projekt, irgendwelchen, wie auch immer geartete, Einflußmöglichkeiten besitzen
P2: Bei einem solchen, in dieser Größenordnung noch nie dagewesenen, Megaprojekt sicherlich ein Novum in der Provinz?
B.: Dadurch wurde auf jeden Fall der praktische Aspekt des Vorhabens, also jener Teil, welcher meiner Leitung unterliegt, nicht einfacher….alles und ich betone alles….alles wird doppelt und dreifach geprüft, bis es niet- und nagelfest ist, die Sicherheitsbestimmungen werden auf das Genauestes eingehalten und einer andauernden Kontrolle unterzogen; jeder Baufortschritt wird in vielfacher Ausfertigung dokumentiert; somit versuchen wir die wohl zu erwartenden zahllosen Beanstandungen von amtlicher, wie nichtamtlicher, wie von politischer Seite im vorhinein zu unterbinden….mit dieser Professionalität, mit dieser Präzision und Genauigkeit in allen Aspekten des Bauvorhabens stellt dieses Projekt somit sicherlich ein Novum dar….somit bieten wir dem provinziellen Establishment keine Angriffsfläche, welche ebendieses bei einem solch großen Projekt ohne jedliche Einflußnahme, natürlich andauernd suchen wird….
P1: Um unsere Leser nicht zu verwirren….ein Novum bedeutet wortwörtlich etwas Neues, noch nicht Dagewesenes….aber zurück zu den Fragen….
P2: Was ist das größte Problem auf welches sie im Zuge der bisherigen Bauarbeiten gestoßen sind?
B.: Da wären vor allem zuallerst die technischen Probleme zu benennen
P1: Konkret heißt dass?
B.: Zum einen der provinzielle Boden, welcher sich als noch härter, undurchdringlicher und dickschädeliger erwiesen hat, als angenommen….aber um ein technisches Problem ganz konkret zu benennen; so mussten wir aufgrund der Höhe des Bauprojektes die Einfluschneisen der vier naheliegenden Flughäfen ändern….was uns natürlich nur über den Kauf ebendieser Flughäfen gelingen kann
P2: Die Einflugschneisen der landenden und startenden Flugzeuge….auch ein Novum?
B.: Anfang der 80-er Jahre gab es dass, soweit ich mich erinnern kann, schon einmal….in der Nähe von Korrupistan
P1: Aber alles in allem scheinen die Bauarbeiten zügig voranzugehen?
B.: Auf der Baustelle wird rund um die Uhr gearbeitet….24 Stunden von 24 Stunden; und da sich bei einem solch großen Projekt, wie bereits gesagt, natürgemäß und in in diesem Fall natürlich im besonderen Maße, Protest aus den provinziellen Reihen erhebt, haben alle Beteiligten ein großes Interesse, dass die Bauarbeiten zügig vonanstatten gehen
P2: Gab es schon Störaktionen?
B.: Darüber will und darf ich nicht sprechen
P1: Verständlich….stimmen sie uns zu, wenn wir das Projekt als kleinen Schritt für die Menschheit, aber einen großen Schritt für die Provinz bezeichnen?
B.: Ja, dieses Projekt wird vieles in der Provinz verändern
P2: Das Projekt trägt ja nicht umsonst die Bezeichnung „Die Zukunft der Provinz“?
B.: Eine sehr passende Bezeichnung….dass finde ich zumindest
P2: Und diese Zukunft rückt, dank ihres Fleiß und Arbeitseifer, mit jedem Tag näher
B.: Wir bemühen uns alle unser Bestes zu geben
P1: Das Fundament dieses Bauvorhaben ist, wir wir uns zuvor hier auf der Baustelle selbst überzeugen konnten, nun gelegt….was stellt nun die größte Herausforderun bei diesem Bauprojekt dar?
B.: Wenn das Bauprojekt ersteinmal fertiggestellt ist, wird sicherlich die Bewußtseinmachung bei der provinziellen Bevölkerung, das größte Problem darstellen….wenn die Provinzmenschen ersteinmal realisieren, was natürlich in sehr kleinen Schritten geschehen muss, welche Veränderungen nun in ihrem alltäglichen Leben langsam Realität werden; dass sich mit der Fertigstellung des Projekts sich das Leben in der Provinz grundlegend ändern wird, wird es wohl zu einer kurzfristigen, breiten Ablehnung kommen, welche aber sehr bald in Euphorie und Freudestänzen umschlagen wird
P2: Erklärtes Ziel dieses Projekts namens „Die Zukunft der Provinz“ ist es ja, dass in Zukunft keiner dieser ProvinzNaziÄrzte, keiner dieser selbstherrlichen Provinzkünstler, keine dieser bohaften Frauen; dass weder der deutsche noch der italienische Pöbel, Teile der debilen Masse, jener Anteil an Provinzpolitikern, welche ihre Arbeit hinterhältig und niederträchtig ausführen; jene Behördenvertreter, welche für ihre Arbeit vollständig unqualifiziert sind, diese irren Verwandten, all diese Gutmenschen wie die Schuldirektoren; dass also keiner dieser Genannten mehr einen Platz in der Provinz finden wird
B.: Jenen Platz, welcher diesen durch das riesige Ausmaß des Bauprojektes genommen wird
P1: All diese Genannten haben also keinen Platz, ja keinen Raum mehr in der Zukunft der Provinz und somit in dieser Zukunft der Provinz nichts mehr zu suchen
B.: So ist es
P1: Zu deren Besänftigung man aber sagen muss, dass man diese dafür die Vergangenheit überlässt
B.: Welche diese Personengruppen gerne behalten können, mit all der von ihnen aufgeladenen Schuld, ihrer Boshaftigkeit und Niedertracht
P2: Die Provinz blickt also somit, ohne all diese genannten Personengruppen, in eine wahrlich schönere und bessere Zukunft?
B.: Für diese Genannten gibt es in der Provinz in der Zukunft keinen Platz mehr
P1: Wobei man auch sagen sollte, dass diese Genannten, hinter welchen sehr viele Menschen in der Provinz stehen, dadurch vielleicht einem Lernprozess ausgesetzt werden, welchen ebendiese, angesichts der zukünftigen Toleranz, des Miteinander und nicht wie das bisherige Gegeneinander; des gegenseitigen Respekt und der Toleranz gar nicht….aber wohl auch gar nicht ertragen werden
B.: Heimat, fremde Heimat
P1: Diese Personengruppen werden also emigirieren?
B.: Angesichts der zukünftigen Toleranz, des Respekts, des Miteinanders, der Verurteilung und Ächtung von Geldgier, Selbstbereicherung, krimineller ärztlicher Komplizenschaft und Freunderlwirtschaft; dem Ende der provinziellen Boshaftigkeit, der Niedertracht und der menschlichen Verkommenheit; dem Niedergang des provinziellen Netzwerk zur Vertuschung, Unterdrückung und Irreführung des Volkes, wird wohl all diesen Provinzpolitikern, ProvinzNaziÄrzten, all diesen provinziellen Behördenvertretern, all diesen Provinzkünstlern, diesen irren Verwandten, dem deutschen wie italienischem Pöbel, den boshaften Frauen, Teilen der debilen Masse, wohl nichts anderes übrig bleiben, als zu emigrieren
P2: Es halten sich hartnäckig Gerüchte, dass diese genannten Personengruppen nach Österreich emigrieren werden
P1: Also der Ostmark
B.: Einem Land, wo dann wohl vor allem die irren Verwandten mit offenen Armen begeistert empfangen werden
P2: Der Wiener Zoo hält anscheinend einige tausend Gehege für diesen Ansturm frei
P1: Was dann wohl die Ausnahmesituation Österreichs als geldgieriges Land, dessen Antlitz vom neoliberalen Kapitalismus hin zur Ausbeutung, Knechtung und Entrechtung der Menschlichkeit bereits zerfressen wurd, bestätigen würde
B.: Sehen wird doch den positiven Effekt….somit können all diese provinziellen Behördenvertreter, Politiker, diese irren Verwandten, diese boshaften Frauen, die ProvinzNaziÄrzte, diese „Künstler“ dort mit breiter Unterstützung durch Staat, Gesellschaft und so weiter ihr alltägliches, verderbliches Leben weiterführen
P1: Nächste Frage….was ist ihre ganz persönliche Motivation bei diesem riesigen Bauvorhaben?
B.: Wollen sie dass auch wirklich wissen?
P2: Unsere Leser haben ein Recht darauf davon zu erfahren
B.: Also dann….meine persönliche Motivation bei diesem Projekt ist jene, dass der eine Dichter sich nicht mehr – und verzeihen sie mir meine Wortwahl – mit all diesen „superstronzi“ auseinandersetzen muss; denn sein vorhandenes Talent zum Schreiben von Fragmenten und Gedichten undsoweiter einsetzt, welche die Menschen bereichern, inspirieren, Kraft gibt, Hoffnung schenkt, an etwas glauben lässt, für dass es sich im Leben zu kämpfen lohnt, zu kämpfen lohnt, die Menschen zum nachdenken bringt….wohlgemerkt, nicht die Menschen zu unterhalten oder glücklich zu machen, denn wacher, aufmerksamer, kämpferischer, denn für einen respektvollen Umgang miteinander und nicht gegeneinander….dass all diese „superstronzi“ den Dichter in Ruhe lassen und dieser was Schönes schreibt
P1: Sie möchten also ein weiteres „Unterm Berg“ verhindern?
B.: Verhindern ist das falsche Wort….es muss doch möglich sein, dass der Dichter in Zukunft Rahmenbedingungen vorfindet, welche diesem, nach all diesen Katastrophen der vergangenen Jahre, ermöglicht, dass zu schreiben, was die Menschen bereichert, zum Kämpfen für ein würdevolles Leben bringt….also sein wahres Potential ausspielt….und sich nicht in provinzielle Kleinkriege, in all diese Geschichten mithinunterziehen lässt
P2: Kann man da eine leise Kritik am Dichter heraushören?
B.: Natürlich ist es schwierig….aber für alle ist es schwierig, nicht nur für den Dichter….aber gerade durch diese gigantischen Schwierigkeiten, welche sich beim Dichter auftürmen, gerade daraus kann doch etwas ganz Großes erwachsen
P1: Welches sehr viele bisher mit allen Mitteln zu verhindern versuchten?
B.: Und damit, sie wissen es nicht und werden es vielleicht auch nie wissen, auf ganzer Linie gescheitert sind
P1: Denen sie ja auch mit ihrem riesigen Bauprojekt in Zukunft deren Platz in der Provinz wegnehmen
B.: So ist es
P2: Zum Abschluß noch einige persönliche Fragen
P1: Dürfen wir?
B.: Nur zu
P2: Das letzte Buch, dass sie gelesen haben
B.: Eine Biographie von Jean Paul Getty
P1: Ihre Lieblingsfarbe?
B.: Betongrau
P2: Ihr Lieblingsgetränk?
B.: Moet Chandon
P1: Ihr größter Wunsch an die Zukunft?
B.: Mehr Platz für noch größere Projekte
P2: Noch mehr verehrter Herr Baumeister wir bedanken uns bei ihnen für dieses geistreiche Gespräch

5. Tag Im Rathaus

P1: Noch mehr als alle anderen verehrter Herr Dorfpatriarch, sehr vielen Dank, dass sie etwas von ihrer unendlich wertvollen Zeit für dieses Interview erübrigen konnten
P2: Vielen, vielen Dank
D.: Was soll das Geschleime?
P1: Können wir mit den Fragen beginnen?
D.: Wenn menschenmöglich ja
P2: Sie sind nun mit 55 Jahren als Dorfpatriarch der altgedienteste Dorfpatriarch in der Provinz; der 48.te Stammhalter ihres familiären Stammbaumes….herzlichen Glückwunsch dazu
D.: Danke
P1: Bitte
P2: Hat sich in diesen 55 Jahren an ihrer Stellung im Dorfleben, im Lauf der Dinge und der Menschen irgendetwas verändert?
D.: Nein
P1: Dorfpatriarch kann man ja nicht werden, es gibt keine Ausbildung dafür, man erbt diesen wichtigsten Posten, den man in der Provinz innehaben kann, ja von Generation zu Generation an den Erstgeborenen weiter. Spüren sie in dieser Hinsicht ein besonderes Verantwortungsgefühl gegenüber ihren Vätern?
D.: Nur in jenem Sinne, dass alles so schön, einfach und naiv bleibt, wie es schon immer war und hoffentlich auch immer bleiben wird
P2: Es ist ihnen also ein wichtiges Anliegen, die von ihnen als Dorfpatriarch verkörperte Familientradition hochzuhalten?
D.: Dass sich in den Dörfern in den vergangenen 100 Jahren nichts geändert hat, ist sicherlich auch mein Verdienst und jener meiner Familie
P1: Wofür sie ja von allen Seiten Respekt und Anerkennung ernten. Wie schwierig ist es, gegen diesen Sturm der Moderne anzukämpfen?
D.: Veränderung ist schlecht
P2: Wie kann man sich den Tagesablauf eines Dorfpatriarchen vorstellen?
D.: Die Arbeit beginnt frühmorgens und endet spätnachts….karge Kost, karge Bedingungen….ein karges Leben
P2: Wobei es heutzutage bei all diesen dekadenten Verlockungen doch wohl sehr oft Konflikte, Wirtshausschlägereien und Probleme geben dürfte?
D.: Die gab und wird es immer geben
P2: In ihrer Funktion als Dorfpatriarch sehen sie sich ja gezwungen andauernd in die Leben einer Unzahl von Menschen zu intervenieren. Wie gehen sie da konkret vor?
D.: Von Fall zu Fall und immer sehr subtil und sehr diskret….Ziel ist es, dass der Betroffene bzw. die Betroffene davon nichts mitbekommt bzw. bemerkt….die betreffende Person soll im guten Glauben gelassen werden, dass nur sie selbst entscheidet….
P1: Sehr raffiniert sozusagen?
D.: Am Ende treffen diese betreffenden Personen dann immer meine Entscheidung, von welcher sie glauben, es sei ihre Entscheidung
P2: Es gedeihen und scheitern also der Menschen Schicksale unter ihrer bekanntlich strengen Fuchtel?
D.: Dann kann man durchaus so sehen
P1: Es kommt ja selten, bis nie vor, dass ein Dorfpatriarch in das Licht der Öffentlichkeit findet. Was hat sie dazu bewogen aus dem Schatten des dörflichen Lebens in das Licht zu treten?
D.: Die Müdigkeit, das Alter….ach, ich weiß es nicht
P2: Es haben sich ja, auch wenn sie und die anderen Dorfpatriarchen, es wohl noch nicht bemerkt haben, in den vergangenen Jahrhunderten einiges am Lauf der Dinge, am Lauf der Menschen geändert. Wie gelingt es den Dorfpatriarchen das Dorfleben davon völlig unberrührt zu belassen?
D.: Indem wir als dörfliche Gemeinschaft zusammenstehen und uns gemeinsam in rigider Art und Weise von den Versuchungen der perversen Moderne abschotten
P2: Alle Schotten dicht?
P1: Ihr Wort ist also das Gesetz?
D.: Und alle akzeptieren dies wohlwollend
P2: Wie kann man sich diese Abschottung vorstellen?
D.: Keine assozialen Elemente im Dorf; denn ein von Harmonie, Gruppenzwang und Unterwerfung geprägtes Dorfleben; keine Mitbestimmung, denn die Entscheidungen werden über die Köpfe der Dorfmenschen hinweg gefällt; unser tägliches Brot uns zu erarbeiten; so wie das Um und Auf des Dorfes ist….zu arbeiten, zu arbeiten und zu arbeiten
P1: In letzter Zeit kam es zu einiger medialer Aufruhr, als einige Fälle von Nepotismus und Inzestfälle aufflogen….man sagte, dies sei nur die Spitze des Eisberges
D.: Dass sind die üblichen Verleumdungs- und Rufmordkampagnen der Medien; welche jedlichen konkreten Anhaltspunkt vermissen lassen
P2: Die heile, dörfliche Welt, welche erste Risse bekommt?
D.: Dass sehen aber auch nur sie solchermaßen….ich sage ihnen etwas in aller Offenheit, also in gewohnt ungewöhnlicher, ja undörflicher Weise….Nepotismus und Inzest waren schon immer wesentliche Bestandteile des dörflichen Lebens und niemand hatte jahrhundertelang ein Problem damit….warum also jetzt ein Problem daraus machen….sehen wir das Positive daran….die Dorfbewohner bleiben unter sich und die perverse Moderne außenvor
P1: Es hat sich ja die gesellschaftliche Stellung, die Rolle der Frau in den zurückliegenden 50 Jahren, zumindest in unserer westlichen Wertegemeinschaft, wesentlich geändert….
D.: Hat sich da auch wirklich was verändert?
P2: Ja durchaus, Frauen können nun frei und selbstständig….
D.(Praktikant 2 unterbrechend): Die Frau ist von Natur aus dem Mann untertan und hat sich um die Kinder zu kümmern
P1: Und ansonsten nichts?
D.: Alles andere ist verwerflich, überflüssig und schmutzig; hat im Leben einer Frau nichts zu suchen….wir haben ja bei vielen Frauen gesehen, wohin diese Freiheit führt….Drogen, Proskumität, Wahnsinn, Aufbegehren….nur all diese Drogen….Drogen….diese Drogensüchtigen
P2: Apropos suchen….was haben sie im Leben all dieser Frauen zu suchen?
D.: Als Herr über Leben, Liebe und Schicksal entscheide nunmal ich
P1: Ohne irgendeinen Widerspruch zu dulden
D.: Wo würden wir denn hingelangen, wenn nicht einer für alle entscheiden würde?
P2: Sie entscheiden also was das Beste und das Richtige für die Dorfmenschen ist?
D.: Es hat mir in 55 Jahren noch nie jemand widersprochen
P1: Da alle sie als unfechtbare, unfehlbare Autorität von Geburt an respektieren?
D.: Was sich im dörflichen Leben nie ändern wird
P2: Wegen dem Widerspruch….die dörflichen Menschen sind keine Leibeigenen mehr, auch wenn sie sich solchermaßen behandeln und diese kein Problem damit zu haben scheinen und hätten rein theoretisch einen freien Willen
D.: Einen was?
P2: Einen freien Willen
D.: Noch so ein dekadenter Begriff dieser perversen Moderne….frei war der Wille noch nie und was einer möchte, dass hat einen Dorfpatriarchen nicht zu interessieren
P2: Sie haben also alles in allem ein eher patriarchalisches Weltbild?
D.: Welches von all meinen Dorfmenschen geteilt wird
P1: Sie gelten ja weithin als vielbelesen und vielgereister Mann; trotzdem stehen sie für eine rigide Abschottung der Dorfbewohner von der Außenwelt. Wie kann man sich dies erklären?
D.: Gerade dadurch, dass ich die Welt gesehen und verstanden habe, bin ich für diese Abschottung nach außen hin….für diese einfachen Menschen ist es das Beste sie wissen nichts und glauben der Mittelpunkt der Erde zu sein
P2: Eine Vorgangsweise welche sie für alle treffen
D.: Ich entscheide für alle….ja
P1: Aufklärerische Tendenzen haben also im dörflichen Alltag nichts verloren?
D.: Alles was die Dorfbewohner wissen sollen und können, erfahren sie von mir
P2: Also ein sehr gefilterte Information
P1: Also erfahren die Dorfbewohner nur dass, was sie für diese als Information geeignet erachten, was in ihr Weltbild passt?
D.: Es gibt nur eine Meinung im Dorf….und zwar meine
P1: Eine tolerante, weltoffene Einstellung, Mitspracherechte, ja Mitbestimmung; etwas so Abstraktes wie Kultur sind also nichts für sie, also für die Dorfbewohner?
D.: Nein, all diese verwerflichen Errungenschaften der Moderne sind nichts für meine Menschen
P2: Sie sagen meine Menschen, gerade so, als ob sie diese besitzen würden?
D.: Besitz ist das falsche Wort….ich verfüge nur über sie
P1: Als sie letztens die dörfliche Ehe zwischen der Inzest-Klara und dem Nepotisten Johannes arrangierten, da regte sich dann ja doch etwas, was wie Widerstand aussah, aus den Reihen der Dorfbewohner. Zeigt dass nicht, dass die Zeiten sich auch in den Dörfern langsam zu verändern beginnen?
D.: Nein, nein und nochmals nein; die Rebellion wurde im Keim erstickt und die beteiligten Familien aus dem Dorfleben ausgeschlossen
P2: Diese Familien tragen als von nun an das Kainsmal und werden geächtet?
D.: Wir haben diesen Familien einen Umzug in das nächste Dorf vorgeschlagen; aber dort, so habe ich erfahren, möchte solch eine moralisch verlotterte Bande auch niemand
P1: Sie bleiben also dabei, kein Problem mit dem Nepotismus und Inzest zu haben?
D.: Die Städter haben die Dekadenz und die Perversion und wir in den Dörfern haben den Inzest und den Nepotismus
P2: Es bleit also alles wie es war und bleiben wird?
D.: Dafür zu sorgen, obliegt meiner Obhut
P1: Es gilt also festzuhalten, dass sie und ihre Dorfbewohner den Verlockungen der Moderne noch nicht erlegen sind?
D.: Unsere Unwissenheit, unsere Naivität, unsere Beschränktheit bildet einen natürlichen Schutzwall gegen diese modernen, hohlen Versprechungen
P2: Das Schöne am Dorfleben ist also dessen Einfachheit und Unkompliziertheit….alles Komplizierte und Komplexe, alles was man nicht auf den ersten Blick durchschauen kann, verendet vor den Grenzen des Dorfes
D.: Wollen sie uns Dorfbewohner als dumm beleidigen?
P1: Nein, denn der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel
D.: Und was könnte ein höherer Zweck sein, als die Dorfgemeinschaften vor den Verfehlungen dieser restlos dekadenten Moderne, dieser perversen Aufklärung; diesem Geschwür der Demokratie zu beschützen
P2: Wie kann man sich bei jemand gesellschaftlich und politisch ach so wichtigen Vertreter der Provinz das Geschichtsbild vorstellen?
D.: Es ist leider unschicklich geworden, darrüber gut zu sprechen….aber ich lasse mir den Mund von diesen Demokraten, Emanzen, Liberalen und Menschenrechtlern nicht verbieten….aber es ist doch eine historische Tatsache, dass sowohl im Mittelalter, als auch unter den Nazionalsozialisten überall unsere dörflichen Tugenden herrschten….Zucht und Ordnung….Disziplin und Sauberkeit….und was gelten diese Werte in der perversen Moderne…..gar, gar nichts….muss man also in solch unmoralischen, wertelosen Zeiten, als Dorfpatriarch nicht seine schützende Hand über die Dorfgemeinschaft legen?
P2: Sie sympatisieren also mit dem Rechtsextremismus?
D.: Der einzige Extremismus denn ich kenne, ist dieses Geschwür aus Demokraten, Liberalen und Menschenrechtlern, welche unsereins erzählen möchten, wie man es besser macht
P1: Sie teilen also die in der Provinz unter Behördenvertretern und Provinzpolitikern weitverbreitete Meinung, dass früher unter den Faschisten bzw. den Nationalsozialisten alles besser war?
D.: Unumwunden….ja!
P2: Ihr konservatives, an Naivität und Hinterwäldlertum kaum zu überbietendes Weltbild; welches an den Grenzen ihres Dorfes endet, erinnert nicht nur wegen seiner beinahe lächerlich anmutenden Doppelmoral, sehr an die ehemalige US-Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin. Ist diese Redneck-Mentalität von nichts zu wissen und nichts wissen zu wollen, stolz auf seine Dummheit zu sein, ist diese Mentalität wieder im Kommen?
D.: Politik ist ein Produkt und muss verkauft werden….ich mache keine Politik, ich entscheide und fertig….in diesem Punkt sind wir Dorfbewohner und diese Rednecks uns wohl dann ähnlich
P1: Also?
D.: Die Menschen wollen einfache Antworten auf einfache Fragen….einfache Fragen zu einfachen Antworten….einfache Menschen wollen einfache Menschen….einfache Lösungen für einfache Menschen….es sollte alles so wie bei uns werden….jeder hat seinen Platz im Dorf, haltete seinen Mund und niemand im Dorf hat auch nur die leiseste Ahnung, was sich hinter dem nächsten Hügel befindet
P2: Ein wesentliches Element ihrer Macht und deren Ausübung ist die Angst….die Angst vor dem Fremden; die Angst vor der Welt; die Angst….
D.(Praktikant 2 unterbrechend):Nein, solche Fragen auch, ich muss dann….
P1: Wir verstehen Herr Dorfpatriarch….können wir ihnen zum Abschluß noch einige persönliche Fragen stellen?
D.: Aber schnell
P2: Ihre Lieblingsfarbe?
D.: Rosa
P1: Das letzte Buch, dass sie gelesen haben?
D.: Lassen sie mich überlegen….vor 20 Jahren ein Buch vom Peter Rosegger
P2: Ihr Lieblingsgetränk
D.: Selbstgebrautes Dorfbier
P1: Ihr Lieblingsessen
D.: Kartoffeln
P2: Ihr größter Wunsch an die Zukunft?
D.: Dass alles so war und war wie es war
P1: Noch mehr als alle anderen verehrter Herr Dorfpatriarch, wie bedanken uns bei ihnen für dieses Interview

6.Tag Im Tourismuslabor

P2: Noch mehr als alle anderen verehrter Herr Tourismusvisionär, sehr vielen Dank, dass sie etwas von ihrer unendlich wertvollen Zeit für dieses Interview erübrigen konnten
P1: Vielen, vielen Dank
P2: Können wir dann mit der ersten Frage beginnen?
T.: Fragen sie
P1: Es ist ihnen, Herr Tourismusvisionär gelungen, innerhalb kürzester Zeit, das größte provinzielle Tourismusunternehmen aufzubauen….herzlichen Glückwunsch dazu
P2: Sie sind nun Teilhaber einer Hotelkette, welche von Wien über die Provinz bis hin nach Prag Standorte unterhält und sind somit in die erste Liga der provinziellen Global-Player aufgestiegen
P1: Und daher lautet unsere erste Frage an sie…..was ist ihr Erfolgsrezept?
T.: Ein Erfolgsrezept als solches gibt es natürlich nicht, es sind eine Vielzahl von äußeren wie inneren Faktoren, von welchen ein jeder oberster Priorität genießt, welche über Erfolg bzw. Misserfolg eines solchen Unternehmen entscheiden….wichtig ist auf jeden Fall, dass diese inneren wie äußeren Faktoren im Austausch miteinander harmonisieren und ein stimmiges, profitables und kundenfreundliches Ganzes abgeben….solche Faktoren wären z.B. die Mitarbeiterauswahl, die Qualitätssicherung in allen unternehmerischen Unterbereichen, der geschäftliche Spürsinn zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, die Auswahl der zu einem passenden Geschäftspartnern, Glück, Zufall, das Wetter und einige schöne Nutten, wenn die Bestechlichkeit und die Käuflichkeit auch nicht mehr weiterwissen
P2: Das Unternehmen expandiert in großen Schritten; zusätzlich weiten sie ihre Angebotspalette kontinuierlich aus. Es erscheint als kenne ihr Unternehmen keine Grenzen des Wachstums. Ist dieses grenzenlose Wachstum auch das Unternehmensmotto?
T.: Jeder Schritt, welcher zur Aquisition bzw. weiterer Expansion des Unternehmen führt, wird von uns genauestens auf seine Renabilität, Durchführbarkeit und ob es zu unserer Unternehmensphilosophie passt, geprüft….in dieser Hinsicht passen wir uns nur an die Gesetzmäßigkeiten des freien Marktes an und handeln dann nach der Maxime; der Konkurrenz in diesem Wettlauf um den Kunden immer achtundreißig Schritte voraus zu sein….somit kennt der Expansionsdrang unseres Unternehmen wohl keine Grenzen
P1: Und was erwartet der Kunde heutzutage von einem Hotel? Mit welchen Dienstleistungen und mit welchen Angeboten ködern sie den Kunden gerade in einem ihrer Hotels abzusteigen?
T.: Zuverlässigkeit würde ich sagen….und dann natürlich das Niveau….16 hauseigene Pornokanäle in jedem Zimmer-TV eingespeichert; einen Nutten-Katalog in jedem unserer Stadthotels; ein seriöses Personal, welches dem Kunden 24 Stunden am Tag zur Disposition steht; ein sehr spezieller Zimmerservice; ein Whirlpool in jedem Zimmerbad….auf diese und viele andere garantierte Angebote, kann der Kunde bei uns zurückgreifen….und dann natürlich das Vertrauen; welches mit unserer Zuverlässigkeit und natürlich dem Niveau sich zu einer gegenseitigen, guten Geschäftsbeziehung; Gast-Hotelier Beziehung dann naturgemäß entwickelt
P1: Sie sprechen also vor allem das gehobene Einkommenssegment der Touristen an?
T.: Wir bieten und darauf bin ich stolz, Qualitätstourismus zu fairen Preisen an….oder kennen sie eine Hotelkette, welche ihren Gästen 16 hauseigene Pornokanäle anbietet?
P2: Sie haben also 16 hauseigene Pornokanäle….sind ihre Gäste Perverse?
T.: Unsere Gäste sind vermögend, somit erübrigt sich diese Frage von allein….außerdem hat die Moralpolizei ihr Einverständnis zur täglichen 24-Stunden Ausstrahlung dieses Erwachsenenprogrammes gegeben….so what….
P1: Der Kunde ist der König
P2: Aber lassen sie uns das Thema wechseln….hat es in ihrem Unternehmen aufgrund der sich wie ein Lauffeuer ausbreitenden Weltwirtschaftskrise schon Einschnitte bzw. Einbrüche in den Geschäftsbilanzen gegeben?
T.: Nein, bisher zumindest noch nicht, denn wir haben uns auf dem freien Markt solchermaßen positioniert, dass wir eventuell auftretende Stornierungen, Ausfälle, Umsatzeinbrüche sofort ausgleichen können
P1: Da sind wir jetzt aber gespannt….wie soll dass funktionieren?
T.: Diese Geschäftspraktiken unterliegen dem Betriebsgeheimnis
P2: Dass haben wir uns schon gedacht und wird mit Sicherheit ihre Kreditgeber beruhigen
P1: Sie haben im vergangenen Sommer in einem Interview mit der Konkurrenz, die keiner liest und niemand kennt, davon gesprochen, dass die touristische Infrastruktur in der Provinz, noch sehr verbesserungswürdig wäre…..?
T.: Ja?
P2: ….dass in der touristischen Infrastruktur der Provinz noch mindestens 30 Golfplätze; 60 Gourmet-Restaurants; 4 Flughäfen; 120 Beauty-Farmen; 240 Nobel-Bordelle und 480 Nobel-Nobel-Nobel fehlen….und da sie sich diese fehlende touristische Infrastruktur, als Vertreter der allmächtigen Wirtschaft wünschen, wird diese fehlende Infrastruktur wohl, egal was die Provinzbevölkerung dazu sagt, verwirklicht werden. Sind sie ein Surrealist?
T.: Nein und außerdem wurde ich falsch zitiert; eigentlich forderte ich 60 Golfplätze in der Provinz für unsere betuchte Kundschaft….schließlich kann man doch keinen Gast heutzutage zumuten 2 Tage in Folge auf dem geleichen Golfplatz zu spielen
P1: Sie haben sich also, wenn wir dass einmal so feststellen können, die unerträgliche Arroganz, die unausstehliche Überheblichkeit und dass sich mit Gott gleichzusetzen; ihrer betuchten Kundschaft eins zu eins übernommen
T.: Soll dass etwa ein Vorwurf sein?
P2: Nein, absolut nicht
T.: Als Wirtschaftstreibender bin ich nunmal ein Gehetzter und Gepeinigter meiner Kunden
P1: Ist ihnen auch aufgefallen, wie oft und dann kritiklos Wirtschaftsvertreter in Interviews einen absoluten Nonsens, einen totalen Blödsinn, einen dumpfen Stumpfsinn von sich geben?
T.: Dass liegt in der Natur des Business….täuschen, tricksen, foulen, bestechen, gewinnen und am Ende kennt sich keiner mehr in diesem Dschungel mehr aus
P2: Und trotzdem teilen anscheinend alle ihre Meinung?
T.: Zu dieser Frage muss ich sie an unsere Werbeargentur verweisen….diese sorgen für eine einheitliche Meinung der kritischen Masse
P1: Geld hat immer Recht?
T.: Nicht nur das Recht, auch das Unrecht
P2: Man könnte doch, um auf ihr Beispiel der fehlenden, also dringend benötigten, Golfplätze, zurückzukommen; doch auch, diese überflüssigen Bergspitzen einfach hinwegsprengen; damit ihre Gäste, da diese dies aufgrund des hauseigenen Evaluierungsbogen wünschen; den Sonnenaufgang einige Minuten früher genießen können?
P1: Oder die Autobahnausfahrt direkt zum Parkplatz eines ihrer Hotels hinbauen?
P2: Oder die Skipisten vor ihren Hotelrestaurants enden lassen….
P1: Wo dann die Gäste bei Kaviar und den aufspielenden Rolling Stones den Tag ausklingen lassen
T.: Ich bitte sie….wir sind hier doch nicht in der Schweiz….leider….
P2: Einer Schweiz, einem Land, in welchem sie in den nächsten Jahren einige Luxusressorts eröffnen werden….
T.: Ja, diese Information ist korrekt
P2: Erwarten sie ebendort aufgrund der für Außenstehende doch etwas verwirrenden Schweizer Geschäftspraktiken größere Schwierigkeiten für ihr Unternehmen?
T.: Nein, gänzlich im Gegenteil….wir müssen nur einen Bruchteil der Steuern bezahlen und den Rest können wir ganz legal hinterziehen….außerdem hilft uns die Schweizer Mentalität unsere Geschäfte im Sinne des Schweizer Bankgeheimnisses zu führen
P1: Was immer dass auch bedeuten möge
P2: Welchen Typus Gast erwarten sie in ihren Schweizer Luxusressorts und was bieten sie diesem?
T.: Wir erwarten in erster Linie Banker und ihre Geschäftsfreunde als Gäste; also Waffenhändler, Drogenbarone, Diktatoren, deutsche und englische Bankenbosse, Adelige, das Jet-Set und wir bieten all diesen, den für unsere Hotelkette typischen Luxus….bei uns können diese hochverehrten Herrschaften nach einem langen, anstregenden Tag des Geldwaschen in unserer bekanntlich besonders nuttenfreundlicher Atmosphäre, mit Menschenschlächter Welcome-Drinks und blutigen Bürgerkriegs-Häppchen optimal entspannen
P1: Ihr Geschäftsprinzip ist also, so wie bei allen anderen Wirtschaftsunternehmen, frei von solch störenden, ja lästigen Faktoren wie Ethik, wie Moral, wie Anstand….
T.: Ich leite ein Unternehmen, keine Kirche
P2: Haben sie, um in die Provinz zurückzukommen, den Satz „der für Mensch und Natur verträgliche Sättigungsgrad ist erreicht“ schon einmal gehört?
T.: Der Tourismusmarkt ist ein Markt welcher niemals gesättigt sein wird, denn es gibt immer neue Kundensegmente zu aquitisieren; neue Modelle; neue Angebote….denken sie doch nur an diese neue Mode des Nordic-Walking; mit dieser Unzahl an Nordic-Walking-Anlagen, welche in der Provinz in den vergangenen Jahren angelegt wurden….
P1: Ja?
T.: Ja, was glauben sie denn, wieviele Ärtze die Industrie kaufen musste, bis auch der letzte Volltrottel verstanden hatte; wie gesund und cool dieses Nordic-Walking ist
P2: Also eine Propagandaluftnummer?
T.: Dass sagen sie, nicht ich
P1: Es fällt mit der Zeit doch auf, dass solche neoliberalen Marktschreier wie sie, welche nie, aber auch wirklich nie genug bekommen können, nicht nur hier in der Provinz, denn immer ein breites-öffentliches Forum finden, um ihre jenseits von Gut, Böse und dem Jenseits zu definierenden Ideen der Masse auf das Brutalste hineinzutreten….wie kommt dass?
T.: Die Medien gehören nunmal dem Großkapital
P2: Angesichts all dieser Absurditäten….haben sie schon einmal daran gedacht in einem absurden Theaterstück mitzuspielen?
T.: Gegenfrage….sollte man denn etwa diesen Arbeitnehmern oder etwa diesen Pappbechern ein öffentliches Forum bieten….diese internationale, rein auf wirtschaftlichen Interessen, bestehende Medien- und Informationspolitik ist so wie diese nunmal ist, schon in Ordnung
P1: Ein Kennzeichen ihrer Branche ist, dass ihresgleichen immerzu jammern, während sie gleichzeitig nicht nur immer neue Rekordumsätze verbuchen können, denn auch jedes Jahr auf schlimmste Art und Weise die provinzielle Landschaft mit ihren verkitschten, megalomanischen Hotelbauten verschandeln und damit die Natur, welche ja die Basis ihrer Geschäftsgrundlage ist, zerstören. Sehen sie da einen Widerspruch?
T.: Ohne dass von ihnen so geschmähte Business, würden die Menschen in der Provinz doch immer noch denken, dass sie etwas mitzubestimmen hätten; das ihre Meinung irgendjemanden, wen auch immer, fragen sie mich nicht wen, interessieren würde….wir als Wirtschaftstreibende haben diesem Gedanken den Garaus gemacht
P2: Ihr Lieblingswort scheint Kärnten zu sein
T.: Dort ist es besser
P1: Und was hält sie dann noch in der Provinz?
T.: Ich bin ein Patriot
P2: Wenn sie mit ihrem fetten Auto durch die Niederungen der Provinz fahren, was denken sie sich da?
T.: Ich denke an das schlummernde Potential….noch mehr Hotels, noch mehr Umfahrungsstraßen, noch mehr Einflugschneisen, noch mehr Golfplätze, noch mehr Umsätze, noch mehr Umweltzerstörung….mehr und mehr und mehr und mehr….
P1: Ein anderes Thema….sie gelten als Förderer der schönen Künste und als solcher unterstüzen sie sehr viele junge, hübsche Künstlerinnen….
T.: Ja, das stimmt….ich habe erst kürzlich einige italienische Künstler zu uns in das Hotel eingeladen, um dort ihre Kunst zu zelebrieren
P2: Welche Art von Kunst
T.: Es handelte sich dabei, da es sich um italienische Kultur handelte, um einige Morde an kritischen Quergeistern in der Provinz
P1: Und was bekammen diese Künstler als Lohn?
T.: Unser Unternehmen wird nun auch in Kalabrien ein Hotel eröffnen
P2: Sozusagen die reinigende Katharsis?
T.: Wie man es auch sehen möchte
P1: Können wir ihnen zum Abschluß noch einige persönliche Fragen stellen?
T.: Ja
P2: Ihr Lieblingsgericht?
T.: Japanischer Reis
P1: Das letzte Buch, dass sie gelesen haben?
T.: Friedrich Merz….Mehr Kapitalismus wagen….Wege zu einer gerechten Gesellschaft
P2: Ihr letzter Urlaub?
T.: In Dubai
P1: Ihre Lieblingsfarbe?
T.: Grün
P2: Sehr geehrter Herr Tourismusvisionär vielen Dank für dieses Interview

7. Tag Ruhetag

8. Tag Im Vorraum der Macht und des Reichtum

P1: Noch mehr als alle anderen verehrter Herr Nützling, sehr vielen Dank, dass sie etwas von ihrer unendlich wertvollen Zeit für dieses Interview erübrigen konnten
P2: Vielen, vielen Dank
P1: Können wir dann mit dem Interview beginnen?
N.: So sei es
P2: Da unsere Leser nicht so belesen wie wir, die Praktikanten, wohl sind, möchten wir sie bitten unseren Lesern den Begriff des Nützling zu erklären
N.: Danke
P1: Also?
N.: Der Begriff Nützling bezeichnet ursprünglich wirbellose Spinnentiere und Insekten, welche dem Menschen in irgendeiner Weise nützlich sind….nun, dieser Begriff erfuhr Anfang des 21.Jahrhundert in einem europäischen Land mit dem seltsamen Namen Österreich eine Bedeutungsumwandlung, als die ebendort residierenden und herumflanierenden Reichen und Mächtigen begannen, die Heerscharen ihrer Diener und Dirnen, der ihnen zuarbeitenden Beamten und devot zu ihnen aufblickenden Angestellten, ihre Knechte und Mägde, ihre Untertanen und Leibeigenen, als Nützlinge zu bezeichnen….Nützlinge, welche ihr karges Einkommen, ja ihren Daseinsgrund ebendiesen Mächtigen und Reichen verdankten….es war dies auch ein wichtiger Schritt, da sich somit die oben Aufgezählten, welche nun zusammengefasst unter dem Namen Nützlinge firmierten, sich somit endgültig von den Überflüssigen absonderten….
P2: Mit den Überflüssigen meinen sie die 90 % an Bevölkerungsanteil, welche weder der Produktionsprozess, noch die Dienstleistungsgesellschaft, noch der Reiche bzw. Mächtige benötigt?
N.: Genau, diese wenigen Menschen, die unglücklicherweise 90% der Bevölkerung ausmachen
P1: Was sind die herausragenden Merkmale dieser Nützlinge?
N.: Nützlinge zeichnen sich vor allem durch ihr kriechendes, schleimendes, sich selbst andauernd erniedrigendes, devot dienendes, untertänigste Wesen aus
P2: Wobei es den Nützlingen ein sehr wichtiges Anliegen ist, festzuhalten, dass zwischen modernen Sklaven und Nützlingen ein riesiger Unterschied besteht
N.: Dass ist richtig….ein Nützling wird zu seiner Arbeit nicht gezwungen, denn geht dieser durch seine soziale Herkunft, durch seine familiäre Situation gezwungen, freiwillig hernach….es ist dem Nützling eine Freude immer glücklich und fröhlich zu erscheinen, denn der Nützling hat Spaß an seiner Unterwerfung und dient gerne; ist seinem Herr oder Frau treu und fürsorglich ergeben
P1: Nicht jeder wird nunmal als König geboren
N.: Nein, denn die allermeisten werden als Überflüssige geboren
P2: Also haben Nützlinge alles in allem zusammengenommen, sehr viel Spaß an, mit und bei ihrer Arbeit?
N.: Die Notwendigkeit zur völligen, bedingungslosen und freiwilligen Unterwerfung vor den Reichen und Mächtigen ist den Nützlingen von Geburt an eingetrichtet worden und so wurden die Nützlinge im Laufe der Zeit in unserer Dienstleistungsgesellschaft im Spätkapitalismus zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Lebensstil der Reichen und Mächtigen und des nie ruhenden Bedürfnis der Reichen und Mächtigen ihre Allmacht zu demonstrieren
P1: Sie wurden von der Nützlings-Dachorganisation „Devote Arme, allmächtige Reiche“ vor kurzer Zeit mit dem Ehrentitel „der“ ausgezeichnet….es ist dies eine Ehre, welcher dieser Dachverband, nur den untertänigsten, devot ergebensten, folgsamsten Nützlingen zuteil werden läßt. Sie werden also in Zukunft mit „der“ Nützling angesprochen. Was ist dass für ein Gefühl unter diesen Millionen von Nützlingen herauszustechen?
N.: Wie sie vielleicht nicht wissen, ist es uns Nützlingen verboten, allzugroße Gemütserregungen zu zeigen, denn der betreffende Nützling könnte dabei ja von einem Reichen bzw. Mächtigen beboachtet werden, welcher sich daran, also der Gemütserregung des Nützling, stören könnte; welches dann dem betroffenen Nützling nicht nur schaden, denn dessen Berufsreputation ruinieren würde….fatal wäre dann natürlich eine solche öffentliche Gemütserregung für einen „der“ Nützling…..aber ich schweife ab….um auf ihre Frage zurückzukommen….natürlich bereitet es mir eine unermeßliche Freude, eine beinahe unhaltbare Begeisterung, ein euphorisierendes Glücksgefühl von nun als ein „der“ Nützling angesprochen zu werden
P1: Gibt es genderspezifische Unterschiede bei den Nützlingen?
N.: Sie meinen die sexuelle Verfügbarkeit, die Käuflichkeit, der freiwillige Verzicht auf Stolz, Ehre und Armut?
P2: So ungefähr?
N.: Nein
P1: Anderes Thema….wir hatten zuvor das Vergnügen sie bei ihrer Ankunft vor dem Vorraum der Macht und des Reichtums beobachten zu können….sie fuhren mit einem Sportwagen neuerem Modell vor, aus welchem sie und eine überdurchschnittlich intelligente Blondine entstiegen, der Anzug, welchen sie tragen, riecht förmlich nach Geld; sie strahlen, erscheinen glücklich, wirken jung und vital….haben sie dass alles ihrer Arbeit als Nützling zu verdanken?
N.: Wissen sie, meine Karriere als Nützling verdanke ich allein meiner über aller Maßen ausgebildeter Unterwürfigkeit; meinem vor Devotheit nur so strotzendem Blick, meinem Geschleime, meiner bedingungslosen Bereitschaft jederzeit und jederort sofort vor den Reichen und Mächtigen zu kriechen und dass dann einem wie mir, welcher all diese, ihn von der Natur im Übermaß geschenkten Talente, gleich einem deutschen Soldaten, in seinem Beruf so ädequat einbringen kann; dass so einem dann alle Türen der Gesellschaft offen stehen….ist dann wohl nur allzu verständlich….ich krieche, ich schleime, ich bin devot und untertänigst gegenüber den Reichen und Mächtigen und mit der Zeit bekommt man dann so logisch wie sicher den Lohn für all diese Plakerei und Kriecherei….Blondinen, Sportautos….all das Spielzeug nunmal….
P2: Ein Verhalten, dass ihre, welches noch keinem aus der überflüssigen Masse geschadet hat?
N.: Noch nie….noch keinem….
P1: Ihr Lebensmodell ist also eines, welches doch all diesen unzählbaren Arbeitslosen zum Vorbild dienen sollte; all diese ratlosen Jugendliche doch motivieren sollte, ihren Weg, also jenen des Nützlings einzuschlagen?
N.: Absolut richtig….denn zu was ist der Mensch geboren….wissen sie eine Antwort darauf?
P1: Damit den Frauen nicht langweilig wird?
P2: Damit die Frau den Mann tyrannisieren kann?
N.: Nein und nochmals nein….der Mensch ist geboren um sein Leben den Reichen und Mächtigen zu widmen, diesen devot ergeben zu sein, diesen jeden Wunsch von deren zarten, sanften Lippen abzulesen, diesen jede vorstellbare und unvorstellbare Gefälligkeit zu erweisen; vor diesen zu kriechen und zu kuschen
P1: Also leben 99% der Menschheit für 1% der Menschheit?
N.: So war es doch schon immer….alle Zeitalter der Menschheit hindurch….
P1: ….und es wird sich nie etwas daran ändern….
P2: Und im Kommunismus?
N.: Da war es….seltsame Ironie der Geschichte….in dieser Hinsicht noch schlimmer
P1: Sie sind also davon überzeugt, dass die Zukunft der Dienstleistungsgesellschaft darin bestehen wird, das Millionen um Abermillionen von Menschen ihr karges Auskommen als Nützlinge fristen werden?
N.: Fur jeden Reichen und Mächtigen 100.000 Nützlinge
P2: Damit, wenn ein Nützling einmal ausfallen sollte, sofort Ersatz bereitsteht?
P1: Und für den Ersatz ein Ersatz?
N.: Korrekt
P2: Die Unterschicht richtet sich also wiedereinmal selbst?
N.: Seltsamerweise möchte keiner der Mächtigen und Reichen oberschichtengemäß sich seine Finger dreckig machen und braucht es auch gar nicht….denn die Unterschicht richtet sich von selbst
P1: Aber sie haben sich ihre Finger schon sehr oft dreckig gemacht?
N.: Stellen sie es sich wie ein Schachspiel vor….es hat noch nie ein Bauer ein Schachspiel verloren, denn immer der König….die Bauern machen die Drecksarbeit und der Bauer auf dem Spielfeld ist der Nützling im Leben
P2: Um auf ihre Auszeichnung zum „der“ Nützling“ nocheinmal zu sprechen zu kommen….welche Rolle spielten dabei Glück und Zufall, dass ausgerechnet sie dafür auserwählt wurden?
N.: Es war, wie ich bereits gesagt habe und um der Wahrheit ein weiteres Mal dienlich zu sein, meine für Außenstehende beinahe schon unvorstellbare Untertänigkeit gegenüber den Reichen und Mächtigen, welche mir zu dieser Auszeichnung verholfen hat
P1: Wie ist denn das Verhältnis der Nützlinge untereinander?
N.: Es herrscht natürlich ein Konkurrenzverhältnis unter uns….es ist ein Wettlauf, welcher Nützling am devotesten und untertänigsten gegenüber den Reichen und Mächtigen ist….es ist ein nie endender Kampf, nicht nur mit den anderen Nützlingen, denn vor allem ein Kampf mit sich selbst; ein Kampf von einem Selbst gegen seine Ehre und seinen Stolz; gegen sein MenschSein
P2: Nützlinge waren ja ursprünglich wirbellose Tiere; wie sieht es mit ihrem Rückgrat aus?
N.: Ein Nützling mit einem Rückgrat ist kein Nützling und basta!
P2: Nützlinge mit Rückgrat sind also für die Reichen und Mächtigen Verrückte?
N.: Falsch….Menschen mit Rückgrat sind für die Reichen und Mächtigen Verrückte….zumindest hier in der Provinz….aber eigentlich haben diese, meiner Meinung nach in dieser Welt nichts verloren….diese Menschen mit Rückgrat
P1: Apropos Welt….ist das Dasein als Nützling in der Provinz anders als in der Stadt?
N.: Es ist noch devoter, demütigender, untertäniger als anderswo
P2: Können wir ihnen zum Abschluß noch einige persönliche Fragen stellen?
N.: Meine Devotheit sagt ja
P1: Ihre Lieblingsfarbe?
N.: Jene, die den Reichen und Mächtigen am Besten gefällt
P2: Ihre Lieblingsspeise?
N.: Jene, die den Reichen und Mächtigen am meisten mundet
P1: Ihr Lieblingsbuch?
N.: Jenes, welches den Reichen und Mächtigen am meisten gefällt
P2: Ihr Traumurlaubsziel?
N.: Jenes, welches die Reichen und Mächtigen für mich auswählen
P1: Noch mehr als alle anderen verehrter Herr Nützling vielen Dank für dieses Interview

(Anmerkung des Verfassers: hinsichtlich weiterer Interviews im Nachwort nachzulesen; am Ende des Textes)

3. Szene Im Redaktionsraum

Personen:
Der Chefredakteur (C.)
Redakteur 1 (R1) Stellvertreter des Chefredakteur
Redakteur 2 (R2)
Redakteur 3 (R3) Leiter der Kulturredaktion
Redakteur 4 (R4)
Redakteur 5 (R5)
Der Starreporter (S.)
Die Assistentin (A.)
Redakteur 7 (G.) der italienische Redakteur
Adolf Schicklgruber (S.) Vorsitzender des Komitee….
Der Leonardo da Vinci der Provinz (L.)

Während die einzelnen Redakteure langsam in den Redaktionsraum eintrudeln, unterhalten sich ebendort, am Konferenztisch sitzend, der Chefredakteur mit seinem Stellvertreter Redakteur 1 und dem Redakteur 2.
Seitlich von diesen arbeiten 2 Handwerker an einer Konstruktion, deren Verwendungszweck nicht erkennbar ist.

C.: Haben sie sie schon gefunden?
R1: Jeder gibt sein Bestes
C.: Dass ist mir zu wenig
R2: Jeder Telefonanschluss, jedes Handy, ja der gesamte elektronische Datenverkehr wird von unseren guten Freunden bei den Behörden nur zu diesem Zwecke überwacht
R1: Jede Ausfallstraße ist blockiert, der gesamte Luftraum gesperrt; alle Wasserwege versperrt
C.: Haben sie die beiden Praktikanten schon gefunden?
R1: Chef, ein jeder verfügbarer Mann, eine jede verfügbare Frau sucht nach den beiden Praktikanten
C.: Und wenn sie die Provinz trotzdem schon verlassen haben?
R2: Unmöglich Chef….alle Grenzübergänge wurden geschlossen, alle Schotten sind dicht….es gibt kein Entkommen und früher oder später werden sich die beiden Praktikanten zwangsläufig in diesem Netz verfangen….schon nur aufgrund des Druck, welchen wir aufgebaut haben
C.: Kann jemand von euch, Redakteur 1 oder Redakteur 2, meine Frage mit einem klaren Ja oder Nein beantworten….haben sie sie schon gefunden?
R1: Nein Chef
R2: Aber bald Chef
C.: Wenn wir sie gefunden haben, dann wissen alle was zu tun ist?
R1: Ja Chef
R2: Sicher Chef
Redakteur 3 tretet an den Chefredakteur heran.
R3: Chef?
C.: Was ist Redakteur 3?
R3: Die Handwerker haben ihre Arbeit beendet
Der Chefredakteur blickt zu den beiden Handwerkern und betrachtet deren Konstruktion.
C.: Die Guillotine funktioniert einwandfrei?
R3: Die Guillotine ist einsatzbereit
R2: Wir haben ja noch einen Probelauf vor dem Ernstfall
R1: Mit Redakteur 6
C.: Bedanken sie sich im Namen der Provinz, also in meinem Namen, bezahlen sie die Handwerker und schmeissen sie dann diese aus meinem Haus hinaus
R3: Sehr wohl Chef
Redakteur 3 geht zu den beiden Handwerkern und begleitet diese dann aus dem Redaktionsraum hinaus.
Der Chefredakteur wendet sich wieder seinem Stellvertreter, Redakteur 1 und dem Redakteur 2 hinzu.
C.: Wie konnte es nur so weit kommen?
R1: Darauf weiß wohl niemand eine Antwort
C.: Wie auch?
R2: Manches bleibt wohl für immer unerklärlich
R1: Die Interviewreihe wurde vorzeitig abgebrochen, aber die Auslieferung, den Druck konnten wir, da niemand von den Redakteuren seine eigene Zeitung liest, nicht mehr verhindern
R2: Die Verantwortung trägt Redakteur 6
C.: Und bald trägt er nur noch diese Verantwortung auf seinen Schultern
R1: Wir haben den Interviewten als Schadensersatz eine hohe Bargeldsumme ausbezahlt….sie werden schweigen….
C.: Aber der Schaden ist schon angerichtet
R2: Erfahrungsgemäß vergisst der Leser solch einen Splitter der Wahrheit, solch etwas Kritisches innerhalb kürzester Zeit
R1: Diese Interviews widersprechen seinem, ihm von uns angewöhnten, Lesegewohnheiten….unser Leser kann doch nichts mit Kritik anfangen….der Leser wird es vielleicht gelesen haben, aber wohl kaum verstanden haben
R2: Dafür sorgen ja all die anderen Artikel, welche dem Leser in seinem unkritischen, unpolitischen und passiven Art fördern
C.: Ein wahrlich schwacher Trost
R1: Auf jeden Fall wird sich so etwas bzw. etwas diesen Interviews Ähnelndes in Zukunft nicht mehr wiederholen
R2: Dafür wurde gesorgt
C.: Und Redakteur 6? Wo ist er?
R1: Er wird bald gänzlich kopflos vor uns stehen
C.: Wie töricht war es doch von mir, Redakteur 6 und nicht unseren Dottore mit der Verantwortung über die beiden Praktikanten anvertraut zu haben
R2: Suchen sie den Fehler nicht bei sich….dass ist der falsche Weg
R1: Selbstvorwürfe ziemen sich nicht für einen Chefredakteur
C.: Ach, all diese armen Provinzmenschen, wie verwirrt, wie desorientiert sie wohl alle jetzt sein mögen….von dieser unangebrachten, jedlicher Aufmerksamkeit unwürdigen Kritik….da bemüht man sich jahrelang unserem Stammleser ein Märchen nach dem nächsten Märchen auf die Nase zu binden, ihm vorzugaukeln wie erfolgreich, wie schön und wie erhaben in der Provinz alles abläuft und dann dass….und dann auch noch in meiner Zeitung!
R2: Wir werden die beiden Praktikanten finden und zur Verantwortung köpfen!
C.: Was glaubt ihr denn, was in der StasiVolksPartei los ist….die wollen doch tatsächlich meinen Kopf
R1: Wozu es aber nicht kommen wird
R2: Ihr Kopf ist zweifelsohne zu wertvoll für die Provinz
C.: Kann mir denn irgendeiner von euch beiden erklären, wie so etwas möglich ist….da bietet man diesen beiden Praktikanten das Paradies auf Erden an und sie verwandeln es in die Hölle….da bietet man diesen beiden Praktikanten das Beste vom Besten; fühlt sich durch deren Oberschichten-Abstammung abgesichert; ist sich sicher; dass diese genau jene Suppe kochen und essen, die nur der Oberschicht schmeckt und diese versalzen dann diese, unsere Suppe mit Kritik…..dieser Kritik!
R2: Ich glaube es handelt sich bei diesen beiden Praktikanten um solche typischen geistig, menschlich und moralisch verlotterten Zeitgenossen
R1: Es sind solche typische Oberschichten-Kids; von der Liebe all dieser Frauen hin zum übersprudelnden Materialismus, von der Macht ihrer Väter, von diesem Überfluß an Geld verblendete Oberschichten-Kids
C.: Die kein, aber auch wirklich gar kein Verantwortungsgefühl kennen
R2: Ganz sicher nicht Chef
C.: Und dann solche Interviews führen
R1: Mann kann es so oder so machen, aber doch nicht so wie die beiden Praktikanten
C.: Was stört diese beiden Praktikanten denn an den provinziellen Verhältnisse….diese bekommen aufgrund ihres Reichtums jede Frau….diese können tun und lassen was sie möchten, ohne dafür auch nur die geringste Konsequenz von wem auch immer zu befürchten….diese speisen und wohnen wie die Götter….warum ausgerechnet diese beiden Praktikanten?
R2: Vielleicht eine noch unentdeckte psychische Krankheit bei den beiden Praktikanten?
R1: Ach was, verwöhnt sind sie….bekommen alles, haben alles und glauben nun, dass sie unbedingt gegen die Regeln der Provinz verstoßen müssen
R2: Also eine Art von Luxus-Rebellion?
R1: So ähnlich
C.: Und die Konkurrenz bewahrt Stillschweigen….ist dass auch zu 100% sicher?
R1: Dass sind Verrückte, keine Selbstmörder
R2: Dieses Stillschweigen dient auch und vor allem deren Interesse
R1: Da diese ja unser unterdurchschnittliches Niveau andauernd noch unterbieten müssen, um mit uns überhaupt um den Stammleser konkurrieren zu können
R2: Da bleibt der Konkurrenz wohl nichts anderes übrig, als mit uns in diesem konkreten Fall mitzuziehen
C.: Ach, diese Jugend von heute, da haben sie alles….Mädchen, Playstation, Sportwagen, Ferienwohnungen, Geld, Möglichkeiten und können doch das Kritisieren an uns nicht unterlassen
Redakteur 4 und Redakteur 5 betreten den Redaktionsraum, grüßen den Chef und setzen sich an den Konferenztisch.
C.: Ich möchte um meine gedämpfte Stimmung etwas aufzuhellen, etwas Positives von euch hören
R1: In der morgigen Ausgabe ihrer Zeitung ist ein wunderschön geschriebener Artikel über eine Gruppe von frustrierten, alten Frauen enthalten
R2: Und deren liebste Freizeitbeschäftigung
C.: Die wäre?
R1: Der alten, frustrierten Frauen liebste Freizeitbeschäftigung ist es über ihre Mitmenschen zu lästern, ihre chronisch schlechte Laune über ihre Mitmenschen auszuschütten und daraus, also ihrem blöden Gerede, dem Zänkischem, dem Verbissenen, ihren Daseinsgrund zu erschimpfen
C.: Und dass kommt bei den Stammlesern an?
R2: Unsere Stammleser lieben solche Artikel, denn es können sich sehr viele von diesen mit diesen alten, frustrierten Frauen identifizieren
C.: Dass war schon gut, aber es geht mit Sicherheit noch besser
R2: In der Samstagsausgabe erscheint ein dreiseitiger Artikel über die Todesspatzen
C.: Haben sie den Artikel bei sich?
R2: Ja Chef
C.: Dann lesen sie mir kurz einen Auszug davon vor
Redakteur 2 sucht den Artikel aus seinen Akten heraus und beginnt vorzulesen.
R2: Mit seiner Kastratenstimme erweicht der Sänger der Todesspatzen noch das verhärteste weibliche Herz; man spürt förmlich wie die Liebe von Millionen debiler Menschen den Todesspatzen entgegenströmt und wie ein Lächeln, ein freundliches Zwinkern, eine Entspannung der Gesichtsmuskulatur bei den ersten Tönen der Todesspatzen in diesen mürrischen, vom Leben gezeichneten Gesichtern festzustellen ist….blablabbla….welche absoluten Höchstleistungen in den Punkten Gesang, Lyrik und Komposition die Todesspatzen mit jedem ihrer Lieder vollbringen, kann man wohl erst dann verstehen bzw. realisieren, wenn man diese Ekstase, diese beinahe schon religiöse Verzückung bei ihren Fans schon einmal erlebt hat….blabblabla….so etwas Dumpfes, so etwas Naives und zugleich so Anspruchsloses hat man im deutschsprachigen Raum schon lange nicht mehr gehört….säubern sie ihre Ohren für diesen reinsten Klang klarster Poesie, also der Todesspatzen Musik….blablabla….
C.: Sehr schön Redakteur 2
R2: Somit hat die provinzielle Kultur ihre würdigen Vertreter in der Welt
R1: Welche auch in der Provinz bestimmen, wo es langgeht
C.: Es wird also im deutschsprachigen Raum der provinziellen Kultur jener Stellenwert gegeben, welchen diese ohne jedlichen Zweifel verdient hat
R2: Unsere anspruchslose, naive provinzielle Kultur ist mittlerweile im gesamten deutschsprachigen Raum die Leitkultur
R1: Was vor allem die Konservativen freuen dürfte
R2: Die Tradition ist also die Leitkultur
R1: Und diese großartigen Künstler wie die Todesspatzen, wie der Leonardo da Vinci der Provinz, die Schlampe hier und die Schlampe dort; der Dreckskerl dort und hier und all deren Konsorten, Nachahmer und Mitläufer werden in der Provinz wie Götter respektiert und behandelt….und all diese sorgen somit für eine niveaulose, anspruchslose, nichtsaussagende, unpolitische provinzielle Kultur, welche vor allem beim wankelmütigen Pöbel auf ungeteilte Gegenliebe stößt
C.: Damit auch unsere unerträgliche Arroganz durchklingt
R2: Diese klingt vor allem bei den Absatzzahlen in barer Münze durch
R1: Von deren allgemeiner Beliebtheit, deren Auktionsrekorden träumt ein jeder finanziell orientierter, also ernst zu nehmender Künstler
C.: Die Indoktrination hin zur Dummheit verläuft also reibungslos
R2: Die einzige Reibung die dabei entsteht, ist jene zwischen der Ignoranz und der Arroganz
R1: Kein kritischer Ansatz weit und breit….alles ist bestens, optimal und super
R2: Wenn da….ja wenn da….
C.: Diese beiden Dilettanten
R1: Diese kopflosen Spinner
C.: Sehr bald Redakteur 1….sehr bald sehr kopflos Redakteur 1
R2: Eine auf jedem Fall angemeßene Strafe
Redakteur 3 tretet an den Chefredakteur heran.
R3: Chef?
C.: Ja Redakteur 3
R3: Die Redakteure wären dann soweit
C.: Und Redakteur 6?
R3: Redakteur 6 wurde von der aufgebrachten Menge, welche vor unserem Pressehaus sich versammelt hat, gelyncht
C.: Wie gelyncht?
R3: Bei lebendigem Leibe in Stücke gehauen
C.: Er hat also seiner gerechten Strafe in das Auge gesehen
R3: Das Militär versucht nun wieder die Kontrolle über die aufgebrachte Menschenmenge zu erlangen
C.: Was verlangt der Pöbel?
R3: Ihren Kopf Chef….ihren Kopf
C.: Und der Schießbefehl?
R3: Unsere Portiere verhandeln darüber mit dem Militär….das Militär zögert noch, da sich Frauen und Kinder in der aufgebrachten Menge befinden
C.: Immer diese Skrupel….schließen sie die Tür….wir beginnen….
Redakteur 3 schließt die Redaktionstür und setzt sich dann an den Konferenztisch.
Der Chefredakteur erhebt sich von seinem Sitzplatz.
C.: Sehr geehrte Redakteure….(Ruhe kehrt in den Redaktionsraum ein)….so lassen sie uns diese Redaktionssitzung beginnen
Der Chefredakteur setzt sich wieder.
C.: Wie ich soeben erfahren habe, ist Redakteur 6 im Kampf für mehr Pressefreiheit, für mehr Pluralität, gefallen….ich weiß, dass wir alle sehr große Differenzen mit Redakteur 6 hatten; Streit, Schlägereien; inhaltliche Auseinandersetzungen; …. nichtsdestotrotz war Redakteur 6 Teil dieser Redaktion und deshalb möchte ich sie bitten eine Schweigeminute abzuhalten
Die Redakteure schweigen eine Minute in Gedenken an Redakteur 6.
C.: So…nun zurück zum Tagesgeschäft….wie sie vielleicht gehört haben, ist es bei dieser Interviewreihe, durchgeführt von den beiden Praktikanten, zu Kritik an den Verhältnissen hier in der Provinz gekommen….unangreifbare, von allen in der Provinz hochgeschätzte Einzelpersonen und Institutionen, wurden deren Heiligen-Schein beraubt und somit wurde eine in dieser Art noch nie dagewesene Krise von diesen beiden Praktikanten ausgelöst, welche nicht nur für die Provinz beispiellos ist….
Ein unterdrücktes Gemurmel unter den Redakteuren.
R1: Ich bitte gefälligst um Ruhe….der Chef hat das Wort!
C.: Diese Interviews sind in einem Zusammenspiel unglücklicher Faktoren in der Zeitung erschienen….zu spät wurde deren defitistisches Wesen bemerkt und somit wurde der Provinz, ein, nur durch Vertuschung, Unterdrückung und Käuflichkeit wiedergutzumachender Schaden zugefügt….ich appelliere nun an alle Provinzmenschen….in dieser Stunde der Kritik müssen wir Provinzler alle zusammenhalten und gemeinsam diese Kritik mit allen Mitteln abwehren….wir….also die ProvinzNaziÄrzte, die provinziellen Politik- und Wirtschaftsvertreter, wenn es denn zwischen diesen beiden denn einen Unterschied geben sollte; die Behördenvertreter, die Provinzkünstler, der deutsche wie italienische Pöbel….wir…..nur gemeinsam können wir dieser Kritik widerstehen und dafür sorgen, dass alles so niederträchtig und hinterhältig weiterläuft wie bisher….nur gemeinsam können wir diese Aufgabe, welche alle anderen Aufgaben in den Schatten stellt, erfüllen….wir müssen dafür Sorge tragen, dass alles so bleibt wie es war und ist….dass die ProvinzNaziÄrzte weiterpfuschen und die Opfer dann von den Winkeladvokaten, unter Anleitung der Volksanwältin fertiggemacht werden; dass die Behörden ihre Arbeit weiterhin im Sinne der Reichen und Mächtigen erledigen; dass der italienische wie deutsche Pöbel weiterhin in ihrer analfabetischen Art und Weise weiterpöbelt; dass die Provinzpolitiker weiterhin in ihrer niederträchtigen, gemeinen und hinterhältigen Weise alles vertuschen und begradigen können….denn es bleibt uns doch am Ende nichts anderes übrig; als festzustellen, dass in der Provinz alles so bleiben muss, wie es war; dass niemand irgendeine Veränderung wünscht; dass die Menschen alle zufrieden und glücklich sind; dass die Schlampen und Dreckskerle; dass die Reichen und Mächtigen; dass die und diese tun und lassen können, wie es ihnen beliebt….
Einige Sekunden beistimmendes Schweigen.
C.: Oder wollen etwas sie Redakteur 3; Leiter der Kulturredaktion, auf ihren exorbitanten Frauenkonsum verzichten?
R3: Nein Chef!
C.: Oder sie Redakteur 5….wollen sie auf all diesen elektronischen Spionagekram verzichten, um in unserem Auftrag und jenem der Stasivolkspartei und wohl auch der Behörden die Konkurrenz und unpassende Menschen auszuspionieren?
R5: Nein Chef!
C.: Oder sie Starreporter….wollen sie auf ihre investigativen, bahnbrechenden Reportagen in Zukunft verzichten?
S.: Was ist Chef?
C.: Der wievielte des Monats ist heute Starreporter?
Der Starreporter blickt um sich und räuspert sich dann.
S.: Chef, heute ist….heute ist der….der….
C.: Sehr gut Starreporter….hervorragende Arbeit wiedereinmal….heute ist also der….also besteht in diesem Punkt wohl Einigkeit….
Beistimmendes Gemurmel aus den Reihen der Redakteure.
C.: Wir müssen nun diesem so unverantwortlichen, wie unerwartet aufgetretenen kritischen Ansatz hier in der Provinz mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln entgegentreten und dafür Sorge tragen, dass hier in der Provinz nur ja niemand zu denken oder noch schlimmer zu reflektieren beginnt….ich möchte in dieser Hinsicht Vorschläge von euch hören….diesmal etwas konkreter und intelligenter als der Vorschlag das Kreuzworträtsel unlösbar zu gestalten….also?
R5: Eine großangelegte Werbekampagne für mehr Gewalt gegen Andersdenkende?
R4: Ein Kopfgeld auf alle kritischen Geister hier in der Provinz aussetzen
R2: Eine Zeitschrift herausgeben, welche sich an die moderne Frau von heutet richtet und in ebendieser Zeitschrift alte geschlechtliche Rollenmodell als hip und cool zu bezeichnen
R1: Eine Veranstaltungsreihe mit uns genehmen, also unpolitischen und unkritischen Künstlern zu organisieren und diesen Künstlern somit zum finanziellen, also künstlerisch relevaten Durchbruch zu verhelfen
C.: Ich finde eure unterträgliche Arroganz sehr inspirierend….aber noch intelligenter….noch konkreter….
R1: Den Pöbel….

Die Tür zum Redaktionsraum öffnet sich und eine sichtlich aufgeregte Assistentin des Chefredakteurs, namens Agatha Devote, betretet den Redaktionsraum.

A.: Chef!
C.: Agatha Devote, wir befinden uns inmitten einer Sitzung
A.: Chef! Chef! Chef!
C.: Redakteur 1 hat jetzt keine Zeit für sentimentale Angelegenheiten
R1: Meine Devote, so verstehe doch, dass….
A.(Redakteur 1 unterbrechend): Chef!
C.: Hysterie ist bei einer Qualitätszeitung wie der unseren unangebracht
A.: Chef! Chef! Chef!
C.: Hat der Pöbel die Eingangstür gefunden?
A.: Chef!
C.: So reißen sie sich gefälligst ein wenig zusammen!
A.: Chef?
C.: Was ist Agatha Devote?
A.: Eine Eilmeldung von der SPA
C.: Der SPA?
A.: Der SchweizerPresseArgentur
C.: Und ist diese Eilmeldung denn so wichtig, dass….
A.(den Chefredakteur unterbrechend): Dass ist die Meldung, dass ist die Meldung Chef
C.: Lesen sie vor
A.: SPA….Eilmeldung vom 10.10.xx; Kennzeichen XX.3.4.A384167….zweites Kennzeichen AA….
C.(die Assistentin unterbrechend): Den Text Agatha Devote, den Text!
A.: Das Komitee für die Vergabe des Nobelpreis für Medizin gibt bekannt, dass der Nobelpreis für Medizin, trotz heftigstem Widerstand des internationalen Ärzteverbandes, also diesem Verein von Demokraten, Amerikanern, Menschenrechtlern, Juden, Drogensüchtigen und Fremden, in diesem Jahr für seine außerordentlichen Leistungen an den ProvinzNaziHausArzt geht….
Einige Sekunden Schweigen.
A.: ….besonders seine brutale, offene Art, seine Weigerung bestimmten Menschen aus allerniedrigsten persönlichen Gründen zu helfen, hat dem ärztlichen Ethos, dem gesamten Berufsstand auf ein bisher noch nie dagewesenes Tief gebracht….vor allem dies hat das Nobelpreiskomitee schlußendlich dazu bewogen, den diesjährigen Nobelpreis für Medizin an den ProvinzNaziHausArzt zu verleihen
Einige Sekunden Schweigen.
Sichtlich gerührt, erheben sich 3 Redakteure von ihren Sitzplätzen und beginnen spontan das Deutschlandlied zu singen.

„Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stehts zu Schutz und Trutze
….

Auch die restlichen Redakteure erheben sich mit einer Ausnahme von ihren Sitzplätzen und singen dann mit.

Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang
Uns zu edler Tat begeistern
….

Während die Redakteure singen, erhebt sich nun auch als letzter, der italienische Redakteuer, namens Dottore Giacomo Nonsoniente, beginnt affenähnliche Geräusche von sich zu geben und sein Becken in obszöner Weise kreisen zu lassen.

Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
….

Das Lied ist gesungen und die Redakteure setzen sich mit Ausnahme des Dottore wieder auf ihre Sitzplätze.
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Was ist denn nun schon wieder Dottore?
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Was….was….wie….wir sind hier in Italien und nicht in Deutschland….ja, dass wissen wir ja Dottore….nein….nein Dottore….dass verstehen sie falsch….nein….nein Dottore
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Nein….nein Dottore….es ist nur ein Ausdruck der Freude und unserer unerträglichen Arroganz und nein….nein, kein Patriotismus….was….ich soll nicht lügen….wenn ich doch die Wahrheit sage
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Nein Dottore….nicht schon wieder….sie wollen uns schon wieder alle umbringen….wie….alle….ja, dass habe ich verstanden….alle….die froci, die cornuti, di porchi, die stronzi, die deficenti….einfach alle
Der Dottore bewegt nun sein Becken noch obszöner als zuvor.
C.: Aber nicht doch Dottore….eine Banane Dottore?….nein….alle umbringen….ja, ja, dass habe ich schon verstanden….wissen sie Dottore, ich habe eine Idee
G.: (unverständliches Kauderwelsch mit obszönen Beckenbewegungen)
C:: Ja, so beruhigen sie sich doch….wissen sie was….in Zukunft wird unsere Zeitung eine italienische Kulturseite haben….ja Dottore….ja, sie haben mich schon richtig verstanden….in italienischer Sprache
Beistimmende obszöne Beckenbewegungen vom Dottore.
C.: Also eine italienische Kulturseite, welche sie leiten Dottore und….was Dottore….ja?
G.: (unverständliches Kauderwelsch)
C.: Also gut….eine italienische Kulturseite, auf welcher sie täglich über einen Mord schreiben können….ist dass in Ordnung für sie Dottore?
Endlich scheint sich der Dottore Giacomo Nonsoniente zu beruhigen, setzt sich wieder in seinen Sitzplatz und beginnt sabbernd und sichtlich zufrieden eine Banane zu verspeisen.
C.: Also gut, dass wäre dann auch erledigt
A.: Chef?
C.: Ja Agatha Devote?
A.: Es gibt noch eine Meldung
C.: Lesen sie vor Devote Agatha
A.: SPA….Eilmeldung vom 10.10.xx; Kennzeichen ZT…..
C.(die Assistentin unterbrechend): Den Text Devote Agatha, den Text!
A.: Mehreren unbestätigten Medienmeldungen zufolge, kam es in vielen Dörfern und Städten der Provinz nach Bekanntwerdung der Meldung der Nobelpreisvergabe an den ProvinzNaziArzt zu spontanen Freudenkundgebungen auf den Dorf- und Stadtplätzen…..Tausende, wenn nicht Zehntausende von Provinzbewohnern feiern in diesem Moment diesen größten aller Triumphe für die Provinz….eine Augenzeugin namens Schlampe Dumme sagte zu einem unseren Reportern, dies sei der schönste Tag in ihrem Leben…..ein Augenzeuge namens Dumpf Backe….
C.(die Assistentin unterbrechend): Genug Agatha Devote….genug….notieren sie R1….
R1: Ja Chef
C.: Der morgige Titel unserer Zeitung….1 Zeile….Nobelpreis für Medizin an den ProvinzNaziHausArzt….2 Zeile….Die Provinz hat gewonnen…..3 Zeile….Die Boshaftigkeit und Grausamkeit sind unsere neuen provinziellen Leitwerte….die restliche Seite….Stellungsnahmen der wichtigsten Persönlichkeiten der Provinz….der Schlampenmeister, die Chefvertuscherin, die Volksanwälting und der Chef der Uniformierten….so machen wir dass
R1: Ja Chef
C.: Dass ist eine Chefangelegenheit, also kümmern sie sich darum Redakteur 1
R2: Jawohl Chef
C.: Was für ein schöner Tag auch….am Ende gewinnt dann doch noch die provinzielle Niedertracht, Gemeinheit und Hinterhältigkeit über die Menschlichkeit
R2: So ist es Chef!
C.: Teilen sie dem Pöbel vor meinem Pressehaus die Neuigkeit mit….dass wird heute noch ein schöner Tag!
Einige Sekunden Schweigen.
A.: Chef, da wäre noch etwas
C.: Agatha Devote, so lassen sie sich doch nicht ein jedes Wort aus dem Mund ziehen….sie sind hier bei der Arbeit und nicht bei Redakteur 1 zuhause
R1(verliebt flüsternd): Agatha….meine zuckersüße Agatha….
A.: Stellvertretender Chefredakteur
C.: Also?!
A.: Die aufgebrachte Menschenmenge vor unserem Pressehaus….(abschweifend) Redakteur 1….ich….ich liebe….
C.(Agatha unterbrechend): Ja und weiter!
A.: Die aufgebrachte Menschenmenge hat ein Anti-Kritisches Komitee gegründet und ebendieses hat dann einen Vorsitzenden gewählt
C.: Dass ist ja noch schlimmer als wie mit den Kommunisten!
A.: Und dieser Vorsitzende namens Adolf Schicklgruber befindet sich nun im Vorraum und verlangt ultimativ mit dem Chefredakteur sprechen zu können
C.: Wir befinden uns inmitten einer Redaktionssitzung!
A.: Ansonsten droht der Vorsitzende Adolf Schicklgruber mit dem Sturm auf die Bastille….nein, entschuldigen sie….mit dem Sturm auf das Pressehaus
C.: Er droht uns also….ist dieser Adolf Schicklgruber unbewaffnet?
A.: Er wurde beim Betreten des Pressehauses entwaffnet
C.: Was sagen sie dazu Redakteur 1?
R1 (verträumt): Agatha….
C.: Nicht zu Agatha Devote, zu diesem Adolf Schicklgruber!
R1: Entschuldigen sie Chef….wir sollten uns anhören, was er zu sagen hat
C.: Also Agatha Devote, so bitten sie doch diesen Mann das Herzstück der Redaktion zu betreten
A.: Ich soll diesen Mann in mein Schlafzimmer einladen?
C.: Bitten sie ihn einfach herein und schweigen sie ansonsten….
Agatha Devote, die Assistentin des Chefredakteurs und Geliebte des Redakteur 1, geht ab und kehrt nach kurzer Zeit in Begleitung des Vorsitzenden des Komitee der aufgebrachten Menge Adolf Schicklgruber in den Redaktionsraum zurück.
S.(schreiend): Schicklgruber mein Name!
C.: Herzlich willkommen in unserem….
S.(den Chefredakteur schreiend unterbrechend): Nieder mit der Pressefreiheit! Nieder mit der Meinungsfreiheit!
C.: Herr Schicklgruber, sie brauchen hier nicht zu schreien
S.(schreiend): Hoch lebe die provinzielle Einfältigkeit! Eine Parole für die Besten und Größten hier in der Provinz….den ProvinzNaziÄrzten….Es lebe der Tod!
C.: So beruhigen sie sich doch
S.(schreiend): Nieder mit dem Proletariat! Hoch sollen die Superreichen leben!
C.: Was sind ihre Forderungen?
S.: Drei Blondinen, ein Bündel großer Geldscheine, ein Artikel über meine Frau in ihrer Zeitng und ein Handwerker, welcher pünktlich zu seiner Arbeit erscheint
C.: Dass sind die Forderungen der aufgebrachten Menschenmenge vor meinem Pressehaus?
S.: Als Vorsitzender des Komitee der aufgebrachten Menschenmenge vertrete ich deren Interessen….also meine Interessen
C.: Wir können über alles verhandeln….nur dass mit der Pünktlichkeit des Handwerker könnte sich etwas schwierig gestalten
S.: Diese Forderungen des aufgebrachten Mob sind unverhandelbar….die einzige Alternative dazu, wäre ihr Skalp!
C.: Etwas was man dann doch, vor allem im Interesse der Provinz, verhindern sollte
S.(schreiend): Hoch lebe das kleinbürgerliche Idyll! Hoch lebe die provinzielle Kultur!
C.: Redakteur 1, verstehen sie etwas von dem, was dieser Mann sagt?
R1: Dass einzige was ich verstehe Chef, ist dass es sich bei diesem Herren Schicklgruber um keinen Provinzler handelt
R2: Also ein ausländischer Agitator!
S.: Aber haben sie keine Angst
Redakteur 1 deutet seinem Chefredakteur einen Vogel an, um zu zeigen, dass der Herr Schicklgruber nicht mehr alle Tassen im Schrank hat.
C.: Wer hat hier Angst?
S.: Ich bin auch eurer Seite
C.: Sie sind also auf unserer Seite, obwohl sie noch vor wenigen Minuten am lautesten nach meinen Kopf verlangt hatten?
S.: Ich habe den aufgebrachten Mob infiltiert
C.: In wessen Auftrag?
S.: Im Auftrag des österreichischen Geheimdienstes KSV
C.: Ich wusste es….ich wusste es, dass die Österreicher ihre Finger in diesem Spiel hatten….KSV….hat jemand von euch Redakteuren von diesem KSV schon einmal etwas gehört bzw. gelesen?
Die Redakteure verneinen kopfschüttelnd.
S.: Was ist der KSV und wofür steht er Herr Schicklgruber?
V.: Der KSV ist ein Zusammenschluß von Teilen des verfassungsrechtlich illegalen Polizeigeheimdienstes; Teilen der ÖVP; der Meinl- und Raiffeisenbank; Teilen der größten österreichischen Privat- und Staatsunternehmen und Teilen aus den verschiedenen Staatsapparaten und Ministerien; mit dem gemeinsamen Ziel die Interessen und Wünsche der Reichen und Mächtigen Österreichst im Inneren des Landes mit allen legalen wie illegalen Mitteln zwangsdurchzusetzen
C.: Und für was steht das Kürzel KSV?
S.: Im neoliberalen Österreich wurden vor einiger Zeit fast alle Staatsbetriebe und Behördenapparate privatisiert; so auch die Geheimdienste und so entstand aus einer privaten Interessensgemeinschaft der Reichen und Mächtigen der verfassungsrechtlich illegale KSV….der KSV….gefürchtet in Gesamteuropa….der KSV steht für KreditSchutzVerband
C.: Wie können sie uns helfen?
S.: Der Mob dort draußen vor der Tür hat Blut gerochen und verlangt nun ein hartes, ein gnadenloses und unerbitterliches Vorgehen gegen kritische Geister, gegen diese Pest der Intellektuellen, gegen diese Andersdenkenden und Quergeister!
C.: Da sind wir und der Mob ja einer Meinung
S.: Sie können ihren Kopf nur dadurch behalten, indem sie der aufgebrachten Menge einen Köder vor die Nase halten
C.: Also den Mob die beiden, bisher leider unauffindbaren, Praktikanten auszuliefern?
S.: Dafür ist es schon zu spät
C.: Was soll dass heißen?
S.: Dafür ist es schon zu spät
C.: Ich fragte nicht nach der Uhrzeit, denn nach dem Verbleib der beiden Praktikanten!
S.: Der KSV konnte nicht tatenlos bei dieser Angelegenheit zusehen und so haben die tapferen Männer und Frauen des KSV keine Sekunde lang gezögert
C.: Bei was gezögert?
S.: Da es sich bei den beiden Praktikanten um Reiche, also unfehlbare Geschöpfe, handelt, hat der KSV eine Rettungsaktion gestartet und die beiden Praktikanten nach Österreich gerettet
C.: Warten sie….habe ich dass auch richtig verstanden….die beiden Praktikanten befinden sich also nicht mehr hier in dieser Provinz?
S.: Die österreichischen Reichengesetze erlauben ein solches exterritoriales Vorgehen
C.: Was die österreichischen Reichengesetze erlauben oder nicht erlauben ist mir egal….ich verlange die Köpfe dieser beiden Praktikanten!
S.: Aber es handelt sich doch um Reiche….in solch einem Fall müssen alle Reichen und Mächtigen zusammenhalten
C.: Und nun?
S.: Ich habe vor kurzem mit dem Chef der provinziellen Uniformierten gesprochen….
C.: Ja?
S.: Wir haben eine harte, aber doch notwendige Entscheidung getroffen
C.: Welche Herr Schicklgruber….welche?
V.: Eine Hundertschaft von Uniformierten bringt in diesen Minuten ein Dutzend provinzieller Andersdenkender und kritischen Geister auf das Gelände vor dem Pressehaus
C.: Wo sie dem Mob zum Frass vorgeworfen werden
S.: So ist es
C.: Somit kühlt sich die Wut und der Hass des Mob an diesen Andersdenkenden ab
S.: Genau
C.: Agatha Devote….notieren sie
A.(einen Notizblock zur Hand nehmend): Ja Chef
C.: Drei Blondinen, ein Bündel großer Geldscheine, einen Artikel über die Frau des Herrn Schicklgruber in unserer Zeitung und einen Handwerker, welcher pünktlich zu seiner Arbeit erscheint
A.(Notizen schreibend): Aber dass mit dem Handwerker ist doch ein Ding der Unmöglichkeit
C.: Notizen schreiben Agatha; nicht denken Devote!
S.: Ich muss dann zurück zum Mob und die Ermordung der Andersdenkenden leiten
C.: Wohin sollen wir die 3 Blondinen und den Rest hinschicken?
S.: Ich werde sie darrüber noch informieren….einen schönen Tag noch Herr Chefredakteur
C.: Haben sie keine Gnade mit diesen Anderdenkenden Herr Schicklgruber!
S.: Keine Gnade!
Der Vorsitzende des Komitee der aufgebrachten Menge Adolf Schicklgruber geht ab.
C.(verträumt): Das wird heute noch ein schöner Tag
R1: Chef?
C.(verträumt): Alles endet dort wo ich es wünsche
R1: Chef!….Die Sitzung!
C.: Nächster Tagesordnungspunkt Redakteur 2?
R2: Der Leonardo da Vinci der Provinz
C.: Was ist mit dem?
R3: Nach dem riesigen Erfolg seiner Einzelausstellung im Dorf Y. malt der Leonardo da Vinci nun die Fassade unseres Pressehauses aus….
C.: Was ist das Problem?
R1: Der Leonardo da Vinci der Provinz ist andauernd betrunken; belästigt unsere weiblichen Angstellten sexuell und stellt diesen anschließend auch privat nach….er beschimpft und verunglimpft unsere männlichen Angestellen in wüster und roher Art und Weise
C.: Ich fragte nach dem Problem, nicht nach seiner künstlerischen Arbeitsweise
R1: Das Problem ist, dass nun überall im Pressehaus leere Bier- und Schnapsflaschen herumliegen; gebrauchte Kondome; Urinflecken und Farbkleckse an den Wänden; dazu noch überall Blutflecken von den Schlägereien, welche sich der Leonardo da Vinci der Provinz täglich mit den polnischen Putzfrauen gleich mehrmals liefert
C.: Dass gehört doch bei jedem ernstzunehmenden, also finanziell orientierten Künstler dazu!
R1: Er stellt die Geduld der weiblichen Angstellten auf eine harte Probe
C.: Na und?
R2: Seine Schimpftiraden sind im gesamten Pressehaus zu vernehmen
C.: Sollte er nicht die Fassade ausmalen?
R1: Der Leonardo da Vinci der Provinz sitzt im Moment auf unserer Druckmaschine und blockiert den gesamten Arbeitsprozess
C.: Warum?
R1: Der Leonardo da Vinci der Provinz behauptet, dass er bei seiner Arbeit ein devot kriechendes Umfeld braucht, um sich künstlerisch entfalten zu können
C.: Devote Agatha?
A.: Ja Chef?
C.: Holen sie mir den Leonardo da Vinci der Provinz sofort hierher
A.: Ja Chef
Die Devote Agatha, Assistentin des Chefredakteur geht ab.
R5: Chef?
C.: Ja Redakteur 5
R5: Ich hätte da noch eine Idee bezüglich der unerträglichen Arroganz
C.: Schießen sie los Redakteur 5
R5: Man könnte doch der Zeitung eine Gratis-Beilage beilegen….ich dachte dabei an ein einfaches Stasi-Set….damit sich die Menschen in der Provinz mit dem Stasi-Set gegenseitig alle überwachen können….die Nachbarn, die Verwandten, die Bekannten, die Feinde, die Freunde….denn hier in der Provinz sollte doch wirklich niemand ein Geheimnis vor seinem Nächsten haben
C.: Und sie glauben, dass würde funktionieren?
R5: Natürlich müsste man alle Anweisungen, alle Tips und Tricks mit Bildergeschichten illustrieren, denn dieses technische Kauderwelsch, diese hässlichen Worte würde ja sowieso niemand verstehen
C.: Damit ein jeder jeden überwacht….glauben sie nicht, dass die Provinzmenschen dass nicht schon längst selbst machen?
R5: Damit die Überwachung lückenlos wird
C.: Ich denke….
Der Satz des Chefredakteur bricht ab, als die Agatha Devote und der Leonardo da Vinci der Provinz den Redaktionsraum betreten.
C.: Leonardo da Vinci der Provinz; es ist mir eine große Freude ihre Bekanntschaft zu machen
L.: Ehre wem Ehre gebührt
C.: So von Chef zu Chef; sie, als größter Provinzkünstler und ich, als größter aller Provinzler; was hat sie dazu bewogen eine solch niedrige Arbeit wie jene die Fassade unseres Pressehauses auszumalen?
L.: Die komplizierte oder die einfache Antwort?
C.: Irgendeine Antwort
L.: Nur wegen meiner Schulden
C.: Wo haben sie Schulden?
L.: 30,87 Euro brutto beim Schnapsladen um die Ecke zum Beispiel
C.: Redakteur 1….gehen sie in den Vorraum….dort liegt ein Scheckheft für beliebige Spesen aus und schreiben sie unserem Leonardo da Vinci der Provinz einen Scheck in Höhe von….von 100 Euro brutto….niemand in der Provinz möchte doch, dass ein solcher Peanuts unseren größten aller Provinzkünstler von der Arbeit abhält
R1(von seinem Sitzplatz sich erhebend): Wird sofort erledigt Chef
Redakteur 1 geht ab.
L.: Chefredakteur?
C.: Leonardo da Vinci der Provinz?
L.: Außerdem ist mir die Atmosphäre hier im Pressehaus zu künstlerfeindlich; die weiblichen Angestellen wehren sich gegen meine sexuellen Avancen; die männlichen Angestellen nehmen meine Schimpftiraden nicht kuschend und gebeut devot entgegen….in solch einer Atmosphäre kann doch kein Künstler arbeiten
C.: Und wie sollten sich ihrer Meinung nach meine Angestellten denn verhalten
L.: Gänzlich normal….wie in der restlichen Provinz….devot kriechend und zu einem wie mir aufblickend
C.: Ich versichere ihnen, ich werde diese ihre Anweisung ab sofort jeden Tag als ersten Tagesbefehl ausgeben
L.: Schließlich sollten sich die Frauen unterordnen und die Männer kuschen
C.: Also das genaue Gegenteil zum Verhalten der Provinzler gegenüber dem Dichter?
L.: Dem wem?
C.: Des Dichters
L.: Der Dreck….
C.: Wie auch immer sie ihn nennen möchten
L.: Sehen sie sich doch die Provinzler an….die Jugendlichen hier in der Provinz….nicht nur beim Provinzpöbel, den Uniformierten, denn vor allem auch bei diesen Jugendlichen ist diese Verrohung, welche bei mir schon seit Geburt an, massiv ausgeprägt war, vorzufinden und wissen sie warum die Menschen dermaßen menschlich, geistig und sprachlich verroht sind?
C.: Keine Ahnung
L.: Da deren Väter und Mütter ihren Söhnen und Töchtern nichts anderes beigebracht haben, als dem Mammon nachzurennen, sich immer wie die Allerletzten zu verhalten….und da die Eltern dieses Pöbels, der ja in allen Schattierungen und Bereichen und Sparten der Provinz im Übermaß vorhanden ist, dieser, von der Politik, den Medien und der Wirtschaft, den Reichen und Mächtigen, herangezogener, infantiler, restlos debiler, rein auf Konsum und Hedonismus, also nur und nur auf das Geld ausgerichtete Masse sind, die nicht einmal dazu befähigt sind die Verantwortung über sich selbst zu übernehmen
C.: Daher diese Verrohung, die bei ihnen ja von Geburt an vorhanden war, bei all diesen Jugendlichen, ja bei allen Menschen?
L.: Was zählt denn bei den Menschen….die Menschen reduzieren doch mittlerweile ihr Leben auf Sex und Materialismus; auf das Recht des Stärkeren; kurz gesagt auf Vögeln, Fressen und spotten….dass ist die moderne Intelligenz….und egal wohin die Menschen blicken, was sie auch tun, von allen Seiten….der Politik, der Wirtschaft, den Medien wird ihnen bestätigt, dass sie dass richtige tun; wird die Masse dazu aufgemuntert
C.: Sie kritisieren also die bestehenden Verhältnisse?
L.: Nein, denn ich sehe mich als Teil dieser Masse und produziere meine provinzielle Kunst in diesem Kontext
C.: Und der Dichter?
L.: Diesem trifft diese Verrohung der Menschen völlig zurecht am härtesten….wer schwach, also arm ist, wird geschlachtet….wer stark, also reich ist, ist ein Künstler, ein Bürger, ein Mensch!
Der Leonardo da Vinci der Provinz dreht sich um und geht ohne ein weiteres Wort zu sagen, ab.
Der Chefredakteur blickt dem Leonardo da Vinci der Provinz staunend hernach.
C.: Und nun?
R2: Chef?
C.: Ja Redakteur 2?
R2: In den vergangenen Tagen erreichten die Redaktion tausende von Solidaritätsbekundungen, von Leserbriefen, die unsere Haltung teilen, die die beiden Praktikanten verdammen von tausenden Provinzmenschen, aber auch tausende von Leserbriefen von österreichischer, deutscher und vor allem schweizerischer Seite….von Chefredakteuren, von Hotelieren, von Luxus-Geschöpfen, von Diplomaten, von Privatbankern, von Rüstungsindustriellen, also von vor allem, aber nicht nur, Reichen und Mächtigen; welche ja das eigentliche Volk sind, auch wenn diese nur 4% der Bevölkerung ausmachen….ein jeder von diesen hat uns seine bedingungslose Hilfe und Solidarität zugesichert
C.: Und kein einziger Brief, welcher den Standpunkt der beiden Praktikanten verteidigt….kein einziger Brief, welcher sich auf die Seite der Machtlosen und Armen schlägt?
R2: Kein einziger Brief dazu Chef
C.: Die Unterschicht richtet sich wiedereinmal selbst
R2: Selbst die Unterschicht ist auf unserer Seite
C.: So kenne ich meine Provinz….meine Welt
Sichtlich augeregt kehrt Redakteur aus dem Vorraum in den Redaktionsraum zurück.
R1: Chef?!
C.: Was ist Redakteur 1….haben sie den Scheck an den Leonardo da Vinci der Provinz ausgehändigt?
R1: Ja Chef, aber….
C.(Redakteur 1 unterbrechend): Nichts da mit einem aber, ein solch verdienter Künstler um die Belange der Provinz hat das Beste verdient!
R1: Chef, ich wollte
C.(Redakteur 1 unterbrechend): Was….was ist….ist Agatha Devote etwa schwanger?
R1: Nein Chef, aber sie sollten sich….
C.(Redakteur 1 unterbrechend): Was….schon wieder eine neue Freundin?
R1: Nein Chef, so lassen sie mich doch aussprechen!
C.: Also….was ist Redakteur 1?
R1: Auf dem Gelände vor dem Pressehaus spielen sich unglaubliche Szenen ab
C.: Ja, wenn der Pöbel erstmal tobt
R1: Es hat sich in der Provinz rasend schnell herumgesprochen, dass einige Dutzend Anderdenkende vor dem Pressehaus dem Pöbel zum Frass vorgeworfen werden und nun strömen aus allen Himmelsrichtungen Tausende von Provinzmenschen hierher, um an diesem niederträchtigen Spektakel teilzuhaben
C.: Na und?
R1: Vom Norden der Provinz nähert sich der ProvinzNaziHausArzt, begleitet von Hunderten, wenn nicht Tausenden von ProvinzNaziÄrzten
C.: Dann tun sie wenigstens einmal in ihrem Leben etwas Sinnvolles
R1: Vom Süden der Provinz nähert sich der Tourismusvisionär mit hunderten seiner hauseigenen Angestellten
C.: Dann fällt das Erwachsenenprogramm heute wohl aus
R1: Vom Westen der Provinz nähert sich der Dorfpatriarch, begleitet von Hunderten Dorfpatriarchen
C.: Und vom Osten der Provinz?
R1: Tausende von Nützlingen….alle begleitet von ihren wunderbaren weiblichen Luxusgeschöpfen
C.: Was wird von den Grenzübergängen gemeldet?
R1: Tausende von Österreichern und Tausende von Schweizern bewegen sich in einer Zangenbewegung auf das Pressehaus hinzu
C.: Was für ein schöner Tag
R1: In diesen Minuten bringt eine Hundertschaft von Uniformierten zwei Dutzend Anderdenkender auf den Platz vor unser Pressehaus
C.: Und wo sind die boshaften provinziellen Frauen?
R1: Die ProvinzNaziÄrzte, der Tourismusvisionär, die Nützlinge, der Dorfpatriarch werden von Hunderten boshaften, jungen, durchgehend wunderschönen Provinzfrauen begleitet
C.: Dann braucht sich ja niemand irgendwelche Sorgen um die Niedertracht und die Grausamkeit machen
R1: In solch einer Stunde sollten auch wir uns der Masse anschließen und alle gemeinsam, in einem riesigen Kraftakt, diese Anderdenkenden zerstören!
C.: Ja Redakteur 1, dass ist eine gute Idee….die erste gute Idee seit Jahren
R1: Also?
C.: Wir schließen uns dem Provinzpöbel an!
Der Chefredakteur und die Redakteure erheben sich von ihren Sitzplätzen.
C.: Die Sitzung ist erst dann beendet, wenn keiner dieser Andersdenkenden mehr lebt….Nieder mit der Menschlichkeit
Die Redakteure: Nieder mit der Menschlichkeit!
Die Redakteure gehen ab.

Epilog

Kurze Zeit später erreichen die ProvinzNaziÄrzte mit dem an ihrer Spitze marschierenden ProvinzNaziHausArzt; einige Augenblicke später die Dorfpatriarchen und der Tourismusvisionär mit Anhang den Platz vor dem Pressehaus.
Endgültig in niederträchtigstem Gehetze und kreischendem und keifendem Getöse versinkt die Masse vor dem Pressehaus, als tausende von Nützlingen sich der Masse ebendort anschließen.
Die Frauen schimpfen und wälzen sich am Boden; die Männer schärfen ihre Messer und Fäuste; es breitet sich also im wahrsten Sinne des Wortes eine wienerische Progromstimmung unter den Anwesenden aus.
Der Pöbel tobt und diesem dürstet es nach Blut und Gewalt.
Auch der Chefredakteur und die Redaktion haben sich unter die Anwesenden gemischt und hetzen in schrecklicher Weise; verlangen den Tod der Andersdenkenden.
Schließlich erreicht eine Kolonne von gepanzerten Fahrzeugen der provinziellen Uniformierten den Platz vor dem Pressehaus.
Langsam öffnen sich die Türen der gepanzerten Fahrzeuge und diesen entsteigen zwei Dutzend provinzieller Anderdenkender.
Für einen Moment, der ewig scheint und doch sogleich vorbei ist, herrscht unter den Anwesenden eine absolute Stille, welche im nächsten Moment vom lauten Geschrei gebrochen wird.
Die Masse stürzt sich auf die Anderdenkenden; die Messer blitzen, die Fäuste fliegen, die Krallen strecken sich, die Schimpftiraden münden in einem hysterischen, fiebrigen und kranken Wahn….doch bevor der erste Schlag, der erste Stich, die Krallen die Anderdenkenden erreichen, geht plötzlich ein sehr lautes Grunzen durch die Reihen der versammelten Menge.
Panisch hält die Masse inne und anstatt dem Geschrei und dem Gekeife, den Schimpftiraden, vernimmt man nur noch ein sehr lautes, aus tausenden von Mündern strömendes tierisches Grunzen.
Unter einem unvorstellbarem Gegrunze und tierischem Wiehern fallen die Kleider, beginnen die ProvinzNaziÄrzte, die Nützlinge, der Leonardo da Vinci der Provinz, die Dorfpatriarchen, die Redakteure, die Uniformierten, der Tourismusvisionär, die boshaften Frauen; ja alle Anwesenden, unter denen sich auch viele Provinzpolitiker und provinzielle Mächtige und Reiche befinden, in seltsamer Art und Weise sich zu verwandeln.
Die Menschen fallen zu Boden und grunzen; strecken ihre vier Gliedmaßen aus und grunzen; ihre Nasen scheinen größer zu werden und grunzen; ihre Ohren wachsen und ihre Finger verwandeln sich in Klauen und grunzen.
Langsam und doch unendlich erschreckend verwandeln sich die Anwesenden, mit Ausnahme der Andersdenkenden, in Schweine.
Es ist eine riesige Schweinerei.
Kaum hat sich ein Mensch endgültig in ein Schwein verwandelt, beginnt dieses über das nächste Schwein herzufallen und so fressen sich die Schweine gegenseitig auf.
Und auch wenn der Zustrom von tausenden von Provinzmenschen nicht enden möchte, so erblickt man doch bald nur noch eine riesige Menge an Schweinen auf dem Platz vor dem Pressehaus.
Erschüttert und schockiert verfolgen die Anderdenkenden wie sich die Schweine gegenseitig zerfleischen; versuchen zu helfen, doch es ist schon zu spät.
Es ist, wie bereits geschrieben, eine riesige Schweinerei.
Am Ende bleibt nur ein Schwein übrig, ein fettes und hässliches Schwein, welches einige Sekunden später, aufgrund der diesem im Kampf zugefügten Verletzungen, tot umfällt.
Die Andersdenkenden wenden sich vom Ekel, über diese riesige Schweinerei, überwältigt, davon ab und gehen ab.
So hat all diesen Menschen, als deren wahre Natur zum Vorschein kam, all dass von ihnen so geliebte Geld, all ihre Reichtümer, all ihre Macht, all ihre Boshaftigkeit, all ihre Hinterhältigkeit, all ihre Niedertracht, all ihre Gemeinheit, auch nichts mehr genutzt.

The End

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