Ein Film: Der ewige Gärtner (2005)
von Fernando Meirelles

….die wahrheit muss eine lüge sein….(z.ü.)

Als Justin Quale, der britische Diplomat, am Ende des Films auf einer Anhöhe bei einem See sitzt, an seine Frau denkt, seiner Heimat, seine Frau namens Tessa Quale, welche von einem internationalen Pharmakartell ermordet wurde und sein Blick über die Landschaft schweift und dieser, Quale, auf seine Mörder wartet, wie er dort sitzt und wartet….
…..sein Leben, seine große Liebe Tessa, seine Nachforschungen, seine große Liebe….
….dieser Augenblick ist ein sehr beeindruckendes Sinnbild….es ist ein Sinnbild unserer unzeitgemäßen Zeiten….der Mensch, welcher verloren, allein, gegen übermächtige Feinde, welche im Schatten operieren, keine Beweise, keine Spuren hinterlassen, welche die staatlichen Strukturen, die gesellschaftlichen Strukturen, die öffentliche Meinung kontrollieren, bekämpft….
….der Mensch, der von den privatwirtschaftlichen Interessen zermalmt wird….
….der Mensch, welcher von allen bekämpft wird, da er die Wahrheit wissen möchte, die Wahrheit über den Tod seiner Frau und diese Wahrheit ist nicht die Wahrheit der Gesellschaft, der Privatwirtschaft, der öffentlichen Meinung, des Staates….
….diese Wahrheit muss eine Lüge sein oder solchermaßen wahr, dass derjenige, der sie weiß sterben muss und so wartet Quale….
….er wartet heimatlos auf seinen Tod….

Der Film erzählt seine Geschichte und offenbart dem Seher seine Schönheit erst mit der Zeit, es ist unter anderem die Schönheit des idealistischen Blickes, welcher durch die Augen von Tessa Quale, der Ehefrau von Justin Quale, in die Welt hinausblickt, einer Welt, welche sich schon längst damit abgefunden hat, dass dieser Planet der hoffnungsloseste und traurigste im gesamten Universum ist, diese Tessa findet sich nicht damit ab, dass wirtschaftliche und politische Interessen Menschen zu variablen statistischen Zahlen verkommen lässt und spürt dem verbrecherischen Wirken und Handeln eines Pharmakonzern nach, eines Konzern, welcher Verbindungen in höchste politische und gesellschaftliche Kreise unterhält, für Profit, Gier und Niedertracht skrupellos, gewissenlos, morallos, menschlichlos agiert und deren Vertreter im öffentlichen Meinungsbild als die größten Gutmenschen, Wohltäter und Weltverbesserer erscheinen (mit einer Werbelawine, welche jeden Zweifel an der Güte und Empathie dieser Konzerne, im Wind zerstreut)….

….ein Film, welcher eine Realität zeigt, die nur allzu real ist, in welcher privatwirtschaftliche und staatliche Interessen sich immer mehr angleichen und die Vertreter beider auf Menschenleben, auf Moral, auf Ethik, auf die Menschlichkeit keine Rücksicht nehmen und im Interesse der großen Konzerne die staatlichen Behörden Beihilfe leisten….
….Beihilfe leisten zu Mord, zur Verleumdung, zum moralischen und ethischen Bankrott jedlicher Menschlichkeit….

….Tessa und ihr Begleiter werden bestialisch ermordet und mit diesem Tod beginnt der eigentliche Film….ihr Mann, Justin Quale, ein konservativer, ruhiger, auf dem ersten Blick leidenschaftsloser britischer Diplomat in Kenia beginnt im Mordfall seiner Frau zu ermitteln, einem Fall, welche die Behörden, wie in solchen Fällen üblich, nach 5 Minuten Ermittlungen abgeschlossen und archiviert haben und natürlich die Guten sind….
….und um so mehr Quale nachforscht um so tiefer gerät dieser in das Dickicht moderner Zustände…..einem Dickicht aus politischer Kumpanei, Korruption, Gleichgültigkeit, Interessen, Manipulationen, Verschwörungen, dem Konkurrenzkampf zwischen Niedertracht und Grausamkeit, welche der größte Unmensch dann immer für die Menschheit gewinnt….
….es ist dies ein Dickicht, dessen Komplexität angedeutet wird und in welchem bald niemand mehr weiß wer die Guten und die Bösen sind, wer Freund, wer Feind ist, in welchem die Pragmatiker und Oppurtunisten, weiblich wie männlich, ihre Überflüssigkeit in zweckdienlicher Instrumentalisierung nicht menschlicher, denn wirtschaftlicher und politischer Interessen, umsetzen können….
….in diesem Dickicht verwischen sich alle Sicherheiten und Vorstellungen….
….und daneben die allermeisten Menschen, im Westen wie in Afrika….lethargisch, uninteressiert, unpolitisch, darum bemüht ihre Idylle aufrechtzuerhalten und zwischen dieser riesigen Masse an Indifferenten und jenen, welche dem System sich zudienen und alle Vorteile genießen….alles Schöne und Gutes dieser Welt haben, dafür dass sie die Menschen, die Menschheit und den Planeten zum möglichst niedrigsten Preis an das Verderben verkaufen und zwischen all diesen Menschen gibt es immer wieder diese Menschen…..welche gegen die Lethargie kämpfen, gegen die Selbstverständlichkeit mit welcher Menschen die Realität als unveränderliches, starres, unmenschliches Konstrukt hinnehmen, kämpfen, welche gegen alle Widerstände, welche aus allen Richtungen auf diese einprallen, vor allem auch von der offiziellen Seite, welche gekauft, eingebunden, Beihilfe leistend zum Mittäter wird und die Interessen eines Konzernes, über jenen der Bürger eines Landes stellt….ihre Lakaien aus den Apparaten, aus den Konzernen auf diese Menschen losschicken….deren Privatleben ruinieren, diese verrückt machen, isolieren und am Ende meistens wohl töten….
….und aufgrund des Mordes an seiner Frau wird dieser Quale zu so einem Menschen, der Tod seiner Frau ist seine Initation, mit dem System, dessen Unmenschlichkeit und Gnadenlosigkeit unübersehbar ist, zu brechen, eine Entscheidung welche ihm das Leben kosten wird….
….und Quale beginnt zu graben, entdeckt die Verbindungen zwischen Behörden und Privatwirtschaft….wie sie sich alle für ein paar Cent ihre Menschlichkeit, ihre Würde und ihre Ehre abkaufen lassen….und wie die Menschen alle auf ihrer Seite sind….von oben bis unten, von links bis rechts, vom Gutmenschen bis zum Bösewicht, von der hübschen jungen Frau bis zum sterbenden Greis….er gräbt und findet Erschreckendes, verendend in den Gräben des Profit und der Unmenschlichkeit….

….am Ende des Films, am Ende seines Lebens befindet sich Quale auf einer Anhöhe bei einem See und wartet auf die Auftragskiller….
….sein Leben, seine große Liebe Tessa, seine Nachforschungen, seine große Liebe….
….der Mensch, veloren, und allein, der auf seinen Tod wartet, da er die Unmenschlichkeit des Staates, der Konzerne, der Behörden nicht mehr akzeptierte….

….er wartete heimatlos auf seinen Tod….

….ein Sinnbild ohne Sinn….

….ein Sinnbild unserer Zeit….

….die Wahrheit muss eine Lüge sein….

( http://books.guardian.co.uk/departments/
generalfiction/story/0,,442453,00.html )

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