….kafkaesk….(zu überarbeiten)

Franz Kafka war kein lebenstüchtiger Mensch….von geringer Lebenskraft, zart und mager, pathologisch sensibel und ernst, früh vereinsamt und versteinert, gesundheitlich ab 1917, 34 Jahre alt, bis zu seinem frühen Tod mit 41 Jahren, 1924, an Turberkolose leidend; von seiner Familie sich nie recht lösend könnend (wohl ein mißratener Sohn)….als Beamter bei einer Versicherung beruflich unglücklich, Zeit seines Lebens Prag verlassen wollend und mehr oder weniger immer dort verbleibend, schwierige Beziehungen zu Frauen pflegend, sich dieser, schüchtern und verschlossen, 3 mal verlobte und die Verlobung dann ein jedes Mal wieder löste….und so kann man erkennen, dass Franz Kafka immerzu ausbrechen wollte, aus der Umarmung seiner Familie, aus den ihm übertragenen Aufgaben (eine Fabrik zu beaufsichtigen); aus seiner Heimatstadt, aus den Beziehungen zu den Frauen, aus seinem Leben….
….und so blieb er Zeit seines Lebens ein Gefangener seiner Selbst….

….dieser Franz Kafka….ein allem Anschein nach ein hoffnungsloser Fall, mit einem kurzen, nach außen hin unscheinbarem Leben, welches man wohl als nicht besonders glücklich bezeichnen konnte, kränklich, in seiner Entfaltung gehemmt und unglücklich, aber dann doch, in der Stille der Nacht, in einer Kammer schreibend und schreibend, sich dieser mit seiner schwierigen Beziehung zu seinem tatkräftigen, lebenstüchtigen Vater auseinandersetzte (das genaue Gegenteil von Franz), die zersetzende Auseinandersetzung mit sich Selbst suchte, die Verlorenheit und die Absurdität beschrieb und vor allem das Schreiben an sich suchte und fand, er, der keiner jener war, denen es leicht gefallen war zu schreiben, denn immer wieder legte er den Stift für Monate, Jahre aus seiner gliedrigen Hand, um sich dann wieder Zeile für Zeile abzuringen, denn eine Folter war ihm das Schreiben und zugleich die größte Notwendigkeit….es bedeutete ihm alles und doch hatte er selbst die geringste Meinung über sein eigenes Werk („restlos und ungelesen zu verbrennen“)….
….zu verbrennen….so wie Bücher allerzeiten und auch heute noch verbrannt und verbrennt werden, wie z.B. das „Tagebuch der Anne Frank“….mit dem Unterschied, dass Kafka sein Werk selbst verbrannt wissen wollte, so als ob er die Totalitarismen, den Nazismus und den Stalinismus, welche nach seinem Tode ihre Triumphe feierten, mit deren wütendem Wirken gegen Aufklärung, Kultur und Intellektuellem, vorwegnehmen wollte….

Und so schrieb dieser Franz Kafka im Verborgenen, in der Aufmerksamkeits-Losigkeit von außen, sich der Sinnlosigkeit seines Tun`s bewußt, unterstützt von einigen wenigen Freunden, schrieb er in der Nacht und arbeitete des Tages und als er, körperlich gebrochen, mit ihm zu Ende ging, wollte er sein Werk zerstört wissen (er, der vieler seiner Werke bereits selbst zerstört hatte)….Das Schloss, der Prozess, Der Verschollene (Amerika), die Erzählungen….sein Werk, welches ja die Essenz seines Lebens war, welches Kafka mit seinem Herzensblut niedergeschrieben hatte und hätte es da nicht seinen Freund Max Brod gegeben, welcher gegen den ausdrücklichen, testamentarischen Willen Franz Kafkas gehandelt hatte, denn zu wertvoll erschien diesem das Schaffen Kafkas, dieses Werk aus unvollendeten Romanfragmenten und kurzen Erzählungen, wie Diamanten der Literatur, die vom menschlichen Auge, vom menschlichem Geist erst noch erblickt und entdeckt werden mussten, wäre dieses Werk, wie viele Werke vor und nacht ihm, verloren gegangen und es könnte sich heute wohl keiner an diesen Prager Versicherungangestellten erinnern….

….und erst Jahrzehnte später, nach den wohl schrecklichsten Jahren der Menschheitsgeschichte, keine 60-70 Jahre von der Gegenwart entfernt, dem Nazionalsozialismus und seinem schrecklichen Bruder; dem Stalinismus; wurde das Werk Kafkas einer breiteren Schicht bekannt und plötzlich befand sich dieser kleine Prager Jude, befand sich Franz Kafka in einer Reihe mit den ganz großen der Literatur und gerade da er dort nicht hineinpasste, so ganz und gar nicht, gerade deshalb gehört Franz Kafka eben dorthin, Seite an Seite mit diesen….

….Franz Kafka hatte einen gänzlich eigenen Ton, einen eigenen Stil; er hatte die Nüchternheit des exellenten Beobachters und er erkannte als einer der ersten die Absurdität des modernen Menschen….gottlos, hoffnungslos, vergeblich, scheiternd….
….ahnend, dass das Wissen den Menschen nicht weiterbringt, diesen besser macht, menschlicher, gütiger, denn dieses Wissen den Menschen erst recht mit Zweifeln erfüllt, so wie das Alter den Körper, so die Zweifel den Geist….
….und verloren der Welt der Mensch, deren Komplexität, nicht nur jener des Menschen, denn er Komplexität aller Systeme, Regelwerke und Zufälle um diesen und an welcher der Mensch dann zerbricht, einer Technik, die der Mensch zu beherrschen glaubt und welche immer mehr den Menschen selbst beherscht….und seine Tragik, die Tragik seines Scheiterns in aller Revolte, in aller Auflehnung, zuletzt meist an sich selbst zerbrechend, wie der Mensch dabei verloren gegangen ist, während des Menschen-Schlachtens des 1. Weltkrieg und den daraus entstehenden noch viel größeren Katastrophen wie den 2.Weltkrieg, den Nazismus und dem Stalinismus…und in alle diesem weltgeschichtlichen Katastrophen der Mensch, verloren, hoffnungslos, die sich ihm bietenden Möglichkeiten als Unmöglichkeiten erkennt, wie der Mensch verzweifelt ringend mit sich selbst, seinem Schicksal, dieser Welt, den Menschen eine Lösung sucht, einen Ausweg und wie er bei diesen Versuchen scheitert, ja zum scheitern verurteilt ist….und bestraft wird (von den Menschen, vom Schicksaol) für sein Ringen, für sein Kämpfen, für seine Versuche…..

Der Prozess, das Urteil, die Strafe, die drei wesentlichen Elemente im Werk von Kafka, das Gesetz, nicht nur jenes juristische, denn das Gesetz, dass sich der Mensch selbst erschaffen hat, wie ein Kreuz, dass der Mensch mit sich herumträgt und diesem Gesetz sich unterordnen muss, seinen Prozess, sein Urteil und seine Strafe erwartend, absurd und sinnlos….und vielleicht hat Kafka erkannt welches ungeheuerliches Jahrhundert auf die Menschen da hinzurast, das dunkelste und das hellste Jahrhundert; gespalten zwischen größtem Triumph und größter Niederlage, der sich ständig ausweitenden Disziplinierung, welche mittlerweile in alle Bereiche des menschlichen Lebens eingreift (meisterhaft dargelegt in Michel Focault`s „Überwachen und Strafen“), der atemlose technische Fortschritt, welcher den Menschen überholt und überflüssig gemacht hat, das Aufblühen der Kultur, beschränkt auf wenige, die demographische Explosion, das Massensterben, das Hungern, alles, in einer für den Menschen wohl unbegreifbaren Komplexität eingebettet und die Verlorenheit des Menschen angesichts einer Realität, welcher dieser gar nicht mehr verstehen kann, denn wenn überhaupt, nur noch intuitiv erahnen kann, angesichts riesiger Machtapparate, in den Himmel hineinwachsender Bürokratietürme; angesichts solch komplexer Konstrukte wie die Privatunternehmen, welche krakenhaft in jede Sekunde des Lebens eines Menschen bewußt und unbewußt hineingreifen….
….der Mensch, allein, einsam, verlassen, im Stich gelassen, auf sich selbst zurückgeworfen und ständig um sein Überleben ringend, sich gegen übermächtige, meist aus dem Dunkeln, dem Ungewissen, ja dem Mythischen heraus operiererenden Gegner sich zu wehren versucht und erkennend, das des Menschen größter Triumph in seinem Tod besteht….
….die Absurdität, das Tragische, das Sinnlose….

Franz Kafka hat eine gänzlich eigene Dichtung, eine eigene Stimme und sein Wunsch, dass sein Werk vernichtet würde, da es keine erheiternde Lektüre ist, keine zerstreuende, denn exentielle Dichtung ist, der Mensch auf sich selbst wieder reduziert wird, keine Leichtigkeit, keine Holadrioio und sich die Fragen stellt, die immergleichen Fragen, jene die wohl niemals beantwortet werden und so möchte ich sagen, gut….ja gut, dass dieses Werk erhalten geblieben ist, auch wenn der Sinn des Werkes wohl auch in seiner Zerstörung gelegen hätte….
….und gerade heute, in einer gehetzten, zeitlosen Gegenwart, welche keine Zeit innezuhalten hat, in welcher nur die Worte Profit, Geld und Rendite zählen, nur der wirtschaftliche Nutzen, den Ertrag den man erwirtschaftet, zählt und alle sich diesem Zahlenmonopoly unterordnen (mit dem Zufall als größtem Lebenskünstler) ist ein Werk wie jenes von Franz Kafka dringstens notwendig, denn auch die Reichsten, die Profitabelsten, die Renditen-Haftesten, bleiben letztendlich mit den gleichen Fragen beschäftigt, wie etwa ein K. aus „Das Schloss“….einen Ausweg, eine Lösung und dann das Scheitern….die Tragik, das Absurde, das Sinnlose….

….albert camus über franz kafka….

Wir werden hier an die Grenzen des menschlichen Denkens versetzt. Ja, an diesem Werk ist im wahren Sinne des Wortes alles wesentlich. Jedenfalls stellt es das Problem des Absurden in seiner Gesamtheit dar….Es ist das Schicksal und vielleicht auch die Größe dieses Werkes, daß es alle Möglichkeiten darbietet und keine bestätigt.

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