….ein schöner Moment….

Anfang/Mitte Dezember des vergangenen Jahres befinde ich mich in einer Millionenstadt und ich beschließe eine Bekannte in einem etwas außerhalb des Stadtkerns gelegenen Bezirk zu besuchen….ich benutze die U-Bahn, wechsle in die Straßenbahn und fahre dann mit dieser, scheinbar endlose Mauerwände entlang und bemerke zu spät, dass ich zu weit gefahren bin, so steige ich aus und spaziere im Regen 2 Straßenbahnstationen zurück….als ich dort, wo ich hin wollte, ankomme, bemerke ich, dass ich zu früh dort eingetroffen bin und so beschließe ich in einer Kneipe an der Ecke, gleich in der Nähe, ein Bier zu trinken….so betrete ich das Lokal und in diesem befindet sich eine Wirtin, etwa 50-55 Jahre alt, sehr städtisch; und ein Bekannter der Wirtin, etwa im selben Alter; die Beiden spielen Karten, scheinen sich weder durch Krieg noch durch Frieden aus ihrer Ruhe bringen zu lassen und ich setze mich an die leere Theke, bestelle und bekomme ein Bier, trinke davon; blättere die lokalen Tageszeitungen durch….die wichtigste Nachricht des Tages betrifft einen Bären namens Knut….nun ja….ich denke etwas nach und da ich an diesem Tag noch nicht viel gegessen habe, fällt mein Blick auf das Speiseangebot, welches auf kleinen Tafeln (könnte auch eine Tafel gewesen sein) hinter der Theke mit Kreide angeschrieben stehen….ich beschließe etwas zu essen und nach einigem Zögern meinerseits, ob ich die Wirtin, bei ihrem Kartenspiel wohl stören sollte; spreche ich diese an und diese macht drei Schritte nach rechts und steht vor mir….und ich möchte dass da bestellen….ist schon aus….und ich möchte dies bestellen….ist schon aus….und das da….ist schon aus….und ich frage was es noch gibt….die Wirtin überlegt kurz, murmelt etwas von Küche schon geschlossen und sagt dann, Linsen-Eintopf mit Knacker würde es noch geben….das könnte sie mir aufwärmen….ich überlege und überlege und da mich die Wirtin so durchdringend anblickt, bestelle ich einmal Linsen-Eintopf mit Knacker und noch ein Bier….die Wirtin geht ab, verschwindet in der Küche, spielt Karten, deckt mir einen Tisch, spielt Karten, hält mich in ihrem Blickfeld fest im Auge, bringt mir das Bier und ich übersiedle auf den Tisch und die Wirtin spielt Karten und verschwindet immer wieder für kurze Augenblicke in die Küche….ich bin skeptisch….ich hatte noch nie Linsen-Eintopf mit Knacker gegessen, aber so schlecht würde die Speise dann wohl nicht sein….ich warte, trinke vom Bier und schließlich kommt die Wirtin mit einem Suppentopf mit Deckel und stellt diesen vor mir ab…..diese sagt mir, ist noch heiß und wünscht mir einen guten Appetit, geht ab und ich öffne vorsichtig den Deckel und erschrecke beinahe….die Speise sieht wirklich nicht so gut aus, gelinde ausgedrückt und nicht übertreibend….ich weiß nicht….was mache ich jetzt….was mache ich nur jetzt….wenn ich nicht davon koste, vielleicht verspeist mich dann die Wirtin mit ihren Blicken….ich blicke zur Wirtin, diese ist wieder im Kartenspiel vertieft….vielleicht verspeist mich die Wirtin, wenn ich nicht von der Suppe zumindest koste und dass halte ich für fürcherlicher, als dass, was da vor mir im Suppentopf herumschwimmt….unidentifzierbare….wohl Gemüsestücke in Undefinierbarem schwimmend….die Linsen, welche wie es mir erscheint, aus dem Suppentopf, welcher, fast bis obenhin voll ist, mehr oder weniger zu fliehen versuchen und in der Mitte all dieses Essen-Gemetzel trohnt eine riesige Knackwurst, die aussieht, als ob sie schon seit Jahren in dieser Suppe unterzugehen versucht, aber es dieser einfach nicht zu gelingen vermag darin zu ertrinken und ich ringe mich durch, todesmutig nehme ich den Löffel in die Hand, nehme noch einen Schluck Bier zu mir, denke an den Hunger, den leeren Magen und koste ein paar von den freischwimmende Teilen….nun ja….ich esse weiter….eigentlich nicht so schlecht….ich esse weiter….die Knackwurst wird in Stücke geschnitten und….löffeln, schneiden, essen….schneiden, essen, löffeln….essen, löffeln, schneiden….schmeckt eigentlich gar nicht so schlecht….wirklich nicht….weiteressen….eigentlich ganz gut, das Essen….weiteressen….einige Minuten später habe ich den Suppentopf geleert, die Knackwurst verspeist und so lege ich den Löffel beiseite, nehme mir einen großen Schluck vom Bier und irgendwie ist da jetzt, plötzlich und unerwartet, ein wohliges Gefühl im Magen und eigentlich, jetzt wo ich alles verspeist habe, ja eigentlich, war dass ja wirklich gut….eine wirklich gute Mahlzeit….ich trinke das Bier aus, bezahle, sage der Wirtin, dass es mir gut geschmeckt hat, verlasse das Lokal und gehe einige Meter….ich fühle mich sehr satt und sehr gut, beinahe….für einen Pessimisten beinahe unvorstellbar….gut….ein schöner Moment….

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